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jedesmal^vieder mein eigener Nach­folger werde. Ich kann nicht fortgesetzt in einem seiwbseligen Milien leben. Jetzt habe ich meine Freiheit und bin darüber sehr glück­lich."

Herriots Bemühungen.

Paris. 18. Iuli. (LU.) Der Kammerpräsi­dent hat heute nachmittag ununterbrochen mit politischen Persönlichkeiten zur Lösung der Kabi­nettskrise verhandelt. Nach den letzten Eindrücken zu schließen, stößt Herriot auf große Schwierig- leiten. Am Abend hatte er eine bedeutsame Un- terredung mit dem Führer der Demokratischen Union, Marin. Dieser gab bei Ausaang der Llnterhaltung die unerwartete und sensationelle Erklärung ab, daß nach seiner Ansicht die Wie- deraufrichtung des Franken unter einem Kabinett Herriot keine Fortschritte machen werde. Diese Erklärung Marins laßt den sicheren Schluß zu, daß eine Verständigung, Zwischen seiner Gruppe uird den Radikalfozialisten zur gemein­samen Lösung der Krise, wie sie am Nachmittag noch allgemein vorausgesehen wurde, gescheitert ist. Die parlamentarische Situation wird dadurch äußerst kompliziert. Ein Kabinett der nationalen Einigung, von dem immer wieder die Nede ist, erscheint ausgeschlossen, ebenso ein nur nach rechts erweitertes Konzentrationskabinett, dem die So­zialisten nicht konsequent ihre llnterstühung zu­teil werden liehen. Eine ausreichende Mehrheit wird Herriot nur dann aufbringen, wenn ihm die Neubildung des Kartells der Linken gelingt. Die Möglichkeit hierzu ist allerdings bei der Hal­tung der Sozialisten sehr zweifelhaft.

Vie Haltung der Sozialisten.

Beschränkte Unterstützung für ein Kabinet Herriot.

P a r i s. 18. Iuli. (WB.) Der Vorstand und die Parlamentsfraltion der Sozialistischen Par­tei haben nach mehrstündiger Beratung die ihnen von Herriot angebotene Teilnahme an der Negierung abgelehnt. In einer Ent- schlichung wird erklärt, daß die Partei entspre­chend dem Beschluß ihrer letzten Parteitagung an keiner von einer anderen politi­schen Partei gebildeten Regierung teilne'hmen kann. Eine Llnterstützungspolittk, so heißt es in der Entschließung weiter, könne nur innerhalb der von den Parteitagen in Gre­noble und Clermont-Ferrand gezogenen Gren- 8eit in Betracht kommen. Außerdem hat derAbg. Blum als Generalsekretär der sozialistischen Parlamentssraktton an Herriot ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt, die sozialistische Parla- mentssraktion habe mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß Herriot zur Lösung der über dem Lande schwebenden Finanz -und Währungskrise sich den Ideen zu nähern wünsche, wclcye für die Partei selbst maßgebend seien. Unter den gegenwärtigem Umständen wäre die Teilnahme an der Regierung nicht diejenige Form, in der die Partei einer von Herriot ge­bildeten Regierung die wirksamste Hilfe werde gewcchren können. Es werde ihr jedoch leichter fallen, ihre Mitglieder fast einstimmig für die Politik der Unterstützung zu gewin­nen. In dem Schreiben wird zum Schluß ver­sichert, daß die Dentühungen Herriots um die Finanzsanierung und die Wiederherstellung einer stabilen Währung durch die Leistung der Nation s e l b st seitens der Sozialistischen Par­tei auf eine ehrliche Unterstützung werde rech­nen können.

Pariser Matterstimmen.

