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Die Franzosen hätten hier endgültig auf ihre Jahrhunderte alte Tradition verzichtet. Das sei ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung aus Jahrhunderte hinaus. Seine Rede klang aus in einer Ermahnung zur Einigkeit und Einheit.

Der Reichspräsident an die Kölner Studentenschaft.

Köln, 20. Febr. Reichspräsident v. Hindenburg hat auf ein Degrüßungstele- gramm, das die Kölner Studentenschaft auf dem heutigen Befreiungskommers an ibn gerichtet hat. folgende Antwort gegeben: Die deutschen Grütze vom Defreiungskommers der Kölner Stu­dentenschaft erwidere ich aufs herzlichste. v. Hindenburg.

vefreiungstagung des wirtschastsausschufses für

Vie besetzten Gebiete.

Köln. 20. Febr. (WTB.) Der Wirtschafts-- ausschuh für die besetzten Gebiete, der am 6. April 1921 von Handei und Industrie der be­setzten Gebiete als gemeinsames Beratungsorgan unter Führung der Kölner Industrie- und Han­delskammer geschaffen worden war, trat heute nachmittag im Kölner Rathaus zu seiner letzten Sitzung im Kölner Gebiet zusammen. Der Dorfitzende des Wirtschaftsausschusses. Ge­heimrat Hagen, wies darauf hin, daß die Rächt zum 1. Februar der Kölner Zone die Befreiung gebracht habe. Aber in den Jubel der Frei- gewordenen mische sich das tiefe Mitgefühl mit den Brüdern in der zweiten und dritten Zone. Diese aber sollten versichert sein, daß neben dem besonderen Mitgefühl die ganze Hilfe des jetzt freigewordenen Gebietes in den kommen­den Jahren ihnen zur Verfügung stehe.

Der Geschäftsführer des Wirtschaftsaus­schusses. der Syndikus der Kölner Handels­kammer Dr. Wiedemann, erstattete darauf Bericht, an dessen Schlutz er darauf hinwies, daß das Ergebnis von Locarno für das besetzte Gebiet leider vorläufig insofern keinen Erfolg bedeute, als die Gegenseite nur zögernd an die Verwirklichung der sogenannten Rückwirkun- g c n herangehe. Der Wirtschaftsausschuß fordere auch in diesem Augenblick nachdrücklich, dah die zweite und dritte Zone geräumt wer­den weiter, dah zur Erfüllung dieses berechtigten Verlangens die Besahungs stärke wesent­lich herabgesetzt werde und für den energi­schen Abbau des Verordnungssystems der Rheinlandkommission cingetreten werde.

Ramens der Reichsregierung und des Reichs­ministeriums für die besetzten Gebiete ergriff dar­auf der

Reichsjustizminister Marx das Wort, der den herzlichsten Dank der Reichs- regierung für alles das aussprach was der Wirt­schaftsausschuß in den letzten Jahren geleistet hat. Heute stehe der Wirtschaftsausschuß vor einem bedeutungsvollen Abschluß: er stehe vor einer völlig neuen Gruppierung. Für besonders wertvoll halte er die Tättgkeit b<£ WirtschaftsauSfchusses var allem deshalb, weil dieser die verschiedenen Zweige von Handel, In­dustrie, Landwirtschaft und Handwerk, Arbeit­geber und Arbeitnehmer in sich ver­einige und durch gemeinsame Arbeit und trotz durcheinander und gegenetnanderlaufender Inter­essen bedeutungsvolle Ergebnisse erzielt habe. Der ' Minister drückte die Hoffnung aus, dah dieses . Beispiel der Wirtschaft des besetzten Gebietes die 1 Wirtschaft des gesamten Leiches sich zum Muster y dienen lasse. Wenn die Reichsregierung auch den berechtigten Forderungen der schwer ge- t schädigten Wirtschaft gegenüber sich, oft habe ablehnend verhalten müssen, so könne er versichern, daß das mehr als einmal blutenden Herzens unter dem Zwang der Aotwendigkeit geschehen sei und da müsse man besonders den hohen vater­ländischen, stets opferbereiten Sinn des Wirt­schaftsausschusses anerkennen, drr sich auch in der schwersten Lage der verflossenen Jahre gezeigt habe: das sei die deutsche Treue, die unentwegte Treue zum deutschen Vaterland, die sich nicht nur im Wirtschaftsausschuß, sondern in den ganzen besetzten Gebieten so glänzend ausgezeichnet habe.

