nod) Zuteilung ewes stündigen Sitzes im Völker- bunberat von selten des spanischen Delegierten gestellt werden sollte. Hüt der Interviewer wahrhsits- getreu berichtet, dann hat er Anlaß zu einer Polemik gegeben, die absolut zeitgemäß ist, denn auch in «Listen französischen politischen Kreisen briltft man schon seit Wochen sein Erstaunen darüber aus, daß die führenden Staaten im Völkerbund — gemeint find die großen Staaten, vor allem England und Frankreich — mit einer gewissen Sorglosigkeit die Völkerbundktaguna wieder an sich herankümmen lassen, ohne die Fragen zu lösen, die im Monat März zu dem bekannten Mißerfolg geführt haben und die sich nicht nur als nicht beseitigt gezeigt, sondern in der Zwischenzeit erheblich verschürft haben. Man drückt sein Erstaunen darüber aus, daß der bekannte Studienausschuß, der ein neues Statut rfür die Wahl der nichtständigen Mitglieder ausgearbeitet Hot. nicht, wie verabredet, am 28. Juni zu- fammengetrelen ist, und auch nicht mitgeteilt hat, wann er eine zweite Lesung vorzunehmen gedenkt, die ihm vielleicht hätte Anlaß geben können, die wichtigsten Fragen zu erörtern, nämlich die Frage der ständigen Sitze, die er bei seiner ersten Be- ratung mehr diplomatisch als geschickt beiseite geschoben hat.
Der Vertrag Churchill-Caillaux ist von der französischen Oeffentlichkeit sympathisch, aber ohne Begeisterung ausgenommen worden. Wird ihm das Schicksal zuteil werden, das dem Vertrag Mel- kon-Bsrenger beschieden war? Auch damals hat man van einem Erfolg des französischen Botschafters in Washington gesprochen, aber je mehr man sich mit dem Text des Abkommens beschäftigte, desto mehr erkannte' man, daß die Interessen Frankreichs nicht genügend gewahrt wurden. Der Kampf gegen das Washingtoner Abkommen drehte sich um die Transfer- und Sicherheitsklausel. Die französische Oeffentlichkeit wird sich also vor ollem die Frage vorlegen müssen, ob düs Eoillaux-Churchill-Abkommen nach dieser Hinsicht voll befriedigend ist. Wird sie diese Frage nicht mit absolutem Ja beantworten, so dürfte sie doch auch andererseits feststellen, daß Caillaux insoweit einen Erfolg erzielt hat, als es ihm gelungen ist, eine Art Verbindung zwischen den deutschen Reparationszahlungen und den alliierten Kriegsschulden herzustellen.
vergessene Zlaggenvorschläge.
Von
Dr. Stephan Kekule von Strüdanitz.
Schon frühzeitig im 19. Jahrhundert, und zwar und) vor Begründung des Deutschen Bundes" im Juni 1815, ist der erste Vorschlag zur Schaffung einer „Deutschen Elnheitsflagge" gemacht worden. Kein anderer als der große Freiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein ist es 18OS gewesen, der — nach den ersten Erfolgen in 'Spanien gegen Napoleon — ein schwarz-weiß-gelbes (schwarz-weiß-goldenes) Bundesbanner (Treitfchke I, 325) vorschlug, in dem er die Farben von Preußen iSchwarz-Weiß) und von Deftcrreid) (Schwarz- Gold) vereinigen wollte. Merkwürdig ist es, daß sich Stein, obwohl Neichsfreiherr aus uradeligem Hause, mit dieser Reihenfolge der drei gewählten Farben, als ein Nichtkenner der Gesetze der „Heraldik" aus- wies: er hätte sonst die Reihenfolge weiß-schwarz- gold Vorschlägen müssen, also den farbigen (schwarzen) Streifen zwischen den beiden metallfarbenen (weih oder Silber und gelb oder Gold)!
Das Jahr 1847 brachte bann einen wenig bekannten Vorschlag des preußischen Generalkonsuls o. Theremin in Rio de Janeiro, der aus den Farben der wichtigsten Staaten des „Deutfdjen Bundes" eine gelb-rot-schwarz-blau-weiße Flagge zusammenstellte und als „gemeinsame deutsche Flaoge" vorschlug.
