8 Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
Die Krummhölzer
Roman aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner.
Oberhesten.
Landkreis Gießen.
D Sich. 17.Juli. In seiner jüngsten Sitzung stimmte der Dtadtvorftanb einem Anträge bes Ärei8amte8 Diesten zu. die T a ge S g e b ü h r für b t e Feldgeschwvrenen einheitlich für sämtliche Gemeinden des Kreise- auf täglich 4.50 Mk. festzusehen. Die ursprüngliche Vorsehung betrug 5 Ml. pro Tag. — Ferner geneh- migtc man die Anschaffung einer g rauch - len Taugpumpe zum Preise oon 200 Ml. — Sodann gab der Bürgermeister bekannt, bah eine ganze Reihe von O e f e N in den Schul- säien der Volksschule abgängig sei und für den kommenden Winter durch neue Oesen erseht werden müsse. Man hab« sich bereit« un vergangenen Winter nur mit Mühe und Vot durch- Helsen können. Ferner erfordere da« Umsetzen von zwei Porzellanbfen größere Mittel. Er könne daher nur die schon längere Zeit in Erwägung gezogene Einrichtung einer Dampfheizung s- anlage für da« Rathaus. in dem sich der größte Teil der Schulräume befände, empfehlen. deren Kosten sich nach einem Angebot der Firma H Schaff st aedt in Gießen aus 5000Ml. belaufen würden. Mit den durch diese Einrichtung frciwerdenden gutenOcfcn imRathaus beabsichtige man schlechte Oesen in den Schulräumen anderer Gebäude nuSzuwcchseln, so daß Veuanschasfungen von Oesen vermieden blieben. Ferner wie« er auf wesentliche Einsparungen durch die Einrichtung dieser Zentralheizungsanlage hin. Vach kurzer Debatte fand die Vorlage des Bürgermeisters Annahme. Die Aussührung der Anlage wurde der Firma H Schaffstaedt zu Gießen zu deren Angebot übertragen. Einem Gesuch des Verein« für Rasenspie le um Ueberlassung eines Fußballplatzes konnte nicht ent- sprochen werden, da die Stadt zur Zeit kein als Sportplatz geeignetes Gelände besitzt. Der Lösung der Sportplahfrage soll jedoch auch weiterhin Aufmerksamkeit gcwldmet werden. Der Ablehnung verfiel weiterhin ein Gesuch der L i ch e r T o n W e r k c um Verbilligung des von der Stadt bezogenen sogenaimten Ueberschustwafsers auf 10 Pf. pro Kubikmeter. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß infolge Neuregelung der Druckverhältinsse der Wasserleitung für die Zukunft überhaupt kein Ueberschußwasser mehr abgegeben werden könne. — Von dem Erlaß einer Marktordnung für die Viehmärkte in hiesiger Stadt wurde Abstand genommen. Der Bürgermeister gab noch bekannt, daß auf Anordnung der "Regierung hin vier Zuchtbullen infolge Verdachtes aus Lunge nseuche vor einiger Zeit abgefchlachtet worden feien und daß eine Erfaybeschaffung von zwei Simmentaler Dullen inzwischen stattgefunden habe. — Der beliebte Licher Sommcrmarkt am Montag, 19. d. Mts., fallt auf behördliche Anordnung hin infolge Veuausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Watzenborn-Steinberg aus. — Das diesjährige Zugendsest wird am nächsten Sonntag auf dem Hardtberge dahier abgehalten.
: Sich, 17. Juli. 3n der Sinter- gaffe, der Hessenburg und der Löwen- gaffe werden gegenwärtig größere Pflaster- arbeiten vorgenommen Die Instandsetzung dieser Straßen wird von allen Anwohnern begrüßt. Hoffentlich wird nun auch bald die Veu» Pflasterung der Bahnhofstraße (innerhalb der Stadt) und der Hauptstraße, die durch die ganze Stadt zieht, vorgenommen. — Die hiesige Ortsgruppe des Hessischen Landjugendbund^s trifft gegenwärtig große Vorbereitungen für das in unfern Städtchen stattfindende F e st des Gcsamtbundes. Als Festsonntag ist der 2 5. Juli bestimmt. Das Fest, das ursprünglich schon am 6. Iuni abgehalteu werden sollte, mußte damals wegen der Lungenseuche verlegt werden.
