Nr. 17 Zweites Blatt
GießenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
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Donnerstag, 2t. Zannar 1926
Lettland von heute.
Don unserem ?.--Korrespondenten. (Nachdruck verboten!) Riga. Anfang 1926.
Lettland, oder wie es in der offiziellen Amtssprache heißt, „Lcttvija", befindet sich in der glücklichen Lage, eine selten günstige Stellung zwischen zwei voltswirtschaftlich verschieden eingestellten Ländergruppen - dem agrarischen Osten und dem industriellen Westen -- zu haben, die es ihm ermöglicht, eine bedeutende Vermittlerrolle zwischen den beiden aufeinander angewiesenen Kontrahenten zu spielen. Lettland ist daher geradezu das Land des westöstlichen Transits. Die günstige Lage zum Meer sowie der bedeutende Hafen von Riga geben Lettland gegenüber den anderen baltischen Staaten ein recht bedeutendes wirtschaftliches Liebergewicht, das noch durch ein entsprechendes Hinterland mit sehr günstigen Eisenbahnverbindungen beträchtlich gehoben wird.
Riga, die Hauptstadt Lettlands, ist eine deutsche Stadt, daran ändert kein Gesetz,' kein Verbot der deutschen Sprache etwas. Wohl ist lettisch die offizielle Amtssprache und auch die Straften und Fii-menschilder in derselben Sprache gehalten, ohne daß hierdurch aber der deutsche Charakter der Stadt verwischt werden könnte. Selbst unter Letten ist, wie ich mir habe berichten lassen, die Verständigung nicht immer ganz einfach, da die lettische Sprache eine neue künstliche ist, deren Wortschatz einem reinen Vauernvolk entspricht, so daß man dauernd Anleihen in anderen Sprachen machen muh. Dei dieser künstlichen Wortbildung ist es häufig zu grotesken Former: gekommen, denn das von Sprachforschern geschaffene Reulettisch, das seit ca. 6 Jahren in Lettland als offizielle Sprache gesprochen wird, ist fast unverständlich. Ein Beispiel! Riga ist Llniversitätsstadt: doch gibt es keine Professoren, das wäre ja „deutsch" (!), sondern vielmehr sog. „Gudrells", d. h. soviel wie Schlauberger! Freilich, schlau, sehr schlau muh man schon sein, um in der lettischen Sprache Vorlesungen halten zu können! —
Das heutige Lettland, das am 25. Jan. 1921 in die Reihe der völkerrechtlich anerkannten Staaten eingetreten ist, umfaht ein Gebiet von 65 000 Quadratkilometer mit über 1,9 Millionen Einwohnern, von denen fast 7 0 0 00 Deutsche sind, die vornehmlich in den gröheren Städten wohnen. Lettland ist fein kulturell einheitliches Gebilde, sondern ein/Konglomerat von Völkern wie Letten, Russen, Deutschen, Polen, Litauern und Juden. Daher kommt auch die phantastische Zahl von 36 verschiedenen Parteien, die es im lettischen Parlament bei einer Gesamtzahl von 100 Sitzen gibt. Ein riesiges Völkergemisch weist auch Riga mit 15 verschiedenen Völkern auf, wobei nur diejenigen mitgerechnet sind, die über 100 Bürger in Riga haben. Die Zahl der Letten beträgt daher in Riga auch nur ca. 50 Proz. der Bevölkerung. Von den fast 70 000 Deutschen in Lettland wohnen über 43 000 allein in Aiga und bilden hier trotz aller Llnterdrückungen die kulturell höchst- stehende Schicht. Die eigentlich deutsch- baltische Bevölkerung, der die Kultur und Wirtschaft des gesamten Baltikums so unendlich viel verdankt, und die nur Llndank und Verhetzung durch die Letten geerntet hat, geht, soweit sie ift Riga wohnt, zahlenmäßig zurück, dagegen erfreut sich die deutsche Landbevölkerung, die nur wenig über 7000 Köpfe zählt, einer schnellen Vermehrung. Das baltische Deutschtum ist seit der Revolution nicht nur zahlenmähig sehr zusammengeschrumpft, sondern auch materiell durch die planmäßige Deutschenhehe und durch die Enteignungen der vergangenen Z.rhre sehr geschädigt worden. Rur die vollständige Vereinigung aller baltischen Deutschen ohne jede Zersplitterung kann hier helfen, und es ist begrühenswert, dah die hiesigen Deutschen alle Gefahren einer Parteizersplitterung, die den Deutschen nun einmal sehr liegt, glücklich überwunden und die Geschlossenheit des Deutschtums bewahrt haben. Der deutsche Autonomieplan, der der Regierung jetzt vorliegt, ist eine der Aufgaben, die das im Oktober neu gewählte Parlament zu lösen haben wird, trotzdem man kaum auf viel guten Willen im lettischen Parlament stoben wird.
