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Dienstag, 20. April 1926

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 91 Zweites Blatt

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AusbilDungsbatterien: Pionier-Bataillonen: Nachrichten-Abteilungen; Äraftfa^T-OIbfeilungtn; Fahr-Abteilungen:

<5 an i tätö-Qlbteihi ng«n.

Gießener Stadtthealer.

Otto (Sritft:^rlflrfj^manti nl^(Sr^icl)cr

chärfer zuzusehen und ein kritisches Wort zu wogen, o' wird man doch gegründete Bedenken haben mus- m, sich solcher bedingungslosen Zustimmung anzu-

yierung zu dienen.

Am Quai d Orsoy betonte man weiter, daß der Abschluß des deutsch.russischen Freundschastsver. frans offenbar schon lange Zeit ins Auge gefaßt war, weil allein aus wirtschaftlichen Gründen eine Erweiterung von Rapallo notwendig rrscheinen mußte. Dieser Pakt bewege sich, wie das französische Außenministerium wiederholt nach­drücklichst versicherte, durchaus im Rahmen von Locarno, er sei nicht gegen Frankreich oder gegen die Westmächte gerichtet. Deutschland habe schließlich mit Rußland eigentlich nur dasselbe getan, was ihm Frankreich mit der Türkei vorgemacht habe.

Die Einstellung der französischen Oef- sentit chkeit zu dem Abschluß des deutsch-russi- schen Freundschaftsvertrags weicht von dieser offi­ziösen Auffassung sehr weit ab. Wir müfien uns damit ganz kurz beschäftigen.

Auf dem europäischen diplomatischen Schach­brett machen sich heute drei Richtungen, die sich zum Teil sehr stark widersprechen, ganz deutlich geltend. Eine franko-britische Strömung sucht den Völkerbund für eine Art Organisation euro­päischer Zusammenarbeit vorzuschieben: eine rus­sische Richtung bezweckt im Grunde genommen dasselbe, ober außerhalb oder vielmehr gegen den Völkerbund: eine italienische Strö­mung, die ganz andere und rein persönliche Ziele ntrfolgt, arbeitet dagegen. Zn der französischen Presse stehen sich zwei Ansichten schroff geaenuber: Die Rechtspresse erblickt in dem Abschluß dieses Vertrages eine hauptsächlich gegen 9^ ölen gerichtete Drohung, um gleichzeitig einen Druck auf d I e We st möchte auszuüben, damit diese nach dem Mißerfolge von Genf sich leichter zu Kon­zessionen am Rhein bereitfinden lassen. Aus inner» politischen Gründen nehmen diese Blätter gleich­zeitig scharf Stellung gegen BrIand, der sich nun wohl davon überzeuge, daß entgegen seiner in der Kammer geäußerten Auffassung der Vertrag von Lo-

Hieraus werden 2 Gruppen tommandos.

Divisionen und 3 Kavallerie-Divisionen ge*

Das deutsche Reichsheer.

Bon unserem militärpolitischen Mitarbeiter.

Nach dem Versailler Diktat sollte Deutsch- londs Entwaffnung der Anfang der allgemeinen Abrüstung aller Volker sein. Wie gründlich Deutschland entwaffnet ist, zeigt em kurzer Wick auf die Zusammensetzung des deutschen Reichs- Heeres und ein Vergleich mit einer modernen Militärmacht.

Das deutsche Hunderttausend-Mann-Heer be­steht aus: r

21 Infanterie-Regimentern zu je 3 Batail­lonen und je einer Minenwerferkompagnie, 21 Ausbildungsbataillonen:

18 Reiter-Regimentern zu je 4 Eskadrons, 7 selbständigen Gskadrvns:

dsutsch-russischen Vertrags als ein Ereignis von größter Bedeutung für die ganze diplomatische Lage im Europa, ja, sogar noch weit darüber hinaus.

