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Nr. 67 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Samstag, 20. März (926

Außenpolitische Umschau.

Non Professor Dr. Otto Hoetzsch, M.d.R.

Eine außerordentlich peinliche und demütigende Episode, der deutschen Außenpolitik liegt hinter uns! Man drängt Deutschland in den Völkerbund, man zwingt es geradezu in ihn hinein, man gibt eine bindende Zusage für seine Hauptbedingung, und dann läßt man es fast 14, Tage anticham­brieren und entläßt es schließlich mit viel schönen Worten, mit Anerkennung des guten Willens der Deutschen, aber ohne auch nur ein Wort der Ent­schuldigung! Ist das die Gleichberechtigung, von der so oft die Rede war?

Stein ernsthafter Politiker wird durch die schonen Reden, namentlich Briands, und die Schlußszene in Genf sich darüber tciufdjen lassen, daß das politische Ziel der deutschfeindlichen Kräfte erreicht worden ist. Zunächst ist Deutschland nicht im Völkerbund. Es hat nicht den ständigen Ratssitz. Und wenn die eodjc im Herbst wieder akut werden sollte, dann Hut man ein halbes Jahr Zeit gehabt, in seinem Sinne für die künftige Zusammensetzung des Völ­kerbundsrates vorzuarbeiten und somit Deutsd)lands Stellung im Bunde so zu paralijfieren, wie es eben der Zweck der ganzen Aktion mni;.

Ebenso kann niemand bestreiten, das; man ver­sucht hat, Deutschland zu hintergehen. And) das verschleiern die Reden Chamberlains und Briands nicht, daß sie in der Frage des Ratssitzes hinterhältig und illoyal gegen Deutsch­land gewesen sind. Deutschlands Bedingung war bekannt. Die Antwort der Mächte darauf hatte diese angenommen, ohne Einschränkung, Vorbehalt usw. Auch Brasiliens Antwort, die jetzt im Wortlaut be­kannt geworden ist, enthält keine derartige Klausel. So mußte für jedermann auch klar sein, daß Deutschland nur in einen Völkerbund treten wolle und könne, der eben die Struttur hatte wie bisher mit Hinzufügung Dcutsd)lands als Ratsmacht. Ob­wohl das Chamberlain und Briand ganz genau wußten, haben sie im Januar in Paris festgelegt, daß sie den Völkerbund erweitern wollten, wo­bei sie beide in erster Linie an Polen gedad)t haben. Daß die Regie dann in Genf noch so unter aller Kritik war, daß darüber der Völkerbund voll­ständig durcheinander geriet und 14 Tage lang ein schlechterdings erbärmliches Schauspiel bot, war mehr eine Nebensache. Die Hauptsache ist, daß ein hin­terhältiges Spiel mit Deutschland ge­spielt wurde, das auch bei einem anderen Aus­gang eine sehr unerfreuliche Aussicht auf die Zusammenarbeit im Völkerbund erweckt hätte. In Locarno appellierte man an Deutschlands Vertrauen, und dieses hat sehr zu seinem Schaden darauf fid; eingelassen. Der Appell Deutschlands an das Vertrauen der anderen jetzt (Vorschlag Strese- mann) verhallte. Statt dessen hatte man hinter Deutsd)lands Rücken fid) gegen Deutschland ver­bündet. Dieses Gefühl bleibt und kann gar nicht ohne Rückwirkung auf die Weiterentwicklung der Beziehungen, namentlid) der persönlichen Be­ziehungen der Staatsmänner untereinander, bleiben.

Deutschland ging nach Genf mit der Formel: Bedingungslose Aufnahme in den Völkerbund, Hebcrlragunn eines ständigen Ratssitzes an Deutsch­land, keine Veränderung in der Struktur des Völ­kerbundsrates. Format war diese Forderung aufrcchterhalten und nicht verletzt mit öem Vorschlag, auf den zuletzt alles hinaus tarn, nämlich freiwilliger Rücktritt von Tschechoslowakei und Schweden, Ersatz tnird) Polen, Holland oder Däne­mark, nalürlid) nur bis September dieses Jahres. Dagegen konnte Deutschland an sich nichts machen, tocin Grundsatz blieb aufrechterhalten, aber die an­dere Seite hätte ihr politisches Ziel, Polen in den Völkerbund gleichzeitig hereinzubringen, dann eben doch erreicht. Insofern wäre auch dieser Ausgang als eine Niederlage Deutschlands empfunden worden.

