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Liste ausgestellt wird, um so durch geschlossenes Dorgehen gegen die (Regierung mehr Stoßkraft zu erhalten, da viele Reststimmen damit beseitigt und mehr Mandate gewonnen werden können.

Der KulisKer-Prozeh.

D e r l i Ni 19. April. (SIL) Am heutigen fünften Verhandlungstag Im Kutiskerprozeh ist Storni Kutisker wieder erschienen. Er sieht sehr leidend gi:5 und nimmt zwischen drei Aer-ten am Zeugentisch Platz, auf dem Medika­mente aufgebaut find. Der Vorsitzende fragt Ku- tisker. ob er heute verhandlungsfähig sei. Kutisker erwidert:Ich will erst sehen." Auf Wunsch des Angeklagten sollen die Verhandlungen von jetzt an etwas früher beginnen, weil er sich in den ersten Morgenstunden frischer fühlt. Zur Ver­handlung kommt die Geschäftsverbindung Kutiskers mit Blau. Kutisker hatte mit Blau gemeinsam im Anfang des Jahres 1923 in der Sägerstrahe in Berlin die Blau ®. m. b. H. mit einem Kapital von 500 Millionen Mark gegründet. Es ent­spann sich eine umfangreiche Erörterung der Wechselgeschäste KutiskerS mit Blau. Ku- tisler erklärte, daß ihm die vielen Fabriken, die nichts einbrächten, trotz seines heftigen Wider­standes aufgedrängt worden seien. Der Vor­sitzende wies daraus hin. daß Kutiskers Sohn Ma? mit 18 Jahren schon zum Direktor gemacht wurde. Er fuhr hauptsächlich mit dem Auto herum und habe sonst nichts getan, bloß Wechsel unter­schrieben. Kutisker gibt das zu. Sein Sohn habe gar nicht gewußt, was er unterschrieben habe, er hätte sich aber nie für eine Sache berert- aefunden. die ihm unkorrekt erschienen wäre. Der Zeuge Baran, ein Verwalter von Ku­tisker gab darauf an, daß die Söhne, obwohl sie Prokuristen oder Direktoren waren, nicht ernst genommen wurden. Wenn etwas Wichtiges zu erledigen war. wurden sie aus dem Zimmer ge­schickt.

Dach der Mittagspause wurden die einzelnen Wechsel behandel!, die Kutisker an die Staat s- b a n k gegeben hatte. Es kam dabei zu einem Zusammenstoß zwischen den Angeklagten Kutisker und H o l z m a n n. Kutisker behauptete, einen beanstandeten Wechsel von Holzmann erhalten zu haben, was dieser erregt bestritt. Der Vor­sitzende stellte fest, daß der in Frage stehende Wechsel gefälscht war und Kutisker dies mög­licherweise nicht gewußt hatte. Kutisker warf Holzmann vor. er habe große Betrüge­reien und Schwindeleien gemacht. Alles, was Holzmann sage, sei Lüge. Der Verteidiger Kutiskers bemühte sich vergebens, ihn zu be­ruhigen. auch der Vorsitzende ersuchte Kutisker, sich zu mäßigen. Kutisker erwiderte, er habe Holzmann gar nicht angegriffen, aber Holzmann sei ja schon damals als Erpresser an - gezeigt worden. Einem Erpresser könne man doch feinen Wechsel zur Unterschrift geben. Während Holzmann erregt aufsprang, bemühten sich der Vorsitzende und der Verteidiger darum, Kutisker zur Ruhe zu bringen. Die Verhand­lungen wurden dann auf Dienstag vertagt.

Das Schulgeld in Preußen.