Hamens der Reichsregierung könne er ver­sichern, daß alles darangeseht würde, um die Lasten des beichten Gebietes zu erleichtern und i auf das möglichst rasche Freiwerden auch der zweiten und dritten Zone von der Besetzung hinzuarbeiten, die letzten Endes mit dem wahren (Seift von Locarno unver­einbar sei.

Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Fuchs, erinnerte cm die Bestrebungen der Besatzungsmächte, die Rheinlande wirtschaftlich von Deutschland abzu- ichließen. Dem Wirtschaftsausschuß sei es zu danken, daß die Einheit mit dem Reich erhalten geblieben sei. Er hoffe, daß der Wirtschaftsausschuß nicht mehr lange zu bestehen brauche, denn für die Besatzung sei tatsächlich kein Raum mehr.

Oberbürgermeister Adenauer betonte das ein- inüiige Zusammenarbeiten des Wirtschaftsaus­schusses mit der Staats- und Kreisverwaltung sowie der städtischen Verwaltung.

Der R e i ch s k o m m i s s a r für die besetzten Ge­biete, Botschafter Freiherr Langwerth von Simmern, stellte sich den Reichswirtschaftsfüh- rern des befreiten besetzten Gebietes als Rhein­länder vor. Er sei gekommen, die Sorgen, Leiden und Mühen des besetzten Gebietes mit ihm zu teilen und seine ganze Kraft dafür einzusetzen, das in Locarno begonnene Werk zu dem ersehnten Ziele zu führen. Für diese Ausgabe bat er um das Ver­trauen aller Kreise des Rheinlandes.

Darauf beschloß die Versammlung, daß die bisherigen Mitglieder aus der zweiten und dritten'Zone weiterhin den Wirtschaftsaus- schuß für das besetzte Gebiet bilden, während die Mitglieder aus der geräumten ersten Zone aus- scheiden. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Rcichstagsabgeordneter Kalle- Biebrich ge­wählt. zu Stellvertretenden Vorsitzenden der Vor­sitzende der Industrie- und Handelskammer Koblenz. Dr. Rüssel. Kommerzienrat Marx und Lamprecht (Pfalz), zu Geschäftsführern der Syndikus der Industrie- und Handelskammer Koblenz. Dr. Ger h. Oberregierungsrat Dr. F r i s ch - Reustadl a. d. H. und Dr. Mees- mann-Mainz. Die Handwerkskammern werden vertreten sein durch 'Dr. Ott o- Koblenz. Die Landwirtschafts Kammern haben ihren Vertreter noch nicht. Als Geschäftsstelle wurde die Industrie- und Handelskammer Ko­blenz bestimmt Zu Fragen, die die geräumte erste Zone betreffen, wird ein Mitglied der In­dustrie- und Handelskammer Köln zugezogen.

Dom Westdeutschen Handwerkskammertag

D ü s s e l d o r f, 21. Febr. (WTB.) Bei der vom Westdeutschen Handwerkskammertag veranstalteten Führerkonferenz des westdeutschen Handwerks prach der Geschäftsführer des Rheinisch-westfcitt- chen Tischlerinnungsverbandes, Kückelhausen-Essen über die gegenwärtige Lage der westdeutschen Wirt- chast und insbesondere des Handwerks. Er wies auf die Gefahren hin, die durch eine Senkung des Realarbeitseinkommens aller schaf- enden Stände für _bas Handwerk sich ergeben würden, denn diese Senkung des realen Arbeitsein­kommens würde die Kaufkraft des Binnenmarktes außerordentlich schwächen. Die notwendige Senkung des Preisstandes für den deutschen Lebensbedarf ei am besten durch eine Vermehrung aller P r o d u k t i o n s g ü t e r zu erzielen. Als geeignete Mittel hierzu kommen die restlose Beseitigung der gleitenden Materialpreise und Löh n e und die Einführung von F e st p r e i s e n , gestützt auf langfristige Arbeitsverträge, ferner die Rationalisierung der Arbeit und eine arbeitsver­tragliche Vereinbarung über zuschlagsfreie Mehr­arbeit mährend der Uebergangszeit von mindestens einem Jahr und ferner die Oeffnung aller Märkte ür einen freien und gesunden Wettbewerb in Frage. Dr. Peters, der Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, wies auf die Bedeu­tung der beruflichen Selbsthilfe hin. Das Handwerk müsse wissen, daß es sich weit mehr noch als früher durch aktive Tätigkeit aller seiner Or­gane bemühen müsse, um sich einen gerechten An­teil an den öffentlichen Aufträgen zu verschaffen.

