Füße und verlangt noch obendrein, daß wir ihm dafür sehr untertönigft danken. Wenn er kommt, unsere Eier und unsere Butter aufzuessen, dann leistet er uns damit noch einen besonderen Dienst. Können Sie sich vielleicht vorstellen, daß es in der Ordnung wäre, daß wir sie selost äßen?! Die Geduld des Parisers, der nun einmal gastfreundlich und Weltbürger nach Veranlagung oder Tradition oder aus Beruf ober Interests ist, kommt ganz von selbst dazu, sich geaen alles vertilgende Heuschreckenschwärme aufzuleynen, seine Geduld als Verbraucher ist zu Ende. Wenn die Riviera eine englischamerikanische Kolonie geworden ist, so kann das schließlich nur die Bewohner der Riviera stören, aber alle Pariser können nun wirklich nicht Gastwirte werden, uyd wenn sie dazu gezwungen sind, sich von den Ueberbleibseln zu nähren, die ihnen die Ausländer freundlichst lassen wollen, so ist das die Lebensbedingung einer minderwertigen Rasse. Aber die Pariser bedanken sich dafür/
Dies nur eine Stimme von vielen. Der Artikel wird an der Tatsache als solcher nichts ändern, aber er bleibt höchst charakteristisch für die allgemeine Stimmung, die augenblicklich in Paris herrscht. Die Teuerung wird immer drückender. Wo sind sie geblieben, die guten, billigen, kleinen Kneipen, wo
man für sein gutes billiges Geld gut essen und trinken konnte! An jeder Straßenecke entstehen jetzt sogenannte „Normannische Restaurants", in denen den Dummen, die nicht alle werden, angeblich Nationalgerichte aus der Provinz verabreicht werden, dafür werden aber Preise genommen, die als skandalös bezeichnet werden müssen.
Die guten Plätze in der Oper, den Schauspielhäusern, den Revue-Theatern und Varietes sind nur nod) durch Hotelportiers und Reisebureaus erhältlich. Die Schlafwagen der Internationalen Züge von und nach Paris sind ständig ausverkauft. Ueberall tun sich neue Banken und Wechselstuben auf, so daß die Regierung sich jetzt veranlaßt sieht, sie sehr scharf zu überwachen.
Diese Ausländer-Invasion ist einer der Hauptgründe für die allgemeine Preis st eige- run g. Der kleine Beamte, die Festbesoldeten, stehen dieser fortgesetzten Entwertung des Franken zähneknirschend und verbittert gegenüber. Die Frauen drängen sich zu den Ausverkäufen in den großen Warenhäusern in der Hoffnung, hier etwas vorteilhafter sich eindecken zu können, denn sie müssen mit jedem Sou rechnen und lassen lieber zwei oder drei Straßenbahnen oder Autobusie mit leeren Plätzen in der ersten Klasse vorbeifahren und warten, bis
sie einen Platz in der billigen 2. Klasse finden. Alles wendet sich mehr der Untergrundbahn als dem billigsten Beförderungsmitel zu. Allein im Monat Klärt hat die Metro infolgedessen 1745 500 Fahrgäste mehr befördert als im März des Vorjahres.
Eine Beamtenkundgebung folgt der anderen. Viel zu spät hat die Regierung erst jetzt die Einsetzung von Kommissionen beschlossen, die sich mit der Aufbesserung der Beamtengehälter befassen sollen. Nach Zeitungsberichten ist es dem Kriegsministerium bekannt, daß Offiziere der Garnison Paris, und zwar — wie z. B. der französische Journalist Jean-Louis Marceleau ausdrücklich feststellt — Hauptleute und Leutnants der Kriegsschule, nachts als Chauffeure und Wagenputzer tätig sind, weil sie bei der heutigen Lebensteuerung von ihrem ungenügenden Gehalt nicht mehr leben können. Augenblicklich sind — wie der Journalist weiter bekannt gibt — drei Offiziere vom 31. Infanterie-Regiment jeden Abend als Packer in einem großen Warenhaus tätig, ein anderer Offizier tritt als Kapellmeister im Montmartre- Viertel auf.