Durch Brasiliens Haltung wurde das gesprengt und man ging unverrichteter Dinge auseinander. Hat das Brasilien allein gemacht? Soviel dabei die rein persönliche Politik seines Vertreters mitsprach, man kann sich nicht vorstellen, daß ein südamerikanischer Staat, der niemals viel Interesse an der europäischen Politik gezeigt hat, von sich aus so hartköpfig ge­blieben tun re. Um so mehr, als er damit ja bereits in Genf und hinterher noch mehr den Aerger der anderen Großmächte und besonders die Stimmung seiner südamerikanischen Mitstaaten auf sich ziehen muß! Mit Recht fragt das spanischsprechende Ame­rika, wie ausgerechnet der einzige portugiesische

Tanzabend Steinbach-Kübel.

Lanz als lünstlerisch selbständige Form, als schöpferische Eigenprägung, ist etwas, das heute erst unterwegs ist. Llnd zwar am Anfang eines sehr weiten Weges, dessen Erfüllung verheißendes Ziel noch weitab liegt. Eine Erscheinung, die sich sowohl in ihrer Wirkung, als auch in ihrer Wertung noch so schwankend und ungewiß dar- stellt, weil ihr. wie keiner andern, benachbarten Form, eine entwicklungschafsende Tradition ver­sagt blieb, und weil solche Kunst noch nicht, oder erst unvollkommen von den Bindungen ge­löst ist, die sie mit verwandten Ausdrucksele­menten verketten: mit der reinen Musik einerseits und mit einer primitiv-schauspielerischen Panto­mime andererseits. Das, woran der moderne, schöpferisch zu-wertende Tanz anknüpfen könnte, liegt so weit zurück, ist so vollkommen historisch geworden, daß man vor ein paar Jahrzehnten ganz von vorn anfangen muhte. Gewisse kultisch bedingte Keimformen zu dem, was heute Drama heißt, sind von uns aus nur noch nebelhaft zu erspüren, sind uns Wohl ebenso fern gerückt, wie ein hypothetischer Endpunkt und Gipfel­punkt auf dem angedeuteten Dege. Als Ziel tömrte gelten: Cigensprache des Körpers, der tönend und schwingend wird, entbunden von der Erde traft eingeborener Musikalität (die nicht sensuell hörbar zu werden braucht), har­monische, über jeden Zweck erhöhte, aller Mittel­barkeit entrückte Menschengestaltung. Der Tanz, der am Ziel steht, ist so reine und in sich selbst ruhende Form, wie Malerei oder Plastik. Ohne Den synthetischen Kompromiß des Dramas ober gar der Oper. (Dein Ziel relativ am nächsten stehen heute Wohl Laban, W'.gman, Palucca.)

Das Tanzpaar Hans C. Steinbach und Maria Kübel, die zu einem Abend in Butz­bach geladen hatten, ist von solcher Erfüllung überall da entfernt, wo die Gestaltung im Peri­pherischen des Körpers sich auswirkt, an die Ober- und Außenfläche verlegt, pantomimisch unterstrichen, allegorisch ausmalend, oder spiele­risch bleibt. Ist dem Ziel näher, schreitet vor auf dem Wege (seltener) da, wo der tänzerische Aus­druck, die körperlich-rhythmische Manifestation

Die Parteien zu dem Genfer Ergebnis.'

Auslassungen führender deutscher Parlamentarier.

Anläßlich der Vertagung der Völkerbunds­versammlung und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund nahm unser Berliner Vertreter Veranlassung, hervorragende Parlamentarier über ihre Ansicht zu den Genfer Ereignissen zu be­fragen. Wir geben die unserem Vertreter gegen­über gemachten Aeußerungen in der Reihenfolge wieder, wie er die Abgeordneten zu sprechen die Möglichkeit hatte.

