fimben. 3n allererster Linie wurde der Tisen- bahnbirekiton die Ditte v-orgetragen, einen fo- genannten Schülerzu g rinzulegsn. Eingaben der höheren Lehranstalten in Gießen und der Einwohner Des Dusecker Tales wurden abgelehnt. Auch die Handelskammer In Giehen, an die man sich wandte, hat in dieser Sache nichts zu erreichen vermocht. Doch mehr aber muh es auf fallen, daß der Güterzug in Dichtung Giehen ab Grünberg 1 älhr mittags nicht für Personenverkehr eingerichtet wurde. Dieser Zug fuhrt seil langem Personenwagen mit sich, es wäre also nur der gute Wille notig gewesen, um diesen Zug in einen gemischten Personenzug umzuwandeln. Aber auch nicht eeinmal das ist gewährt worden. Wenn man sich den Fahrplan der Giehen-Fuldaer Strecke zwischen Alsfeld und Fulda betrachtet und sieht da, welch reichlicher Zugverkehr dort eingerichtet ist, und das in einer Gegend, die weniger dicht bevölkert ist, als die zwischen Grünberg und Giehen, so muh man sich fragen, wie es kommen kann, dah bei uns jeder Wunsch, auch der billigste, abgelehnt werden farm. Zwischen Alsfeld und Fulda verkehren auch Triebwagen, und was dort möglich ist, mühte auch bei uns eingerichtet werden können. Trotzdem wird man nicht ablassen dürfen, immer wieder erneut an die Dahnverwaltung heranzutreten, um die Erfüllung der so sehr berechtigten Wünsche zu erreichen.
* Rüddingshausen, 21. April. Am 16. Mai findet in unserem Orte Bürgermeiste r w a h l statt. Man würde die Wiederwahl des bisherigen Bürgermeisters Müßig sehr begrüßen, der sein Amt bisher zur vollsten Zufriedenheit verwaltet hat.
* Göbelnrod, 21. April. Dieser Tage bereitete man dem von hier scheidenden Lehrer Borrmann eine herrliche Abschieds feier. Der Gesangverein brachte dem Scheidenden einen Fackelzug dar und ehrte ihn durch den Vortrag einiger Lieder und einer Ansprache des Verein svorsttzenden, in der die 12jährige Tätigkeit des Herrn Borrmann im hiesigen Orte gerühmt wurde. Als dauerndes Andenken wurde Herrn B. ein Bild überreicht. Herr Borrmann dankte in bewegten Worten für die Auszeichnung und versicherte, daß er auch in den Tagen feines Lebensabends unser Dörfchen stets in guter Erinnerung behalten werde.
t. Grün berg, 21. April. Nunmehr ist ein Schulsaal im DoWschulgebäude, den bisher die landwirtschaftliche Winterschule innehatte, frei gemacht worden, damit die Koch schuld eingerichtet werden kann. 3n den Gemeindevoranschlag wurden für Beschaffung der Kocheinrichtung 800 Mk. eingestellt. Mit der Herrichtung des Kochraumes soll nun begonnen werden. Auch die Schülerinnen der Nachbargemeinden, die feine eigenen Küchen einrichten können, sollen am Kochunterricht in Grün berg teilnebmen.
t ©rünberg, 21. April. Zu der jüngsten Drennholzversteigerung im Stadlwalde waren zahlreiche Käufer erschienen, trotzdem gingen die Preise etwas zurück. Es wurden per Raummeter befahlt: Scheiter: Buche 14 Mk., Fichte 1 Mk., Kiefer 4 Mk.: Knüppel: Buche l Mk.. Fichte 5 Mk., Eiche 6 Mk.: Stock: Buche 7 Mk., Fichte 2 Mk., Kiefer 2 Mk. und für Buchenreisig 2 Mk.