Der Preußische Kultusminister hat auf eine Zentrumsanfrage über die Schulgelderhöhung nachstehende Antwort erteilt: Zur Milderung der gefürchteten Auswirkungen der S ch u I g e l ö- erhöhung stehen 20 Prozent des Schulgeldauf­kommens zur Verfügung, die zu Schulgeld- ermäfoigungen für kinderreiche Fa­milien und zur Förderung bedürftiger begabter Schüler bestimmt ist. Darüber hinaus ungünstigen Folgen der Schulgelderhöhung entgegenzuwirken, ist bei der gespannten Finanzlage des Staates und der Gemeinden leider nicht möglich. Zuschuß- bedürftige kommunale und private höhere Schu- ' len sind nicht genötigt, ein über die staatlichen Sätze hinausgehendes Schulgeld zu erheben.

? (Einberufung des Auswärtigen Ausschusses.

Berlin, 20. April. (WTB.-Funkspruch.) Wie derVorwärts" mitteilt, hat der Reichs­tagsabgeordnete Hermann Müller im Auf­trag der sozialdemokratischen Reic^tagsfraltlon bei dem Vorsitzenden des Auswärtigen Aus­schusses Hergt. die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses zwecks Er­örterung des deutsch-russischen Ver­trages beantragt. Der Abschluß der Verhand­lungen über den Vertrag wird demLokalan­zeiger" zufolge noch für diese Woche erwartet.

Regierungskrifis in Warschau.

Der Sturz des Zloty hat nun auch in Warschau eine neue Regierungskrise ausgelöst. Bei der Beratung des vom polnischen Finanzminister vorgelegten Sanierungsplanes der Staatsfinanzen erklärten die Sozialisten sich mit den in ihm enthaltenen Richtlinien nicht einverstanden, sie leg­ten, ebenso wie ihre französischen Genoßen, ein eigenes Programm vor, das auf heftigsten Widerstand im Kabinett stieß, so daß die Sozialisten es vorzogen, ihre Minister aus der Regierung zu» rückzuziehen undausderKoalition auszu» scheiden. Ministerpräsident S k r z y n f k i wird, wenn er eine Demission nicht vorziehen sollte, nun­mehr versuchen müssen, sich im Parlament eine neue Mehrheit zu verschaffen. Aber auch der neuen Re- gierung wird es nicht gelingen, aus den Schwierig­keiten herauszukommen, solange sie nicht mit einem defizitlosen Budget aufzuwarten vermag.

Die Verhandlungen mit Abd el Krim.

Paris, 19. April. (WTB.)Petit Parisien" berichtet: Die erste Besprechung der französischen und spanischen Delegierten mit den Rifleuten hat gezeiat, daß das Programm der Abge­sandten Abd el Krims sehr weit von den Waffenstillstands- und Friedensbedingungen der französischen und spanischen Regierung ab weicht. Schwierigkeiten wird vor allem die Frage der Ent» fernung Abd el Krims machen, sowie die der Varoerlegunader französischen Li- n i e n um sieben Kilometer, die vom französischen Kommando zum Schutze der französischen Truppen vor jeder Ueberraschung als unerläßlich bezeichnet wird. DerTemps" kommentiert den Beginn der Verhandlungen mit Abd el Krim wie folgt. Don der ersten Fühlungnahme der französischen und spa­nischen Vertreter mit den Delegierten Abd el Krims an zeichnet sich das Manöver der Rifleute ab. Abd el Krim will Zeit gewinnen. Es scheine, als feien dis Rifdelegierten nur die Abgesandten Abd el Krims. Man müsse den Araber und den Marok­

kaner nicht kennen, wollte man glauben, daß er durch 9a oder Nein auf eine klare Frage antworten würde. Die Verhandlungen nach dem orientalischen Sy st em hätten begonnen. Wie lange würden sie dauern? Niemand wisse es, um so weniger, da gegenwärtig die Führer der Rif­leute nicht den Eindruck hätten, besiegt zu fein.

Das deutsche Eigentum in Amerika.

Verjagung der Kongretzent- scheidung über die Rückgabe.

