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Nr. 271 Erster Blatt

176. Jahrgang

Zrettag, 19. November 1926

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen;

Vtetzener Familiendlätter Heimat im Bild Di» Scholle

»anolr.bezucsrreir.

2 Reichsmark und 20 Reichspfenrttg für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanj chlüsse:

51, 54 und 112

Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Eieheti. postschccttonto:

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrrck und Verlag: vrühl'sche Umverfitütr-Vuch- und Stemöruderei «. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe ?.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ rem höhe für Anzeigen dm 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- stlameanzeigen oon 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr.

Chefredakteur

Dr Frredr Wilh Lange. DeranttooNlich für Politik Dr Fr Wilh Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Icd Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil i. Dcrtr H. Deck, sämtlich in Dieben.

Die Oeffnung der deutschen Archive. Die letzte große Aktcnpnblikation der Reichsrcqierung.

Berlin, 18. Noo. (WTB^ Wie amtlich miige- teilt wird, steht nunmehr die Drucklegung der end­gültig lebten Banberreihe der großen Aktenpublika- tion der deutschen Reichsregierung, die die große Politik der europäischen Kabinette von 1871 bis 1914 umfaßt, unmittelbar vor der Beendigung. Die Echlußgruppe des Werkes umfaßt sieben Bände. Die neuen Bände werden durch die Deutsche D e r l a g s g e s e 11 s ch a s t für Politik und Geschichte in Berlin noch in den letzten Tagen des November an den Buchhandel ausgegeben und umfassen das Dokumentenmaterial des deutschen Auswärtigen Amtes über die auswärtige Politik der Jahre 1912 bis 1914. Sie schließen sich an das im Mai 1926 erschienene zweite Drittel der fünften Reihe an und führen den Titel: Europa vor der Katastrophe. Mit der letzten Gruppe wird das große deutsche Aktenwerk unmittelbar an den Weltkrieg herangeführt. Die letzte Abteilung behan­delt die verhängnisvolle Periode der internatio- noien Verwickelungen und weltoolitifchen Mißver- ständnisse, die den Weltkrieg vorbereiteten. Das Do- fumentenmaterial der Bände 3440 gewinnt so un­mittelbarste politische Tagesbedeutung. Mit ihnen tut die Publikation als Ganzes den letzten entschei­denden Schritt aus ihr eigenstes Ziel: die Auf­hellung der Ursachen des Weltkrieges xu. Mit Den jetzt erscheinenden Bänden wird der Anschluß des Aktenwerkes an die 1919 unter dem TitelDie deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch von der Reichsregierung bei der Deutschen Berlagsanstalt für Politik und Ge­schichte in Berlin herausgegebene Urkundensamm­lung über die unmittelbare Vorgeschichte zum Welt­kriege hergestellt. Damit ist dann gegen Jahresende 1927 die von der deutschen Regierung gewünschte breite Grundlage für die Klarstellung der Ursachen des Weltkrieges von deutscher Seite v o l l st ä n d i g geschaffen.

Die Koalitionsverhandlunqen.

Berlin . 19. Non. (prio.-IeL) Die Blätter be­tonen, daß bei den in dieser Woche erfolgten B e - fprechungen zwischen Vertreter der Fraktionen und der Reichsregierung bindende Verein­barungen hinsichtlich der Bildung der Großen Koalition im Reiche nicht getroffen wurden. Heber die Haltung der Deutschen Bolts- vartei zur Frage der Großen Koalition schreibt öleTägliche Rundschau": Die Deutsche Bottsvartei ist grundsätzlich bereit, mit der Lozialoemo- kratie zusammenzuarbeiten. Sie legt aber wahr­scheinlich entscheidenden Wert darauf, daß zunächst einmal ble Borausfetjungen geklärt werden, unter denen ein Zusammenarbeiten mit den Sozialdemokraten möglich ist.

Das Arbeitslosen- verficherungsgefetz.

Annahme im Reichstag.

