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Begleiterscheinung der Nachkriegszeit. Durch Lei- itvmg eines (KenieindezuschusscS wurde der Weiterbestand der Poslhilfsstelle gesichert. Ein Gedenkstein für die Gefallenen konnte durch die Unterstützung der Gemeinde errichtet werden. Sarge stellte die Gemeinde zum Selbstkostenpreis. Ein Leichenwagen für die Gemeinde wurde be- ichafst, was bei der räumliclren Nusdehnung der Gemeinde ein dringendes Erfordernis war. Eine ^uhrwerlswage kam zur Aufstellung. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Aufzählungen die laufenden Gemeindeangelegenheiten. Anschlie- stend hieran wurden die Ausschüsse und Kom­missionen gewählt.

> Holzheim, 20.Jan. Der Gesangverein H armonic hielt bei Gastwirt Eames seine Gene, raloersammlüng ab. Nach dem Vortrage einiger Lieder und der Begrüßung durch den l.Dor- sitzenden. W. Klee, erstattete Schriftführer Den- Hardt den Jahresbericht. Wie aus diesem hervor­ging, war das Jahr 1925 von ganz besonderer Be­deutung für den Verein, konnte er doch im Mai seine Fahnenweihe begehen. Auch im Singen kann der Verein auf schöne Erfolge zurückblicken. Der Kassen­bericht des Rechners Karl Jung ergab ebenfalls ein recht erfreuliches Bild., Anschließend erfolgte die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes: das Amt des 2. Vorsitzenden ging auf Heinrich Jung über. Schon lange machte sich im Verein der Wunsch nach einer größeren, gemeinsamen Wanderung geltend. Die Versammlung kam deshalb zu dem Beschluß, zu Pfingsten dieses Jahres eine R h e i n t o u r zu unternehmen. Um den Mitgliedern die Beteiligung an der Reise zu erleichtern, wurde eine Reise lasse gegründet. Jetern Mitglied wurde zur Pflicht gemacht, allwöchentlich von setzt bis Pfingsten 50 Pf. einzuzahlen. Man hofft mit der dadurch auf- kommenden oiirnmc alle Kosten der Fahrt bestreiten zu können. Der 1. Vorsitzende schloß die Versamm­lung mit warmen Dankesworten an den Dirigenten, Herrn Sarnes, und mit der Aufforderung an die Mitglieder, auch weiterhin an der Pflege und Für. derung des deutschen Männergesanges mitzu­arbeiten.

t Grünbcra, 19. Jan. Gemeinderat. Die acht neugewähnen Gemeinderatsmitglieder, die Herren Großhaus, Frank, Rühl, Weber, Römer, Roth, Zinßer und Haas wurden nach einer von Bürgertneister I ö ck e l gehaltenen Ansprache durch Handschlag verpflichtet. Sodann wurden die Kommissionen gebildet. Als Kontrolleur für 1926 wurde Gemeinderat Böß bestimmt. Die Genehmigung zum Ankauf eines Vogelsberger Bullen wurde erteilt. Das Gesuch des Heinrich A m e n d um Anbringung eines Tanks wurde unter der Bedingung genehmigt, daß die Anlage auf (ein Eigentum zu stehen kommt. Die Eingabe des Magsttrats U e t e r s e n in Jolstein um eine Bei­hilfe von 1 Pf. pro Einwohner für den durch ein Unwetter verursachten Schaden wurde abgelehnt, da Hessen selbst durch Ueberschwemmunqen gelitten hüt und der Beihilfe bedarf. Das Gesuch des Herrn Walldorf« Gießen um Verlegung des Gallus Marktes anstatt Mittwoch und Don­nerstag auf Montag und Dienstag, weil den Schau­stellern durch Abbrechen, Verladen usw. zwei Sonn­tage verloren gingen, wurde abgelehnt.