Kreis Friedberg
WSN. Friedberg, 21. April. Gestern nachmittag stürzte beim Spielen an der Wetter ein vierjähriges Kind an der Drücke zwischen Schwalheim und Friedberg in den Fluh und ertrank.
ss. Friedberg, 21. April. Die Freiwillige Feuerwehr beschäftigte sich in ihrer diesjährigen Hauptversammlung hauptsächlich mit der Neuwahl eines neuen Kommandanten, nachdem der seitherige,langjährige Führer, Zimmermeister Sean Füller, sein Amt niedergelegt hat. Diese Tatsache hat nicht nur in dem Kreise der Feuerwehr, sondern in der ganzen Bevölkerung allgemeines Bedauern hervorgerufen, da der ©enamtfe es verstanden hat, durch seine Keimtnisse, seinen Eifer und seine Rührigkeit das Korps auf eine beachtenswerte Höhe zu bringen. 2ln seine Stelle wurde der seitherige zweite Kommandant, Kaufmann Franz Fourier gewählt, zweiter Vorsitzender wurde Glasermeister M i l i u s. Das Korps zählt zur Zeit 251 Mitglieder. Dazu kommen 326 Mitglieder der Pflich^feuerwehr. Die Ausrüstung und Ausbildung wird allgemein als mustergültig betrachtet. Herr Sean Füller wurde in Anbetracht seiner großen Verdienste zum Ehren- kommandanten mit der Uniform ernannt. Größere Brande sind in letzter Zeit hier nicht vorgekommen. Dagegen war der Wehr Gelegenheit gegeben, bei dem Brande der großen Walz- mühle in Assenheim erfolgreich einzugreisen und durch die neue Motorspritze das Feuer auf seinen Herd zu beschränken
* Bad-Nauheim, 19. April. Im Burkschen Saale fand eine von der Deutschnationalen B o l k s p a r t e i einberufene Versammlung statt.
Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin.
(Schluß.)
Gloria Sainsbury wandte sich zu ihm hin. Sah ihm ins Gesicht---
»Ich glaube, es ist ganz richtig, daß Sie sich eine Frau als Chef aussuchen. Aber Madame Läonie ist nicht diejenige, die Sie brauchen. Ich wüßte Ihnen einen anderen Chef — —" Sie lächelte--lächelte — — —
„Gloria —" stammelte James Wood. „Gloria, führe mich nicht in Versuchung! Mit mir? Gloria, — das ist — das ist--*
„Nennt man mich nicht die tolle Herzogin? Also --Verstehen Sie etwas von Pferdezucht?"
,Hab' selber einmal ein Gestüt gehabt, ein berühmtes Gestüt." Seine Augen leuchteten, als er das sagte.
„Ausgezeichnet. Verstehen Sie etwas von Kin- dererziehung?
„Allmächtiger --! Ich?"
-«Ich habe dort droben bei mir einen wilden, unbändigen Buben--*
„Gloria--!"
„--der einen Vater braucht!"
„Und ausgerechnet ich — der--?"
Sie legte ihm die Hand auf den Mund.
„Ausgerechnet du, James Wood! Du wurdest meinen Buben lehren, ein Mann zu werden, zu dem die Frau,, die ihn liebt, aufblicken kann, stolz und vertrauend. Ich liebe dich, James Wood!"
kn der Dr. Brehm über „Die Krisis der Gewerbestände" sprach. Er führte sie ebenso auf zwangsmäßige internationale Verfehlungen wie auf innerdeutsche Fehler zurück. Von ersteren beleuchtete der Redner eingehend die Folgen des Versailler Vertrags und der Dawesgesetze, die sich schon in Kürze als undurchführbar erweisen würden. Die Stärkung des inneren Marktes müsse der gewiß auch wichtigen Steigerung der Ausfuhr voranstehen. Auf hessische VerhälMisse übergehend beleuchtete der Redner die Ausgabenwirtschaft des Staates und mancher großen Gemeinden, die sich dann in einer mittelstandsfeindlichen Ausgestaltung von Steuern auswirke, z. B. bei der Sondersteuer auf den bebauten Grundbesitz. Auch Gewerbe- und Hauszinssteuer seien weit überspannt. Die verkehrte Preisabbaupolitik der Reichsregierung, die sich einseitig gegen das Handwerk wenden wolle, müsse abgelehnt werden. Vergebungen bei Submissionen sollten nach vernünftigen Grundsätzen erfolgen. Das Baugewerbe sei als Schlüsselgewerbe für d:e gesamte Volkswirtschaft mit ausgiebiger staatlicher Hilfe, nicht aber mit kurzfristigen Krediten, in Gang zu bringen. Letzten Endes aber müsse die Selbsthilfe des gewerblichen Mittelstandes einsetzen, der solidarisch zusammenstehen müsse. An den Vortrag schloß sich eine fesselnde Aussprache an.
