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schast kommt am Weihmarter Barg bei Reumark (Oberpfalz) zur Entscheidung. Bad Bildungen veranstaltet ein Turnier, bei dem durch den Sauerl^ndischen Bob- und Aais-A. C. das 5. Winterberg-Bergrenncn -um Austrag gebracht wird.
Radsport.
Bahnrennen sind vorgesehen in: Berliner Olhmpiabahn, Dresden-Reick, Frankfurt. Ercseld, Hannover, Bochum, Korn und Tangerhütte. Sn Wien werden die Oesterreichischen Bundesbahn- Meisterschaften auf der Hernalser Radrennbahn ausgetragen. An Radfernfahrten bringt der Sonntag: die Meisterschaft der D. R. 11, iin Sechfer-Dereinsmannschaftäfah.en bei Hannover, „ilnfer August Lehr" über 210,5 Kilometer bei Frankfurt, den Drohen Opel-Strahenpreis von Rorddeulschland „Rund um Hamburg".
Rett- und Fahrt»rntere tm Reich, u. a. in Kolberg. Hannover. Görlitz, Bad-Homburg, Bremen, Königsberg, Schleswig.
Oberhessen.
Landkreis Gictzen.
O Groß en-Lin den, .19. Aug. Unter der hiesigen Schafherde ist die Maus- und Klauenseuche auSgebrochcn. Das Kreisamt hat Ort und Gemarkung als Deobachtungsgcbiet erklärt. Das Befahren der Gemarkung mit fremdem Klauenvieh ist verboten.
h. Lollar, 19. Aug. Heute feierte der allseits beliebte Schneidermeister Hetberts- hausen bei bemerkenswert geistiger und körperlicher Frische den 8 0. Geburtstag. Rach- mittags gratulierte ihm der Gesamtkirchenvorstand des Kirchspiels Kirchberg, dessen langjähriges Mitglied der Jubilar Ist. Der Bor- sihende, Dekan G u h m a n n , verlas ein herzliches Glückwunschschreiben des LanbeSkirchen- amtes und überreichte mit entsprechenden Wünschen im Ramen der Kirchengcmeinde ein Neues Testament.
KrciS Friedberg.
---Friedberg, 19. Aug. Das De- arntenwohnhaus für Reichsbeamte ist in seinem Rohbau fertiggestellt und die Arbeiten zum inneren Ausbau werden in Kürze vergeben. — Der Geschichts- und Altertums- verein hält nächsten Sonntag seine Jahresversammlung in dein benachbarten Assenheim ab. Es ist damit eine Besichtigung der Kirche zu Ilbenstadt und den Museen in dem Gräflichen Schloß zu Assenheim verbunden: auch die Wet- tcrauer MuseumSgefellschaft wird an diesem Ausflug teilnehmen. — Die bösartige Maul- und Klauenseuche ist erneut in Rieder-Wöllstadt und Rleder-Erlenbach ausgebrochen. In Ober- Mörlen, Klein-Karben und Wölfersheim wurde die Schwcineseuche, in Ober-Eschbach die Geflügelcholera sestgestellt.
I?! Dilbel, 19. Aug. Die Verunreinigung der Ridda durch die Abwässer gibt dauernd zu Klagen Anlaß. Kürzlich führte sie einige Tage rotes Wasser. Sin Bad darin zu nehmen, ist kaum noch möglich, auch nimmt der Fischbestand enorm ab. Die rote Färbung soll von einer Fabrik verursacht sein. Ss wurde eine Untersuchung angeordnet.
!?! Dilbel, 19. 2Iug. Ain Sonntag, Montag und Dienstag wurde der bekannte V i l b e l e r Iah rmarkt, der voriges Jahr auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken konnte, abgebalten. Die günstige Witterung lockte eine große Zahl Fremder an, die in Extrazügen dem Festorte zuströmten. Mehrere Tausende drängten sich
Sturm in Schmalebeck
Roman von Sophie Kloerss.
Copyright 1926 by Aug. Scherl (3. m. b. 5)., Berlin.
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Seine Mutter sah ihn an: „Wo hast du das nun wieder her?"
„Main Eggers sagt so. Wie wir hinter Fiete herschrien."
„Ihr sollt dock nicht hinter Fiete herschreien."
Hans senkte schuldbewußt den Kopf und schielte unter den langen Seidenwimpern hervor nach den Schwestern. Die lachten schon wieder. „Du, Mamme, er ging wieder auf Eiern. Immer so hoch mit den Füßen, und so auswärts und so auf den Spitzen. Zum Totlachen sah er aus."