X Langd. 20. Jan. Im Gegensatz zu der all­seits vorhandenen Arbeitsnot haben wir erfreu- Uchectoeise in unserem Dorfe nicht einen Ar­beitslosen. Die infolge Umbaues der Betriebs- anlagen auf dein nahegelegenen Buderusschen EisensteinbergwerkHeckenwald" dort vor einiger Zeit entlaßenen Arbeiter sind, nachdem der Umbau nunmehr erledigt ist. wieder eingestellt worden. . Außerdem sind 46 Arbeiter in den Waldungen mit Holzfällen beschäftigt.

1 Kreis Büdingen.

F * Büdingen, 20. Jan. 3m benachbarten Büches fand im Saale von Gastwirt Meyer die * diesjährige ordentliche Kreiskonferenz des Kreises Büdingen vom Reichsbunde der Kriegsbeschädigten bei gutem Besuch aus allen Teilen des Streifes statt. Unterbezirkssekre­tär Benner aus Gießen beleuchtete in fast ein» stündiger Rede den derzeitigen Stand der Ver­sorgung der Kriegsopfer. Bei der Neuwahl des »Vorstandes wurden folgende Kameradinnen und Kameraden wieder- bzw. neugewählt: Zum 1. Vor­sitzenden Eisenbahnassistem Gilbert- Bleichen­bach, 2. Vorsitzender Adolf Schneider- Baben­hausen I., zu Beisitzern: Lehrer Müller- Ran­stadt, Frau Wiesner-Ranstadt, Strickereibe­sitzer Konrad- Bergheim, Landwirt Gast- Xian- genbergheim, Feldschütz Hebbel- Ortenberg, Kreis-

Sein oder Nichtsein.

Lin Kriminalroman von der Wasserkante.

Von Moritz Schäfer.

I.

Thomas Lorenzen in der allen wackeren See­stadt Rostock war ein kleiner Bankier gewesen, bis ihn die Hochkonjunktur der Nachkriegszeit zum großen mochte. Lorenzen spekulierte viel in De­visen, war vom Dollar begnadet und wunderte sich, wie das mit dem Reichwerden über Nacht kommen könne. Denn für ein Genie hielt sich der gute Tho­mas selbst nicht. Mit seinen vierzig Jahren, seiner breiten mecklenburgischen Stirn und seinem ge­drungenen, fast viereckig anmutenben Gliederbau sah "er einem biederen Landwirt vom Typ der soge­nanntenErbpächter" ähnlicher als einem Geld- menschen, aber ein Zug von Energie, der aus sei­nem glatt rasierten, wetterfesten Gesichte sprach, redete von Unternehmungslust und Draufgänger­tum.

Allerdings tarn diese Energie meist nur bann zum Durchbruch, wenn eine kritische Situation ent- scheibende Entschlossenheit verlangte. Im übrigen war Lorenzen von seinem mecklenburgischen Blut beherrscht; vertrauensvoll und von einfacher, grund­ehrlicher Denkweise, reich an Gemüt und da, wo einmal der Bann der Zurückhaltung gebrochen war, starker, ausdauernder Freundschaft fähig.

Elegant war Thomas nie gewesen. Das lag leincr ganzen Natur nicht, es lag auch nicht dem städtischen Rahmen, der sein Porträt umfing. Rostock atmet die ruhiye, solide Eigenart der meck­lenburgischen Küste, bte höchstens in dem Kranz rasch ausgeblühter Seebäder zur Sommerszeit ein wenig Politur annimmt. Als aber Lorenzen reich geworden war, und sein Nams zu klingen be­gann, besann er sich auf die Pflichten der Repräsen­tation. Er zwängte seinen klobigen Korvns in Klei­ber, bie er sich in Berlin unfertigen ließ, kaufte sich eine Villa in der Steintorvorstadt und suchte sich eine neue Gattin, bie seinen Salon würbiy reprä­sentierte. Thomas war nämlich Witwer. Seme erste Frau, bie Tochter eines Schweriner Getreibegroß- Händlers, war kurz nach Kriegsausbruch gestorben. Frau Hermine Lorenzen, geborene Wattenscheid, war eine schlichte, einfach'» Fran gewesen, voller

kassenassiftent M ö l l - Büdingen und Fran Ang. Jäger-Ranstadt. Es wurde beschlossen, bi» nächste ÄreisfonfereiB Anfang April wiederum in Büches abzuhalten, da dieser infolge seiner Lage der günstigste im Kreise sein dürfte. Unter Verschiedenes wurde nochamls der organisatorische Ausbau in 1926 besprochen.

