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VormMtSrischenDerwicklungen?

Paris. 20. Mai. (1DIB. Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Bukarest hat die rumäni­sche Regierung infolge russischer Trup­pe nko n z e n t rierungen an der polni­schen Grenze entsprechend den Bestimmungen des polnisch-russischen Vertrages eine teilweise Mobilmachung von Streitkräften angeordnek, die an der bessarabischen Grenze zusammengezogen werden.

Die vorbereitende Abrüstungskonferenz.

Der französisch-englische Gegensatz.

Genf. 19. Mai. ($11.) Sn der heutigen Dormittagssihung der Abrüstungskonferenz wurde die Debatte über den vom Rat vorgelegten Frage­bogen fortgesetzt. Zur Diskussion stand die Frage 2. Der Absatz A lautet: Sst es möglich, die evtl. Kriegsrüstung eines Landes ernzuschränken oder müssen sich die Maßnahmen zur Abrüstung nur auf die Friedensrüstung eines Landes beschrän­ken? Absatz B lautet: Was ist unter Herabsetzung oder Beschränkung der Rüstungen zu verstehen? Lord Robert Cecil wünschte, daß die Beschrän­kung der Rüstungen nur auf dasjenige ausge­dehnt werden soll, was sich tatsächlich verwirk­lichen lasse, d. h. auf diejenigen Kräfte, die ein Staat tm Kriegsfall etwa innerhalb einer Woche mobilisieren könne. Demgegenüber hält Paul 'Boncour seinen Standpunkt auf­recht, daß

die Abrüstung sich auf alle wirtschaftlichen, finanziellen und anderen Kräfte eines Landes erstrecken

müsse. Der Argentinier Perez bezeichnete den vom Rat vorgelegten Fragebogen als unklar und ungeeignet für die weitere Diskussion. Er schlug die Einsetzung einer Unterkommission vor. die die Frage vom technischen und politischen Standpunkt aus prüfen und neue klare Richtlinien für die weiteren Arbeiten aufstellen soll. Paul B o n c o u r bedauerte die Kritik an dem von ihm und Lord Robert Cecil aufgestellten Fragebogen. In der weiteren Debatte trat der Gegensatz zwischen Lord Robert Cecil Ujn b Paul Boncour, der von Broucqutees (Belgien) unterstützt wurde, noch deutlicher in die Erschei­nung.

Lord Robert Cecil will unter allen Umständen die Abrüstung auf die zu Kriegsbeginn in Er­scheinung tretenden mobilisierbaren Kräfte be­schränken. um so Frankreich durch eine Ab­rüstung seiner Armee zu treffen.

während ihm die Ausdehnung der Abrüstung auch auf industrielle und andere llntemehmun- aen vom englischen Standpunkt aus unangenehm ist. Paul Doncour sucht ein sehr weitgehendes Programm zu entwickeln, an dem wegen seiner Ändurch führbar keit die ganze Abrüstung schei­tern soll. Wit langen, sich wiederholenden Re­den gelang es ihm, den Argentinier Perez, der bte Aufstellung eines neuen Programms ver­langte, zur Zurückziehung seines Antrages zu bewegen. Gin Bermittelungsvvrschlag des Spaniers Cobian, der von Gibson (Bereinigte Staaten) und Lord Robert Cecil unterstützt wird, lautet dahin, daß die rein technischen Fragen von den politischen getrennt werden sollen.

Die Kommlsflon beschließt hierauf, ein Re- daklionskomitee einzusehen, das die Unter­scheidung zwischen militärischen und politischen

Fragen vornehmen soll.