Den übrigen Beamten geht es nicht besser. Eine eingehende Statistik aus den Nöten und Sorgen des Richterstandes hat in dieser Beziehung unlängst die unglaublichsten Einzelheiten veröffentlicht.
Turnen, Sport und Spiel.
Die tägliche Turnstunde.
Don Dr. Carl Diem.
Schon Guts Muths, der Dater aller heutigen Körpererziehung, hat 1797 in seinem Buch „Ghm- naftif für die Fugend" darauf gedrungen, daß „Öle Fugend während der ganzen Schulzeit und auch späterhin wenigstens eine Stunde täglich Erperlich geübt werde" Das Fahrhundert nach ihm hat nun zwar die vollkommene staatliche Äeberwachung und Regelung des Schulwesens gebracht, die Forderung von Guts Muths aber nicht erfüllt.
Wie ist das zu erklären? Meines Erachtens mir so. daß das Turnen immer noch lediglich als technisches Fach bewertet wird. Die leitenden Beamten unserer Änterrichtsverwaltungen haben an ihrem eigenen Körper die Folgen einer vollkommenen wrperlichen Erziehung nicht verspürt und vermögen daher den Bildungswert nicht zu übersehen. Für den Umkreis der körperlichen Wirkungen fehlt es an hygienischer Einsicht, über die Bedeutung der Wirkungen auf Charakter ünd Seele fehlt es an praktischer Erfahrung, über die Wirkungen auf den Geist fehlt es an dem Studium der Philosophen.
Der Entwicklungsnutzen der körperlichen Bewegung wird in den Lebensaltern nicht immer gleich sein. Selbst der Aeltere und Aelteste rann noch seine Muskeln bilden, seinen Rumpf aufrichten. Der Haupterfolg entsteht jedoch in der Zett der höchsten Wachstumskräfte. Trifft auf sie der höchste Wachstumsanreiz, so entwickelt der Körper alle ihm in der Erbanlage überkommenen Möglichkeiten. Die Zeit der höchsten Wachstumskräste ist die Zeit der höchsten Turnpflicht, und darum brauchen wir eine tägliche Turnstunde vom sechsten bis zum zwanzigsten Lebensjahr. Das bedeutet den täglichen Turnunterricht in allen Schulen und eine möglichst tägliche Erperliche Unterweisung in den Fortbildungsschulen.
Die Entwicklungszeit nach der Reife entscheidet die Zukunft des Menschen und darum auch den Bestand und die Kraft der Ration. Hier ist die große Aufgabe, die sich zum höchsten entfaltenden Wachstumskräfte durch entsprechende starke Reizwirkungen in die richtigen Bahnen zu lenken, d. h. das Längenwachstum in ein Brei- . tenwachstum zu führen. Darum ist die tägliche Turnstunde in der Teit der Geschlechtsreife dop- f Pelt notwendig. Unö dreifach notwendig ist sie bei allerf Schwächlichen, dreimal bei allen Armen. ► die schlecht genährt sind; denn Leibesübung führt eine bessere Ausnutzung auch des geringwertigen Nährstoffes herbei. Licht. Luft, Wasser und Bewegung sind eben Wachstumsreize. Die tägliche Körperübung in neuzeitlicher Form wird vor allem die Organkräfte des Körpers stählen. Mit zwei Wochenturnstunden läßt sich vielleicht manche Turnübung erlernen, aber ein Einfluß auf Herz ünd Lunge nicht erzielen. Ohne die Kraft des Herzens aber keine Kraft der Seele und des Derstandes. Die Fuaend muß zur geeigneten Zeit das Glücksgefühl des vollgeübten, durch keine Reizmittel geschwächten Körpers zum Bewußtsein kommen, und sie wirb diesen Genuß dann den anderen vorziehen.
Die tägliche Turnstunde soll aber nicht nur des Körpers, seiner Entwicklung und seiner Haltung wegen eingeführt werden, sondern sie ist auch ein Mittel zur Erziehung des ganzen Menschen, zur Entfaltung feiner sittlichen und feiner geistigen Kräfte. Der Körper ist Grundlage und Ausdruck der Persönlichkeit, und mit dem Körper gestalten wir auch den Charakter des Menschen. Leibesübungen schärfen die Sinne, sie erwecken Mut, Selbständigkeit. Geistesgegenwart, Entschlußkraft, Willensstärke, Einordnung, sie vertiefen und entspannen den Menschen.
