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Sturm in SchmalebZck

Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl ®. m. b. $)., Berlin.

2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ich weiß es auch nicht, Fiete. Aber wollen wir ihnen nicht einen freien Nachmittag gönnen? Und dir auch?" Und mit jähem Erinnern, daß solch freier Nachmittag für ihn einen Abend ohne Abend­brot bedeuten würde, setzte sie hinzu:Du mußt aber um sieben kommen und mit uns essen. Halb sechs ist es ja schon. Heute nimmst du dir dein Brot nicht mit, heute sitzt du mit unten in der Linden­laube, nicht? Erdbeeren gibt es und Rührei magst du das?"

Ja", stotterte der lange Junge, und sein Gesicht wurde ordentlich einen Schein röter.Wenn Sie erlauben."

Na, nun wird es Tag. Seit wann bin ich Sie für dich?"

Sie sind so fein, so" Lieber Gott, wenn man fo ungeschickt ist mit Worten. Wenn ein so schönes, vornehmes Mädchen vor einem steht, und man weiß, die Jacke ist überall zu kurz, und die Hosen haben Flicken auf den Knien. Wenn man so ganz dürftig und armselig aussieht und sich auch in diesem Augenblick so fühlt. Am liebsten sänke man in die Erde. Aber dann sah man ja nicht mehr.

Fiete Eggers glaubte gerade so fest an seine, lebenslange Armseligkeit wie Ilse Rottmann an ihr strahlendes Glück.

Und weil sie nicht nur in glücklichen Stunden, sondern aus tiefstem Herzen heraus gut war, hielt sie ihm die Hand hin.Wiedersehen, Fiete. Aber dasSie" lass' zu Hause."

Ganz benommen ging der Junge heim. Ging über den sandigen, staubenden Marktplatz, als ginge er über Rosen, ging in sein windschiefes Zuhause, als käme er in einen Palast, atmete erleichtert auf, als drinnen in der Stube, die immer nach Müff und billiger Seife roch, die Mutter nicht vor­handen war, fetzte sich an den Tisch und kramte aus der Schublade ein Stück Papier und einen Bleistift hervor. Man hätte nicht gedacht, daß diese hageren, knochigen Hände einen Stift so weich und leise über

Bekanntmachung, Grummetgras - Versteigerung der Stabt Gietzen.

Montag, den 23. August, und Diens­tag, den 24. August 1926, soll das Grum­metgras von den städt. Wiesen ösfenllich meistbietend versteigert werden, und zwar:

Montag, den 23. August 1926:

a) oorm. 8 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Schwarzlach in 5 Abteilungen. Zusammenkunft Mar. burger Straße 25 (Jeckel, Karl).

b) oorm. 9 Uhr Zusammenkunft am Schlachtbof von den Wiesen im Neu­stadter Feld, Hohleiche und auf der Insel.

c) oorm. 10i Uhr in der Restauration von Gg. Schnmpf, Kaiserallee 4, von den Wiesen am alten Wetzlarer Weg bet der Thrornschen Fabrik, am Weiher, am Ohleberg, im Heegstrauch, am alten Steinbacher Weg (Rußland).

d) nachm. 2 Ahr in der Restauration Philosophenwald" von den Wiesen im Wiesecktal, am Fürstenbrunnen, , an der Eselswiese (fr. Staat) und von den Wiesen in der Gemarkung Wieseck. Dienstag, den 24. August 1926:

a) oorm. 9 Uhr an Ort und Stelle an der Anneröder Straße von den Wie­sen am Altentisch und Utersbrunnen, anschließend an der Rödger Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzenmorgen.

b) nachm. 1 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Gemarkung Gro- ßen-Buseck und Rödgen.

Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen beabsichtigen, wollen sich an den städt. Wiesenmeister Klos, am Rod­berg 5, wenden.

3m Anschluß an die Versteigerung in der RestaurationPhilosophenwald" am Montag, dem 23. August, nachm. 2 Uhr, wird noch folgendes Brennholz ver­steigert:

2 Rm. Eichenrundscheiter,

4 Kiefernrundscheiter,

8 Eichenknüppel,

10 Kiefernknüppcl,

300 Wellen Eichenreisig,

200 Kiefernreisig,

60 Weichholzreifig

(sitzt bei den städt. Tennis- platzen hiter dem Schützen­haus).

2 Rm. Eichenscheiter,

1,2 Eichenknüppel sitzt in Abt. 19 (Philosophen wald). 67098

Gießen, den 16. August 1926.

