Nr. M Erstes Blaff
176. Zahrgang
Donnerstag, 19. August 1926
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnick und Verlag: vrühl'jche UnwerfitälL-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnftiettung und Seschästssteüe: §chulftrahe 7.
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Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle
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Die Abrüstung.
Staatssekretär Kellogg über die Stellung Amerikas.
Plallsburgh, IS. Aug. (2DB.) In einer Rede anläßlich der Enthüllung eines Denkmals für den Kommodore Mac Donough gab Staats- sekrelär Kellogg einen Ueber blick über die ameri- konische Politik in Genf und sagte u. a.: In der Landabrüstungsfrage haben mir cs als wünschenswert bezeichnet, zunächst mit örtlichen Abkommen den Anfang zu machen, durch die das Hauptproblem der Dell insofern berührt wird, als die Furcht vor dem Angriff eines unmittelbaren Rachbarn damit zum verschwinden gebracht wird, wenn wir von bescheiden st en Anfängen ausgehen, so haben wir mehr Aussicht, vorwärts zu kommen, als wenn alle Völker warten wollen, bis eine allgemein anwendbare Formel für die Abrüstung gefunden ist. wir hoffen, daß sich aus den Erörterungen in Genf eine Beschränkung der Rüstungen zu Lande und zu Wasser ergeben wird, hinsichtlich des Wunsches verschiedener Mächte, die Abrüstung zu Lande, Wasser und in der Lust als ein unteilbares Ganzes zu betrachten, glaubt Amerika, daß die Frage der Abrüstungsbeschränkungen mit allen Mitteln vereinfacht werden muß. Die Frage der Rüstungen zur See wird nach unserer Ansicht zwischen denjenigen Seemächten zu regeln sein, die hauptsächlich interessiert sind. Das Bestreben verschiedener Mächte, das Maß der Abrüstung von den wirtschaftlichen Quellen eines Landes abhängig zu machen, würde die vereinigten Staaten in Anbetracht ihrer großen natürlichen Hilfsquellen jeder Armee oder Marine vollständig berauben. Die einzig praktische Grundlage für eine Begrenzung der Rüstungen sollte in der Berücksichtigung der militärischen Machtmittel und der sichtbaren und greifbaren Rü st ungen bestehen. Die Durchführung jedes internationalen Uebereinkom- mens über die Rüstungsbeschränkungen wird, soweit die vereinigten Staaten beteiligt sind, von dem guten Glauben und der Achtung vor den vertragen allein abhängen müssen. Eine Aeberwachung durch ausländische Organisationen können wir nicht annehmen, wenn aber andere Mächte den Wunsch haben, eine neue internationale Kontrolle einzu- k-ichten, so würde das nur die übrige Welt, nicht aber uns angehen.
In Washington wird der Rede des Staatssekretärs Kellogg eine größere, als nur persönliche Bedeutung beigemessen. Sie ist die AntwortanEuropa, daß die Washingtoner Regierung sich von der Genfer Bersanimlung zurückziehen tonnte. Es sei klar, daß Kellogg der Welt flar machen wollte, daß die Bereinigten Staaten nicht daftir verantwortlich gemacht werden dürften, falls die Genfer Versammlung keine praktischen Ergebnisse zeitigen sollte. Bevor Kellogg den endgültigen Wortlaut seiner Rede fest- legtc, hatte er Besprechungen mit dem Präsidenten Coolidge und erhielt Berichte aus erster Hand von Mitgliedern der amerikanischen Delegation, d-'e aus Genf zurück- kehrten und ihm ihre Schlußfolgerungen über die Motive m'.ttejlcn konnten, aus der,en einige persönliche und andere Meinungsverschiedenheiten 3U erklären seien. Kelloggs Erklärungen lassen die Tür halb osten für eine amerikanische 3ni= tiative, eine besondere Konferenz der großen Seemächte einzuberufen, um den Rahmen der Washingtoner Abrüstungsabkommen zu erweitern, falls sich die Genfer Versammlung Verlagen sollte, ohne eine positive, aussichtsreiche Allion hinsichtlich des Problems einer Verminderung der schweren militärischen Land-Rüstungen unternommen zu haben.
Bedrohliche Lage in Tanger.
