fihtbc „Ön den Eichgärten" entschieden. Der Platz hat Len Vorzug, daß er städtisches Eigentum ist, Geländserwerb also nicht in Betracht kommt, er besitzt erhebliche Ausdehnung, so daß räumliche Beschränkung für den Bau nicht notig ist. Sn diesem Volksschulhaus sollen 20 Klassensäle von verschiedenen Ausmatzen hergerichtet werden, dazu eine Reihe Rebenräume, wie Phhsiksaal, Zeichensaal usw. Für die
Fortbildungsschule
gilt hinsichtlich der Rotwendigkeit dasselbe wie sirr die Volksschule. Vor dem Kriege wurde die Knabenfortbildungsschule außerhalb der üblichen Schulzeit in den Schulhäusern gehalten. Durch die neue Schulgesetzgebung 'ind die Verhältnisse wesentlich geändert worden. Der Unterricht in den Fortbildungsschulen ist jetzt als Tagesschule zu erteilen, hierfür können nun aber die Volksschulhäuser nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Deshalb sind neue Schulräume notwendig. Eine solche Schule kann nur in einem eigenen Gebäude richtig untergebracht werden. Die Ausschüsse und die Fachleute sind zu der übereinstimmenden Auffassung gekommen, zweck- mätzigerweise das gesamte Fortbildungsschulwesen zu konzentrieren. Sn diesem Gebäude sollen uutergebracht werden: die Gewerbeschule, die jetzt im Gewerbehaus in der Kirch strahe ist, dazu die gewerbliche Fortbildungsschule. Beide Schulen sind durch Personalunion des Schulleiters und der Lehrer so eng miteinander verbunden, dah eine Trennung nicht möglich ist. Ferner sollen darin Platz finden: die allgemeine Fortbildungsschule, die kaufmännischen Schulen (Handelsschule, Höhere Handelsschule und die dazu gehörige Abteilung der Kaufmännischen Fortbildungsschule) und die Mädchenfortbildung sichule, die jetzt ganz besonders ungünstig untergebracht ist. Endlich sollen dort noch der Ortsgewerbeverein und die Handwerkskammer-Reben st eile, die ja zu diesem Schulwesen gehören, untergebracht werden. Auf Beschluß der Ausschüsse soll die Gestaltung des Baues so vorgesehen werden, dah später auch noch Raum für den Aliceverein gewonnen werden kann, evtl, durch Anbau. Das Fortbil- dUngsschulhaus soll an Sie Erednerstraße auf den früher für ein Volksschulgebäude ins Auge gefahten städtischen Platz kommen. Dieser Platz hat neben dem großen Ausmaß noch den Vorteil, daß er in der Rähe der Bahn liegt, ein ilm- stand, der den auswärtigen Schülern zugute kommt.
Die Aussprache
eröffnet ein Vertreter der demokratischen Fraktion. Er wendet sich zunächst gegen die unsinnigen und auf Unwissenheit beruhenden Kritiken und Schwätzereien, die in der Bürgerschaft gegen diese wichtigen Vorlagen zu hören sind. Er stellt weiter fest, dah der nun schon seit Sähren bestehende Zustand in der Unterbringung der Kinder in der Volksschule nicht mehr andauern könne. Wenn die städtischen Körperschaften jetzt die Lösung dieser großen Aufgaben übernehmen müßten, weil es gar nicht anders mehr gehe, so sei das nicht ihre Schuld, sondern die Verantwortung belaste die städtischen Körperschaften, die nicht schon um 1900 herum für die Volksschule durch entsprechenden Bau gesorgt hätten. Die Kritiker sollten ihre Vorwürfe gegen die falsche Sparsamkeit in früheren Sahren richten. Weiter bringt der Redner einen Antrag ein, in den jetzt auszuarbeitenden Bauplan für das Fortbildungsschulhaus die Räume für die Aliceschule gleich mit aufzunehmen, da die Tlnterkunftsverhält- nisse auch dieser Schule sehr verbesserungsbedürftig seien.
