<3r taumelte in die Arme Kleins zurück, der ihn fofoct zum Arzt brachte.
Durch die Aussagen des Zeugen Schardk wird kesige.kelll, daß Rouz^r den Peitschenhieb mit dec linken Hand gab und dabei die rechte Hand schon an den schußbereiten Revolver gehalten hat.
Die vier Deutschen waren völlig unbewafs- net. Nur ein einziger, ber von Ro az'.er am weitesten entfernt war, hatte einst Spazierstock. 3m weiteren Verläufe der Rach.nittags- sihung ereignete sich dann folgender Zwischenfall: Del der D rn-hmung des Zeugen Klein stellte der Anklagevertreter die Frage, warum Klein seiner ersten Dorlad-ng nicht Folge geleistet habe. K.ein erw.dertr, er habe sich nach der Verhaftung Holz nanns, der als Zeuge geladen und auf die bloße Bekundung Rouziers h n verhaftet und zwei Monate in Untersuchungshaft gehalten worden fei, ins unbesetzte Gebiet begeben. Auf die Frage d.s A'.k.'agevertretcrs, was er bis jetzt g.tan und wovon er gelebt hab?, erwiderte Klein, er habe keine Arbeit gehabt, sondern vom Noten Kreuz eine Unter- stühung erhalten. Hier sprang der Anklagevertreter in großer Erregung auf und erklärte ein derartiges Dorlomm.sts für unerhört. So etwas sci in noch keinem Prozeh vorg.kommen. Die Derteidg ng verwahrte sich dagegen. Als der Anklagevertreter bei der Vernehm, ng des Zeugen Schardt dieselbe Frage stellt, erhob die D rte.di» gung Einspruch. Die Frage habe mit dem Prozeß nichts zu tun. Sie sp.ele de Angelegenheit aus ein polit isches Gebiet und sei geeignet, eine feindselige Atmosphäre für die deutschen Ang klagten und die deutschen Verteidiger zu schaffen. Der Anklagevertreter blieb dcchei, die Frage zu stellen. Der Verteidiger Dr. Fehr erhob nochmals Einspruch.
Die Jrage sei eine rein politische. Niemand könne den Deutschen verdenken, dah sie einem Volksgenossen, der unter solchen Umständen arbeitslos und mittellos geworden sei, eine Unterstützung gewährten.
Die Verteidigung stellte schließlich einen Antrag, dah diese Frage nicht zugelas- s e n wird. Der Anklagevertreter erklärte nunmehr, dah er an der Stellung seiner Frage kein besonderes Interesse mehr habe, aber die Entscheidung dem Gericht überlasse. Vach längerer Veratung verlündctr der Gerichtshof, dah dem Antrag der deutschen Verteidigung mit drei gegen zwei Stimmen entsprochen worden sei.
Am Samstag wurde die Zeugenvernehmung über die Vorgänge am Ludwigstor fortgesetzt. Dabei sagte Der französisch:UnteroffizierP rud- Homme über die Situation vor den Schüssen Rouziers aus, dah er in den Vorgängen keine Gefahr für Rouzier g scheu habe. Er sei also langsam die Straße toeiki.,2gangen, bis er plötzlich in Vouziers Hand einen Re - volver gesehen habe. Darauf habe er zu lausen angefangen und habe Rouzier aus 15 Meter Entfernung wiederholt zugerusen: „Rege dich nicht auf, ich bin da!" In diesem Augenblick habe Rouzier auf den Deutschen gefeuert, der auf ihn xugegangen (nicht zu- gesprungen) fei und noch drei Meter von ihm entfernt gewesen sei, worauf der Deutsche getroffen niedersturzte. Er, Prud'homme, habe sich darauf in^Geckung begeben und die in der Räbe stehenden Deutschen ausgefordert, dies gleichfalls zu tun. Die Aussagen des Unter» osfiziers wurden durch die Aussagen zweier deutscher Zeuginnen in jeder Weise bestätigt.