Als die ersten Nachrichten in Paris auftauchten,

schonen Sevillanerinnen umhin möchte, der wird einen heftigen Reinfall erleben. Die schönen Andalusierinnen werden heute fanatischer, als es den Türken je eingefallen ist, von Vätern, Gatten, Söhnen. Schwiegereltern und Urgroßvätern vor jeder Berührung mit der frischen Lust behütet Niemand bekommt sie lebend zu Gesicht, es sei denn der angetraute Chegemahl. Was man auf den Straßen und Promenaden zu sehen be­kommt, sind nur die Kocherln und kaum einmal die Damen, die ihre Gunst gegen Valuta ver­kaufen dürfen. Diese Erkenntnis stammt nicht nur aus eigener Anschauung. sondern wurde von eingesessenen Freunden bestätigt: und dies ist ausschlaggebend. Unvergeßlich werden uns fre Volksaufläufe bleiben, die entstanden und alsbald von wackerer Polizei zerstreut werden muhten, als einige sieggewohnte Damen unsrer Dampferbesahung sich mit üblicher Be­gleitung in den Cafes von Malaga niederzu- lassen wagten. So etwas war den guten Ein­wohnern ebenso ungewohnt und noch viel un- faßlicher. als werm bei uns auf dem Kur­fürst end a mm eine junge (oder alre) Dame eS unternehmen würde, sich im Evakostmn zu pra- sentieren. Aber es ist kein Wunder, wenn man die Geschichte und die Eeelenversassung des An­dalusiers etwas näher ins Auge faßt. Bis zum 15 Jahrhundert war hier die Maurenherrschast unbefchränlt. und ihr Erbe hat sich, unverwisch- ter als in manchen mohammedanischen Ländern, dort in Gestalt der Haremsidee erhalten. Wir schreiben 1926. und in der Türkei macht sich die Frau so selbständig wie bei uns: in Süd- spanien herrscht unerbittlich wie vor Jahrhun­derten der HaremSzwang. mir in andern gesell­schaftlichen Umschreibungen. Jedenfalls hat Don Juan eine kokettere Situation vorgefunden, als sie heute besteht."

18 Ausbildungs-Eskadrons: Artillerie-Regimentern zu je 3 Abteilungen, 3 selbständigen Artillerie-Abteilungen. sieben

carno zum mindesten nicht das Verdienst habe, Deutschland von Rußland zu trennen. Die franzö­sische Linkspresse argumentiert folgender­maßen: lieber den Rapallovertrag mußte sich Europa erregen, denn er wurde von zwei Ländern abgeschlossen, die nicht dem Völkerbünde angehörten. Der Rapallovertrag hätte daher geheime, aggressive und für den europäischen Westen gefährliche Klau- sein enthalten können. Dies ist bei dem vorliegenden Vertrage unmöglich, denn wenn Deutschland nicht das ganze Abkommen von Locarno hinfällig machen will, bleibt es verpflichtet, in den Völkerbund einzutreten, indem es sich nach wie vor der Forderung unterwirft, daß alle Verträge dem Völkerbund unterbreitet werden müssen und daher nicht gegen die allgemeinen und fried­lichen Bestimmungen des Völkerbundsstatuts ver­stoßen können.

Frankreich und der deutsch-russische Vertrag Don unserem Pariser W. 8.-Korrespondenten.

Paris, 17. April 1926.

umr man sehr zurückhaltend. Man wußte nicht recht, Iwe man sich zu der ganzen Angelegenheit stellen falle, da man erst Fühlung aufnehmen mußte mit ten Kabinetten der Alliierten. Dies ist inzwischen' geschehen. Auch hat die deutsche Regierung durch ih.'e diplomatischen Vertreter die ausländischen Re­gierungen über diese Verhandlungen in Kenntnis gesetzt, so daß seit Freitag in den maßgebenden politischen und diplomatischen Kreisen der franzä- fischen Hauptstadt einigermaßen Klarheit herrscht. Es ist infolgedessen ebenso wichtig wie interessant, stltzustellen, wie sich Frankreich zu dieser ganzen hrage verhält.