- Bad-Nauheim, 20. Aprtt. Hier fand die Hauptversammlung der Mittelrheinischen Studiengesellschaft für Klimatologie und Balneologie statt. Am Vormittag vereinigten sich die Teilnehmer zu einer geschäftlichen Ätzung, bei der der Vorsitzende Geheimrat Prof. E. von Noorden - Frankfurt a. M. den Bericht über die umfangreiche Tätigkeit und die günstige Entwicklung der Gesellschaft im zweiten Jahre ihres Bestehens erstattete. 3n den Vorstand wurden neu gewählt: Prof. Dr A. W e b e r, der Leiter des medizinisch- wissenschaftlichen Instituts in Dad-Nauheim, und Dr. K. Aschoff- Bad-Kreuznach. Der wettere Verlauf des Tages war mit Vorträgen und Diskussionen ausgefüllt. Prof. Dr. 3. Strasburger- Frankfurt a. M berichtete über „Die Wirkung von Bädern im Allgemeinen". Prof. Dr. A. Weber- Bad-Nauheim sprach über „Wirkungen, Anzeigen und Gegenanzeigen der natürlichen OOr-Kochsalzthermen", Dr. Engelmann - Bad-Kreuznach hielt ein Neserat über „Die Wirkung radioaktiver Bäder", Dr. L. Fresenius - Wiesbaden hielt einen Vortrag über „Chemische und physikochemische Fragen bei Mineralwasser-Trinkkuren". Wetter referierten Prof. Dr. Jesio n ek<- Gießen über „Einwirkung klimatischer Faktoren auf die Haut", Dr. van O o r b t - Bühlerhöhe über „Die klinische Verwertung klimatischer Hellfaktoren der deutschen Mittelgebttge" und Dr. Michals- Geolog. Landesanstatt Berlin über „Der Tlrsprung der Mineralquellen des Taunus". Die Vorträge brachten eine Fülle dankbar aufgenommener Anregung und Belehrung, sodaß die Tagung als ein voller Erfolg zu bezeichnen ist.
:: Kirch-Göns. 21. April. Der Landwirt und Kirchenvorsteher Anton Schmidt II und seftve Ehefrau Katharina, geb. Vogt, feierten am Sonntag das Fest der goldenen Hochzeit, nachdem Pfarrer Naumann schon im Vormittagsgottesdienste in herzlichen Worten des Ehepaares gedacht hatte, begab sich am Nachmittag der Kirchenvorstand in die Wohnung des Jubelpaares, wo fettens des Vorsitzenden mit entsprechender Ansprache als Zeichen der ®anfbarfeit der Gemeinde gegenüber dem treuen Kirchenvorsteher ein sinniges Geschenk überreicht wurde. Auch der Gesangverein ließ es sich nicht nehmen, fein langjähriges Mitglied durch den Vortrag von Liedern zu ehren. Glück auf zur Diamantenen.
:: Pohl-Göns, 21. April. In der hiesigen Schule kamen am Ostern 12 Kinder zur Entlassung, 6 Knaben und 6 Mädchen. Neu aufgenommen wurden 16 Kinder, 11 Knaben und 5 Mädchen. Da der Lehrer der 1. Klasse, Herr Schäfer, bereits einige Wochen vor Ostern wegen Erkrankung beurlaubt werden mußte und die Beurlaubung bis Ende Mai verlängert wurde, wurde für ihn ein Vertreter seitens des Landesblldungsamtes ernannt.
' Gambach, 21. April. In die Volksschule wurden 45 Kinder ausgenommen, 24 Knaben und 21 Mädchen. An Ostern entlassen wurden 28 Kinder, 16 Knaben und 12 Mädchen. Auch an nächsten Ostern ist wieder mit einer starken Neuaufnahme zu rechnen. Infolgedessen blieb unsere Gemeinde von einem Abbau von Lehrkräften verschont.
Kreis Büdingen.
