Nr. 299 Zweites Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Mittwoch, 22. Dezember 1926
ist
und rocittrapenb, daß man bei einer Erörterung des Wohnungsproblems nicht daran wird Vorbeigehen können. Das Wohnungsproblem aber drkngt zur Lösung. Mit vollem Recht schreibt Staatsminister von Locbell einleitend zur Denkschrift: „Die Woh- nungslosen und die Arbeitslosen erwarten eine er- lösende Tat."
General f) e r fo o g , 3U richten. Die nationalistischen Buren dagegen bewahren ihrem Führer gegenüber eine oorbilblidje Parteidisziplin und scheinen sich mit dem Gedanken versöhnt zu haben, Schritt für Schritt ihr heihumstrittenes Ideal eines völlig un» ----Die
Klang, Farbe, Rhythmus des Szenenbildes. Man hat das sichere Gefühl: dies hier begibt sich in Mexiko. (Ohne recht zu wissen, warum.) Wer Wersel kann das: mit drei Worten eine Landschaft malen, der Phantasie mit sparsamsten Farben, ein paar flüchtigen Geigenstrichen, einem Trommelwirbel, einer Marschmusik, etlichen flatternden Wimpeln die Richtung weisen. (Einmal läßt der Kaiser, so nebenbei, die Worte fallen: „Ananas, Azur und Kolibri!..." 5>.c drei Worte geben der Szene Hintergrund, Ausblick und Stttn- mung; man schlictzt die Augen, man ist in Mexiko.) Ein bestrickender Einfall: Iuarez, das große, unmittelbarste Gegenspiel Maxim lians, bleibt unsichtbar. Rapoleon auch: aber Dazaine ist von innen und außen sein getreues Abbild. Iuarez spiegelt sich vielfältiger. 3m Einzelnen (in Di,z etwa), in Gruppen, in Massen derer, die ihm anhängen. Man sieht nicht ihn selbst, sondern seinen Schatten, ilnö der Schatten ist riesengroß, beherrscht die Szene fast stärker, als es eine lcibhastige Verkörperung vermöchte. D.e unheimlich ungreifbare Gefährlichkeit di:ses Degoers ist erstaunlich ins Drama gezaubert. Ein ausgezeichneter Zug, den Unsichtbaren durch daS Auge der andern erleben zu lassen. Ganz zuerst, wenn ein Kriegsberichterstatter einen kurzen Blick ins Rebenzimmer wirst, wo der Dürgerprüsident ausruht. Ganz zuletzt, im Epilog, wenn man 3uarez hinter einer zuckenden, jauchzenden, rasenden Bolkemenge einziehen sieht uni) hört.
Man hat gelagt: Iuarez werde ..erklärt", wie der Schill:.Wallenstein durch sein Lager. Lind wieder dentt inan an den Friedländer: wenn Maximilian dem ärgsten Verräter (Lopez) am sorglosesten vertraut. Oder wenn man erlebt, wie der Einfluß einer ehrgeizigen Frau (der Kaiserin Char'.o te) den Untergang des unglücklichen Habsburgers besch.eunigt.
SS fehtt an Raum und ist auch nach dem zuvor Gesagten nicht notwendig, dem Ganz der Er- eigni se im Einzelnen zu folgen. Werfel schrieb den tragisch umleuchtcten Schlußakt deS Habs- burgisch-mexi'anilchen Aben euere M t toeriren Worten: Maximilian ist „eine Fehlbesetzung", ein zarter, ganz nach Innen gerichteter, um 3deale ringender Mensch, ein Träumer, Schwärmer, Romanttrer: kein Hande'nder, kein Pol ti er. fein Feldherr: ht.f'oZ zwischen größeren Mach en. taub gegen gu'e Stimmen, Freunde, Helfer: blind vor Gegenkräften, vor offenen und heimlichen Gegnern: er will ein glückliches Mexiko, die Versöhnung mit 3uarez. die .Indianerreform" — er muh den Blutbefehl unterschreiben, sich
Die Beurteilung, die die Tätigkeit des Generals Heruog auf der Londoner Konferenz sowohl in s. A. P.- wie m Na:. Kreisen Südafrikas gefunden hat, ist geeignet, auf die Einigung der vurischen
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bar cinzuwirken, um so mehr, als sich in Natal (Durban), viele, auch gemäßigte, englische Mitglieder der 5. A. P. um die Gruppierung des englischen Bcoölkerungselements unter der Parole „Südafrika erst als Teil des britischen Reiches" bemühen. In diesem Falle würde ein reines Burenkadinelt mit Sjerfcog und Smuts als prägnantesten Persönlich- keilen auf eine bauernde Mehrheit im Parlament und auf die Möglichkeit rechnen können, die jedem Buren oorschwebenden Ideale eines vom Aequator bis zum Kap geeinigten Durenreichs allmählich zu verwirkttchen. sollten die beiden burischen Lager die Brücke zu dauernder 3ufammcnarbeii finden, fo sind die Tage der britischen Fahne, der englischen j)crr|"d)ait und des englischen Elements in Südafrika endgültig vorbei.
