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Bornotizen.

TageskalenDer für Dienstag. StaDttheater: 8 ü^r, Gastspiel des Bad-Rau- Heimer Kuttheaters »Das goldene Kalb". Deutsche Demokratische Partei: 8.15 Uhr, Ge­werbeschule, Mitglieder-Versammlung. -- Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Goldrausch". Astoria-Lichtspiele:Der unbekannte Soldat". Palast-Lichtspiele:Der Flug um den Erd­ball".

** Rückkehr unserer Garnison aus dem Manöver. Morgen, Mittwoch, abends um 654 bzw. 7.24 Uhr wird unser 1. Batl. 15. Fnf.- Rgt. aus dem Manöoergelände hierher zurückkehren. Wie uns mitgeteilt wird, ist das Manöver gut, aber mit erheblichen Anstrengungen verlaufen. Unsere 15er haben seit dem Abrücken aus der Garnison keinen Regen gehabt, die Sonne meinte es im Gegenteil so gut, wie im Hochsommer. Der Emp­fang der Truppe dürste auch morgen abend die gleiche Herzlichkeit bekunden, wie stets bisher.

Das Abstimmungsergebnis zum Schaufensterwettbewerb, dessen Feststel­lung außerordentlich zeitraubend ist, durfte, so­weit es sich um die Bekanntgabe der 7 schönsten! Schaufensterausstellungen, der Preisträger im Blumenkorso und im Reklamewagenkorso handelt, in Kürze zu erwarten sein. Einige Tage später wird dann auch bekanntgegeben werden können, wer vom Publikum einen Preis erhält. Bis heute steht fest, daß insgesamt 4365 Stimmen abgegeben wurden. Während in den ersten beiden Tagen der Werbewoche die Beteiligung an der Abstimmung noch verhältnismäßig gering war, zeigte sich bereits am Dienstag voriger Woche besonderes Interesse, das seinen Höhepunkt in den letzten beiden Tagen erreichte, an denen die aufgestellten Briefkästen sich zur Ausnahme der Stimmzettel als fast zu klein erwiesen. Die Stimm­zettel sind zum großen Teil recht sorgfältig und gewissenhaft ausgefüllt. Daß das Publikum bei der Prüfung der Schaufensterausstellungen nicht immer Aufmachung und Kunstsinn in vollem Maße würdigt, vielmehr das Oc'ginelle verzieht, erscheint verständlich, trotzdem zeigt die Abstim­mung in sehr vielen Fällen einen guten Ge­schmack des Publikums. Was bezüglich der Be­wertung der Schaufensterausstellungen gesagt ist, trifft natürlich auch auf den Blumenkorso zu. .Wir werden das Resultat nach der Feststellung sofort berichten

* Reu Organisierung oberhessi - scher Landwirtschaftsämter. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, wird das Land­wirtschaftsamt Butzbach am 1. Oktober auf- gehoben, während das Landwirtschaftsamt Schotten nach Ridda verlegt wird. 3n Butzbach verbleibt eine sogenannte Außenstelle, deren Leitung Landwirtschaftsrat Dr. Dienst übernimmt. Der jetzige Leiter des Landwirt­schaftsamtes Butzbach, Landwirtschaftsrat Dr. Schad, ist mit der Leitung des Landwirtschafts­amtes in Aidda beauftragt, gleichzeitig wird Landwirtschastsrat Dr. Fischer vom 1. Oktober ab in gleicher Eigenschaft nach Ridda verseht. In Schotten verbleibt eine Außenstelle unter der Leitung des jetzigen Direktors Dr. H e l f e r t. Um den Schülern, die während des vergangenen Winterhalbjahres die älnterrichtsllassen in Schot­ten besuchten, die Möglichkeit einer abgeschlossenen Schulbildung zu geben, bleibt der Schulbetrieb des seitherigen Landwirtschaftsamtes Schotten für das Winterhalbjahr 1926/27 aufrechterhalten. Die aufzunehmenden Schüler sind an das Land­wirtschaftsamt nach Ridda zu überweisen.

" Einbruchsdiebstahl. 3n der Rächt zum 15. September wurde hier in der Markt­

ftrahe in ein Herren-Bekleidungshaus ein Ein­bruch ausgeführt. Die Diebe drangen durch ein kleines Fenster über der Ladentüre in den Laden, kleideten sich an Ort und Stelle neu ein und liehen ihre alten Kleider zurück. Entwendet wur­den 3 tAnzüge, 2 Gabadinmäntel und ein Gummi­mantel. Als Täter kommen zwei durchreisende Personen in Frage. Die Ermittlungen nach Die» sen sind im Gange.

** Fe st genommen wurden drei Personen wegen Bedrohung und Widerstandes, eine Person wegen Diebstahls, zwei Personen wegen Urkunden­fälschung und Unterschlagung.