Der Oberbürgermeister. I. V.: Or. Seid.

Bekanutmachrmg.

In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: Am 10. August 1926 a) bei der Firma H. Kaeß Nachfolger, Gießen: Dem Kaufmann Wilhelm Horn in Gießen ist Prokura erteilt; b) bei der Firma Eil- meier & Loeb, Gießen: Die Firma ist er­loschen. 6783C

Am 12. August 1926 die Firma Jo­sephine Sickelmann in Gießen: Inhaberin ist die Josephine Sickelmann in Gießen.

Am 14. August 1926 bei der Firma Oberhessisches Korbwarenhaus Heinrich Hch in Gießen: Die Firma nebst dem un­ter dieser Firma betriebene Geschäft ist ohne Uebernahme der seither im Ge­schäfte begründeten Forderungen und Ver­bindlichkeiten mit Wirkung vorn 29. Juli 1926 auf den Kaufmann Martin Heß in Gießen übergegangen. Die Firma ist ge­ändert in Ob er hessisches Korbwarenhaus Martin Heß. Die Prokuren der Heinrich Heß Ehefrau in Gießen und Peter Heß daselbst sind erloschen. Dem Kaufmann Heinrich Heß in Gießen ist Prokura er­teilt.

Gießen, den 18. August 1926.

Hessisches Amtsgericht.

den Bogen führen könnten. Ganz zart huschte er hin und her, und auf dem schlechten Papier entstand ein Mädcheulops. Ein zierliches Profil, das Näschen ein wenig keck, der Mund in leichter Fülle, die Schläfe unter Haargekräufel verborgen. Aber das Auge! Wie oft hatte er schon versucht, dies Antlitz nachzubilden wenn er zu den Augen kam, ver­sagte seine Kunst. Nie wurden sie so, wie er sie sah. So lieb und doch so voll Hoheit. So heiter und doch so still im Blick die Augen konnte er nicht wiedergeben.

So tief versunken war er in fein Tun, daß er den Schritt der Mutter nicht hörte. Plötzlich stand sie hinter ihm im Zimmer und sah sofort, was er da begann.

Nee, Fiete. Nee, was en Jung. Das sollst du doch nid). O nee, wenn ick) doch man bloß jeden Bleifeder gleich wegkriegen könnt. Immer zeichnen und immer man zeichnen. So'n unnützen Kram! Was hat en Pastor woll vom Zeichnen. Hast all mal gesehen, was Pastor Jessen zeichnet oder der alte Herr? Ich denk' nu, du sitzt und lernst dein Latein für den alten Herrn, und denn machst du lauter dummes Zeug. Und das schöne Papier ver­dirbst du auch man mit. Nee, was hab' ich für 'ne Last mit dir."

Fiete zog verdrossen die Schultern hoch.Pa­stor. Ich werd' im Leben kein Pastor. Wie soll ich dazu kommen."

Da kannst du ganA gut bei kommen. Kriegst Stipendien und studierst in Kiel und wohnst bei meine Swester. Und wenn du man erst das Examen hast für die Universität."

Ja, wenn."

Kannst doch so rein lernen, mein Fiete. Hast doch so'n klugen Kopf. Dein Vater war auch so klug. Was der beim alten Herrn fürn Stein im Brett gehabt hat! Du haft een guten Vater ge­habt, Fiete. Und een klugen. Und wenn er auch dreißig Jahre älter war als ich er war ja all an sechzig, als wir heirateten, weil du kommen wolltest, Fiete"

Da warf Fiete Eggers fein Papier und den Blei- stift wütend zurück in die Schublade und stand auf: Das war recht dumm von mir."

Aber Fiete. Nee, aber Fiete. Wie du heut ein­mal bist. Wo willst denn nu schon wieder hin?"

Zu Rottmanns. Ich soll da mit zu Abend essen."