Reuhork, 19. April. (Säl.) Wie verlautet, hat die Gesetzesvorlage zur Freigabe des deut­schen Eigentums nicht die geringste Aussicht, noch in dieser Session des Kongresses angenommen zu werden. Es besteht die Möglichkeit, daß für Mikls ein anderer Republikaner das Gesetz un­verändert im Repräsentantenhaus einbringt, was jedoch keine große Bedeutung hat. Die republika­nischen Parteiführer werden in den nächsten Ta­gen dem Präsidenten Coolidge nahelegen, nicht mehr auf die Erledigung der Vorlage in dieser Kongreßtagung zu dringen, da die Annahme des Gesetzes nicht unbedingt erforderlich f?L

Die Ablehnung der Vorlage hätte den Demo­kralen für die Herbstwahlen eine gute Wahl­parole gegeben, was durch die Vertagung des Gesetzentwurfs von den Republikanern verhin­dert werden soll.

Dis Frage der Freigabe des beschlagnahmten dnttschen Eigentums ist damit zu einer stark um­strittenen Angelegenheit der inneren Politik der Vereinigten Staaten geworden. Verschiedene Blätter erklären bereits, daß die Vorlage end­gültig erledigt sei, andere stellen fest, daß das Gesetz jedenfalls in dieser Session keine Aussicht auf Annahme habe. .Journal vf Som­mer ce' schreibt hierzu:( scheint, als ob die demokratische Partei endlich den Gegenstand ge­funden hat. den sie zum Hauptpunkt ihres näch­sten Wahlfeldzuges machen will. Der Vorschlag wenigstens teilweiser Rückgabe des im Kriege beschlagnahmten deutschen Eigentums bezeich­net ein einflußreiches Mitglied der demokratischen Partei im Repräseirtantenhaus als einen unge­heuerlichen Diebstahl.

Ehrliche, nüchlern denkende amerikanifche Bür­ger werden gewiß hoffen, daß die Befürworter dieses verspäteten Bemühens, unsere Praxis mit den von uns feit einem Jahrhundert ver­kündeten Grundsätzen in Linklang zu bringen, sich nicht so leicht abschrecken lassen werden.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß wir seit der Begründung unserer Unabhängigkeit unerschütter­lich auf dem Standpunkt standen, daß das Pri­vateigentum in Kriegszeiten vor der Beschlagnahme sicher sein muß. Die jetzt zur Erörterung stehende Frage ist einfach die, ob wir ohne Rücksicht auf das, was andere Rationen beschlossen haben, bereit sind, wenig­stens teilweise unser Verhalten nach der Theorie internationaler Korrekt­heit und fairer Behandlung einzu­richten. Es wäre ein llnglüd, wenn in un­serem Volke der Eindruck entstände, daß der Vertrag von Versailles und das Verhalten an­derer Staaten in dieser Frage sowie auch die Versenkung derßufitania, die von einigen Rednern an den Haaren herbeigezogen wurde, mit der Sache etwa- zu tun haben. Es wäre erfreulich, wenn man feststellen könnte, daß wir unS von den Leidenschaften der Kriegszeit soweit erholt hätten, daß bei Erörterung dieser An­gelegenheit uns er gesunder Menschen­verstand wieder normal arbeitet. Der Um» stand, daß Deutschland bei der Anerkennung entsprechender Verpflichtungen gegenüber unseren Staatsangehörigen auf lange Zeit hinaus oder möglicherweise nie imstande wäre, sie z u erfüllen, ergibt sich lediglich aus der jetzt schon anerkannten Tatsache, daß Deutschland nicht in der Lage ist, alle Kriegsschäden, für welche es die Sieger billigerweise verantwortlich machen zu können glaubten, zu ersetzen.

Amerika lehnt die Schieds« gerichtskonkerenz ab.

Genf. 19. April. (TU.) Das Völkerbunds­sekretariat veröffentlicht heute eine Rote des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg an den Generalsekretär des Völkerbundes, in der Amerika seine Teilnahme an der SchiedSgerlchtskonferenz des Völkerbundes am 1. September a b g e ( e b n t hat. Kellogg schlägt in der Rote vor, mit jedem der 48 Signatarstaaten einzeln zu verhandeln, überläßt es dabei aber diesen, ob sie am 1. Sep­tember in Abwesenheit der Vereinigten Staaten über eine gemeinsame Basis urtterbanöeln wollen. Die amerikanische Regierung sei nicht der Ansicht, daß irgendeine neue Vereinbarung not­wendig ist, um den Bedingungen und Vorbehalten Wirkung zu verleihen, auf Grund deren die Vereinigten Staaten bereit find, dem ständigen Gerichtshof beizutreten.