Lord Robert Cecil erklärte, daß im Falle un­überwindlicher Meinungsverschiedenheiten das Re­daktionskomitee sowohl den militärischen Sachver­ständigen, als auch dem Vollausschuß zwei For­meln vorlegen werde. Im wesentlichen gaben sämlliche Redner zu, daß der Unterschied zwischen offensiv und defensiv Rüstungen sehr schwer festzu­stellen sei. Paul Boncour verlangte, daß jeder Staat für den Ausbau seiner Berteidigungsmaßnahmen volle Freiheit behalten müsse. Lord Robert Cecil er­klärte dagegen, daß die Rüstungen überhaupt nicht in offensiv und defensiv Rüstungen eingeteilt wer­den können. Die Arbeit des Ausschusses würde un­wirksam bleiben, wenn gewisse Rüstungen eine Aus­nahme bilden sollen. Der Vertreter Jugosla­wiens schloß sich der Auffassung Lord Robert Cecils an, daß die Herabsetzung der Rüstungen sich auf solche Rüstungen beschränken müsse, die einge­schränkt werden können.

Gewiße Faktoren der allgemeinen Wirtschafts­kraft eines Landes dürfen dabei nicht berührt werden.

Ban Tuinen (Holland) erklärte, zur Be­wertung der Kriegsstärke dürfen nur Faktoren herangezogen werden, die unmittelbar bzw. in wenigen Wochen mobilisiert sind. Der belgische Senator de Brouquöres schilderte die Ge­fahr. die von der raschen Hmstellbarkeit der chemischen Industrie und des Flugzeugwesens herrührt und verlangt nochmals, daß der Be­griff der industriellen Mobilisation in den Vordergrund der Beratungen gestellt wird. Er forderte den Abschluß einer internationalen Konvention, durch die die Staaten zur Ver­öffentlichung aller Erfindungen verpflichtet werden, die für den Gaskrieg benutzbar werden könnten.

Das Ergebnis der Genfer Ztudienkommisfion.

Die deutsche Delegation für die Studien­kommission in Genf ist am Dienstagabend in Ber­lin eingetroffen und hat am Mittwochvormittag im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages bereits Be­richt erstattet. Danach sieht man im Augenblick die Gesamtlage keineswegs ungünstig an. Die Studien­kommission hat sich darauf geeinigt. dieZahlder ständigen Ratssitze nicht zu vermeh­ren, abgesehen von der Zuteilung eines Sitzes an Deutschland und die Zahl der n i ch t st ä n d i g e n Ratssitze von sechs auf neun z u erhöhen. Für die zweite Gruppe soll ein Turnus eingeführt werden dergestalt, daß ein Drittel der Mitglieder nach einem Jahr, das zweite Drittel nach zwei Jah­ren und das dritte Drittel nach drei Jahren aus- icheidet und dementsprechende Zuwahlen er- folgen. Sämtliche nichtständigen Ratsmitglieder wer­den im Herbst zuerst einmal ausscheiden, worauf bann die Neuwahlen erfolgen. Der Ratskonflikt ist ober damit noch keineswegs gelöst, weil sich noch nicht klar erkennen läßt, welche Haltung Spa­nien und Brasilien im Herbst einzunehmen gedenken. Der Vollversammlung des Völkerbundes

bleibt es jetzt überlasten, die Vorschläge der Studien- kommission anzunehmen, abzulehnen oder abzu­ändern. Aendenmgen dürften aber wohl kaum in Frage kommen, da sie nur neue Streitigkeiten der Mächte untereinander auslösen würden. Offen ist die Frage geblieben, welche Staaten bei der Neuwahl in den Rat hineingenommen werden sol­len. so daß also Deutschland in der Lage ist, gegen die Hineinnahme Polens mit allen Mitteln auch in der Vollversammlung zu arbeiten.

Der Frankensturz.

Paris, 20. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Der eminente Sturz des Franken an den internationalen Börsen hat den Finanzminister PLret, der vor eini­gen Tagen zu Verhandlungen mit Churchill über die Schuldenfrage nach London gefahren war, zur chleunigen Rückkehr veranlaßt. Er erklärte über eine Londoner Verhandlungen, daß eine gründ- ätzliche Regelung noch nicht erzielt worden sei, daß er jedoch die Absicht habe, baldigst zur Weiterführung der Verhandlungen nach London zurückzukehren. Inzwischen würden einzelne tech­nische Fragen von den in London verbliebenen Sachverständigen geprüft. Er habe die Hoffnung, daß man im Verlauf der weiteren Verhandlungen zu einer Verständigung über eine Anzahl wichtiger Fragen gelangen werde. Im übrigen dementierte der Finanzminister energisch die Nachricht, daß er wahrend seines Aufenthaltes in England Verhand­lungen zwecks Eröffnung von Krediten durch gewisse englische Banken eingeleitet habe.