Die Erreichung der Friedens- nriete hinausgedchoden.

Berlin, 20. Febr. (121.) Der S teuer aus- chuß des Reichstags beriet heule über den An­trag, die Heraufsetzung der gesetzlichen Bliete von Reichs wegen auf 100 Prozent vom 1. April 1926 bis zum 1. April 1927 hinauszufchieben. Roch ein­gehender Erörterung wurde beschloßen, die für die hauszinssteucr maßgebenden Vorschriften, die am 1. April 1926 in Kraft treten sollten, insbesondere auch dieErhöhungdergesehlichen Miete auf 10 0 Prozent erst am 1. 3 u(i 1926 in 6 rast treten zu lassen.

Die Verwaltungsreform in Preußen.

Berlin, 20. Febr. Als Voraussetzung einer Gesundung der Volkswirtschaft hat der Reichsfinanz- miniftcr Dr. Reinhold in feiner Etatrede vor dem Reichstag dicMitwirkungderLänder und G e m c i n d e n bei der Beschränkung der öffentlichen Ausgaben bezeichnet. In einer Unterredung mit einem Vertreter desBerliner Börfenküriers" er­klärte der preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff, daß Preußen die von dem Reichsfinanz­minister angekündigte Sparsamkeit und Ver­einfachung der Verwaltung mit allen Kräften unterstützen werde. An der Vereinfachung der Verwaltung in Preußen werde bereits gearbei­tet. Für 1926 habe Preußen seine Ausgaben um 200 Millionen Mark eingeschränkt. Aus die Frage, inwieweit eine Vereinfachung der Verwal­tung durch Personalabbau zu erreichen sei, ant­wortete der Finanzministcr, daß Personalver­minderungen durch Abstoßung von Hilfsarbei­tern und durch Nichtbesetzung freiwerdender Be­amtenstellen infolge Derwaltungsvereinfochung möglich sei. Die Regierung werde demnächst dem Staatsrat ein Gesetz oorlegen über die Beseiti­gung von 30 bts 40 kleineren Kreisen. Außerdem werde die Einschmelzung von kleineren Amtsgerichten beabsichtigt. Ferner häll der Minister eine neue Abgrenzung der Regie­rungsbezirke, eine Beseitigung der Dop­pelinstanzen von Regierungspräsident und Oberpräsident sowie die Zusammenlegung der Landeskulturverwaltung mit der allge­meinen Verwaltung für zweckmäßig.

Die Erwerbslofennnterstützung.

Deutscher Reichstag.

Vertin, 20. Febr. Auf der Tagesordnung stehen die Vorschläge des Haushaltsausschusses über die Erwerbslosen- und Kurzarbeiterunter- stützung. Danach werden die Unterstützungssätze in den Ortsklassen A, B und C mit sofortiger Wirkung erhöht:

1. für alleinstehende Erwerbslose unter 21 Jahren um 20 Proz.

2. für alleinstehende Erwerbslose über 21 Jahre um 10 Proz.,

3. für alle übrigen Hauptuntcrstühungs-- empfänger, sofern sie bereits acht Wochen nach­einander unterstützt wvrDen sind, ebenfalls um 10 Prozent.