Büdingen, 20. Ian. Gestern fand hier im .Rathaustaale eine Versammlung des Vereins der Bürgermeister des Kreises V ü - dingen statt, wozu fast sämtliche Mitglieder erschienen waren. SVr Vorsitzende, Bürgermeister Fendt von hier, richtete herzliche Brgrüßungs- Worte an die Geschienenen und leitete die Ver­handlungen. Diese befaßten sich mit der Einrich­tung des Koch Unterrichts in den Fort­bildungsschulen, der F ü r s v r g e k a s s e für gemeindlich? Beamten, den Beitr'ägen der waldbesitzenden Gemeinden und den W a 1 d v e r m c s s u n g s a r b e i t e n. Weiter wurde über die Verhandlungen des Land­gemeindetags, der im September v. I. in Frank­furt a. M. stattgesunden hatte, ausführlicher Be­richt aftaltet. Mit großem Bedauern nahmen die Mitglieder die Erklärung des Vorsitzenden, daß er dieses Amt nicht mehr weiter führen könne, entgegen. In Anerkennung der großen Verdienste des Herrn Fendt um den Verein wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und als fein Aachfolgeb Bürgermeistcr Albrecht von »Dü­delsheim zum neuen Vorsitzenden gewählt.

ch. Nidda, 20. Jan. Am Samstag hatte der Sportklub Viktoria 1912 Nidda seine Mitglieder, Freunde und Gönner in den Gamdri- nussaal geladen, um im Kreise der Niddaer Sport- gemeinde seinen Familie nab end zu halten. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Thomas, der in eindringlicher Weise von der Bedeutung des Abends sprach, folgte nach beifällig aufgenommenen Musikvorträgen bat. Glanzstück des AbendsDer G l a s s ch r a n f", Lokalposse in Darmstädter Mundart von Rüthlein. Die Darbie­tung war gut und der Beifall wohlverdient. Die Worte des 2. Vorsitzenden, etubienrat Lauck- I) a r b t, der auf die Bedeutung von Spiel und Sport für die Allgemeinheit hinwies, fanden eben­falls allerseits Anerkennung.

Aus bem Ülibbatal, 20. Jan. Die neuerbings niebergegangenen Schneemalfen erschweren ungemein bie Holzhnueraroeit im Walbe. Die Anmarschwege, die für manche Rotte dis zu lj Wegstunden erfordern, sind ver­schneit und beschwerlich. Es vergehen läge, bis eine leibliche Spur getreten, die weniger beim Gehen ermüdet. Auch die eigentliche Arbeit im Walde verzögert sich unter der Einwirkung des Schnees. Das von der H o l z i n b u ft r i e bereits erworbene B u ch e n st a m m h o fz. das sofort ver­arbeitet werden sollte, um die Arbeiter beschäftigen zu können, kann des hohen Schnees wegen nicht abgefahren werden. Auch das Losholz, das mancherorts schon heimgefahren, konnte noch nicht zugewieseit werden. In den B a s a l t st e i n b r ü - ch e n , die während der Winterzeit weitergearbeitet, ist gleichfalls der Schnee sehr hinderlich und erschwert das Arbeiten. Die Staff elfdje Papierfabrik, die gegen 100 Arbeitskräfte be­schäftigt, hat infolge wirtschaftlicher Notlage ihren Betrieb auf unbestimmte Zeit still­gelegt.