sp. Hungen, 17. Juli. Der „Gießener Anzeiger" brachte türzlich eine Nachricht über zwei bei Hungen gefangene Giftschlangen. ES wurde die Vermutung ausgesprochen, daß <8 sich um die in Deutschland nur im südlichen Baden vereinzelt vorkommende AspiS-Viper handele. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter kann nun mitgeteilt werden, daß diese Vermutung nicht richtig ist, denn es sind glatte Hattern, die erbeutet worden sind. Die glatte Vatter ist nicht giftig; sie ist ein harmloses Tierchen Und sollte deshalb geschont werden. Sic hat allerdings schon oft zur Verwechselung
mit der Klcuzvti^ gnugt!, oa fic ähnlich gezeichnet ist. Wie einwandfrei festgestellt wurde, kommt in Oberhessen keine Giftschlange vor. Wenn gelegentlich über erbeutete Kreuzottern berichtet wurde, so konnte stets festgestellt werden, daß eine Verwechselung mit der glatten Vatter vorlag.
i. Hattenrod. 18. Juli. Heute feierte der hiesige Männergesangverein .Harmonie" sein 5 0. Stiftungsfest, das mit dem Dundesfest deS Sangerbundes „Ehattia" verbunden war. Am Vormittag sand das Wertungsfingen der Bundesvereine statt. Die beste Leistung hatte der Gesangverein Reiskirchen unter Leitung des Dirigenten S o m m e r l a d aus Beuern aufzuweisen. Der sestgebendc Iubilarverein konnte den zweiten Platz einnehmen. Er wurde dirigiert von dem Musiker M ö b u s - Reiskirchen. Als Preisrichter fungierten die Herren G ö r l a ch - Gießen und öamb er- Darmstadt. Am Vachmittag stellte sich der Fest- z u g auf dem nahe vor dem Dorfe gelegenen Fest platze auf und durchzog unter Musilklängen bas Dors. Die noch lebenden Dereinsveteranen, die vor 50 Jahren den Verein gegründet hatten, fuhren im Wagen mit. Vach einem Begrüßungschor des Jubelvereins, dessen exalte Wiedergabe auch vor der Oeffentlichkeit Zeugnis ablegte von bem Streben her Sänger und dem Fleiß und der Begabung des Dirigenten, begrüßteBürgermeister Veeb, der zugleich Ehrenpräsident des Vereins ist, die große Airzahl der Festgäste und die Vereine des Bundes unb die Gastvereine. In kurzdn Zügen umriß er die Verenisgeschichte, gedachte der Gründer unb widmete Worte der Wehmut den Vielen, die als gute Sangesbrüder in die Ewigkeit gegangen sind. Besonders gedachte er der Opfer, die auch im Verein gebracht wurden irn Laufe des großen Krieges Seine Tochter, Emilie Veeb. überreichte mit finnigen Worten die dem Iubelverein gestiftete Fahn nchleife. Der Dundespräsibent der „Chattia". Johannes Opper V. von Ettingshausen, schloß sich mit Worten der Begeisterung und deS Dankes an die Vorredner an. Pfarrer Vies von Ettingshausen , der hiesige Gemeinbepfarrer, hielt bie Festrede, die das deutsche Lied feierte und in der Pflege edler Gesanges- fünft auch einen Baustein zu dem inneren Ausbau des Deutschen Hauses sah. Er konnte darauf Hinweisen, daß gerade der Iubelverein dank einer tüchtigen Leitung durch bewährte Vorsitzende und gewissenhafte Dirigenten stets sich seiner hohen Aufgabe bewußt war. Die Bitte, daS deutsche Lieb zu pflegen als einen Schutz gegen den Lieberschund und als ein nötiges Einigungsband sür unser VollSleben war der AuSklang dieser Ansprache. Vach lleberreichung von Ehrendiplomen an Gründer und bewährte Vereinsmitglieder übernahm mit humorvollen und doch cmften Worten Lehrer Herber- Saasen fein Amt als Ehrendirigent. Vach einem Massenschlußchor des Sängerbundes „Chat- lia" entwickelte sich auf dem Festplah ein frohes Treiben, da bei dem schönen Wetter eine vielköpfige Menge aus der ganzen Hmgegenb zu- sammengestkömk war.