Na, das wär' auch besser, sie hätten dir dein Abendessen mitgegeben. Nu rennst du wieder weg, und wann soll denn dein Latein fertig werden? Morgen früh hast du doch Stunde beim alten Herrn. Und denn hör mal"

Fiete hörte nicht mehr. Er hatte die Tür hinter sich zugeworfen, daß Tischler Rübesam von der an­deren Seite des Flurs rief, er möge das Haus nicht einreißen. Nun stand er in der Küche, putzte die vielgeflickten, groben Stiefel und wusch die mageren Hände im Eimer. Dann wieder hinüber über den Platz. Bei den ersten Schritten waren die Schultern noch verdrossen nach vorn gedrückt, aber je näher er dem Doktorhaus kam, um so mehr richtete er sich in die Hohe, mühte sich, eine straffe Haltung anzunehmen, setzte die Füße auswärts, hob sich auf die Spitzen ach, wenn die Stiefel nur nicht so gräßlich plump gewesen wären, und nun hatte er wieder ganz den Gang und die Haltung, die Schmalebecks Jugend zu dem jauchzenden Zuruf an­trieb:Fiete Eggers geht auf Eiern."

Seine Mutter sah ihm nach, schwankend zwischen Stolz und Sorge.So ein Jung. Geht da zum Abendbrot. Als wenn das man so fein muß. Wenn das sein Vater dock) noch sehen könnt'. Geht da ein­fach zwischen die studierten 3ewte." Sie sah nach einem Schattenriß, der über dem dürftigen Sofa hing.Ja, ja, Eggers, sollst sehen, ich bring ihn so weit. Sollst mal sehen, er wird Pastor. Der Post­meister hat es gestern noch gesagt, Lehrerssöhne wer­den am liebsten Pastoren." Und vor ihren inneren Augen sah sie Fiete im Talar und der großen weißen Krause auf der Schmaledecker Kanzel stehen und sah sich selber drunten im Kirchenraum, die Hände um das Gesangbuch geschlossen, ganz zitternde selige Erwartung.

Plötzlich schrak sie zusammen. Sie vergaß ja wohl rein alles. Stand am Fenster und besah sich die Straße, als wenn Frau Pastor Jessens Haube nicht zu morgen nachmittag fertig sein sollte. Und die alte schwarze Tüllmütze von der Krämersfrau wartete auch seit drei Tagen. Und Frau Pastor Rott­mann hatte heute aus dem Fenster gerufen:Ma­dam Eggers, Sie muß mir mal wieder meine Fla- düsen richten!"*Na, es war ja gut, daß man zu tun hatte.

Sie trug den ganzen Nahkram an das Fenster, bas Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, und während ihre Augen blitzgeschwind immer ein­mal über Markt und Straße huschten, trennte und nähte sie, lief dazwischen in die Küche, holte das Kohleneisen, plättete die zerdrückten Spitzen, wusch weiße in Seifenlauge und färbte ^warze mit Kaffeesatz auf, steckte zwischen die Krausen der Spitzen gelbe ober violette Schlupfen von ©eiben- banb, unb erst als es so bunkel war, daß sie auch gar nichts mehr sehen konnte, zündete sie das Talg- licht im Messingleuchter an.

Wasne Verschwendung. Nu ich ganz allein beim Licht. Wo dock) fünfe gut von haben könnten. Nu könnt' Fiete doch so fein Latein bei lernen. Aber der kommt ja auch überhaupt nicht wieder."

Unaufhaltsam ging der Faden durch Band unb Tüll und Spitzen und fügte und machte aus allerlei Fludderkram neue Damenhauben. Denn wenn Fiete auf den Pastor studieren sollte, mußte mancher Groschen zusammengetragen werden. Ader für Fiete für ihren Fiete hätte sie stehlen können. Wenn sie auch nicht immer in Einigkeit mit ihm lebte.

Lieber Gott, ja. Man ist ja wie solch braves Huhn, dasne Ente ausgebrütet hat, dachte sie. Und weil sie doch in den geheimsten Gedanke» wirklich keiner belauschen konnte, setzte sie still hinzu:Ente? Nee, Enten sind zu gefräßig und dumm. Ein Schwan! Ein Schwan wird mein Fiete!"

*

Die kleine Schmale gluckste und plätscherte in ihrem Wiesenbett.

Jede blanke Welle hatte ein Goldkettchen umge» hängt. Jeder Kiesel war von einem sprühenden Diamantenring umwirbelt.

Am Ufer drüben, jenseits der Stadtgärten, stand der Sauerampfer rot wie Millionen Granaten gegen den Himmel. Das Sumpfgras flockte dazwischen mit weißen Fähnchen, alle Kuckucksnelken und Butter- blumen hatten Sommerkleider an, und der ganze Rand am Flüßchen war himmelblau von Vergiß« meinnicht. Eine Idylle in reinster Form.

Schmalebecks Wiesen waren berühmt in der gan­zen Marsch.