Kriegsgefahr in der Levante? Italienisch-griechisches Bündnis gegen die Türkei?

London, 19. April. (TU.) Die Einberu­fung der letzten fünf Zahresklafsen durch die türtische Regierung wird an zuständiger Stelle bestätigt. Die imDaily Telegraph" ausgedrückte Befürchtung, daß sich diese Maßnahme der tür­kischen Regierung gegen England richte, wird indessen nicht geteilt. Man weist darauf hin, daß gerade jetzt vielversprechende Verhand­lungen zwischen dem englischen Botschafter in Konstantinopel und der türiischen Regierung ein» geleitet worden seien. Daraus sei zu schließen, daß die militärischen Vorbereitungen der Türkei sich in erster Linie gegen Italien und Griechenland richteten, weil Italien sehr weitgehende Absichten im Mittel» meer habe. Besonders In Kleinasien habe Italien bestimmte Pläne. Es bereite einen An- 9riff in der Rähe von Adalia und Smyrna gleich­zeitig mit einem griechischen Angriff in Ostthrazien und gemeinsame Flottenaktionen vor. Die italienischen Waffenlieferungen an Griechen­land seien auch dazu angetan, die Türkei miß­trauisch zu stimmen.

Der griechische Außenminister Rufos er­warte dagegen über eine angeblich gegen die Türkei gerichtete griechisch-italienische Verständt- gung vor Pressevertretern, es handele sich um Gerüchte, die nicht einmal ein Dementi ver- öienten. Die friedlichen Absichten der griechi­

schen Regierung seien durch die Einladung an tie Türkei, zur Verständigung über die Frage des griechisch-türkischen Privateigentums Dele­gierte nach Achen zu entsenden, hinreichend zum Ausdruck gekommen.

Kunst und Wissenschaft.

vorgesch.chttlchLr Fund in Baden.

Dor einiger Zeit stieß Reichsbauwart Stimm- l i n beim Rigolen in Mauchenboden im Schwarzwald auf gewaltige Knochenreste. Der aus Freiburg herbeigerufene Geologe Dr. Z o tz stellte fest, daß es sich um die Ueberrcfte eines M a m m u t 5 handele. Nach feinen Aussagen Hai dieser größte Elefant noch wahrend der Eiszeit bei uns gelebt. Die ungeheuren Backenzähne, die man kaum als solche anzusehen wagte, sollen besonders schön erhalten sein. Der Stoßzahn war leider zer- stört. Dieser bedeutsame Fund zeigt wieder einmal, wie hervorragend der Landwirt die Wissenschaft unterstützen kann.

(Eine mehr als lOOOjäljrigc Begräbnisstätte.

Amsterdam, 19. April. (W. T. D. Funk- spruch.) Rach Blättermeldungen entdeckte man in der Gern ei lade Beilen (Provinz Drente in Rordholland) bei Grabungsarbeiten zwischen den Dörfern Beilen und W i h st e r zwischen Land­straße und Eisrnbamli.i? eine alte Begräbnis­stätte, die aus der Züt von 4)) bi3 ZOO n. Ehr. ftarrmen muß. Es sind bereit] 63 verschiebene Gräber bloßgelegt, sowie verschiedene Schmuck- fachen gefunden worden. Auf dem gleichen Ge­lände sind auch die Spuren einer alten sächsischen Siedelung gefunden worden.

Berufung.

Der Internist der Universität Frankfurt a. TI., Professor Dr. von Bergmann, hat einen Ruf nach Breslau als Direktor dec dortigen medizi­nischen Klinik erhalten.