Der Reichsbürgerrat zum Wohnungsbauproblem.
Der Reichsbürgerrat hat in einer im „Deut* chenspiegel" soeben veröffentlichten Denk- chrift ausführlich zu dem gesamten Problem Stel- ung genommen. Er erhebt die Forderung, daß die Wohnungszwangswirlschaft alsbald aufgehoben werden müsse, und daß man mit aller Energie die Maßnahmen zu ergreifen habe, die notwendig sind, um die bisher staatlich gebundene Wohnungswirt- schcift wiederum den Gesetzen der freien Wirtschaft überzuführen. Er legt mit überzeugendem Zahlenmaterial dar, daß das Haupthinbernis für einen ausreichenden Wohnungsbau weniger in dem absoluten Mangel an Kapital als vielmehr in der ungenügenden Rentabilität des baulich festgelegten Kapitals zu suchen ift Da sowohl die Herstellungskosten für Neuhäuser wie insbesondere die Zinsen für die Baukapitalien weit über dem durchschnittlichen Lebenshaltungsinder liegen, muß nach seinen Darlegungen die Hauptaufgabe darin bestehen, durch eine entsprechende Ermäßigung der Zinsen des Baukapitals den notwendigen Ausgleich herbeizuführen. Die Grundgedanken sind kurz folgende:
JsteineReichswohnungszähIung notwendig?
Der Rum-'er 53 brs ^Deutschenspie» gell (Berlin W 33) entnehmen wir: Die Reichsregierung wilc im fommeniKm Jahre eine allgemeine Wohnungszählung vorn:hmen. Sie glaubt, diese Zählung zu brauchen, um die Grundlagen für i) i e Wohnungsbau- Politik der nächsten Jahre zu schaffen. Die Zählung kostet selbstverständlich Geld, sogar viel Geld. Allein der Rüchsarbeitsminisdrr rechnet mit einem Kostenanteil des Reichs von 6XC0Ö Reichsmark. Wenn man den Wohnungsneubau der privaten^ Initiative wicder zuführ!, dann wird diese Zählung überflüssig. Statt einen umständlichen buceaukratischen Apparat in Bewegung zu setzen und Zählungen zu veranstalten, deren endgültige Ergebnisse erst nach mo.iate- lancer Frist zugänglich werden und auch dann wahrscheinlich fragwürdig bleiacn, sollte man es der freien Wirtschaft überlas,en, den Bedarf in der ihr gewohnten W:ise festzustellen. Die freie Wirtschaft besitzt ein sehr feines Fingerspitzengefühl für den tatsächlich:n Bedarf. Sie ist taufenbmal besser als jede Bureaulratie in der Lage, ihn festzu,stellen und ihn in wirtschaftlich einwandfreier Weise zu decken, wenn man ihr nur den Weg dazu freigibt. Die unproduktive Ausgabe der Wohnungszählung kann erspart werden, wenn man rechtzeitig daran geht, ben vorn Reichsbürgerrat in seiner kürzlich veröffentlichten Denkschrift vom Wohnungsbauproblem gemachten Vorschlag, auf den auch wir hingewiesen haben, in die Tat umzusetzrn.
Gießener Stadttheater.
Kranz BZerfcl: „Iuarez und Maximilian".