Da der gleiche preußische Autzenvertreter 1822 ' den Anstoß zu der Wiederaufnahme des Preußen- üdlers in die Flagge Preußens gegeben hatte, er- fuhr fein Einheitsvorschlag den beachtenswerten Be- scheid, daß er, „wenn das Projekt der Annahme einer gemeinsamen deutschen Flagge dereinst einmal in nähere Erwägung gezogen werden möchte, mit zur Prüfung gelangen würde". Den Regeln der „Heraldik" entfprad) der Thereminsche Vorschlag mit seinen drei farbigen Streifen nebeneinander noch weniger als der Steinsche. Einwandfrei wäre die Farbenfolge rot-gelb-schwarz-weiß-blau gewesen!
Der gleiche Einwand läßt sich gegen die 1845 dann entstandene Farbensolge „schwarz-rot-gold" ergeben, bei der die Fachvcrtreter der „Heraldik" immer au beklagen haben werden, daß nicht durch einen glücklichen Zufall gewählt worden ist.
9m übrigen ist die Geschichte der Farben Schwarz-Rot-Gold bis zur Gegenwart ein Stück Geschichte für sich, vielfach behandelt worden, Und kann auch deshalb hier übergangen werden!
Dagegen verdient Erwähnung der nachher gänzlich vergessene Vorschlag von Merkel in Nr. 167
Reisen und Rasten einst und jetzt.
Don Dr. P. QI. Schulz.
Zahllose Reisende, die auf dem Dampfschiff und der Eisenbahn, im Gasthof und Familienkreise so beweglich und verdrießlich Klage stihrcn "über tausenderlei Idnbequemlichkeiten des Reisens und Wanderns, die sie noch dazu oft durch eigenes Verschulden erleben, würden gerechter sein und dankbarer den ..Genuß der Ferne" empfinden, wenn sie sich zuweilen des Reisewesens früherer Tage erinnern möchten.
Qlbgesehen von dem meist erbarmungswürdigen Zustand der Straßen und Wege, waren die Verkehrsmittel so unzureichend, ihre Benutzung so zeitraubend, daß allein dadurch schon die „Wunder des Wanderns" einen erheblichen Teil ihrer Reize auf den an Ordnung und Rehagen gewöhnten Menschen einbüßten, besonders im Qlraen aber lagen die Verhältnisse im Gasthaus- Wesen.
Die Unterbringung und Verpflegung von Reisenden war bereits int grauen Altertum ein ständiges Gewerbe, das dem Güsthalter oft Mehr Geld als Ehre einbrachte. Im Perser- und Mederlande. in Aegypten und Griechenland sowie im altrömischen Imperium genossen die Gastwirte keinen sehr guten Rus. Man sagte ihnen Llnehrlichkeit und Habgier nach. QTtdn beklagte sich, daß sie den Pferden das Futter aus der Krippe stahlen, um es den Gästen zu hohem Preise wieder abzugeben: kurzum, sie waren die Prügelknaben für alles Angemach, das der reisenden Menschheit widerfuhr. Die auch im Altertum weitverbreitete Weinverwässerung wurde in witzigen und bissigen Spottversen gegeißelt, worin z.B. das Horoskop des WeiNschenks unter das Zeichen des „Wassermanns" gestellt wurde. Ein römischer Schriftsteller, Publius Syrus, nahm die Sitte, den Verschank von Wein durch eine mit
der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" vom 15. Juni 1848, der schon auf schwarz-weiß-rot lautete!
Der Thronbericht des Prinzen Adalbert von Preußen vom 8. Januar 1867 führte bann zur Festsetzung der Farben Schwarz-Weiß-Rot in Artikel 55 der Verfassung des Rorbbeutschen Bundes.
Die großen Ereignisse von 1870/71 haben bann nochmals zu inzwischen gänzlich verschollenen nnb vergessene» Vorschlägen für ein „Reichsbanner" geführt. llwt die Wende beider Jahre schlug der damalige Vorstand des Preußischen Hervldsamts, Dr. Graf Rudolf vvnStillfkied-Rattonlh-
Aleantara, Kammerherr, Wirklicher Geheimer Rat, Oberzeremonienmeister des Preußischen Hofes, übrigens auch ein verdienter Geschichtsforscher, die Farben Schwarz-Weiß-Rot-Gold vor.