Wegen der Abtretung von vier geisteswissenschaftlichen Stunden zugunsten des Turnens braucht ein Rückgang der deutschen Geisteshöhe nicht befürchtet zu werden. Die Zeit für die tägliche Turnstunde läßt sich finden, indem andere Fächer zurückstehen. Spielnachmittag und Wandertag müssen natürlich über die tägliche Turnstunde hinaus bestehen bleiben. Für die Frage der Turnstunden-Dermehrung bedarf es keiner Der- handlung mit dem Finanzministerium, denn sie erfordert keine Mehrkosten. Lediglich die turnerische Fortbildung der Lehrerschaft wird gewisser Mittel benötigen, ebenso die Gleichstellung der Turnlehrer in Ausbildung und Bezahlung mit den wissenschaftlichen Lehrern. Größere einmalige Kosten erfordert dagegen die Vermehrung der Turnhallen und ^lebungsplähe. Die finanzielle Folge der täglichen Turnstunde ist also übersehbar. Fhre Einführung bedeutet einen wichtigen Schritt zur Steigerung der Volksgesundheit, zur Verbesserung der Volkskraft, zur Verminderung der Soziallasten.
Fußball.
Um die deutsche Meisterschaft.
Die am letzten Sonntag ausgetragenen acht Spiele der Vorrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft sind — wie in jedem Jahr — nickt ohne Ueberraschungen geblieben. Wenn man die Namen der ausgejchiedenen Vereine und ihre Leistungen in den letzten Monaten betrautet, muß man sogar feststellen, daß es ganz große Ueberraschungen gewesen sind.
Bayern München, die überragende süddeutsche Meistermannschaft, die einen schußgewal- tigen Sturm Ihr eigen nennt, und die in den Endspielen um die süddeutschen Meisterschaften ihre Gegner zum größten Teil mit Klassenunterschied besiegte, vermochte gegen den Zweiten in der mitteldeutschen Meisterschaft, Fortuna Leipzig, nicht ein einziges Tor zu erzielen, und schoß noch zum Unglück zwei Elfmeterbälle daneben. Gerade dieses Treffen bewies, welche schweren Anforderungen an die Teilnehmer der Bundes-Endsviele gestellt werden, und wie sehr Süddeutschlands Meister heißer Favorit für die deutsche Meisterschaft, die Nerven verloren haben mag.
Auch der Dresdener Sportclub, der wegen seiner großen Form bei den Verbandskämpfen, die er in privaten Kämpfen mit den stärksten deutschen Vereinen unterstrich, unterlag gegen Breslau 08, wenn auch mit den knappsten aller Ergebnisse, 0:1. Vielleicht wird er als Entschuldigung das durch Krankheit bedingte Fehlen seines überragenden Mittelläufers Köhler anführen. Diesen Grund
kann man aber nicht gelten lasten, denn eine Mannschaft, die sich nur auf einen Mann aufbaut, hat keine Berechtigung für oen Endsieg in einem so heiß umstrittenen Titelkampf.
Die dritte Ueberraschung ist das völlige Ausscheiden der drei we st deutschen Vertrete r, von denen noch dazu zwei: Duisburger Spielverein gegen Hamburger Sportverein und V. f. R. Köln gegen Norden-Nordwest Berlin, auf eigenen Plätzen verloren. Der dritte westdeutsche Verein, B. V. Altenessen, unterlag nicht unerwartet gegen die kampferprobte Mannschaft des F. S. V. Frankfurt, die schon in früheren Jahren Proben ihres Könnens gab und zu kämpfen versteht.
Norddeutschland behielt — ebenso wie Berlin — auch den zweiten Vertreter in der Meisterkonkurrenz, denn Holstein Kiel fertigte den Zweiten des Baltenverbandes hoch mit 8:2 ab. Daß die Balten schon in der Vorrunde ganz ausscheiden würden, ist programmgemäß: ihr Meister D. f. B. Königsberg hatte gegen den Berliner Meister Hertha-B. S. C. auch keinen Augenblick eine Siegeschance. Ihr ganz überragender Torwart Gehlhaar, der in Technik, Taktik und Stil allererste internationale Klasse ist, kann allein den Erfolg auch nicht herausholen.