(Fortsetzung folgt.)

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Der Gederner Augustmarlt am 24. Aug. fallt infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Oberscemen und Wenings aus und findet Mitte September statt. Aäherer Termin wird noch bekanntgegeben.

Der Kramermarkt findet am Sonntag, dem 22. und Dienstag, dem 24. August in seiner althergebrachten Weise statt, wo­zu die verehr!. Einwohner von Gedern und ilmgegenb freundlichst eingeladen werden. G785D

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Wir beabsichtigen Dienstag, den 24. Ls. Mts., vormittags 10 Ahr, das Grummetgras von etwa 11 Morgen, unweit unseres Werkes gelegenen Wiesen, meistbietend zu versteigern. Zusammenkunft an der Fabrik. 6786V

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Vergebung

Im Wege des schriftlichen Angebots sollen die nachstehend aufgeführten Gegen­stände für die Zeit vom 1. Oktober 1926 bis 31. März 1927 vergeben werden:

Ungefähr: 1. 1200 kg Rindfleisch: 2. 2000 kg Rindsnierenfett, roh; 3. roher und geräucherter Speck sowie Wurst nach Bedarf; 4. 1200 kg Schweinefleisch; 5. 600 kg Würstchen; 6. 2000 kg Schweineschmalz, roh; 7. 10 000 Liter Vollmilch; 8. 1500 kg Handkäse; 9. 1500 kg Quark; 10. 2500 kg Bohnen; 11. 2500 kg Viktoria-Erbsen 12. 2500 kg Linsen: 13. 600 Liter Essig: 14. 2500 kg geschälte Gerste; 15. 2000 kg Burma-Reis; 16. 2500 kg Nudeln; 17. 2000 kg Gerstengrütze; 18. 2000 kg Hafer- grütze; 19. 2500 Kg Weizengrieß; 20. 3000 kg Salinen-Kochsalz; 21. 700 kg Malzkaffee; 22. 300 kg Bohnenkaffee, roh; 23. 10 Tonnen Heringe; 24. 30 000 kg Roggenmehl; 25. 18 000 kg Weizenmehl; 26. Weizenmehl 00 nach Bedarf; 27. 200 kg Staubmehl.

Muster sind, von Angeboten getrennt, vorzulegen.

Kostenfreie Angebote sind bis zur Er­öffnungsstunde:

Dienstag, den 14. September 1926, vormittags 10 Uhr, verschlossen und mit der Aufschrift:

Lieferung für die Zellenstrafanstalt" einzureichen. 6771D

Bedingungen für die Bewerbungen und Lieferungen enthält der Ministerialerlaß vorn 16. Juni 1893. Er kann nebst den übrigen allgemeinen und besonderen Be- dingungen werktags zwischen 9 und 11 Uhr vormittags unb zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags auf dem Geschäftszimmer des Oekonom und Arbeitsinspektors einge­sehen werden. Abschriften können gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden. Im Gesuch um Abschrift ist der Lieferungsgegenstand näher zu bezeichnen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Für die Angebote ist ein besonderes Formular vorgeschrieben, das zum Stück­preis von 10 Pfennig von unserer Kanzkti bezogen werden kann.

Butzbach, den 12. August 1926.

Direktion

der Hessischen Zellenftrafanstalt.

BeIanntMirchrrng.

In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Monopol Bcannt- weinvertriebs-Gesellschast mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Die Lignidation ist beendet. Die Firma ist erloschen. 6782C

Gießen, den 17. August 1926. Hessisches Amtsgericht.

Arbestsvergebmlg.

Auf Grund der ministeriellen Beftirn- mungen sollen die Pflaster- unb Lhaus- sierungsarbeiien für den 2. Erweiterungs- bau der Univ.-Hautklinik in Gießen öffentlich vergeben werden. 6788V

Zeichnungen, Bedingungen und Ange­botsvordrucke find auf unserem Zweig­bureau einzusehen, die letzteren zum Selbstkostenpreis, solange Vorrat reicht, erhältlich.

Angebote sind verschlossen und postfrei mit entsprechender Bezeichnung versehen, bis Samsiag, 28. August 1926, vormittags 10 Uhr, bei uns emzureichen, woselbst Er­öffnung in Anwesenheit etwa erschienener Bewcroer erfolgen wird.

Gießen, den 21. August 1926.

Hess.Hochbauamt, Zweigbureau Hautklinik.

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