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Dienstag, 19. Oktober 1926

176. Jahrgang

nr. 2H5 Erstes Blatt

vruS und Verlag: vrühl'sche Univerfitüt§-Buch- und Ztetndruckerei ».Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftzstelle: Zchulfttahe 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich iür Politik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton l> H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An. zeigenteil i.Verlr. H.Deck, iämtlid) in Dietzen.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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nichts gelöst habe.

Standpunkt anschließen würde: aber das fei nur die Wirkung rednerischer Leistungen gewesen, und bei der Abstimmung sei Franklin Bouillon allein, oder fast allein gewesen mit der These, die die So­zialisten, die Gegner der Regierungsbeteiligung, von der Bereinigung der Linken ausfchlicße. Man müsse wahrlich sagen, daß der Kongreß von Bordeaux

Der Parteitag der französischen raditalsozialen Partei in Bordeaux hätte für die innerpolitische Lage Frankreichs von ausschlaggebend«:! Bedeutung werden können, wenn die Partei den Mut zu einer klaren Ent scheidung gesunden hätte. Sie ist diesem Zwang aus dem Wege aegangen und hat sich mit einem wortreichen, aber inhaltlosen Kom­promiß begnügt, wenigstens soweit ihre gründ- sätzliche Einstellung in Frage kam. Der Parteitag hatte eigentlich eine doppelte Ausgabe: nach der sachlichen Seite mußte er sich darüber klar werden, ob das Linkskartell endgültig b e g'r a b e n sei und neue Wege gesucht wer­den mühten, entweder in voller Selbstän­digkeit oder in Anlehnung an Potn- care, nach der persönlichen Seite mußte er eine Neuwahl für den bisherigen ParteivorsihendenHerriot vornehmen.

Der zweiten Verpflichtung ist er nachgekom nen. Herr Herriot hat seine Kandidatur gar nicht wieder aufgestellt, und nachdem dies feststand, hat die Par­tei ihn aus Gründen der Höflichkeit gebeten, die Leitung erneut zu übernehmen: aber das war mehr ein abgekartetes Spiel, Herriot hatte sich so tot­gelaufen, daß er an der Spitze der Partei nicht mehr stehen konnte. Er hat die Hoffnungen, die auf ihn gesetzt wurden, nach allen Richtungen so schmählich enttäuscht, daß er zwar als Mensch noch unbegrenzte Sympathien genießt, als Führer aber jegliches Vertrauen verloren hat. So war denn auch feine Abschiedsrede vollendet in ihrer Wirkung, sie trug ihm einen starken persönlichen Erfolg ein, konnte indessen nichts mehr daran ändern, daß seine Rolle a u s g e spielt war. Denn in den zwei Jahren, wo er die Geschicke der Partei in der Hand hatte, hat er zu viel verwirtschaftet.

Er war bet Mann der Erwartungen, der die Erbschaft Poincares liquidieren sollte. Wenn ihm das nur zum Teil gelang, dann lag die Schuld gewiß nicht ausschließlich bei ihm, sie lag ebenso sehr bei den Sozialisten, die sich zu einer ganzen Tat nicht entschließen konnten und die Berantwortunq der Regierungsbildung nicht übernehmen wollten. Herriot war aber doch als Führer einer der stärksten Kammerfrak- tionen, die zu einer für französische Berhältnisse ungewöhnlichen Einheitlichkeit sich zusammen­gefunden hatte, eine Macht, die, wenn der W.llr und die Zielsicherheit dahinter gesessen hätte, ihren Weg erzwingen konnte. Statt dessen hat er sich durch Illusionen und Doktrinarismus von einem Irrtum zum anderen leiten lassen. Seine finanzpolitische Anzulänglichkeit kostete ihn das Ministerium. Aber sein Ansehen war immer noch stark genug, um ihn zum Präsi­denten der Kammer zu machen. Hier hatte er eine Art Ausnahmestellung gefunden, wo er nur zu warten brauchte, bis feine Zeit wiederkam. Statt dessen stürzte er in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit das Kabinett Briand-Eaillaux, erlitt dann in einer 24stündigen Regierung erneut einen so schweren Zusammenbruch, daß nur durch seine Taktik gerade das erreicht wurde, was das Links­kartell von An sang an vermeiden wollte: daß jetzt der Weg frei gemacht wurde für den zurückkehrenden Poincare, dem Herriot auch noch das letzte Opfer brachte, indem er im Kabi­nett Poincare das Kultusministerium übernahm.