tötete Friedberg
Bad-Nauheim» 18. Juli. In sehr sinniger Weise ehrte heute die hiesige Freiwillige Feuerwehr das Andenken ihres im Jahre 1915 verstorbenen langjährigen Kommandanten Joh. Hrch. Fritz, einer einst in Turner- und Feuer- wehrkreiscn unter dem Ehrennamen „Fritze Doktor" weit und breit bekannten Persönlichkeit. Die Wehr hat ihrem Mitbegründer und eifrigsten Förderer auf dem neuen Friedhof einen Gedenk st ein errichtet, der heute in feierlicher Handlung enthüllt wurde. Branddirektor Salz mann hielt die kurze Gedächtnisrede, Beig. Kling übernahm den Gedenkstein mit Worten des Dankes an die Wehr, die sich mit dem Stein selbst geehrt habe, in die Obhut der Stadt. Die Feuerwehrkapelle verschönte die eindrucksvolle Feier durch einige Musikvorträge. — Das große Interesse, das die Stadtverwaltung der schlagfertigen Wehr entgegenbringt, zeigt sich nicht nur darin, daß in den letzten Jahren die Ausrüstung auf den modernsten Stand gebracht worden ist, sondern ^uch in einem neuzeitlichen Umbau des Gerätehauses, wofür die Stadtverordneten einstimmig die Mittel bewilligt hatten. Nachdem die Geräte eitle Zeitlang in gemieteten Räumen untergebracht waren, konnten sie vor kurzem wieder in
„Ja, aber Urachervater! — So machen S' doch keine Witz!" stotterte die Frau Hauptlehrer mit hochrotem Gesicht, als ginge es tun ihr eigenes bräutliches Gluck.
„Was — schlechte Witz'. — In solche Sachen gibt's beim Uracher gar niemals net schlechte Witz! Mein voller Ernst ist's, wenn i sag': grab a solchen» wie d" Mariann müßt's sein!"
„Ja — soll denn das im Ernst —"
Zeno dauerte die Sache zu lange. Er erhob sich und streckte, hochaufgerichtet dastehend, der Hanpt- lehrerin die Hand über den Tifch hin:
„Frau Hauptlehrer — ich bitt’ Sie um die Hand Ihrer Tochter!"
„Und i schließ' mich der Bitt' an!" sagte der Uracher, stand gleichfalls auf und streckte seine Händ hin.
Mutter Rontaier wtirde ^angesichts der ungekünstelten Feierlichkeit dieses Augenblicks lchier von der Rührung überwältigt. Sie suchte mühsant nach passenden Worten, während sie die beiden Män- nerhände ergriff.
„— So überraschend! — Ja, aber gern — wenn die Mariann —"
„Wenn 's nur Ihnen recht is!" erklärte Uracher resolut, „— bei der Mariann wird's nimmer fo arg weil fehlen!"
„Die frag’ ich nachher gleich selber, wenn's Ihnen recht ist!" meinte Zeno fröhlich.
Da kant Marianne zurück, ein Servierbrett mit Tassen und Tellern auf den Tisch setzend.
„So, gleich gibt es Kaffee!" äußerte sie dabei hausmütterlichen Tones. Nun aber stutzte sie, schaute sich verwundert im Kreise um — — bis sie mit einem einzigen raschen, unbemerkten Blicke Zenos Gesicht gestreift hatte —: da wußte fie alles. Und ihr mar'mit einemmal, als tollte ihr Blut heiß und wild durch die Adern, als jauchzten sestliche Geigen und Klarinetten. Da packte sie der schalkhafte lieber- mut, der oft nahendem Glücke vorausellt.
„Um Gottesmillen, Mutter — was ist denn los!" lat fie erschrocken.
Da machte der Freier Zeno kurz entschlossen ejne Rechtsschwenkung und stand nun trotz seines Fabrikbeines bolzengerade vor Marianne.