London, 19. Aug. <WTD. Zunstpruch.) „Westminsrer Gazette" berichtet aus Tanger über eine dort drohende revolutionäre Gefahr. Ein neuer General fl reit sei für heute an- gekündigt infolge der allgemeinen Anzufriedenheit der spanischen und der CingebvrenenbeDöl- rerung mit der Tangerregierung. Alle Stämme außerhalb der Stadt hätten ihre Sympathie aus- gedrückt und drohten heute in Tanger einzu- dringen, um bei der Streikkundgebung mitzuwirken. Die Verwaltung habe dem Konsulats- Komitee mitgeteilt, daß die Polizei und die Gendarmerie nicht eingreifen würden, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, da alle Eingeborenen und Spanier bewaffnet seien. Das Konsulats-Komitee hielt gestern eine Sitzung ab, um Maßnahmen zur Verhütung ter Gefahr zu finden. Es wird gemeldet, daß General Primo de Rivera angeboten habe, spa- nische Truppen zu entsenden und die Stadt zum Schutze des Eigentums zu besetzen. Die britischen, spanischen und französischen Kriegsschiffe, die im Hasen liegen, haben Mitteilung von der kritischen Lage erhalten.
Um Eupen und Malmedy.
Besorgnis in Paris.
Paris, 18. Aug. (TU.) Verschiedene Andeutungen der Morgenblätter lassen vermuten, daß die französische Regierung in Brüf- ser gegen eine etwaige Absicht der belgischen Regierung Protest eingelegt hat, Eupen und Malmedy an Deutschland zurüchugeben. Per- ttnax behauptet im „Echo de Paris", ein Abkommen zwischen Deutschland und Belgien über Eupen und Malmedh sei so gut wie abge-
Das Volksbegehren in Hessen.
(Eine Erklärung öes wiüschasts- und Ordnungsblocks.
Der Wirtschafts- und Ordnungsblock für die Auflösung des Hessischen Landtags schreibt uns.
Die hessische Verfassung schreibt vor, daß für die Gültigkeit eines Volksbegehrens in Hessen die Willensäußerung von 42 000 hessischen Staatsbürgern erforderlich sei. Der Wirtschafts- und Ordnungsblock hat Listen mit rund 1 68 000 Willensäußerungen vorgelegt. Es ist ganz selbstverständlich, daß bei noch so engherziger Prüfung dieses Ergebnisses der gesunde Menschenverstand ohne weiteres feststellen muh, daß bei einer solchen Ziffer unter allen Umständen die Dor- aussehungen der hessischen Verfassung für die Veranstaltung einer Volksabstimmung gegeben sind. Demokratisches Prinzip, einfaches Gerechtigkeitsgefühl und politischer Anstand hätte es deshalb den 'Vertretern der Linksparteien zur Pflicht machen müssen, nunmehr einer Dollsabstimmung freie Dahn zu geben. Wollte man den Prophezeiungen, daß bei einer kommenden Volksabstimmung der Sieg der Weimarer Koalition über jeden Zweifel erhaben sein soll, Glauben schenken, so ist überhaupt nicht einzusehen, warum sich gerade die Sozialdemokratie mit allen Mitteln gegen die Vollsabstimmung sträubt. Denn das ist doch tatsächlich der wahre Inhalt all der Erklärungen im Landesabstimmungsausschuh. Man will eben mit allen Mitteln, sei es selbst mit den Mitteln der Verdrehung des klaren Sinnes der hessischen Gesetze das Gericht des Volkes über die eigene Politik hinausschieben und verhindern. Gegenüber den Schmähungen der Parteien, die sich in der Bewegung für die Auflösung des Landtags vereinigt haben und den Verdächtigungen der 168 000 Unterzeichner des Volksbegehrens stehen folgende Tatsachen fest:
1. Wirkliche Fälschungen, d. h. also Fälle, in denen jemand wider besseres Wissen und in unlauterer Absicht gegen den Willen der betreffenden Persönl^ftÄ einen fremden Ramen in die Listen eingeschrieben hat, sind bis jetzt überhaupt nicht nachgewiesen worden. Sollten sie noch nachgewiesen werden, so stehen sie jedenfalls völlig vereinzelt gegenüber der gewaltigen Masse der Unterschriften.
2. Aus einem Rundschreiben des Landesge- schästssührers des Bauernbuirdes ergibt sich zweifelsfrei die Tatsache, daß die Unternehmer des Volksbegehrens schärfstes Gewicht darauf legen, von vornherein alle unlauteren Machenschaften, alle Verdunkelungen, alle Unehrlichkeit auszuschlie- h e n.
3. Es bleiben übrig diejenigen Fälle, in denen jemand für Familienangehörige, deren Meinung über die Auflösung des Landtages er kannte, oder für andere Personen, die irgendwie verhindert waren, die Unterschrift geleistet hat Das mag namentlich auf dem Lande, wo die Familien der Landwirte während der Sommermonate bekanntlich auf dem Felde tätig sein müssen, verschiedentlich geschehen sein.