... Blofeld. 20. Jan. Die altgerma­nische Gerichts st ätte im WalddistriktDer Wilden Frau Gestühl" ist jetzt auf Anordnung des Hess Forstamtes Bingenheim wieder schön herge stellt. Der mächtige, längliche Dasaltblock. die viersitzige Richterbank, ist von Strauchwerk u dgl. frei gemacht und mit einer Erdbank umgeben, auf dem Aichlplatze selbst ist eine Linde gepflanzt Reihenweise gepflanzte Fichtchen säumen die historische Stätte ein. Von der längs durch den Fichtenwald hinziehenden Schneise biegt ein Weg ab (etwa noch 100 Meter bis zu genanntem Platze), an dessen Einbiegung ein Eichenpsostcn mit Orientierungstafel (Wild­frau Gestühl) steht. Vielleicht sorgen jetzt noch die benachbarten Zweigvereine des V. H. E. (Rei­chelsheim und Riddatal) für eine Markierung nach den Dörfern Blofeld und Dauern- heim, damit das malerisch gelegene Plätzchen, von dem man tief ins »Riddatal" hinabfchaut, besser von Wanderern, Jugendvereinigungen, Wandervögeln usw. gesunden werden kann, die von den Bahnstationen Reichelsheim (Wetterau) der Rebenbabn Friedberg - Ridda und Ranstadt der Gelnhäuser Linie kommen.

Herzensgute und Frömmigkeit, wie es sich für eine richtige Mecklenburgerin schickt. Schon früh, mit kaum 35 Jahren, mußte sie von hinnen unb hinter­ließ ihrem Gatten ein Töchterlein, bas jetzt 17 Jahre alt war. Die kleine Margot war blonb, zart, ein liebes, einfaches Ding von anschmiegenber Wesens­art unb ernstem Charakter, wie er der seelischen Normalstruktur ber Lanbestinber entsprach. Leiber würbe bas Mädchen in seinem vierzehnten Lebens­jahr von einem schweren Unglück betroffen: es er­krankte an Scharlach, unb als bie tückische Infek­tionskrankheit enblid) behoben war, hatte Margot bie Seekraft verloren. Aber aus ber Blinbheit er­wuchs dem Mädchen eine Seelenstärke, die es mit Ergebenheit, ja mit heiterer Zuversicht sein schweres Los tragen ließ.

Für dieses sein einziges Kind juchte Lorenzen jetzt eine zweite Mutter. Er, halte Glück bei der Wahl: wie er in allem Glück hatte, was er unter- nahm. Die Frau, die Thomas heimzuführen ge­buchte, sollte eine untabelige Vergangenheit haben, aus guter Familie stammen unb äußerlich all bie Vorzüge mitbrmgen, bie Firma unb Heim bes Großbankiers mit Nimbus überfluteten. Sie sollte eine tiefe Geistes- unb eine echte Herzensbilbung ihr eigen nennen. bann konnte sich Herr Loren­zen ben Luxus gestatten, auf eine papiemc Mitgift zu verzichten.

Was er juchte, fand er in Andrea Nordmann, bei verwaisten Tochter eines Hamburger Ober­försters, bie er in Warnemünde bei einer Segel­regatta kennen gelernt hatte. Andrea war zu Be­such bei bem Onkel Hinrikv, einem Bruber ihrer verstorbenen Mutter, ber alsKapitän Otto" eine populäre Figur ber ganzen Wasserkante barstellte. Der alte Hinriks war ein Seemann von norbischem Kerntyp, bärbeißig unb gutmütig zugleich; wenn es not tat, von erfrischender Grobheit, sonst aber von gesundem Humor, zuweilen farkastisch, trotzdem ober von einer Bonhomie, deren goldener Kern sich meist in rauher Schale versteckte. Onkel Otto konnte eine ganze Anzahl Sprachen: französisch, englisch, portugiesisch und dänisch. Ja, er sprach sogar hoch­deutsch, unb da sein Reeber gewünscht hatte, baß bas Hochdeutsch Logbuch unb Konversation im bienstlichen Verkehr beherrschte, hatte er sich so darin geübt, baß er sein geliebtes Platt nur noch bei spon­tanen Herzensergüssen, unb wenn er so recht er­freulich grob wurde, anzuwenben pflegte. Hinriks