Er hat es nicht vermocht, die Irrwege dieser Politik mit der Logik in Einklang zu bringen. Gewiß hat man es menschlich verstanden, daß er in das Kabinett Poincare hineinsprang, weil fein Ver­sagen und damit die Unmöglichkeit einer Regie­rungsbildung international einen unheilvollen Ein­fluß auf den Franken ausgeübt haben würde: feine Verteidigung aber für das, was er vorher tat, für den Angriff auf das Kabinett Briand-Caillaux, das außenpolitisch im Begriff war, die Verständigung mit Deutschland herbeizuführen und innenpolitisch den Franken stabilisieren wollte, war so schwach und unzulänglich, daß ihm auch seine treuesten Freunde nicht mehr zu folgen vermochten.

Die Partei stand also vor der Lage, sich einen neuen Führer zu wählen. Sie ist auf Mau­rice S a r r a u t, den Bruder des Ministers, ver­fallen: schließlich nur eine Verlegenheitswahl, weil man die prominenten Führer nicht Heraus­stellen wollte. Jeder Raine, der ein Programm bedeutet, hätte gleichzeitig auch die Spren­gung der Partei zur Folge gehabt, und das sollte vermieden werden. Aber die Folge dieses Kompromisses auch in der Führerwahl ist eben, daß die Partei ohne jede Richtlinie für die Zukunft geblieben ist. Sie ist der Entscheidung aus dem Wege gegangen, wie sie sich zu dem Kabinett Poincare stellen will, sie hat jedes fachliche Programm außer einer platonischen Liebeserklärung für das Linkskartell unter den Tisch fallen lassen. Damit mag ihr für den Augenblick geholfen fein, insofern als der Kon­flikt vermieden wurde. Für die Zukunft aber ist ihr damit nicht gedient. Männer wie Malvy und C a i l l a u x werden ihre Wege weiter gehen und vor allen Dingen die Wähler werden bei den kommenden Wahlen für einen Doktrinaris­mus, der sich abseits von den Tagesnot.vendig- keiten hält, kaum mehr zu haben fein. Alle An­zeichen sprechen also dafür, daß Herriot gleich­zeitig mit seiner eigenen poli.ischen Karriere auch seine Partei begraben hat, die unter die Mühlsteine Poincares gerät und, wenn sie sich nicht entschließt, diesem ihrem abgesagten Feinde die Gefvlgschast auszukündigen, ihre ausschlag­gebende Rolle in der inneren Entwicklung Frank­reichs ausgespielt haben dürste.

Das Ergebnis des Parteitages.

Vcrlcgcnhc-tölösunqen.

Paris, 18. Oft. (WTB.) Zum Radikalen Kon­greß schreibt dasJournal des Ddbats", der ganze Herlauf des Kongresses zeige, daß die Radikale Partei von einer tiefgehenden Krise dr­allen sei. Die ganze Anstrengung sei darauf ge­achtet gewesen, vor der Oeffentlichkeit dasSchau» piel eines inneren Zwi st es zu ver- > e r g e n. Die Führer hätten mit diskreten Schleiern die Krise des Radikalismus bedeckt. Die Ernennung S a r r a u t s zum Vorsitzenden sei das offenkundigste Zeichen für die Bemühung, die Haltung zu be­wahren. Sarraut habe mit der Präsidentschaft nichts zu tun haben wollen, schließlich habe er sie aber ür ein Jahr angenommen. Er allein fei der fähige Mann, provisorisch die Einheit wiederherzustellen. Solange er Präsident sei, werde man eben Z e i t zum Nachdenken haben. Die Radikalen wür­den das Kabinett der nationalen Einigkeit unter» tützen: beim Wiederzufammentritt der Kammer werde es keinen Sturm geben. Durch die Winter­monate und vielleicht auch während des Frühlings würden sich die Radikalen nicht regen.

Auch der radikaleParis Soir" vertritt einen ähnlichen Standpunkt. Er schreibt, der Kongreß habe zwischen dem Wunsch, nichts zu tun, was als Desavouierung des verehrten Führers ausgelegt werden könnte, und seinen Wunsch, der Politik vom 11. Mai und den Verbündeten von gestern treu Zu bleiben, geschwankt. Nur Franklin Bouil- l o n habe sich gegen diese Politik ausge­sprochen, die er übrigens persönlich niemals ge­trieben habe. Man habe einen Augenblick an einen Erfolg glauben können, daß der Kongreß sich seinem