lieber diesen demokratischen Antrag entspinnt stch eine sehr rege Debatte. Für den Antrag treten nur der demokratische Sprecher und eine Stadtverordnete der Deutschnationalen V o l k s p a r t e i ein, während Oberbürgermeister Keller, der Wortführer der Deutschen 23olf spartet und ein weiteres Mitglied dieser Fraktion, der Führer der Deutschnationalen 23olf spartet, der Führer der Mittel- stands - Vereinigung und der Führer der sozialdemokratischen Fraktion sich mit Nachdruck g eg e n den Antrag wenden. Die Gegner des Antrages betonen übereinstimmend, daß sie volles Verständnis für die Nöte und Wünsche des Alicevereins hätten, im Augenblick aber der großen finanziellen Belastung wegen nicht mehr getan werden könne, als die Ausschüsse beschlossen und jetzt
Sturm in Schmalebeck
Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m.b.H., Berlin. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Es war großes Hallo auf der Bühne und noch mehr hinter den Kulisien, aber Riekchen war still: denn sie hatte nur zu wohl gemerkt, wie Georg, verscheucht durch das allzu offene Entgegenkommen der Mutter, sich zurückzog, und Ilse war mit den Gedanken fern in Jütland bei einem, der jetzt nach vier Wochen noch nicht ein Lebenszeichen gegeben hatte. Aber diese Gedanken waren heißer von Zorn als von Liebe.
Sie achtete darum nicht auf den Bären, der zum erstenmal im Kostüm steckte, einem Büffelfell, das Apothekers von einem Neffen aus Winconsin geschenkt bekommen hatten. Es war eine Strapaze, dieses Büffelfell, aber Georg trug es mit Geduld, und Ilse versicherte ihm, jeder Schweißtropfen, den cs ihm entlockte, wäre ein Vorteil für seine Erscheinung. Also — man dulde.
llnb endlich gelang es ihm, die Herzenskönigin in einem Winkel der Bühne zu fassen, wo sie allein auf einem Bock hockte und müde vor sich hinträuinte, während die acht Kinder zum siebenundzwanzigsten Male ihren Tanz durchprobten.
„Fräulein Ilse!" — Sie fuhr zusammen. .Haben Sie fünf Minuten Geduld für mich?"
Er würde doch nicht? — Wo sie es mit Riekchen so nett in em günstiges Fahrwasser gebracht hatte?
„Fünf Minuten? Sagen wir drei. Oder wollen Sie auch in die anonymen Briefe hinein?"
„Ich bin ja schon drin!"
„Wie?"
Er berichtete. „Und nun will mein Onkel — Sehen Sie, es ist ja für Riekchen unsagbar unange- nehm, wenn sie das erfährt, und sie weieß nicht, wie ich mich dazu stelle--"
Er sah sie flehend an. So, als hoffe er noch immer auf ein Wort, das ihn aus dem Gemüsegarten in den Rosenhain riefe. Aber Ilse war nicht im geringsten geneigt, den Rosenhain zu öffnen. Im Gegenteil, sie schob ihn noch viel tiefer in den Gemüsegarten.
„Ja, da bleibt Ihnen doch nur ein Weg, Georg. Sie müssen mit Riekchen verlobt sein, ehe sie etwas
vorgeschlagen hätten. Später wolle man ganz gern auch der Aliceschule Helsen, jetzt aber sei es nicht möglich, die in Ansatz gebrachten li Millionen noch zu erhöhen. Die Belastung dürfe nicht so hoch kommen, daß unter diesem Druck die ganze Sache undurchführbar werde. Ein angenommener Antrag auf Schluß der Debatte macht schließlich der Erörterung ein Ende.
Die Abstimmung ergibt zunächst die Ablehnung des demo- kratischen Antrages mit allen Stimmen gegen die der demokratischen Fraktion. Hierauf werden die oben im Wortlaut wiedergegebenen Anträge der Ausschüsse auf Errichtung der Schulgebäude einstimmig angenommen. .
Oberbürgermeister Keller gibt seiner Befriedigung über dieses einstimmige Ergebnis der Beratung Ausdruck.
Senkung der Elektrizitatspreise In Gießen.
Auf Antrag des Dettiebsausschusses beschließt das Haus einstimmig folgende Verbilligung der elektrischen Strompreise:
1. Mit Beginn der Zählerablesung im Monat Oktober 1926 wird der Strompreis für den Lichtverbrauch im Stadtgebiet von 48 Pfennig auf 45 Pfennig für die Kilowattstunde herabgesetzt.