Außer diesen Feststellungen aber mag die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die Zusammensetzung des sogenannten unpolitischen Abstimmungsausschusses gelenkt werden. Ministerialrat "Borne manu ist der Vorsitzende eines Ausschusses, den er nach eigenem Gutdünken berufen hat. Seine Objektivirät bekundet er, indem er zwei Vertreter des Wirtschaftsund Ordnungsblockes fünf Vertretern der Koalitionsparteien gegenüberstellte. Die Argumentation, daß der Wirtschafts- und Ordnungsblock als eine Partei zu gelten und deshalb nur Anspruch auf einen Vertreter habe, ist nicht nur tat
sächlich unrichtig, weil die Parteien des Blockes vollkommen selbständig sind, sondern sie ist auch unsinnig. Man stelle sich vor, daß für ein Volksbegehren auf Vorlage irgend eines Gesetzes sich ein Block Dom Bauernbund bis zur Sozial- demokratte einschließlich zusammenfände. 3n diesem Falle würde die Weisheit des Herrn Bornemann dazu führen, daß der Abstimmungsausschub nur einen Vertreter für die sämtlichen Parteien eines solchen Blockes aufweisen würde, während eine kleine Minderheit des Volkes die überwältigende Mehrheit im Abstimmungsaus- schuh zu stellen hätte.
Letzten Endes wird es unmöglich fein, gegenüber dem ziffernmäßigen Ergebnis des Völls- begehrens dessen Ungültigkett zu behaupten. Ec- fow und wohl auch der Zweck des ganzen Unternehmens ist allein eine Verschleppung der Volksabstimmung und damit der Reuwahl des hessischen Landtags. Dabei mag noch einmal sestgestellt fein, daß von dem Block vor Beginn des Dollsbegehrens der Ministerialrat Borne- mann als Vertreter des Staatsministeriums ausdrücklich ersucht worden ist, in einer Verordnung der hessischen Regierung das Verfahren für Volksbegehren und Volksabstimmung demjenigen des Reiches, das gleichzeitig anläßlich der Fürstenabfindung stattfand, anzugleichen. Dann wären die Listen von den Bürgemeistereien ausgelegt und dort unterzeichnet worden. Äe hessische Regierung hat das abgelehnt, weil sie schon damals den Willen hatte, die Entscheidung des Dolles und damit das Ende ihrer eigenen Existenz so lange als möglich hinauszuschieben.
Alle diese Winkelzüge werden nichts helfen, sie führen lediglich zu einer Steigerung der Erbitterung in den mit der jetzigen Wirtschaft unzufriedenen breiten Schichten unseres Dolles und sie werden damit einen neuen Antrieb für den Willen der Mehrheit des hessischen Volkes geben, eine gründliche Aenderung des jetzigen Systems energisch durchzuführen.
Aus dem Landesabstimmungsausfchutz.
(Von unserer Darmstädter Redaktion.)
D a r m st a d t, 18. Aug. Rach Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Sitzung des Lan- desabstimmungsausschusses wendet sich der Vorsitzende Ministerialrat Bornemann gegen dre obige Erklärung desWirtschafts- und Ordnungsblocks, in der die Zusammensetzung des Landesabstimmungsausschusses kritisiert und die Objektivität des Vorsitzenden bezweifelt wird. In Uebereinstimmung mit dem Gutachter vertritt dann Ministerialrat Borne- nrann die Auffassung, daß es nicht genügt, wenn ein Wähler feinen Willen erklärt, sondern, daß auch der vom Gesetz verlangten Form der Unterschrift Genüge getan fein muß. Dem Generalsekretär Kollbach (D.Vp.), der sich zum Wort meldet, bedeutet der Vorsitzende, daß er über die anfangs berührte Angelegenheit keine Aussprache mehr zulasse. — Generalsekretär K ol Ibach beschwert sich, weil die gestrige Sitzung geschlossen wurde, bevor seineWort- Meldung berücksichtigt worden war. — Ministerialrat Bornemann erwidert daraus, daß er die Sitzung schließen werde, wenn c r das für gut befinde.