Wir haben sofort Gelegenheit genommen, uns ort den hierfür zuständigsten Stellen eingehend zu Informieren und erfuhren folgendes: Für Deutsch- lanb handelte es sich beim Anschluß dieses Der- ttcges zunächst einmal darum, Klarheit im 0 ft e n zu schaffen undim Geiste von Locarno" i.nferc Politik Rußland gegenüber genau festzu- lefien. Diese deutsch-russischen Verhandlungen Haden wie ausdrücklich festgestellt wurde m i t G e n f gor nichts z u tun. Die Dälkerbundsfrage wird damit weder mittelbar noch unmittelbar irgendwie ! berührt. Es sei bei dieser Gelegenheit auch beson- ders hervorgehoben daß die Mitteilung einer deut­schen Nachrichtenagentur absolut falsch ist, wonach die deutsche Regierung in der Völkerbund- rat »frage durch ihren hiesigen Botschafter be­reits eingehende Sondierungen nm Ouai d'Orsay habe vornehmen lasten. Bis Freitag hotte der hie- k fiat deutsche Botschafter noch keinerlei dahingehende ?nstniktionen von Bersin erhalten. Erst im Lause | des Freitag traf hier ein längeres amtliches Schrei- ben des Auswärtigen Amtes ein, das einige Ge­danken der Berliner leitenden Persönlichkeiten ent- hält und geeignet sein dürste, als Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit der französischen Re-

Spanisches Allerlei

betitelt sich in Westermanns Monats­heften ein mit Aquarellen und Skizzen von Franz Heckendorf geschmückter Aufsatz, tn dem Dr. Paul F. Schmidt interessante Dinge er­zählt. Cs heißt dort u. a.: ..Man spielt ,©ar­men* neuerdings «wenigstens in der Gruner Staatsoper) m.t Dekorationen, die den Kenner mit der Lust des freudigen Wiedersehens erfül­len. 3a. ganz so sieht Sevilla vorn Guadal- quioir-Hfer aus: das ist die Stimmung der Fabrica de Tabacos. eines kostbaren Darock- palastes: ganz so lachsfarben und unwahrschein­lich leuchten die Dächer dieser verführerischen Stadt, wie dort auf der Opernbühne. So etwas von innerer Milieuechtheit hat man feit dem Reinhardtschen .Sommernachtstraum* nicht mehr gesehen Daß wir uns richtig verstehen: das Beiwort .verführerisch* besagt durchaus nichts Unmoralisches. Don Jüan hat zwar einmal, wenn wir Mozart und Sternheim glauben Dür- Jen in dieser Stadt gelebt und also auch wohl geliebt. Wer aber glaubt, eS ihm hier gleichtun zu müssen, und sich zunächst einmal nach den

Zum Andenken an den vor nicht langer Zeck verstorbenen Hamburger Dichter und Lehrer Otto F r n ft (Schmidt) halte manFlachsmann als Er­zieher" neu herausgebracht, und es mochte scheinen, als ob der fast stürmische Beifall, den das Stuck beim Wiedererscheinen fand, den ersten, großen Bühnenerfolg vor nunmehr 25 Jahren bestätigen sollte. Der Gedanke, der der Aufführung zugrunde log, ist gewiß löblich und aller Ehren wert, und der Anblick eines fröhlich gestimmten Publikums sicherlich aus mehr als einem Grunde zu begrüßen. Denn es aber demgegenüber gestattet ist, em wenig

kehrt: deus ex machina, mit schallender Stimme, energischen Bewegungen und einem erfrischend un­verbrauchten Temperament: auch diskret und zu­rückhaltend in der Maske. Aus der unglaublichen Raritätensammlung des Kollegiums: Gehre, der intrigierende, brutale und schuftige Diercks, Bast 6 (Weidenbaum), der viel zu dick auftrug, Juhnke (viel seiner im Darstellerischen) mit dem in Stumpf­sinn und Skatspiel versacktenPaedagogen" Rie­mann, Susanne H e y m , heiter, tanzlustig und ver­liebt, als Elementarlehrerin Gisa Holm. Der Bei­fall war nach allen drei Akten gleichmäßig stark. ' Dr. Th.

Holländischer Brief.

Amsterdam, 18. April.

Je mehr die Natur die Frühlingspracht der holländischen Landschaft mit ihren berühmten, jetzt in voller Blüte stehenden Dlumenseldern und Obstgärten zur Entfallung bringt, um so ge­ringer wird hier das allgemeine Interesse an innerpolitifchen Dingen. Die Erste Kammer ist zwar am Ende der vergangenen Woche zur Be­sprechung der Regierungs-Erklärung zusammen­getreten, doch da bei ist nichts Wesentliches zu Tage getreten. Aus dieser Debatte des holländischen Oberhauses ergab sich indes deutlich, daß die neue außerparlamentarische Regierung bei der Erfüllung ihrer Ausgaben von der Ersten Kam­mer noch weniger Opposition zu erwarten hat als von der Zweiten Kammer und daher vor­läufig fest im Sattel sitzt.