Die Sitzung brachte besonders schlagende Be- weise für die Unzulänglichkeit von Zeugenvernehmungen in Gegenwart französischer Dolmetscher.
die in der Voruntersuchung des Falles vielfach vorgenommen worden sind. So soll der Ange- llagte Fechter in der Voruntersuchung ausgesagt haben, Rouzier habe erst geschossen, nachdem er bedroht worden sei. und hinzugefügt: „Ich hätte .in derselben Lage auch geschossen. Fechter bestreitet das ganz entschieden. Er habe wahr- > heitsgetreu ausgesagt, dah Matthes noch vier bis fünf Meter von Rouzier entfernt war, als * dieser schoß. Der Dolmetscher habe dies als nicht glaubwürdig bezeichnet und ihn veranlaßt, ' die Szene nachzuspielen, wobei Fechter die Rolle des Matthes annehmen muhte. Der Dolmetscher habe dabei gerufen: „Roch näher!" bis Fechter unmittelbar y2 Meter vor ihm stand. Deswegen habe er (Fechter) gesagt: „Dann hätte ich, wenn ich der Offizier gewesen wäre, auch geschossen. Das täte dir so passen, wenn das so getreten wäre." Auch die Zeugin Ottinger bestreitet nachdrücklich ihre unter Mithilfe desselben Dolmetschers zustande gekommene angebliche Aussage im Protokoll der Voruntersuchung. Die Verhandlung wurde darauf auf Montag vormittag vertagt. Wie von maßgebender Seite mit- geteilt wird, ist man entschlossen, den Prozeh unter allen Umständen am Dienstag, dem 21. Dezember zu Ende zu führen, wenn nötig, wird die ganze Rächt hindurch verhandelt werden.
Die Pariser Presse zum Rouzrer-Prozeß. Paris, 19. Dez. (TU.) Die Pariser Presse läßt sich von ihren Sonderberichterstattern aus- fübr.iche Verich e über den Germersheimer Prozeß drahten, die sie teilwe.se mit Kommentaren versieht. V.el beacht:t wird d e energische Verwahrung der deu.schen Verteidigung gegen die von den Franzosen beabs.ch.i^t: Bersch ejung der Ange.e^enheit auf das politische Gebiet. Das „Journal" versieht den Prozehbericht mit der Uebe.schrift „Der Locarnogeist hat gestern nicht die Landauer Verhandlungen beherrscht". Das nationalistische „Journal des D e b a t s" hält es für nölig, in einem besonderen Artikel heftige Angriffe gegen das deutsche Rote Kreuz zu richten und von deutschen Verstoß:n geg n das Rhein anda. kommen zu sp e- chen Unvoreingenommen sucht der „Quoti- dien" zu ur e en, der aus den Zeugenaussagen den Schluß zieht, daß der Soldat Gorin die Hauviverantwortung für die Zwischenfälle trägt, die das Drama am Lrdigz'or ein e hten. Aehn- lich äußert sich die „Humanit 6", die erklärt, das gestrige V.rhör habe den Eindruck hinter- (affen, daß die sranzösische Vesatzungsbehörde ungebührlich übertrieben habe.
Kunst und Wissenschaft.
Lin staatlicher Beekhooeupreis.
'Anläßiich des 100. Todestages Ludwig van Veethovens im Jahre 1927 hat der preußische Staat einen Dcethovenpreis geschaffen, der von der preußischen Akademie jährlich an
hervorragend begabte, strebsame jüngere oder anerkannte ältere Tonseher, die die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen, verliehen wird. Der Preis beträgt jährlich 10 000 Mk.
Aus aller Welt.
Zehn Jahre Deutscher Verein in Genf.
Ihrer reger Qieteuijung der deu.schen Kolonie beging der Deutsche Verein in Genf die Feier fernes zehnjährigen Veste.^ens. Präsident Steffens sprach den Dank der Deutschen an die gastliche Schweiz aus, wove. Generalkonsul A s ch m a n n die Verdienste der Genier Deutschen um die Erhaltung des Deutschtums würdigte und auf die Erfolge der reichsdeutschen Politik, wie sie sich gerade in Genf auswirke, hinwies. Er gedachte zugleich des Interesses, das der Reichsauhenminister den Sei: J.- en in Genf gegenüber bekundet habe und s )loß mit einem Hoch auf den Reichsprujiden- ten. Zahlreiche Vertreter deutscher Ve.ene ker Westschweiz beglückwünlch e:i den Verein, dem die deutschen Frauen Genfs eine Fahne in den Reichsfarbe i st f eien. An den Reichspräsidenten wurde ein Huidtgungs e.'egramm gesandt.
vom Schulkreuzer „Linden".