Ein Mclanchkhonheim in der Pfalz.

Fn Zweibrücken ist das erste Melanchthan- heim in der Pfalz, das dem Zweck dient, minder­bemittelten und befähigten Schülern der höheren Lehranstalten von auswärts Aufnahme zu ge­währen und Erziehung zu vermitteln, seiner Be­stimmung übergeben worden. Bis jetzt haben vier­zehn Schüler, meist Söhne von Arbeitern und Landwirten, Aufnahme gefunden.

Aus aller Wett.

E ne Akcmanneuwoche.

Der Landesverein Badische Heimat hat es im Verein mit der Stadtverwaltung Frei­burg unternommen, die Bewohner des ganzen alemannischen Sprachgebiets von Baden und Elsaß, Württemberg und Bayern, von der Schweiz und von Vorarlberg zur Feier des Alemannen­gedankens zu sammeln in der alemannischen Woche vom 1. bis 9. Mai 1926. Alle kostspie­ligen Veranstaltungen sind fortgelassen. Kunst- audftellungen, populär-wissenschaftliche Vorträge, Darbietungen des Stadttheaters mit Werken des Dosier Dichters Bernoulli, von Emil Gott, Her­mann Durte, des Komponisten Julius Weismann, Karl Maria von Webers, des Elsässers Stos- köpf, weiterhin musikalische Darbietungen (die Friedensmesse von Philipp und ein Werk des Schweizers Futterer), ein alemannischer Heimat­abend am 8. Mai sollen helfen, den Zweck der alemannischen Woche zu erreichen.

Skagerrak-Gedächtnisfeier in Dilhemshaven.

Aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Tages der Skagerrakschlacht wird die Marine am 31. Mai eine Gedächtnisfeier veranstalten, bei der wahrscheinlich Reichspräsident v. Hinden- bürg selbst die Parade abnehmen wird. Die Ad­mirale Scheer und v. Hipper, die damaligen Führer der Hochfeestreitkräfte, werden den Feierlich­keiten ebenfalls beiwohnen. Der W. S. E.Frisia" wird aus diesem Anlaß am 30. Mai Skagerrak-Ge- dächtnisspiele veranstalten.

Die Auslandsahct des SreuzevsHamburg".

Der KreuzerHamburg" ist in Colon ein­getroffen und hat nach dem planmäßig vorgesehe­nen Aufenthalt die Fahrt nach dem Panama, lanal angetreten.

Unterschlagungen.

Berlin, 20. April. (W.T.D. Funkspruch.) Wie der .Lokalanzeiger" meldet, sind beim Reichsverband der Au to m o b i l-I n - d u st r i e große Unterschlagungen aufgedeckt worden. Der Kasjierer des Reichsverbandes, Scheußner, ist verhaftet worden. Er hat bisher Veruntreuungen bis zur Hohe von 69 000 Mark eingeräumt. Weitere Unterschlagungen in Höhe von 30 000 Mark sind ihm bisher nach- gewicsen worden. Das geschästsführende Vor­standsmitglied, Dr. jur. Sperling, sowie zwei andere Angestellte sind von ihren Aemtern dis­pensiert worden. Außerdem ist gegen einen vereidigten Bücherrevisor und eine Berliner In­flationsbank die Untersuchung eingeleitet werden. Der Verband soll um rund 1 Million Goldmark geschädigt worden sein.

Eine unglaubliche Roheit.

Der Kriminalpolizei ist es gelungen, eine im Oktober v. I. in Hohenschönhausen verübte Brandstiftung, die mit einer in der Krrminalgcschichte einzig dastehenden Gemein­heit ausgeführt wurde, aufzudecken und die Täter zu verhaften. Der Bäckermeister Platow hatte feinen 19 Jahre alten Gesellen zu einer Brandstiftung verleitet, um die Versicherungs- fumme für ein altes Pferd zu erhalten. Der Geselle mußte den Stall säubern, frisches Stroh hinein tun, damit es besser brannte und das Pferd mit Benzin einreibert Dann legte er Feuer an und das Tier verendete unter fürchterlichen Qualen.

