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den. bah DtrtragSmäßige Bildungen tote Kar­telle, Syndikate uftt>. häufig die Preisschraube zu­ungunsten -er Verbraucher kräftig airziehen. Eine monopolistische Beherrschung des Marktes können sie aber zumeist schon deshalb nicht erzwingen, weil, selbst toenn alle Unternehmer desselben Wirtschaftszweiges das gleiche Preisniveau ein- zuhalten sich verpflichten, durch Die gesteigerte Gewinnquote alsbald eine neue Konkurrenz hervorgelockt wird. Die Preise bleiben oft aus dem Papier, weil der einzelne Unternehmer aus Almtoegen seinen Vorteil wahrzunehmen weih. Auch wird gegen die Mißbräuche der Kartellie­rung durch Kartellgesehe ein Damm aufgerichtet. Daß bei der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung der Neuzeit der Zusammenschluß der gleichartigen Betriebe unter volkswirtschaftlichem Gesichts­winkel nutzbringend ist, wird kaum noch bestrit­ten. Die Kartellgebilde verschaffen sich mehr und mehr Geltung innerhalb der staatlichen Gemein­schaft und über die Landesgrenzen hinaus. Sie leiten eine bessere Organisation der Weltwirt­schaft ein und dienen in diesem Sinne dem Ge­meinwohl. Die Annäherung aller ist bedingt durch die Solidarität der Interessen und führt zu einer Vereinheitlichung auf weltwirt­schaftlichem Gebiete. Die Not der Zeit hat zur internationalen Arbeit gedrängt, ideale Tendenzen der Völkerversöhnung sind mit starkem Nachhall hervorgetreten! man kann von einer Blütezeit hinsichtlich der Bildung und Betäti­gung internationaler Wirtschaftsorganisationen sprechen.

DieDolksparteiinHessen. Eine Rede des Abq. Dinqeldcy zur hessischen Politik.

Auf einem Ausflug der Darmstädter Orts­gruppe der Deutschen DolkSpartei nach Auer­bach an der Bergstraße, hielt der Landesvor­sitzende der Deutschen Volkspartci, Landtagsab­geordneter Rechtsanwalt Dingeldeh eine An­sprache, in der er die zur Zeit im Vordergründe des Interesses stehenden Fragen der Politik des Reiches und Hessens behandelte. Der Redner führte u. a. etwa aus: Drer Jahre sind es jetzt her. daß zuerst als Reichskanzler, dann als Reichsaußenminister unser Parteivorsitzender Dr. Strcsemann die große Politik Deutschlands leitet, getragen von dem Vertrauen, das ihn nut uns verbindet und uns ihm verbunden hat. Wir müssen uns einmal vor Augen führen, wie Deutschland oussah als Stresemann die Verant­wortung für die Politik annahm.

Deutschland hat wieder begonnen, die Achtung anderer Nationen zu erlangen; vom Ziele sind wir noch weit entfernt, noch weit entfernt von der unserer historischen Vergangenheit entspre­chenden Machtstellung, worauf wir Anspruch haben; aber die Grundlagen hierzu sind allmählich wiedergelegt worden Daß in Genf noch kein Anlaß zu Iubelhymnen ge­wesen ist das wissen wir, aber, daß man dort wieder mit Achtung von Deutschland spricht, das erreicht zu haben, ist das Verdienst Strese- manns. Der Glaube an Deutschland hat ihm den Weg gezeigt, den Weg auf dem eine bessere Zukunft für unser Vaterland gefunden werden kann