3n der Volkswirtschaft Lettlands ist die Landwirtschaft das grundlegende Gewerbe, da Lettland trotz des recht bedeutenden Aufschwunges, den Handel und Industrie in den letzten Jahren genommen haben,, vorwiegend agrarisch eingestellt ist. Dor dem Kriege war die landwirtschaftliche Produktion Lettlands vorwiegend auf Getreidewirtschaft eingestellt; in den letzten Zähren, seitdem Lettfand einen eigenen Staat bildet und die Agrarreform eine vollständige Llmschichtung der landwirtschaftlichen Detriebsverhältnisse gebracht hat, ist man mit Erfolg zur Viehwirtschaft und Molkerei übergegangen und hat sich intensiv auf Flachsbau geworfen, dessen Anbau sich bisher gut rentierte. Die Qualität des Flaches aus der lehtjährigen Ernte, die stark unter Regen zu
Gießener StaditheaLer.
Ludw.g Fulda: „Jugendfreunde".
Der Dichter gehört nun auch schon nicht mehr zu unseren jüngsten; er will Wohl auch gar nicht „jung" fein in einem bestimmten literarischen Sinn. Obwohl Fulda immer mit der neuen, der kommenden Generation mitgegangen ist und sich für sie eingesetzt hat, für ein junges Geschlecht sogar, mit neuen Forderungen und neuen Gesetzen, das, von uns aus gesehen, schon historisch betrachtet werden kann. Vielleicht ist aber gerade das Beste und Eigene an ihm, diese persönliche Rote, die alles auszeichnet, was er schrieb, sei es Lustspiel, wie dieses Stück, sei es ernstes Drama, oder selbst Llebertragung von Rostand und Moliere —: die vornehme Haltung, die so viele moderne „Lustspiele" peinlich vermissen lassen (diesseits und vor allem jenseits her Westgrenze), die saubere, ehrliche Arbeit, das gediegene, theatralische Können. Lind das scheint uns gerade beim heiteren Spiel (wofern cs Ansprüche auf ernsthafte Wertung erhebt) viel zu bedeuten; mehr als beim tragischen Drama. Wir besitzen unstreitig, von alters viel mehr wahrhafte und starke Tragödien, als wir wirklich gute, oder doch passable Lustspiele aufzuweisen Haben. Von der Komödie zu schweigen.
Dieses hier, die „Zugendfreunde", ist ein leichter und geglückter Wurf, eine amüsante theatralische Abhandlung um Ehestand und Hage- stolzentum herum. Der erste Akt eröffnet die
leiden hatte, läßt zu wünschen übrig, so daß man sich zu Preisreduttionen hat verstehen müssen, was die schwierige Lage der Landwirtschaft nur noch erhöht hat. Einen gewaltigen Aufschwung hat der Butterexport, einer der aussichtsreichsten Zweige der lettischen Ausfuhr, genommen. Es sind besonders im letzten Zahr wahre R e k o r d z i f f e r n im Dutterexport erreicht worden. Rach Ansicht von Fachleuten ist jedoch die lettische Butter in der Qualität schlechter wie die von Finnland und Estland. Die au 3 deutschen Konsumentenkreisen kommenden Klagen über mangelnde Qualität haben hier sehr verstimmt, sind aber trotzdem berechtigt. Die Schuld liegt jedoch nicht am bäuerlichen Produzenten, von dessen guter Arbeit ich mich selbst habe überzeugen können, sondern am Fehlen eines geeigneten Kühlhauses und eines entsprechenden Schiffspae- kes. Die Vergrößerung der lettischen Milchwirtschaft machte die Beschickung der ausländischen Märkte möglich, von denen allein England mehr als 2/3 des gesamten lettischen Butterexportes aufnimmt.
