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sichtlich der 60 Millionen Papiermark, die im Zeitpunkt des Vertragsschlusses bei einem Stande der Goldmark von 1:5000 Papiermark nur einen sehr geringen Wert ihirft eilten, nicht erhoben worden seien. Das Haus Wittelsbach verzichte in dem Vergleich endgültig auf alle Rechte an dem ausgedehnten Eigentum des srüheren Haus- sideitomisses. das zwar seil der bayerischen Ver° sassung dem Staate zugefallen ist, dessen staat­lich» Eigentumsrechte vom Haus Wittelsbach be­stritten worden waren.

Wie das Rachrichtenbureau aus parlamen­tarischen Kreisen hört, beabsichtigen die Re­gierungsparteien in der Frage der Aus- einändersehung mit den ehemaligen Fürstenhäu­sern eine der Gerechtigkeit und Billigkeit ent­sprechende Vermittlung herbeizuführen. Diesem Zweck soll dienen die Gründung eines Reichssondergerichtes, an welches alle prozeßmäßig noch nicht erledigten Fälle geleitet werden sollen. Dieses Reichssondergericht soll aber nicht bloß nach slrengem Recht, sondern auch nach den jeweils gegebenen finan­ziellen und wirtschaftlichen Ge­sichtspunkten entscheiden. Falls beide Par­teien den Wunsch haben, sollen auch bereits erledigte Fälle diesem ReichZsondergericht zur Rachprüfung überwiesen werden können.

Aus dem Reichstagsplenum.

Der Reichstag hat sich die Anregung des Aeltestenausschusses, die Beratungen des Reichs- baushaltsplanes nicht unnötig in die Länge zu ?iehen, in der Weise zu eigen gemacht, daß er den ganzen Plan jetzt im Eilzugstempo durch­beriet und noch am Donnerstagnachmittag den vorliegenden Deratungsstoff aufarbeiten konnte. Wesentlich Reues ergab die Diskussion zu den Einzeletats nicht, immerhin erfuhr man bei der Beratung des Etats des Reichsjustizministeriums, daß es noch einen R e i ch s s p a r k o m m i s s a r gibt, der gelegentlich durch Sparvorschläge von lich reden zu machen weiß. So hatte er angeregt, daß aus den Patentgebühren nicht zehn, sondern dreizehn Millionen Marl herairsgeholt werden sollten, womit sich auch der Reichstag einver­standen erklärte. Damit aber die Sparsamkeit nicht allzu weit getrieben werde, sorgte das Plenum beim Haushalt deS Reichspostministeriums sofort für einen entsprechenden Ausgleich, inbem es einer Erhöhung des Pensionsfonds von 2 auf 3,5 Millionen zustimmte. Den Etat des Reichs- arbeitsmi. isleriums benutzten Sozialdemokraten und Kommunisten, um gegen die Betriebsstille­gungen in der Industrie zu protestieren. Der Haushalt des ReichLernährungsministeriums ging ohne sonderliche Debatte vorüber, ebenso der des Reichsfinanzministeriums Die Abstimmung soll am Fre.rag erfolgen. Damit war die Dagesord- i.v.ng er chöpft und das Haus vertagte sich

D e erste Sitzung des neuen Kabinetts.

Berlin, 21. Jun. (DB.) Das Reichskabi - nett trat heule nochmillag 5.30 Uhr )u feiner er- «en Sitzung ufammen. Rach Vereidigung der Reichsminister Dr. kuI;, Dr. Lurkins und Dr. Reinhold, die bisher noch nicht im Staatsdienst tätig gewesen sind, durch den Reichskanzler gab Außenminister Dr. ötresemann einen Heber- Hick über die außenpolitische Lage. 3m An­schluß daran wurde über den Stand der wirt- schastsoerhandlungen mit dem Auslande, insbesondere mit Frankreich, Bericht erstattet. Die Feststellung der Regierungserklärung ist Gegenstand einer besonderen Sitzung des Reichskabi- netts, die in den nächsten Tagen stattsinden wird.

britische Lage der Reichsbahn.

