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Kanada und das britische Reich.

Mackenzie King über Kanadas Ver­hältnis zu den Vereinigten Staaten.

London, 18. Ott (WTB.) Anläßlich der morgen stattfind endM Re.chskonserenz äußerte sich der hier weilende kanadische Premierminister Mackenzre King über das Verhältnis Ka­nadas zu England. Er erklärte, über Z>:e Mög­lichkeit eines Anschlusses Kanadas an die Ver- einigttn Staaten befragt: Diemand in Kanada nimmt den Gedanken an eine Angliederung an die Vereinigten Staaten ernst Ich kenne niemand in Kanada, der für diese Annexion wäre oder davon spreche. King bezeichnete es als sinnlos, zu behaupten, daß der amer'kanische Ein­fluß in Kanada zunehme und den Charakter des Landes ändere. Die Amerikaner, so erklärte er, machen bekanntlich große Reklame. Zweifel­los bekommen wir Dächer und Filme aus einer Quelle, die nicht britisch ist, und dieser Ejn- fluß auf geistigem Gebiet kann nicht übersehen werden. Aber er wird den britischen Charakter des Landes ebensowenig ändern, wie der finanzielle Vorteil, den Kanada aus der Anlage amerikanischen Kapitals zieht. Dach meiner Ansicht sind die Beziehungen Kanadas mit dem Mutterland und den anderen Teilen des Reiches glücklicher als je. Wir haben keinerlei Klagen, und es wäre nicht klug, zu bereittoiHig neue Verfahrensarien oder tiefgehende Aend^- rungen in unseren Dez'ehungen einzuführen. 3c mehr sich das Reich entwickelt, wird es das, was es braucht, ohne technische Hilfsmittel und gewiß ohne revolutionäre Projekte finden. Kanada habe in diesem Jahre eine Ernte zu verzeichnen, wie sie in der ganzen Ge schichte Kana­das noch nicht dagewesen sei. Die Ernte sei zwei- bis dreimal großer als die der letzten Jahre. so daß Kanada als führendes Aus­fuhrland für Weizen und Mais auf­treten könne. Die Arbeitslosigkeit sei als Folge dieser Rekordernte auf den nieörigften Stand seit 1920 aurücfgegangen.

Der Generaldirektor der Reichsbahn.

Die Wahl Dorpmüllers bestätigt.

Berlin. 18. Oft. (WTB.) Der Reichs­präsident hat heule abend auf Vorschlag des Reichekabine'ts die Wahl des bisherigen stellver­tretenden Generaldirektors der Reichsbahn, Dorpmüller, zum Generaldirektor der Reichs­bahn 5 e ft ä 11 g f. Die Vereinbarung, die zur Bestätigung der Wahl Dorpmüllers geführt hat, sieht vor, daß die Deuwahl eines Generaldirek­tors in Zukunft nur erfolgen wird, nachdem vor­her eine Verständigung mit dem Reichskabinett stattgesunden hat. Die Wahl wird also nur erfolgen, wenn die Destäti - gung vorher gesichert ist. Ferner ist ver­einbart worden, daß auch bei der Ernennung des stellvertretenden Generaldirektors in derselben Weise verfahren wird. Weiter ist für die Zukunst dafür ge'orgt, daß zwischen der Reichsregierung und dem Derwaltungsrat der Deichsbahngesell­schaft die notige Fühlung besteht. Dadurch soll erreicht werden, daß gegenseitig überraschende Beschlußfassungen vermieden werden. Wenn der Deichsverkehrsminister Sih und Stimme im Verwaltungsrat auch nicht erhält, so soll ihm jedoch vor jeder Sitzung die Tages­ordnung rechtzeitig zugänglich ge­macht werden, so daß er in der Lage ist, dem Verwaltungsrat seine Ansicht über die einzelnen Punkte vor der Sitzung mitzuteilen. Der Haupt­einfluh der Reichsregierung liegt auch weiterhin in ihrem Rechte, die Hälfte der Verwol- tungsratsmitglieder zu ernennen. Be­reits zum 1. Januar 1927 wird die Reichsregie­rung drei neue Verwaltungsratsmit- .glieder zu ernennen haben.

t Aus den Reichslagsausschüssen.