„Ach was, er ist ein sehr ordentlicher Junge. Wenn ihr nur immer so manierlich wäret und so würdet wie der!"
„Mamme, möchtest du uns so haben wie Fiete Eggers? Hans, du sollst Fiete Nummer zwei werden!"
„Dumme Gesellschaft! Macht, daß ihr hinauskommt!" Sie jagte die gickcrnde Schar in den Garten, der sich hinter dem Hause weit und schattig bis an die Schmale hinunterzog. Dann wandte sie sich Ilse zu.
Die stand am Fenster und sah hinaus in die lommergrüne Wildnis und sah hinter den weiten Rasenflächen und Bosketten, weither hinter dem Flüßchen, dunkle Waldlinien und aus den Wald- linien hervor den Turm eines Schlößchens. Den Turm grüßten ihre Blicke.
„Siehst du nach Eichtal aus?" fragte Hanse Rottmann. „Ja, die sind ja hier. Ich sagte doch schon, Vater ist hin, weil Krog wieder die schlimmen Füße bat. Er sagt. Adern! Vater sagt: Podagra. Das wird es wohl auch sein. Sie erwarten ihren Neffen, den Sohn der jütländischen Schwester, Baron Hammersmid. Er war schon mal hier, wenn du dich erinnerst, als du Kind warst. Solch langer Junge von sechzehn Jahren."
„Doch, ich erinnere mich. Er brachte mir an einem Nachmittag mehr Dummheiten bei, als man lonft im ganzen Jahr hier in Schmalebeck lernen konnte."
aus der ausgedehnten Festwiese, wo eine große Anzahl Hallen, Zelte und Schaubuden aufge- schlagen war. Das Geschäft ging gut trotz Arbeitslosigkeit und Geldknappheit. Der große Dich- marit mit Prämiierung am Marktdienstag mußte Degen der Maul- und Klauenseuche ausfallen. Die Derlosung fand trotzdem statt. Doch wurden die Gewinne, die sonst in Dieh bestanden, durch Geldpreise abgelöst.
— Qlud ber IBet ter au, 19. Aug. Bei dem Dorfe Rieder-Dorselden brannten zwei große Scheunen nieder, die von oben bis unten mit ungedroschenem Getreide gefüllt waren. Die umliegenden Wohnhäuser konnten mit Mühe gerettet werden.
88 Ober- Florstadt, 19. Aug. 3n der letzten Demeinderatssihung wurde in der Dclehung des Gemeinderechnerpostens insofern Klarheit geschaffen, als der Geflügelhändler Fr. S ch w e i ö in geheimer Abstimmung von den Bewerbern die meisten Stimmen erhielt. Erfolgt nun die Bestättgung durch das Kreisamt Friedberg, dann dürfte diese leidige Angelegenheit bald der Dergangenheit angeboren. Der zweite Punkt bezog sich auf eine Beschwerde gegen die Gemeinde Ober-Florstadt wegen Dernachlässigung ihrer Gräben am Waldrand. Das liebel wird abgestellt durch Anlegen eines Ableitungsgrabens in Länge von zirka 700 Meter. Der Kostenvoran- schlag dazu beläuft sich auf 500 Mark. Dadurch eröffnet sich auch wieder den hiesigen Erwerbslosen Arbeits- und Derdienstmöglichkeit. — Die Grummetgrasversteigerung der hiesigen Gemeindewiesen ist auf Samstagabend festgesetzt. Sie findet im hiesigen Rathaus statt.
B. Ober-Rosbach, 19. Aug. Am kommenden Sonntag gedenkt der Zweigverein Wetterau der Gustav-Adolf-Stiftung hier fein 3 a b r e d f e ft abzuhalten. Die Festpredigt hält Professor K e l l e r - Friedberg. Auch für die Rachfeier st»d mehrere auswärtige Redner, wie Dekan Bogel von Bruchenbrücken und Pfarrer H o f nt e y e r von Bad-Rauheim gewonnen. Ihre Mitwirkung haben auch der Friedberger Posaunenchor und dxr Ober-Rosbacher Kirchengesangverein zugesagt. Man rechnet auch auf starken auswärtigen Besuch aus den Kreisen der Wetterauer Gustav-Adolf-Freunde.
Kreis Bübingen.