Der Schalkrci z r „E nden" i't an 17. Dezember ii Santa Cruz (T r.er sfa) e ng troffen und wird am 27. Dezember nach St. Helena gehen.
Die Reife des Schulschiffes „Großherzogin Elisabeth".
Las Schulschiff des Deutscl en Schulschiff-Vereins „Großherzogin Elisabeth" ist am 17. Dezember wohlbehalten in Sao Francisco do Sul (Brasilien) angekommen und wird am 3. Januar nach Pernambuco weitersegeln.
Der älteste Berliner gestorben.
Der älteste Bürger der Reichshauptstadt, Privatier Beruh. Behrendt, ist am Freitagabend im Alter von 104 Jahren gestorben. Durch den plötzlichen Lod seiner achtzigjährigen Tochter, die ihm den Haushalt führte, war der alte Mann, der bis dahin noch ziemlich rüstig und geistig rege gewesen war, gänzlich zusammengebrochen.
Grohfeucr in einem Konfektionsgeschäft.
In Mannheim brach in der am Parade- Platz gelegenen Firma Lukas (Deutsche Bellei- dungsgescllschaft) ein gewaltiges Schadenfeuer aus, dem fast sämtliche dort auf gespeichert en Vorräte an Konfektion zum Opfer fielen. Rur ein Teil der Damenkonfektion tonnte noch gerettet werden. Die Dekorationswatte im Schaufenster war den Glühbirnen zu nahe gekommen und batte Feuer gefangen. Im Ru halte sich das Feuer auf das Innere des Ladens ausgedehnt, so daß die Angestellten kopflos wurden und fluchtartig Daücnrannten. Um 1 Uhr abends war das Feuer gelöscht. Große Stapel dampfender Kleidungsstücke liegen noch in dem Laden umher, der ein wüstes Bild der Vernichtung bietet.
TUlf dem Kraftwagen in einen Hochzeitszug.
In der Rähe von Clermont-Ferrand ist ein Privatautomobil in einen Hochzeitszug hineingefahren. Dabei wurden 18 Personen umgerissen. Acht von ihnen, Darunter auch die junge Braut, erlitten so schwere Verletzungen, daß sie in ein Krankenhaus übergeführt werden mußten. Der Fahrer des Automobils gab an, daß er vom Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden Automobils geblendet worden sei.
Schweres Autounglück.
In Metternich bei Koblenz geriet ein be- labeneö Möbelauto ins Schleudern und fuhr gegen ein Gasthaus. Der Wagen wurde schwer beschädigt und die Möbel zertrümmert. Von den drei mitfahrenden Personen wurde der Kaufmann Gillet aus Kettig bei Mayen sofort getötet, während der Besitzer und der Wagenführer schwere Verletzungen davontrugen.
Mißglückter Raubüberfall.
In einem Wag n des Zuges Berlin—Velten, der gegen l/2l Uhr den Stettiner Bahnhof ver° lassen hatte, wurde auf einen Reis.nd.n namens Slafser, der sich mit seiner Frau auf der Rückfahrt von Berlin nach Hennigsdorf befand, von zwei Männern ein U e b e r f a 11 v e r ü b t. Die Räuber kamen aber an den Unrechten. Der Ueberfallene streckte den einen mit einem Schlage zu Boden, während er Den anderen festhielt, bis der Zug in den Bahnhof Gesundbrunnen einlief. Dort wurde der Festgehaltene sowie der im Abteil bewußtlos Liegende der Dahnhofswache übergeben.
Ein kecker Autodieb.
In Berlin wurde ein Chauffeur verhaftet, dem es gelungen ist, Zwei Monate mit einer von ihm gestohlenen Antodrosch7e täglich in Berlin zu fahren. Er hatte sogar einen zweiten Cha uffeur in Dienst genommen. Er hatte ein gefälschtes Rummerschild angebracht und wurde nur dadurch entdeckt, dah der wirkliche Besitzer Der betreffenden Rümmer ein Strafmandat wegen zu schnellen Fahrens erhielt.