Generalsekretär Kollbach macht hierauf Vorschläge für die weiteren Verhandlungen, die darauf hinauslaufen, die Beratungen abzukürzen und die gestern vom Abstimmungsleiter genannte Zahl (72 000) Unterschriften der gültigen Meinungsäußerungen durch den Ausschuß feft- zustellen. — Dr. Kleinkurt (Dbd.) empfiehlt die Feststellung dieser Unterschriften durch das Bureau des Abstimmungsleiters zunächst vornehmen zu lassen. — Zn der Aussprache erheben die Abgeordneten Reiber (Dem.) Wid
mann (Soz.) und H a i n st a d t (Zentr) Widerspruch: sie treten für eine genauere Kontrolle! der Listen ein. — Ministerialrat Bornemann ist der Meinung, daß die Ziffer sich ändert, wenn der Ausschuß dem Gutachten des Mini- sterraldirektors Dr. Schwartz folgt. Die Feststellung der neuen Ziffer bedürfe aber einige Zeit.
2Ibg. Widmann bringt einen Antrag ein, wonach nur als gültige Unterschriften die anerkannt werden, die am 17. Juli (Tag der Einreichung der Listen) vorhanden waren, soweit sie den gesetzlichen Anforderungen genügen.
Generalsekretär Kollbach folgert aus den Erklärungen des Ministerialrats Dornemann, daß die erforderlichen 42 600 Unterschriften vorhanden sind. — Ministerialrat Bornemann weist diese Folgerung zurück und meint, es sei dazu eine Entscheidung des Ausschus- ses nötig. Er empfiehlt, wie schon öfters, eine Prüfung der strittigen Fragen an Hand der Listen.
Generalsekretär Kollbach bringt einen Antrag ein, sämtliche Unterschriften, die Mängel aufwiesen, die innerhalb der gestellten Frist berichtigt wurden, in Uebereinstimmung mit der Auffassung des Abstimmungsleiters für gültig zu erklären.
Abg. Reiber beantragt, das "Bureau des Landesabstimmungsleiters möge die Prüfung 6er Listen vornehmen, und zwar auf ihre Gültigkeit hin nach dem Gutachten deS Sachverständigen. — Ministerialrat Dornemann meint, die Prüfung dauere etwa eine Woche.
Ministerialrat Dorn emann läßt über einen Antrag absttmmen, in dem ausgesprochen ist, daß der Ausschuß dem Gutachten des Sachverständigen zustimme. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Vertreter des Ordnungsblockes angenommen. Der Antrag Widmann wird abgelehnt, ebenso der Antrag Kollbach.
Generalsekretär Kollbach macht daiiuf aufmerksam, daß 208 Listen, die wegen vorhandener Mängel dem Wirtschafts- und Ocd- nungsblock zurückgegeben waren, nicht mehr zurückgegeben werden konnten: die Zeit wäre zu kurz gewesen, um die Mängel zu beseitigen. Etwa 16 000 Unterschriften müßten also noch hinzugezählt werden, well ja jetzt Mängel nicht mehr berücksichtigt werden sollen. Ferner verlangt er, daß schriftliche Gutachten von mehreren Zuristen beigebracht werden. — Dr. Kl ein kurt weist nach daß es uninoglich war, die Mängel inneichalb der kurzen Zeit zu beseitigen. — Ministerialrat Dorne- m a nn vertritt die Meinung, daß keine 16 000, sondern höchstens 5000 Unterschriften in Detracht kämen.
Generalsekretär Kollbach bringt nun formell den Antrag ein, worin ein schriftliches Gutachten von anerkannten Staatsrechtlern über die Frage der Mängel verlangt wird. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen
Sn der weiteren Aussprache fragt txr Vorsitzende, wer denn als Sachverständiger in Betracht komme? — Generalsekretär Kollbach erwidert, er denke an Ministerialdirektor Dr. Schwartz. Ministerialrat Dr. Kaisenberg- Berlin und an einen Professor der Can» öesunioerfität Gießen. — Abg. Reiher meint, man foime den Linksparteien nun nicht den Vorwurf machen, daß sie die Verhandlungen verschleppen. — Generalsekretär Kailbach erwidert, nachdem durch die Ablehnung aller Anträge die Gegenseite andere Wege abgeschnitten habe, bleibe nur noch dieser übrig.