„Marianne!" sagte er voll Wärme, „mit deiner Mutter Einwilligung möcht' ich dich jetzt fragen: Willst du meine Frau werden' — Ich weiß wohl,
Endlich hielt Baler Uracher den Augenblick für gekommen, um zur großen Neuigkeit hinüberzuleiten: bem Ankauf des Fürlegerfchen Anwesens und Geschäftes für Zeno. Bei dieser angenehmen Nachricht konnte man es der Frau Hauptlehrer trotz aller mühsam aufrechterhaitenen Würde völlig übers Gesicht ansehen, wie^ sie gewissermaßen in Honig schwamm. Die gute Frau freute sich ehrlich für ihr Kind.
Nachdem der Uracher dermaßen alles ins schönste Licht gerückt, die dank seiner väterlichen Fürsorge vollkommen gesicherte Zukunft Zenos trotz seiner Schweren Berwundung von allen Seiten geNug- am beleuchtet hatte, kam, von Zeno mit tiefem lufafmen und erhöhter Herztätigkeit begrüßt, gottlob bie letzte Wegbiegung vor dem ersehnten Ziele:
„Ja," meinte Uracher nach einer bedeutungsvollen Kunstpause, „— soweit wär' alles ganz in der Ordnung! Grad 'neinsetzen braucht er sich, der Zeno, ins warn, Nesterl! — Woll!" Wieder eine Pause.
„Da können S' wohl von einem großen Gluck und einer schönen Zukunft reden, Zeno!" bekräftigte die Frau Hauptlehrer ebenfalls.
Zeno nickte nur. Dann war der Vater wieder an der Reihe.
„Woll! — Bloß oans geht ihm noch ab, dem Zeno — halt a richtige Frau!"
Diesmal sagte die Frau Hauptlehrer gar nichts. Und Zend räusperte sich.
„Denn a richtige Frau muaß es schon sein — damit s' all das schöne Sach' rechtschaffen zsamm- halt!"
„Freilich — da haben Sie ganz recht!" Die gute Frau Hauptlehrer genierte sich förmlich, weil sie fürchtete, die beiden Manner könnten den lauten Schlag ihres Herzens vernehmen. Dann zog der Uracher endlich den Schuh ab.
„Gel, dös sagen S' a, Frau HauptlShrer — unb sehn S' —" hier schlug ber Uracher mit ber flachen Hand auf den Tisch, und grab a solchene wie Ihre Mariann müßt's fein!"
wie ich dran bin —" Da blieb er stecken ...
Auch Mariannens Uebermut hatte sie glänzend im Stiche gelassen. Gesenkten Hauptes stand sie vor Zeno, glutüberronncn das frische Gesicht. Der Uracher in seiner Klobigkeit, Mutter Ronlaler spannungsgeladen, Zeno, der statt des Mundes seine Augen sprechen ließ — eine hübsche Gruppe für einen Genrebildchenmaler . . .
Wenn du es dir erst noch — überlegen willst, Marianne — recht gern — ich will dich nicht drängen —" Damit brach Zeno die Stille. Die Erregung aber ließ seine Stimme zittern.
Sachte hob Marianne den schönen Blondkopf, und aus ihren Augen leuchtete Zeno alles entgegen: Antwort, Berheißung beseligenden Glückes, perlende Freudentränen — und bann hing fie unter Lachen und Weinen an feinem Halse.
„Zeno! —"
No also!" So der Uracher.
Da küßte Zeno zum erstenmal als Braut bie längst Geliebte.
Mutter Rootaler sowohl wie der Urachervater atmeten vor allem einmal gründlich erleichtert auf — dann löste sich der Bann ...
„Gott sei Dank, daß wir dös hätten, Mutter!" sagte der Uracher in lachenden' Freimute.
Mit staunenden Augen hörte Marianne bann Zenos Bericht von dem Heim, das ihrer wartete. Uracher aber weidete sich an ihrer freudigen Überraschung mit dem harmlosen Vergnügen des Verursachers.
Als Zeno geendet, erhob sich Marianne impulsiv unb küßte den überraschten Uracher herzhaft auf bie Wange.
„Urachervater — ich muß dir dafür ein Busserl geben!"
„Schau, schau — so a sakrische Peitschen!" lachte ber Uebersallene. Mir scheint, du wächst dich jetzt erst richtig aus!"