Ein neuer Blödsinn.

Die beiden Schauhungerer Harry und yafteüo, die ihre Glaskästen in einem Restaurant 'n der Chausseestraße in B e r l i n aufgestellt hatten, haben heute nachmittag um 3 Uhr ihre Fastenzeit beendet. Sie haben damit den Hungerrekord Jollys um einen Tag geschlagen. Wie man hört, soll die Schaustellung aber ein erhebliches Defizit ergeben haben. In einem Restaurant in der Friedrichstraße soll von morgen abend ab mit einem Rekordversuch I m Wachbleiben begon- neu werden. Ein gewisser Rolando will dort 27 läge und Nächte ohne den geringsten Schlaf ver­bringen.

Ein schweres IRofortabnnglütf.

3n der Sonntagnacht fuhr bei dem Dorfe Prüfen bei Elsterwerda in Sachsen ein Friseur mit seinem Motorrad, auf dessen Soziussitz ein junges Mädchen saß, in voller Fahrt ge­

gen die geschlossene Schranke der Ciienbahnstreoe DresdenElsterwerda. Die bei­den wurden gegen den gerade durchfahrenden Güterzug geschleudert und waren sofort tot.

Verproviantierung von Alpenhüttea bürd) Flugzeuge.

Der erste Versuch der A e r o l l o y d, die Schutz. Hütten mit Hilfe von Flugzeugen zu oerprovian. tieren, ist gelungen. Ein Apparat warf 50 Kilo, gramm Gefrierfleisch für das Alpenhaus Kuhtai in den Octztaler Bergen ab, wobei das Flugzeug bis auf 15 Meter über der Hütte niederging.

Line IranLsibirische Fluglinie LeningradTokio.

Moskau, 20. April. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche Kapitänleutnant D r u n s, der Ger.e- ralsekretär der Internationalen Gesellschaft für transarktischen Flugverkehr, ist in Leningrad ein- getroffen, um sich mit einigen russischen Sachver­ständigen zu besprechen. Bruns, der einen Plan zur Herstellung regelmäßiger transsibirischer Luft­verkehrslinien ausgearbritet hat, erklärte ein:m Vertreter der Telegraphen-Agentur der Sowjet- llnion, daß nur Luftschiffe von erheblich größe­rem Umfange als dieOlorge" als ein sicheres, rentables Lustverkehrsmittel zur ständigen Ver­bindung zwischen Osteuropa und Osta'ien in Be­tracht kommen können. Das von Bruns ent­worfene Luftschiff ist 2Z5 Meter lang und bietet allen Komfort. Die von Bruns vorgesehene trenä- sibiri'che Linie soll von Leningrad über Wologda nach Tokio führen.

Wettervoraussage.

Weiter veränderlich, zeitweise auffrischend, südliche bis westliche Winde, wenig De-.nperatur» Aenderung, Regenschauer.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 12,8 Grad, Minimum 1.4 Grad Celsius. Riederschläge: 1,4 Milimeter. Heutige Morgentemperatur: 6 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptftadt.

Gießen, den 20. Aprll 1926.

Die Reichsgesundheitswoche in Giehen

wurde gestern abend In der Reuen Aula der UnlDerfität eröffnet Der Auftakt war außer­ordentlich verheißungsvoll. Das Publikum war so zahlreich erschienen, daß der große Raum nahezu völlig gefüllt wurde. Mit gespanntem Interesse folgte man drn in hohem Maße auf­schlußreichen, allgemein-verständlichen Darlegun­gen des ersten Vortragenden, Sr. Magnifizenz des Rektors Prof. Dr. Dürker. Den ersten Abend dieser Veranstaltung kann man als einen vollen Gewinn für die gute Sachs bezeichnen. Mögen sich weitere Pluspunkte drn gestrigen anreihen im Interesse der Volksgesundheit in unserer Stadt!