Berlin, 18. Rvv. (WB.) Der ReichsraL genehmigte in seiner öffentlichen Dollsitzung am Donnerstag das Arbeitslosenversicherungsgesetz, das am 1. April 1927 in Kraft treten soll. Träger der Versicherung sind die Kran­kenkassen. 3n die Versicherung sollen auch Angestellte einbezogen werden, die nach dem Angestelltenversicherungsgesetz versichern ngSPsllch» tig sind. Die auf 26 Wochen bemessene -Unter» stützungsdauer kann im Falle besonders ungün­stiger Lage des Arbeitsmarktes auf 3 9 Wo­chen ausgedehnt werden. 3m Wege einer Krisenf ürsorge können auch diejenigen un­terstützt werden, die die Anwartschaft nrch nicht erfüllt haben oder bereits ausgesteuert sind. Während sonst die Kosten der Versicherung nur von Arbeitgebern und Arbcitniehmern ausge­bracht werden und das Reich nur im Rotfall mit Darlehen eintritt, sollen die Kosten der Krisenunterst utzung nach den Beschlüssen des Reichsrates, die der Regierung nicht an­nehmbar erscheinen, zu acht Reunteln vom Reich und zu einem Reuntel von den Gemeinden getragen werden. Die Regierung will dieses Verhältnis in drei Viertes imi> ein Viertel abgeändert wissen. Die Krisenunterstützung ist _Don einer Bedürftig- keitsprüfung abhängig, nicht aber auf Grund der von den Versicherten erworbenen Unter» stühung. Die Beiträge und Leistungen der Ver­sicherungen sind nach sie b en L o h n k lassen abgestuft. Die von den Ausschüssen beigefügte Kurzarbeiter Versicherung wurde vom Plenum des Reichsrats auf Antrag der Re­gierung wieder beseitigt.

Der Finanzausgleich.

Annahme des Provisoriums im Reichskavinett.

Berlin, 19. Rov. (£U.) Das Reichs­kabinett erteilte dem Finanzcrusgleichprovisorium seine Zustimmung. DasBerliner Tageblatt" teilt allerdings mit, daß die Annahme nicht ein­stimmig erfolgt sei. Reichspostminister 6 t ing l habe seine Zustimmung versagt, da d'.e Baye­rische Dolkspartei einen scharf ableh­nenden Standpunkt einnimmt. Das Blatt gibt im übrigen übet den 3nhalt des neuen Provi­soriums an, daß es nichts an der bisherigen Echlüsselverteilung ändert, dagegen eine we­sentliche Umstellung der Garan­tien bringt, und zwar fällt danach die geson-

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Reichspräsident von Hindenburg in Dresden.

Dresden, 18. Rov. (TU.) Reichspräsident v. Hindenburg ist um 10.44 Uhr zur Teilnahme an der Einweihung der Infanterieschule auf dem Reustädter Bahnhof angclommen. Zum Emp­fange hatten sich als Vertreter der sächsischen Regierung die Staatsminister Dr. Kaiser und Dr. Dehne eingefunden, die zusammen nut iy>m Oberbürgermeister Dr. Blüher den Prä­sidenten begrüßten. Bei der Abfahrt nach der Garnisonkirche fuhren dem Wagen des Präsi­denten der Chef der Heeresleitung, General Heye, und die Generäle v. L o h b er g und Reinhard voraus. 3m Auto des Reichs­präsidenten hatte Dr. Gehler Platz genommen. 3n weiteren Autos folgten Reichsfmanzminister Dr. Reinhold, der sächsische Gesandte in Berlin, ' Dr. G r a ö n a u e r, Oo erbürgermeister Dr. B l ü h e r, sowie Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden. Brausender Jubel be­gleitete den Reichspräsidenten auf dem Wege nach der Garnisonkirche. Vor der Kirche hatte die Ehrenkompagnie Aufstellung genommen, deren Front der Reichspräsident unter den Klän­gen des Deutschlandliedes abschrttt. Unter feier­lichen Orgelklängen betrat der Feldmarschall dann die Garnisonkirche zu einer tunen kirchlichen Weihefeier. Die Infanterie schule irnb die übrigen Truppen des Standortes formierten sich nach der Feier vor der Kirche zum Parademarsch. Der Reichspräsident begrüßte noch kurz den Offi­zierslehrgang, und unter den Klängen der Re- yimentsmusik des Infanterieregiments erfolgte 'dann der Vorbeima rs ch der Truppen. Während der sich anschllehenden Fahrt zur In­fanterieschule brachten zahlreiche Schulen und Vereine dem Reichspräsidenten lebhafte Ova­tionen dar. Rachdem dieser bann die Lehrtruppen kurz begrüßt hatte, trat er vor die Front der zwischen dein alten Kadettenhaus und dem neuen Gebäude aufmarschierten Waffenschüler und hielt eine kurze Ansprache, in der er folgendes aus­führte. Lter Beruf, den Sie sich gewählt haben, stellt hohe Anforderungen an Sie, die in der Er­füllung des Wortes stähen Duke et decorum est pro patria mori.