In raschem Fluge verstrichen unter Lachen und Scherzen die Stunden. Doch, als die frühe Dämmerung des Wintertages von den Bergen stieg, um lautlos ihre Schleier über das Tal zu breiten, war man sich auch über das Wichtigste einig — für die Jungen wenigstens: den Hochzeitstag.
„Parole wählen will i net lang!" hatte dabei lachend der Zeno gesagt. Und die errötende Marianne widekiprarb natürlich auch nicht. Worauf die
|d)on eingerichtete und erweiterte Heim am Burgplatz überfuhrt werden.
Z Bab-Vauheim, 17. Iult. Die Dchü - l e t unserer Volksschule haben zusammen 90 Mk. für Vie Zeppelin-Eckner-Spenbe aufgebracht
Kreis Büdingen.
th. Ober-Mockstadt, 17. Iuki. Hier starb ein junges Mädchen an der schweren, unheilbaren Strahlenpilzkrankheit. Der Vorfall sollte Erwachsenen und Kindern eine erneute Warnung sein, in der gegenwärtigen Zeit der Getreidereife Aehren oder Körner des jungen Getreides in den Mund zu nehmen, weil dadurch sehr leicht der tödliche KrankheitS- stosf in den Körper ausgenommen wird
KrciS Lchottcn.
ld. Schotten, 17. Juli. Die Orte des vorderen Vogelsberges werden eben mit 'ffietteraucr Frühkartoffeln geradezu überschwemmt. Man will vor Beginn der Fruchternle seine Ware an den Mann bringen. Bei starkem Angebot sinken die Preise sehr schnell, z. B. inüerhalb eines Tages von 6,50 Mk. auf 4,50 Mk. Da die einheimischen Frühkartoffeln infolge des regnerischen Sommers in ihrer Entwicklung zurück sind und noch nicht geerntet werden können, herrscht in vielen Haushaltungen Kartoffelknappheit, und die Welterauer Frühkartoffeln finden raschen Absatz.
Id. Unter-Seibertenrod, 17. Juli. Seit einiger Zeit wendet man hier der Zucht der heimischen Rolviehrasse ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Durch die Erfolge einiger Züchter ermuntert, verlegt sich nun fast die gesamte Bauernschaft unseres Dorfes auf die Aufzucht von Vogelsberger Zuchtvieh. Obgleich anerkannt gute Bullenhalter vorhanden sind, baut die Gemeinde nunmehr einen Bullenftall, um auch für die Zukunft eine gute Pflege der Faselliere zu aewährleisten. — Die hiesige Gesell schaftsschäferei scheint sich in allernächster Zeit auflösen zu wollen, da viele Schafhalter gesonnen sind, im kommenden Herbste die Schafzucht aufzugeben. 'Niedrige Wollpreise, Mangel an Weide und die Verköstigung des Schäfers in arbeitsreicher Erntezeit sind die Gründe, die gegen die genossenschaftliche Schafhaltung ins Feld geführt werden.
Kreis Lauterbach.
Schlitz, 18. Iuli. Im Alter von 8 7 Iahren ist hier einer der nur noch wenigen Veteranen der Feldzüge 1866 und 1870/71 0erstorben: der Landwirt Heinrich Ettling I. — Großes Interesse begegnete hier die G e - inäldeausstellung des Kunstmalers Georg 'Heil, eines geborenen Schlihers, der die Schönheit unserer Heimat erst recht entdeckt hat.
Starkenburg.
WSV. Groß-Gerau, 18. Iuli. Vach einer Mitteilung des Kreisveterinärrates Dr. Monnard ist der Kreis Groß-Gerau zur Zeit außerordentlich stark von der Maul- und Klauenseuche befallen. Allein in der Zeit vom 1. bis 15. Iuli waren 331 Gehöfte in 20 Gemeinden von der Deuche befallen, davon 155 Gehöfte neu. Besonders stark toütct die Krankheit in Trebur, Stockstadt, Mör- selden, KöN'igstädtcn, Worfelden, Vauheim und Leeheim.