Berlin, 22. 3an <TL1.) Von zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt, daß die Reichsbahn- gesellschast nicht mehr in der Lage ist, die erforderlichen Erneuerungsarbeiten an den Gleisanlagen vorzunehmen. Es heißt dann weiter: Diese Fahrbahn macht etwa 21 Pro­zent des gesamten Anlagekapitals der Reichs­bahn aus. Die stete Erneuerung ist im Interesse des Verkehrs nötig. Die Beschleunigung des Verkehrs hängt von dem Zustand des Oberbaues ab. Vor dem Kriege wurden jähr­lich 5,33 Proz. (das sind rund 4000 Km.) der durchgehenden Hauptgleise erneuert. In den Jah­ren 1924,25 war es nach der wirtschaftlichen Lage nur möglichst etwa 2,5 Proz. (das sind rund 2100 Km.) zu erneuern, trotzdem mindestens 4 Pro­zent (das find 3000 Km.) hätten erneuert werden müssen. Die Reichsbahn ist also mit 9600 Km. im Rückstand und rann deshalb nicht mehr dje im Interesse der Wirtschaft gewünschte Verkehrs­beschleunigung durchführen. In Wirklichkeit ist also die Reichsbahn gezwungen, ausderSub- stanz zu leben, zehrt doch die Richtdurchführung des notwendigen Oberbauprogramms an dem Material, zumal 520 Mill. Mk. jährlich verwendet werden müssen für die planmäßige Umänderung, Erneuerung und Rachholung der Rückstände.

Ein deutsch-russischer Zwischenfall.

Verhaftung deutscher Konsularbeamten tu Kaukasien.

Berlin, 21. Jan. (TU.) Hamburger Blätter be­richten, daß im Dezember v. I. der Kaufmann E o - ruehlsen, Konfularagent in Batum, und der .Kaufmann Schmitz. Konsularagent in P o t i, so­wie die Reichsangehörigen (i d in Baku und Vogeley in Batum verhaftet morden feien. Die Sowjetrepublik (E. P. U.) habe in den Räumen der betreffenden Personen neben ihrem privaten Schriftwechsel in Baku und Batum auchdenamt- lichen beschlagnahmt. Die Verhafteten seien zunächst in das Untersuchungsgefängnis noch Tif­lis, später nach Moskau gebracht und unter 'An­klage der Spionage gemäß § 56 des Strafgetz- buches gestellt worden.

Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat die deutsche Regierung, sobald sie von dem Vorfall Kenntnis erhielt, bei der Sowietregierung wegen dieses Vorgehens der lokalen Sowjetbehörden P rote st eingelegt und Genugtuung ge­fordert. Die Sowjetregierung hat sich daraufhin bereit erklärt, der deutschen Regierung ihr Be­dauern über das rücksichtslose Verhalten der lo­kalen Sowjetbehörden auszuforechen und die be­schlagnahmten amtlichen Schriftstücke heraus zu geben. Die deutsche Botschaft ist im Interesse der Verhafteten tätig und um Aufklärung der ein meinen Verhaftungsgründc bemüht.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empfing den Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Frei- Herrn L a n g w e r t h von Simmern, ferner den Präsidenten des österreichischen Rationalra­tes Dr. Dinghofer und darauf den neuer­nannten Reichswirtschafiminister Dr. Eurtiu s. QEorgen üormitt.ig wird der Herr Reichspräsi­dent den Reichst nnenminist er Dr. Külz und den Reichsfinanzminister Dr. Reinhold emp­fangen.

Die Ientrumsfraltion des Reichstages er­sucht in einem Antrag die Reichsregierung, eine lebhafte Aufklärung und Werbung für den Genuß von Roggenbrot zu entfalten und unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen der Verbrauch von Weizenbrot zugun­sten des Roggenbrotes eingeschränkt und die Einfuhr ausländischen Weizenmehls vermindert wird.

