Hinweise werden immer noch in großer Zahl Briefsendungen nach dem Ausland von den Absendern unzureichend freigemacht. Volle Freimachung der Sendungen liegt tm eigenen Vorteil der Absender, da sie den Empfängern auf diese Weise die Bezahlung von Nachgebühren sparen, die in der Regel in doppelter Höhe des Fehlbetrages bei der Llushändi- gung der Sendung erhoben werden. Außerdem lausen die Absender nicht Gefahr, daß die Annahme der Sendungen von den Empfängern wegen der Belastung mit Nachgebühren verweigert wird und daß die Nachgebühren dann von ihnen eingezogen werden.
" Deutschnationale Volkspartei. Man schreibt uns: 3n der gut besuchten Mit- gÜederversamnilung der Ortsgruppe der Deutsch- nationalen Volkspartei am Montag berichtete zunächst Studienrat Dr. Lenz über den Reichs- Parteitag in Köln. Er ging dabei besonders eingehend ein auf die zweieinhalbstündige Rede des Parteivorsitzenden Grafen Westarp, einzelne besonders hervorstechende Teile nach dem gedruckten Texte wörtlich verlesend. Ruch die Rede des Staatssekretärs a. D. Wallraf in der großen öffentlichen Versammlung in der Messehalle in Deutz fand eingehende Würdigung, so auch mit ihrer Zurückweisung des Ausspruches des Reichskanzlers Dr. Marx in Breslau über die Zugehörigkeit 6er Katholiken zum Zentrum. (Wallraf und Mervelt — dieser früher Regierungspräsident in Münster i. W. — und andere hervorragende Mitglieder der Deutsch- natiQnalen Volkspartei sind Katholiken.) Hierauf berichtete Frau Dr. K l e w i tz in ausführlicher Weise über die Frauentagung. An Ausschußsitzungen hatte Dr. Lenz nur an der des völkischen teilnehmen können, da diese Sitzungen zu gleicher Zeit stattfanden. Als dritter Redner sprwh Prof. Heuser über die Arbeiterfeier mit ihrer Weihe von zwei neuen Fahnen: darunter war die des Deutsch-Rationalen Arbeiterbundes in Worms, der nach einer ihm von einem Wormser Pfarrer gewordenen Mitteilung zweihundert Mitglieder zählt. Die Weiherede hielt der Magdeburger Domprediger Martin, M. d. R. Auch Graf Westarp hatte dort gesprochen, der sich dabei auch gegen den Ausspruch Dr. Silverbergs wandte, daß nicht gegen die Sozialdemokratie regiert werden könne. Gewiß, gegen die Arbeiter und ohne sie könne nicht regiert werden, aber Arbeiterschaft und Sozialdemokratie ist nicht dasselbe. Gegen diesen Ausspruch Dr. Silverbergs wandte sich auch M. d.R. Hülser, der ihn als einen Dolchstoß bezeichnete. (Hülser ist Arbeiter.) Auch Frau Dr. Behm, M. d. R., die Führerin der Heimarbeiterinnen,' sprach. Ebenso Herr Wallraf. Prof. Heuser hatte teilgenommen an den Beratungen des evangelischen Reichsausschusfes der Partei; da diese aber vertraulich waren, durfte darüber Näheres nicht mitgeteilt werden. 3m zweiten Teil des Abends sprach dann Dr. Lenz besonders über das Volksbegehren auf Auflösung des Landtages und die sich daran anschließenden Wahlen. Prof. Heuser wies dabei hin auf die neue evangelische Volksgemeinschaft, welche, wie kürzlich zu lesen war, auf vier bis fünf Sitze im Landtage rechüe. Mehrere Anmeldungen zur Partei wurden entgegengenommen.
Gerichtssaal.
Lin Faß Mein und ein Dutzend Etiketten.
WSN. F r a n kf u r t a. M., 20. Oft. Ein hiesiger Weinhändler machte zahlreiche seiner Kunden dadurch glücklich, daß er ihnen Moselweine bester L ag e n , wie „Erdener Treppchen", „Er- dener Herrenberg", „Erdener Kieferberg" und andere schöne Weinchen, insgesamt etwa e i n Dutzend, zu einem außergewöhnlich billigen Preise anbieten konnte. Die Sache ging lange Zeit gut, bis das Tröpfchen über die Zunge eines richtigen Genießers kam, der mit verbundenen Augen die einzelnen Sorten voneinander unterscheiden konnte, und Anzeige erstattete. Die Beweisaufnahme ergab, daß sich der geschäftstüchtige Herr verschiedene Etiketten angeschafft hatte, sich aber mit einem einzigen Fasse begnügte. Der Spaß kostet ihm jetzt 4 0 0 0 Mark und die Kosten. Der Verurteilte will jedoch Berufung einlegen.
Ein gemeingefährlicher Betrüger.