Linser Blick in die hessischePolitik kann kurz sein; wir stehen immer noch unter den zer­störenden Wirkungen des Krieges und der In­flationszeit. Hinüberführen zu besseren Zuständen kann uns nur ein fester Wllle. Die Luxuseinrich- tungen und die Arabesken der Nachkriegszeit müssen unbedingt verschwinden. Lins ist der Weg zu einer Besserung der Zustande immer noch nicht versperrt. Es ist inuner noch besser, die Notwendigkeit einzusehen und dann zu han­deln, als einem Berge von Scherben gegenüberzustehen, vor dem sich jetzt die hessischen Staatspolitiker befinden. Es ist nicht so, daß die Führer der Regierungsparteien und der hessische Finanzminister nicht zu einer Einsicht in die Zu­stände der hessischen Finanzen gekommen wären, wohl aber fehlte das Verantwortungs­gefühl um die Folgen auf sich zu nehmen, wenn dabei auch einem großen Teil ihrer Partei­freunde vor den Kops gestoßen werde. Es ist kein besonderer Ehrentitel für die hessische Regierung, wenn sie sich vom Reich einen Sachver- ständigen verschreiben muh, um Erspar­nisse in Hessen zu machen. Man wird also das tun müssen, was man aus eigenem Entschluß bisher nicht tun konnte, sichnachderDecke st recken. Alle amtlichen Erklärungen können an den Rück­wirkungen und an den Tatsachen nichts ändern. Man hat versucht, die Verhandlungen mit dem Reichsfinanzminister als einen großen Erfolg hin­zustellen. Aber wenn das Reich derartig in di« Finanzen eines Landes hineinredet. nimmt es auch d i e H e r r s ch a f t in diesem Staate in die Hand. Es bleibt, trotz aller gegenteiliger Ver­sicherungen bestehen, daß Hessen dem Reich als Schuldner gegenübersteht und daß es sich allen Forderungen des Gläubigers zu unterwerfen hat zur Abwendung der Geschäftsaussicht. Wir haben das Vertrauen zum Reich, daß es seine Wacht nicht mißbrauchen wird, aber wir würden uns sehr gefreut haben, wenn Hessen von sich ans früher den Weg eingeschlagen hätte. Wir haben daraus hingewiesen und immer verlangt, daß die Regierung die Entschlossenheit aufbringe, um den Zustand der hessischen Finanzen zu ändern, aber sie hat von sich aus die Entschlossenheit nie aus- gebrächt. Man hat uns vorgeworfen, daß wir ständig unsere Angriffe gegen den hessischen Fi­nanzminister richteten; niemals ist jedoch ein Wort gegen die Person und den Charakter des Finanzministers von unserer Seite gefalleii. Mir weisen es mit Entrüstung zurück, wenn man uns eine persönliche Kampfesweise gegen den Finanz­minister unterschiebt; nicht auf die Person, sondern auf seine Amtsführung kommt es uns an; wir tun das. wozu jeder Staatsbürger berechtigt, ja verpflichtet ist, wenn wir an dem Finanzwesen Kritik üben. Wir würden unsere Pflicht nicht erfüllen, wenn wir nicht von Anbeginn an gegen diese Politik Stellung genommen hätten.

Was haben wir denn getan? Wir haben das hessische Volk auf gerufen, um zu entscheiden vb es der Politik der Regierung in Hessen weiter seine Zustimmung geben wolle. Gibt es etwas Demokratischeres als einen Volksentscheid?! Gibt es etwas Selbstverständlicheres als daß das Volk befragt wird, ob es weiter so geführt fein will?! Lind nun die Tragikomödie des Lan­desabstimmungsausschusses! Wenn man eine Preisaufgabe ausseht, zur Herabwürdigung demo­kratischer Ideale, so würde ihn der Landesab- stimmungsausschuß mit seinen endlosen Verhand­lungen erhalten. Was bleibt davon übrig, nichts als das Bestreben, den Arteilsspruch so lange als möglich hinauszuschieb en.

Die Schreckenstat in Freienfeen

Zu dem furchtbaren Ereignis in F r e i e n f e e n können wir heute weiter berichten, daß sich die Gerichtsbehörden gestern vormittag zu früher Stunde an die Stelle der Tat begaben. Von der Staatsanwaltschaft Gießen waren zugegen Ober- staatsanwalt Hoos, Staatsanwalt Dr. Eckert und die beiden Kriminalkommissare der Staatsan­waltschaft, vom Amtsgericht Laubach war Oberamts­richter Zimmermann erschienen. Die Beamten nahmen die Aufklärung der furchtbaren Tat sofort mit aller Energie in Angriff.