Berlin, 18. Oktober. (Wolfs.) Der Reichstagsausschuh für soziale Angele­gen h e iten trat heute zum ersten Male nach ' der Sommerpause wieder zusammen. Der Aus­schuß beschloß zunächst, regelmäßig an den Vor­mittagen die Beratungen des Arberts- gerichtsgesetzes zu Ende zu führen und an den Dachmittagen die Deuregelung der A r - beitslosensürforge zu behandeln. Dem­entsprechend wurde die Beratung über das Ar- -beitsgerichtsgesetz fortgeführt Der Reichs­ausschuß für Deamtenangelegenheiten setzte die Beratung des Entwurfes einer Reichsdienststrafordnung bei den Pa­ragraphen 23 und 24 fort Diese Paragraphen ordnen die Besetzung der Dienststrafkammem als der Gerichte des ersten Rechtsspruches. Sie sol­len aus einem Präsidenten, dessen Stellvertre­tern und Beisitzern bestehen. Der Rechts- ausschuh des Reichstages beschloß, in der Sttas- prozeßreform sich alsbald mit der Frage der älntersuchungshaft zu beschäftigen. Darauf be­gann der Ausschuß seine allgemeinen Bespre­chungen über den Gesetzentwurf zur Revi­sion der Gerichtskosten und der Ge­bühren der Rechtsanwälte. Die Her­absetzung der Gebühren wurde vom Staats­sekretär des Reichsjustizministeriums Joel mit dem Wunsche begründet, die Gebühren mög­lichst wieder auf die Höhe der Vo^riegszeit zu fenEen. Vertreter der preußischen, bayeri­schen und württembergischen Justizverwaltungen machten aber darauf aufmerksam, daß die Lan­desverwaltungen den finanziellen Ausfall nicht tragen könnten.

Der Sieg Stalins.

Moskau. 18. Oft. (WTB.) Die Unterwerfung bei von Trotzki und Sinowjefs geführten Opposition wurde von der Zentralexekutive der Kommunisti­schen Partei angenommen, nachdem die Oppo­sition auf alle Bedingungen und Einwände, sowie auf das Verlangen, ihre Wünsche vor dem Plenum der Partei vorzutragen, re st los verzichtet hat.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident ist von Groß- Schwülper, wo er im Anschluß an seinen Besuch in Braunschweig das Wochenende verbracht hatte, wieder in Berlin eingetroffen.

Der Herr Reichspr a sident empfing eine Abordnung der Sta dtverwaltung

von Deuhvrk, die vor einigen Tagen hx Deutschland eingetroffen ist, um dem Stapellauf des neuesten Dampfers der Hamburg-Amerika- Linie beizuwohnen und ihn auf den Damen Deuyork^ zu taufen. Der Abordnung, die von dem Vorsitzenden des Direktoriums der Ham- burg-A.nerika-Linie, Dr. Cuno, eingeführt wurde, gehören u. a. an d e Gattin des durch die bevorstehenden Wahlen in Amerika zurückgehal­tenen Bürgermeisters von Deuhvrk James Wal­ker, der Mitarbeiter des Bürgermeisters Ed­ward L. Stan ton und der Polizeichef James P. Sinnott.

Auf dem Landgut eines deutsches Kaufmanns in Duitenzora. der Residenzstadt Diederlän­disch Indiens auf Java, wurde ein Gedenk­stein f ü r das frühere deutsch °o st - asiatische Kreuzergeschwader enthüllt. Der Kommandant und mehrere Offiziere des deutschen SchulschiffesHamburg" wohnten der Feierlichkeit bei.