WSR. Frankfurt a. M., 20. Okt. 3n allen größeren Städten Süddeutschlands prellte der Kaufmann Emil Grünhut Geschäftsleute, indem er Waren bestellte, in den meisten Fällen Wechsel ausstellte, die er nicht einlöste, und dann den Erlös zur Befriedigung seiner Bedürfnisse verwandte. Seit einem 3ahr sitzt er hiarter Schloß und Riegel. Auf Staatskosten durfte er verschiedene Reisen machen, um 'sich überall, wo er betrog, seine verdiente Strafe zu holen. So kam er auch nach Frankfurt, wo ihn das Erweiterte Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe von zwei 3ahren wegen Rückfallbetrugs Verurteilte.
Eine eigenartige Vollzeigeschichte.
WSR. Frankfurt a. M.. 20. Okt. Vor dem hiesigen Amtsgericht spielte sich gestern eine eigenartige Polizeigeschichte ab. Ein bisher völlig unbescholtenes Ehepaar, beide im Alter von über 50 Zähren und von durchaus kränklichem Aussehen, hatte stich wegen Wider- standes gegen die Staatsgewalt, Hausfriedensbruchs und versuchter Gefangenenbefreiung zu verantworten. Das Ehepaar hatte einen ungeratenen Sohn, der wegen eines Fahrradd'ebstahls sistiert worden war. Die bekümmerten Eltern begaben sich nach dem Polizeirevier, um sich nach der Verfehlung ihres Sohnes zu erkundigen. Dabei wurde die Mutter angeschrien, und ein unzarter Stoß eines jungen Polizeibeamten schleuderte die Frau gegen ein Büchergestell, während der Mann in großem Bogen auf die Straße flog. Der Wachhabende, Oberwachtmeister Alfred Ronnen- g v ß, machte vor Gericht eine merkwürdige Aussage. Zuerst erklärte er, die Angeklagten seien auf die Beamten gestürmt und hätten versucht, ihren Sohn zu befreien. Auf Vorhalt des Richters schränkte der Zeuge seine Aussage wesentlich ein und sprach von „zugegangen". Dabei sei die Frau gefallen. Wie es gekommen sei, wisse er nicht. Den Mann habe er „gebeten", die Wache zu verlassen. Daß er hinausgeschmissen wurde, habe er nicht gesehen. Der Wachhabende schrieb dann ein Protokoll und ließ es von vier anderen
Polizeibeamten unterschreiben. Es hieß ungefähr so: „Die Auslassung des Oberwachtmeisters R. ist richtig. Ich schließe mich in vollem Umfange an. Unterschrift." Bei ihrer Vernehmung machten die vier Polizeibeamten völlig widersprech en de und einschränkende Aussagen oder erklärten, daß sie nicht dabei gewesen wären. Als der Vorsitzende den Zeugen vorhielt, wie sie unter ihrem Diensteid eine dienstliche Erklärung abgeben konnten, dce nicht den Tatsachen entsprochen habe, herrschte bei allen Gefragten lautlose Stckle. Der Anklagevertreter stellte fest, daß sämtliche fünf Beamten unwahre dienstliche Aeußerungen gemacht hätten, und daß sie ihre unwahren Angaben auch zugegebeii hätten. Er werde die Aktennotizen genau mit dem Verhandlungsprotokoll vergleichen, um gegen die Beamten strafrechtlich einzuschreiten. Die beiden an geklagten Leute erhielten selbstverständlich einen glänzenden F r e i s p r u ch.
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• Darmstadt, 20. Okt. Das gegenwärtig tagende Schwurgericht hat sich fast ausschließlich mit Meineidsfällen zu beschäftigen. Wegen 8,75 Mk., die sie unterschlagen hatte, leistete die Anna Basel aus Ober-Ramstadt einen Meineid. Weil sie geistig beschränkt ist, kam sie mit 9 Monaten Gefängnis davon. Der Schlosser Hugo 3 s e n b i l l aus Dorsigwalde bei Berlin, der in einem Alimentations- Prozeß einen Meineid geleistet hatte, erhielt ebenfalls 9 Monate Gefängnis. Die Frau des Rechtskonsulenten Baier in Offenbach, die dort in einem Gerichtsverfahren einen Meineid geleistet hatte, um sich pekuniäre Vorteile zu verschaffen, wurde zu einem 3ahr 6 Monaten Zuchthaus verurteilt.
Lehrgang für die evgl. Kreiswohlfahrtsdienste.
)( Darmstadt, 19. Okt. 3m Anschluß an die 3ahresversammlung des Hessischen Landes- Vereins für Innere Mission, die gestern hier stattfand, begann heute unter der Leitung des Direttors des Landesvereins, Pastor Dr. Dreves, im großen Saal des Landeskirchentags ein dreitägiger Lehrgang der evgl. Kreiswohlfahrtsdienste, der aus allen Teilen des Landes gut besucht war.