Oberregierungsrat Br. heh

ali Vertreter der Veranstalter, Kreis- und Stadt­verwaltung Gießen, eröffnete die Vortragswoche mit einer Ansprache, in der er an Hand des 2lufruss der Zentralstelle In Berlin zunächst Zweck nnd Ziel der ReichSgesunöheitswoche herausstellte. Weiter sagte er Dann u. a.. Sie Frage der Gesundheit spielt nicht nur in der Familie, sondern auch in der Volkswirtschaft eine außerordentliche Rolle. Arbeiten kann nur der Gesunde, nur ein solcher kann sich und seins Familie erhalten und so das Gleichgewicht zwi­schen sich und der Umwelt nicht ins Wanken bringen. Gesunderhaltung ist daher in eine Wirtschaftskrise wie der heutigen dis Parole, die alle ohne Unterschied -u befolgen haben. Vielfach tritt durch Raubbau an der Gesundheit ein vorzeitiger Kräfteverbrauch zum Schaden des Einzelnen, der Familie und der Allgemeinheit ein. Sowohl vom persönlichen, wie vom nationalen Standpunkt ist deshalb Gesundheitspflege dringend notwendig.

Mit Dankeswvrten an die Vortragenden und die bei der Vorbereitung Mitwirkenden, ferner mit dem Hinweis darauf, daß der Zutritt zu sämtlichen Vorträgen frei ist, und mit dem Wunsche, daß aus dieser Veranstaltung reicher Segen erwachsen und damit die Hoffnung, die man an sie knüpfe, in Erfüllung gehen möge, schloß der Redner seine Eröffnungsansprache.

Anschllehend sprach

Se. Magnifizenz Professor Br. Bürtet überEine besondere Leibwache unseres Körpers".

ilnfer Körper ist ein Zellstaat, der aus einer Unsumme von Staatsbürgern, eben von Zellen es sind schätzungsweise Hunderte von Billionen besteht. In diesem Staat haben die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) eine wich­tige Transport- und Polizeifunktion zu erfüllen, sie dienen vor allem bei feindlichen Angriffen als Leibwache.

Es wurde demonstriert, wie man sich diese Leibwache zur Anschauung bringen kann; sie ist gegliedert in zwei Stämme, von denen der eine aus dem Knochenmark (myeloischer Stamm), der andere aus den lymphatischen Apparaten (Lhm'hdrüsen, Mandeln) hervorgeht. Der erstere Stamm weist fünf Sippen, der letztere nur eine auf, so daß die Leukozyten normaler Weise in fünf Arten im Blut Vorkommen. Im Zelleib besitzen sie alle morphologisch und che­misch verschiedene Körnchen, Granula? sind Trä­ger von Fermenten und Antitoxinen, sie können ferner die Dlutbahn aktiv verlassen und Bak­terien sich einverleiben, weshalb man sie Freß- aellen, Phagozyten, genannt hat. D e Zahl der Leukozyten beträgt etwa 7000 in einem llirnet:r B u , im Eelamtblut sind etwa 3o Milliarden enthalten. Die fünf Arten kommen in einem ganz bestimmten prozentischen Verhält­nis vor.

Die Transport-und Polizeifunk­tion äußert sich nun darin, daß b^fe Leuko- abten unlösliche Stoffe nach den unteren Ab­schnitten des Darms tragen, daß sie durch Fer­mente Gewebe abbauen und andererseits auch wieder ihren Aufbau durch sogenannte Trephone befördern können, daß sie Batterien und ihre nftigen Stoff Wechselprodukte unschädlich machen können: jeder Sippe ist dabei aber eine ver­schiedene Funktion zugewiesen, lieberfunriion deS myeloischen Stammes hat ferner vielfach Unter­funktion des lymphatischen im Gefolge und um­gekehrt, auch die Sippen des ersteren Stammes können sich gegensätzlich zueinander verhalten.

Mit diesen fünf Sippen verfährt nun der Körper bei Abwehr feindlicher Angriffe wie ein Feldherr im Krieg mit seinen verschiedene»