Nidda, 21. April. Die Dampf- w a 15 e, ein in den Kriegs- und Nachkriegsjahren selten gewordener Gast, hat sich nun bei uns, eingefunden, um die vorn Kreis unterhaltenen Ortsdurchfahrten wieder in Orbnieg zu bringen. Die Walzarbeiten beginnen bei K o h - den und werden sowohl über die Raun als auch zur Dauernheimer Straße durchgeführt. Der Fuhrwerksverkehr aus dem oberen
| Niddatal mußte seither durch den Herbwald geleitet werden. Die Sperre unserer Ortsdurchfahrt ist auf etwa 14 Tage berechnet. Wenn sie auch dem Fuhrtre.ksverkehr vorübergehend Einschränkungen und älnannehmlichkei.en auferlegt, so begrübt man es doch freudig, daß nun wieder erträgliche Straßenverhältnisse geschaffen werden.
* Kohden, 21. April. Der Hilfsjäger Theiß von hier erlegte dieser Tage den zweite n H a - dicht seit kurzer Zeit. Im Interesse der Sicherheit des Federviehes unseres Ortes begrüßt man diesen Abschuß allgemein.
Kreis Schotten.
cf. Stumpertenrod, 21. April. Zu dem Bericht über den hiesigen Ehrenfriedhof ist noch ergänzend zu bemerken, daß auch die Gedenksteine für die in Zukunft auf den Ehren- friedhof beizusehenden Kriegsteilnehmer von der Gemeinde angeschafft werden. Diese ist deshalb mit verschiedenen Lieferanten in Verbindung getreten zwecks Anschaffung der nötigen Steine, damit die Einheitlichkeit derselben gewahrt wird.
e. Llnter-Seibertenrod, 21. April. Der in der ganzen Gegend bekannte Altertums-Bast (Heinrich Bast), der einen umfangreichen Handel mit Altertümern trieb, hatte eine hochintevessaitte Ortschrvnik angelegt, die leider durch seinen Tod eine Unterbrechung erfuhr. Der Sohn des Genannten und Lehrer (Butter on von hier haben sich nun die Aufgabe gestellt, diese Chronik auf Grund von alten Urkunden und mündlichen Ueberlieferungen im Geiste des Verstorbenen fortzusetzen. Möge dieses Werk, das ein Stück Volksbildungsarbeit ist, auf recht vielen Dörfern Nachahmung Haben.
m. Ulrich ft ein, 21. April. Unfer Fort- bildungssch ulbezirk, zu dem noch dis Orte Ober- und ilnter-ceibcrtenrob, StumpeMn- rod, Köttingen, Helpershain und Meiches gehören, erlitt dadurch einen harten Schlag, dah der seitherige Fortbildungsschullehrer im Hauptamt. Lehrer Schmandt, infolge der Sparmaßnahmen abberufen wurde. In allen Orten seines Bezirks hört man nur ungeteiltes Lob über feine Lehrtätigkeit.
-4- Ulfa, 21. April. Von der Grippe, die eben in unserer Gegend recht heftig auftritt, wurde unser Lehrer Wiesner im besten Mannesatter Dahingerafft. Der allzufrüh Verstorbene, der den größten Teil seines beruflichen Lebens im Dienste unserer Gemeinde verbracht, war als Mensch und Lehrer gleich hoch geachtet. Sein unerwarteter Heimgang senkt nicht allein über ferne Familie, sondern in jedes Haus schmerzliche Trauer. Als großer Naturfteund und bester Kenner urffer er heimifchen Tier- und Pflanzenwelt war er wett über die Grenzen seines Wirkungsortes bekannt. Dem Obst- und Garten- bauvercin des Kreises war er ein uneigennütziger Freund und Förderer, dem namentlich unsere Gemeinde viel zu bauten hat. Alle, Die ihn und sein stilles Wirken in Schule, Haus und im Dienst der Allgemeinheit gekannt, beklagen das frühe Abscheiden dieses selten edlen Menschen, dessen Lebensarbett Pflicht, Siebe und Treue gewesen.
-i- Eichelsdorf, 21. April. Das zu der im Konkurs befindlichen Junkermühle gehörende Gelände, insgesamt 28 Morgen Aecker unb Wiesen, wurde von der ersten Hypothekengläubigerin zu günstigen Preisen auf ein Jahr verpachtet. Das Mühlenobjekt soll demnächst zur Versteigerung gelangen.