Im Elysee tritt heute vormittag einMinister- r a t zusammen, in dem der Finanzminister über seine Londoner Verhandlungen berichten und Maß­nahmen zur Stabilisierung des Franken vorschla­gen wird, über die bereits gestern in Anwesenheit von Vertretern der Bank von Frankreich verhandelt wurde. Nach der Morgenpresse soll dabei die Mög­lichkeit der Aufhebung des Gesetzes über d i e Kapitalflucht zur Sprache kommen, fer­ner die Beseitigung des Kontrollscheines für Wert- papierbesiger und die Schaffung einer Deoifen- zentrale. DasOeuvre^ veröffentlicht ein Ge­rücht, daß infolge des Ernstes der Finanzlage gestern von einer möglichen Umgestaltung des Ministeriums vor dem Wiederzufammen- tritt der Kammer gesprochen worden sei. Der Her- not nahestehendeQuotidien* schreibt: Die Regie­rung ist von dem Ernst der Stunde, von der Un­zulänglichkeit ihrer Vorschläge und von der Dring­lichkeit, wirkungsvolle Maßnahmen zu treffen, über­zeugt. Sie ist deshalb, wie man versichert, bereit, s i ch zurückzuziehen, um einem Ministerium Platz zu machen, dessen Zusammensetzung selbst die Bürgschaft für die Durchführung einer Aktion sein würde. Aber welches Ministerium, fragt der Quoditien"! Gewisse Leute behaupten, es handle sich um ein nationales Ministerium, und Briand sei bereit, in ihm einen Posten anzunehmen, selbst wenn er es nicht bilden würde. Andere schlagen ein homogenes Kabinett vor, das allein die notwendi- digen Maßnahmen ergreifen könnte.

Spanisch-französische Erfolge in Marokko.

Paris, 19. Mai. ($11.) Die neuesten Rach­richten aus Marokko besagen, baß die große franko-spanische Offensive sich auch weiterhin günstig entwickelt. Die französischen Truppen sind auf einer 30 Kilometer breiten Front vorgebrungen. Die erste Division hat unter dem Kommando von General D e r - no i s den Djebel Rokdi trotz erbitterten Wider­standes des Gegners im Sturm genommen. Der Vormarsch dieser Division auf bas nur 12 Kilometer entfernte Targuist wirb trotz der Verschanzungen, die Abd el Krim auf der Weg­strecke errichten lieh, mit Erfolg fortgesetzt. Die Spanier haben der Reihe nach Afrau, Sidi, Dru und Annual genommen und damit die blutige Riederlage gerächt, die General Silvestre im Jahre 1921 bei dem letztgenannten Orte zu­gefügt worden war. Die spanischen Truppen find bis Termasint vorgestohen. Abd el Krim konnte sich nur durch die Flucht der Gefangennahme entziehen.

Die Deuischenverfolgung in Böhmen.

Staatsfeindliche ©rqanifationcn.

Prag, 19. Mai. (WTB.) Bei dem in Jglau in Mähren eingeleiteten Hochverratsprozeß gegen den Fachlehrer G o e t h und Genossen wegen feiner Tätigkeit als Schriftführer der Ar­beitsgemeinschaft für Heimatkunde der Jglauer Sprachinsel wurden in der Anklage­schrift u. a. folgende Vereine und Verbände a l s geheime umstürzlerische Organisa­tionen bezeichnet, deren Zweck es sei, die Selb­ständigkeit und verfassungsmäßige Einheit des tschechoslowakischen Staates zu unterwühlen: der H i l f s o e r e i n für Deutschböhmen und die Su­detenländer, der Sudetendeutsche Heimat­bund in Berlin, das Deutsche Ausland­institut in Stuttgart, der Deutsche Schutz­bund und der Verein für bas D e u tk ch tu m i m Aus 1 an d in Berlin. In der Anklage­schrift wird als belastend hervorgehoben, daß die Angeklagten zu den genannten Organisationen Ver­bindungen unterhielten, und, daß die Jglauer Ar­beitsgemeinschaft dem Deutschen Auslandinstitut in Stuttgart und dem Sudetendeiitschen Heimatbund Ansichtskarten von Jglau übersandten.