X Ridda, 19. Aug. Dor etwa 6 Jahren wurden mehrere neue landwirtschaftliche Schulen in Oberhessen errichtet. Damals war auch eine solche für Ridda genehmigt worden. Die konnte aber aus Mangel an geeigneten Räumlichkeiten nicht eröffnet werden. Sicherem Vernehmen nach soll nun in diesem Herbste die bereits früher genehmigte landwirtschaftliche Schule hier eröffnet werden, und zwei andere in Oberhessen, die seither einen sehr schwachen Besuch auftoiefen. sollen eingehen. Als Leiter der neuen Anstalt wird Landwirtschaftsrat Dr. Hermann Schadt in Butzbach hierher verseht.
= Ridda, 18. Aug. Unsere kleine Landstadt mit ihren 2400 Einwohnern, von denen allerdings jeder sechste Mitglied deS Turnvereins ist, hat mit der Erbauung der neuen Turnhalle ein gemeinnütziges Werk vollbracht, wie es wohl kaum ein zweiter Ort der Gröhe aufweisen kann. Als ein nicht alltägliches Geschehnis darf die Tatsache gebucht werden, daß der Voranschlag von rund 60 000 Mark nicht erreicht worden ist, dank des Entgegenkommens der Stadt und ihrer turnfreundlichen Verwaltung, die den Bauplatz gestellt und weitere Hilfe zugesagt hat. Rektor H. Vitt und Lehrer W. Geiger von der Gewerbeschule, sowie Architekt Zahn haben in fleißiger Arbeit unentgeltlich die Pläne und
Voranschläge sachgemäß und rasch vollendet. Der Löwenanteil der Vorarbeit ruhte natürlich auf den Schultern des Turnvereiirsvorstandes mit Dr. mea. Fritz Koch an der Spitze. Die eigentliche Weihe der Turnhalle erfolgt erst kommenden Samstagabend durch einen deutschen Turnerabend in Gegenwart der Behörden und der Vertreter der turnerischen Organisationen.
nd. Unter-6cb mitten, 19. Aua. Heute vormittag stürzte beim Legen deS Gebälks im städtischen Reubau an der Salzhäuser Straße in Ridda der Zimmermann Adolf Meier von hier aus beträchtlicher Höhe ab. Er trug eine schwere Kopfverletzung und einen Schlüsselbeinbruch davon und muhte hierher in seine Wohnung gebracht werden. Der Verletzte ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er ist 47 Jahre alt und ein tüchtiger, fleißiger Handwerker, dem allgemein Teilnahme entgegengebracht wird.
Kreis Schütten.
Gedern, 19. Aug. Der hier alllonntäg- lich unter Leitung des Gendarmeriewachtmeisters Kinkel gepflegte und vom Verein für Deutsche Schäferhunde ausgehende Polizeihunde- s p o r t gewinnt immer mehr das Jnteresfe weiterer Kreise. So standen am letzten Sonntag nicht weniger als 15 Hunde aus dem Dressur- Platz zur Verfügung. Der Leiter der Hebungen führte den zahlreichen Sportfreunden und sonstigen Zuschauern die Verfolgung einer 03er- brecherspur mit Hilfe eines Spürhundes vor. SS war äußerst interessant zu beobachten, mit welcher Sicherheit der Hund die Spur aus- nahm und durch Feld und Wald verfolgte, um seinen Herrn schließlich wieder an den Dressur- Platz zurüctzusühren, wohin sich der „Verbrecher" inzwischen begeben halte. Es gelang dem Hunde unschwer, unter den zahlreichen Zuschauern die als „Verbrecher" in Frage kommende Person einwandfrei festzustellen. — Die neue Betonbrücke an der Wrningser Straße wird demnächst vollendet fein. Durch die neuzeitliche Anlage der Brücke hofft man, in Zukunft die seither oft eingetretenen Ueberfchwemmungen der
Krecsstraße Erkern—Wenmgo vermeiden zu können. — Die Kleinkinderschule erfreut sich eineS zunehmenden Besuches, da die Eltern der noch nicht schulpflichtigen Kinder den Segen dieser Einrichtung immer mehr zu schätzen wissen. SS wird allseits begrüßt, daß die kleineren Kinder dadurch von den Straßen entfernt sind und die Derkehrssicherheit dadurch größer ist. Dani der Spenden hiesiger Einwohner stehen den Kleinen genügend Spielsachen zur Verfügung, die ihnen die nötige Unterhaltung und Abwechslung gewährleisten.