Daneben soll Stillfried auch einen Vorschlag für ein fünfftreifige? Banner mit der Farbenfolge schwarz-weiß-rot-gold-schwarz gemacht haben, doch habe ich dafür keinen Beleg finden können. Das wäre also eine Vereinigung von „schwarz-weiß-rot" und „schwarz-rot-gold" gewesen!
Beide Vorschläge Stillfrieds waren vont Standpunkte der „Heraldik" aus ebenso vollkommen einwandfrei wie schwarz-weiß-rot!
Turnen, Sport und Spiel.
Wasserball.
Man kann sich beute wohl fern Dchwimmsest mehr denken, an dessen Schluß nicht ein Wasser- ballspiel stattfindet. Und das ganz mit Recht, denn das Wafferballspiel ist eins der besten Werbemittel, über die der Schwimmsport verfügt. wenn es gilt, nicht nur die eigenen Vereins- mitglieder sestzubalten. sondern vor allem die Zuschauer zu fesseln und für den Schwimmsport zu gewinnen.
Das ist nicht immer so gewesen, wie die Geschichte Ves Wasserballspieles lehrt. Seine Heimat ist in England zu suchen, wo man Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts das Spiel erfand und einstihrte, gewissermaßen als Gegenstück zum Fußball. Allerdings war die Begeisterung weder der Spieler noch der Zuschauer dafür allzu groß, denn mangels fester Regeln war jeder Unfairneß Tür und Tvr gce öffnet. Erst als diese Regeln geschaffen wurden, was aber fast 20 Jahre dauerte, kam Einheitlichkeit und Ordnung in das Spiel, daS sich nun auch durchsetzte und beliebt machte. In Deutschland ist es durch den Berliner Verein „Borussia" Mitte der neunztger Jahre eingeführt worden und Hot fast die gleiche Entwicklung wie in England genommen. Auch hier wurde zunächst ohne einheitliche Regeln gespielt, die erwartete Einbürgerung deS Spiels olieb deshalb zunächst aus. und erst als man die etralischen Regeln, die 1911 vom Internationalen Schwimmverband als allgemeingültig erklärt wurden, übernahm, fand auch in Deutschland das Wasserballspiel viele Freunde und daher immer größere Ausbreitung. Eine Zeitlang, nämlich seitdem Deutschland aus dem Internationalen Verband ausgetreten war, wurde dann nach deutschen Regeln gespielt, die viel „zahmer" waren, seitdem wir aber wieder Mitglied der Fina sind, gelten auch kn Deutschkand erneut die internationalen Regeln.
Von diesen Regeln sei nachfolgendes zur allgemeinen Orientierung mitgeteilt: Das Spielfeld ist ein Rechteck von 17 bis 28 Meter Länge und nicht mehr als 18 Meter Breite. Es wird halbiert durch eine Mittellinie, von der Torlinie gemessen gibt es außerdem eine aus beiden Seiten des Spielfeldes gekennzeichnete 2 Meter Mallinie und eine 4 Meter Straflinie. Die in der Mitte der Torlinie eingehängten Tore sind 3 Meter breit, die obere Querlatte 90 Zentimeter über der Wasserfläche, die Rückseite durch Rehe abgeschlossen. Der Ball ist ähnlich einem Fußball. Die beiden Mannschaften müssen durch Kappen gekennzeichnet sein. Gespielt wird zweimal sieben Minuten bei einer Halbzeitpause von drei Minuten, nach der die Seiten gewechselt werden. Jede Mannschaft besteht auS 7 Spielern, und zwar einem Tormann und zwei Verteidigern, einem Verbindungsmann und drei Stürmern, doch kann die Mannschaft auch in kleineren Hallen bzw. Bädern auf fünf Mann herabgesetzt werden, es fällen dann ein Stürmer und der Verbindungsmann aus. Bei Spielbeginn liegen alle Spieler im Wasser auf ihrer Torlinie und stürmen beim Anpsisf auf den in die Mitte des