Zm allgemeinen befindet sich die Landwirtschaft hier in einer schlechten Lage, da einmal die Verluste des Krieges noch nicht ausgehvlt sind und ferner die Zähre 1923 24 Mißernten gebracht haben, die die Kapitalkraft der Landwirtschaft erschöpft haben. Fernerhin hat die im Zusammenhang mit der Agrarreform durchgeführte Zerschlagung des Großgrundbesitzes und der Einrichtung von Siedlungsstellen die Produktivität der Landwirtschaft stark zurückgchen lassen. Rachdem die Ernte des letzten Zahres von mittlerer Güte war, hofft man von einem Roggenimport, der i.r den letzten Zähren nölig war, absehen zu können, während Weizen bei steigendem Konsum auch fernerhin eingeführt werden muß. Rachdem der Flachs, der 35 Prozent des lettischen Gesamtexportes ausmacht, in diesem Zahr zu ungünstigen Preisen hat realisiert werden müssen, ist der Schrei nach Staatshilfe für die Landwirtschaft hier allgemein geworden. Man verlangt nach langfristigen Darlehen, anderweitigen Llnierstühungen, so nach einem Rogge n e i n s u h r z 0 11, den die Regierung bereits in mäßigem Umfange in Erwägung gezogen hat.
Diesem Zustand der lettischen Landwirtschaft entspricht auch die gesamte Wirtschaftslage, für deren Beurteilung drei Momente von Bedeutung sind: Kreditnot, riesiger Beamtenapparat und Passivität der Handelsbilanz. Reuerdings, besonders nach Realisierung der lehtjährigen Ernte, die eine energische Steigerung der landwirtschaftlichen und industriellen Warenausfuhr gebracht hat, sind einige Fortschritte zur Verbesserung der passiven Handelsbilanz zu verzeichnen, ohne daß sich in absehbarer Zeit eine Aktivität wird erreichen lassen. Zm verflossenen Zahr soll die Passivität nach inoffiziellen Quellen die enorme Summe von 100 Millionen Lat (1 Lat ca. 1 Goldfrank) betragen haben, trotzdem man bereits in der letzten Zeit einen deutlichen Rückgang in der Passivität der Handelsbilanz feststellen konnte. Diese Erfolge sind auf die Kreditpolitik der Bank von Lettland zurückzuführen, die zeitweise zu der recht rigorosen Maßnahme einer Kreditsperra für den Zmport griff und auf der anderen Seite die Ausfuhr nach Möglichkeit begünstigte.
Der Handel befindet sich hier in keiner be- neideirswerten Lage, da der Markt mit Waren überfüllt ist und besonders die Lebensmitte l p r e i f c bei geringer Kauflust relativ hoch find. Das Rachlassen der Kaufkraft, das deutlich zu verspüren ist, wird auf die langsam zunehmende Verschlechterung der allgemeinen Lebensverhältnisse im Lande zurückgeführt. Der Handel selbst ist h r allgemein in erschreckendem Maße überorganisiert. Es gibt allein in Riga 100 Proz. mehr Handelsfirmen als vor dem Kriege, wobei die Spekulation in ungeahntem Maße blüht. Die Lleberzahl von Handelsfirmen und industriellen Reuunternehmungen ist eindeutliches Zeichen dafür, in welch ungeahntem Maße hier über die Verhältnisse gelebt wird. Der gewaltige Konsum steht in keinem Verhältnis zu der geringem Produktivität der Bevölkerung, die überdies noch ständig zurückgeht. Bon besonderer Bedeutung für die Beurteilung der Wirtschaftslage Lettlands ist die gewaltige Belastung der lettischen Wirtschaft durch den riesigen, aufgeblähten Staats - und Beamts^apparat, der allein in Riga ein Heer von 40 000 Mann ernährt, wogegen die Industrie nur 50 000 beschäftigt. Hinzu kommt noch, daß die Zahl der unproduktiven Zwischenhändler hier geradezu phantastisch ist, denn trotz 2lrbeitermangel auf dem Lande besteht hier eine ausgeprägte Scheu vor der Arbeit in der Landwirtschaft. Heber das gewaltige Beamtenheer und die daraus sich ergebenden hohen Steuern wird allgemein große Klage geführt, ohne daß aber ein nennenswerter Abbau, von dein man zwar hier ständig spricht, praktisch durchgeführt würde.