Bleibt noch die letzte Begegnung zwischen der Spielvereinigung Fürth un dder Forster Victoria, welche die ersteren mit 5:0 siegreich gestalten konnten. Die harten Verbandskämpfe scheinen den Südostdeutschen den' wertvollsten Teil ihrer Kräfte genommen zu haben.
Nach diesem gar nicht programmgemäßen Ausgang der Vorrunde erhob sich die große Frage: „Was nun?" Alle Voraussetzungen für die Zwischenrunde sind über den Haufen geworfen. Gemäß Bundesbeschlüssen sollen in den Vorrunden die Mannschaften des gleichen Landesverbandes tunlichst nicht zusammenkommen. Außerdem sollen die Mannschaften, welche im ersten Spiel gereift sind, in der zweiten Runde auf eigenen Plätzen antreten und umgekehrt. Nun haben sechs Mannschaften, die am Heimatort spielten, unb nur zwei reisende Mannschaften gewonnen, so daß die Paarung für die Zwiscyenrunde nicht ganz einfach ist.
Zum Schluß die Frage: „Wer bleibt nach diesem Ausgang der Vorrunde Favorit, für den deutschen Meistertitel? Etwa die Sp. Vg. Fürth der deutsche Meister 1914, ober Holstein Kiel, der Meister 1913, oder der Hamburger Spv., der Meister 1923, oder die früheren Kämpfer in der Meisterschaft Hertha B. S. C., Frankfurter F. V. mit Norden-Nordwest, oder etwa gar die Neulinge in der solche Nervenkraft erfordernden Konkurenz Fortuna Leipzig und Breslau 08? Uns erscheinen die Aussichten in der Reihenfolge Fürth, Hertha-B. S. C., Holstein, Hamburger S. V am besten zum Ausdruck gebracht. Warten wir den 30. Mai ab, der die zweite Vorunde bringen soll.
*
Wie wir erfahren, spielen in der Zwischenrunde:
Hamburger Sportverein gegen Fortuna Leipzig in Hamburg.
Norden-Nord-West gegen Holstein Kiel in Berlin, Fußball-Sportverein Frankfurt a. M. gegen Hertha Berlin in Nürnberg.
Spielvereinigung Fürth gegen Breslauer Sportclub 08 in Leipzig.
Das Geschenk.
Skizze von Johannes Heinrich B r a a ch.
Die Ananasernte war abgeliefert, Stephan unb Franz Kirborf faßen zusammen unb überschlugen den Gewinn.
„Es reicht!" sagte Stephan. „Dieses Jahr kann einer hinüber."
,Lum erstenmal", trauerte ber Bruber.
„Es war unser höchster Wunsch", munterte ber anbere. „Die Erfüllung fällt spät, aber sie kommt. Jetzt ber eine, nach dem nächsten Einbringen ber zweite."
„Du führst zuerst!" befahl Franz.
„Weil ich ber Aeltere bin? Sind wir Knaben? Bei benen machen achtzehn Monate eine Welt aus. Mit dreißig Jahren beginnt sich das auszugleichen, und wenn man über die sechzig geschritten ist, weiß man von keinem Unterschiede mehr. Nimm's Kartenspiel — wer die meisten Augen erwischt, macht sich auf den Weg."
Der Bruder kramte in einer tannenen Truhe, fand das Ueberbleibsel ihrer Auswandererzeit und blätterte es über den Tisch. Die Hände zitterten, als sie zugriffen. Dem Jüngeren wurde das Glück. Franz zog eine Eichel Daus, Stephan eine Schellen Unter.
Ein Unalücksfall setzte sich drohend zwischen Plan und Ausführung. Stephan geriet beim Holzfahren unter den Wagen unb verlor einen Fuß. Es bauerte Wochen, bis ber Greis roieber soweit hergestellt war, baß er auf Krücken durchs Haus humpeln konnte. Franz wollte ihn nicht verlassen, aber der Kranke drang daraus.
„Einer von uns muß hinüber. Ich kann nicht mehr. Auf Stöcken ins Vaterhaus treten, hier um Hilfe bitten, dort um Handreichungen, da um Gefälligkeiten — nein, nein. Die Hoffnung ist für mich vorbei, es bleibt bei der Sehnsucht."