Paris, 18. Iuli. (Wolff.) Die Presse hebt den Ernst der durch den Sturz Driands gcschaffe- ne- Lage hervor, vor allem dasIournal", welches schreibt: Wer auch berufen werden möge, der Ern st der Stunde mache ihm zur ersten Pflicht, schnell zu handeln. Die Kammer müsse endlich die Abschlachtung der Mini- st £ r i e n einstellen, wenn nicht die Agitation, die sich im Palais Bourbon bemerkbar mache, aui die Straße übergreifen solle. Bereits gcuern abend habe, als die Deputierten die Kammer verließen, eine beunruhigte Menschen­menge sich vor dem Kammergebäude angesam­melt, die die Polizei zurückdrängen muhte. Das fei eine Warnung.

DasPetit Parisien" führt den Sturz des Ministeriums darauf zurück, daß Herriot in die Debatte eingriff, nicht als Parteiführer, sondern als Kammerpräsident. Auch Gambetta habe eingegriffen, aber als Führer der Fraktion. DasOeuvre" schreibt, Herriot werde wohl, ehe er gestern seinen Schritt unternahm, sich die Felgen s inet Handlung klargemacht haben. Nach zwei Iahren Ablastens könne man endlich in der zusammengefaßten raschen Aktion die Politik vom 11. Mai 1524 wieder auferstehen sehen. Her­ri -t wisse «uch ganz genau, daß in der augen­blicklichen Lage das Land eine neue Ent­täuschung nicht mehr erdulden werde.

Ere Nouvelle" schreibt, nicht ein Tag, nicht eine Stunde, nicht eine Sekunde sei mehr zu ver­lieren. um die Regierung der nationalen Rettung zu bilden, die das Land erwarte und der das Parlament die unerläßlichen Vollmachten zu geben gezwungen fein werde.Quotidien" nennt die gestrige Abstimmung in der Kammer einen republikanischen Sieg. Herriot habe gestern ein prächtiges Beispiel gegeben. Er habe sich als Soldat in den Kampf gestürzt. Er müsse berufen werden und die gänze Nation müsse alsdann seinem Rufe folgen. DasEcho de Paris" schreibt, die Kammer habe durch die Sttmme Herriots mit einem Nein auf die Frage der Übertragung der Vollmachten geantwortet und mit einem Nein auf die Washingtoner Abkommen durch die Stimme Marins, dessen Interpellation wieder einmal die Beunruhigung und Abneigung des französischen Volkes dagegen zum Ausdruck brachte, daß die Rettung der französischen Finanzen u n t e r den S chu h und die Ab­hängigkeit des Auslands gestellt würde. Gaulois" will in der gestrigen Diskussion die Unmöglichkeit erkannt haben, die finanzielle Krise mit parlamentarischen Metho - denzu lösen. Es sei aber auch festgestellt, daß es unmöglich sei, Vollmachten einem Manne wie 6 a iU au t anzuvertrauen, dessen Vergangen­heit und Charakter ihm das Vertrauen des Lan­des notwendigerweise entzögen. Der Präsident der Republik müsse die Regierungshoheit Män­nern anvertrauen, die mit keiner Handlung be­lastet seien, die ihnen das Vertrauen entziehe, die also imstande seien, die Vollmachten auszu­führen, die man gestern dem Kabinett Briand- Caillaux verweigert habe. Das FaszistenblattLe Nouveau Sitze le" überschreibt die heutige Aus­

gabe:Nieder mit dem Parlament! Es lebe die Nation!"

Das Londoner Echo.