Einsiurzunglück.
In Philadelph a b.ach in einer Zuckerwarenfabrik ein auf dem Dach befindlicher großer Wasserbehälter durch sämtliche Stockwerke bis in den Keller der Fabrik, tötete zwei Personen und begrub über 20 Angestellte unter den Trümmern.
Ein 400 Bieter hoher Wolkenkratzer in iNeuyork.
Beim Reuyorrer Stadtbauamt reichte der Präsident Der Großgrunbbesihgesellschaft. John Larkin, einen Plan für Die Errichtung eines HOftödigen Dureauhauses ein, dessen Höhe 1293 Fuß gleich 397 Meter betragen soll. Mit dem Bau soll im nächsten Jahre in Der Rähe des „Simefcfquare" begonnen werden. Die Dau- kosten belaufen sich auf 18 Millionen Dollar, das Grundstück kostet 4,5 Millionen Das jährliche Mietseinkommen ist auf Drei Millionen Dollar veranschlagt.
Wettervoraussage.
Mäßiger Temperaturfalt (nur vereinzelt Rachtfrost) noch vorwiegend wolkig und geringe Riederschlagsschauer.
Gestrige Tagestenrperaturen: Maximum 5.0. Minimum 1.8 Grad Celsius. Riederschläge: 4,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 3,7 Grad Celsius.
Aus der Provinzialhauptftadt.
Gießen, den 20. Dezember 1926.
40 Jahre akademische Lehrtätigkeit. Professor Martin, Geh. Medizinalrat, Dr. phil., med. vet. et. med. h. c. begeht heute den Tag feiner 25jährigen Wirk, amkeit als Direktor des Ae t e r in ä r a n a t o - mischen Instituts der Landesuniversität: er schaut auf 40 Jahre akademischer Lehr ät gleit zu.ück. In Gegenwart von Freunden und Bekehrern des Jubilars übermiltelte Sc. Magnifizenz der Rektor, Prof. Dr. Zwick, die Glück , ü.lsche der iiniDerfilät und überreichte auf.rag ich ein Diplom, wonach Martin von der medizinischen Fakultät Zürich zum Dr. med. ehrenhalber ernannt wurde. Der Dekan der Delerinärmedi-stnischen Faku.tät würdig e in einer Ansprache die hervorragenden wislenschaf.lichen Verdienste des Jubilars.
Paul Martin wurde 1851 in Stuttgart geboren, wo er nach dem D:such des Realgymnasiums Ve.eri ä.medi.in studie te und nach dec Approba ion (U.n Tierarzt als wissenscha'tl cher Assistent angestellt wurde. Schon als Student ist er als Mitarbeiter an einigen Bänden der Werke seines Vaters (Praxis Der Raturgeschichte und <(L.ft ierte Ra u ceschichte le. Te e) betraut worden. Zwei Jahre war er unter Bonnet als Assistent an der Tierär'tl. Hochschule in München tätig, wo ihm nach Erledigung des Examens als beamteter Tierarzt Die Distrikts- 2/erarztstelle übertragen wurde. 1886 erhielt Martin einen Ruf an die T erärztl. Hochschule in Zürich für die Fächer der Anatom e und Vhy- sio'ogie und wurde im QlCer von 25 Jahren zum Professor und Mitglied der ärztlichen und ?ahnä-ztlichen anat. physiologischen Prüsungs- lomm ss'on e rnannt. Auch hat er stellvertretend in Der Medizinischen Fakultät Physiologie gelesen urb geprüft. 2m Jahre 1834 hat ihn die Philosophische Fakul ät zum Dr. phil. promoviert.
Vor 25 Jahren folgte Martin einem Ruf als ord. Professor und Direktor des Veterinär- anatomischen Instituts an unsere Landes Universität. Gleichzeitig wurde er von der Vereinigten Medizinischen Falultät ehrenhalber zum Dr. med. vet. promoviert Seine Forschungen auf dem Gebiets der Anatomie, Histologie und Embryologie hat er hier in rastloser Tätigkeit erfolgreich fortgesetzt, wobei ihm in seinen Werken das besondere Talent als wissenschaftlicher Zeichner zu- gutekam. Martin ist 1912 mit dem Ritter- trenz 1. Kl. Philipps des Großmütigen und drei Jahre später mit der Ernennung zum Geheimen Medizinalrat ausgezeichnet worden: die Gesellschaft Schweizerischer Tierärzte wählte ihn zu ihrem Ehrenmitglied.