Bedeutend größer war die Nachwirkung der bekannten Ernennung des neuen Generalgouver-

Es ist nicht ganz richtig, daß zuerst dieTimes )Se so großes Aufsehen erregende Information oon tarn bevorstehenden Abschluß eines deutsch-russischen ^leundschastsoertrages veröffentlicht haben. -Denn ooch in einigen anderen Blättern, so z. B. im^a- tu , fand man schon vor fünf lagen einige An- Deutungen darüber. Jedenfalls aber sind alle diese Mitteilungen auf eine ganz grobe Indiskretion zu- rückzuführen. Im vorliegenden Falle hat Die vor- .aitige Bekanntgabe dieser Nachricht noch dazu in tiefer Darstellung, in der ganzen Welt das aller- Htößte Aufsehen erregt Am allermeisten natürlich

Paris Hier bezeichnet man den Abschluß dieses «tsch-russischen Vertrags als ein Ereignis von

bildet.

Frankreich, dessen Sicherheit durch dieses deutsch« Heergefährdet" ist. hat hingegen ein stechendes Heer von 785 913 Mann, das in 32 Infanterie- und 5 Kavallerie-Divisionen ein- geteilt ist. Während Deutschland z. B. 63 Ba­taillone hat, verfügt Frankreich über 477 Ba­taillone. Dazu tritt noch eine bedeutende Zahl von «Sonderformarionen, z. D. Maschinengewchr- Dataillone, Kampfwagen-Regimenter. Kavallerie und Artillerie auf Kraftwagen, schwere Ar­tillerie mit Pferde- und Kraftzug, Fliegerabwehr- Artillerie und Luftstreitkräfte. Während bei uns die allgemeine Wehrpflicht, die Grundlage jedes mächtigen HeereS und jeder Weltgeltung ab- geschafft ist. ist In Frankreich jeder Staatsange­hörige 28 Iahre zum Heeresdienst verpflichtet. Die aktive Dienstzeit ist zwar von 3 auf l'/r 3ahr herabgesetzt, doch wird diese Verkürzung zum größten Teil wettgemacht durch die gesetzlich ge­regelte, vollständig militärisch betriebene 3u- gendauSbildung. In der Kriegsstärke, die auf 5 Millionen anzunehmen ist, ist daher keine Aenderung eingetreten.

Aber ganz abgesehen von dieser zahlen­mäßigen Unterlegenheit deS deutschen HeereS, die noch erhöht wird dadurch, daß ringsum daS Reich von französischen Vasallenstaaten mit star­ken Heeren umgeben ist, ist auch die Bewaffnung und Ausrüstung des deutschen Heeres mit der des französischen kaum zu vergleichen. Eine Reichswehrdivision gliedert sich in 3 Snfanterie- regimenter. 1 Artillerie-Regiment und 1 Eska­dron. Dazu treten Sondertruppen. Ein deut­sches Infanterie-Regiment ist den Anforderun­gen eines modernen Krieges nicht gewachsen. Es fehlt ihm die Infanteriegefchüh-Datterie. die aus 6 besonders leichten Geschützen besteht, die im Notfälle auch von Mannschaften gezogen werden können. Die Infanteriegefchüh-Datterie hat die Aufgabe, der Infanterie innerhalb 3000 Meter gelegene, besonders hartnäckig gehaltene Widerstandsnester im Angriff aus dem Wege zu räumen. Ferner fehlt dem Regiment eine fest organisierte, mit allen modernen Mitteln (Funkgerät, drahtloses Telephon) ausgestattete Nachrichtenkompagnie. Auch reichen die 3 Ma­schinengewehr-Kompagnien des Regiments nut ihren insgesamt 36 schweren Maschinengewehren nicht aus im Kamps mit einem modern aus­gestatteten Gegner.