KE

Der Offizier muß sein und jederzeit muh er Im Dienste zeigen, daß er gewillt ist, zu besehlen, nur so kann er seine Untergebenen in schweren Stunden mit sich vorwärts reißen. Um bejefjten zu können, muß er aber selbst erst gehorchen lernen und sich dessen eingedenk fein, daß seine Untergebenen ein wertvolles Gut des Bater- landes sind und daß er sie ju braven aufrechten deutschen luännern erziehen soll.

Der Offizier muß ein Freund und Berater sein. 1 Machen Sie sich den Begriff der Kamerad­schaft recht klar. Sie muß mehr sein als alltäg­liche Freundschaft; denn sie soll sich bewähren auch in größter Todesnot. Wenn Sie sich dessen alles be­wußt sind, bann werden Sie auch in Ihrem öffent­lichen Auftreten den rechten Ton der Ritterlich­keit frei von Ueberhebung finden und endlich be­wahren Sie im Dienste Ähre Ehre rein. Seien Sie dessen eingedenk, daß Sie die Tradition der alten'Armee zu bewahren und fortzusetzen haben. Die Treue am Vaterland ist unsere heiligste Pflicht. So eröffne ich hiermit die neue Infanterie- schule in dem festen Vertrauen, daß sie eine Pfleg­stätte aller edlen deutschen Soldatentugenden jein und bleiben wird.

Der Reichspräsident begab sich daraus in den Vortragssaal des neuen Gebäudes, den die Bildnisse des Reichspräsidenten und des Generalobersten von Seeckt schmücken. Gene­ral von A r m s b e r g, der Kommandeur der Schule, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Reichspräsident zur Eröffnung der Infanterie­schule nach Dresden gekommen ist. Er ver­sicherte dem Reichspräsidenten, daß die Worte, die er an die Infanterieschüler gerichtet habe, in ihren Herzen Widerhall gefunden hätten und eine Richtschnur sein werden für ihr ganzes ferneres Leben. Ein Frühstück beschloß die Ein­weihungsfeier. Bei dieser Gelegenheit dankte der Reichswehrminister Dr. Gehler den geladenen Gästen für ihr Erscheinen und übermittelte seiner­seits der Infanterieschui» die besten Wünsche für die Zukunft. Mit dem fahrplanmäßigen Zuge 3.48 Uhr kehrte der Reichspräsident und der Reichswehrminister nach Berlin zurück.

"bette Umsatzsteuergarantie fort. Für die Streichung der Umsatzsteuer wird die allgemeine Garantie für die Länder von 2,1 Milliarden auf 2,4 Milliarden, also um, 300 Millionen erhöht. Außerdem übernimmt das Reich künftig die Lasten der Erwerbslosenfürsorge allein. Damit kommen den Ländern 300 bis 400 Millio­nen zugute, die sie bisher an den Lasten der Erwerbslosenfürsorge getragen haben. Schließ­lich verzichtet das Reich diesmal auf die Strei­chung des Paragraphen 35 des Finanzausgleich­gesetzes.

Die neuen Gerichtskosten.