Der KreuzerE m b e n" tritt als Schulschiff der Reichsmarine am 14. November seine ente größere Ausbildungsreise an, die das Schiff über Spanien und einige afrikanische Häfen in den Indischen Ozean führen wird Bisher ist das Anlaufen folgender Häsen in Aussicht genommen: La Coruna, Lancerete, Puerto Ventura, Tene­riffa, St Helena, D'Urban, Zansibar, Padang. Wel­chen Verlauf die Reis? später nehmen wird, steht noch nicht endgültig fest.

Der Kölner Regierungspräsident Graf A^dekmann von Adelmannsseiden ist Montag abend im Alter von 50 Jahren an Herzschwäche gestorben.

Der niederländische Minister des In­nern hatte Montag in Doorn eine Unterredung mit dem ehemaligen deutschen Kaiser.

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Der König von Schweden, der zum Besuch der Königin von Schweden in Baden- Baden weilte und auch der Königinmutter der Diederlande in Freudenstadt einen Be­such gemacht hatte, verließ Baden-Baden, um nach Schweden zurückzureisen. Die Königin von Schweden wird Donnerstag sich zum Winter­aufenthalt nach Rom begeben.

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Die norwegische Volksabstimm ung über das Branntweinverbot hat bis jetzt 297 000 Stimmen für und 296 188 Stimmen gegen das Verbot gebracht Die Anhänger des Alkoholverbotes haben bisher 48 861 Stimmen verloren, die Derbotsgegner 130 762 Stimmen getooraten. H. a. fehlen die Ergebnisse für Oslo und Bergen.

Königin Maria von Rumänien ist mit Prinz Dikolaus und Prinzessin Jleana an Bord des DampfersLeviathan" in Deuhork eingetroffen. Die Königin wurde vom Publikum lebhaft begrüßt. Sie reiste nach Washington weiter, wo sie vom Staatssefretär Kellogg und seiner Gemahlin im Damen der amerikanischen Regierung begrüßt wurde. Die Königin wird Dienstag dem Präsidenten C o o l i d g e einen Besuch ab ft atten.

Der neue Fürsterzbischof von Gnesen und Posen, Primas von Polen, D. Hlond, hielt unter lebhafter Beteiligung der Bevölkerung in Posen feinen feierlichen Einzug.

Kunst und Wissenschaft.

Gräberfund im Mainzer Dom.

Bei den Ausschachtungsarbeiten im Mainzer Dom ist unter der Stelle des westlichen Hochaltars ein geschichtlich bedeutsamer Grabfund gemacht. Man stieß dabei auf einen frühmittelalter­lichen Steinfarg, der die äleberrefte einer mit noch gut erhaltenen Lorbeerzweigen bedeckten Leiche barg. Die Leiche war in Tücher einge» hüllt ins Grab gelegt worden. Ein Teil des Schädels und die Fußknöchel sind noch gut er­halten, alles andere ist zerfallen. Man fand einen Ring in romanischen Formen, auf dem die Worte f Aribo Archieps eingraviert waren. Danach handelt es sich jedenfalls um das bisher noch unbekannte Grab des Mainzer Erzbischofs Aribo, des zweiten Dachfolders des hl. Willigis, der den abgebrannten Wclligisdom wie­der aufzubauen begann. Bischof Aribo war im Jähre 1031 während einer Romreise in Como gestorben, worauf auch die Bestattungsweise der Leiche und die Beigabe von Lordeer deut­lich hinweist.

Der 3. Kongreß des Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit.

Wien, 19. Oft. (TU.) Der 3. Kongreß des Berbanbes für kulturelle Zusammenarbeit würbe gestern eröffnet. Zum Präsidenten des Kongresses wurde H n g o v. Hoffmannsthal, zum Vize­präsidenten Graf M e n ft o r f f Pouilly ge­wählt. U. er den Anwesenden sah man Professor Weber- Heidelberg und Professor Graf Dohna (Bonn). S) go v. Hoffmannsthal begrüßte die Teil­nehmer de- Kongresses, während Professor Graf Dohna im Namen der deutschen Delegierten dankte und der Versicherung zu rückhaltloser Mitarbeit Aus­druck gab.

Annemarie von Dathusius f.