Wie wir von vertrauenswürdiger Seite hören, steht unzweifelhaft fest, daß

der 23jährlge Karl Schreiner das furchtbare verbrechen selbst begangen Hal,

daß er zuerst seine Mutter ermordete, Brand legte und darauf sich selbst durch zwei tiefe Schnitte mit seinem Rasiermesser den Hals bis auf die Wirbelsäule durchschnitt. Der Mutter hat er mit dem Beil den Schädel eingeschlagen, außer­dem hat er ihr noch zwei Beilhiebe in das Genick versetzt. Die Mordwaffe wurde in einer Truhe im Hanse vorgefunden. Stiche in der Brust, wie gestern berichtet, weist die Leiche nicht auf, offensichtlich ist hier in der ersten Bestürzung seitens privater Per- sonen ein Irrtum unterlaufen. Das Rasiermesser, mit dem der Täter sich selbst entleibte, wurde unter dem Leichnam des Mannes oorgefunden.

Im Gegensatz zu verschiedenen gestrigen Ver­mutungen kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß

eine fremde Täterschaft nach dem Ergebnis der eingehenden Ermittelungen nicht in Frage kommt.

Tas Haus war von innen verschlossen, es fehlten keinerlei Gegenstände, und es zeigten sich auch feine Spuren, die irgendwie auf eine fremde Person hingedeutet hätten. In dem Hause lebte mit der Familie Schreiner der hoch in den 70cr Jahren stehende Großvater, der recht hilfs­bedürftig ist und in seinem hohen Alterszustand von dem grausigen Vorgang gar nichts be­merkt hatte.

Das Verhältnis in der Familie

war stets auf Verträglichkeit und Harmonie ge­stimmt, Streitigkeiten sind nie bemerkt worden!. Tie Familie Schreiner lebte in geordneten wirt­schaftlichen Verhältnissen. Die Frau stand im 44. Lebensjahre und war Mutter dreier Kinder, des Täters, einer Tochter und eines I3jährigrn Jungens. Tie Tochter ist in Alsfeld in Stellung, der Junge befiirdet sich zur Kur in Bad-Nauheim. Der Täter führte einen ordentlichen, soliden Le­benswandel und erfreute sich im Orte allgemein des besten Ansehens. 3n der letzten Zeit zeigte er öfters grundlos ein etwas niedergeschlagenes

Gebahren, und dieser gedrückten Stimmung ist es wohl auch zuzuschreiben, daß er am Samstag­abend mehreren Einladungen zu geselligen Ver­anstaltungen nicht folgte. In der Nacht hat er dann die furchtbare Tat verübt, für die man nur die Erklärung hat, daß sie die Folge eines plötzlichen Wahnsinnsausbruchs sein

Die Tat wurde erst bemerkt, als die Scheune auf dem Grundstück und die daneben liegenden weiteren Scheuern in Flammen aufgingen. Der Täter hat zur Verwischung seines Verbrechens

die eigene Scheuer angesteckt, und von da aus sind die Flammen auf die übrigen Gebäude übergesprungen.

21(5 die Feuerwehr zum Löschen herankam, blieb in dem Schreinerschen Harste alles still, man drang ein und fand hier das entsetzliche Geschehen.

Die gerichtliche Sektion der Leichen

ergab den oben berichteten Tatbestand. Da der Sach­verhalt durch das Unterfuchungsergebnis zur Ge­nüge klar gestellt war, hat die Staatsanwaltschaft die Leichen zur Bestattung freigegeben. Die Sektion wurde von Kreis-Medizinalrat Dr. W alger-Gießen und Amtsarzt Dr. Orth- Gleßen vorgenommen.