Die Reichswehr-Division verfügt für die Aufklärung und den Polizeidienst über eine ein­zige Eskadron. Diefe reicht bei weitem nicht

tiqe) Ironie der drei Akte stoßen ins Leere. Zu- dem ist die selbstgefällige Bezeichnung des Ganzen als Komödie ziemlich übertrieben. An Komödien sind wir von jeher arm gewesen: an diefe sehr adlige Dramenform müssen wir hohe und strenge Ansprüche stellen, denen die veralteten und groben Mittel dieses Stückes (das als Lustspiel mit oft pos­senhaftem Einschlag gelten kann) nicht gerecht wer- den. Eine Komödie kann nicht auskommen mit einer Schwarzweißtechnik, die alle Mitspieler in ganz gute und ganz böse scheidet, die chre Charaktere typisiert und zu Zerrbildern macht, und die ihre Tendenz und ihre satirischen Angriffe mit so übertrieben ge- häuften, effektvoll billigen und deutlichen 2Drgu- menten an den Mann bringt .

Die Einwände sind beinahe ebenso alt, wie Das Stück selbst. Und sind wohl ebensowenig zu leugnen, wie der stets sich erneuernde Erfolg desFlachs- mann" auf dem Theater. Mit Recht wird man jedenfalls den besseren Teil solchen Erfolges der Auf­führung unter T e le k y zuweifen. Die Spielleitung schöpfte, ohne freilich zu mildern oder zu verfeinern, verblüffende Wirkungen aus den drei Aufzügen, von Denen Der zweite am reinsten herauskam. Bester Gewinn: Die groteske Frühstückspause Des Kolle- aium« unD Die Liebesszene am Fenster, Die Die her- einDringenDe schöne DolkslieDweise vomAennchen von Tharau" stimmungsvoll untermalt Teleky nab auch selbst Die Hauptrolle Des Flachsmann: eine lange, hagere, überbaute Gestalt, mit verkniffenem unD zerknittertem Gesicht, grau in grau innen und außen, trockner Schleicher und Tartusfe, fo bösartig unD unsympathisch, wie er eben im Buche steht. Ihm gegenüber Der Starke, Fröhliche, Gesunde, Un­verknöcherte. der Musterlehrer Ian Flemming, mit Dem Geffers ein leichtes unD dankbares Spiel hatte. Eine Der erfreulichsten unD runDeften @e tal- funqen des AbenDs bot Volck mit Dem Schulrat, der wie ein Wirbelwind Diemuffige Bude aus-

^De "mortuis nil nisi bene. Aber - feien wir ehrlich Dies Stück ist sehr verstaubt unD dt geworden, und man merkt 'hm Die fünf- imDzwanziy Jahre an, Die es auf Dem JRuden tragt Cs ist ja nicht zu bestreiten. Daß es Der Dichter ernst imd ehrlich gemeint hat, unD Daß ihm Du Dinge, um Die es hier geht. Die Probleme Der Schule, der Erziehung und McnschenbilDung lehr am Herzen gelegen haben (So sehr, Daß er fpater nodj .m Asmus Semper" roieDer zu ihnen zuruckkehrt, und eigentlich überhaupt nicht von ihnen losgekommen ist) Aber Die Zeit steht nicht still Die©egenmart (von der man auf Dem Zettel heft) liegt ein Bie t - jahrhunDen zurück. Inzwischen smD wir immerhin weitergekommen: eine solche Schule unD 9e* raDezu petrefakte Jugendbildner (um Mit Fontane zu reDen) sinD heute, alücklicherweise wohl Ziemlich cusgeftorben. Die Problematik des Stuckes 'st über­holt, die Satire und Die (häufig reichlich grobschlach-

neurs für Niederländifch-InDien Kürzsich an der Westküste von Sumatra im Atjeh-Gcbiet erneut stattgefundene Zusammenstöße zwiss en einer mili­tärischen Abteilung und aufständischen Eingebore­nen haben das Interesse der Öffentlichkeit kolo­nialen Fragen zugewandt. Da bei dem obigen Zusammenstoß einer der fähigsten und be'anmc- sten holländischen Kolonialoffiziere, der sich mit einer Abteilung auf einer Straferpedition in dem fraglichen Gebiet befand, gefallen ist, und die in letzter Zeit periodisch ausgetretenen Ein- geborenenübersälle auf militärische Abteilungen fast stets zu schweren Verlusten der letzteren geführt haben, hat sich die Presse der Kolonien wie auch deS Mutterlandes besorgt mit den Zu­ständen im Atjeh-Gebiet besaht und versucht, die Ursachen für die noch immer nicht erreichte Pazifizierung" der fricgcrifd)en und seinerzeit erst nach längeren Kämpfen unterworfenen Atjeh- Stämme zu ermitteln. 2e nach der Parieieinstel- tung des betreffenden BIat.es wurde hierbei ent­weder zu scharfem Vorgehen der Militärbehörden oder harten wirtschaftlichen und steuerlichen Maß­nahmen der Zivilverwaltung die Schuld gegeben. Von behördlicher Seite wurde demgegenüber be­tont, daß derartige Zwischenfälle vorläufig noch unvermeidlich feien, die zum großen Teil tn dem religiösen Fanatismus mehrerer, noch lehr primi­tiv lebender Stämme ihre Ursache hätten.