Am Samstagabend ist die Dichterin Annemarie v. N a t h u f i u s im Alter von 52 Jahren in Ber­lin an einem Herzschlag gestorben.

Auffindung eines frühchristlichen vischossgrabes in Ravenna.

Bei Arbeiten in der Franziskuskirche in Ra­venna wurde vier Meter unter dem Fußboden der Mittelkirche das Grab des Erzbischofs Leo von Ravenna entdeckt, der 452 nach Christi Geburt starb. Leo war Nachfolger des heiligen Petrus Chroy- fologus auf dem Bifchofsftuhl von Ravenna. Wie verlautet, soll das vollständig erhaltene Skelett in einem Sarge vor dem Hochaltar der Franziskus­kirche beigesetzt werden.

Kunstdersteigerung in Frankfurt.

Bei der Versteigerung von Werken aus acht Jahr'ehnten deutscher und ausländischer Malerei, die Anfang des Monats im Auktionshause Rud. Bangel in Frankfurt a. M. stattfand, wurden u. a. die folgenden Gebote erzielt: Andreas Achenbach (Aufnahme des Lotsen) 3100, Boehle (Bildnis Treutlein) 2100, Constant (Bildnis) 7500, Corinth (Junge mit Hund) 3800, Feuerbach (Jnntalerin) 4900, Geri - cault (Fiucht in der Campagna) 6200, Lieber­mann (Garten in Wannsee) 3200, Marees

(Pferdemarkt) 5000, Schönlebe r (Einfahrt bei Vlissingen) 8200, Spihweg (Jäger im Wald) 4100, Stadler (Wiesenlandschast) 5400, Trüb- ner (Garten) 6000, Waldmüller (Genesung) 9200 und Zügel (Schafe) 6100.

Internationale TDetfbunbausffeflung 1930.

Bei der Vorstandssitzung des Deutlichen Werk­bundes wurde der Vorsitzende ermächtigt, ge» meinsam mit dem Sonderausschuß die Verhand­lungen über den Ausstellungsort weiter- zufLhren und eventuell selbständig abzuschließen. Die mit Berlin gepflogenen Verhandlungen scheinen aussichtsreich zu sein. Als nächster Ta­gungsort des Deutschen Werkbundes wurde Mannheim gewählt.

Aus aller Welt.

Das Ergebnis der Eckener-Spende.

Der Sekretär der Zeppelin-Eckener-Spende hat dem preußischen Wohlfahrtsministerium über bas Ergebnis der Spende Bericht erstattet. Das Gesamt­ergebnis im Deutschen Reich beläuft sich demnach auf etwa 2,5 Millionen Mark. Zehn Prozent dieses Betrages "finb zu Unkosten aufgebracht wor­den, ein Betrag, den das Ministerium als normal bezeichnete. Weitere Sammlungen find in Deutsch­land nicht beabsichtigt. Heber die Verwendung der 2,5 Millionen Mark wird das Kuratorium der Zep- pelin-Eckener-Spende Beschluß fassen.

Emil Dannings in Dcuyork.

Der Filmschauspieler Emil Jannings ist in Neu- york eingeiroffen und wurde von einer gewaltigen Menschenmenge empfangen. Man brachte ihm große Ovationen bar. Die Polizei hatte die größten Schwierigkeiten, die Ordnung aufrechtzu- erhalten.

Die erste Gastwirtsmesse in Köln.