Spielfeldes vom Schiedsrichter geworfenen Ball los. Während des ganzen Spieles darf kein Teilnehmer stehen oder sich irgendwie festhalten, In den Regeln find eine Reihe von Fehlern sestgelegt. So darf z. B. der Ball Nicht mit beiden Händen gleichzeitig berührt werden. Ein Spieler darf den Gegner nicht behindern oder belästigen, wenn dieser den Ball nicht hält. Ebensowenig dars ein Spieler den Ball beim Angriff eines Gegners unter Wasser halten und einiges mehr. Bei solchen Fehlern wird vom Schiedsrichter der Gegenmannschaft ein Freiwurf zugestanden. Schwerer werden „absichtliche" Fehler geahndet. Dazu gehören ein zu frühes Abschwimmen oder absichtliches Zeitvergeuden, der Aufenthalt innerhalb der feindlichen 2 Meter Linie,
Laub umwundene Stange über der Türe der Schenke anzuzeigsn, zum Anlaß und spottete: „Es ist Nicht notwendig, einen Efeubusch herauszuhängen, wenn der Wein gut ist." liebet beleumundet war auch die Reugierde der Gast- stättenbesiher, eine Untugend, die Goethe in einem seiner Iugenddramen aus der Leipziger Studienzeit in der Person des Gastwirts Söller zum tragischen Konflikt gestaltet. Besonders bitter sind die Klagen antiker Reiseschriststeller über den Schmutz und Unrat in den Gasträumen sowie über lästiges Ungeziefer in den Betten und Ruhepfühlen. Daß auch die Bedienung zu wünschen übrig ließ, das Benehmen des Herbergsvaters sehr oft die notwendige Rücksicht gegen die Rastsuchenden vermissen ließ, setzte den Beschwerlichkeiten der Reise die Krone auf und machte die Raststunden und Ausspanntage ost zunt schlimmsten Teile der Wanderung. Kein Wunder, daß das Gasthauswesen oft mehr vom Reisen abschreckte als dürftige Verkehrsmittel, räuberische Ueberfälle und betrügerische Dienerschaft.
Roch trostloser im ganzen lagen die Verhältnisse im Mittelalter. Die Reisetagebücher plaudern manch peinliches Erlebnis aus. Der berühmte Humanist, Erasmus von Rotterdam, hat seine in zwanzig Wanderjahren vom Jahre 1492 ab gesammelten Erfahrungen in den Worten nlebcrgelegt: „Wenn du in eine Herberge kömmst, so grüßt dich niemand, damit es nicht aussehe, als ob man nach Gästen viel frage. Rachdem du eine Zeitlang geklopft und geschrien hast, steckt endlich einer den Kopf zum Fenster heraus. Rachdem du dein Begehren gemeldet hast, weist dich eine Handbewegung nach dem Stalle, wo du dein Pferd allein besorgen «lagst. Mit allem Reiseschmuh kommst du in die Wirts- stube, wo du dich reinigen, dein Hemd wechseln, dich kämmen kannst, ganz ungeniert, denn die andern tun auch to. Kommst du nachmittags an, dann mußt du bis 9 oder 10 Uhr mit dem
das Schlagen des Balles mit der Faust und jedes ungebührliche oder den Gegenspieler ge- sähröende Betragen. Wegen solcher Fehler kann ein Spieler vom Schiedsrichter herausgestellt werden solange, bis durch elften erfolgreichen Torschuß ein neues Spiel beginnt. Außer den Freiwürfen gibt es noch Strüswürfe. die in besonderen Fällen verhängt werden, und Eckwürfe ähnlich wie beim Fußballspiel. Die auch jetzt in Deutschland, wie erwähnt, wieder eiftgesührten internationalen Regeln gestatten das Tauchen des Gegners, aber nut wenn et sich int Besitz des Balles befindet, und sie gestatten auch daS Sprechen und Zurufen. Dadurch wird zwar das Spiel etwas schärfer gestaltet, aber der Schiedsrichter, hat es immer in her Hand, Roheiten zu unterbinden.