Kreis Friedberg.

sf. § riebberg, 20. Jan. Die Stadtver­ordnetenversammlung hielt in ber Wahl- periobe 1923 25 5<i Sitzungen und 323 Ausschuß­sitzungen ab. An letzteren ist der Finanzausschuß allein mit 83 beteiligt, der Schulvorstand mit 8, bas Kuratorium bes Polytechnikums mit 26, ber Licht- unb Wasserwerksausschuß mit 25, bie Armenkom­mission mit 30, der Bauausschuß mit 36 unb bas Wohnungsamt mit 47.

i». Butzbach, 20. Jan. Im Anschluß an die Rachricht in Rr. 11 desGießener Anzeiger" vom 14. Januar erfahren wir, daß der Butz­bach Licher Eisenbahn-Aktien-Ge- sell schäft auf ihren Antrag die Genehmi­gung zum Bau und Betrieb einer den Vorschrif­ten des Preußischen Eisenbahngcsetzes und der Eisenbahn-Dau- und Betriebsordnung imter- worsenen vollspurigen Ql ebene if en- bahn von Oberkleen bis zur p r e u ß i sch­ätz e s s i s ch e n G r e n z e in der Richtung aus Butz­bach von dem Preußischen Stoatsminiperium und dem Minister für Handel unb Gewerbe mit Zu­stimmung des Reichs bereits erteilt ist. Die der Gesellschaft auf Grund des Preußischen Gesetzes über Kleinbahnen und Prlvatanschlußbahnen im Jahre 1909 erteilte Genehmigung zum Betriebe einer nebenbahnähnlichen Kleinbahn von Ober- ileen bis zur preußisch-hessischen Grenze ist hier- burch außer Kraft getreten. Zweck ber Aenderung ist, die auf ber Strecke bisher betriebene Klein­bahn in eine Eisenbahn des allgemeinen Verkehrs umzuwandeln. Der Gesellschast ist auch für die neue Rebenbahnstrecke das Recht zur Entziehung und Beschränkung von Grund­eigentum nach Maßgabe der gesetzlichen Bestim­mungen verliehen. »Die anschlagmäßigen Kosten haben für die preußische Teilstrecke 172 440 Mk. betragen. Die Spurweite der Bahn beträgt 1,435 Meter.

Steinfurth, 20. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein im Saale des Qlntcn Hingst seine diesjährige Abendunterhal­tung ab. Das Programm enthielt neben einigen Couplets drei »Theaterstücke. Die Aufführungen gefielen allgemein. Das zuletzt aufgeführte Stück Freiheit" handelt in ber Zeit der Ruhrbe- sehimg. Es führte den Zuschauern die Willkür eines französischen Offiziers vor Augen: ferner zeigte es den Klasfenhaß verblendeter Arbeiter mit feinen Wirkungen. Zum Schluß findet sich jedoch im Leid alles wieder zusammen, alle sin­gen gemeinsamEinigkeit und Recht und Freiheit, sind des Glückes Llnterpfand". Man verlebte einen recht gemütlichen Abend bei den Turnern.

ch. Rockenberg, 20. Jan. Die hiesige Frei­willige Feuerwehr feierte den Tag ihrer Gründung durch ein öffentliches Konzert im Horstschen Saale. Die seit etwa 1£ Jahren be­stehende Musikabteilung, die unter der Leitung von Hauptwachtmeister M e n e r steht, erfreut sich im Orte unb der näheren Umgebung durch -ihre Lei­stungen eines sehr guten Rufes. Mit viel Liebe zur ^ache und Sorgfalt vorbereitet, war der Abend in seiner Gesamtheit eine vorzügliche Leistung. Die gebotenen Konzertstücke zeugten von der guten Aus­bildung der Mannschaft, vor allem auch von dem Musikverständnis des Leiters. Besonderen Anklang sanden die altbekannten Militärmärsche.