BeschWe des Deutschen SWtetages. Wiederaufrichtung der Selbstverwaltung.

Berlin, 19. Mai. (TU.) Der Deutsche Städte­tag beriet Ende voriger Woche in Dresden über eine Reihe wichtiger Kommunalfragen. Der Vor­stand des Städtetages, der die Notwendigkeit der Wiederherstellung des selbständigen Anteilrechts.der Gerne in den an der Reichseinkommensteuer immer besonders betont, beschloß die Aufstellung von Richllinien, die die praktische Durchführung dieses Anteilrechts sichersteUen. Nur so sei es möglich, die volle Verantwortung aller Kreise der Bürger­schaft für die Ausgabenwirtschaft in den Gemeinden zu erfassen und damit einen Grundpfeiler der städtischen Selbstverwaltung wie­der aufzurichten. Geaen die bei der V e r g n ü - gungssteuer in Aussicht genommene weitere Einengung der kommunalen Selbstverwaltung er­

Die Mttenmeui em M vor dem Untersuchungsausschuß.

Das Referat des Abg. Drüninghaus.

Berlin, 19. Mai. Sm Unterausschuß des Untersuchungsausschusses des Reichstags setzte Abg. Brüning Haus seine Entgegnung gegen das Referat Dittmanns fort. Er verlas eine Aussage des Heizers Sachse, die zugibt, daß eine enge Verbindung mit der 11.S.P. bestanden hat. Auf die Aussagen Sachses hin ist dann der Matrose R e i ch p i e t f ch gehört worden. Er hat erklärt: Die politische Bewegung für die H.S.P. besteht seit Anfang 1917. Shr letzter Zweck war, durch Arbeitsniederlegung. Gehorsamsverweigerung bzw. Streik das Pro­gramm der Stockholmer Konferenz betreffs Er­zwingung eines schleunigen Frie­dens durchzuführen. Reichpietsch hat persön­lich. mündlich und schriftlich durch Herantreten an den Abg. Dittmann und Frau Zieh die Bewegung gefördert. Reichpietsch sagte wei­ter aus, daß Dittmann und Frau Zieh ihn dazu aufgefordert hätten, die Organisation zu Gunsten der 11. S. P. möglichst auf den Schiffen auszubreiten. Er habe selbst mit Frau Zieh wiederholt korrespondiert. Sachse hat barm seine Aussage noch in Einzelheiten ergänzt, die sich u. a. darauf bezogen, dah er persönlich den Abg. Dittmann im Reichstag aufgesucht habe. Dort habe eine Art Partei-Konferenz statt­gefunden.

Die Abgeordneten hätten sich Reichpietsck gegenüber dahin ausgesprochen, dah es sich um eine sehr gewagte, verbotene und strafbare Handlung drehe, und Reichpietsch solle sich vorsehen.

Brüninghaus faßte fein allgemeines Urteil da­hin zusammen: Die Behauptung. EinzelfäNe auf einigen Schiffen, die sich auf mangelhafte Der- Pflegung, angebliche schlechte Behandlung durch Offiziere und dergl. beziehen, sind nicht der Grund zu den Meutereien gewesen. Die schweren, aber durch die Gesetze bedingten Stra- f e n sind verhängt worden, weil die Angeschul­digten ihre Forderungen mit Gewalt durch­setzen wollten, und dabei vor Meuterei und Landesverrat nicht zurückschreckten. Wenn man die Kundgebungen und die Taten unserer Wehrmacht zu Wasser und zu Lande objektiv würdigt, so wird man doch wohl zu dem Schluß kommen müssen, dieser ganze sehr oft mißver- ftandene Militarismus und MariniSmuS sei nicht, wie der Berichterstatter behauptet, auf Lug und Trug und Schwindel aufgebaut gewesen.