Dem Wüten des verheerenden Großfeuers sind insgesamt

zwei Wohnhäuser und fünf Scheunen zum Opfer gefallen. Die Scheunen waren gefüllt mit der Ernte, die mit den Scheunen vollständig ver­brannte. Der Schaden ist infolgedessen sehr- groß. Das Wohnhaus des Täters ist nur zur Hälfte niedergebrannt, während das andere Wohnhaus völlig in Asche gelegt wurde. Daß die Flammen einen solchen Umfang an­nehmen konnten, ist vor allem darauf zurückzu­führen, daß die Gebäude einen zusammenhängenden Block bildeten, zum anderen aber auch darauf, daß die Feuerlöscheinrichtungen der Gemeinde den An­forderungen der Neuzeit nickt gerecht werden. Der Oct hat keine Wasserleltung, und der kleine Ortsbach kann dem Wasseranspruch bei einer sol­chen Katastrophe nicht genügen. Zahlreiche Spritzen mußten erst von auswärts yerangeholt werden, um eine wirksame Bekämpfung der Flammen durchzu­führen. Es muh als ein Glück angesehen werden, daß in der Schreckensnacht völlige Wind- ft i l l e herrschte. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte unter Umständen der ganze Ort in Flammen ausgehen können. Besondere -ln^rken- n u n g verdient die hervorragende Hal­tung der Feuerwehr und die tatkräf­tige Mithilfe der Einwohnerschaft von Freienseen, die ihr Aeuherstes aufboten, um mit den ungenügenden Bekämpfungsmöglichkeiten des Feuers Herr zu werden.

Es wird nicht gelingen! Ich bm überzeugt, daß das hessische Volk, wo noch gesundes Empfinden für den Staat und feine Aufgaben vorhanden ist. sich gegen eine solche Finanzpolitik wenden wird. Es handelt sich bei dieser Art Finanzpolitik nicht um kulturelle Ideale, sondern um eine zielsichere parteipolitische Personalpolitik. Doch dafür ist die gegenwärtige Zeit zu ernst. Derartige Dinge können wir uns nicht mehr leisten. Trotz der politischen Kämpfe wissen wir, daß nicht allein das Bürgertum die Politik des Staates zu be­stimmen hat, daß es nicht möglich ist ohne dio Arbeiterschaft, ohne die großen Berufsstande zu regieren. Genau wie jede andere Partei ver­langen auch wir das Recht auf Mitbeteili­gung am Staat. Das Schicksal des Hess. Staates wird besiegelt sein, es wird schlimm um seine Zukunft stehen, wenn die Regierung nicht an­dere Dahnen in der Politik beschreitet.

Man könnte es verstehen, daß alles von dem Finanzminister daran gesetzt wird, um wenigstens die Notwendigkeiten der staatlichen Existenz auf­recht zu erhalten, wenn er zu einer Zeit, wo Handlungen von ihm verlangt werden, diese Aufgabe erfüllt. Wenn er aber das Spiel des Reichsfinanzministers spielt, der fein Interesse an Hessens Selbständigkeit hat, so versteht man das nicht. Auch wir erstreben den Einheits - ft a a t, den Staat mit einem dezentralisierten Verwaltungskörper, aber wir wissen, daß wir noch lange nicht so weit sind, und daß die Entschei­dung hierüber bei Preußen und bei Bayern liegt. Das Spiel, das der kommende Demokratische Parteitag treibt, indem er nicht die hessischen Staatsfinanzen, sondern die Frage des Einheits­staates auf sein Programm seht, ist nicht allein ein überflüssiges, sondern ein gefährliches; solange noch deutscher Boden beseht ist, sollte man die alten Grenzpfähle stehen lassen.