Eine große Rolle in den letzten kolonialen Prellebetrachtungen hat auch die Frage der wirk­samen Verteidigung deS sehr exponiert liegenden kolonialen Gebietes und im Zusammenhang hier­mit das Problem der augenblicklich im vorberei­tenden Stadium befindlichen Flottenorganisation geführt. Der Streit dreht sich hier haupisüch- sich Darum, ob der Standplatz der gesamten hol­ländischen Flotte nach den indischen Kolonien verlegt und im Mutterlande nur wenige kleine Küstenbewachungs- und äknterrichtSschiffe belas­sen werden sollen, oder ob die Flotte in zwei Teile, in eine indische und eine holländische Flotte .gespalten'* werden soll. Dieses Problem harrt zurzeit noch seiner Lösung. Die in der letzten Thronrede und auch in der neuen Regie­rungserklärung als bevorstehend angekündigte endgültige Vereinigung des Marineministeriums mit dem Kriegsministerium zu einem neuen Der- teidigungsministerium scheint jedoch mehr in die Richtung der ersten Lösung hinzudeuten. Bon maßgebender Seite ist vor kurzem im Nienwe Rotterdamsche Courant auf die Dringlichkeit die­ser Frage mit der Begründung hin gewiesen wor­den, daß der augenblickliche Zustand der indsichm Flotte ziemlich traurig sei, und daß die kolonille Heermacht nicht genügend sei. um die Hand­habung der holländischen Herrschaft im Indischen Archipel zu gewährleisten.

Die letzten bedeutenden Ereignisse der aus­ländischen Politik wurden, wie üblich, namentlich soweit sie die Niederlande mittelbar oder un­mittelbar berühren, eifrig verfolgt. Anläßlich des auf Mussolini verübten Anschlags wurde hier allgemein zum Ausdruck gebracht, daß man wohl eine Aenderung im politischen System Ita­liens warm begrüßen würde, aber nur wenn sie aus dem Wege einer unblutigen Evolution er­folge. Die von Mussolini nach dem Anschlag m bezug auf daS Ausland ausgesprochenen Dro­hungen sowie der Besuch des italienischen Pre­mierministers in Tripolis gaben der Presse Ver­anlassung zu besorgten Diskussionen über die außenpolitischen Ziele und Absichten Mussolini« und des italienischen FasziSmuS, wobei allgemein die Befürchtung zutage trat, daß der Falzismus nach Erreichung seiner hauptsächlichsten inner- positischen Ziele seine Methoden der Gewalt auch auf die Außenpolitik übertragen werde und na­mentlich durch den kolonialen Ausdehnungsdrang den mühsam hergestellten außenpolitischen Frie­den einer neuen schweren DedrcHung auSsehen werde.

Großes Interesse haben ferner die Meldun­gen von den Verhandlungen über einen deutfch- rufsifchen Vertrag ausgelöst, und zwar umfomehr, als sie mit der endgültigen Weigerung Sowjct- rußlands zufammenfallen, sich nicht an der vor­bereitenden Abrüstungskonferenz zu beteiligen. In den Niederlanden, von denen die Ootojet- regierung noch nicht anerkannt worden ist, sieht man eine weitere Annäherung Deutschlands an Rußland nur ungern. In der Frage der vor­bereitenden Abrüstungskonferenz wird hier sehr energisch zum Ausdruck gebracht, daß dieher- aussordemden Erklärungen" der russischen Re­gierung, sich an den Arbeiten dieser Konferenz nicht zu beteiligen, keinerlei Anlaß zu einer ge­planten weiteren Verschiebung der Konferenz geben dürsten, da Rußlands eventuelle Absicht, sich an Abrüstungsmaßnahmen zu beteiligen, noch niemals ernst zu nehmen gewesen sei.