Was ist uns Iuarez? Wer weint um Maximilian? Wer erinnert sich an das politische Zwischenspiel in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wer denkt noch an den längst begrabenen Kaisertraum A.tÖsterreichs in Mexllo? Kaum einer. Die riesigen Schatten der uns näheren Weltgeschichte verwischen alles, was als Episode vorherging. iliü> dies hier war nicht mehr als eine Episode: vor welthistorischen Kulissen zwar... aber flüchtige Erinnerung haftet demroch minder am Schulwissen, als etwa an zwei verbreiteten Bildern, die die scharfen Pointen des Intermezzos sinnfälliger auf die Rach- toelt brachten: sie schildern die „letzten Augenblicke" (beliebtes Motiv aller Historienmalerei!) und die Erschießung des gescheiterten Habsburgers Maximilian. Zwar kommt es — uns, heute — so wenig auf den Inhalt dieser Gemälde an. wie darauf, daß man die geschichtlichen Vorgänge kennt. Immerhin ist es förderlich, an d.e wichtigsten Daten zu erinnern.
Rach der Abdankung Augustins I. war Mexiko Republik, die Republik Schauplatz dauernder Bürgerkriege. Ein Präsident stürzte den andern. Präsident Iuarez, der 1861 ans Ruder kam, zeichnete sich zunächst durch eine scharf antiklerikale Haltung aus, geriet auch bald in außenpolitische Verwicklungen: England. Spanien, Frankreich sahen ihre südamerikanischen Interessen bedroht. Währeird England und Spanien, nicht gewillt, die politischen Phantasien Rapo- leons III. mitzumachen, sich diplomatisch mit 3ua- xex verständigten, erklärten die hitzigen Fran- rosen den Krieg, landeten Truppen, beramen das Land militärisch in die Hand — und schoben den Erzherzog Maximilian (Bruder des Kaisers Franz Josef) auf den Thron der von ihnen errichteten Monarchie. Maximilian folgte gutgläubig der (französisch beeinflußten) .Stimme deS Volkes" von Mexiko. Iuarez wurde zwar in den Rorden deS Landes gedrängt, aber nicht unterworfen. Maximilians Stellung war äußerst unglücklich. Zumal das von den Franzosen erzwungene ,Blutd:kre." verschärfte die Abneigung gegen den fremden Kaiser, dessen Lage krllisch wurde, als Iuarez wieder vorzugeben begann, und die Franzosen (unter dem Druck Nordamerikas) die Räumung deS Landes begannen. 1867 schifften die letz.en unter Rapoleons Statthalter Baza ine sich ein. Maximilian glaubte bleiben zu
müssen, obwohl seine Anhängerschaft sich schnell verringerte. Er wurde mehrfach geschlagen, gefangengenommen, zuletzt standrechtlich verurteilt und (19. Juni 1867) mit zwei Generalen erschossen. Iuarez zog als Sieg-er in Mexiko ein.
Werfel sucht hier (und findet) den Ausgleich zwischen Geschichte und Tragödie, er gibt eine künstlerische Historiographie. Das h ißt: aus einem politischen Ein; eis all wird der menschliche Gehalt in einer dichterisch gestalteten Form herauskristallisiert. Der Vorgang wird in feinen inneren ilmriff en, mit seinen seelischen Hintergründen und Triebkräften anS Licht gebracht: nicht der politische, diplomatische, militärische Fall steht zur Verhandlung der Rachwelt, nur der menschliche.
Wie Maximilian bei Lebzeiten wirklich gewesen ist, wie er innerlich ausgeschaut hat. wird vielleicht nie einer ergründen. Man ist — noch in den ersten Szenen der Historie — überhaupt im Zweifel, ob er so etwas sein kann wie ein Modell zum dramatischen Helden. Ist er nicht eine ganz passive, handlungsunfähige Gestalt, ohne Energien und Triebkräfte? Man merkt später: er ist es nicht. Rur: die Tragödie dieses Mannes — wofern es Tragödie ist — wurde ganz nach innen getrieben. Er ist (bei Werfel) und war (in der Desch chte) doch wohl mehr als nur eine Schachbrettfigur im Spiel der Mächte, zwischen den großen Spielführern Ra- poleon und Iuarez. Das Ganze ist auch mehr als nacherzählende, aufreihende, bilderstcllende Chronik: Raum, Zeit, Handlungselemente sehen sich in dramatische Energien um.