2. Ab 1. Oktober 1926 werden folgende Monats-Mindestverbrauchsmengen für Doppelzähler festgesetzt: In der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März eines jeden Jahres 45 Kilowattstunden, 1. April bis 30. September eines jeden Jahres 25 Kilowattstunden.
3. Der Preis für den (auf Grund deö Drei- fachtarifes) für Beheizung, von Speicheröfen (Warmwasserspeicher, Raumheizungsspeicher, Backöfen usw.) während der Rachtzeit bezogenen Strom wird von vorgenanntem Termin ab von 10 Pfennig auf 8 Pfennig für 1 Kilowattstunde herabgesetzt: die seitherigen Rabattsähe bleiben unverändert.
4. Die unter 1 bis 3 getroffenen Reurege- lungen gelten auch für den Stromverbrauch der Gemeinde Krofdorf.
Der Berichter st atter hebt hervor, daß der Preis von 45 Pfennig wieder dem V o r - kriegspreis entspricht. Die Senkung der Preise sei möglich geworden durch die Verringerung der Produkttonskosten infolge des Abschlusses mit dem Preuhenwerk „Oberweser". Hjn- zukomme, daß sich auch der Absatz im letzten Jahre erheblich gesteigert habe: am l.Rvvember 1925 waren in der Stadt 4ZZZ Zähler vorhanden, am 1. August 1926 dagegen 5213; für das Lieber landgebiet seien die entsprechenden Zahlen 8316 bzw. 85Z0. Leider könne man dem Aeberlan dgebiet die Preissenkung nicht auch zukommen lassen, da die Stadt durch einen Vertrag mit der Provinz Oberhessen verpflichtet sei, draußen auf dem dem Lande in Oberhessen keinen niedrigeren Tarif einzuräumen als die Provinz. Rur Krof- dvrf könne die Vergünstigung eingeräumt werden.
(Heber die weiteren Tagesordnungspunkte werden wir morgen berichten. D. Red.)
Oberhesssn.
Landkreis Gießen.
f. Klein-Linden, 21. Sept. Die gestrige Versteigerung des Gemeindeabstes ergab, daß bedeutend mehr Obst an den Baumen hing, als man nach den allgemeinen Berichten erwarten durfte. Auffallenderweise trugen die Obstbäume auf sonnigen Höhen und Bodenerhebungen sehr reichlich, während an Bäumen in Vertiefungen und Senkungen keine oder nur ganz wenig Früchte hingen. Erwartungsgemäß waren die Preise ziemlich hohe: es bewegte sich nach vorsichtigen Schätzungen der Zentner Aepfel am Baum zwischen 15 bis 18 Mk. Zwetschen gibt es in unserer Gemarkung dieses Jahr sehr wenig. — Die Kartoffelernte hat seit einigen Tagen voll eingesetzt. Das frühe Absterben des Kartoffelkrautes hat zahlreiche Knollen nicht zur Reife bringen lasten. Man hört allgemein Klagen über die vielen Futterkartoffeln, während ausgewachsene Kartoffeln gegen die vorjährige Ernte bedeutend zurückstehen. Industrie und Blaue Odenwälder sind die für unseren Boden am zuträglichsten Sorten. — Eine sehr gute Ernte hat allgemein die Körnerfrucht gebracht. Seit Wochen läuft vom frühen Morgen bis zum spaten Abend die Dreschmaschine, und immer noch Haden eine ganze Menge Landwirte zu dreschen. Mancher seit Monaten Er-
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von diesem Bries weiß. Denn wenn Sie und Ihr Onkel auch strengstes Stillschweigen bewahren, der Schreiber, der dem armen Riekchen entschieden einen Possen spielen will, wird sein Gift auch schon vor anderen ausspritzen. Hat es vielleicht schon getan. Soll Riekchen darunter leiden? Die ist viel zu gut dazu. Ich glaube. Sie haben überhaupt keine Ahnung, wie gut sie ist. So ehrlich, so treu in Freundschaft und Liebe, so selbstlos —, ich fürchte nur, dah Sie viel zu gut ist für Sie."