„Deine Kraft hat den neuen Boden gewonnen und der läßt dich jetzt nicht los", überlegte unb tröstete Franz.
„Mag sein," nickte ber Bruber, „aber zum letzten Male: Du fährst."
Es blieb babel. —
Nach ber Heimat zu reifen, war das Begehren ihres Lebens. Um bie achtziger Jahre waren die Brüder mit jenen Gaukelbildern des Erfolges, bie alle Auswanberer locken, nach Amerika geschifft und vom Schicksal getrieben worden wie Segelsamen des Löwenzahns vom Winde. Nach ber Jahrhundett- wenbe gelang es, festen Fuß zu fassen und erworde- nes Sieblungslanb ertragfähig zu gestatten. Aber jetzt erst machten sich Mühe und Sorge so reichlich bezahlt, baß eine Reise nach Europa nicht als Ver- schwenbung aufgesaßt werben konnte.
Vor ber Zett ber Felderbestellung, kam Franz zurück, hockte sich in bie Stube zu Stephan unb erzählte von jebem Schritt, ben er gegangen, von jedem Menschen, den er getroffen und von jeder Stunde, die ihm die Reise beschert. Erzählte von der Gustelbas, die 90 Jahre buckelte, von dem Jüngstbruder Ferdinand, der auf ihrem Büttnerhofe saß, von den Wiesen am Liesch, dem Hardter Hang, den man abgerodet und zu Aeckern gemacht hatte, von Schneiders Christian, der ein Söffer, und von Künzels Elfriede, die eine Grobische geworden war.
„Hast du mir etwas mitgebracht?" frug Stephan die alte Menschenfrage. „3m Alter wird man kindisch. Die ganzen Monate habe ich daran denken müssen, was wohl der Franz mir armseligem Krüppel als Andenken von seiner Reise schenien wird."
Der Bruder lächelte. „Du weißt nicht, welche Sorge ich mir darum gemacht habe. Was ich erwog, wie ich auch suchte, das Rechte zu finden, es wollte nicht gelingen Dann ging ich einmal von dem Thor- stenerhofe über die Weidefluren nach Haufe. Und wie die Heimat so schön vor mir lag, in erster Frühlingsbuntheit der weite Wald, die Felder gepflügt, auf den Wiesen Schaumkraut und Maßliebchen, an der Bachkrümmung das Dorf, leichter Rauch über seinen roten Dächern — na ... und da ... da hatte ich dein Geschenk."
„Ich wette, ein Bild", lachte Stephan.
Franz antwortete nicht, schnürte den Koffer auf unb entnahm ihm ein Bünbel.
„Es ist aus unferm Eigen — unb wenn es bir nicht gefällt, kannst bu es mir an ben Kopf werfen."
Er ließ ben Bruber allein. Der löste bie Knoten ber Bänder unb legte Leinentücher auseinander.
Trockener Krum bröckelte beim Auseinanderfalten heraus — dann lag das Mitgebrachte vor ihm: braune, weiche Erde, Ackererde — Erde der Heimat.
Als Stephan die erste Erschütterung bezwungen hatte, grub er bie Hänbe in bas seltsame Geschenk, beugte bie Stirn barauf und weinte sein Heimweh hinein.
Vortragsabend Robert Schneider.