Kreis Alsfeld.
-!* Merlau, 21. April. Zum Beigeordneten der hiesigen Gemeinde wurde Landwirt Georg Becker an Stelle von Landwirt Peter Kirsch gewähtt. — In die Schule wurden 18 Kinder, 9 Knaben unb 9 Mäbchen, neu aufgenommen, nachbem vor Ostern 11 Kinder bie Schule verlassen haben. An Stelle bes bem Abbau zum Opfer gefallenen Schulverwalters Schön, der die erste Schulklasse etwa ein Vierteljahr lang versehen hat, kam Schulverwalter Fuhr, seither in Trais-Horloff. — In der hiesigen Gemarkung sind durch die infolge des Stilliegenä der Gruben arbeitslos gewordenen Bergleute einige Feldw ege cf) a Uff tert worden, auch wurde der Friedhof neu instand gesetzt.
Starfeenburg.
Darmstadt, 21. April. In der am 3. Mai beginnenden Tagung des Schw u rger i chts wird voraussichtlich am 6. und 7. Mai der Fall des Studenten Josef Meon verhandelt, der bekanntlich die Stütze Anya Gillmann ermordet und beraubt hat. Vertreter der Anklage ist Oberstaatsanwalt W ün ze r; als Sachverständige sind u. a. aufgeboten Sanitätsrat Dr. Magnus H i r s ch f e l d (Berlin) und Gerichtschemiker Professor Dr. Popp (Frankfurt) sowie 30 Zeugen. — Bei Arbeiten an der elektrischen Hochspannungsleitung kam der Arbeiter Benz aus Arheilgen mit
Das Meer rauschte den Schlußakkord zu dieser Unterhaltung.
Am nächsten Morgen auf der Loggia der Villa Diane, Digue 28.
Madame Leonie und James Wood saßen beim Frühstück. Madame sehr schlecht gelaunt, James Wood rücksichtslos vergnügt und zufrieden.
„Cs ist unerhört," predigte Madame Leonie, „diese kostbaren Dokumente umsonst fortzugeben. Mindestens zehntausend Pfund Hütte ich aus dem Geschäft gezogen. Sie lassen sich als Mörder ver- fogen, lassen sich beinahe selbst ermorden — und dann le beau geste! Das ist reine Großmut, mein Lieber — das ist Dummheit!"
James Wood lachte fein altes unwiderstehliches Lachen. Suchte sich die schönsten der Rosen, die auf dem Tische standen, aus und steckte sie ins Knopfloch.
„Mir gegenüber waren Sie sehr geschäftstüchtig", schalt sie weiter. „Haben sich sogar einen Vorschuß auf die Kosten auszahlen lassen. Da haben Sie mir imponiert--doch so etwas —! Unerhört — un
erhört!"
„Einen Moment, Madame Leonie! Ich habe Ihren Zorn oorausgesehen und habe mich dagegen gewappnet. Hier--"
Gr legte ihr sechs dicke Briefpakete hin. Blaue, rosenrote, violette Briefe — schwachen, leise melancholischen Duft ausströmend, schwachen vergessenen Duft wie die Liebe, die sie einst schrieb.---
"Das ist die Beute, die ich in Las Valdas' Laden fand, das sind die Privatkorrespondenzen, die mit „unserem Falle" nichts zu tun Haden. Ich überlasse sie ohne jedes Entgelt dem Hause Sperazzi und Kompagnie! Unter einer Bedingung!"
Madame Leonie beroch zunächst die Papiere. Rümpfte nicht ohne Billigung das Näschen. Oeff- nete die Päckchen der Reihe nach. Prüfte die Namen---
„Gräfin Eva Szent--Iavaffy--geht.
Alter Reichtum--Adrienne, die Tänzerin na,
höchst dubios — Lü Valera, die Spanierin, die hat Geld! Ja — ja — — ich bin zufrieden, James Wood! Und die Bedingung?"
„Abwickelung des Geschäfts nach dem Prinzip: Hilf deinen Nächsten wie dir selbst! '-Jßcifj die armen Frauen werden unter diesen — Erinnerungen genug haben bluten müssen! Also, Madame Leonie! Keine Daumenschrauben! Nur so viel, daß Sie die Angst bezahlt bekommen, die Sie um mich im Hospital ausgestanden haben!"