„O, aber---"
„Sie würde Sie maßlos verwöhnen. Sie werden dick und bequem werden. Sie werden nie wissen, was für einen Schatz Sie sich da gewonnen haben, denn Riekchen würde es Ihnen nie vorhalten, und das muß man tun, wenn die Männer in ihrem Egoismus —"
„Din ich so egoistisch?"
Da mußte Ilse Iad)en. Nein, der gute Junge würde seiner Frau das Leben nicht schwer machen. „Sie gewinnen das große Los, Georg, wenn Sie Riekchen heimführen. Ich kann Ihnen das eidlich geben, denn sie steht mir so nahe wie keine andere Freundin."
„Ja, ja — aber die Mutter —"
„Die fällt Ihnen um den Hals. — Warum sehen Sie denn so unglücklich aus? Tante Jessen ist eine ehr nette Dome. Sie dürfen nur nicht dulden, daß ie in Ihrem Hause gleich Herrenrechte beansprucht. Ind überhaupt, wenn einer solch Glückspilz ist, daß ihm das Schicksal Riekchen Jessen geradezu in die Hand spielt, der kann auch wohl eine aufgeregte Schwiegermutter in Kauf nehmen. Etwas ist überall dabei."
Da sagte Georg Grützmonn mit einem allerletzten Versuch: „Und Sie, Fräulein Ilse? Ich dachte einmal —"
..Sie dachten, ich würde mich auch bald verloben nicht? Haben viele Leute gedacht und dachten alle vorbei. Nein, ich werde eine nette, alte Familien- tante, und wenn wir dreißig Jahre älter sind, komm' ich jeden Donnerstag zum Whist, und---So
ds- klingelt Eitel Bostrup, die Kinder sind fertig' Nun bringen Sie uns nach Hause. Ich geh' mit Eitel Bostruv voran, und Sie können mit Riekchen nachgehen. Und wenn wir dreimal um den Markt finb — oder wollen wir viermal sagen? —, dann
wsrbslose kann sich bei dieser Arbeit wieder ein paar Mark verdienen.
Klein-Linden, 21. Sept. Unter außerordentlich starker Beteiligung veranstaltete der hiesige Turnverein der D.T. unter der Leitung des l.Turnwarts Ernst Pfaff aus dem Turnplatz an der Pfingstweide sein diesjähriges A b t u r n e n. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: Zöglings-Oberstufe (6 Teilnehmer): l.Sieg Rob. Stein, 2. Heinrich Morneweg, 3. Aug. Müller und Wilh. Volk. Zöglings-Llnterstufe (4 Teilnehmer): Ghrensieg Hch. Matern, 1. Sieg Wilhelm Müller, 2. Wilhelm Fey. Schüler, O b e r st u f e (9 Teilnehmer): l.Sieg Aud. Jung, 2. Rud. Äser, 3. Rob. Weller. Schüler, Linier stufe (6 Teilnehmer): l.Sieg Ernst Jung, 2. Walter Fink, 3. Wilhelm Müller. Damenabteilung (10 Teilnehmerinnen): 1. Sieg Emmy Malinowski, 2. Else Fink, 3. Elfriede Meller. Sonderwettkämpfe: Sieger der beiden Wanderpreise im volkstümlichen Turnen und Geräte-Wett- kampf: Fritz Morneweg. Besonderen Beifall sanden die rhythmischen Freiübungen der Damen und die Freiübungen der übrigen Turner.
1—1 Lollar, 21. Sept. Wie andere größere Gemeinden mit gegliedertem Fortbildungsschulsystem bereits seit ein bis zwei Jahren ihre hauptamtlich angestellten Fortbildungsschullehrer haben, so soll jetzt auch 2 o II ar nach Entscheid des Landesamts für das Dildungswesen einen solchen erhalten. Daher wurde im Juli dieses Jahres die Stelle eines Fortbildungsschullehrers für Lollar und Um- gegend zum freien Wettbewerb ausgeschrieben. Es hatten sich außer zwei definitiv angefteHten Lehrern noch fünf Schulverwalter gemeldet. Der Schulvorstand Lollar, dem die Bewerberliste zwecks Aeuherung seiner Wünsche vorgelegt worden war, hat sich nun in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für Lehrer Eberle, Treis, ausgesprochen.
t. Großen-Buseck, 21. Sept. Gestern sand die Dbftüerftcigerung an der Kreisstraße zwischen der Ganseburg und Bersrod statt. Der izrost hatte im Frühjahr einen großen Teil der Blüten vernichtet, dementsprechend war auch der dbftertrag gering. Bei guten Sorten wurden sehr hohe Preise erzielt. So wurde ein Baum, der etwa 2 bis 2,5 Zentner brachte, mit 70 Mark bezahlt. Geringere Sorten hatten niedrigere Preise. Im allgemeinen war das Obst recht teuer, und die Verbraucher müssen sich in diesem Jahr mit einem geringeren Wintervorrat begnügen.