Der Jubilar hat eine an Prof. Dr. Schauder in Leipzig verheiratete Tochter und einen Enkel, zu denen er nach feinen jetzigen Ehrungen abgereist ist.
Kreisausschutzfitzung.
Der Kreisausschutz des Kreises G i e tz e n hielt am Samstag eine öffentliche Sitzung ab. Cs wurde über folgende Gegenstände verhandelt:
Vergütung des Bürgermeisters und die Besoldung Der Gemeinde- beamten Der Gemeinde Dettenhau» f e n. Wie durch den Vorsitzenden festgestellt wurde, hat der Landtag in feiner Sitzung vom 24. April d. I. die Regierung ersucht, Die Richtlinien, Die bezüglich Der Besoldung Der Gemeindebeamten von dem Minister Des Innern in 1921 und 1922 herausgegeben worden waren, mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Der Minister des Innern hatte diesem Ersuchen entsprochen und die Amtsblätter Rr. 1 von 1921, Rr. 4, 6 und 7 von 1922 zurückgezogen. Hierdurch wurde die Rotwendigkeit geschaffen, eine Neuregelung Der Bezüge für Bürgermeister und Gemeindebeamten vorzunehmen. Im buJiegenöen Fall hatte Der Gerneinderat eine Kürzung der seitherigen Bezüge vorgenommen. Damit erklärten sich der Bürgermeister und Die Gerneindebcamten nicht einverstanden. Auch dem Kreisdirektor schienen Die nunmehr vom Gemeinderat festgesetzten Bezüge nicht im richtigen Verhältnis zu Den an Den Bürgermeister und Die Gemeindebeamten zu stellenden Anforderungen zu stehen. Einem Vorschlag des Kreisdirektors, gemäß Art. 84 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 138 Abs. 2 und 157 Abs. 2 L.G.O. in eine Rachprüfung Der festgesetzten Bezüge einzutreten, gab ter Gemeinderat keine Folge. Der Kreisdirektor legte deshalb Die Akten dem Kreisausschutz zur EntscheiDung vor. Rach dem von dem Vorsitzenden vorgetragenen Akteninhalt war Die Vergütung des Bürgermeisters für Zeitaufwand ab 1. April 1926 von 1039 auf 800 Mk., Die Besoldung des GemeinDerechners von seither 1200 Mk. auf 3 Prozent Hebgebühr Der Iahresrechnung = 600 bid 700 Mk., Diejenige Des Polizeidieners von 417 Mk. auf 400 Mk. und Diejenige Des Feldschützen von 650 Mk. auf 300 Mk. gekürzt worden. Der Beigeordnete erklärte, Daß nach nochmaliger Beratung durch Den Gemeinderat eine Einigung nicht habe zustande kommen können. Der Bürgermeister erklärte, Daß er Dem Beschluß Des Gemeinderats nicht habe beitreten können, weil Der Gemeinderat verlangt habe, dah er auf Portovergütung, Vergütung für Stellung eines Dienstzimmers verzichten solle und auch Die .Umlagen zur Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte zu tragen hätte. Der Po - l i a e i D i e n c r erklärte, dah er mit Der vom Gemeinderat festgesetzten Vergütung einverstanden fei Der Fel dschü tz erklärte, dah er mit Der ihm angebotenrn Besoldung nicht habe einverstanden sein können. Die Geißelnde besitze große Obstanlagen, und er müsse besonders in Der Erntezeit den ganzen Tag Dienst machen. Im Laufe Der Verhandlung beschloß Der Kreis- ausschuh in geheimer Beratung, daß Die Gemeindebeamten gemäß A tikel 50 VRG. nicht beizuladen waren. Rach Acükel 50 VRG könne das Gericht Dritte als B.-telligte beiladen. Der Kreisausschuß war im vorliegenden Fall Der Ansicht, von dieser D:iladung abzuiehen. Da Die Gemeindebeamten als Auskunftspersonen bereits geladen und ihre förmliche Beiladung nicht mehr nötig erschieuren sei. Das Geetz gebe nur Dem Gericht ein Recht, auf Beiladung, nicht aber den Beteiligten einen Anspruch Darauf, beigeladen zu werden. Eine EntscheiDung über Die Höhe der Bezüge selbst wurde nicht gefällt. Dies soll in einer späteren SiZuna erfolgen.