„Angst — ich? Um wen--? Hm--aber
man wird sehen, was man tun kann! Weder ich noch Sperazzi sind Barbaren--! Und Sie — Sie
wollen wirklich keine Beteiligung? Keine Sorge — Sie wissen, Diskretion ist das oberste Geschäftsprinzip des vor mir geleiteten Hauses--"
„Nein, wirklich Madame Leonie — ich habe genug. Die zweitausend Pfund von Ihnen, die viertausend für die Aegypterin--das reicht. Und
wenn Sie den Vorschuß nicht abziehen wollten —"
„Was heißt das? Keine deplacierten Witze, bitte."
Sie äugte ihn scharf an.
„Ich sehe, mit Ihnen ist wirklich nicht zu arbeiten. Sie haben noch viel zu atavistische Sentiments in Ihrem Dnst nicht gerade vernagelten Kopse. Sentiments, mein Lieber, kann man nicht in Prozente umrechnen. Wenn ich nicht eine so ün°
einem Werkzeug der Leitung zu nahe. Tr «Ütt schwere Verletzungen und wurde in hoff» nungslosern Zustande in das Kr>' 'nhau« eingeliefert
Preußen.
Der Behörden-Dienst am 1. Mai.
Das preußische Stacttsministerium hat beschlossen, den Dienst am 1. Mai für die preußischen Beamten in gleicher Weise zu regeln wie in ben Vorjahren. Die Richtlinien, die hierfür aufgestellt sind, decken sich mit denen bei Reichskabinetts, die bereits veröffentlicht worden find.
Kreis Wetzlar.
kz. Wetzlar, 19. April. Der großzügig angelegte Ausbau bes Philosophenwegs hat bem ganzen Tal ein verändertes Bild gegeben. Breite .wohlgepflegte Hecken und schattige Laubbäume unb Obftbäume finb niebergelegt worben, bie Gärten beiderseits der Straße haben ein gutes Stück fruchtbaren Landes hergeben müssen, Gartenmauern sind zurückgesetzt. Die Fahrbahn hat eine Brette von 7,50 Uteter, bi« beiderseitigen Bürgersteige eine Breite von je 3,75 Meter, so haß bie ganze Straße 15 Meter breit wird. In den letzten Tagen sind bie Rand- steine (Kunststeine) der Bürgersteige zum großen Teil gesetzt worden. Bis zum SeptÄftber b. 3. rechnet man mit ber Fertigstellung bes ganzen Philosophenweges, wodurch eine neue Um- gehunasftrahe für Wetzlar fertig wird. — Da bie enge Kurve am G o eth eb r unnen für den Autoverkehr recht gefährlich ist, hat man eine teilweise Abdeckung des GoethebrunnenS geplant. Von einer Seitentüre aus soll dann eine Besich- tigung des Goethebrunnens ermöglicht werden. — Die Tannenwaldung im Finsterloh rechts der Frankfurter Straße scheint allmählich ganz ein Opfer der Stürme zu werben. Wiederum ist eine Anzahl schlanker Tannen vom Sturme entwurzelt worden unb liegt zu Boben. Im Laufe der letzten Jahre ist ein bedeutendes Stück dieser Tannenwaldung durch Windschaden verschwunden.
ch. Lützellinden, 20. April. Bei der gestern im hiesigen Markwald stattgefundenen Holzver- Steigerung, zu der auch auswärtige Bieter zugelassen waren, wurden zum Teil recht hohe Preise erzielt. Es wurde im Durchschnitt für das Raummeter geboten: Fichten- und Kiefernstöcke 3 bis 4 Mk., Fichtenknüppel 6—8 Mk., für eine drei Meter lange Kiefernutzholzschicht, 3 Raummeter, wurden 38 Mk. bezahlt. Fichtenwellen kamen bis zu 16 Mk. je 100 St. Kieferwellen bis zu 20 Mk. — Die Holzhauerarbeiten im Markwald wurden in der vorigen Woche beendet. Durch den in diesem Jahre besonders großen Windfall hatte die Rotte fast nur mit Aufräumungsarbeiten zu tun, die ein intensives Arbeiten sehr erschwerte. Aus diesem Grunde kommen auch in diesem Jahre keine Fichten-Derbstangen zum Verkauf, die sonst ein» große Anziehungskraft auf die umliegenden Hand«, werter ausübten. Die Erwerbslosenziffer in unserem Orte wird durch das Einstellen der Av- beiten eine kleine Steigerung erfahren.