* Grünberg, 21. Sept. Außergewöhnliche Vorbereitungen trifft unsere Stadt für den diesjährigen Gallusmarkt. Im Jahre 1481 wurde der Gallusmarkt durch Kaiser Friedrich III. der Stadt Grimberg gestiftet. Er war seit dem Mittel- alter bis zur Neuzeit einer der größten Märkte Mitteldeutschlands. In diesem Jahre soll er in ganz bedeutend erweitertem Umfange abgehalten werden. Am ersten Markttage (Mittwoch, 13. Oktober) findet außer dem herkömmlichen Schweinemarkt zum ersten Male Pferde- markt statt. Der neugegründete „Ländliche Reit- und Fahrverein für Grünberg und Umgebung" wird an diesem Tage mit einer einfachen Darbietung an die Öffentlichkeit treten. Am zweiten Markttag (Donnerstag, 14. Oktober) wird Rindvieh- markt abgehalten und gleichzeitig vom Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen eine große Prämiierungsschau des Kreisrinderzuchtoereins für Vogelsberge r veranstaltet. Mittags um 1 Uhr wird in der Turnhalle die Ziehung der Gallusmarkt- lotteric veranstaltet. Seit einigen Tagen ist der Vertrieb der Lose im Gange. An beiden Tagen bietet der Gallusmarkt, wie alljährlich, Krämermarkt, Tanz, Konzert, Volksbelustigung und Schaustellungen aller Art.
T ©rünberg, 21. Sept. Der Vorstand des hiesigen Reit- und Fahr-vereins hat beschlossen. die Eintragung des Vereins beim Amtsgericht zu beantragen, ferner eine Haftpflicht- und Unfallversicherung einzugehen. Die Beteiligung am Reitunterricht ist aus allen acht Mitgliedsorten sehr stark, zumal der Verein bei dem bevorstehenden Gallusmarkt öffentlich auftreten wird. — Die Zwetschen versprechen hier eine knappe Mittelernte. Mit dem Einbringen der Kartoffeln ist man allgemein beschäftigt: mit dem Ertrag ist man recht zufrieden.
I Lich, 21. Sept. Wie in früheren Jahren, so hielt der Bezirksiehrerverein Lich auch
brauchen Sie keine Angst mehr vor anonymen Briefen zu haben. Hand drauf?"
Georg schlug ein, wenn es auch nicht sehr mit Eifer geschah.
Ja, ja. Dann war es also nicht anders. Ilse nahm ihn nicht. Auch dann nicht, wenn der kleine infame Däne nicht mehr um den Weg war. Und heiraten mußte _er wohl, das gehörte einmal zum Leben, und zu «chmalebeck ganz gewiß. Und Riekchen war ein gutes Mädchen, ein ganz ausgezeichnetes Mädchen. — Ein versöhntes Licht ging über der Stunde aut
„Kommen Sie", sagte Ilse und legte die Hand auf den Arm des Zeichenlehrers. „Sie dürfen mich führen, denn es ist abscheulich glatt heute abend, und mir schwant, Georg Grützmann wird wohl genug mit Riekchen Jessen zu bereden haben. Die scheinen noch eine Extraüberraschung für morgen in Szene setzen zu wollen. — Ach, ist die Lust herrlich. Da im Saale ist ein ewiger Muff. Gehen wir noch ein bißchen um den Markt."
Was tat - der fidele Zeichenlehrer lieber, trotz seiner Fünfundvierzig, als Arm in Arm mit einem hübschen Mädchen beim matten Sternenlicht durch die Nacht zu wandern. Wenn er auch keinen Mantel trug, er trug nie einen, so wurde ihm warm genug von der reizenden Nachbarschaft. Er fing an zu improvisieren.