** Die Kuh i st wieder daheim. Der Polizeibericht teilt mit: Die im vorletzten Polizei­bericht gemeldete, in Gießen sichergestellte Kuh war auf dem Gutshof Altenberg (Kreis Wetzlar) ge­stohlen. Sie wurde dem Eigentümer wieder zurück­gegeben.

hessisches Süngerbundessest.

Mainz, 20. Sept. Der im Oktober 1924 ge­gründete Hessische Säng erbund hat in den Tagen vom 18. bis 20. September in Mainz fein erstes Dundesfest abgehalten, zu dem aus den fernsten Winkeln des Hessenlandes und darüber hinaus aus dem benachbarten Preußen die Sänger zu Tausenden herbeigeeilt waren. Der Bund faßt in über 500 Vereinen etwa 15 000 Sänger zusammen.

Der Samstag brachte zwei Gedächtnis­feiern auf dem Mainzer Friedhof, und zwar an den Gräbern von Peter Cornelius und Friedrich Lux. Bei einbrechender Dämmerung marschierte die Fahnenabteilung der an dem Dundesfest teilnehmenden Vereine in überwälti­gendem Zuge mit über 300 Fahnen vom Bahn­hof nach der Stadthalle. 3m Anschluß daran ver­einigte ein

Degrühungsabend

die Sänger und ihre Angehörigen. 3m Verlauf der Feierlichkeit sprach auch der hessische Fnnen- minister v. Brentano, der neben vielen Ver­tretern staatlicher und städtischer Behörden er­schienen war, und der die Bedeutung des Volksliedes und des Männergesanges feierte. Provinzialdirektor älsinger - Mainz ergriff ebenfalls das Wort und gedachte insbesondere in ehrenvollen Worten der großen Verdienste des Sängerbundsvorsitzenden. Oberregierungsrat S i e g e r t» Darmstadt. Dem offiziellen Degrü- ßunosabend gliederte sich ein Festkommers an, der die nach Tausenden zählende Festgememde bis in die frühen Morgenstunden zusammenhielt.

Der zweite Tag wurde eingeleitet durch eine Frauen lvbfeier im Mainzer Dom. Darauf fand wiederum in der Stadthalle die

akademische Feier mit Weihe deS Bundes- banners

stall. Aach Degrüßunosworten des Ersten Vor­sitzenden, Oberregierungsrat S i e g e r t, ergriff der hessische Staatspräsident Ulrich das Wort und verlieh als Anerkennung der hessischen Regierung für die Destrebungen des Hessischen Sängerbundes dem Dundesvorsitzenden eine Ehren­kette. Darauf sprach Oberbürgermeister Dr. Külb-Mainz herzliche Begrüßungsworte für die ungefähr 11 000 erschienenen Sänger, worauf Schulrat H a s s i n g e r - Darmstadt eine beinahe einstündige Festrede über das deutsche Volksliedund dendeutschenMänner- g e s a n g hielt. 3m Anschluß an seine Ausfüh­rungen weihte er das neue Bundesbanner und übergab es dem Hessischen Bund. Die Feier wurde durch zahlreiche Ehrungen der sich besonders um den Hessischen Sängerbund verdient

gemachten Persönlichkeiten und an die zahlreichen Sangesveteranen abgeschlossen. 3n den frühen Aachmittagsstunden durchzog ein l1/« Stunden währender

Zestzug die überaus festlich geschmückten Straßen der Stadt.

Der 3,5 Kilometer lange Zug versinnbild­lichte das deutsche Lied. Er erfuhr durch zahl­reiche Wagen, die volkstümlich und künstlerisch den deutschen Gesang verherrlichten, eine sinnvolle 3llustration. Sämtliche Korporationen, 3nnungen und Genossenschaften von Mainz waren in dem Zuge vertreten.

Der Zug wurde eröffnet mit dem Kinder­lieb, Minnesänger und berittene Fanfarenbläser an der Spitze. Alphabetisch geordnet folgten die Wagen mitAlle Vögel sind schon da". Es schlossen sich anStorch, Storch, guter",Der Jäger aus Kurpfalz",Fuchs, du hast die Gans gestohlen",Ein Männlein steht im Walde".Die Bremep Stadtmusitanten" undDie Wander­lieder".

Die zweite Abteilung bildeten Dolks- l"i ed c r. Sie begannen mit dem Wagen der Lindenwirtin". Es folgtenRoch sind die Tage der Rosen",Der Mai ist gekommen",Am Brunnen vor dem Tore",Sah ein Knab' ein Röslein stehn",Gute Rächt, du mein herziges Kind",3n einem kühlen Grunde",Früh mor­gens wenn die Hähne krähn".Pflücke die Rosen", Aus der Jugendzeit",Schätz der Wetterau". Zwischen diesen Wagen befand sich ein Reiter mit Pagen alsAennchen von Tharau", und ein Radllub als Darsteller vonRur einmal blüht im 3ahr der Mai".