3m Mittelpunkt der Aussprache am heutigen Vormittag stand ein Referat von Direktor Dr. Dreves über: „Das innere Motiv für die Wohlfahrtspflege der evgl. Kirch e“. Wohlfahrtspflege, ein neuer Begriff der modernen Zeit, bedeute vor allem das soziale Handeln der Gesamtheit an der Gesamtheit. Evangelische Wohlfahrtspflege sei keine Liebhaberei und Spielerei der Inneren Mission, sondern eine Lebensfrage für die evgl. Kirche, und habe nur dann Berechtigung, wenn der Evgl. Wohlfahrtsdienst in die Arbeit der öffentlichen Wohlfahrtspflege etwas besonderes einstellen könne. Die beiden Brennpunkte aller Arbeit des Evgl. Wohlfahrtsdienstes seien Wahrheit und Ge
rechtigkeit. — Der eindrucksvolle Vortrag Dste eine lebhafte und zustimmende Aussprache aus, die die Hauptfrage klar herausarbeitete: „Wie tragen wir das besondere Motiv in die Wohl» fahrisarbeit hinein".
Am Rachmittag sprach der Direktor des Centralausschusses der Inneren Mission in Berlin Pastor Lic. Steinweg über: „Di e Wohlfahrtspflege der evgl. Kirche und hie öffentliche Wohlfahrtspf le g e“. Rach einer geschichtlichen Einleitung über die Wohlfahrtspflege und das Entstehen der neuen Wohl- fahrtsgesehe (Verordnung über die Fürsorge- pflicht, Reichsgeseh für Iugendwohlfahrt, Jugend- gerichtsgeseh) gab der Redner interessante Zahlen über die Arbeit der freien, insbesondere der evgl. Liebestätigleit und Wohlfahrtspflege (allein 50 000 evgl. Diakonissen, Diakone und andere evgl. Kräfte stehen in Deutschland an der Arbeit). Die freie Wohlfahrtspflege war der Pionier der öffentlichen Wohlfahrtspflege (Wicheml), die moderne Wohlfahrtspflege sei eine große Bejahung zu den Forderungen, die die Innere Mission schon lange vorher vertreten hat. Bei aller Bereitwilligkeit der evgl. Wohlfahrtspflege, in der öffentlichen. Wohlfahrtspflege mitaroeiten zu wollen, müsse jedoch die Eigenart jeder evangelischen Wohlfahrtspflege gewahrt werden. Entscheidend bleibe die Hingabe, die Treue und die Art, wie der Dienst getan werde. Was an Wirklichketten der Liebe und des Helfens geleistet werde, das bleibe zuletzt das Entscheidende. — Auch an diesen Vortrag schloß sich eine sehr lebhafte Aussprache an.
Vermischtes.,..
Banditen plündern ein Reuyorker poffaufo.
Zehn Banditen kamen in Automobilen an ein von Polizisten bewachtes Postauto her- angefahren, schossen drei Polizeibeamte nieder, und plünderten es aus. Die Räuber sind mit den Post- säcken entkommen.
Gewaltiges Buschfeuer in Australien.
An der Küste von Queensland wütet ein verheerendes Buschfeuer, wie es bisher noch nicht aufgetreten ist. Es hat bereits eine Ausdehnung von 160 Kilometer Länge und 15 Kilometer Breite angenommen. Nach Meldungen aus Brisbane brennen bereits alle Grasflächen der Umgebung der Stadt, so daß diese vom Verkehr mit der Außenwelt abgeschlossen ist.
Ein Schnellzug Eharbin—paris.
Die Agentur Indo Pacific meldet aus Char- bin, der Hauptstadt der Mandschurei, daß ab 1. Oktober ein halbwöchentlicher Schnellzugsverkehr Eharbin—Paris mit Wagenwechsel an der russischen Grenze eingeführt ist. Die Fahrtzeit beträgt zeh n Tage.
Sprechstunde» der Redaktion.
12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloßen.
Für unverlangt eingesandte Blannskripte ohne beigesügkes Rückporto wird keine Gewahr übernommen.
Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten.
*008
Gesangverein Heiterkeit • Gießen
Mitglied des Deutschen, Hessischen und Lahntal-Sängerbundes Chorleiter: Herr Wilhelm Schattier, Gießen
Sonntag, 24. Oktober, nachmittags 4 Uhr in der Neuen Aula der Universität
KONZERT
Mitwirkende: Frl. H. Ringenwald, Gießen (Sopran) Herr E. Schneider, Gießen (Cello)
Am Flügel: Frl. M. Eckhardt, Gießen 8618D
Zum Vortrag kommen: Chöre von Carl Maria v. Weber, Rietz, Kaun, Hummel, Silcher und Angerer
Lieder von C. M. v. Weber, Schumann, Wolf und Mozart
Cellostücke von L. ßoccherini und Francois Servals Karten im Vorverkauf der Musikalienhandlung von Ernst Challier, Neuenweg und nachmittags an der Kasse: 1. Platz Mk. 1.50, 2. Platz Mk. 1.—
Das Kommando.
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Freiwillige Gsirsclie Feuerwehr
Samstag, den 23. Oktober, abends 8 llbr beginnend, in der Turnballe des Turnvereins von 1846, Feier des
71. Stiftttnqsfestes.
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