------- Gedern, 19. Aug. Infolge der in Ober-Seemen und Wenings ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche wird der R t n d v i e h» unb Schweine markt auf Mitte September verschoben. Der nähere Termin wird noch bekanntgegeben. Dagegen findet der Krämer« markt in althergebrachter Weise am Sonntag, 22.. und Dienstag, 24. August mit Tanz unb Volksbelustigung statt. Zahlreiche Dergnügungs- etablissements find im Aufbau begriffen. Anmeldungen von Verkaufsständen aller Art liegen sehr zahlreich vor. Auch hiesige Geschäftsleute, die sich gut eingedeckt haben, werden ihre Waren auSstellen. An Zuckerbuden, die für die 3ugeut> deS schulpflichtigen Alkers bekanntlich im Mittelpunkt des Interesses stehen, wird ebenfalls kein Mangel fein. Auch zum Schwingen des Tanz- beinS bei den Klängen unserer Feuerwehrkapelle wird genügend Gelegenheit geboten fein. (Siehe morgige Anzeige.)
Kreis Alsfeld.
•er. H o mber g. 19. Aug. Unser so schon gelegenes Städtchen bietet namentlich von der West- feite her einen sehr reizvollen Anblick, den man besonders genießt, wenn man von Deckenbach oder von Rieder- und Ober-Ofleiden herkommt. DaS Landschaftsbild ist größtenteils von einem Kranze schattiger Buckernvälder umsäumt, die von einer großen Anzahl Spazierwegen durchzogen sind. Der Derschönerungs- und Touristenverein hat zwecks besserer Orientierung in diesen ausgedehnten Waldungen eine weitreichende Markierung angelegt. Am Bahnhöfe steht eine toelt-
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ist def 5to!z der Hausfrau. Schon sei! Jahren nimmt sie zur Wasche nur
weil sie weiß, wie sehr ein schönes weißes Tischtuch zum Wohlbehagen ihrer Gäste beiträgt.
Sie lächelte vor sich hin. Ihre Augen sahen versonnen in ferne Vergangenheit ober in irgendein heimliches Erinnern der neuen Zeit: wer konnte es deuten —, nur daß sie einen Ausdruck hatten, der ihnen bisher fremd gewesen, das sah Hanse deutlich.
„Jlsebill, du hast was verloren in Kiel! Hast du auch was gefunden?"
Die fuhr auf. „Verloren? Wieso?"
„Dein Herz hast du verloren. Man sieht es dir an."
„Hansemama, was für ein Unsinn! Da war niemand zum Herzoerlieren."
„So? Soll ich das für bare Münze nehmen?" Ehe Ilse antworten konnte, fuhr ein Wagen vor; ber Doktor kam heim unb begrüßte die große Tochter. Dann kam das verspätete Mittagessen, und von Herzensgeheimnissen war weiter feine Rede mehr.
*
Als Hanse Rottmann ihren Mann heiratete, tat sie es um des Kindes willen. Weil das arme, mutterlose Mädchen sie jammerte. Weil sie es so sehr liebte. Der Mann der viel älteren verstorbenen Schwester war so halb Bruder, halb Respektsperson. Unb sie hatte eben ein Jungmädchen- erleben hinter sich, das nach einer Verlobung aus- gesehen unb mit einer Enttäuschung geschlossen hatte. In solchem Fall heiratet man sehr verständig. Das Herz sprach ja mit, ober nicht für den Mann, sondern für das Kind.
Als sie aus Hamburg, aus dem Leben der großen Stadt, aus dem Lachen und Singen eines reichen Familienlebens in die kleine Stadt kam, dachte sie, sie solle umkommen vor Heimweh. Das liebevolle heitere Kind war Trost und Aufheiterung in den langen, einsamen Stunden, wo ber Mann fern war. Der Mann, der doch eigentlich Respektsperson bedeutete.
Ader wie die Jahre gingen, wuchsen sie zusammen. Beide lebensfiart unb blutwarm — aus ber Vernunslehe wurde ein festes Zusammengehen voll stillem Glück.
Von vier Kindern mußten sie einen Sohn wieder hergeben. Das band noch fester. Aber — so sehr Hanse. Rotlmann die eigenen Kinder liebte —, zwischen ihr und der Stieftochter war ein Band, anders
als Mutter- und Kindesliebe. Sie waren Schwestern, Freundinnen, und dazu noch Mutter und Tochter. Mehr konnte es nicht geben.
War zum ersten Male ein anderer Einfluß zwischen sie getreten?
Jlsebill stand an dem Fenster ihres Zimmers. Das lag eine Treppe hoch neben den Stuben ber Großeltern, bie dort ihre vier Zimmer hatten unb eigene Wirtschaft führten. Alte Leute mit gesunben Körpern unb jungen Herzen. Die Eltern bes Vaters. In ganz Schmalebeck schlankweg: „Pastors". Denn Pastor Rottmann hatte vierzig Jahre lang bas geistliche Zepter im Stäbtchen geschwungen, unb fein Nachfolger und Hausnachbar, Pastor August Jessen, mürbe den Schmalebeckern nie werden, was der alte Herr gewesen.