Der republikanische Senator W ed s wo r th regte schriftlich an, der Kriegssetretär möge di e Statue Friedrichs d e s G r o ß e n, die als ein Geschenk der kaiserlich deutschen Regierung bei Kriegsausbruch von seinem Standort vor der Kriegsschule in Washington entfernt wor­den ist, wieder errichten lassen, da die Ver­einigten Staaten jetzt mit Deutschland in Frie­den lebten und die Aufstellung sicherlich als eine freundliche Geste auf gefaxt werden würde.

Die belgische Kammer bat den Ge­setzentwurf, durch den die Verträge von Lo­carno gebilligt werden, mit 124 gegen 4 Stimmen bei 4 Enthaltungen angenommen.

Kunst und Wissenschaft.

Ein preußischer Beethovenpreis.

3n dem Haushaltsentwurf des Äulluemuü» steriums für 1926 ist beim KapitelKunstver­waltung" der Betrag von 10 000 Mark für einen neuen staatlichen Musikpreis einge­setzt worden, der aus Anlaß des 100jährigen Todestages Beethovens (März 1927) geschaffen durfte. Der Preis soll an hervorragend begabte jugendliche oder anerkannt ältereK o m p o n i st e n verliehen werden. Der Präsident und der Senat her Akademie der Künste sind vom Ministerium gebeten worden, die Satzung auszuarbeiten und Vorschläge für ein Kuratorium zu machen, dem auch Angehörige her Berufsverbände der Kom­ponisten angehören sollen. Der Preis wird erst­mals am 2b. März 192? zur Verteilung gelangen.

Ehrendoktoren der Darmstädter Hochschule.

Rektor und Senat her Technischen Hochschule in Darmstadt haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Maschinenbau die Würde eines Dr. ing. h. i. verliehen: Dipl-Ing Franz Lappe, Stellvertretender Direktor der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh. in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste bei der Maschinentechnischen Durchführung des Haber-Dosch-Verfahrens. bei der Harnstoffher­stellung und bei der ilebertoinhung her hierbei aufgetretenen Schwierigkeiten, außerdem Fabrik- htreftor Ing. Paul Priem in Heidenheim in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste als Konstrukteur, insbesondere auf dem Gebiete her Maschinenherstellung für die gesamte Papier­industrie

Aus aller Welt.

Explosion in einer Pulverfabrik.

Warschau. 21. Ian. (WB.) Im Stadt- laboratorium der Warschauer Pulver­fabrikGranat" entzündete sich angeblich in­folge Kurzschlusses in einem Arbeitsraum, in dem Handgranaten hergestellt wurden, das auf dem mische ausgestreute Pulver und viele Zündschnüre. Der im Saal befindlichen zahlreichen Arbeiterin­nen. die fast ohne Ausnahme gräßliche Brand­wunden erlitten, bemächtigte sich eine furcht­bare Panik. Einige sprangen brennend aus dem 1. Stock durch das Fenster in den hohen Schnee. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr tonnte ein Liebergreifen des Brairdes auf andere Räume verhindern. Rach vorläufigen Feststellungen wur­den insgesamt 15 Arbeiterinnen verletzt, davon neun schwer.

Mord im Zuge.

Saarbrücken, 22. Jan. (WTB. Funk- spruch.) Im Zuge S a a r b r ücken--R eun­kt rchen wurde heute nacht der Gemeindebau­meister Eifler aus Wiebelskirchen erdros­selt aufgesunden. Als der Lat dringend ver­dächtig wurden von der Rennkirchener Polizei zwei französische Zollbeamte fest ge­nommen. Ein dritter Zollbeamte war während der Fahrt am Tunnel bei Friedrishstal aus dem Zuge gesprungen.

Amerikanische Hilfe für die Hochwassergeschädigten.

Der aus Westfalen stammende Deutsch-Ame­rikaner Henry Hei der in Reuyork, der sich wiederholt als hochherziger Wohltäter in der 2lot deS deutschen Volkes gezeigt hat, überwies neuerdings dem Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, zur Linderung der Rot unter den Opfern der Hochwafsergeschädigten am Rhein 10 000 Reichsmark.