In einer Entschließung irirb die Reichsregie­rung ersucht, mit altem Rachdruck bei den Län­dern dahin zu wirken, daß eine unberech­tigte Benutzung der Erwerbslose n- fürsvrge bekämpft und jede Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme wahrgenommen wird. Die Kurzarbeiterunterstützung beträgt für den dritten, vierten und fünften ausgefallenen Arbeitstag den Tagessah, den der Kurzarbeiter als Erwerbsloser erhalten würde.

Abg. D mann (Soz.) bedauert, daß die weitergehenden Anträge seiner Partei nicht durch- gerrungen sind Der Mißbrauch bet Erwerbs- lvsenfürsorge müße erst nachgewiefen werden. Richt nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt kämen Mißbräuche vor. Vor allem müsse Arbeit geschaffen werben durch den Bau von Wohnungen. Daran werbe seine Partei gerne Mitarbeiten. Die Profitmacherei ber Kar­telle und Syndikate müsse verhindert wenden.

Abg. Hartmann (Dntl.) weist darauf hin. daß die Rotstandsarbeiren sehr große Mittel in Anspruch nähmen und baß bie Matcrial- preise besonbers für Öen Wohnungsbau zu hoch seien. Es käme hauptsächlich barauf an. ben Export zu heben.

Abg. Teusch (Z.) wibcrspricht dem Ab­geordneten Dißmann. Die Sozialisten und Kom­munisten hätten lediglich eine ganz schema­tische Steigerung ber Unterstützungssätze bean­tragt. und zwar in einer Höhe, bie bie Regie­rung für unannehmbar erklärt habe und daher aussichtslos gewesen sei. Daher hätten im Sozialen Ausschuß die Sozialdemokraten dem Zentrumsantrag auch zur Annahme verholfen. Die bisherige Kinderzulage werbe durch die Qtcuregelung in keiner Weise eingeschränkt. Der Antrag bes Zentrums im Ausschuß sei so weit gegangen, wie es nur irgend erreichbar sei. Die tocitcrgcbcnben Anträge ber Sozialdemokraten auf eine Erhöhung von 30 Proz. bienten nur der

Agitation. Durch den Kompromiß würde sofort den ©rtoerbSfofen geholfen. (Beifall.)

Abg. Hemeter (Dn.) begründet eine von ben Deutschnationalen, ber Deutschen Dolkspartei, ber Bayerischen Volkspartei, bein Zentrum, ber Wirtschaftspartei und der Völkischen Arbeite- gemeinfchaft eingebrachte Entschließung, in der die Regierung ersucht wird, ben Derwaltungs- ausschuß bes öffentlichen Arbeitsnachweises an­zuweisen, bie Erwerbslosenunterstützung im we­sentlich erhöhtem Maße in Sachleistungen insbesondere in Roggenbrot, Kartoffeln und Milch zu gewähren. Dadurch würde zur, Milderung der landwirtschaftlichen Absatztrise beigetragen und gleichzeitig den Erwerbslosen geholfen werden.

Abg. Schneider (Dem.) erklärt, die Aus- schußanträge könnten seine Freunde nicht ganz befriedigen, aber die Demokraten würden ihnen z u st i m m e n, um schnelle Hilfe für die Erwerbs­losen zu schaffen.

Rach Ablehnung der weitergehenden Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten werden die Ausfchuhanträge zur Erwerbslosen- fürsorgc und die Entschließung zur Kurzarbeiter- Unterstützung angenommen, ebenso die Ent­schließung gegen den Mißbrauch ber Fürsorge. Die beutschncttionale Entschließung wirb darauf dem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen.

Die zweite Beratung des Sozialetats wirb darauf fortgesetzt:

Abg. Aushäuser (S.) führt aus, baß die Verwaltungskosten der Krankenkas­sen nur 8 Prozent betragen, bie der Berufsge- nossenschaften aber 25 Prozent (hört, hört, links). Die gemcinnützigen Einrichtungen ber Kranken­kassen hätten (ich gut bewährt.