Werfel erweist sich als e n Dialektiker großen Stils, der den aus Gegenpolen entspringenden, zur Spannung hochgetriebonen Gesprächsablauf glänzend beherrscht. Hier erlebt man kaum mehr die langatmigen Reflexionen und opernhaften Selbstgespräch: des alten Dramas: eine glückliche Gabe zu strenger Prägung des Wesentlich:n, eine scharfgeistige Sprache macht die Szene gleichsam durchsichtig, läßt zwischen den g sprachen en Worten die inneren Zusammenhänge wahrnehmbar Werdern
Die Dildkrall Werfels offenbart sich ebenso im Ablauf des Ganzen, im szenischen Ausbau und Wandel der drei Phasen deS Äückes. wie im einzelnen, etwa in den sehr klar aus grellem Licht und prallem Schatten herauSmodellierten Umritten der handelnden Gestalten. Man spürt auch den Lyriker Werfel deutlich. und es ist — sonderbarerweise — kein Fehler, daß man ihn spürt. Er gab doS Atmosphärische der Historie,
abhängigen Südafrika verwirklicht zu sehen.
Buren sanden mit der Zeit Verständnis für die genialen Pläne ihres englischen Mitbürgers Cecil N h o d e s. sie haben eingejehen, daß die Parole: ein einheitliches südafrikanisches Reich vom Aequa- tor bis zum Kap der Guten Hoffnung! von den Buren übernommen werden kann, und daß es
Umgruppierung in Südafrika.
Von einem gelegentlichen Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Stellenbosch, im November 1926.
Soweit man aus den sich stark widersprechenden Aeußerungen der verschiedenen südafrikanischen politischen Kreise ein gültiges Urteil bilden kann, ist die öffentliche Meinung in Südafrika mit den noch sehr nebelhaften Ergebnissen der britischen Reichs- konserenz .zufrieden.
Selbstverständlich befleißigt sich die sübafrika- Nische Imgopresse damit, in den getroffenen Regelungen nur schwarze Gefahren für den weiteren Bestand des britischen Reiches zu sehen, vor allem die unionistischcn Organe der Natalprooinz glauben die britische Regierung vor voreiligen Schritten auf dem Wege zur Reichsdezentralisation warnen zu müssen und kündigen den Unabhängigkeitsbestre- Düngen ihrer südafrikanischen Landsleute nieder- deutlchen Stammes leidenschaftliche Bekämpfung an. Die südafrikanische Partei ihrerseits sieht in dem Ergebnis der Rcichskonferenz zum Teil die Verwirklichung eines Punktes ihres eigenen Programms und benutzt die Gelegenheit, um einige Unsreundlich- teilen an die Adresse des nationalistischen Premiers,
dem Eindringen Iamesons, 1896, „The South Asrican League". Sehr zu denken gibt die Tatsache, daß die spitzsindigcn Gründer und Drahtzieher dieser irreführcnben Vereine stets einer und derselben Bevölkerungsgruppe angehön haben, nämlich der Randssinanz. dem Großlapital, das die Vernichtung der südafrikanischen Republik als höchstes poli- tisches Ideal betrachtete.
Nach dem zweiten Freiheitskrieg entwickelte sich 1904 aus den Uederbleibseln dieser früheren Vereine allmählich eine organisierte Parteipolitik; dieselbe kapitalistisch eingestellte Gruppe hatte unter dem gleichfalls irreführenden Namen progressive (fortschrittliche) Partei eine neue Vereinigung gegründet, während die Burenführer Botha und Smuts ihre transoaalcr Gefolgschaft im „Volk" zu- sammenfahten, und eine dritte Gruppe, die der englischen Afrikaner, unter der Führerschaft colomons und Hulls die „Responsible Government Assoeia- tion ins Leben gerufen hatte. Aus dem ersten Wahl- kampf 1907 trat Louis Botha als Sieger hervor und bildete das erste Transoaaler Kabinett. Die „progressive"' Partei war vernichtend geschlagen worden.