£ Nieder-Florstadt, 20. Jan. Die vorige Woche war für fast alle Einwohner ein Er­lebnis. Missionar Walter aus Beuern weilte hier als Gast und wirkte tatkräftig durch Vorträge in der Kirche und Besuch in den Häusern. Seine Aus­führungen wirkten derartig, daß die Kirche in den Abendoorträgen fast immer bis auf den letzten Platz gefüllt war und auch die drei Gottesdienste am Sonntag sehr starken Besuch aufzuweisen hatten. Mit besonderer Spannung wurden die Erzählungen aus seiner Tätigkeit in Karnernu unb von seinen Leiden m der Gefangenschaft verfolgt, aus denen so recht zu ersehen war, welche Stütze der Glaube dem Menschen besonders in Not und Bedrängnis gewährt. Besonders deutlich zeigte sich die Wirkung eines Vortrages bei der Jugend, der sehr stark be­sucht war. Lautlos gin$ die große Menge, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. nach Hause. Missionar Walter wird die Gewißheit hegen dürfen, die Gemüter mit Erfolg aufgerüttclt zu haben, so daß die segensreiche Wirkung nicht ausbleiben kann. Ein Missionsfest, dos einstweilen für Sommer angesagt wurde, wird sicher den gewünschten Erfolg bringen.

Kreis Schotten.

)-( Wetterseld, 20.Jan. Eine schöne Sän­gertagung wurde im Saale des Gastwirts

hatte die Prüfung für große Fahrt schon in verhält­nismäßig jungen Jahren bestanden, kannte sich aus in allen Meeren und verbrachte/ nun feinen Lebens­abend in einem allerliebsten kkeinen Häuschen, das er sich in der Nähe der Stolteräa erbaut hatte. Otto Henriks war Hagestolz geblieben, obgleich er manch gute Partie hätte machen können; aber er sagte sich, daß ein Seemann, der vier Fünftel des Jahres unterwegs ist, zum Ehemann nicht tauge. Auch markierte er. nach nautischer Tradition, ein wenig den Weiberfeind; doch war es ihm nicht recht ernst damit. Wußte doch alle Welt, daß Otto in seiner Sünden Maienblüte ein gar forscher Kerl gewesen war, der zuweilen, gleich Onkel Bräsig, zwei Brau­lens zu gleicher Zeit gehabt hatte. Eine davon in Bremen und eine auf den Fidschi-Inseln, ober eine in Lübeck unb eine im Lanbe bes ewigen Früh­lings. Je nach Fahrt unb Heimatshafen. Aber bas WortBraut" war allemal nur ein Euphemismus, unb keine ber von Ottos Neigung Beglückten speku­lierte in Ewigkeitswerten.

So sehr nun auch Otto, der nunmehr mit Voll- bamps ben Siebzigern entgegensteuerte, mit seiner Weiberseinbschaft parabierte, wobei er es allerbings nie unterließ, vielsagenb ein Auge zuzukneifen, so wenig machte er ein Hehl daraus, baß er an ber einzigen Tochter seiner verstorbenen Schwester einen Narren gefressen hatte. Kein Wunber ober auch! Anbrea war ein prächtiges Mäbchen, groß von Wuchs, eine königliche Figur von stolzer Hal­tung, qolbblonb, blauäugig unb von bei jungfräu­lichen Herbheit ber Norblänberin. Hinriks warb ber Bormunb Andreas, unb sie wohnte bei ihm bis zu ihrer Münbigkeit. Dann ging sie nach Hamburg zu­rück, um bei einer großen Speditionsfirma bie Stel­lung einer Privatsekretärin zu übernehmen. Onkel Hinriks halte sie bas Lyzeum in Rostock besuchen lassen unb ihr nach 'Absolvierung ber Anstalt voll­kommene Handelsschulausbildung ermöglicht, bu bie mittellose Waise barauf angewiesen war, ihr Brot zu verbleuen. Jetzt in ben Ferien war sie roieber einmal nach Wartzemiinbe gekommen, unb bei her großen Segelregatta sollte sich ihr Lebensschicksal entscheiden.