Die erste Westdeutsche Gaftwirtsmesse in Köln wurde am Samstag mit einer schlichten Feier im Ehrenhose der Kölner Messe eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Adenauer wies auf die Schwierigkeiten hin, unter denen das Gast­wirtsgewerbe wie kein anderer Stand unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisten zu kämpfen habe. Die Beschickung der Messe ist, sowohl der Qualität wie dem Umfange nach, gut. Rund 400 Aussteller aus allen Teilen Deutsch­lands sind vertreten. So ist eine vielseitige Schau zustande gekommen, die alle Gebiete des Hotel-, Gastwirts- und Konditoreigewerbes zeigt. Ver­treten sind Anlagen und Bedarfsgegenstände für den Restaurant-, Kellerei- und den Küchenbetrieb, Hotel- und Restauration-einr.chtungen, Möbel, Beleuchtungskörper, Kühlanlagen und Kühl­schränke, Kochapparate, Kaffeemaschinen, Hotel- und Kochgeschirr, Bestecke usw. Selbstverständlich ist auch das Dahrungs- und Genußmittelgewerbe, Getränke usw. vertreten. Weiter sind Musikappa- rate, Reklameartilel, kunstgewerbliche Artikel zur Schau gestellt. Auch die Brauereien haben sich in großzügiger Weise an der Ausstellung be­teiligt.

vom Glück verfolgt.

Wie ein Märchen mutet ein Vorkommnis an, das dieDüsseldorfer Dachrichten" erzählen. Konrmt da ein Oberwachtmeister aus Düssellwrf auf die Gesolei, nimmt sich ein Los und ge­winnt drei Mark. Muttg geworden, löst er sich ein anderes, zieht ein Freilos, tauscht es ein und .... hat 500 Maü gewonnen. Von so viel Glück überwältigt, wird er leichtsinnig und opfert noch eine Mark für ein neues Los. Das neue Los bringt ihm..... 5000 Mark.

Die Sache soll kein Märchen sein.

Schweres Autounglück bei Lyon.

In der Dähe von Lyon fuhr ein mit drei Personen besetztes Automobil auf einen elek- trischen Strahenbahntt>agen. Der An­prall war so heftig, daß das Auto zertrüm­mert, und die Plattform des Straßenbahn­wagens eingedrückt wurde. Don den Insassen des Autos waren zwei sofort tot, während der dritte nach wenigen Minuten gestorben ist.

Ein Polizeibeamter von einer Bisamratte angefallen.

Dor einigen Tagen wurde in Maulbronn auf einem öffentlichen Platz der Oberwachmann K u n e r t gegen 4 Tlhr früh von einer ausge­wachsenen Bisamratte von ungefähr einem halben Meter Länge, die aus einem in der Dähe befind­lichen Park kam, angefallen. Das Tier sprang dem Beamten cm die Brust, doch gelang es diesem, die Bisamratte mit den Händen abzustreifen. Das Tier griff ihn jedoch neuerlich an, und erst nach etwa fünf Minuten gelang es ihm, die Ratte mit Hilfe des Sabels zu erschlagen.

Direkte Fahrkarte ParisTokio.

In den nächsten Tagen beginnt in Berlin eine internationale Eisenbahn-Konferenz, zu der Ver­treter erschienen sind von China, Japan, Rußland, Litauen, Lettland, Estland, Polen, Deutschland, der Tschechoslowakei, Oesterreich, Italien, Frankreich und Belgien. Bei den Beratungen handelt es sich um die Durchführung eines direkten Personen­verkehrs zwischen dem fernen O st en und Europa auf durchgehende Fahrkarten und durchgehende Gepäckabfertigung. Es wird später möglich fein, auf Grund eines besonderen Tarifs eine direkte Fahrkarte z. B. von Paris bis Tokio zu lösen, da auch die japanischen Dampffchiffahrts- gesellschaften sich diesem Verkehr anschließen.

Banbifentiberfatt in Deuyork.

Die Polizei sucht in Brooklyn angestrengt nach drei Banditen, die am Samstagabend auf die Frau eines führenden Senators, die mit mehreren Freun­dinnen im Auto aus dem Theater zurückkehrte, einen Ueberfall unternommen Haden, bei dem sie Schmucksachen im Werte von 15 000 Dollar erbeuteten.

Bd einem Autounfall zwei Frauen verunglückt.

Auf der Straße von Hordt nach Billigheim (Pfalz) wurden 2 Frauen von einem Lastauto gegen eine Wand gedruckt. Eine der Frauen erlag in der folgenden Dacht ihren schweren Verletzungen.