England in ventschostasrika.

Don Dr. S ch u l tz - E w e r t h, Gouverneur z. D.

'Der englische Kolonialstaatssekretär Amery hat im Unterbaute auf eine Anfrage niitgeteilt, daß die Gouvernements der englischen Besitzungen in Ostafrika genügend Mittel zur Wiedereröff­nung des biologisch-landwirtschaft­lichen Instituts Amani im ehemaligen Deutsch-Ostafrika bereitgestellt hätten. Auch werde aus einer in Vorbereitung befindlichen Anleihe Kapital zur (Berfügung stehen: überhaupt sei die Reichsregierung von der Wichtigkeit Amants für die zukünftige Entwicklung Ostafrikas voll über» zeugt.

Diese Rachrichl wird denen, die vertrauens­selig von der Großmut Englands oder von seiner kolonialen Saturiertheit oder aber von der Ge­schicklichkeit unserer Diplomatie im Zusammen­hang mit Locarno und der Völkerbundssrage eine Rückgabe Deutsch-Ostasrikas erwartet hatten, eine herbe Enttäuschung sein. England wird doch nicht eigenes Geld in das Institut Amani stecken, um es uns dann wieder zu überlassen.

D»r ganze Meldung legt den Schluß nahe, daß England seinen ostasrtkantschen Besitz als ein ein­

heitliches Slolonialgebiet, dessen Bedeutung sowohl in seinem wirtschaftlichen Wert, als in seiner Lage zu erblicken ist, zu organisieren beabsichtigt. Das Leitmotiv KapKairo ist bekannt genug, er­schöpft aber die imperialistischen Via ne Englands noch nickst das weitere Ziel geht dahin, den Indischen Ozean zu einem mare clausum zu machen. Darum muß die Küste eng­lisch bleiben, und so erklärt sich auch, daß die wirt­schaftlich und politisch wertvolle ostasrikanische Zen- tralbahn für ein Butterbrot einer englischen Gesell­schaft zugeschoben wurde. Wie da noch von einer deutschen Kolonie in Ostafrika die Rede sein soll, ist unerfindlich. s2ln einen Erwerb portugiesischer Kolonien zu denken oder gar davon zu sprechen, sollten wir uns hüten, nachdem mir damit andert­halb Jahrzehnte lang vor dem Kriege von England getäuscht worden sind. Uebrjgens ist der Kolonial­sekretär Amery ein Imperialist vom reinsten Wasser aus der Schule Milners hervorgegangen. Sein Evangelium lautet::Greater Britain".

Daß Amani eine Schöpfung und ein Hort der deutschen Wissenschaft war, und daß die Deutschen zur wirtschaftlichen Erschließung Ostafrikas unter englischer Flagge jetzt wieder willkommen sind, ist ein recht schwacher Trost.

Winter in England.

Von unserem W. v. ^.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

London, 18. Januar.

England ist dieser Tage zu einer Filiale von Island geworden. Dort soll es im übrigen sogar noch wärmer sein. Aber in London herrscht Win­ter. Richtiggehender Winter. Der Schnee ist so­gar liegen geblieben. Eine tüchtige, und infolge­dessen allenthalben abphotographierte Maid hat in einem St.-Moritz-Kostüm im Hydepark Schneeschuhlaufen geübt. Durch die Stra­ßen des westlichen London fährt ein Schneepflug (sonderbar, daß man ein solches Instrument über­haupt besitzt). In den Seitenstraßen hat man den Schnee liegen gelassen, ebenfalls auf den Zäunen und Dächern. Kindere werfen mit Schneebällen. Wirklich, es ist Winter.

Angenehm ist der Winter in London nicht. Welch entsetzliches Wetter!", klagt der immer ur,m Wetter sprechende Eingeborene. Seme Häuser sind für solche Temperaturbelastung nicht gebaut. Bei fliegendem Zug in jedem Raum merkt man den Winter felbft in dem zwischen klaffender Tür und klaffendem Fenster stehenden Bett.Schnattrattatt", so macht der Kiefer. 20 Grad unter Null in Deutsch­land sind nicht halb so viel wie 5 unter Null in England.