Der Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Demokratischen Partei, der Reichstagsabgcordnete (Erkelenz:

Infolge der Ereignisse in Genf ist die Frage der älmgestaltung des Völkerbundsrats in iftrer Gesamtheit auf gerollt worden, und das zunächst in Genf zu lösende Problem. Für Deutschland, das an dieser Rekonstruktion ja nicht mitwirkt, kann diese Entwicklung der Dinge nur vorteilhaft sein, da sie eine klare Situation schafft. Im allgemeinen gesehen, ist durch die Vertagung der Völker- bundsversammlung und der Aufnahme Deutsch­lands in den Völkerbund geschaffene Lage dennoch als recht unglücklich zu bezeichnen. Die Geg­ner des Völkerbundes, die nur auf eine Gelegen­heit zu einem Vorstoß warten, werden jetzt wahr­scheinlich ihre Angriffe mit doppelter Stärke aus­nehmen. Der Völterbundsgedanke als solcher hat naturgemäß durch die Ereignisse in Gens unleug­bar einen starken Schlag erlitten, überdies vergeht bis zum Wiederzusammentritt der Völkerbundsverfammlung im September ein hal­bes Jahr eine Zeitspanne, die recht lang ist und bei der inan nicht weiß, was inzwischen geschehen kann. Dazu kommt, daß die Verhält­nisse weder in Deutschland noch in Frankreich oder England so stark sind, daß sie eine starke Belastung vertragen können."

Der sozialdemokratische Reichstags- abqeordnete Dittmaitn:

Das Wesentliche für mich an den Genfer Ereignissen ist die Tatsache, daß alle europäischen Großstaaten an der Politik von Locarno fest- gehalten und sich erneut zu ihr bekannt haben. Die deutsche Regierung wird auch in Zukunft keine anbere Politik als jene von Locarno machen können, wenn anders sie nicht wieder in eine euro­päische Isolierung hineingeraten will. Da sich aus der Ferne die Einzelheiten der Vorgänge, die sich in Genf abgespielt haben, naturgemäß im ein­zelnen nicht übersehen lassen, werden nach der Rückkehr der Delegation noch zahlreiche Fragen zu klären sein. Dazu gehört insbesondere die­jenige, welche andere Macht hinter Brasilien gestanden und ob überhaupt ein anderer Staat dahinter gestanden hat. Meiner Auffassung nach hat der Völkerbund zwei Haupt­aufgaben: einmal den Völkerbund selbst zu orga­nisieren und zweitens Europa. Aber mir scheint, als habe die Völkerbundsversammlrmg bei ihrer gegenwärtigen Tagung diese beiden Aufgaben miteinander vermengt und zum großen Teil dadurch solch ein Ergebnis erzielt."

Der schlesische Zentrumsabgeorduete Pfarrer Ulitzka:

..Es ist außerordentlich bedauernswert, daß die Genfer Tagung zu keinem positiven Resultat geführt hat. Wenn etwas daran Erfreuliches sein kann, so ist es nur die eine Tatsache, daß eine Einheitsfront der europäischen Großmächte zugunsten der Locarno- Politik sich erneut zusammengefunden hat. Da­bei muß jedoch bemerkt werden, daß von dem so­genannten Geist von Locarno in Genf nur

wenig zu v e r spür en war. Mir selbst stellt sich die Entwicklung der Dinge von Locarno bis Genf so dar, daß meiner Ansicht nach den Polen von den Franzosen und mit stillschweigender Dul­dung Chamberlains in Locarno bereits c in D ö l- kerbundsratssitz versprochen worden ist als Ersatz dafür, daß Polen in Locarno keine Garantien seiner Ostgrenzen erhalten hat. Ich kann mir auch nicht denken, daß Brasilien allein ein Interesse daran hat, ein Veto gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund einzulegen. Cs sieht immerhin so aus, als wenn noch irgendeine andere Macht dahinter gestanden hätte. Die Locarnopolitik Deutschlands kann durch diese Ereignisse in Genf nicht von ihrer bisherigen Linie abgebracht werden, wenn auch zu erwarten ist, daß starke Kräfte und Strö­mungen in Deutschland gegen den Völkerbunds­gedanken Sturm laufen werden."