Berlin, 19. Oft. (WTB.) In ber ange- künbigten internationalen Kundgebung der Wirt­schaftsführer von 16 Staaten heißt es u. a.: Wir wünschen als Geschäftsleute, bie Aufmerk­samkeit auf gewisse beunruhigende Zustände zu lenken, bie unserem Urteil nach der Rückkehr zum allgemeinen Wohlstanb im Wege stehen. Man kam» nicht ohne Bedenken mit ansehen, in welchen» Ausmaße T a ri f b a rrier e n. Spe­ziallizenzen unb Verbote seit dem Kriege sich in ben internationalen Handel ein­schoben und seinen natürlichen Ablauf behin­derten. Riemals hatte es der Handel notwen­diger als heute, von solchen Einengungen frei zu fein, um den Handeltreibenden zu ermöglichen, sich den neuen und schwierigen Bedingungen an» zupassen. Der Zusammenbruch von großen poli­tischen Gebietseinheiten in Europa war ein schwerer Schlag für den internationalen Handel. Innerhalb weiter Gebiete, deren Einwohner bis dahin ihre Produkte im freien Handel ausge- tauscht hatten, wurden neue Grenzen er­richtet, dir durch Zollgesehe eifersüch­tig gesperrt werden. Alte Märtte verschwan­den. Rassengegensätze konnten Gememschasten aus­einanderreißen, deren Interessen untrennbar mit­einander verwoben waren. Um diese neuen Grenzen in Europa zu verteidigen, wurden Li­zenzen, Tarife und Verbote eingeführt, deren Resultate sich für alle Beteiligten bereits als höchst nachteilig erwiesen. Hinter den Zoll­mauern wurden neue Lokalindustrien be­gründet, die infolge der Konkurrenz nur dadurch am Leben erhalten werden konnten, daß die Zoll­mauern noch höher wuchsen. Cisenbahntarise, die nach politischen Ueberlegungen festgesetzt sind, machen Transitverkehr» und Frachttransporte schwierig und teuer.

(Eine künstliche Teuerung ist hervorgerufen worden. Die Produktion als Ganzes genom­men ist zurückgegangen. Die Kredite haben sich verringert, und der Geldumlauf hat abgenom­men. Zu viele Staaten haben die gemeinsamen Interessen der IDelf außer acht gelassen, indem sie ihre kommerziellen Beziehungen auf die ökonomisch unsinnige Basis stellten, allen han­del als eine Aorm von Krieg zu bewachten. Daher kann keine Erholung in Europa ein­treten, bis die Politiker in allen Ländern sich darüber klar find, daß handel kein Krieg ist. sondern ein Austauschprozeß, und daß in Zeiten des Friedens unsere Nachbarn unsere Kunden find, und daß ihr Wohlstand eine Vor­bedingung für unser eigenes Wohlergehen ist.

Glücklicherweise find Anzeichen vorhanden, daß endlich die öffentliche Meinung in allen Ländern zur Erkenntnis der drohenden Gefahren gekommen ist. Der Völkerbund und die Internat t o» naleHandelskammer find am Werke, alle Formalitäten, Verbote und Einschränkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Einflußreiche Per­sönlichkeiten in einigen Ländern setzen sich für völlige Aufhebung der Zolltarife ein. Don anderen Seiten ist der Abschluß von langfristigen Handelsverträgen auf der Grundlage der Meistbegünstigung vorgeschla-

Das französische SchuidenabKommen.

Die Widerstände

gegen eine Rat.fizierung.

Paris, 18. Ott. (TU.) DemEcho de Paris" wird von der Regierung nahestehender Seite bestätigt, daß Poincare zögere, die Ratifizierung des Schulbenabkommens vor das Parlament zu bringen, weil die Haltung der Abgeordneten unklar sei. Poincare habe ben Besuch verschiedener Abgeordneter, darunter de Wendeis erhalten, die ihm er­klärten, die Rechtsrepublikaner seien in der Ge­samtheit gezwungen, gegen die Regierung zu stimmen, wenn das Schuldenabkommen in der ge­genwärtigen Form vor die Kammer komme. Poincare habe erwidert, die Vereinigten Staaten hätten in einem Schreiben zugestanden, daß sie die französische Schuld nicht lommerzialisieren wollten. Wenn jedoch das französische Parlament das Abkommen Verengers nur mit gewissen Vorbehalten ratifiziere, so würde diese Geste von den Vereinigten Staaten als eine Ab­lehnung angesehen werden. Deshalb habe er für ben Augenblick keine Möglichkeit, Sicher­heitsklauseln zu erlangen.

gen worden. Einige Staaten haben in kürzlich ab­geschlossenen Verträgen die Notwendigkeit aner­kannt, den Handel von allen niederdrückenden Beengungen zu befreien. Unb Erfahrung lehrt allmählich auch andere, daß das Nieder­reißen der ökonomischen Hindernisse zwischen den einzelnen Nationen sich als sicherstes Heilmittel gegen das Stagnieren des Handels er­weist, das überall zu zerstören ist. Wir sind der festen Aeberzeugung, daß die Wiedereinfüh­rung der Handelsfreiheit bie beste Möglichkeit in sich birgt, Handel und Kredit in der Welt wiederherzustellen."