And nun weg von diesen traurigen Dingen, sie bedeuten Kampf in schweren Zeilen, der von uns geführt wird mit einem lauteren Gewissen. Wir führen ihn nicht aus Haß oder Ehrgeiz, sondern weil uns ein anderer Weg zur Ge­sundung Hessens nicht gegeben erscheint. Was das Jahr 1927 bringen wird, weih heute noch niemand. Wir hoffen, daß es Dr. Strefemann gelingen wird, den Boden unseres Vaterlandes ganz frei zu machen. Was wäre geschehen, wenn Deutschland den Eintritt in den Völkerbund abgelehnt hätte?! Wem hätten wir damit einen Gefallen getan, doch nur Poincare, der von seinem politischen Glaubensbekenntnis bisher noch kein Iota aufgegeben hat. Große Politik muh aus dem Herzen kommen, sie muh aber geleitet werden von einem kühlen Verstand, der die Zunge im Zaume zu halten weiß. Wir wollen den Glauben behalten an den Erfolg der Politik der Deutschen Volkspartei im Reich und in Hessen.

Beschleunigte Einberufung der Abrüstungskonferenz.

Genf, 20. Sept. (TA.) Die Dritte Kom­mission für Abrüstungsfragen beschloß, die Ab­rüstungskonferenz, toenn nicht materielle Schwie­rigkeiten eintreten, bis zum September 1927 ein zuberufen. Dieser Beschluß bedeu­tet einen Sieg des französischen Stand­punkts gegen den englischen und italienischen, die eine weitere Hinausschiebung der Konfereirz gern gesehen hätten. De Jouvenel begründete den französischen Standpunkt mit folgenden Wor- ten:Ich bin bereit, im Namen der französisch:n Delegation die Verantwortung zu übernehmen -Unsere Sachverständigen sind fertig. Locarno ist ratifiziert. Deutschland ist da, laßt uns den Zu- ia mm ent ritt der Abrüstungskonferenz beschleu­nigen. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß

wir nicht den Weltkrieg erlebt hätten, wenn wir rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen ge­troffen hätten. Es gibt keine technischen und keine politischen Schwierigkeiten mehr. Laßt uns mit der Arbeit beginnen.

Britische Lage in China.

Vor einem Militärbündnis Kantons mit Moskau. Ein neuer Znsammen- ftotz auf dem Zangtsc.

Moskau, 20. Sept. (211.) Die schwierige Lage der Sowjetunion in der Mandschurei hat zu einer Aenderung der Stellungnahme Moskaus gegenüber Tschangtsolin geführt. Die Sowjet­union hat durch Vermittelung gemäßigter chine­sischer Kreise Tschangtsolin einen Aus gleich Vorschlägen lassen, über dessen Einzelheiten bis­her jedoch rwch nichts bekannt gegeben wurde. Wie von gut unterrichteter Seite versichert wird, hat Tschangtsolin sich bereit erklärt, den russisch- chinesischen Zwischenfall als beigelegt zu be­trachten, toenn die Sowjetunion ihm annehmbare Vorschläge in der Ostbahnfrage machen sollte.

Die Regierung von Kanton hat Moskau ein Militärbündnis vorgeschlagen unter der Bedingung, baß Moskau die Kanionregierung als Zenlralregierung Chinas aner­kennt. Verhandlungen find ausgenommen wor­den. Der Außenminister der Kantonregierung hat dem amerikanischen und dem japanischen Konsul mitgeteilt, daß er im Falle einer Intervention der Großmächte in China sich gezwungen sehen würde, alle Vertreter auswärtiger Regierungen aus Kanton auszuweisen.

Wie aus Schanghai gemeldet wird, ist es gestern wieder zu einem Feuergefecht zwi­schen kantonesischen Uferbatterien und dem vor Hankau liegenden amerikanischen Ka­nonenbootPigeon" gekommen, wobei drei amerikanische Matrosen verletzt worden sind. Be­vor der amerikanische Konsul in Hankau beim Oberbefehlshaber der Kantontruppen Protest einlegen tonnte, war von General Tschangkai- schek beim Konfularkorps in Hankau eine Note eingetroffen, die zur Vermeidung neuer Zu­sammenstöße die sofortige Rücknahme der ausländischen Kriegsschiffe vor Hankau fordert. Die Konsuln haben General Tschangkaischek geantwortet, daß sich die An­wesenheit ausländischer Kriegsschiffe im Rah­men der Verträge bewege und eine Rück­nahme nicht in Frage kommen könne.