aus für die vielfältigen Anforderungen. 3n einem modernen Heere verfügt jede Division für die Aufklärung über eine sogenannte Auf­klärungs-Abteilung, bestehend aus mindestens einer Eskadron, einer Radfahrer-Kompagnie, eine Strahenpanzerkraftwagen-Abie.lung. schweren Maschinengewehren auf Kraftwagen und einem Nachrichtenzug. Nur eine Derartige Abteilung ist in Der Lage, größere Aufklärungstätigkeit durchzuführen. Engen Den eigenen Truppen offen zuhalten, wichtige Punkte vorwärts Der eigenen Truppen rechtzeitig in Besitz zu nehmen und zu Haltern

Dem deutschen Heere fehlen vor allem die Flieger völlig. Alle anderen Heere haben in jeder Division ein Deobachtungsgeschwader zu je einer Erkundungs- und einer Artillerie-Staffel. Daneben verfügen die Heere über eine große Zahl weiterer Luftstreitkräfte (Ausklärungs-. Der- bindungs- und Kampfeinheiten). Da in jedem künftigen Kriege die Luststreitkräfte eine aus­schlaggebende Rolle spielen werden, ist der Man­gel an Fliegern besonders hart.

Ebenso traurig ist Der Mangel an schwerer Artillerie. Frankreich, Polen unD Tschechoslowa­kei verfügen bei ihren Divisionen über min- DcftenS 2, meist 3 schwere Abteilungen. Eben­sowenig besitzen wir Artillerie zur Abwehr Der feindlichen Flieger. Am Schluß Des Krieges erwies sich eine Fliegerabwehrkanonen-Abteilung (Flak-Abteilung) für jede Division, bestehend aus einer 8 8-Zentimeter-, Atoei 7,7-Zentimeter-, einer 3,5-Zentimeter-Batterie und einem Flak- meßtrupp mit Scheinwerserzug als unbedingt ersorderlich. Endlich entbehrt unsere Artillerie auch der modernen Beobachtungsmittel. die wir gegen Ende des Krieges in einer sogen. Deob- achtungs-Abteilung (bestehend aus Stab, Dal- lontrupp, Artilleriemeßtrupp, Frontwetterwarte, Vermessungstrupp und Kartenstelle) zusammen- fahten.

Das Pionier-Dataillon einer Reichswehr­division besteht aus 2 Pionier-Kompagnien, einer Drücken-Kolonne und einem Scheinwerferzug, de­ren Ausrüstung keineswegs den heutigen Qln- forderungen entsprechen. 3 Pionier-Kompagnien find das mindeste, was eine moderne Division im Bewegungskriege braucht. Auch die Divi­sions-Nachrichtenabteilung mit ihren 2 Kompag­nien kann den vielseitigen Anforderungen für die Nachrichtenverbindung der höheren Stäbe einer Division mit den Truppen nicht entspre­chen. Es fehlt eine 3. Nachrichten-Kompagnie unD eine Masse Gerät, Das uns sowohl Das Versailler Diktat als die Finanzlage verbietet.

Besonders schwerwiegend ist der gänzliche Mangel an Kampfwagen. 1918 haben wir die Bedeutung dieser Waffe zu unserem Schaden kennengelernl. Alle modernen Staaten arbei­ten fieberhaft an Der Vervollkommnung dieses wichtigen Kampfinstruments. Die Franzosen ver­fügen schon heute über nicht weniger als 6000 Kampfwagen. Nicht einmal die für den Polizei- dienst bei inneren Unruhen notwendigen Straßen- panzerkraftwagen hat man unS gelassen.

3st das nicht Der reinste Hohn, wenn an­gesichts dieser völligen Entwaffnung und lln- fähigkeit zur modernen Kriegführung heute noch die Kontrollkommission in unserem Lande hec- umschnüffelt. und wie jämmerlich find die Vor­wände dieser Kommissionen., Die zur Nichträu­mung Der Kölner Zone geführt haben. Es ist leider zunächst Tatsache, daß das deutsche Heer nicht einmal zum Grenzschutz bei einem starken feindlichen Einfall imstande ist. Um fo wichtiger ist es. daß das ganze Voll sein Interesse Der kleinen Wehrmacht entgegenbringt. Die berufen ist, wenigstens Den Geist des alten Heeres am Leben zu erhalten.