Bezüglich der Vergütung des Bürgermeisters und der Besoldung der Oemeinbebamten Der Oe*
meinben Beuern und Treis a.d. Lda. wurde nicht verhandelt. Diese Gegenstände wurden vertagt.
Entschädigung für Diehoerluste: hier Klaae des Georg Fadel zu Geils- Hausen. In der öffentlichen Sitzung des Kreis- ausfchufscs vom 13. November wurde beschlossen: 1. über den Sektionsbefund den Beterinärrat Dr. Stein als Zeugen, 2. über die Frage, ob der Kläger auf Grund des feftgefteUten Befundes mit Der Möglichkeit des Vorhandenseins der Maul* und Klauenseuche rechnen mußte, den Dberoeterinärrat Prof. Dr. Knell als Sachverständigen zu vernehmen. In der Samstagssitzung erklärte Ober, veterinärrat Pros. Dr. Kn eil auf die Frage, ob der Kläger auf Gruird des von ihm feftgeftettlen Befundes mit der Möglichkeit des Vorhandenseins der Maul- und Klauenseuche habe rechnen müssen, daß die klinischen Erscheinungen sehr verschiedenartig seien. Wenn aber in einem Ort die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen sei, so habe, wie in vorliegendem Falle der Besitzer annehmen müssen, daß soll, diese Seuche bei seinem Diehstand aus- gebrochen sei. Die von dem Kläger angegebenen Erkrankungserscheinungen seien glaubhaft. Die Kranlheitserscheinungen selbst würden bei richtiger Behandlung in acht bis zehn Tagen abheilen. Der Vertreter des Staates erklärte, daß der Anspruch erloschen sei, weil hier eine fahrlässige Versäumung Der Anmeldung oorliege. Dem Kläger wurde durch Urteil eine Entschädigung für einen Ochsen und ein Nind zugesprochen.
Lungenseuche in L i ch: hier: Klage des Paul Kächler in L i ch wegen jji geringer Vergütung für zwei n o t g e s chla ch t e te Kühe. In der Sitzung des Kreisausschusses vom 30. Oktober war folgender Beweisbeschluß ergangen: Die vom Klager benannten Zeugen sollen über die Behauptung des Klägers, daß die Schätzung der ab- geschlachteten Tiere zu niedrig gewesen sei, vernommen werden. Die Ladung der Zeugen wurde davon abhängig gemacht, daß Kläger bis 15. No. oember einen Kostenoorschuß von 30 Mk. zu leisten bade. Da dieser Kostenoorschuß innerhalb der ge- setzten Frist nicht geleistet worden war, konnte eine Ladung der Zeugen nicht erfolgen. Eine Ladung derselben von Amts wegen war nicht für notwendig erachtet worden, da der Sachverhalt an sich geklärt erschien. In Der jetzigen Sitzung hatte der Kläger die von ihm genannten Zeugen selbst mitgebracht. Diese erklärten, daß es sich um eine sehr gute Kuh gehandelt habe. Auch hier wurde der Klage insofern ftattgeaeben, als der gemeine Wert der notgeschlachteten .Kuh auf 800 Mk. festgesetzt wurde.
Uebertrumpft.
Die Teilnrhmer Des FelDzug2s 1870—1871 werben wrrrirner und weniger. Für s.e. D:ren Angehörige und Rachkommm, sowie alle, D.e für Humor zugänglich sind, sei eine Erinnerung an Den Kommanbeur Des Damaligen hissischen 2. Infanterie-Regiments — später Ärfanterie-Regi- ment Kaiser Wilhelm — erzählt.