„Glück ist nicht Glück allein,
Man muß es auck fangen, Mir ist ein reizendes Glück In die Arme gegangen."
„Höchstens an den Arm. Und dann hinken auch wieder verschiedene Versfüße."
„Laßt sie hinken.
Bei meinem Eid, —
Das sieht man nicht in der Dunkelheit."
„Nein, Herr Bostrup, wenn Sie unerträglich werden, kürze ich den Weg ab. Trotz Georg Grütz- manns und Riekchens Ueberraschung."
„Wovon befehlen, gnädigste Mamsell, daß ich reden soll?"
„Erzählen Sie mir von Ihren Schülern. Gucken Sie noch durch die Beine?"
„Das ist gar kein Grund zum Hohn. Man sieht die Welt erst richtig, wenn man sie verkehrt herum sieht. Passen Sie mal auf--" Wie der Blitz
beugte er sich nach vorn hinüber und sah zwischen
heuer feine FamiUenkonferenz in Steins Saalbnu ab. Rach längen Wochen schwerer und saurer Arbeit soll dieser Tag der Erholung und der Freude gewidmet fein und die Familien wenigstens einmal im Jahre versammeln und einander näherbringen. Durch rednerische, deklamatorische und musikalische Darbietungen gewährte der Verein seinen Mitgliedern reichliche Unterhaltung, bei der auch das obligate Tänzchen nicht fehlte. — Dem Lehrer Hch. Stroh, der an Ostern von Butzbach an Die hiesige Stadtschule versetzt worden war, sein Amt aber krankheitshalber nur mit Unterbrechung versehen konnte, ist auf seinen Wunsch eine Stelle an der Volksschule zu Griedel b. Butzbach übertragen worden. — Fortbildungsschullehrer Wilhelm Hotz, der seit vorigem Winter in Lich und einigen Orten der Umgegend amtierte, ist vor kurzem wieder nach seiner früheren Wirkungsstätte Mainzurückgekehrt. — Vorige Woche wurde in unserem Städtchen der Vorsteher des Finanzamtes Homberg an der Ohm, Regierungsrat Kratz, der Schwiegersohn des früheren fürstlichen Hof- gärtners Junker, zu Grabe getragen. Als Beweis seiner Beliebtheit und Wertschätzung mbg« Die Tatsache dienen, dah sämtliche Beamten seines Wirkungskreises, sowie eine ganze'-Änzahl seiner Mitbürger ihm das letzte Geleit gaben. Auch aus £er hiesigen Gemeinde folgte seinem Sarge ein stattlicher Trauerzug. Stiftsdechant Lenz hiell die Grabrede. Die Witwe wird in ihre alt« Heimat zuruckkehren. Ein Teil dec Hornberger Herren, wohl Mitglieder des Gemeinderates uni des dortigen Turnvereins, benutzte unter Jüh. rung des Bürgermeisters Spanier nach der Beisetzung die Gelegenhett, unsere neuhergerichtete und erweiterte Turnhalle eingehend zu besichtigen. Die Herren waren von der Einrichtung allseitig befriedigt.
Kreis Friedberg.
Bad-Rauheim, 21. Sept. Gestern fand die Verfteigeru ng der städtischen Aepfelernte statt, die kaum eine Mittelernte war. Kauflustige waren in großer Zahl zur Stelle. Trotzdem konnten die meisten Käufe zu Preisen getätigt werden, die bei der überall geringen Ernte an Aepfeln als verhältnismäßig wohlfeil bezeichnet werden können. Es kam der Zentner am Daum durchschnittlich nicht über 10 Mark zu stehen, was erträglich ist, wenn man bedenkt, daß für Fall- und Kellerobst, nach dem starke Rachfrage ist. zur Zeit in de» Wetterau 8 bis 10 Mark von den Händlern gezahlt werden. Die Birnen, die zur Versteigerung kamen, waren durchweg sehr billig.
L Steinfurth, 21. Sept. Während in den meisten Gemeinden des Kreises Friedberg dir Schaffung eines E l t e r n b e i r a t s der in der neuen Dienstanweisung für die Volksschule aU Kannbestimmung vorgesehen ist, abgelehnt wurde, haben hier Gemeinderat und Schulvorstand sich in gemeinsamer Sitzung für die Einrichtung erklärt, da man sich bei richtiger Erfassung der dem Elternbeirat zugedachten Aufgaben nur segensreiche Vorteile für die Schule davon verspricht.