2lud) in Lettland hat sich der als Wappentier so beliebte Adler in einen Pleitegeier verwandelt, der über dem Lande kreist. Die Lage der Wirtschaft ist
Feindseligkeiten sehr moderato, um aber alsbald mit frappierendem Clan den Knoten zu schürzen (bei Fulda wird man den guten alten Terminus nicht als Herabsetzung empfinden). Die Bombe platzt mit Vehemenz gleich dreimal hintereinander. Cs ist so: Vier Zugendfreunde gründeten einen Zunggesellenklub; Bruno Marteirs, der Globetrotter, Philipp Winkler, ein Musikus, der Maler Heinz Hagedorn und Waldemar Scholz, der in El^trizität macht. Vier Temperamente, innig gesellt. Zetzt kommt es: eine Meuterei bricht aus, eine Fahnenflucht aus dem Lager her Hagestolze. Erst kommt Philipp: er hat sich gerade verlobt. Dann Waldemar: er hat sich auch gerade verlobt. Zuletzt Heinz: er ist schon — ganz heimlich - feit zwei Zähren verlobt. Das ist über den Spaß; Bruno rast, Bruno ist einsam, schnöde verraten und verlassen . . . Wohlgemerkt, alles im ersten Akt. Man könnte schon besorgt werden, wenn man im Personenverzeichnis dicht hinter den vier „Hartgesottenen" vier weibliche Rarnen findet. Aber Fulda bringt fein Thema überraschend elegant auch über die drei übrigen Akte und endet, wie es sich gehört, mit vier Paaren. Sogar her einsame Diener Stephan (den man ledig entkommen glaubte) heiratet zuletzt eine unsichtbare Köchin. Der zweite Akt, sehr lustig, versammelt die drei Ehepaare nach der Hochzeitsreise bei Bruno, und man merkt mit Behagen, wie verschiedenes nicht geheuer ist; große Spannung, vor einem aparten Aktschluß —: was wohl stärker
schlecht und es bedarf grundlegender Reformen, um s>c genesen zu lasten. Vor allem ist eine Bereinigung von solchen Firmen von Nöten, die leicht- fertig gegründet und nicht fundiert sind. (£5 muß der soliden Wirtschaft die Bahn frei gemacht werden. Die Ende 1925 eingetretene Zahlungsunfähigkeit verschiedener Firmen und Banken, die eine Verschärfung der Wirtschaftskrise gebracht hat, ist jedoch nur geeignet, diesen Reinigungsprozeß zu beschleunigen.
OLerhesfen.
Reichsgründungsfeiern.
Heber Gedenkfeiern aus Anlaß der Wiederkehr des Reichsgründungstages liegen uns Berichte vor. Raummangel steht dem 2n>brurf all dieser Berichte, die ;nm Teil sehr eingehend schildern, entgegen. Wir müssen uns auf die fumma= »ifche Registrierung beschränken und stellen fest, daß nach den vorliegenden Berichten des 18. Januar außer in Gießen noch in folgenden Orten gedacht wurde: In D a r m ft a b t von der Technischen Hoch- schtile (Redner Rektor Professor Eberle und Professor Dr. P. Hartman n), Deutschnationalen Bolkspartei und zahlreichen anderen Vereinen. In Frankfurt a. 9)1. von her Hniversität (Redner Professor Dr. theol. et phil. "5 ö r ft e r, ferner in Friedberg vom Polytechnikum (Redner Prof. Keller), in Wetzlar von der Deutschen Volkspartei (Redner Reichstagsabg. Dr. Kalle», in Marburg von der Hniversität (Redner Professor Dr. 5) e I m), in Ruppertsburg vom Stahl- Professor Dr. theol. et phil. F ö r st e r), ferner in pcrtsburg, und Dr. med. Philippi, Laubach). Sämtliche Feiern hatten sehr starken Besuch zu verzeichnen und nahmen einen würdigen Verlauf.