Das Ende einer 1000jährigen Linde.

Der am vergangenen Sonntag wütende außer­ordentlich heftige Sturm hat die vielen Wan­derern bekannte tausendjährige Linde bei G r i e s- b a ch im badischen Odenwald, das Wahrzeichen des idyllisch gelegenen Dorfes, vollständig ver­nichtet.

Wettervo r -:::

Dach leichtem Dachtsrvst Aufklaren, tags­über geringer Temperaturanstieg, trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8,4, Minimum minus 1,9 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 0,2 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Oktober 1926. ]

Völkerkunde und Mission: einedruls^ eBerufunginNeber'ee Don Umoerfttätsprofessor D. Dr. Heinrich Frick.

Es ist bekannt, daß die Völkerkunde den Mis­sionaren wertvolle Anregungen und Beiträge ver­dankt. Weniger bekannt dürfte jedoch fein, daß heute die Missionsarbeit ihrerseits wichtige Gesichtspunkte aus der Völkerkunde gewinnt. 'Gerade deutsche Mis­sionare wie Bruno Gutmann am Kilimand­scharo haben in letzter Zeit internationale Be­achtung gefunden mit ihrer grundsätzlichen Einstel­lung auf die Pflege eingeborener Eigenart. Echte Mission ist ja nicht Propaganda. Echte Mission will nicht gewachsene Eigenart durch etwas Importiertes verdrängen, sondern im Gegenteil dazu verhelfen, daß Völler und Rassen im Kampf mit Europciismus und Amerikanismus stark genug bleiben, um ihren ursprünglichen Charakter zu wahren.

Eine gewisse Anpassung an die unaufhaltsam vordringende abendländische Zivilisation kann heute ja keinem Volk mehr erspart bleiben. Versuche, die­sen Vorgang künstlich aufzuhalten, etwa die Einfuhr von Maschinen zu verhindern, sind gescheitert, wo immer sie gemacht wurden. Damit aber, daß solche Äußerlichkeiten" von draußen her übernommen roerben, beginnt stets auch das geistige Element, das solche Äußerlichkeiten unsichtbar, doch einflußreich wie die Atmosphäre umschwebt, seine werbende An- ziehungskrast zu entfalten. Unwillkürlich und viel tiefer, als wir gewöhnlich vermutan^wird durch Annahme abendländischer Zivilisation etwa un­serer Medizin althergebrachtes eingeborenes Be­wußtsein erschüttert. Daß diese Erschütterung nicht zur Auslösung aller religiös-sittlichen Substanz in den Völkern, also schließlich zum Nihilismus führe, ist ein wichtiges Anliegen, dem zwar schon immer besonnene Europäer Aufmerksamkeit gewidmet haben, das aber erst heute, angesichts der großen Weltkrisen in allen Kontinenten, mit der vollen Wucht einer schweren Verantwortung auf dem euro­päisch-amerikanischen Bewußtsein lastet.

Ein mächtiger Ansporn zur Mitarbeit an diesen Problemen ist nun in jüngster Zeit gerade deut­schen Menschen daraus erwachsen, daß die in Versailles über Deutschland verhängte missio­narische Sperrfrist aufgehoben wurde und unsere Missionare auf mehrere Arbeitsfelder z. B. ehe­mals deutsch-ostafrikanifches Gebiet zurückkehren durften, häufig nach 1020jähriger Verbannung.

Gleichzeitig mit dieser Rehabilitierung deutscher Missionsardeit geht aber ein wichtiger innerlicher Umschwung in der ge­samten Mission des Weltprotestantismus vor sich. Weithin wird heute mit Nachdruck die Wahrung der Eingeborenen-Kultur als sinn- und sachgemäße Aufgabe echter Mission verfochten. Un­sere deutschen Missionare, getreu unserer Eigenart und in Uebereinstimmung mit einer Weltlage, die dem deutschen Missionar politisches Tun verbietet, treten als Freunde und Anwälte einheimischer Volks- kullur, als Gegner europäischer Anmaßung und Ge­waltakte auf die Seite der Völker, zu denen sie ihr hoher Beruf aussendet.