Abg. Dr. Rademacher (Dntl.) erklärt unter lautem Widerspruch ber Linken, bas alte Kaiserreich habe auf Grund ber Initiative des Kaisers eine bessere Sozialpolitik ge­trieben als die Republik. Dennoch hätten sich jetzt die sozialen Lasten in kaum erträglicher Weise gesteigert. Die Feststellung dieser Tatsache dürfe nicht als sozialreakttonär bezeichnet werben. Die beste Sozialpolittk sei eine gefunbeWirt- fchaftspolitik. Dte Tieberspannung ber so­zialen Leistungen und Lasten führe in manchen Fällen dazu, baß eine Witwe mehr Renten be­ziehe, als ihr verstorbener Mann Einnahmen ge­habt habe. Das neue in Vorbereitung befindliche Knappschaftsgesetz bedrohe ben Bergbau mit neuen unerträglichen Lasten.

Rach weiteren Ausführungen ber Abgeord­neten Gehrig (Zentr.), Timebt (Komm.), Thiel (Dtsch. Vp.) und Lambach (Dtschnat.) schließt bie Aussprache. Das Kapitel der Sozial­versicherung wirb bewilligt.

Bei der Cinzelbcratung über das Schlich­tungswesen führte Abg. B e ck c r - Herborn (Soz.) viele Einzelfälle an, in denen nach seiner Meinung die Schlichter versagt haben. Besonders in Oberschlefien seien Schiedssprüche gefällt wor­den, die mit ben Grundsätzen sozialer Gerechtig­keit unvereinbar seien.

Abg. Frau Behm (Dtschnat.) erklärt, sie habe Verständnis für die Stellungnahme des Vorredners. Das staatliche Schlichtungswesen verdiene eine Förderung vor allem im Interesse der Heimarbeiter, bie ohne Tarif und Schiebssprüche ganz schutzlos baständen. Die Red­nerin wünscht eine Erweiterung der Befugnisse der Fachämter für Heimarbeit und die baldige Verabschiedung des Heimarbeiter- g e s e h e s.

Ein Regierungsvertreter geht auf die ein­zelnen Beschwerden ein und betont, daß bas Schlichtungswesen sich burchaus bewährt habe.

Weiterberatung Montag, 1. März.

Lloyd George über Südtirol.

Das Unrecht von Versailles. Italien und die Ratssitzc.

London, 21. Febr. (WTB.) ImSunbay Rews" schreibt Lloyb George über bie Süd­tiroler Frage, es sei immer schwierig, ben wirk­lichen Charakter solcher gemischt-sprachlichen Zonen festzustellen. Ratnrgemäß hätten bie Urheber bes Friedensvertrages in Zweifelsfälten zugunsten ihrer Kriegsgefährten entschieden. Das habe zu Fehlern geführt, die jetzt offen zutage lägen. Er, Lloyb George, sei niemals zufrieden mit der Tiroler Grenze gewesen. Tirol, ben Geburtsplah seine5 volkstümlichsten Helden An­dreas Hofer zu entreißen und ihn für immer einem anderen Lande zu übergeben, habe zu endloser Entrüstung und Erbitte­rung führen müssen. Wenn Italien diese Wunde zu heilen wünsche, müsse es sein Bestes tun. bie Empfindlichkeiten Der Einwohner des annektier­ten Gebietes nicht zu verletzen Mit Weis­heit und Mäßigung werbe es ihm viel­leicht gelingen, bie Einwohner mit dem Gedanken ber Festsetzung einer strategischen Grenze zu ver­söhnen. 80 Millionen Deutsche könnten nicht für immer durch irgendwelche noch so beifällig auf­genommene Rebe so eingefchüchtert werben, daß sie die Beleidigung ihrer Rasse hin­nehmen. Es fei erfreulich, baß bie Krisis vorüber­gegangen fei. hauptsächlich infolge der würdigen Ruhe Dr. Stresemanns.

Zu der Frage der Vermehrung der Mitglieder des Völker bundsrats sagt Lloyd George, wenn Italien sich Frankreich und Polen anschließt bei dem Versuch, Deutschlands Einfluß im Rat zu neutralisieren, dann wird der Vertrag von Locarno erledigt sein. Dies würde auch den Tod des Dawesplanes beschleu­nigen, dec sonst erst in einem bis zwei Jahren fällig wäre. Aber es ist nicht anzunehmen, daß Mussolini, der der Geschicklichkeit nicht ermangelt, sein Land in ständige Feindschaft mit England bringen und sich zur Unterstützung ber französischen Hegemonie in Europa verpflichten werde.