Dieser Militarismus war in Wirklichkeit länget als 40 Jahre der stärkste Hüter des europäischen Friedens und zugleich der wirksamste Schuh der deutschen wirtschast und des deutschen Mr- beit e r s.

Er war aufgebaut auf dem kategorischen Smperativ der Pflichterfüllung, der 'Mannes­zucht, der Kameradschaft, der Verantwortlichkeit und der Dienstfreudigkeit. Selbst unsere Feinde haben dies erkannt. ES blieb einem deutschen, Reichstagsabgeordneten Vorbehalten, die durch nichts gerechtfertigte Behauptung in die Welt zu schleudern, die Wehrmacht zur See wäre an innerer Fäulnis zugrunde gegangen und hätte damit die Revolution verschuldet. Die Geschichte hat bereits ein ganz anderes Gutachten übet die deutsche Marine abgegeben.Sch bin, so sagte Drüninghaus,heute mehr denn je der Ueberzeugung, daß der Zusammenbruch der Marine hervorgerufen worden ist durch die Politisierung dieses Kampfinstru- ment8. Sn der nächsten Sitzung wird Abg. Dittmann (Soz.) noch einmal Gelegenheit neh­men, auf das Referat des Abg. Drüninghaus einzugehen.

Gegen die Rechtsunfichecheit in Preußen.

Aus dem preußischen Staatsrat.

Berlin, 19. Mai. (TU.) Sm preußischen Staatsrat hob Dr. Steiniger (Arbeits- aemeinschast) als Berichterstatter hervor, erheb­liche Teile des Staatsratsausschusses seien der Meinung, daß es nicht angehe, daß die Polizei ohne genügende Begründung bei an­gesehenen Vertretern der Sndustrie Haus­suchungen und sonstige polizeiliche Maßnah­men vornehme. Besonders sei getadelt worden, die vorzeitige Mitteilung an die Links­presse. Don der Fraktion der Arbeitsgemein- fchast ist folgende Anfrage des Freiherrn von Gayl eingegangen:Sm Zusammenhang mit der Aufdeckung angeblicher Putschpläne in Berlin haben auf Anordnung des Polizeipräsidenten von Berlin in Westdeutschland Haus­suchungen stattgefunden, bei dem Mitglied des Staatsrotes Dr. Bögler in Dortmund, sowie bei anderen namhaften Führern der Sndustrie und der Landwirtschaft. Die Haussuchungen haben sich nicht nur auf die Wohnungen, sondern auch auf die Geschäftsräume, insbesondere auf die Gebäude der rheinischen Landwirtschaftskam­mer erstreckt. Diese polizeilichen Maßnahmen sind bereits am Vorabend durch das Polizeipräsidium und im anttlichen Preußischen Pressedienst einem Teil der Sn- und Auslandpresse bekanntgegeben wor­den. Die von der Staatsregierung im Landtag und im Staatsrat bekanntgegebenen Unterlagen und Beweise für das polizeiliche Vorgehen gegen Führer der deutschen Wirtschaft sind bisher s o ungenügend gewesen und haben so wenig das Vorliegen von Gefahr im Verzüge nach­

hob der Städtetag Einspruch. Trotz der entgegen- stehenden formalen Entscheidung des Reichsbahn­gerichts halte man an den im Reichsbesteuerungs­gesetz vom 10. August 1925 festgelegten 3 u f d) u lei ft ungen der Reichsbahn zu den durch die Eisenbahnwerkstätten verursachten Kultur- und Sozialausgaben der Gemeinden fest. In der Frage der Anleihepolitik hält der Städtetag es für geboten, daß die Städte bei der Befriedi­gung außerordentlicher Haushaltsbedürfnisse größt­mögliche Selbstbeschränkung üben, auf der anderen Seite fordert er, daß den Städten bei der langfristigen Anleiheaufnahme über produktive oder dringliche Zwecke nicht neue Hindernisse in den Weg gelegt werden, wie etwa durch Unterstellung unter das Gutachten einer neuen besonderenBeratungsstelle" für In- landkredite.