Nachdem bann noch einige Wünsche wegen Feststellungen in bezug auf Unterschriften, die das Bureau vornehmen soll, geäußert waren, werden die weiteren Verhandlungen des Ausschusses durch den Vorsitzenden auf unbestimmte Zeit vertagt.
schlossen. Vermutlich habe Frankreich bereits in Brüssel die notwendigen Vorstellungen unternommen. Es sei allerdings fraglich, ob Frankreich und die übrigen Alliierten auf Grund des Versailler Vertrages und der Locarno-Verträge solche Konvention verhindern könnten. Vom rein juristischen Standpunkt sei die Antwort nicht klar. Frankreich könne sich nur auf die gemeinsamen Interessen mit Belgien unb auf den französisch-belgischen Vertrag vom Jahre 1920 berufen. Pertinax behauptet im übrigen, daß Delacroix, der ehemalige beglische Minister, bei den verschiedenen Verhandlungen der Fürsprecher Schachts gewesen sei. Man brauche sich nicht zu wundern, daß Delacroix in diese Affäre verwickelt fei, denn feit 1918 habe man verschiedentlich Anlaß gehabt, auf die Worte und die Haltung Delacroix' hinzuweisen. Auch der „Reuyork Herald" behauptet, daß Frankreich in Brüssel Protestschritte unternommen habe. Der französische Protest sei in Pariser offiziellen Kreisen bestätigt worden mit £>em Zusatz, daß Frankreich die Situation für außerordentlich ernst halte.
Das Berliner Tageblatt schreibt hierzu: Ein Seil der französischen Presse führt eine heftige gegen die belgische Regierung, der die Absicht einer Rückgabe von Eupen-Malmedy als Gegenleistung für eine finanzielle Beteiligung Deutschlands an der Stabilisierung des belgischen Fran- k e n zum Vorwurf gemacht wird. Es ist bekannt, daß das Heer der französischen Rationallsten in
jedem Falle in Aufregung gerät, sobald ein Werk des Friedens, das den Geist von Locarno überzeugend demonstriert, in den Bereich einer vorsichtigen Erörterung rückt. Bemerkt werden aber muh, daß diesmal der Kampf mit t e n d e n - ziösen Falschmeldungen geführt wird, gegen die Einspruch zu erheben ist. Eine solche Rachricht ist die Meldung der Pariser Ausgabe des „Rew Bork Herald", der von Deutschland die Uebemahme einer fantastischen Schuld an Belgien' in Höhe von 1,5 Milliarden Mark erwartet und die Frage Eupen-Malmedy mit der vielbesprochenen Aufwertung der deutschen Markbestände in Belgien verknüpft sehen möchte. Alle jene, die eine umfassende Verständigung Belgiens mit Deutschland wünschen, bewahren gegenüber dieser Gerüchteträgerei Schweigen. Weder auf deutscher, noch auf belgischer Seite besteht Reigung, die berufsmäßigen Giftmischer in ihrem Gewerbe zu unterstützen.
Sparmaßnahmen in Frankreich.
Paris, 18. Aug. (WTD.) Heute vormittag fanb unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Pomcare ein Kabinettsrat statt, öer sich in der Hauptsache mit den gegenwärtig Don den Derschiedenen Ministern geprüften Sparmaßnahmen^ beschäftigte. Sämtliche Maßnahmen sollen demnächst veröffentlicht werden. Der Handelsminister erstattet u. a. einen Bericht über die Maßnahmen zur Kontrolle der Lebens
mittelpreise und teilte seine Absicht mit, einen Ausschuß Don Vertretern der Verbraucher zu bilden, während der Landwirtschastsminister über die Einschränkung des Brot - und GetreideDerbrauchs berichtete. U. a ist eine größere Ausmahlung des Mehles und die Beschränkung der Einsuhr ausländischen Getreidcs vorgesehen. In der ..Libertö" macht der Abgeordnete für Tochinchina, Outrey, den Vorschlag, zur Abwälzung eines Teils der französischen Schulden bei Amerika einer amerikanischen Finanzgruppe, die sich zu diesem Zweck mit einer möglichst großen Anzahl französischer Finanzleute zusammenschließen sollte, eine Million Hektar zum Kautschukanbau geeigneten Geländes in Indochina zur Ver- fügung zu stellen. Outreh begründet seinen Vorschlag damit, daß Amerika auf diese Weise die Möglichkeit erhalten würde, das ihm ur erwünschte englische Katschukmonopol zu brechen.
Günstige Lage auf dem französischen Arbeitsmarkt.
Paris, 18. Aug. (WB.) Rach einer Mitteilung des Arbeitsministeriums hat die wirtschaftliche Tätigkeit Frankreichs seit drei Monaten und besonders feit Juli einen außerordentlichen Aufschwung in allen Teilen der land- wirtschastllchen, industriellen und Handelsproduk- ti-on genommen. Die Zahl der Arbeitsuchenden, die keine Beschäftigung erhalten konnten, betrug am Ende der ersten Augustwoche 7700 gegenüber