Ein neues Bombenattentat in Kattowitz.

Kattowitz, 21. Febr. (TU.) In der letzten Zeit ist es in Kattowitz erneut zu Dynamitatten­taten gekommen. In ber Rack: von Samstag zum Sonntag wurde eine Dynamitbombe in bas Haus Friedrichstraße 23 gelegt. Im Parterre dieses Hauses befindet fich bas deutsche Lokal ber Wirte Mehner, in Dem fc,ft nur Deutsche ver­kehren. Die Dvnamirbombe explr-dierte und rich­tete großen Schaben an. Obwohl aus dem im Parterre gelegenen Restaurant bi: Gäste sofort her beteilten, war es nicht möglich, bte Täter zu fassen.

Aus aller Welt.

Eröffnung derGrünen Woche".

In Berlin sand bie feierliche Eröffnung der von der deutschen landwirtschaftlichen Gesellschaft, der deutschen I a g d k a m m c r vnb cmberen Berufsorganisationen veranstalteten ersten landwirtschaftlichen Messe und Ausstellung der Reichshauptstadt, derGrünen Woche" in" Berlin mit dem Empfang von Behörden und Pressevertretern im Vortragssaal des 'Hauses der Funkindustrie statt. Unter den zahlreichen An­wesenden bemerkte man u. a. den preußischen Ministerpräsidenten Braun, den Ber­liner Polizeipräsidenten, mehrere Berliner Stndt- räte, eine Reihe von Stadtverordneten und zahl­reiche Vertreter interessierter Organisationen. In sei­ner Eröffnungsrede betonte der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Stei­ger, die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Grünen Woche". Kein Mittel dürfe unversucht bleiben, um die großen Aufgaben der Landwirt­schaft zur Sicherung derDolksernäh- rung aus eigener Pro 4.uf t i o n zu er­füllen. Die Staatshilfe verfolge das Zull, der Land­wirtschaft die Ablösung druckender Personalkredite durch Realkredite zu ermöglichen, deren Tilgungs­plan den landwirtschaftlichen Ertragsveryältnissen besser angepaßt sei. Darüber hinaus sei cs natür­lich notwendig, daß die Landwirtschaft sich bemühe, durch sparsamste Betriebsführung einen Ausgleich zwischen^ den Einnahmen und Ausgaben zu erzielen. Zum Schluß gab der Minister der Hofs- nung Ausdruck, daß dieGrüne Woche" dazu bei­tragen möge, die Erkenntnis der wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu vertiefen und die Bedeutung der Landwirtschaft dem Volke vor Augen zu füh­ren. Nach dem Minister sprach Oberbürgermeister Böß, der die engen Beziehungen der Reichshaupt-' stadt zur Landwirtschaft würdigte und den Wunsch aussprach, daß diese Veranstaltung noch viele grüne Wochen, die Stadt und Land miteinander verbin­den, nach sich ziehen möge. Nach einigen weiteren Ansprachen erfolgte ein Rundgang durch die drei Ausstellungshalle^.

Das neue Verwaltungsgebäude der Oberpostdirektion in Berlin.

Sonntag vormittag fand in Charlottenburg, nahe dem Bahnhof Witzleben, auf dem über 18 000 Quadratmeter großen Gelände zwischen der Herbart- und Dernburgstraße die feierliche Grundsteinlegung des neuen 'Verwal­tungsgebäudes der Obcrpostdirektion statt, das alle zum Teil noch in ganz Berlin verstreuten Dienststellen aufnehmen soll. Außer dem Reichspostminister, den Staatssekretären und Ministerialdirektoren des Reichspostministe­riums waren eine Reihe von Freunden und Gönnern zu der Feier erschienen. Der Präsident der O.P.D. Berlin. Gentzkc, dankte allen an den Vorbereitungsarbeiten beteiligten Herren der Bauverwaltung, vor allem dem Oberbaurat Hoffmann, als dem Schöpfer, und Ministerialrat Sucksdorff als besonderem Förderer des Bauentwurfes.