WSV. Bensheim, 17. Juli. Das neunjährige Töchterchen der Eheleute Stumpf sollte gestern nachmittag auf dem Gasherd in der Küche Reisbrei kochen. Hierbei fing der Aermel des Kindes Feuer und kurz darauf das ganze Kleid. Da das Kind allein in ber Wohnung war, konnte erst zu spät die Vachbarschaft Singreifen. Die Verletzte wurde mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus gebracht, wo sie kurz nach der Einlieferung v e r st a r b.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
3 A n s dem Kreise Wetzlar, 17. Juli. Um eine wirksame Betätigung auf dem Gebiete des Schularztdienstes herbeizuführen, hat bie Schulaufsichtsbehörde angeregt, daß für die Zukunft ber für den Kreis ernannte Schuld rzt auch an den Elternabenben in den einzelnen Schulen des Kreises teilnimmt. — Wie überall, so leidet auch im hiesigen Kreise die Veubau- tätigfeit sehr unter der allgemeinen
Geldknappheit Wo gebaut wird, find die 'Bauherrn in den meisten Fällen zu dem in der Vorkriegszeit geübten Verfahren übergegangen, sich die Ziegelsteine durch Anlage von Feldbrandöfen selbst herzustellen. Die Steine stellen sich hierbei wesentlich billiger, al8 bei dem Bezüge vom Daumaterialtenhändler. Zur Errichtung von Feldbrandziegelöfen bedarf cs nach einer noch bestehenden alten Regierungs- polizcivervrdnung der polizeilichen Erlaubnis, die dann ohne Schwierigkeiten zu erlangen ist, wenn nicht zu befürchten steht, daß den nachbarlichen Grundstücksbesitzern durch die Errichtung der Oesen irgendwelche Schäden entstehen. — Aus den Landgemeinden hört man jetzt wieder Klagen über einen Unfug, der alljährlich in den Sommermonaten zu beobachten ist, nämlich daS Fahren mit unbeleuchteten Fahrrädern während der Dunkelheit. Die betreffenden Rad sahrer bringen hierbei nicht nur fremde Personen, sondern auch sich selbst in Gefahr. Die Polizeibeamten sind eifrig hinter solchen Radfahrern her, so daß diese jederzeit damit rechnen müssen, daß man ihnen einen Denkzettel anhängen wird.
I Groß-Rechtenbach, 17. Juli. Zahlreiche Leser deS „Gießener Anzeigers" werden sich noch der Zeit erinnern, in der die von Wetzlar über Grohrechtenbach und Viederkleen nach Butzbach führende Provinzial st rahe aus der im Wetzlarer Kreise belegen en Strecke beiderseitig mit mächtigen Kastanienbau in en bepflanzt war. Landschaftlich bot die Straße zu dieser Zeit einen wunderbaren Anblick. Die Kastanienbaume sind im Laufe der Jahre auf ber Strecke von oberhalb Groß-Rechtenbach bis zur preußisch-hessischen Landesgrenze gefällt worden und haben 0 6 ft 6ä u nten. die die Strahenbauverwaltung zu beiden Seiten der Straße hat anpflanzen lassen, Platz gemacht. Die Straßenbauverwaltung erzielt aus den E r t r ä - gen der Obstbäume, die zum Teil schon stattlich herangewachsen sind, eine Einnahme, die sie zur Instandhaltung der Straße sehr gut gebrauchen kann. Aus dem in der Gemarkung Viederkleen belegenen „Wetzlarer Berge" ist u. a. auch eine größere Anzahl Kirschen- bäume angepflanzt, deren Ernte vor kurzem an Ort und Stelle gegen angemessene Preise versteigert wurde.
XX Dorlar. 17. Juli. Die KrelSstrahe Wetzlar — Garbenheim — Dutenhofen — Gießen berührt an der hiesigen Block st ation auch unser Dorf. Schon vor Beginn des Weltkrieges wurden inündlich und schriftlich bei den zuständigen Stellen Wünsch, wegen Errichtung einer Haltestelle a Block borge tragen, aber stets ohne Erfolg. AN? Eingaben wurden abgewiesen mit dem Bescheid ..Dorlar hat ja eine Haltestelle an der Strecke Lollar—Wetzlar." Mit Recht geht daS Verlangen der Bewohner von Waldgirmes und Dorlar dahin, eine direkte Verbindung mit der Stadt Gießen zu erlangen Wie oft müssen Kranke die Kliniken aussuchen, was ihnen bisher per Dahn nur auf dem Umweg über Wetzlar möglich ist. Ebenso müssen viele auf die Gießener Schu len und das Gießener Theater verzichten, da bie Dahn - Verbindung fehlt. Es kann der Dahnverwaltung doch durchaus nicht schwer fallen, den lange ersehnen Haltepunkt an der Hauptstrecke anzu- legen, zumal Gemeinde und Eisenbahn daselbst reichlich über Gelände verfügen.