Als 1910 die Südafrikanische Union zustande kam, vereinigten sich die Surenparteien der verschiedenen Provinzen zur „Südafrikanischen Nationalen Partei", die spater „Südafrikanische Partei" genannt wurde, während ihre Gegner sich um die „Unionistische Partei" scharten und die englischen Industriearbeiter in den verschiedenen Bergwerksbezirke!. Ortsgruppen einer Südafrikanischen Ar- beiterpartei gründeten. Im Wahlkampf siegten die Buren noch einmal und Botha konnte auch als erster Premier der Union die Bildung des Kabinetts übernehmen. 1912 veranlaßten grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten den General Hertzog zum Austritt aus dem Botha-Kabinett und bald darauf wurde durch Gründung der Nationalen afrikanischen Partei gegen die Tendenz Bothas, zugunsten imperialistischer und kapitalistischer Interessen die unmittelbaren Belange des eigenen Stammes zu vernachlässigen, ein Gegengewicht geschaffen, das bald auf Kosten der S.A. P. so starke Bedeutung gewinnen konnte, daß die S. A. P. gezwungen wurde, bei anderen Parteien die für eine Aufrechterhaltung der Regierungsmehrheit erforderliche Unterstützung zu suchen.
Im Wahlkampf 1924 wurde die „unlonistische" S. A. P. von den durch Wahlpakt vereinigten N. A. P. und Arbeiterpartei geschlagen und von den siegreichen Parteien eine Koalitionsregierung gebildet, an deren Spitze sich General Hertzog bis auf heute zu halten vermochte und in deren Schoß sowohl die Nationalisten wie die beiden Arbeiter* 'Vertreter ihren verschiedenen Grundsätzen treu bleiben konnten.
Inzwischen ist von den alten Grundsätzen der S. A. P. nach ihrer organischen Verschmelzung mit den Unionisten praktisch nicht viel übrig gebileben: von den 52 Parlamentsmitgliedern der S. A. P. stnd 36 frühere Unionisten und nur 16 noch ehemalige „Sappen". General Smuts, der immer noch dem Namen nach als Führer d?r S. A. P. gilt, hat feit 1925 das Vertrauen der beiden Flügel feiner Partei mehr und mehr verloren und versucht nun meistens durch private Vermittler eine Wiederver- elnigung mit der Partei Hertzog zustande zu bringen. General Smuts mußte, wenn er seiner Partei nicht zum Selbstmord raten wollte, sein ganzes Augenmerk auf eine Entzweiung der beiden Regie- rungsparteien richten. Im vorigen Mai vermeinte er eine günstige Gelegenheit dazu im Flaggen- und Nationalitätsenlwurf des Dr. Malan zu erblicken. Jedoch bat die ganze Flaggenkampagne keiner Partei so empfindlich geschadet, als gerade der S. A. P., die doch die ganze Bewegung ins Rollen gebracht hatte. Vor allem in Natal und anderen britischen Bezirken haben verschiedene Mitglieder der S. A. P. in ihrem Haß gegen die Suren sich zur Gründung großer englischer Aktionsoereine, wie „Empire Group . „Unity League", „British Patrio- tic League" verleiten lassen, während die aus Kanada importierte Geheimorganisation der „Sons of England" große Verstimmung in den Reihen der 6. A. P.-Mitglie-er burischer Herkunft hervor- gerufen hat.
zwecklos ist, die Verwirklichung diefes großen Zu- kunftsibeals durch einen überstürzten Kampf um die Unabhängigkeit der südafrikanischen Union in ihrer kleineren, heutigen Form zu gefährden. Mit einer erstaunlichen Folgerichtigkeit, ob Anhänger von Smuts oder von Hertzog, verficht jeder Boer die Eingliederung des Bafuta-Se;fchuana- und Swasi- lanbes sowie Nord- und Süd-Rhodesien und des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika in die südafrikanische Union. Die Buren haben schon längst erkannt, daß ihnen in der Zukunft nicht mehr soviel Gefahren von feiten der Engländer als wohl von feiten der Farbigen asiatischer oder afrikanischer Herkunft drohen. Fest überzeugt, die südafrikanische Unabhängigkeit eines Tages auf evolutionistischen Wegen zu erreichen, bringen nach dem Vorbild der „Voortrekkers" früherer Zeiten die Soeren unaufhaltsam nach Norden vor. Jeder, der mit den ostafrikanischen Verhältnissen der Nachkriegszeit vertraut ist, wird das Anschwellen des boerischen „Treks nach Norden beobachtet haben: schon jetzt sitzen in den südlichen Gebieten des ehemaligen Deutsw-Ostafrika saft ausschließlich nur Suren. Diese haben nicht wie viele ihrer weißen Landsleute die Absicht, nach kürzerem oder längerem Aufenthalt dieses Gebiet wieder zu verlassen, sondern kausen sich ein und betreiben Land- und Viehwirtschaft.