Die Kunst des Wasserballspiels liegt in der Schnelligkeit, Technik und int guten Zusammenspiel einer Mannschaft. Wo eine dieser drei Dorbedingungen fehlt, wird, wenn die andere Partei über sie verfügt, eine Riederlage unausbleiblich fein. Als beste Wasserball-Mannschaften gelten die Ungarn, nächst ibften Belgien und Frankreich, welches in Paris 1924 Olympiasieger wurde, danach England und Deutschland. Deutscher Wasserballmeister ist seit 1924 Hellas- Magdeburg, nachdem die Wasssrfreunde-Hanno- ver diesen Titel von 1921 bis 1923 innegehübt hüben. Erster deutscher Wüfterballmeister war 1912 Schwaben-Stuttgart.
Leichtathletik.
Leichtathletik-Verbands- Meisterschaften.
Die Süddeutschen Meisterschaften in München brachten gestern tm allgemeinen gute Leistungen und erwartete Ergebnisse. E v r t s - Stuttgart gewann die 100 Meter in 10,9, Faist- Karlsruhc die 200 Meter in 22,9 und die 400 Meier in 5Ö.4, der Darmstädter Engelhardt die 800 Meter in 1:58,1. Den Hochsprung sicherte sich Schwatz-Fischer (München) mit 1,80 Meter berührt (durch Stechen mit Hacker, der die gleiche Leistung erzielte, entschieden). Den Weitsprung gewann Wagner- Landau mit 6,79 Meter. Brechenmache r- Frankfurt gewann das Kugelstoßen best- und beidarmig. G ü «- t h e k - Stuttgart das Speerwerfen, während im Diskuswerfen beftarmig Schaufele- Stuttgart 39,62 Met., beidarmig Zede r-Münche« 69.48 Met. siegten. Bei den Damenwettkämstfeit bildet die Riederlage von Frl. H a u Frankfurt im 100- Meter-Lauf durch Frl. Weber- Karlsruhe 12,9 eine Ileberraschung.
Die Westdeutschen Mei stets chak t e n im DuiSburget Stadion brachten im 100-Meter- 2auf, in dem Houben nicht startete, einen Sieg Dobermanns in 10,9, HoUben gewann die 200 Meter in 22,4. Gertz- Koblenz die 400 Meter in 50. Die 4mall00-Meter-Siasfel sicherten sich .die Preußen-Krefeld Im Wsitsprung übersprang Dobermann mit 7,12 Meter die 7-Meter-Grenze.
Bei den Mitteldeutschen Meisterschaften in Leipzig bildete am ersten Tage der Sieg Weges über den Magdeburger B ü ch n e t im 200-Meter-Lauf mit der ausgezeichneten 21,4 eine wenn auch nicht sensationelle lleberraschung. Heber 400 Meter lief Stortz die sehr gute Zeit 49.8. über 800 Meter Jacobs-Magdeburg 1:56,9. Dr. Luther-Steinach stellte iin Diskuswerfen beidarmig mit 69,78 Meter eine neue mitteldeutsche Höchstleistung auf.
Bei den S ü d o st d e u t s ch e n Meisterschaften in Breslau waren einige der Besten, wie Körnig. Zimmermann, leider nicht im Start. So gewann Bittner am ersten Tag die 200 Meter in 23,7, im 800-Meter-Lauf war S ch ö m a n n - Breslau in 2:1,8, über 5000 Meter
Essen warten: denn erst bis alle Gäste beisammen sind, wird aufgetragen. Dann wird getrunken. Der Wein erhitzt die Köpfe, und es geht ein großes Lärmen los, dabei du ausharren mußt, mit oder ohne Willen. Bist du müde und willst gleich nach dem Essen der Ruhe pflegen, so geht das nicht an: erst wenn alles schlafen geht, wird dir dein kahles Lager angewiesen. Andere Bequemlichkeit als das nicht immer saubere Bett hast du nicht."