Der Goethe-Danö hatte sich den Darmstädter Dialektschriststeller Robert Schneider zu Gast geladen, der mit einer Vorlesung seiner hessischen Mundartgedichle dem bemerkenswert zahlreich erschienenen Auditvriunt eine erfrischend fröhliche Abendstunde bereitete. Schneider begann mit einem kurzen Einleitungsvortrag über Wesen und Wert der Mundart überhaupt, deren Bedeutung er gleichsam in der Funktion jener berühmten roten Blutkörperchen erkannte, die berufen seien, dem Sprach-Leib der hochdeutschen Muttersprache die Frische zu erhalten und neues Leben zuzubringen. Die Mundart und insbesondere die Mundartdichtung müsse aus ihrer unverdienten Aschenbrödelrolle erlöst werden und eine dauernde Pflege- und Heimstätte in Familie und Schule, auf dem Theater und in der Presse behaupten, die sie verdiene als aufrichtige, warme und unverdorbene Sprache des Herzens: ohne Mundart keine Heimat, ohne Heimat kein Vaterland! — Die eigentliche Vorlesung begann mit den ebenso ostenherzigen, wie humorvollen Versen „Bekenntnis"; die Dialektdichtung ist ja ost und gern ein Kind gerade der heiteren Muse. Derb- kräfttge, urwüchsig-behagliche Fröhlichkeit nimmt denn auch in Schneiders Gedichten (zum mindesten in den hier gebotenen Proben) den breitesten Raum ein: etwa in den luftigen Versen „Mein Schädel", die sich einem grimmigen Humor für die Feuerbestattung einsehen; „wann ichs erleb, do loh ich mich verbrenne". Auch in einer erstaunlichen Geisterbeschwörung zu GhrenDichard Wagners und verschiedeittlichen Frühlingsgedichten mit einer ungemein anschaulichen Schilderung
HandbaÄ und Fuhball in der D. T. Ergebnis ber Zwischenrunden um bie Meisterschaft in ben Winterspielen der D. T.
— Die Spiele in Heidelberg am Sonntag brachten folgende Ergebnisse:
Handball, Männer: Tgf. Stuttgart—Tv. Seckbach 5:2. Tv. Emden — Polizei Rastatt 5:9. Entscheidung: Rastatt—Stuttgart 2:2 nach Verlängerung. Ein zweites Entscheidungsspiel muß am 30. Mai in Eßlingen stattfinden.
Handball, Frauen: Eintracht Frankfurt— Mtv. Stuttgart 6:0. Entscheidung: Eintracht Frankfurt—Tel. Hannover 1:0.
Fußball: Mtv. Fürth—Fortuna Dortmund 2:0. Tv. 1846 Mannheim—Vater Jahn Peine 1:3. Entscheidung: Peine—Fürth 4:5.
lieber die Spiele in Berlin haben wir bereits berichtet.
Die Entscheidungen, das heißt die Meisterschafts- endspiele, finden am 5. unb 6. Juni in 111 m statt. Dabei treten an:
Handball, Männer: Tgf. Stuttgart oder Polizei Rastatt gegen To. 1860 Spandau.
Handball, Frauen: Eintracht Frankfurt— Tv. Barmbeck Uhlenhorst.
Fußball: Mtv. Fürth gegen. Id. Hamburg- Rothenburgsort.
Radsport.' "
Südbezirk au 73 Lahn
* Wißmar, 18. Mai. Am Sonntag sand bas Rennen des Südbezirkes Gau 73 LahN über 100 Kilometer „Rund durchs mittlere Lahntal" statt. Die vorgesehene Strecke Wißmar— Wetzlar—Gießen—Marburg mußte umständehalber noch im letzten Moment verlegt werden. Der Start war zwischen Wißmar unb Gießen. Die Fahrt führte von hier über Gießen nach Marburg unb zurück. Die Strecke mußte zweimal durchfahren werden. Der Starter, Bezirksstraßenfahrwart Rein (Wißmar), entließ um 8.20 Uhr von den 40 gemeldeten Fahrern 25, nachdem mit fünf Minuten Vorgabe zwei Altersfahret auf bie 10Ö km lange Reise geschickt worben waren. Nach abwechslungsreichem Verlauf des Rennens erschien zuletzt Deibel (Gießen) immer klarer allein an der Spitze. Die Ergebnisie des Rennens sistd folgende:
1. Deibel, R.-V. 1885 Gießen, 3:38,45 Stunden; 2. Lauf, Limburg, 3:44; 3. Göbel, Limburg, 3:51; 4. Becht, Wetzlar, 3:53; Klar, Germania Wißmar, 3:58; 6. Volz, Germania Gießen, 4:00,30; 7. R e e h, Krofdorf, 4.-02; 8. G r a e- f e r, Fortuna Gießen, 4:02,45; 9. Schaardt, R.-D. 1885 Gießen, 4:11; 10. H e ß, R.-V. 1885 Gießen, 4:11,15; 11. Appel, R.-D. 1885 Gießen. 4:14 Stunden.
Tennis.