Neben dieser allgemein völkischen Tendenz der Buren, sich gegen die Engländer als Siedler zu behaupten, siegreich nach dem Norden vorzudringen und die ansässigen oder eingewanderten Farbigen in die für nötig befundenen Schranken der poli- tischen Willensäußerung und praktischen Tätigkeit ziirückzudrängen, geht eine allmähliche und interessante Zersetzung brr sübafrikonischen Parteien vor sich, bie auf eine künftige Umgruppierung schließen läßt. Wir wissen, daß in ben früheren Surenrepu- bitten nie etwas, das einer Parteipolitik ähnlich sieht, bestanden hat: organisierte politische Parteien waren unbekannte Größen. Sobalb aber die „Mitlander" Bevölkerung in gewissen Teilen der Republik infolge der Witwatersrandprvklamation (1886) plötzlich stark zugewachscn war, entstanden dort (von 1889 bis 1899> verschiedene Vereine, die die Gesetzgebung des Landes zu beeinflussen suchten. 1889 entstand „The Chamber of Mines", 1893 „Ratio- nal Union", 1895 „Reform Committee" und nach
Das französische System am Rhein.
Dieser Tage war der Gießener Bevölkerung Gelegenheit zum Besuch eines sehr interessanten Vertrages gegeben, um dessen Zustandekommen der Verein für das Deutschtum im Aus- land und derHilfsbundderElsaß-l.'o:h- ringer im Reich sich gemeinsam benn.ht hatten.
Eduard Redelspe rg er, bekannt als Verfasser des Buches e,B cfetztes L a n d", sprach im großen Hörsaal der Universität über seine Erleb- nissc als französisches Mitglied der Rheinlondkommission. Geboren in Mar- kirch Im Elsaß, konnte der 9tebnet die auf Grund des Friedensvertrages von Versailles erfolgte Um- geftaltung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse selbst miterleben und wurde Zeuge des Empfangs, den die Bevölkerung den einriickenden Franzosen zuteil werden lieh. Zum Widerspruch geneigt und abenteuerlustig wie viele Elsässer, sah er cs als einen Wink des Schicksals an, als ihm 1923 die Möglichkeit offen stand, [einen bisherigen Aufenthaltsort in der Schweiz, wo er unbekümmert um die Politik gewohnt hatte, mit dem buntbewegten Leben am „Haut Commissariat de la Republiaue dane les Provinces du Rhin" zu vertauschen. Ausschlag, gebend für feinen Entschluß war neben dem Gedanken, ben nicht gerabc Geliebten Deutschen — unb waren nicht auch bie Deutschen von 1918 bis 1923 recht wenig liebenswert? — „im eigenen Lande Mores zu lehren", vor allem bie Ueberjeugung von einer gerechten Handlungsweise Frankreichs, da Deutschland mit dem Artikel 231 des Frieden-, ver- trags die Schuld am Kriege feierlich anerkannt hatte. Ganz im Hintergrund seines Fühlens und Denkens stand auch der Wunsch und bie Hoffnung, da: lang- ersehnte, seiner engeren Heimat Elsaß Lothringen übergeordnete Vaterland vielleicht in Frankreich finden zu können. Als äußerst anregend und interessant schilderte der Redner seine Tätigkeit in Koblenz, wo er von dein Haut Commissariat als . rechte Hand" dem Chef des „Nachrichtenl'Iatte.'" — eine unter französischem Einfluß stehende Zeitung — zur Verfügung gestellt worden war und nach z'wei^ monatlichem „staße" als Secrdtaire de Redartion du Nachrichtenblatt bestätigt, ben Rang eines Oberbeamten ber Rheinlandkommission inne hatte. Die Arbeit fesselte ihm von Anfang an und bestand in der Durchsicht aller den Franzosen zugänglicken Broschüren und Zeitungen zwecks Kontrolle der über Frankreich und das Rheinland erscheinenden Artikel und Ausbeutung her innerpolitischen Zwistig- von Dazaine und Lop^z v^ca.en Iahen, an der belgischen Prinzessin, „ber großen moralischen Chance seines Lebenö" scheitern, er muß bie Flucht versäumen, auf längst verlorenem ..osten bleiben, die Schlacht verlieren, sein Kaisertum und sein Leben dazu. Dies ist Maximilians 6d>idfal, dies der menschliche Gehalt des geschichtlichen Zwischenspieles in den Jahren 1861 bis 1867.