So oder ähnlich laufen die meisten Berichte der Zeit. Vie Reisenden waren bescheiden genug, sich glücklich zu Preisen, wenn ihnen außer iln- gefälligkeiten und Prellerei nichts Schlimmeres begegnete. In Hausfs Märchen „Das Wirtshaus int Spessart" macht Der Güsthalter gar mit Räubern und Dieben gemeinsam« Sache gegen seine Gäste. Derartige Fälle sind durchaus nicht bloße Phantasieerzeugnisse, sondern häufig grausame Wirklichkeit gewesen.
Bor allem die Italienfahrer mußten zahlreiche Widerwärtigkeiten auf sich nehmen. Der Reiseschriststeller Martin Zeiller, der tm Jahre 1632 ein Reisehandbuch veröffentlichte, läßt keinen guten Faden an den italienischen Gaststätten: „Kommt malt nun ferner in die Wirtshäuser. so ersährt man an den meisten Orten mit Betrübnis, wie gering und unflätig die Traktativn hetgeht. Die Kammern sind schlecht bestellt und voll Schnaken, Wäitzen und anderen Geschmeißes, und muß man gleichwohl alles teuer genug bezahlen."
Weit erfreulicher lauten Die Reiseberichte der Zeit über die Zustände im Gaststättenwesen Deutschlands. Der Italiener Antonio de Beatis, Sekretär des Kardinals Luigi d' Qlragona, schreibt von der Reise, die er mit feinem Herrn in den Jahren 1517 und 1518 durch Deutschland, Holland und Frankreich uitternahm, daß er in Deutschland die beste« Gasthöfe vorgefunden habe. Er rühmt die vorzügliche Küche, den güten Wei«, die ungezieferfreien Betten und die wirklich
Schnetver-Hirschberg 16:8,6 nicht zu schlagen. Im Kugelstoßen best- und beidarmig siegte der Breslauer P l o ch.
Bei den Balten-Mei st erschaffen in Stolp gab es recht gute Leistungen, über 400-Meter- Hürde« lief Dr. P e l tz c r die sehr gute Zeit von 56,9. Boitze holte sich die 1500-Mefer am ersten Tag, der Ällensteiner Hirschfcld das Kugelstoßen best- und beidarmig.
Die Brandenburgischen Meisterschaf- t e n endeten bei der Austragung der ersten Wettbewerbe mit einigen Ueberraschungen. Die 200- Mcter gewann Hübner in 21,8, die 1500.Meter Kretschmann in 4:14,5, die 5000=9)1 eter Mir - del- Eharlottenburg in 15:57,4, das Kugelstoßen bestarmig wider Erwarten Weiß-B. S. C. mit 12,30 Meter vor Haase- Polizei, der den Wettbewerb beidarmig gewann.
Der deutsche Geher Schwab- Neukölln siegte bei internationalen leichtathletischen Wettkämpfen in Rotterdam im 1500-Meter-Gehen in 6:19,9 über den holländischen Rekordgeher Gnbbels. Dr. Peltzer Hütte seine Beteiligung wieder abgesügt.
Weltrekord in der 6000-Meter- Staffel.
Viborg, 18. Juli. (WB.) Im Swffellauf über 6000 Meter siegte am Samstag in Vivok^die Spv. Timm Urheilüttitto in der Weltrekordzeit von 16:11,3. Die Mannschaft setzte sich zusammen aus Niirwi, Litzwendahl, Katz, Koivunalho.
Radsport.
Der große Opelpreis von Hessen-Nassau.
Der große Opelpreis von Hessen-Nassau der Vereinigung Örutfdjcr Radsportperbände führte gestern über die 180,7 Kilometer lange Strecke Mainz- Worms — Darmstadt — Frankfurt — Wiesbaden — Mainz und brachte 70 der besten deutschen Straßen- fahrer an den Start.
Auf der Strecke gab es einen erbitterten Kampf, aus dem sich schließlich eine . achtköpfige Spitzengruppe herausfchälte. Vor einer vieltausendköpfigen Zuschauermeftge blieb der Berliner Rudolf Wolke vor seinem Bruder Bruno Wolke siegreich.
Ergebnisse: 1. Rudolf Wolke-Neukölln 5:57, 2. Bruno Wolke-Neukölln, 3. Dumm-Frankfurt am Main, 4. Büttner-Neukölln, 5. Schüler-Mannheim, 6. Bule-Berlin, 7. Rohn-Mainz, 8. Dehner-Mainz. Sämtliche dicht auf.