Jlsebill sah wieder in die Ferne. Zwischen den Bäumen hindurch und über Rasen unb Rosen hinweg nach der blauweißen Flagge jenfeit ber Schmale. Sah sie bie? Sah fie nicht etwas ganz anberes?
Die trabenden Pferde vor ber Postkutsche. Unb brinnen ein junges Ding voll heimlicher Seligkeit und äußerlicher Unnahbarkeit. Sehr wohlerzogen, sehr gehalten, nur mit einem kleinen Lachen in ben Augen. Neben ber Postkutsche aber auf einem Apfelschimmel ein schlanker, blonbcr Mann. — Mann? Er wollte es wohl erst werben. Ober ist man mit zweiunbzwanzig ein Mann? — Wie ber schimmel tanzte unb stieg. Natürlich kitzelte er ihn heimlich mit ben Sporen, um seine Reitkünste zu zeigen unb ihre Besorgnis hervorzurufen. Aber sie tat ihm den Gefallen nicht. Diese jungen Herren wollen immer bewundert unb umsorgt werben. Mochten das die Mädchen tun, die gar zu gern in die Ehe gehupft wären. Sie machte nicht mit. Und außerdem — man kam viel weiter, wenn man sie kurz hielt.
Das weite, junggrüne Land! Die Landstraßen zwischen ben Buchenhecken! Die trillernden Lerchen und die flatternden Möwen droben im Blau! Unb bie herrlichen allen Bäume auf ben Feldern, vereinzelt in stolzer Pracht, zusammengeschlosseu zu üppigen Waldburgen. Unb bazwischen hinzufahren und als Gardedame nur eine alte Bauernfrau. Unb als Reisegesellschaft ein paar Ritter von der Elle. Spiegeleier unb Landschinken auf ber Mittagsrast
unb Kaffee und derbes Landbrot am Nachmittag, — und dann tauchte der Schmalebecker Kirchturm auf, der aussah wie ein spitzer Bleistift, und der Wea nach Eichtal ging ab zur Linken, und man reichte die Hand aus dem Kutschenschlag und sagte: „Besten Dank für den Reiseschutz, Herr von Harn- merfmib, für die ritterliche Begleitung. Vergnügte Wochen bei Ihren Verwandten?
Immer die kleine Hand im Wildlederhandschuh festhaltend, trabte er nebenher.
„Es werden sehr frohe Wochen, wenn ich Sie wiedersehen darf, Fröken Rottmann. Mein Ajax wirb ben Weg nach Schmalebeck halb kennen."
„Dann wirb er bas Schmalebecker Pflaster verwünschen." Die Hanb würbe mit leichter Energie befreit. Ein letztes Winken — eben stieß Schwager Pebersen zum erstenmal in das Horn — man war getrennt.
Dann rumpelte es auf besagtem Pflaster, bann kamen die Geschwister, — dann wehte Kleinstadt- lüft um einen her. — Ein Seufzer, der ein inneres Frohsein war, ein letzter Blick hinüber zum blau- weißen Wimpel, — von drunten ries die Mutter, — Ilse Rottmann sah sich wie erwachend im Zimmer um unb bemerkte jetzt erst vor bem großen Toilettespiegel bie Rosenschale unb auf dem Bett die neue Spreidecke, — sagte zärtlich vor sich hin: Mutter — und lief die Treppe nieder.
War bas Leben nicht schön? War es nicht ein Wunder von Glück und tociigteit? Konnte man je unglücklich werden? — Andere Menschen — jo. Aber eine Ilse Rottmann! — Unmöglich, einfach unmöglich. — „Du Sonntagskind", sagte ber Großvater immer. Und die Freundinnen in ber Schule halten gesagt. „Sogar einen Engel von Stiefmutter hast du. Gor nicht auszndenken."
Unten auf dem Flur stand Fiete Eggers. Als fic oorbeiwutschen wollie, sahen feine Augen sie so seltsam an, so hungrig, daß sie stehenblieb.
„Na, Fiete, was hast du auf dem Herzen?"
„Ich wollt nur wissen, ob bie Kinber heute keinen Unterricht haben sollen. Ich war schon einmal hier, zu fragen, da fand ich Frau Doktor nicht!" Die wasferblauen Augen wandten sich nicht für eine Sekunde von ihrem Gesicht.
(Fortfetzung folgt.)
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