Es ist kein Zufall, daß die Wollweberei eine der größten englischen Industrien ist. Ebensowenig ist es überraschend, daß sich das Schaf von allen Haustieren am zahlreichsten auf dieser agrarfeind- lichen Insel erhalten hot, zumal, da der Engländer Hammelfleisch ebenso häufig speist, wie her Ita­liener Makkaroni.

Nur die Londoner Mädchenmelt hat von die­sem Wetter einen billigen Triumph. Wenigstens der fortschrittliche Teil. Die allwissende und mit dem Wettergott in enger Verbindung stehende Mode hat offentsichtlich eigens für diesen Winter den Russenstiefellonziert". Was ein Russenstiefel ist, wird als bekannt vorausgesetzt. Das ist ein Reit­stiefel, bis an die Knie gehend, aus weichem Leder, braust oder schwarz, je nach Geschmack. Er macht die spindeldürrsten Beinchen elefantisch.Mturgemäß hat, in Parenthese bemerkt, der Rock entsprechend verkürzt werden müssen. Denn wäre es nicht wirk­lich peinlich, wenn der Russenstiefel täuschte über die wirkliche Eleganz des weiolichen Fahrgestells, und der prospektive Bewunderer vermutete, daß der Inhalt des Stiefels seinen äußeren Dimen­sionen entspräche? Nein, das kann kein vernünf­tiger Mensch verlangen.

Wie gesagt, rentiert sich dieser Russenstiefel bei diesem Wetter. Erstens kann man damit durch den Schnee gehen, zweitens wird der Stiefel damit rechtzeitig ruiniert, so daß die Mode nächstes Jahr etwas anderes erfinden kann. Das wird vielleicht in der Richtung eines Kniemuffs zu suchen fein.

Satyriker vermuten, daß die schneeabwehrende Funktion des Russenstiefels nur eine Fassade, ein Vorwand sei, hinter dem die maßgebenden Männer der englischen Politik düstere Absichten gegen Sow­jetrußland verbergen. Erst gewöhnt man die Damen an das russische Problem an den unteren Extremi­täten. Die Männer werden mit dem Kopf folgen müssen, um cs generell und nicht speziell zu lösen.

Auch hängt diese Methode unzweifelhaft auf das engste mit der inneren Politik zusammen. Wer weiß es denn, ob nicht der nächste Winter schon den großen Kampf im Kohlenbergbau bringen wird. Si vis pacem para bellum, sagt der Lateiner, wenn du den Frieden willst, rüste zum Kriege, also bewaffne deinen weiblichen Anhang recht­zeitig mit Geräten gegen die Winterkälte, die dop­pelt furchtbar mir fr, hast du keine Kohlen.

Es sind wahrhaft düstere Aussichten, die sich da vor unserem inneren Auge eröffnen.

Richt verwunderlich ist es, daß der offiziöse Optimismus der Weihnachtstage zu verblassen beginnt

Aber es hat im Augenblick keinen Zweck, von dem leidigen Geschäft der Politik zu reden. Man ist in England immer noch politikmüde. Das liegt an den feiertäglichen Gepflogenheiten der Inselbe­wohner. Man lagt, sie entschlössen sich nur sehr schwer zu einer energischen Anstrengung. England erwache sehr langfam. Wenn es sich aber um eine +'aufe in der Arbeit handelt, dann ist man sehr schnell bei der Hand. Tagelang vorher wirken schon kommende Feiertage auf das Gemüt. Hinterher aber wir. r. sie wochenlang. Die meisten Minister sind noch in Urlaub. Chamberlain, auf den alle 'Welt wartet, hat sich eine italienische Grippe zuge­legt die erft bann geheilt werden dürfte, wenn die italienische Schuldenkommissiori London verlassen hat. Nur Baldwin und Churchill weilen in London, und von diesen beiden arbeitet nur Churchill, Bald­win hält in Abständen von sieben Tagen eine poli­tische Rede.