Kreis Büdingen.
— •— Ans dem Kreise Büdingen, 21. Sept. Die Ob st der st eigerungen an den Kreisstrahen finden in dieser Woche statt. Wahrend im vorigen Jahr die Aepfelernte sehr reichlich war und mehrere tausend Zentner betrug, sind dieses Jahr kaum ZOO Zentner vorhanden. Auch in diesem Herbst zeigt sich wieder die Goldparmäne als die ertragreichste, nie versagende Aepfelsorte. Unter den ZOO Zentnern befinden sich allein 300 Zentner Goldparmänen, dann folgen Baumanns Reinette, Boskop und rheinischer Bohnapfel. Die Birnen ernte ist äußerst reichlich, es sind hier als verbreitetste Sorten Reue Poitau, Pastorenbirne und Blu> menbachs Butterbirne. Als Seltenheit unter den Aepfeln seien die aus st erbenden Sorten der M o st a p f e l und der S p e i e r I i n g mit je nur 2 Zentnern erwähnt. Unter den reichtragenden Straßen feien genannt: Echzell-Berstadt, Ober-Mockstadt - Ranstadt, Büdingen-Von- Hausen-Orleshausen, Ortender g-Dergheim-Dl-i> chenbach, Mittelgründau, Eckartshausen-Altwie- dermus, Berstadt, Wölfersheim.
Ie. Bleiche nbach, 21. Sept. Unter großer Anteilnahme der Dorfbevölkerung hielt der hie» sige, feit einem Jahre bestehende Klein- Kaliber-Schützenverein am Sonntag fein erstes Preisschiehen ab. Es wurden auf den gespreizten Beinen durch nach den beiden Nachfolgenden aus. Als er, durch einen kleinen Puff von Ilse zurückgerufen, wieder eine gerade Stellung angenommen, sagte er tiefernst: „Das war der Beweis. Ich habe eben auch zwei Menschen erst richtig gesehen."
„Das werden die zwei Menschen nicht gewünscht haben."
„Oh, der dicke, gute Georg! Oh, das brave, gute Riekchen! Was werden das für Musterkinder werden! — Immer aufrecht, nie kopfüber in der Welt."
Aber Ilse reagierte nicht. „Hat Fiete nun abends bei Ihnen Zeichenunterricht?"
.„Hat er. Der Benael hat mehr Talent für den Stift in seinen Fingerspitzen als Verstand in seinem ganzen Schädel. Aber die verdrehte Alte! Die war schon ein verrücktes Huhn, als sie noch in unserem Dorf steckte und Line Pimpernelle hieß. Mich konnte sie nie leiden. Ich hott' ihr mal, als sie zum Konfirmandenunterricht ging, die Röcke mit ihrer Nachbarin von hinten zusammengenäht. Ich war drei Jahre jünger und mußte beim Pastor die Stuben mit Sand streuen, weil mein Vater doch Küster war. Und der Herr Pastor ließ auf sich warten. Und dann blieb ich hinter der Tür, bis sie aufgerufen wurde, und es gab ein großes Hallo. — Sie ging mir nachher aber mit den Nägeln ins Gesicht — ich war acht Tage lang geschunden. Jetzt ärgere ich sie damit, daß ich den Jungen umsonst abends zeichnen lerne. Sie ist Gift und Galle gegen mich."
„Nur, um Madam Eggers zu ärgern, tun Sie ein gutes Werk?"
„Ganz richtig. Aus lauter Bosheit bin ich zu einer guten Tat gekommen."
„Ich glaube, nun könnten mir auch wohl heimgehen."
„Soll ich noch einmal durch die Beine gucken?" „Ist nicht nötig." Ilse hatte sich gewandt, und als sie Georg und Riekchen Hand in Hand heran- kommen sah,' lächelte sie ihnen entgegen.
„Darf ich morgen kommen und Glück wünschen, Riekchen?"
Die strahlte so, daß man cs selbst im matten Nachtdämmern sehen konnte. „Wünsch' mir jetzt schon Glück, Ilse. Du bist die erste, das bringt nur Gutes."
(Fortsetzung folgt.)
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