Berlin, 18. Rov. Der Rechtsausschuh des Reichstages setzte heute in der zweiten Lesung des Gerichtskostengesehes die Kostengebühren fol­gendermaßen fest: In b ü r g e r l i ch e n R e ch t s- streitigkeiten beträgt die Gebühr bei Streitgegenständen im Werte bis zu 20 Mark 1 Mark, von 20 bis 50 Mark 2 Mark, bei höheren Werten bis zu 1000 Mark 3 v. H., bis zu 2000 Mark 2 v. H., bis zu 10 000 Mark 1 v. H.; von dem Mehrbettage 1/2 t>. H. Abgerundet wird auf die nächsthöheren einhundert Mark. Beim Streit­wert von mehr als 20 000 Mark auf die nächst­höheren eintausend Mark. Bei nichtvermögens- rechtlichen Ansprüchen wird der Streitwert auf 2000 Mark ausnahmsweise auf nicht unter 50 000 und nicht Über 60 000 Mark angenommen. Bei Zurücknahme des Anttags in der mündlichen Verhandlung ermäßigt sich die Gebühr auf ein Diettel. Im Strafverfahren erster In­stanz steigen die Gebühren von 5 Mark bei Frei­heitsstrafen bis zu einer Woche bis zu 300 Mk. bei Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren. Bei Bestrafungen in Geld beträgt die Ge­richtsgebühr 10 v. H. der Geldstrafe, mindestens aber 5 Mark und höchstens 10 000 Mark und nicht über den Betrag der Strafe. Die D 0 r - s ch u ß p f 1 i ch t wurde nach längerer Debatte mit 13 gegen 9 Stimmen beibehalten, aber in einer Entschließung die Reichsregierung um Aushebung am 1. Januar 1929 ersucht.

Paul Lensch f.'

Im 53. Lebensjahre ist am Mittwoch Paul Lensch aus dem Leben geschieden, der jahrzehnte­lang in unserem innerpolttischen Leben, nament­lich aber in der Sozialdemokratie, eine bedeutende Rolle spielte. Die sozialdemokrattsche Partei selbst wird aufatmen, daß einer ihrer schärfsten Gegner für immer die Augen geschlossen bat. Lensch, der aus gutbürgerlicher Familie stammte, sich aber frühzeitig der sozialdemottati- schon Bewegung anschloß und eine Zeitlang sogar öIj den Radikalsten gehörte, hat im Kriege, mehr noch in der Aachkriegszeit, gewaltig um» gelernt. Vielleicht ist das etwas zu viel ge­sagt: er blieb nach wie vor ein Kämpfer der deutschen Arbeiterschaft, erkannte aber, daß mit unserer auf internationale Gedanken­gänge eingeschworenen Sozialdemokratie die nationale Freiheit des deul'chen Volkes und seiner werktätigen Masse nicht zurückzugewinnen sei. 1914 tat er den ersten Schritt zur Opposition hinüber. Er verweigerte als Reichstagsabgeordneter die KrieZsttibute,

nicht um dem schwer bedrängten deutschen Volk eine scharfe Waffe aus der Hand zu schlogen, son­dern um den ausländischen soziallst.schen Parteien die Maske vom Gesicht zu reihen. Das ist ihm gelungen, die ausländischen Genossen trieben stärkste Kriegspolitik, ohne sich an die früheren Phrasen internationaler Verbrüderung zu erinnern und über das Kriegsende hinaus eine noch stärkere Vernichtungspolitik gegen den deutschen Arbeiter. Das Versagen der Sozialdemokraten auf nationalem Gebiete brachte ihn in wachsenden Gegensatz zur Partei, der er dann schließlich, wie mancher andere nationale Sozialdemokrat, Öen Rücken kehrte. Mit der llebernahme der Chefredaktion der seinerzeit Hugo Stinnes gehörendenDeutschen Allge­meinen Zeitung" trat er aus der SPD. aus, die ihn von nun ab auch offen als Abtrünnigen behandelte und mit allen ihr zur Verfügung stehen­den Mitteln bekämpfte, wo und wie sie es nur konnte. Mit dem Tode von Stinnes wurde die Stel­lung Paul Lenschs in derD. 21. Z." unhaltbar, er schied aus der Chefredaktion aus, biente der Zeitung aber weiter als Mitarbeiter, um bis zu seinem Tode dem deutschen Volke in dem Ringen um seine natio­nale Freiheit publizistisch mit seinen reichen Erfah­rungen und seinem tiefen Wissen zur Seite zu stehen.