gewiesen, daß der Einbruck erweckt werben mutz, daß die polizeUichen Maßnahmen weder den Be­stimmungen der Strafpolizeiverordnung, noch den Bestimmungen der Reichsverfassung entsprechen, die die persönliche Freiheit gewähr­leisten, so dah sie daher als ungesetzlicher Mißbrauch der Amtsgewalt anzuspre­chen sind. Wie man aus ter mindestens vor­eiligen und unvorsichtigen Bekanntgabe der be­absichtigten Haussuchungen an die Presse schlie­ßen muh, scheint es sich bei dem Vorgehen des Polizeipräsidenten weniger um eine polizeilich gerechtfertigte, als um eine parteipolk-- tische Maßnahme jyu. handeln. Diese Vor­kommnisse weisen einen Mangel an Rechts­sicherheit in Preußen auf, der unerträglich ist. Sie sind geeignet, die für die deutsche Wirt­schaft gerade in der jetzigen Rotlage un­bedingt ruhige Entwicklung schwer zu stören. Wir bitten die Staatsregierung, Vorsorge zu treffen, daß polizeiliche Stellen sich in Zukunft nicht mehr über die gesetzlichen Vorschriften zum Schutze ter persönlichen Freiheit hinwegsetzen, ferner Vorsorge zu treffen, daß nicht durch Sn- diskretivnen amtlicher Stellen polizeiliche Maß­nahmen gefährdet werten und daß nicht eine weitgehende Beunruhigung des Sn- und Auslandes eintreten kmur-Wir ersuchen die Staatsregierung, die schuldigen, leitenden Be­amten zur Rechenschaft zu ziehen und den betroffenen Persönlichkeiten ösfentlichGe- nugtuung ziu gewahren. Generaldirektor Dr. Vögler (Arbeitsgemeinschaft) gibt eine Dar­stellung ter Haussuchungen. Er erklärte dann. Claß und von Luck nie gesehen zu haben. RiemalS habe er mit ihnen brieflich verkehrt, niemals habe er chnen Geld geschickt. Auch gehöre er keinem vaterländischen Verband an. Wenn wir heute nicht noch mehr Arbeitslose hätten, so sei das den Männern zu verdanken, die es den Leuten er­möglichten, zu arbeiten. Die Leute ter Wirt­schaft hätten für Ruhe und Dafür zu sorgen, oah Hundertt au sende von Arbeitern Brot und Arbeit finden.

Der Kutisker-Prozeß.

Berlin, 17. Mai. (TU.) Im Kutiskerprozetz kam heute der Verkauf der Scharlachbank zur Sprache. Nach der Aussage des Kaufmanns Scharlach übernahm Kuttfker den gesamten Aktien» bestand und die ganze Einrichtung der Bank gegen die Verpflichtung, auch die Schulden der Bank, die 1,4 Millionen Mark betragen, zu decken. Die neue Leitung der Bank habe allen angeblichen Gläubigern prüfungslos bewilligt, was diese ver­langten. Scharlach weist die Behauptung zurück, als sei der Verkauf der Bank ein Schwindelgeschäft ge­wesen. Das Original des Schreibens, in dem Ku- tisker Scharlach die Derkaufsvereinbarungen betä­tigte, ist in den Akten nicht zu finden. Ein ftüheres Vorstandsmitglied einer Tochtergesellschaft des Shi- tiskerkonzerns erklärte, daß das kostspielige Auf­treten von Max und Alexander Kutisker Unsummen verschlang. Dem alten Kuttfker sei es nicht darauf angekommen, für feinen Sohn Max 100 000 Dol­lar auszugeben. Der Staatsanwalt stellte fest, daß Max Kuttskers Tättgkeit sich also darauf beschränkte, Auto zu fahren und Wechsel zu fabri­zier e n. Der Zeuge bekundete weiter, er sei von Kutisker beauftragt worden, an einer Konferenz teilzunehmen, die Holzmann mit Vertretern von Michael über das Hanauer Lager hatte. An der Konferenz nahm auch Dr. Hellwig von der Staats­bank teil. Er wurde unter falschem Namen als Baurat Hartmann vorgestellt. Diese Täuschung sei von Michael ausgegangen.