Die französischen Unterzeichner

haben eine besondere Erllärung abgegeben, worin es heißt:In der Befürchtung, daß einige Stellen des Manifestes gewisse Meinungsver­schiedenheiten herbeisühren können, präzisieren die iUnterzeichneten die Punkte, mit denen sie ein­verstanden sind. Sie sind der Auffassung, daß die Ansicherheit und wirtschaftliche Anordnung in den Folgen des Krieges und ins­besondere den Währungskrisen ihren Ar- sprung hat. Sie glauben, daß vor allem die Länder, deren Währung noch nicht stabilisiert ist, raschestens einer gesunden Währung zu streben mühten. Sie werden das um so eher können, als die wirtschaftlichen Beziehun­gen zwischen den Völkern auf normalen Grund­lagen wiederhergestellt werden. Sie finb der Auf as ung, daß die übermäßige H he rder Starr­heit gewisser Zollschranken und bie Behinderung des internationalen Verkehrs durch mißbräuch­liche Transportvorschriiten verurteilt wer­den müßten. Sie sprechen sich demgemäß s ü r alle Maßnahmen zur Beseitig ung derartiger künstlicher Schranken gegen die uneingeschränkte Wiederaufnahme der internationalen Wirtschastsbeziehungen der Vor- kriegszett aus. Es ist für einen modernen Staat unmöglich zu leben und zu gedeihen, ohne mit den anderen Staaten Handelsbeziehungen zu un­terhalten. Infolge der engen gegenseitigen Ab­hängigkeit der Völker kann das wirtschaftliche Gleichgewicht der Welt nur durch einen ge­genseitigen Austausch von Kreditgewäh­rung und Warenlieferungen hergestellt werden."

Aus Deutschland unterzeichneten

Geheimer Kommerzienrat Dr. Bosch, Geheimrat Felix Deutsch, Dr. Karl Melchior, Franz

v. Mendelssohn, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Karl Friedrich v. Siemens, Franz A r b i g, Generaldirektor Bögler, F. H. W i 1t- h o e f f t. Die Anterzeichner Italiens hätten begrüßt, wenn auch an all den zahlreichen For­men des unmittelbaren oder mittelbaren Zoll- schuhes, der Benachteiligungen oder Bevorzugun­gen, der künstlichen Prämien und der Aus­wanderungsbeschränkungen Kritik ge­übt worden wäre. Mit diesen Vorbehalten schließen sie sich dem Manifest an. Von Groß­britannien haben u. a. unterzeichnet: Lord Balfour, Lord Dradburh, Govde- n o u gl), McKenna, Montagu Norman, Lord Lionel de Rothschild, Sir Josiah S t a m p. Außerdem haben unterzeichnet hervor­ragende Persönlichkeiten aus Holland, Angarn, Schweden, Schweiz, Norwegen, Polen, Rumänien

Das Veltwirtschastsmanifest.

ffiegsn die wirtschaftlichen Folgen des Versailler Vertrages.

sowie aus ben Vereinigten Staaten, dar­unter I. P. Morgan und Perl ins. Von Oesterreich haben u. a. unterzeichnt An hur Krupp. Louis Rothschild. Richard Reisch, von Belgien D e s p r e t, F r a n c q u i und Hau 1 ain, von der Tsch^hoslowake. P o s p i s i l, von Dänemark Rosenkranh.

Die deutsche Be eMgung.

Berlin, 19. Olt. (WTB.-Funk ip.uch.) Dem WTB. - Handelsdicnst toira zu cem WiN- chaitsmanifest aus deutschen Wirt- chaftskreisen folgende Berner dang g:mK't: Der Kreis be rdeutschen Anterzei-/N.-r i . wohl aus rein organisatorischen ©rünben zunächst nur ein verhältnismäßig kleiner. Cs dürfte aber kein Zweifel darüber bestehen, daß dieser Appell in den dcui.chen Wictschastskrcisen einen Karten Widerhall und zahlreiche weitere Befürworter un­ter ben führenden deutschen Winschastlera fin­den wird. Eine besondere Bedeutung erhält der Appell für Deutschland dadurch, daß von einer so großen Zahl führender Wirtscha t er aus nicht weniger als 16 Ländern bie w i r t s ch .. i t l i - chen Fehlgrisfe des 03er) ailler Ver­trages erfaßt und ihre Beseitigung als Vorbedingung für ein Wiederau,blühen der cu.c» päischen Produktion und des europäischen Han­dels erkannt wirb.