Ein neues Wirtschaftsprogramm der Sowjet-Union.

Moskau, 20. Sept. (TA.) Von gut unter­richteter Seite wird mitgeteilt, daß das Zentral­komitee des Politbureaus eine Sonderlommission damit beauftragt hat, einen neuen Plan für die Wirtschaftspolitik der Sowjetunion zu entwerfen. Den Vorsitz der Kommission hat der Volkskom­missar Kujbychew übernommen. Die Kom­mission hat beschlossen, Privatkapital in Höhe von 10 Proz. des gesamten Kapitals an staatlichen Unternehmen zuzulassen, Prcvatkapltal beim Außenhandel mit der Mon­golei zu erlauben und inländischem Kapital die Ausfuhr aus der Sowjetunion ohne besondere Genehmigung der Sowjetregierung zu gestatten ferner das Gesetz über die Arbeit der Waren- ©elöbörfen^in der Sowjetunion umzu-

1 Vk e°r liberale Programm hat die

schärfste Gegnerschaf t der unentweg- tfn o mmu nist en gefunden. Man erwartet dre ofsizlelle .-f rnntgafre des Programms durch Stalin bereits für die nächsten Sage. ?

Aus aller Welp

Typhusepidemie in Hannover.

Die Zahl der Erkrankten hat sich Montag­nachmittag auf 1693 erhöht. Dis jetzt sind 73 Fälle tödlich verlaufen.

Schweres Unglück beim Schaufliegen.

Auf dem Flugplatz Hangelar bei Bonn stürzte beim Dallonabschiehen ein Flugzeug ab. Der Führer Turl war sofort tot, ebenso ein wachthabender Polizist. Die Flüge, denen zahl­reiche Schullinder beiwohnten, wurden sofort ab­gebrochen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, deii 21. September 1926.

Die landwirtschaftliche Professur in Gietzen.

Anläßlich der bevorstehenden Wiederbesetzung der Stelle eines ordentlichen Professors für Landwirt- schäft an unserer Landesuniversität hat vor einigen Wochen eine Erörterung in der Presse stattgefunden, als deren Folge auch eine Anfrage des Abg. Prof. Werner und Fraktion an die hessische Regierung gerichtet wurde. (SieheGieß. Anz.", Nr. 180 vom 4. August). Unter Bezugnahme auf dielen Vorgang wird uns jetzt von der Landesuniversität geschrieben:

In der Presse wirdd e r F a l l P f a f s" immer noch weiter erörtert. Die Landesunioersität hat kein Interesse daran, wie sich aus folgendem ergeben wird. Der Senat hat feinen Zweifel darüber ge­losten, daß die Art und Weise der Berufung des Herrn Dr. Pfaff ohne Mitwirkung der Universi­tät einen schweren Eingriff in ihre Rockte bedeutete. In der Ueberzeugung aber, daß der Herr Hochschul- referent im Landesamt für das Biidungswcsen im Grunde nur das Beste der Universität wollte, und mit Rücksicht darauf, daß das Landesamtteine Bin­dung mit Herrn Dr. Pfaff eingegangen war, gegen die anzukämpfen dem Senat verfassungsrechtlich nicht möglich war, hat der Senat von der lieber- nähme der Betriebsleitung des Gutes Unterer Hardthof durch Herrn Dr. Pfaff Kenntnis genom­men; dem Lehrkörper der Landesunioersität gehört Herr Dr. Pfaff noch nicht an, er muß sich erst noch habilitieren. An der ganzen Angelegenheit ist Herr Dr. Psaff selbst unschuldig, die Loyalität verlangt zu erklären, daß er eine langjährige, sehr gute Aus­bildung erfahren hat und wohl eine Gewähr dafür bietet, daß das jetzt schon so schön entwickelte Ver­suchsgut den Zwecken der Landesunioersität, wie auch denen der landwirtschaftlichen Praxis aufs beste dienen wird. Den im Zusammenhang mit demFall Pfafs" erfolgten Angriffen auf die Landwirtschaft­liche Hochschule Hohenheim steht die Landesumoersi- tät völlig fern.