Rhcinlieder zeigte die dritte Abteilung. Das rheinische Wesen wurde hier in Wagen durch die bekanntesten und stimmungsvollsten Lieder wiedergegeben. Es seien erwähntDas Lied vom Rhein",Vom Rhein der Wein",Rhein mit Rebenflüssen",Rheinisches Mädchen beim rheini­schen Wein",Das Herz am Rhein",Elslein von Caub",Loreley",Rolandsbogen",Das Wandern ist des Müllers Lust",Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein" undFrater Kellermeister".

Die vierte Abteilung bestand aus histori­schen Gruppen. Es waren da dieLeinenreiter", Die alten Deutschen",Der Komponistenwagen", Der Moguntiawagen",Hans Sachs",Sänger­krieg auf der Wartburg" undFrauenlob" zu Pferd mit Begleitung.

Herolde zu Pferd schlossen den Zug. Reben 20 Musikkapellen gingen mit dem Festzug etwa 300 Gesangvereine mit Fahnen und ein Kinder­chor von 160 Kindern. Der Zug war eine Höchst­leistung, das Aufgebot so gewaltig, daß es in vergangener Zeit und in Zukunft kaum seines­gleichen finden dürfte. Es war ein Ereignis von markanter Bedeutung, bei dem sich Stammes- genossen aus dem unbesetzten Gebiete mit ihren durch die Besatzung bedrückten Mitbrüdern Einigkeit, Treue und Festhalten am Reich und am Rhein für alle Zeit gelobten.

3m Anschluß an den Festzug fand auf dem Halleplah eine Massenkundgebung des Hessischen Sängerbundes statt. Am späten Rachmittag wurden sowohl in der Lieder­halle, als auch in der Stadthalle M a s s e n - ch ö r e der einzelnen Gaue und Tlnterbünde des Sängerbundes zum Vortrag gebracht. Der Abend war einem llnterhaltungsabend mit Konzert und Ball Vorbehalten.

Den letzten Tag der Feierlichkeiten füllte ein rheinisches Volksfest aus, das u. a. am Abend eine Brückenbeleuchtung mit einer I Lampionregatta brachte. __________

Büchertisch.

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Das erste Dundesfest des Hessischen Sänger­bundes war glänzend organisiert und hat einen vollen Erfolg gebracht.

Ein aussterbender Obstbaum.

Lich, 20. Sept. Unsere Gemarkung mit ihren großen und gut gepflegten Obstanlagen hat in diesem Fahre so gut wie keine Obst­ernte. Die Aepfelbäume versagten fast völlig, und in den höheren Lagen gibt es hier und da etwas zumStoppeln". Sehr gering ist «auch Der Ertrag der Zwetschenernte. Die meisten Leute sind froh, wenn sie etwas zu einem Zwetschenkuchen zusammenbekommen. Am besten sind noch die Dirnen geraten, eine Rekord­ernte, wie in Der Wetterau, haben sie hier aber nicht geliefert. Wo Die Dirnenernte für reinen Dirnenhonig nicht langt, da muß Zuckerrübensaft zur Streckung herangezogen werden. Sehr gut tragen im allgemeinen DieBockelb i r n" - Bäume. Die in unserer Gemarkung noch ver­hältnismäßig häufig anzutreffen sind. Sie fallen durch ihre riesige Höhe und ihre knorrigen Stämme auf und können als Die Veteranen unserer Obst­gärten bezeichnet werden. Denn mit einem Alter bis zu 100 Jahren und darüber reichen sie in die Zeit zurück, in Der sich Der Obstbau erst in größerem Maße in unserer Gegend einbürgerte. Aber auch die Tage und Fahre dieses alten Riesengeschlechts" in der Baumwelt werden ge­zählt sein. Denn da mit jedem Fahre Der eine oder andere altersschwache Bockelbirnbaum Der Axt weichen muß. junger Rachwuchs aber nicht vorhanden ist, steht in den nächsten Fahrzehnten das Aussterben dieses Baumes bevor, Der Dem LandschastsbilD jetzt noch ein besonderes Gepräge verleiht und auch unserer Vogelwelt vorzügliche Schlupfwinkel darbietet. Das Eingehen deSBockel- birnbaums wäre auch vom wirtschaftlichen Stand­punkt aus zu bedauern. Denn seine Früchte sind, wenn auch sehr klein, eine ganz vorzügliche Honigbirne. Dabei ist der Daum bei ge­ringen Ansprüchen sehr fleißig im Tragen. Auf­gabe der kommenden Zeit wird es fein, den Bockelbirnbaum wenigstens in einigen besonders schönen Exemplaren als ein R a t u r d e n k m a l zu schützen, so wie es jetzt mit dem Speierlings- . bäum im Taunus geschehen ist. «

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