Der FelDzugsregimentskommandeur war Oberst Kraus, eine originelle Persönlichkeit, von kräftiger Figur, gerabeaus, Jäger, voll Mutterwitz unb Schnurren. Er wetteiferte bar n mit bem Brigabekommanbeur Oberst v. Winckler. Spaßhaft war es, wenn bte beiden sich an- logen. So hatte beim Zusammenkommen Der Kameraden abenbs im Kantonnement vor Dem belagerten Metz zum Essen und Schoppen Oberst Kraus eine Iagdgeschichte erzähll, bei bet es sich um eine unglaubliche Geschwindigkeit handelte. Oberst v. Winckler hatte kopfschütteli'ck» zugehört und meinte, das sei noch gar n.chts. Er wäre einmal von Calais nach Dover im Dampfschiff über den Kanal gefahren, da sei dicht hinter Calais der Ruf ertönt: „Mann über Bordi" Das Schiff habe gestoppt. Man suchte, fand nichts unb sei weitergefahren. Dicht vor Dover habe man Rufe hinter bem Schiff gehört, herstammend von bem über Bord Gefallenen. An Borb gehißt, habe dieser erzählt, dah er beim Stürzen in das Wasser bewußtlos geworden fein müsse. Als er zu sich kam, fei das Sch.ff schon weit weg in voller Fahrt gewesen. Da habe er als guter Schwimmer sich in das Zeug gelegt und glücklich das Schiss eingebolt .,Da s sei G eschw in- digkei t!" fügte W.nckler, den Oberst Kraus fixierend, hinzu. Kraus machte ein erstauntes Gesicht und fragte sehr i.rteressiert: „älnö das haben Sie wirklich erlebt?!" Winckler schwor Stein und Dein, es sei w a h r. Er habe es selbst gesehen! Da sprang Kraus auf, schüttelte Winckler die Harrd und rief freudig erregt: „Gott sei Dank, daß ich endlich einen gesunden habe, Der mir eine meiner Geschichten bezeugen kann! „Sehen Sie. dieser Schwimmer bin ich gewese nl" —
Schallendes Gelächter der Zuhörer, in das Winckler vergnügt etnftimmte! K.
Don der Autolinke
Giehen - Wieseck - Alten-Duseckr
£ Der gestrige Sonntag mit seinem starken Zug nach der Stadt sbellte außerordentlich große Anforderungen an den B.trieb. Don Den Mittag- stunden ab war der Andrang so stark, daß alle Drei vorhandenen Wagen eingesetzt werden muhten, Die sämtlich eine gute, mitunter sogar stärkste Besetzung auftoiefen.
In Dem vor einigen Tagen veröffentlichten Fahrplan machten sich um eine Entlastung besonders stark benutzter Wagen zu er.-eichrn, einige Qlenberungen notwendig. So endigt der erste morgens 5,45 Uhr am Bahnhof Gießen abfahrende Wagen nicht mehr in Wieseck, sondern fährt durch bis Alten-Buseck, wo er 6.12 eintrifft unb wie seither 6,15 zurückfährt. Der erste Wagen ab Al.en-Buseck fahrt nicht mehr 6,15, sondern 5,55 (in Wieseck tontet wie seither 6,05). Der Wagen von und nach Alten-Buseck zwischen 8 und 9 41hr morgens ist in Wegfall gekommen. Dafür wurde auf Wunsch Alten- Dusecks eine neue Fahrt (11,17 an Alten-Duleck. 11,20 ab Alten-Duseck) eingelegt Der seither ab Bahnhof Gießen um 5,20 abends abfahrende Wagen ist nunmehr ebenfalls bis Alten-Duleck Durchgeführt. Er trifft Dort 5,49 ein und fährt sofort (5,50) zurück. Um an Den Wagen ab Wieseck 8,35 abends einen besseren A ifchluß zu erreichen, fährt Der Wagen ab Alten-Buseck nicht mehr 7,40, sondern 8.20. Der Wagen ab Alten-Duseck 2,52 nachmittags ist im Fahrplan als nur an Samstagen und an Tagen vor Feiertagen verkehrend bezeichnet Dies ist dahin zu berichtigen, daß er nur ab Alten-Duseck Samstags unb vor Feiertagen verkehrt, von Wieseck sährt er nach wie vor täglich 3,05 ab.
Mit Diesen Aenderungen darf Der Fahrplan für das Winterhalbjahr als feststehend bezeichnet werden.
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