Die Regie deSIntendanten Steingoctter wurde der weitschichtigen Historie in fast allen Teilen imponierend Herr: bie Aufführung machte eine feltfam fremde, seltsam nahe, erregte und dennoch versunkene Welt voller Leidenschaften und Kampf lebendig. Der Spielleiter bewahrte der Dichtung die großen und unerbittllch gezogenen Linien einer innerlich mit vielen Sä'eit verspannten Szenenfolge: er hatte einen farbigen, stilsicheren Rahmen um das Ganze gelegt (Bühnenbilder von Löffler) unb verfügte über eine wohlverteilte, treffsichere Besetzung: dagegen versagte die Ausführung in zwei Szenen, die Iuarez ganz gehören und die im Buch bezwingend wirken: im ersten und letzten Bild. Weder der Einzelne, noch die (ganz unbewegte und unbeteiligte) Volksmenge ließ die mitreißende Rähe des großen Gegenspielers ahnen: zwei sehr starke Ächterische Augenblicke des Stuckes wurden hier überspielt.
Es geht nicht an, den Zettel mit dem Riesen- Personal abzuschreiben: nur die wichtigsten Ramen dieses Abends. Maximilian war bei G e f f er«. Er trug die große Rolle gesteigert durch alle Szenen unb bot eine ganz persönlich gefärbte Gestaltung: man konnte in einen Menschen hineinsehen, der einen, fast wider Willen, zum Mitgehen und zum Mitleid zwingt. Vornehm durch und durch, edel und männlich, ein Charakter bei aller Schwäche, allem Fehlgreifen, aller Zerrissenheit. An seiner Seite die anmutige, seine Erscheinung der Charlotte — Marysia Baumann — eine Frau voll Adel, Ehrgeiz und hochgezüchteter Rasse. Auf der Gegenseite (in fabelhafter Mask:) Dolcks Da-aine, ein unheimlich empvrg: kommen er Fellwebei: HankeS stürmischer, gleichwohl diplomatischer Dia;. — Don den übrigen: Lenau, der goldüberladene, eitle unb schuftige Lopez: Telekys glatter, treuloser Bischof: Goll und Wehrt: deS Kaisers gute, wohlmeinende, hilflose Freunde: van Malten, die begeisterte Abenteurerin Dalm-Salm. —
Spielletter und Spieler konnten sich mehrfach zeigen. ES war ein großer Erfolg. Dr. Tb.
1. Das Bauen selbst muß völlig ber privaten Initiative überlassen bleiben unb sich nach bem vorhandenen Bedarf richten also nicht auf Kleinwohnungen beschränkt bleiben.
2. Die Zinsen für bas Baukapital müssen so ermäßigt werben, bah boburch bie Vermietung der r.eugcbautcn Wohnungen etwa im Rahmen brr heutiaen Miethihe, also ohne TLetfteigerung möglich ist. Erst nach einer weiteren Stärkung der Kaufkraft sollen bie Mieten bem Index angeglichen werben.
3. Diese Aufgabe soll rein prioatwirisch a f 11 i ch burchgcsührt werden. (Fine Bo» tätigung des Staates wirb abgelehnt Der Reichsbürgerrat roenbet sich gegen bie Betätigung der öffentlichen Hand auf wirtschaftlichem Gebiet, die stets mit weiteren Erhöhungen ber öffentlichen Lasten perbunben ift. Die Wege, bie zu bitfem Ziele führen, ohne neue Lasten zu bringen, werben eingehenb klargelegt.
Das in bieser Denkschrift gesammelte Material so grunblegcnb, unb bie Vorschläge sind so klar