Die Regierungsbildung in Sachsen.

Dresden, 13. Rov. (WB.) Heute nach­mittag sanden zwischen Vertretern der bür­gerlichen Parteien und der Altsozia- list en Besprechungen statt, die sich um die Frage der Bildung einer Regierungsloalitton unter Beteiligung der Deutschnatio­nalen einerseits und der altsozialdemo­kratischen Partei Sachsens andererseits drehten. Die Besprechungen haben bisher weder im positiven noch im negativen Sinne zu einem Ergebnis geführt. Sie sollen anfangs nächster Woche fortgesetzt werden. Wie das WD.D. er­fährt, wird die sozialdemokratische Landtagsfrak­tion den früheren Unterrichtsminister § ermann Meißner für das Amt des sächsischen Mini­sterpräsidenten in Vorschlag bringen, und für das Landtagspräsidium den früheren sächsi­schen Wirtschastsminister Schwarz Vorschlägen.

Der Aufstand auf Java.

Haag, 18. Noo. (WB.) Ministerpräsident Dr. de Geer nahm in der Zweiten Kammer Bezug auf die kommunistische Bewegung in Westjaoa. Er be­tonte hierbei, daß die Regierung erst noch nähere Mitteilungen abwarten wolle, -ehe sie endgültig Stellung dazu nehme. Sie sei jedoch bereits jetzt der Meinung, daß das verbrecherische Auftreten der kommunistischen Aufständischen auf die denkbar kräftigste Weise unterdrückt werden müsse. Dennoch brauche diese Abwehr nicht zu einer 2lenberunp in dem neuen eingeschlagenen sozialen und politischen Kurs zu führen. Wie aus B a - ta 0 ia gemeldet wird, durchziehen Aufständische raubend und plündernd die reichen Zuckergegen­den. Die Plantagenbefitzer werden, um sich gegen die UeberfäUe wehren zu können, von den Behörden mit Waffen versehen. Die Lage ist weiter ernst.

Fortsetzung des Streiks in England.

Ablehnung der Rcgierungsvorschläge durch dir Bergarbeiter.

London. 19. Roo. (XU.) DIc Hoffnung aus baldige Beendigung des kohlenkonsttktes sind im Schwinden begriffen. Rach einer Information des Borwärts" aus London haben die Schluhergcbniffe der Distriktsabstimmungen im Bergbau eine außer­ordentlich schwierige Lage geschaffen. Wil einer vom Sekretär der Bergarbeiter Look aus rund 100 000 Stimmen geschätzten Webrheit haben sich die Berg­arbeiter für b l e Ablehnung der Regle- rungsvorschläge entschieden. Die weitere Ent­scheidung liegt nunmehr bei der Delegierten­konferenz, die am Freitag abermals Zusammen­tritt. (Eine führende Persönlichkeit der Bergarbeiter erklärte dem Londoner Bcrtreter des Blattes auf ok? Frage nach der praktischen Bedeutung der Ab­lehnung der Regierungsoorschläge, das Abstim­mungsergebnis stelle eine Demonstration gegen ble Regierungsbedingungen dar. Die Delegiertenkonferenz werde jedoch die Di­strikte anweisen, die Berhandlungen distrikts- weife auszunehmen.

Vie Weltwcktschaftslonferenz.

Amsterdam nid Tagungsort vorgeschlaien.