Der Abgeordnete der Deutschen Volkspartei Dr. Cremer:

..Das Ergebnis von Genf bedeutet eine schwere Niederlage des Völker­bundsgedankens. Dagegen sind sie insofern ein Erfolg Deutschlairds, als dessen Rechts- standpunkt hinsichtlich der Voraussetzungen zu seinem Eintritt in den Völkerbund lehren Endes von allen beteiligten Staaten auch for­mell anerkannt wurde. Der Bruch der ge­gebenen Versprechungen durch Brasilien ist we­niger ein Vorstoß gegen Deutschland als viel­mehr gegen die übrigen Völkerbundsmächte. Es muß daran festgehalten werden, daß die deutsche Delegation ein wichtiges Aktivum aus Genf da­durch mitbringt, daß sich die übrigen Locarno­mächte mit Deutschland solidarisch erklärt haben, und daß die L o c a rn o v e r t g e zunächst mit dem 1. April in der vorgesehenen Weise wei­te r g e f ü h r t werden. Ohne Zweifel wird das erpresserische Auftreten Brasiliens in naher Zu­kunft eine wirksame Korrektur erfahren, so daß Deutschland unter völliger Wahrung seines Standpunktes im September wird in den Völker­bund eintreten können. Auf die deutsche Innen­politik werden die Vorgänge in Genf insofern bedeutsam einwirken, als die offenen und heim­lichen Hoffnungen jener Kreise innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei, die nach Schaffung enbgültiger Tatsachen hinsichtlich der Außenpolitik wieder in die Regierung gehen zu können glaub­ten, ebenfalls bis zum Herbst vertagt wer­den müssen. Aus den Ereignissen könnte der führende Staatsmann wertvolle Folgerungen für eine stärkere Konsolidierung der gegenwärtigen Regierung ziehen."

Die deulschnatioualeu Abgeordneten die wir. befragten, waren in ihren Aeußerungen sehr zurückhaltend. Sie erklärten, daß die Abgeordneten sämtlicher Parteien ob des Aus­falles der Genfer Konferenz in gedrückter Stim­mung seien. Man müsse abwarten, ehe man end­gültig Stellung nehme, was die deutsche Dele­gation bei ihrer Rückkehr zu sagen hätte. Man war in maßgebenden deutschnationalen Kreisen der Ansicht, daß das deutsche Gesuch zum Ein­tritt in den Völkerbund jetzt nicht bis ins Endlose in der Schwebe bleiben dürfe, daß es vielmehr von Deutschland zurückgezo­gen imd eventuell zur gegebenen Zeit wieder eingebracht werden müsse. Aehnliche Gedanken­gänge äußert ja auch unser ständiger Mitarbeiter, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Pro­fessor Dr. Hoetzsch, in seiner heutigenAußen­politischen Umschau".

Staat allein dazu kämme, für sich das zu bean» sprachen. Also ist sehr unwahrscheinlich, daß Brasilien allein eine so weittragende 'Aktion durd)gehalten hätte.

Daß Nordamerika dahinter stecke, ist durck; nichts begründet und absolut unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist es schon bei Frankreich, das heißt nicht dem offiziellen Frankreich Briands, an dessen Aufrichtigkeit wir nicht zweifeln wollen, sondern 91 e b e n e i n f l ü f f e n , denen die Briand- fdjen Zugeständnisse zu weit gingen, und das im

dessen. was man zu prägen sucht, ins (nicht nur körperlich) Innere getrieben wird, wo der Tanz durchblutet ist, vom Gefühl und vom Herzen her instrumentiert wird. Richt vom Gehirn. An sich eine Selbstverständlichkeit.