Als Thomas Lorenzen, auf ben bie stolze Ham­burgerin einen liefen Einbruck gemacht, um An­breas Hanb onhiest. war sie völlig unvorbereitet. Der Bankier hatte Ihr zwar in unauffälliger Weife gehuldigt, |eit sie ihm bei dem Festbankett im

Neuß, dahier, abgehalten. Es waren erschienen bzw. vertreten die Männergesangvereine Harmonie Lau­bach, Eintracht Laubach, Sängerbund Rupperts­burg, Liederkranz Hungen, bie Gesangvereine Gon- terslirchen, Wetterfelb, Röthges unb Münster. Die Theatergruppe bes hiesigen Vereins führte bas prächtige breialtige VolksstückMüllersch Liefet aus Michelbach" in Dbenroälber Munbarl auf. Die Leistungen ber Darsteller riefen allgemeine Bewun­derung hervor Der Leiter, Lehrer Arras, hat sich damit den Dank aller Gäste erworben. Die an­schließenden Besprechungen galten der Gründung eines Sängerbundes, bem alle Vereine im oberen Horloff- unb Wettertal angehören werben. Einstimmig hielt man einen berartigen Bunb für nötig, um im regen, ehrlichen Wetteifer zu immer besseren Leistungen auf bem Gebiete bes Männer- flefanges zu kommen. Die Vertreter aller in Frage fommenben Vereine werben sich im Februar zwecks Konstituierung bes Bunbes in Laubach versammeln.

Kreis Alsfeld.

\ Flensungen 19. Jan. Am Sonntag veranstaltete der RadsahreriXj^ein Flen­sungen-Mücke in dem Saal des Gastwirts Becker seine zweite Abendunterhaltung. Die Aus­führung zweier Theaterstücke bereitete den zahl­reichen Besuchern große Freude. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Radfahrerretgen gefahren von 6 bzw. 4 Vereinsmitgliedern in Radfahrersportanzügen auf schön geschmückten Rädern, der starten Beifall hervorrief. Sämt­liche Vorführungen waren umrahmt von Musik­vorträgen der Kapelle Biedenkapp. »Rach der Veranstaltung folgte noch ein gemütliches Bei­sammensein.

Starkenburg.

9 a r m st adt, 20. Jan. Vor einem Jahr sind hier Schulsparkassen eingerichtet wor­den. Die Einrichtung hat in vielen Schuleu An­klang gesunden. Die Klasse einer Knabenschule hat int Lause eines Jahre- sogar die Summe von 719,20 Mark bei der städtischen Sparkasse cingezahll. - Wie kürzlich in Dieburg, so Haben jetzt auch in Groß-Umstadt die Kreis­tagsmitglieder beschlossen, nur einen Teil der Gebühren und Tagegelder zu beanspru­chen und den Restbetrag der Kreissürsorge zu überweisen. - Dor einigen Tagen fuhr in Er­bach i. O. ein Lastauto eine alte, schwer­hörige Frau an, die so unglücklich hinfiel, daß sie eine Gehirnerschütterung erlitt, daran ist sie jetzt gestorben. - In Babenhausen geriet der in einer Eisengießerei beschäftigte 17jährige Philipp Duden e in eine Transmis­sion. Ihm wurde der ein? Arm abgerissen und mehrere Rippen zerquetscht. Der Verunglückte starb wenige Stunden nach seiner Einlieferung im Dieburger Krankenhaus.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

<». Wetzla r. 20. Jan. »Der Regierungs­präsident zu Koblenz hat mit Zustimmung des Bezirksausschusses für den Umfang des Regie­rungsbezirks eine Polizeiverordnung erlassen, nach welcher Hunde der Geschäftsinhaber oder ihrer Angestellten in den Räumen, welche zur Zuberei­tung, Aufbewahrung und Feilhaltung von Rah- rungs- undGenuhmitleln dienen, und ausWochrn- märtten nicht gedu ldet werden dürfen. Auch sonst Ist. das Mitbringen von Hunden in die Fleischerläden, RahrungS- und Genuhni'.ttel- geschäfte, sowie auf die Wochenmärkte ver­boten. Aus Schl acht st ättcn. Schlachthäuser und Wurstküchen der Metzgereien findet diese An­ordnung sinngemäß Anwendung. Aebertretungen tverden mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark, 'm Unvermögensfalle mit entsprechender Haft be­straft. Die Verordnung ist sofort in Kraft ge­treten.