Gens, 18. Roo. (TU.) -Die vorbereitende Wirt­schaftskommission hat in ihrer heutigen Nachmittags- sitzuna den Bericht an den Dölkerbundsrat nach den Vorschlägen des Präsidenten mit geringen Aende- rungen angenommen. Die Aenderungen beziehen sich vor allem auf eine stärkere Hervorhebung der 5 i n a n 3 f r a g e. Die Tagesordnung hat gleichfalls noch einige Aenderungen erfahren. Die in dem Be­richt des Präsidenten Dor^eldjlagcne Zusammen­setzung d e r Weltwirtschaftskonferenz sowie der vorgeschlagene Termin des Zusam­mentritts am 4. Mai 1927 wurden ohne jede Aenderung von der Kommission angenommen. Die vorbereitende Wirtschaftskommission steht nunmehr vor dem Abschluß ihrer Arbeiten. Morgen nach­mittag findet die Schlußsitzung statt, in der der ge­samte Bericht an den Völkerbundsrat einschließlich der Angabe des gesamten Dokumentenmaterials für die Weltwirtschaftskonferenz von der Kommission angenommen werden wird.

Wie dieVoss. Ztg." meldet, verbreitete sich in Genf das Gerücht, daß man dem Dölkerbundsrat den Vorschlag machen wird, die Weltwirtschaftskon­ferenz nicht stach Gens, sondern nach einer großen europäischen Handelsstadt einzuberufen, 3. B. Amsterdam. Man hofft, daß die Moskauer Regierung, die wegen ihres Konfliktes mit der Schweiz Genf ablehnte, somit keine Vorwände mehr haben würde, ihre Beteiligung an der Konferenz abzulehnen.

Ratstagung und Kontrollfrage. Uebereinstimmnnq zwischen Berlin und London.

Berlin, 18. Rov. (TU.) Die ausländischen Meldungen über eine bevorstehende Sonder­konferenz .der Außenminister Deutsch, lands, Frankreichs und Englands über die In­vestigationsfrage anläßlich der Ratstagung im Dezember werden in politischen Kreisen Berlins dahin beurteilt, daß man im gegenwärtigen Zeit- punkt der Verhandlungen auch über den formalen Verlauf der Dinge in Genf überhaupt noch nichts sagen könne. Die Londoner Meldun- gen, wonach versuchsweise die Frage der In­vestigation und die der Zurückziehung der De» sahungstruppen im Saargebiet auf die Tages­ordnung der kommenden Ratssitzung gesetzt wer­den könne, können dahin verstanden werden, daß ohnedies das Programm der Ratstagung Ange­legenheiten enthält, die bisher noch immer unerledigt sind. Dies trifft auch für die Frage der Desahungstruppen im Saargebiet zu. Ebenso sind einige Durch­führungsbestimmungen für das Investiga- tivns Protokoll vom Rat formell noch nicht erledigt worden. Gegenüber verschiedener Pariser und Londoner Meldungen, die u. a. von einer Kandidatur Rollets an Stelle des Generals D e st i ck e r zum Vorsitzenden der Investigations- kommission und von einer deutschen Zustimmung zur Ansehung einer Kontrollkommission des Völkerbundes im Rheinlande sprechen, dürfte größte Skepsis geboten sein, lieber die grundsätzliche Auslegung des Artikels 213 des Versailler Vertrages bestehen zwischen England und Deutschland, ttoh gegenteiliger De- Hauptungen in der ausländischen Presse keiner- I e i Meinungsverschiedenheiten.

Ein Investigationsplan der Botschafrerkonferenz.

Paris, 19. Trov. (TU.) Von zuständiger französischer Stelle wird über die Verhandlungen in der Frage der Abschaffung der interalliierten Kontrollkommission mitgetcUt, daß augenblick­lich eine Diskussion zwischen D-rlin und den alliierten Hauptstädten im Gange sei, die sich auf die Mission der zukünftigen Kon­trollkommission des Völkerbundes beziehe. Die Dotschasterkonferenz habe in der Er- Wartung, daß Deutschland ihren Anforderungen Genüge leisten werde, bereits ein Pr 0 j ekt über die Kommission dem Dölterbunde vorgelegt. Der Völkerbund habe bisher zwei Entscheidungen gettoffen. Die eine dallere vom 27. September