Motorsport.
Großer Preis von Europa für Motorräder
mit deutscher Beteiligung.
vo. Aus der Bahn von Francoschamps in S p a a kam gestern der Große Preis vdn Europa für Motorräder zum Austrag, an dem sich in der kleinsten Klasse — bis 175 Kubikzentimeter — auch die deutsche Firma DKW. neben Ready , und Glfson-Rorman beteiligten. Den teilnehmenden deutschen Motorrädern gelang jedoch ein Sieg nicht, den sich Milhoux (Belgien) aus Ready in 3 Stunden 25 Minuten holte. DKW. (Becker) konnte nur den zweiten Platz in 3:30 belegen, Sprwng auf DKW. gab auf.
Rudern.
Deutsche Ruderer in Kopenhagen.
An der internationalen Kopenhagener Ruderregatta nahm auch die Lübecker Rudergesellschaft vo «18 8 5 teil. Sie siegte am ersten Tage im Junior- ad) 11 r in 6:34 mit e/r. Sekunden vor der Rudergesellschaft der dänischen Studenten und zwei weiteren — einem dänischen und einem norwegischen — Booten. Im Achterrennen des Sonntags hatten jedoch die Lübecker bereits am Start Pech und kamen dann für die Entscheidung nicht mehr in Frage: mit knapp 4 Sekunden landeten sie hinter Christiania D. G. Oslo, Kopenhagener R. C., Rudergesellschaft der dänischen Studenten an vierter Stelle.
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Sommerkur für 4582ss
Nervenkranke
u. Nervös-Erschöpfte. Spezialknvanstalt Hofheim 1. H'annus bei Frankfurt a M.
Prospekte durch
J>r. M, Schnlse-Kahleyss, Nervenarzt.
Wärme verbreitenden öcfen. Auch der große französische Schriftsteller Montaigne (1532—1592) ergeht sich in eitel Lob über die deutschen Gasthöfe. Rur das stundenlange Tafeln — oft 4 Stunden und darüber — sowie das häufige Zutrinken sagt ihm nicht zu. Auf der Weiterreise, die ihn u. a. nach Italien führt, sehnt er sich mehrfach nach den vollen Fleischtöpfen der deutschen Gaststätten zurück. Besonders der Sauerkohl, dessen Rezept er sich anmerkt, hat es ihm angetan. Das namentlich in den napoleonischen Kriegen umgehende Wort von den deutschen ,,Sauerkraut- essern" (mangers de choucroüte) läßt sich, wie man aus Mvntaignes Tagebuch ersieht, im Ursprünge weit zurückversolgen. Auch die Rainen einer stattlichen Reihe steinalter Hotels, die noch heute blühen, hat uns Montaigne überliefert. Der „Hecht" in Konstanz, die „Krone" in Lindau und der „Dar" in 5tcmpten gehören hierher.
Während ausländische Gäste von Rang und Bedeutung?ben Ruhm des deutschen Gasthauses nicht laut genug verkünde« können, lassen es die älteren deutschen Reiseschriftsteller zumeist an der nötigen Sachlichkeit fehlen. Die deutschen Reisc- tagebücher früherer Tage enthalten fast regel- mäßig Tadel über die eigenen Gaststättenverhäkt- nisse und schwärmerisches Lob und Anerkennung für die ausländische« Hotels. Das besonders von Hölderlin bekämpfte Stammeslaster der Deutsche«, die eigenen Vorzüge herabzusehen, um Die fr einten Vökkersttten über den grünen Klee empor- zuheben. macht nicht einmal vor den Stätten Halt, die mit dem Anspruch der Gastlichkeit die Forderung der Würde und Angemessenheit verbinde«. Das ist um so bedauerlicher, als das deutsche Gasthaus in der Welt den Ruf größter Behaglichkeit genießt uni), wenn es hier und da teurer ist als das ausländische, es dies nicht aus Gewinnsucht ist, sondern „der lieben Steuern" wegen, die ihm der „Racker Staat" oder die „löbliche Stüdtkommunc" in überreichem Maße auferlegen.