Im Sinne des (Sefagten stellen wir wert­mäßig in den Mittelpunkt der Folge als weitaus gehaltvollste Leistung denTanz unter Sternen". Hier empfand man im starken, körperlichen Gleich­klang. aus dem eindringlichen Crescendo der Musik lebendig gemacht, die dennoch nicht über» mächtig wurde, etwas vom Anstreben gotischen Stils, polar verankert in bewältigter Schwere und Gebundenheit an die Erde. Die einleitende Aufforderung" konnte allenfalls als eine ge­wissermaßen graphische Andeutung einer Tanz­formulierung gelten. Von dendrei kleinen Tänzen" erwies sich das rhythmische BildZurück- geworfen" am geschlossensten: prickelnde Melodik beschwingte sichtbarlich die Pharttasie. Das Ganze tarn viel gelöster heraus, als die nur vom Gong akzentuierten, ersten Figuren. DerHexen­meister", aus der Basis entwickelt, schien uns viel zu aufdringlich und absichtlich in der Ge­bärdensprache: eine intellektuell aufgebaute, grotesk gesteigerte Pantomime. (Etwa: Erweckung zum Tanz und Verzauberung.) DieDschumka", tänzerisch reifer, brachte, wiewohl an gewisse, im Rationaltanz festgelegte Grundformen gebunden, die Entfesselung eines herzhaften, rhythmischen Temperaments.

Den zweiten Teil eröffneten dreiTänze im alten Stil". 3m Largo der Sarabande, verhalten, ein schöner Zwieklang gut aufeinander abge­stimmter Körper. (Doch blieb hier einmal deut­lich die Armführung tänzerisch ungelöst im Leeren hängen.) Die Gigue: spitz tote der Rame. heiter, einfach und schnell. Das Menuett, ebenfalls atzeleriert, zeigte ein ziemlich modernes Gesicht (durch Phantasiekostüme wurde der Eindruck unterstützt): nur einzelne, figürliche Stilelemente waren flüchtig verwertet. DieGroteske", auf- gebaut auf der Disproportion zwischen ernsthafter Musik und exzentrisch-bizarrer Marke, versandete, ohne tanzmäßige Pointe, im Reinartistischen. Der Drang" gab (auch in der Begleitung) eine Paraphrase zum Tanzstil primitiver Völker.

Schlußvorschlag Erreichte za wenig war. 9Jlan ver­geße nicht, daß Briand daheim auf sehr schwan­kendem Boden steht, und daß die Rechte zielbewußt eine Mehrheit gegen Briands Außenpolitik her­beiführen will. Aber am wahrscheinlichsten ist, daß hinter Brasilien Italien stand. Der Italiener ist in Genf nicht hervorgetreten, hat am Schlüsse nicht gefprodjen. Aber das außenpolitische offiziöse Blatt Mussolinis, dieTribuna", schreibt zum Schluß, im ganzen durchaus deutschfeindlich, daß Italien entscheidend zur einzig möglichen Lösung der Ve:-

Jmrnerhin: ein gut gebauter Körper wurde ent­faltet. DasFangspiel", zuletzt, recht schwach, verlor sich in leerer Spielerei. Der Beifall war sehr freundlich.y

Der (krbwert der Frau.

Von Dr. Ludwig F i n ck h (Gaienhofen).

Der Dichter feiert am 21. März seinen 50. Geburtstag.

Vor wenigen Jahren erst hat man erkannt, daß die Frau die gleiche Bedeutung als Crb- trägerin hat wie der Mann. Die Ahnfrau steht feimebenbürtig neben dem Ahnherrn. Gerade die Söhne, die männlichen Rachkommen, schlagen viel mehr den Müttern nach, für sie gilt die Mutter als stärkere Keimbildnerin: die Töchter wiederum arten eher den Vätern nach, tragen Vaters Erb­teil weiter.

Es ist viel einschneidender, als man früher gewußt und gedacht, welche Frau der Mann zur Mutter seiner Kinder macht. Cs ist grund­falsch. sie nur nach äußeren Rücksichten zu wählen, nach Reichtiim ober Schönheit ober Stellung. Ich habe mit Schaudern erfahren, wie sehr dem Manne der Jnstiittt verloren gegangen ist vor dem Weib: ein großer, starker, schöner Mann nordischen Wesens heiratete verkehrt, weit er nach den sinnlichen Eindrücken wählte, eine hohle glatte Larve konnte ihn berücken. Das Bewußtsein, daß zu einem tüchtigen Mamte auch eine iimerlich ebenbürtige Frau gehört, muß erst wieder ge­weckt werden, es nruß die sinnlichen Reize im Blut übertönen und übertäuBen.