Mit einem Wort: London und England liegen im Banne festen Winterschlafs, gebettet auf den Lorbeeren von Locarno. Man sollte von hier nichts erwarten.

Wolkig, vielfach neblig, meist trocken, nachts kälter,

Im Rücken eines flachen Ausläufers, der sich vorn nordwestlichen Hauptwirbel losgelöst hat, ist von den Azoren her wieder hoher Druck nach Mitteldeutschland vorgedrungen, während der britische Wirbel sich zunächst abgeschvsticht hat. Vor der Hand ist deshalb mit zeitweiser Auf­heiterung und Frost zu rechnen, so daß eine durchgreifende Milderung noch hintenan gehal­ten wird.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 1,4 Grad C., Minimum: minus 6,1 Gr. C. Rieder­schläge 1,6 Millimeter. Heutige Morgentempe­ratur: minus 3,1 Gr. C.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 22. Januar 1926.

Ehrung eines deutsch- amerikanischen Turnersührers

In der Turnhalle am Oswaldsgarten emp­fing gestern abend die Gießener Turner-- schäft den augenblicklich zu Besuch in unserer Stadt weilenden 1. Bundessprecher des Ame­rikanischen Turnerbundes, Herrn Ge­orge Seibel mit seiner Gattin und Tochter als Gast. Herrn Seibel, auf dessen Wirken im Interesse des Deutschtums in Amerika wir gestern schon hingewiesen haben, sollte von der Gießener Turnerschaft durch diese Veranstaltung besondere Anerkennung und Dank zum Ausdruck gebracht werden für die hingebende Arbeit, die er in feiner Heimat für das deutsche Turnen leistet.

Die Mitglieder der Gießener Turnerschaft (Turnverein 1846 und Mäirnerturnverein) hatten sich mit ihren erwachsenen Angehörigen in so großer Zahl zu der Feier eingefunden, daß die weite Turnhalle bis auf den letzten Platz besetzt war. Rach einigen Musikstücken her Turnertapelle begrüßte der Vorsitzende der Gießener Turner­schaft, ^Iniversitäts-Oberinspeltor W. Erle, den Gast und seine Damen in herzlicher Ansprache namens der Gießener Turner. Er betonte u. a. die innige Verbundenheit des Gastes und der hiesigen Turner durch die gemeinsamen großen Ideale des Turnens und des aufrechten LX-utsch- tums, sagte Herrn Seibel Dank für die Förde­rung des Werkes Jahns und gab der -Heber* zeugung Ausdruck, daß unsere Brüder und Schwestern in Amerika in dem Gast stets eine feste und tatfrohe Stütze haben werden. Mit einem begeistert auf genommenen dreifachenGut heil!" auf die Deutsche Turnerschast, das deut­sche Vaterland und die deutschen Turner in Arns- rifa schloß der Redner seine herzlichen Gruß-« Worte an die Gäste. Anschließend zeigten Tur­ner-- und Turnerinnen-Riegen der beiden Ver­eine das turnerische Können in unserer Stadt. Die durchweg ausgezeichneten Leistungen am Pferd, Barren,'Reck, Keulenschwingen mit Schrittl­und Hüpfübungen, Stcübübungen fanden allenthal­ben mit Recht reich.'n Beifall, insbesondere sprach sich Herr Seibel sehr lobend über das Dar- gebotene aus. Kurz vor dem Abschluß dieses Teiles des Abends brachte der Gast die herzlichen Gefühle, die bei dieser Veranstaltung ihn er­füllten, in beredter Weise zuin Artsdruck. Er hob hierbei seine auf Familienabstammung begründfte innige Verbundenheit mit Hessen hervor, und be* tonnte, daß der Besuch in Gießen ihm und feinen Angehörigen stets eine besonders wertvolle Erinnerung fein werde. Den Gießener Turnern sprach er öffentlich wärmste Anerkennung für ihre so erfolgreiche turnerische Arbeit aus, und ermahnte die Jünger Jahns, allezeit treu und hingebungsvoll in voller Einigkeit und Ge­schlossenheit auf den Spuren des großen Meisters zu wandeln, wie auch er und seine Turner in Amerika es stets tun würden. Mit herzlichen Wünschen für das weitere Blühen der Gießener Turnerschaft, für das Wohl unserer Stadt und des ganzen deutschen Vaterlandes schloß Herr Seibel seine eindrucksvolle Ansprache.