b. Wetzlar, 20. Jan. Das Preußische Slaats- minifterium hat ben Prooinziollanbtag ber Rheinprovinz zum 26. Januar nach Düsselbors berufen. In Erba unb in Kröffel­bach ist bie Maul- unb Klauenseuche amt­lich sestgestelll worben.

Hochelheim, 19. Jan. Unter großer Beteiligung fand hier die Beerdigung des Pfarrers Schneider statt. Zahlreich hatten sich die Mitglieder der hiesigen, sowie auch der Kirchengemeinbe Dornholzhausen eingefunben, um ihrem treuen und lieben Seelsorger die letzte

Bootshaufe des Rostocker Ruderklubs vorgestellt mar, doch Andrea war an Ovationen aller Art zu sehr gewöhnt, um bei Lorenzen ernste Absichten vorauszusetzen. Seine offizielle Werbung, ber einige prachtvolle Blumenspenben voraufaegangen waren, erfolgte bei einem zu Ehren ber Regattasieger auf der Hohen Düne veranstalteten Gartenfest. Sie war sormgerecht, ein wenig steif unb umwittert von ber ganzen Selbstherrlichkeit bes Gnabe spenbenben Großmoguls.

Anbrea, in der harten Schule bes Lebens gereift unb frei von Illusionen, nahm ben 'Antrag wie eine kaufmännische Drbre entgegen, beren Ausführbarkeit von tzenügenber Nachprüfung abhängt. So etwa, wie sie in ihrem Hamburger Speditionshause eine telephonische Anfrage erlebigt hätte, erklärte sic freunblld), aber kühl bis ans Herz hinan:Ich nehme Ihre Wünsche einstweilen bestens bantenb zur Notiz, Herr Lorenzen. Morgen nachmittag wol­len Sie bie Güte haben, meine Entschließungen enlgegenzunehmen." Wörtlich freilich sagte sie bas nicht, aber dem Sinne nach war die Antwort so ausgefallen.

Doch auf ein heißes, zuckendes Herz fiel kalter Reif. Unb ob es gleich Juli war unb bie Sonne mit schier tropischer Glut auf bie Wellen herabbrannte, ging ein junges blühendes Weib srostburchschauerr nach Hause. Nach Hause zu bem guten, treuen Onkel Otto. Dem wollte sie alles sagen.

Wollte ihm sagen, baß sie kein Wölkenkuckucks­heim erträumte, baß sie nüchtern zu rechnen wisse, just so, wie es einer Enterbten bes Glücks anstehe; unb baß trotzdem eine Hoffnung in Trümmer sinke, sobalb sie ben reichen Mann erhöre. Im tiefsten Winkel ihres Herzens erstarb ein Keim, ber zum Lichte drängte. Nicht, bah Anbrea eine heimliche Liebe zu begraben hätte, wenn sie nach ber golbenen Schüssel griff. Keinen noch hatte sie mit ihren zwei midzwanzig Lenzen gefunben, ber ihr bie große Leibenschaft eingefloßt hätte, aber wenn sie sich zehnmal sagte, baß ihr Schifflein einmal in ben Hafen ber nüchternen Versorgungsheirat einlaufen werbe, so regte sich zwanzigmal bas Blut ber Ju- flenb unb heischte stürmisch sein Recht. Heiraten ohne Liebe? Sick ganz einem Mann zu eigen geben mit Leib unb Seele, bloß weil bieser Mann die Kraft besaß, dem Weib, bas er begehrte, einen golbenen Käfig zu bauen? Der Gebaute war reichlich hart.

(Fortsetzung folgt.)