Reun Monate lang trägt die Frau des Mannes Kind im Schoß, ihr Blut strömt un­unterbrochen durch ihre Frucht. Aber auch nach der Geburt übt die Frau als Mutter auf ihre Kinder einen überaus großen Eins tust aus: die Aufzucht und Erziehung, die Kinderstube hängt an ihr: die Kinder verehren sie. sobald sie ins Leben hinaustreten: sie hat in ihren Ge­danken das ^lebergewicht vor dem Vater.

Im Grenz- und Auslanddeutschtum, das unter blutfremden älmwohnem sitzt, wird vorwie­gend innerhalb des eigenen Dlutkreises gehei­ratet, im Deutschen, und das ist gut. Vor kurzem

tagung beigetragen habe. Welchen Sinn das audj oom Standpunkt der italienischen Interessen ans haben soll, ist schlechterdings nicht zu sehen. Es ist der Aerger über den Fehlschlag, den Italien beim Locarnopakt erlitt. Es ist der Ausbruch seiner völlig unberechenbaren, zerfahrenen und immer ge­fährlicher werdenden Politik. Wir warnen aus­drücklich auch die, die mit der (Befamtauffnffung des Fafzismus in bezug auf den Völkerbund, feine Un- fahigkeit, Einseitigkeit und Unbrauchbarkeit übe rein-- stimmen, für weiteres irgendwie auf die italienische Hilfe zu rechnen.

Was weiter? Die Locarnoverträge sollen aufrechterhalten bleiben, das Aufnahmegesuch Deutschlands bleibt gewissermaßen in der Schwebe. Aber in diesem Stil geht das nicht! Lo­carnovertrag und Bölkerbundseintritt sind in dem betreffenden Gesetz miteinander eng verbun - d e n. Anregungen, beide voneinander zu trennen, wurden ausdrücklich abgelehnt. Schon allein juristisd) war die deutsche Delegation in Genf nicht in der Lage, die Erklärung, die dort von den Locarno- Mächten veröffentlicht wurde, abzugeben. Formell ist weiter es liegt der Fall der baltischen Staaten seinerzeit vor das Aufnahmegesuch mit der Nichterledigimg zwar hinfällig geworden. Das ist die Seite, von der aus etwa der Generalsekre­tär des Bundes in Genf das betrachtet. Für uns ist aber absolut notwendig die formelle Zurück­nahme des Eintrittsqesuches vor aller Welt.

Deutschland muß die Hände in dieser Frage, seinem Verhältnis zum Völkerbund, absolut frei bekommen. Denn jetzt wird zunäd;st mit einer Stu­dienkommission die Veränderung des Völkerbunds­rates in Angriff genommen. Unter allen Um» ständen ziehen im Herbst mit Deutschland a n - dere Staaten in einen erweiterten R a t ein. Die Frage verschiebt sich, sie bedarf neuer Erörterung und Entschließung, und dazu muß Deutschland die Hände frei haben.

Der Völkerbund hat durch diese Tagung einen solchen Stoß erlitten, derartig an Ansehen eingebüßt, daß ein Staat, der noch nicht drin ist, sich'erneut dreimal zu überlegen hat, ob er sich ihm anschließen soll. Das gilt ebenso für Rußland und Nordame­rika wie für uns. Dabei ist ganz richtig und macht das Bild noch schlimmer, daß ja eigentlich nicht der Völkerbund versagt hat, sondern eine Clique von Mächten, die mit diesem Völkerbund bisher gespielt hat, und die ihn auch in dieser Sache für ihre eigenen und egoistischen Interessen ausnutzen wollte. Diese E r f a h r u n g ist für Deutsch- fenber als die allgemeine Enttäuschung, die jetzt die Anhänger der Locarnopolitik ergreift. Wohin diese weiterzielt, da der Ausgang in Deutschland, in Frankreich, in England, wenn nicht die Regie­rungen, so jedenfalls die Position der Außenminister schwer erschüttert hat, werden mir in den nächsten Tagen sehen!