Line internationale LchniLen- und Reparationrlonserenz.

Die wirtschaftspolitische» Ho!.stcr:i:ttsl n von Tsto rt)

Paris, 18. Oft. (TU.) Der Berliner fiorro fponbent des rechtsgerichtetenJntianfi- geant" bringt unter dem TitelEine internaiio« nale Schulden, und Reparationskonferenz?" Jnior- mationen über die deutsch - französischen A n n ä h e r u n g s o e r h a n d l u n.g e n , die er zwar von einer der höchstgesteUten politischen Per­sönlichkeiten des Deutschen Reiches erfahren haben will, die aber nur mit größter Zurückhaltung aus- genommen werden können. Demnach wäre die deutsche Regierung unangenehm überrascht von dem ungünstigen Widerhall, den in gewissen ameri­kanischen Kreisen die Besprechungen von T h o i r y erweckt hätten, wie auch von dem Wider­hall, dem der Abschluß des Stahlkartells und die vor kurzem ftattgefunbenen Besprechungen deutscher und englischer Industrieller erzeugt hätten. Bemerkenswert wären die gegenwärtigen Verhand­lungen des Generalagenten für die Reparation-;. Zahlungen, Parker Gilbert in Rom mit Mus- j o l i n i und Volpi, die sich besonders auf die Frage der Möglichkeit einer Abänderung des Dawesplanes bezögen und die Bemühungen zur Bildung eines sog. ABC-Trustes. Die deutsche Regierung sei der Ansicht, daß die deutsch-franzö­sischen Verhandlungen wohl einige Monate dauern würden, es bestände aber die Hoffnung, daß bis zum Wiederzusammentritt des Völkerbundsrates im Dezember Berlin und Paris hinsichtlich -ihrer politischen und wirtschaftlichen Entente in großen Zügen einig sein werden. Ereignisse von weit­tragendster Bedeutung, so hätte die genannte hoch- stehende deutsche Persönlichkeit erklärt, seien in Be­ratung. Thoiry werde in der Geschichte noch eine Diel größere Rolle spielen, als man anfänglich glaubte und zu der Einberufung einer großen internationalen Schulden- u n d Reparationskonferenz führen. Die Konferenz werde sich mit der Reorganisierung der internationalen Schulden und der Revision des Dawesplanes beschäftigen. Exp rten und Diplomaten würden dann die endgültige Höhe der deutschen Reparationszah. langen und die endgültigen Zahlen der Jah­resraten festzusetzen haben, aber dieser letzte Punkt werde Frankreich kaum näher interessieren, da zwischen der Berliner Regierung und der Pa­riser Regierung inzwischen eine mächtwe internatio­nale Finanzorganisation, der sog. AB E-Trust, dem sich Morgan anschliehen werde, abgeschlossen sein werde.

Die Zukunft de§ DaWe§p!ane§. Ein Jnterviev mit dem Ncparat vns- n «Teilten.

Rom. 19. OH. (WTB.) DieTribuna" veröffentlicht ein Interview mit bem in Rom weilenben Generalagenten für die Repa­rationszahlungen Parker Gilbert, ber er­klärte, bah Deutschland seit dec Anterzeichaung des Dawesplanes pünktlich seiner Zah­lung s p s l i ch t nachgekomme n sei. Die mit Rücksicht auf bie Stab.lität brr Währung nur in beschränktem Maße vorgenvmmenen Barg le über* Weisungen haben bisher keine großen Schwierig­keiten verursacht. Das Lransferiomitee tu. ree s.ch auch weiterhin in engster Verbindung mit ben verschiedenen Notenbanken halten. Die Zukunst des Dawesplanes hänge natürlich von verschie­denen Faktoren ab, bie nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf die übrigen Länder bezug hätten, insbesondere aber von der Entwick­lung des Welthandels und seine.' Be in- slussung durch die Reparationszahlungen. Außer­dem werde die Fähigkeit Deutschlands, seinen Außenhandel zu entwickeln und Auslandzahlungen zu bestreiten, davon ab­hängen, wie bie neuen Industrien in den Nachbarländern Deutschlands und wie die Tarife und die Zollschranken sich entwickeln, ferner von ber Ernte in Deutschland und über» hcmpt von vielen andern heiklen Fragen.