Lanvkrcis (tiicfcc.L
X Klein-Linden, 20. Jan. Hier wird es als ein großer Mißstand empfunden, daß Sonntags keine P 0 st b c ft e 11 u n g erfolgt. Dieser Zustand ist für das Publikum sehr nachteilig, da die Briefe zum Teil erst am Montag gegen Mittag in die Hände der Adressaten gelangen können, weil der Postbeamte Montags fast die doppelte Anzahl wie an anderen Tagen zu bestellen hat. Wäre es der Reichspostverwaltung nicht möglich, bald Abhilfe zu schaffen?
cf Lollar, 20. Jan. Die Freiwillige Feuerwehr Lollar hielt am Sonntag ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der seitherige Vorstand wurde bis auf kleine Abänderungen wiedergewählt. Besonders begrüßt wurde, daß die seit zwei Monaten bestehende Musikkapelle der Wehr sehr gute Fort- schritte macht. Die Kapelle besteht zur Zeit aus achtzehn Mann und berechtigt zu den besten Hoffnungen. Die Wehr kann in diesem Zahre auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken und stolz auf ihre Entwicklung sein. Es wurde beschlossen, am 1. August dieses Zahres eine der heutigen ernflen Zeit entsprechende Gründungsfeier zu veranstalten. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird an diesem Tage auch der Kreisfeuerwehrtag der freiwilligen Wehren im Kreise Gießen hier abgehalten werden, sodaß mit einem würdigen Verlauf dieses Gedenktages zu rechnen ist. Fünfzehn der Gründer der Wehr sind heute noch am Leben.
* Mainzlar, 20. Jan. Der Zweigverein „L u in d a t a l" Mainzlar vom V. H. C. hielt bei Gastwirt Müller feine diesjährige Generalversammlung ob, die gut besucht war. Für den ausscheidenden Vorstand wurden neu gewählt: Dr. Balser (Daubringen), 1. Vorsitzender, L. Lemp, (Mainzlar), Rechner und Johann Auer (Mainzlar), Wandermeister. Der Wanderplan für 1926 wurde genehmigt. Die Kassenverhältnisse sind der Zei t entsprechend gut; eine genaue Rechnungsablage konnte für 1925 noch nicht stattfinden. Das Stiftungsfest soll am 2. Samstage im Februar stattfinden. Die Jugendgruppe, die z. Z. ca. 20 Mitglieder zählt, steht unter Führung ihres Obmannes Wilhelm Müller (Mainzlar), und ist hier in guten Händen. Auch ein „Gemischter Chor" hat sich gebildet; er leistet unter Führung von V. H. C.-Bruder Lehrer Eberle (Treis), schon Tüchtiges.
al. A l l e n d 0 r f (Lahn), 20. Jan. Auch in unserer Kirche wurde der B e t h e l f i l m vorgeführt. Nachmittags wurde er den Kindern gezeigt, am Abend den Erwachsenen. Die Kirche war voll besetzt. Die Einnahmen beliefen sich auf etwa 100 Mk. Der Film machte auf die Besucher großen Eindruck, und mit Befriedigung verließen sie das Gotteshaus. — Im I a h r e 1 9 2 5 wurden in hiesiger Gemeinde 21 Kinder geboren, gestorben sind 12 Personen, darunter 2 Totgeborene. Getraut wurden 3 Paare.
v. Londorf, 20. Jan. Am Samstag hielt der Gesangverein Frohsinn im Saale des Gastwirts Borger bei Gesang, Tanz, Verlosung und Kaffee einen sehr schön verlaufenen Familien- abend ab. Die einzelnen Lieder, unter der Leitung des Dirigenten Kasten (Gießen) —Kunst- chore und Volkslieder — wurden prächtig zu Gehör gebracht und ernteten reichen Beifall. Der Chor
sein, was wohl zuerst gesprengt wird, der Freundeskreis oder hie Ehebünde. Der dritte Akt, am ausgelassensten, bringt ein Gesellschaftsspiel. Meine Frau — deine Frau. Llngesähr so: Frau Winkler hat zu Frau Scholz gesagt, daß 5rau Hagedorn gefärbte Haare hat. Lind Frau Scholz unterhält sich mit Frau Hagedorn und verplappert sich plötzlich und muß gestehen, was Frau Winkler über Frau Hagedorn Llebles Derbreitet hat. Die Folgen sind unbeschreiblich, die gastliche Stätte bei Bruno wird zum Schlachtfel^ $H>er vor dem knalligen, etwas geräuschvollen Tableau eine feine (auch sehr delikat gespielte) Szene zwischen Bruno und Dora. Dora ist Brunos Sekretärin. Beide sind erbitterte -ounggefelten und wollen „gute Freunde" sein, bleiben aber weder von böser Rachrede verschont, noch entgehen sie der stürmischen Kapitulation im vierten Akt, wo Bruno (den man schon längst die Hage- stolzenflagge mählich streichen sah) den drei Freunden ihre „Meuterei" grimmig heunzahlt und seine kleine Sekretärin heiratet. Was aus dein weiberfeindlichen Bund der Zugendfreunde wird — laß fahren dahin. (Hier hat der Dramatiker eine Lücke gelassen.) Unbestreitbar ist: es sind, zuletzt, vier Paare zu zählen, und für einen Lustspielschluß gibt es kein überzeugenderes Argument als dieses. (Wenn man den Diener Stephan mitzählt, sind es sogar fünf. Mehr kann man bei neun Personen nicht verlangen.)