Rechtsanwalt Engelbert, der das Begleit­schreiben Kuttskers zu dem vielerörterten Status der Staatsbank entworfen hatte, erklärt, daß nach sei­ner Ansicht Kuttfker die Scharlach-Bank kaufte, nur um die Villa Scharlachs zu besitzen. Der ftühere Staatsbankdirektor Dr. Rühe erklärte, es müßten von den Beamten in der Lombard- und in der Korrespondenz-Abteilung viele schwere Vergehen vorgekommen sein. So sei die notwendige Deckung überhaupt nicht nachgeprüft worden. Die staatlichen Kreditanstalten hätten damals fast alle ihre Kapi­talien verloren. Die Staatsbank suchte aus eigener Kraft wieder eriHwr zu kommen und da das bei einem normalen Geschäftsgang nicht zu schaffen war, mußte sie sich zu großen Kreditgeschäften ent­schließen. Kutisker war für die Staatsbank ein be­sonders guter Kunde, über dessen Bonität sie die besten Auskünfte hatte. Iwan Kutisker äußerte sich in längeren Ausführungen sehr abfällig über den Geschäftsbetrieb b ei der Staatsbank. Er habe Dr. Rühe darauf hinge­wiesen, daß man sein Rentenrnark-Konto viel zu hoch angegeben habe. Wenn er die Staatsbank hätte betrügen wollen, wäre es ihm ein leichtes gewesen. Dr. Rühe beantwortete eine Frage des Banksach­verständigen dahin, daß über die im Lombard ge­gebenen Millionenwechsel eine Buchführung in der Steinbank überhaupt nicht bestand. Kutisker und dessen Angestellter Grabow hätten den Wert eines -Lagers auf 2,5 Millionen angegeben. Ein Sachver­ständiger wies darauf hin, daß nach dem Lagerbuch der tatsächliche Wert des Lagers damals aber nur 300 000 Mk. betrug.

Aus aller Mett.

Hochwassergefahr am Rhein.

Rach einer Meldung betDvssischen Zei­tung" aus Bonn ist ter Rhein infolge bet anhaltenden Regengüsse bet letzten Tage im Steigen begriffen, so daß Hochwasser- gefabr droht. In ten letzten Tagen war das Wasser bis auf 2,10 Meter zutückgegangen, ist aber heute morgen wieder auf 2,70 Meter ge­stiegen. Seit gestern morgen stieg der Pegel um etwa 50 Zentimeter. Die Niederungen am Rhein sind bereits überschwemmt.

Unwetter in Südtirol.

Aus Innsbruck wird über Unwetter in ganz Südtirol berichtet. Sn vielen Orten er- folgten infolge des Regens Erdrutsche, welche die Straßen und Eisenbahnlinien verlegten. So wurde u. a. die Strecke BozenWelschenofen durch 12 Erdmauern verlegt, so daß der Wagen­verkehr längere Zeit unterbrochen fein wird. Die Bahnlinien KalternMendelT oblach Cortina dampezzoMeran sind durch Erdmffche unterbrochen. Ebenso werden aus dem Pintsch- gau und dem Dustertal Derkehrsunterbrechungen durch Erdrutsche gemeldet. Auch der Verkehr aus der Drennerstraße war kurze Zeit hindurch gestört.

19 lote bei einem Fahrunglück.

Aus dem Flusse Sulak, in der Rahe von Machatsch Kala, dem ehemaligen Petrowsk (Ruh- lanb) ging eine Fähre unter, wobei 19 Menschen ertranken; elf Personen wurden gerettet.

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