Gießener Tenniselub 1922 - Tenniselub Alemannia-Worms.
Am Sonntag traf die erste Turniermann- fchaft des Gießener Tennisclubs in der zweiten Vorrunde der „Medenfpiele" auf die spielstarke Mannschaft des Wormser Clubs Alemannia, nachdem die Wormser am Vormittag in der ersten Vorrunde den Marburger TenniSelÜb mühelos mit 5:2 abgefertigt hatten. Die drei Einzelspiele der Gießener Kirchner, Hamann und Dr. Dönges gegen die Wormser Sieber, Rosenbusch und Max wurden von GieheN in schönem Stil gewonnen, wobei zu erwähnen^ ist, daß sich besonders Hamann in guter Form befand. Die drei weiteren Einzelspiele der Gießener Roller, Müller und Roll gegen die Wor: 'er Herren gingen verloren. Roller, der in letzter Stunde für den erkrankten Dr. Fischer, Gießen, einspringen mußte und fast ohne Training war, schlug sich anerkennend gegen den an erster Stel'e spielenden Wormser. Die Doppelspiele der Gießener Roller-Müller und Roll-Kirchner gingen für Gießen verloren, während das Doppelspiel Dr. Dönges-Hamann gegen Worms wegen ein- setzenden Platzregens bei einem für Gießen führenden Stand abgebrochen werden mußte. Das Gesamtrefultat stellt sich somit auf 5:3 zugunsten von Worms. ck
Was die Mrtage bringen.
Turn-Verein v. 1848.
Die Hanbballelf bes To. v. 1846 hat für Pfingstmontag T o. 18 2 4 Offenbach zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet. Das Spiel finbet auf bem Walbsportplatz bes Vereins für Bewegungsspiele statt. Offenbach als sübbeutsche Klasse besitzt eine ausgezeichnete Spielstärke, so baß ein Hatter Kampf zu erwarten ist.
der Ostertage in der näheren und ferneren Umgebung der Ludwigshöhe und des Großen Woog. Selbst das Andenken Goethes und seiner empfindsamen Darmstädter Zeit wurde beschworen, und in der Tat: der hessische „Erlkönig" erntete ungetrübte Heiterkeit. Dazwischen ein Prosastück, das mit ausmalender Situationskomik „verzehlt", wie — anno dazumal, Dorrn Krieg — d er Metzger- meister Brihinkel in Abwesenheit seiner bildungsbeflissenen Ehehälfte „Pesfernih" bäckt. Auch die Geschichte der Fliegerei in trockenen Darmstädter Reimen war sehr erheiternd. Der Vortragende verabschiedete sich mit e.nmn herzhaften und hoffnungsfrohen Ausblick in e'.ne neue und bessere deutsche Zukunft. Mit diesem „Unb doch!" wurde der unterhaltsame und dankbar aufgenommene Vottragsabend trefflich beschlossen. —y^-
Frankfurler Theater.
3m Reuen Theater feierte ein lieber Gast Wiedersehen mit Frankfurt — Poldi Sangora. Jahve hindurch mit dem Frankfurter Kunstleben aufs engfte und aktivste verknüpft, erscheint sie nach langer Abwesenheit wieder auf den Frankfutter Brettern, umjubelt von ihren Getreuen. Diese charmante, immer kernige Künstlerin ist ganz die Alte, in dieseNt Falle ganz die Junge geblieben. Sie spielt eine junge Wittfrau (in Hans Alfred Kihns vier- afüget, Volksstückhafter Komödie „Meiseken", die eine ber nicht übermäßig zahlreichen Hoffnungen des neudeutschen Dramas bedeutet) mit so viel chatakt eris ierender ßebenbigFeit, daß man seine Helle Freude hatte. Der Abend zeitigte! ein selten gutes Zusammenspiel unter der famosen Regie Alois Großmanns (köstlich als 94jähriger, verliehener Grohonkel MeisekeN). Sämtliche Darsteller, Lengbach, Scherzet, Kowarzik, Kaiser, Hube und Charl. Berlow, schufen ausgezeichnete Typen. Der Anblick Poldi Sangoras, wie der ganze Abend, war sehr vergnüglich. Das Publlkmn lachte und klatschte nach Herzenslust. —• t
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