Die Regie (AdoK Tclektz) U- . eine lobenswert faulte, abgerundete Aufführung
meister und das älteste, um den Verein sehr per« biente Mitglied, Eifenbahnschassner i. P. Georg Schäfer, wurden von dem Verein besonders geehrt. Nachdem ein vorzüglicher Kaffee und allerlei Backwaren gut gemundet hatten, blieben die Teilnehmer noch einige Stunden in froher Stimmung zusammen.
' Gaibenteich, 20. Jan. Am Sonntag veranstaltete der M ä n n e r g e s a n g v e r e i n Viktoria unter der Leitung seines neuen Ehormeisters ein Konzert, das sich eines guten Zuspruchs von einheimischen und auswärtigen Sangesfreunden erfreute. Das nach einheitlichem Gesichtspunkten aufgestellte Programm behandelte in feinem 1. Teil »Das deutsche Volkslied". Ein einleitmder Vortrag des Chormeifters führte in feine Gedanke:. und Gefühlswelt ein und zeigte, wie es sich durch alle Verhältnisse und Ereignilse b.T einzelnen Menschen und der Gesellschast rankt. Beispiele aus dem reichen Schatz des weltlichen und geistlichen Volksliedes, teils als Chöre, teils als Soli gesungen, illustrierten den Vortrag und boten ein Bild von der poclisch- musikalifchen, oft geradezu genialen Gestaltungskraft des Volkes, und von der schlichten Wahrheit und tlnaeschminklen Schönheil seiner Erzeugnisse. Weben dem Chor, dessen Darbietungen Zeugnis von eifrigem Studium nblegt^n, roirite als Solist Herr Kurt R i ch t e r = Gießen mit. Seine sympathische Tenorstimme und sein warmfühliger Vortrag trugen ihm wiederholt lebhaften und wohlverdienten Beifall ein. Der 2. Teil des Konzerts brachte als Beleg für das historische Volkslied „Sechs altniederländische Volkslieder" in der Bearbeitung von Ed. Kremser. Die Klavierbegleitung hierzu, sowie die der Solo- lieber hatte Frl. Heba Maternus (Gießen) übernommen, bie sich ihrer Ausgabe mit Sicherheit und verständnisvollem Eingehen auf den verschiedenartigen Gefühlsinhalt entledigte.