Es ist deshalb mehr als ästhetische Freude am Reiz des Fremdartigen, auch mehr als Erkenntnis­drang, was die Mission heutigen Tages zur Pflege der Völkerkunde treibt. Es ist das Bewußtsein, nur in ehrfürchtiger Achtung o o r fremdem Wesen derjenigen Pflicht genügen zu können, die auf dem tief und echt menschlich empfundenen Mis­sionstrieb lebendigen Glaubens beruht: der Pflicht, zu dienen und nicht zu herrschen. Aus liebevoller Einfühlung in fremdes Volksleben sind auch die ver­schiedenen missionarischen Wanderaus­stellungen entstanden, deren eine von heute ab in Gießen gezeigt wird. Sie soll für das große deutsche Werk in Ueberfee, das sich erfreulicherweise durch alle Stürme des letzten Jahrzehnts hindurch­gerettet hat und heute einen neuen Auffchwurrg er­lebt, Verständnis und Freundschaft wecken.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7.30 Uhr:Wer weint um Juckenack?" (Ende 1030 Uhr). Großer Hörsaal der Univer­sität: 8 Uhr: Vortrag überChinesische Poesie" von Missions-Inspektor Oehler-Basel. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren."

Chinesische Poesie, die den Reiche tum der chinesischen Seele in ihrer tiefen Sehn­sucht und ihrem zarten Daturerfassen birgt, über dieses hoch nteressante Gebiet wird am heutigen Dienstag, abends 8 Tlhr. Dr. D. Oehler aus Bafel in der Hn'versität im großen Hörsaal sprechen. Siehe heutige Anzeige.

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** D i e ersten Sendboten des Win­ters sind jetzt auch bei uns in Gestalt von Frost- nächten in Erscheinung getreten. Bereits in der Nacht zum Montag war eine Temperatur zu kon­statieren, die zu Bodenfrost führte. In der letzten Nacht sank die Temperatur noch weiter, und zwar auf minus 1,9 Grad. Heute früh hatte sich aber wieder eine geringe Erwärmung eingestellt.

:-: D i e Schneegänse ziehen. Gestern nachmittag gegen 3.30 Tlhr zogen die ersten Schneeaänse über das Blecker Tal. Der Zug hatte Keilform und bewegte sich in der Richtung von Dord-Dordost nach Süd-Südwest. Mit dem Erscheinen dec Schneegänse beginnt nach alter Dauernregel die kalte Jahreszeit.

** Gin Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Bäckereifuhrwerk er­eignete sich heute vormittag gegen 10.30 Uhr an der Ecke Roonstraße und Mottkestraße. Dort kam das Fuhrwerk des Bäckermeisters Strikter, Neustadt, aus der Roonstraße gefahren, um in die Moltke- straße in Richtung Ostanlage einzubiegen. Gleich­zeitig kam aus entgegengesetzter Fahrtrichtung das Auto der Firma Eik meyer & Loeb heran. Da beide Fahrzeuge nicht schnell genug zum Stehen ge­bracht werden konnten, erfolate ein Zusammenstoß, bei dem das Pferd an der Brust erheblich verletzt wurde, während an dem Auto die Windschutzscheibe in Trümmer ging, es im übrigen aber unversehrt blieb. Menschen sind glücklicherweise nicht zu Scha­den gekommen.

Einen Strauß frischer Wald­erdbeeren in bestausgereiftem Zustande hat der Förster Kalberlah in Rüddingshausen (Kreis Gießen) am S a m s t ag 16. Oktober, in seinem Waldrevier gepflückt und uns als große Daturseltenheit zugeschickt. Wir überzeugten uns, daß die ganz unzeitgemäßen Kinder des Waldes von bester Beschaffenheit waren und ein köstliches Aroma besaßen. Die Aufmerksamkeit des Forstmannes hat unsere dankbare Aner­kennung gefunden, obwohl der Strauß allerdings