Wettervoraussage.

Heiter bis schwach bewölkt, leichte Luftbe­wegung, noch keine wesentliche Temperaturände­rungen, trocken.

Die Sturmkatastrophe in Florida.

Zwölfhundert Tote. Unermeßlicher Sachschaden.

N e u y o r k, 20. Sept. (TU.) Die Folgen der Sturmkatastrophe in Florida sind viel größer als ursprünglich angenommen werden konnte. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind 12 0 0 ' Personen getötet und 6000 verletzt worden. DieNeuyork Times" zählen all-in in Miami 500, in Hollywood 200 und in Fort Lauder- dale 200 Tote. Möglicherweise wird sich die Zahl der Toten noch ganz erheblich erhöhen. Im Hafen von Miami wurden 150 Schiffe zerstört, deren Bemannung (mehrere hundert Mann) wahrscheinlich ertrunken ist. Der Sturm ist der schwerste, der jemals über Amerika hinweggegangen ist. Der Orkan brach, von Westindien kommend, über die Bahamainseln nach Florida ein. Das Barometer erreichte einen nie gekannten Tiefstand. Der Sturm dauerte 9 Stun­den und erreichte zeitweise 140 Meilen Geschwin­digkeit. .

Miami wurde in zwei FlulabstänVSk heimgc- suchl. Die zweite Flutwelle vernichtete in der

Stadt alles, was die erste verschont hakte.

Die meisten Wolkenkratzer sind e i n g e - stürzt. Sämtliche Häuser sind vernichtet oder schwer beschädigt. In Miami sind 4 0 0 0 0 Men­schen obdachlos, lieber die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt. In Baltimore wurde fojfort ein Hilfszentrum eingerichtet, von wo ständig Züge mit Aerzten und Hilfsmannschaften nach dem Katastrophengebiet abgehen. Mehrere Ortschaften in der Nähe von Miami find gänzlich vom Erd- hoben verschwunden. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Die Verzweiflung unter den Bewohnern ist grenzenlos.

Die ersten Augenzeugen der Sturmkata­strophe. die mit den Rettungszügen in Iackson- vllle eintrafen, entwerfen ein erschütterndes Bild der Verzweiflung im Katastrophengebiet. Die Bergungsaktion ist infolge des noch immer hohen , Wasserstandes äußerst schwierig. Es mangelt vor allem an Trinkw as ser, desgleichen an Le­bensrnitteln. Hier sollen die Hllssmahnahmen zu­erst einsetzen. Das Anglück ist dadurch bedeutend vergrößert worden, daß die Riesen- und Pracht­bauten von Miama zum Teil auf Pfählen errichtet waren.

Bei Beginn des Orkans war die ganze Gegend zunächst in ein undurchdringliches Dunkel ge­hüllt. aus der unter dem loben des Sturmes und der Wassermassen Bäume, Hausteile ufro.

niederrasselten.

Die Bewohner eines bekannten Luxushotels flüch­teten im ersten Schrecken in den Keller, ge- > folgt von einer unmittelbar darauf sich ergießen­den Meeresflut, aus der sie sich nicht mehr retten konnten. Nach den Wetterberich­ten befürchtet man, daß die Orkantoelle in kür­zester Frist Mobile (Alabama) und Pensacola erreichen wird. Der Drahtverkehr mit diesen Orten ist unterbrochen. Viele Schi ffe befinden sich in Seenot, darunter acht Passagier­dampfer, die zwischen Neuyork und Florida ver­kehren und von denen keine Nachricht vorliegt.

Präsident Covlidge hat zu einer Nationalsammlung für die heimgesuch- ten Opfer auf gefordert. Der deutsche Bot­schafter in Washington hat im Namen des Reichspräsidenten und der Reichsregie- rung Präsident Covlidge und der Regierung der Vereinigten Staaten das aufrichtigste Bei­leid ausgesprochen.