Frankreich in Genf.

(Von unserem Pariser W. S.-Korrespondenten.)

Paris. 18. März 1926.

Aus diesem unendlichen Wirrwarr der Falschmeldungen und Tendenznachrichten der Pa­riser Presse über die Ereignisse in Genf und das voUständige Fiasko des Völkerbundes ist es nur möglich, sich mit folgender Fragestellung herauszufinden:

1. Wodurch wurde dieses Fiasko herbeige- führt?

2. Was hat jetzt Deutschland zu tun?

In unseren Berichten aus Paris haben wir versucht, die ungeheure Stimmungsmache gegen Deutschland, die in diesen Tagen von Paris aus mit gewohnter Meisterschaft in­szeniert wurde, kurz zu charakterisieren. Wenn unsere deutsche Auslandpropaganda erst einmal fähig sein wird, sich auch nur im entfern­testen mit dieser Propaganda zu messen, dann wäre für Deutschland schon sehr viel gewonnen. Es muh noch einmal gesagt werden: wer sich über diese außerordentliche Genfer Tagung nur aus der Pariser Presse hätte informieren wollen, der wäre wirklich nicht imstande gewesen, auch nur annähernd zu begreifen, um was es sich in Genf eigentlich drehte, ilnö im Grunde ge­nommen war es gar nicht einmal so kompliziert, sonderen alles drehte sich darum: Frankreich will seinen Standpunkt in Genf durchfechten und sein hinter dem

wurde der erste deutsche familienforschende Verein im Ausland gegründet, in Porto Alegre in Brasilien, der Verein für Familienkunde, mit dem Ziele, allen Deutschen dort ihre Ahnen bis zur Einwanderung zu sichern, -- vor hundert Jahren. Hochzeitsleuten sollen diese Ahnentafeln übergeben werden. Man wird finden, daß diese Deutschen fast ausschließlich deutsche Frauen sich erwählten: die brasilianische Frau stellt an den kühleren Deutschen zu leidenschaftliche Ansprüche. So haben sich die Familien dort fast rein er­halten.

Diese Ahnentafeln werden dann uns im Reiche übergeben, und wir verteilen sie auf die familienforschenden Landesvereine: es wird diesen leicht sein, die Ramen der vor hundert Jahren Ausgewanderten im Heimatort aufzufinden und weiter zurückzuverfolgen. Das Gefundene über­geben wir wieder den Suchern im Ausland und knüpfen so das in der Zwischenzeit fast abge­rissene Band zum alten Stannne neu.

Es wird auch Familienbilder aus früheren Jahrhunderten dabei geben, wie aus der neueren Zeit, älnd die heutigen Deutschen draußen wer­den nach langer Abgesprengtheit mit Verwunde­rung feststellen, daß sie in allen Dingen über­raschende Aehnlichkeit mit äkrahnen und Ur» muttem im Mutterlande haben.

Mutter Erde und Mutter Deutsch­land! In unserem Sprachgebrauch wie im Ge­fühl steht uns die Mutter näher am Herzen, ihr Schoß hat uns alle genährt und gesättigt, ob wir Männer oder Frauen sind. In ihrer Hand liegt zehn Kinderjahre lang die Pflege und Kultur des Sprößlings. Bedenke jeder Mann, wieviel er ihr verdankt, wie viele Keime er durch die Wahl des Weibes in das Blut seiner Kinder hineinträgt. Richt blind und taub tappe er in die Ehe hinein, nicht benommen und gefangen von den Wirkungen des Weibes auf fein Blut, sondern sehend und die Zukunft ungeborener Kinder vor Augen. Bei den Blumen besorgt der Gärtner durch sinnvolle 'Betäubung die Schaffung neuer Formen: von Tieren gewinnt dkr.Züchter durch auserlesene Paarung edle Junge. Der Menschengärtner denke an die Wähl» geborenbeit künftiger Geschlechter!