Der Reichspostminifter, der Staats­sekretär im Reichspostministerium, Sautter, und eine Anzahl weiterer Teilnehmer an der Feier taten sodann die üblichen Hammerschläge mit ben begleitenden Weihesprüchen. Den letzten Weihespruch hielt der Präsident der O.P.D, G e n tz k e, der mit einem dreimaligen Hoch auf bas geliebte deutsche Vaterland schloß. Die Musik spielte das Deutschlandlied, das alle Anwesen­den entblößten Hauptes mitsangen.

llebereitter Selbstmord.

In B i s ch l e b e n beging einen übereilten Selbst­mord der Landwirt Kcmptner. Er spielte mit seinem Sohne Karten, wobei cs zu einem Wort­wechsel kam, in dessen Verlauf der Sohn in den Hof ging und vor Aerger einen Schuß in bie Luft abgab. Der Vater, in dem Glauben, der Sohn habe sich erschossen, eilte in die Scheune und erhängte sich dort.

Gegen die Schreibwut der Behörden.

Der Bonner Oberbürgermeister hat an die stäotischen Dienststellen folgendes Rundschreiben erlassen:2hte den bei mir durch­laufenden Schriftstücken muß ich leider feststellen, daß in der städtischen Verwaltung immer noch zuviel geschrieben wird. Oft erhalte ich langatmige' Berichte, deren Inhalt in weni­gen Zeilen gesagt toerbeit kann. Es muß unbedingt darauf gesehen werden, daß der ge­samte Schriftverkehr kurz und klar ist und weder mit dem Schreiben noch mit Lesen solcher Erzählungen Zeit verloren geht. Ich bitte alle meine Mitarbeiter, sich selbst kurz und einfach auszudrücken und Gleiches von ihren -Unter­gebenen zu verlangen. Weiter hat der Ober­bürgermeister an bie Bürgerschaft die Bitte ge­richtet, im Schriftwechsel mit ben Dehörben auf möglichste K ürzc zu achten.

Tödlicher Unfall.

In der Rahe von Heidelberg verunglückte ber 35jährige Arbeiter Friedrich Meißner da­durch, daß ihm bei einer Sprengung in einem Steinbruch eine große Steinplatte auf den Kopf stürzte. Der Verunglückte wurde in das Krankenhaus nach Heidelberg überführt, wo er feinen Verletzungen erlegen ist.

Lin Schmifpielecdenkmal in Berlin.

Oberbürgermeister Böß plant, zwei der größten Schauspieler dec Reichshauptstadt, Ludwig 2 c - v r i c n t und Adalbert Matkowski, durch em Denkmal zu ehren. Das Denkmal wird voraussicht­lich aus dem ©cuba rmenmartt, wo sich die Wirkungsstätte, das einstige Körtigliche Schauspiel­haus, befindet, errichtet werden.

INillioncnschwindel.

In Reuwuldcru bei Breslau wurde ein Mil- lionenkrebitschwirtdel des Rittergutsbesitzers Berg- ner und seiner Frau aufgedeckt. Letztere wurde dem Saganer Gefängnis zugeführt. während der Ehemann nach der Schweiz entflohen sein soll. Richt weniger als 160 Haftbefehle sind gegen das Ehepaar erlassen worden. Die Frau unter­stützte bie Betrügereien ihres Mannes durch den Stempel des Gutsvorstehers, dessen Posten zur Zeit unbesetzt war, ohne baß hiervon dem Land- rat Mitteilung gemacht worden war.

Ein ungetreuer Postkutscher.

Jin Seebad Heringsdorf waren im vorigen Sommer des öfteren vvin Postwagen Pakete ver­schwunden. Der Postkutscher Dröse war schließlich auf frischer Tat obgesaßt worden^ Er wurde nun­mehr vom Schöfteagericht in Stettin zu zwei i Jahren drei Monaten Zuchthaus verurteilt.