O-erlahnkreis.
<p Löhnberg (Lahn), 17. Juli. Dieser Tage feierte ber langjährige Gemeinderechner und jetzt noch amtierende Standesamtsvorsteher ©albert von hier seinen 9 2. Geburtstag. Der Jubilar, bet sich für fein hohes Alter noch einer bctDunbemdtoerten körperlichen und geistigen Frische erfreut, bildet für die Gemeinde das ehrenwerteste Vorbild peinlicher Pflichterfüllung und unverdrossenen Arbeitswillens. Der G e - s angverein „Rheingold" und die Jugendkapelle des Krieger- und Mili- tärvereins brachten dem alten Herrn gesangliche und musikalische Darbietungen zu Gehör, während der 2. Vorsitzende des Gesangvereins und der Leiter der Jugendkapelle Glückwünsche aussprachen. Tiefbewegt dankte der Gefeierte,
Kreis Marburg.
WSV. Warburg, 18. Juli. In (Bürge In (Kreis Marburg) erbrachen gestern vormittag zwei Männer die Tür eines Hauses, in
Mutter den neuen Kalender herbeiholte; dann ging es los. Die beiden Alten beratschlagten, und die Junaen nahmen mit zufriedenen Gesichtern das Konferenzergebnis entgegen: in zwei Monaten sollte schon Hochzeit sein.
„Und —" fügte der Uracher mit bedeutungsvollem Ernste bei, gleich drauf die Uebergab'! Nachher muß a Ruh' sein!"
Die Hoffnung auf das vereinbarte baldige Wiedersehen erleichterte den Brautleuten den Abschied.
Uracher war restlos zufrieden — seine Pläne reiften allseits vielversprechender Erfüllung entgegen.
„So geh' i leicht und gern in den Austrag, weil i jetzt woaß, daß alles im Guaten geregelt is! Der Herrgott wird fein Segen fcbon dazua geben!" äußerte er zum Sohne. „Sollt bloß der Toni noch a guates Nausgehn mit all seine Plan' haben — und der Veri — der Leri, der Sakra! — Wenn nur der a schon irgendwo festsitzet — i gäb' was drum! Nachher fönntet’s meinethalben den Uracher in die lange Kisten legen und zur Mutter 'naustragen — nachher hab' i nix mehr ddwider!" Zeno aber In feiner glückseligen Freierstimmung sah heute alle Zukunft in rosigstem Lichte — und am Stiftern geflissentlich vorbei. Sein Gltick wollte er genießen, unbeschwert von Sorgen.
„Alles wird recht werden, Vater! Du hast deine Pflicht unb Schuldigkeit rechtschaffen getan. Wie ungerecht müßt's net hergehn, wenn du net a geruhsames Alter haben könntest! Der Veri und der Toni — jeder hat sein' gesunden Körper und starke Arm' — da find' man sich schon zurecht auf der Welt, ohne daß sich der Vater als a Alter noch zu kümmern braucht!^
„Heut' hast du recht, Zeno — und i bin herzlich froh, daß deine Zukunft jetzt g'sichert is. Aber hall grad so wie mit dir geht ’s mir mit meine andern Buam — ooreh mit dem Toni. Was der alles im Kopf hat — da braucht der Mensch unbedingt a groß' Glück und unsern Herrgott sein Segen obe:;- orein — wenn ihm alles guat 'nausaehn soll!"
Zwei Stunden später traten die beiden in die große mahne Stube daheim, wo längst der geben:? Eisch auf den Bauern wartete. Und ein Dutzend hungriger Magen drum herum.
(Fortsetzung folgt.)