Ein sehr großer Teil der Besucher sand sich nach der Veranstaltung in der Turnhalle noch zu einem gemütlichen Beisammensein mit den Gästen im Saalbau Sauer zusammen. Hier überreichte der 1. Sprecher des Männerturnvereins, Lehrer Georg Kling, im Auftrage der beiden Ver­eine Herrn Seibel mit herzlichen Huldigungs- toorten die Vereinsnadeln des Turnvereins 1 84 6 und des Mann er turnve rein s als einen besonders herzlichen Ausdruck ihrer turn* freundschaftlichen Hochschätzung des Gastes. In seinen warmen Dankesworten brachte der Ge­feierte seinen Stolz auf diese Auszeichnung zum Ausdruck, die Radeln werde er bei dem großen nordamerikanischen Turnfest in Louisville int Zuni ds. Is. den Gießener Turnsreunden zu Ehren anlegen. Die Verabschiedung der Gäste offenbarte, weich' großes Maß von gegenseitiger hoher Wertschätzung durch dieses Beisammensein bei den Gästen und Gastgebern entftanften ist. Den Besuch dieses deutsch-amerikanischeit Freun­des werden unsere Turner immer aüs eine be­sondere Auszeichnung in froher Erinnerung be­wahren.

Win ter Übung der Reichswehr bei Fuldo. In der Gegend von Fulda sand unter Leitung des Artillerieführers der 5. Divi­sion, General Föhrenbach, eine Winterübung von Teilen der 5. und 6. Division statt. Es nah­men teil: Das Inf.°Regt. 15, II./17 und I./14 IR, die 1. Abteilung des Artl.-RegtS. 5 und Teile des Reiter-Regts. 16. Am 18. Januar erfolgte der Antrarrsport bzw. Anmarsch der Truppen zur Ausgangslage. Die Hebung selbst dauerte zwei Tage, 19. und 20. Januar. Bereits am 20. nachmittags begann der Abtransport. Die Win­terübungen bezwecken, den Truppen Gelegenheit zu geben, in giöfteren Verbänden in unbekanntem Gelände zu üben und so die Schlagfertigkeit der Truppe auch im Winterhalbjahr zu fordern. Die Vetteilnng des Heeres in kleine Verbände über das ganze Reich und die zum Teil nicht mehr zeitgemäßen LIebungsplätze der Standorte machen die Einschaltung solcher Hebungen in die Zeit der Einzel- und Spezialausbildung unum­gänglich nohvenbig. Auch beschränkt die Abhal­tung solcher -Hebungen int Winter bei ver­schneitem und gefrorenem Boden den sonst un- venncidttchen Flurschaden und damit auch die Kosten der Hebung. Die Abhaltung der Winter- ubung ist auch deshalb geboten, weil die Herbst- ubungen des Reichsheeres gegen früher wesentlich abgelurzt fmb.

', $ v 'n H o herodskopf wird uns heute früh berichtet: Klares, schönes Wetter, Tempera­tur 5 Gr-ad unter Rull. Schneehöhe 30 Zenti­meter, Sktbahn sehr gut.

t>' öchtische Rutzholzverstei- gcrung. Q5ci der gestrigen Rutzholzversteige- durften folgende Preise erzielt: Fichten- schntttholz 2. Kl. 30,50 Mk., 3. Kl. 29.50 Mk., 3. Kl. 27.50 Mt., 4. Kl. 24.50 Mk.. 5a**l n? 5b°Kl. 23 Mk. je Fstm.

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