-.-Watzenborn-Steinberg, 19. San. Gestern fand die erste Sitzung des neu- gewählten Gemeinderats statt. Er weist in seiner Zusammensetzung gegenüber dem seitherigen ein verändertes Bild auf. Das ausgesprochene Mehrheitsverhältnis ist nicht mehr gegeben. Die Sozialdemokratische Partei, welche bisher 8 Sitze hatte, ist nur noch mit 6 vertreten. Die Bürgerliche Partei hat ihre Sitzzahl von 4 auf 5 erhöht. Reu ist die Mittelstandspartei mit 1 Sih vertreten. War seither die Sozialdemokratische Partei bei den Gcmeindcrcttsbe- schlüssen ausschlaggebend, so dürfte für die Folge die Stimme des Bürgermeisters und der Mittel- standspartei ausschlaggebende Bedeutung bei den Beschlüssen haben. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei im jetzigen Gemeinderat waren auch im seitherigen vertreten. Die Bürgerliche Partei weist 4 neue Mitglieder «auf. Rach der Verpflichtung der Gemeinderäte entwarf Bürgermeister Schäfer einen kurzen Rückblick über die Tätigkeit der beiden Gemeinderäte während seiner abgelaufenen sechsjährigen Amtszeit. Darnach fanden in den ersten drei Zähren 99 Ge- meinderatssitzungen statt. Rund 500 Punkte kamen zur Verhandlung. Der seitherige Ge- meinöerat hatte in 109 Sitzungen über 700 Verhandlungspunkte zu bewältigen. In 1911 standen vergleichsweise 60 Punkte auf den Tagesordnungen des Gemeinderats. Ms besondere Schmerzenskinder seiner Amtszeit bezeichnete er die Lebensmittelversorgung in den ersten Rachkriegsjahren und die Wohnungsfrage mit all ihren im erquicklichen Begleiterscheinungen. Binders die Kar- toffelbeschassung sei seinerzeit oh der großen Bemühungen und des erzielten Erfolges von manchem mit ilnhanf belohnt worden. Eine erfreuliche Wandlung habe die Wohnungsangelegenheit erfahren. Zm ganzen sind in der Rachkriegszeit 35 Wohnhäuser fast durchweg mit Doppelwohnungen errichtet. Darunter befinden sich fünf Doppelhäuser. Es kann dies als eine Rekordleistung, wie sie weit im Llmkreis einzig dasteht, betrachtet werden. Richt nur der emsige Fleiß der Bauvorhabenden, sondern auch erfreuliche gegenseitige älnterstühung durch persönliche Hilfeleistungen, so auch die freiwilligen Fuhr- leiftungen der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung habe hier Anerkennenswertes geleistet. Die räumliche Abgrenzung zwischen Steinberg und Watzenborn nach der einen Seite hin ist durch diese Reubauten verschwunden. Es kann dies in mancherlei Hinsicht nur als erfreuliche Tatsache festgestellt werden. Weiter wies der Bürgermeister noch daraus hin, daß zu Beginn seiner Amtszeit das Amtszimmer in die Reue Schule verlegt wurde. Amtszimmer, Kirche. Schule und Backhäuser erhielten elektrisches Licht. Reuanstrich der Eisenteile der Wasserleitung, die verrostet waren, kam zur Durchführung, ebenso ihre Verlängerung infolge der errichteten Bauten. Baugelände mußte erworben werden. Schläuche für die Feuerwehr wurden ergänzt. Ein Schuldiener, der gleichzeitig die Tätigkeit des Rachtwächters vorsieht, kam zur Einstellung, ebenso eine Gemeindeschwester. Die Feldbereinigung begann. Eine Reuaufstellung der Ortsbürgerliste war erforderlich. Gesetze der sozialen Fürsorge traten in Kraft. Neuerungen auf dem Gebiete des Steuerwesens waren eine abwechslungsreiche
herausgebracht; mit einer ganzen Reihe witziger Szenen und Gruppen, besonders im zweiten und dritten Akt. Löfflers Bühnenbild wirkte als geschlossener Raum am vorteilhaftesten. (Obwohl vielleicht mit geringeren Mitteln mehr zu erreichen gewesen wäre.) Der Gartensprospekt schien uns ein wenig dürftig. Das zum wohlgefälligen Leben und einer geordneten Häuslichkeit bekehrte Viermännerkollegium war ergötzlich in ganz verschiedenen Exemplaren des starken Geschlechtes variiert. Geffers (Bruno) war der hartnäckigste unter ihnen; sehr hübsch zu sehen, wie er, zuerst empört, dann scheinbar triumphierend, den Boden unter den Füßen verliert Eine sympathische, gemütvoll- biedere Art gab Rudolf Goll dem Maler Heinz. Z u h n f c war der nervöse Musikus, Hanke der überschwänglich verliebte Waldemar; beide in hartem Kampf um die Wahrung ihrer ehemännlichen Würde. Unter den vier Frauen, die siegreich daö Feld behaupten, berührte am unmittelbarsten die kleine Sekretärin tvon Susanne He hm liebenswürdig und reserviert gespielt). Sehr drollig Alix K rahm er als Lisbeth, das außer Rand und Band geratene enfant terrible, mit fast erschreckendem Temperament. Die stark schockierte Amelie mit der noblen Verwandtschaft war Ilse Oßke. Rita Andre aber gab derb, redselig und geradezu die Toni, um deren gefärbte Haare die schwere Schlacht geschlagen
i Die Neueinstudierung wurde dankbar I und b.i,- . j c. jenommen, Dr.Th.