XX Aus dem Kreise Wetzlar, 20. April. Fortgesetzt erforschen A l t h ä n d l e r die Bauernhöfe nach Altertümern. Sie nützen die Geldnot der Landleute aus, um sie zur Hergabe der in ihren Häusern noch vorhandenen schönen alten Sachen zu bewegen. Es ist tief bedauerlich, daß trotz aller Warnungen in der Presse und durch andere Stellen so manche wertvollen alten Hausratsstücke für wenige Groschen hingeben werden. Für ein paar Mark geben die Leute die kostbarsten alten Bauernuhren, schöne Stiche, Familien- und Dorfurkunden, Zinnschüsseln, Spinnräder und alte, höchst wertvolle Möbel hin. Manchmal erhält der Händler sogar noch alte Lampen, die man einst mit Rüböl speiste, und uraltes Steingut noch umsonst dazu. Alle diese Sachen haben nicht nur hohen materiellen, sondern noch viel mehr kulturellen Wert. Die Gegenstände gehen größtenteils für hohe Summen ins Ausland. Die Verkäufer aber geben dadurch Schätze hin. die jedem lieb und wert fein sollten, da sie von alten Zeiten mit ihrer Dürftigkeit, Gemütlichkeit und Güte erzählen. Solche Altertümer sollte man als heiliges Familiengut von Geschlecht zu Geschlecht weiter aufbewahren, sie für einen geringen Bettag jedenfalls nicht fortgeben.
Kreis Marburg.
♦ Fronhausen (Lafen), 21.April. Seit gestern ist eine Kraftpost zwischen Kirchhain (Bezirk Kassel) und Fronhausen (Lahn) in Betrieb, dl» durch den sog. Ebsdorfer Grund fährt.
Dillkreis.
bl. Dillenburg, 21. April. RegierungS- rat Dr. Dünger hat bie Dienstgeschäfte al- ko m m i s sa ri s ch er Lanbrat bes Dilllreise- übernommen. — Am Montagabenb ging bet achte Transport von Erholungskinbern aus bem Dillkreis nach bem Ostseebab Boltenhagen ab. Für Dieses Jahr werben etwa 200
verzeihliche Schwache für Sie hätte, James Wood — ich müßte Sie momentan entlasten.
„Madame Leonie, tun Sie das! Dann brauche ich Sie nicht Darum zu bitten!"
Sie wurde in der Minute ernst, ganz ernst. Sie sah ihn an — lange — eindringlich.
„Also das? Sie wollen heiraten?"
„Ja, ßeonie! Kleine, liebe Freundin, wollen Sie mir nicht Glück wünschen?"
Sie erhob sich, ging auf ihn zu, blieb von ihm so dicht stehen, daß ihre Knie die seinigen berührten. So stand sie und funkelte ihn an.
„Ja, ich wünsche Ihnen Glück, James Wootz! Heiraten Sie, setzen Sie sich an den häuslichen Herd, legen Sie sich einen Schmerbauch und ein Doppelkinn zu.! Kehren Sie wieder reuig heim zu der sogenannten brauen, bürgerlichen Gesellschaft! James Wood —. Sie sind die größte Enttäuschung meines Löbens!"
Nach einem Monat wurde geheiratet. In der Kapelle in Burnham Caslle. Ganz intim, nur die Familie. Sir Walter der einzige Freund — er war der Trauzeuge.
Und als der Bräutigam feinen Namen ht das Hochzeitsbuch setzte, schrieb er mit großen, klaren Buchstaben:
Herbert Rüdiger, Markgraf von Sott-Rothenberg, K. u. K. Kämmerer,
Rittmeister im ehemaligen Oesterreichisch-Ungarischen k. u. k. Dragoner-Regiment Prinz Eugen von Savoyen.
Ende.