London. 19. Iuli. (TU.) Die Nachricht von dem Sturz des Kabinetts Briand-Caillaux, die erst in den späten Abendstunden in London ein­traf, tjat hier große Ueberraschung her­vorgerufen. Die neue Wendung wird zweifellos auf dem Devisenmarkt nicht ohne Rückwirkung bleiben und die Flucht aus dem Franken noch verstärken. Man rechnet hier zwar damit, daß die französischen Behörden alles versuchen wer­den, um dem bevorstehenden Zusammenbruch des Franken Einhalt zu tun, aber wie sich gestern abend eine in Citykreisen wohl bekannte Persön­lichkeit äußerte, man könnte ebensogut den Ver­such machen, das Wasser des Niagarafalles zu- rückzuhalten. Auch in diplomatischen Kreisen Lon­dons, soweit diese während des Wochenendes m London anwesend waren, hat die Nachricht von dem Sturz der Pariser Regierung konsternierend gewirkt. Man hielt das Ergebnis für bedeutsam genug, um den Premierminister Baldwin und den Schahkanzler Churchill, die auf dem Lande weilten, sofort zu benachrichtigen. Die Lage wird um so ernster angesehen, als man bezweifelt, daß nun die Absicht der Führer der amerita- nischen, englischen und französischen Notenbanken, den Franken zu stabilisieren, wird durchgeführt werden können. In diesem Falle dürste das Kapitalausfuhrverbot der Bank von England nach Frankreich so lange in Kraft bleiben, bis das französische Schuldenfundierungsabkommen rati­fiziert und der Franken endgültig stabilisiert ist.

Vor neuen Kämpfen in Marokko

Paris, 18. Iuli. (WB.) Nach den heute aus Marokko vorliegenden Nachrichten machen sich an der französischen Norbfronk Trupps der R i f l e u t e bemerkbar. Die Rifabteilun­gen im Djeballahgebiet nähern sich den französi­schen Linien. Abteilungen der Beni Mostara und der Beni Megilda werden in der Nähe von Issual gemeldet. Der Posten von Macna ist in der Nacht zum 16. Iuli angegriffen worden.

Vom Reichslandbund.

Berlin, 17. Juli. (TU.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat in feiner letzten Sitzung folgende Beschlüsse gefaßt:

1. Der Bundesvorstand ersucht die Reichsregie- rung, die Einfuhrscheine, die bei der Aus­fuhr von einheimischem Getreide ausgestellt werden, vom 1. August ab auf die dann geltenden Zollsätze auszustellen, die Geltungsdauer der Uebergcmgsbe- ftimmungen möglichst abzukürzen, diese jedenfalls nicht über den 30. September hinaus in Geltung zu lassen.

2. Der Bundesvorstand fordert die Reichsregie­rung auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, die das Valutadumping untervalutarischer sowie das Kreditdumping kapitalstarker Länder zu unterbinden.

3. Um eine Umgehung desZolles aufBräu­ge r st e zu verhindern, soll die Regierung erneut er­sucht werden, die auf Braugerstezoll eingeführte Futtergerste zu deformieren.

4. Die Regierung soll ersucht werden, wie vor dem Kriege die Getreideaußenhandels- st a t i st i k in zehntägigen Perioden mit möglichster Beschleunigung zu veröffentlichen.

Kunst und Wissenschaft.

Der Fall Lessing.

Am Samstag fand die Urteilsverkündung in der Disziplinarangelegenheit gegen die Studierenden anläßlich des Falles Lessing durch den Rektor und Senat der Technischen Hochschule Hannover statt. Es wurden folgende Urteile ausgesprochen: Einen Verweis von Rektor und Senat erhielten die Studierenden, deren Teilnahme an den Demonstrationen durch Abnahme der Ausweiskarten festgestellt worden war, auf Androhung de s.A u s s ch l u f s e s von der Hochschule wurde erkannt gegen die Leiter der Bewegung. Gleichzeitig wurde mit» geteilt, daß an den Herrn Minister die Berufung für die elf Relegierten vom Rektor und Senat mit der Bitte um Strafmilderung weitergegeben worden ist.

Kunsipslege in Hessen.

Zwischen dem Ständigen Rat zur Pflege der Kunst in Hessen und dem hessischen Künstlerkartell ist nunmehr der lange erstrebte Zusammenschluß gefunden worden. Es wurde wieder eine Arbeits­gemeinschaft für bildende. Kunst, wenn auch auf anderen Grundlagen wie früher in Darmstadt ge­gründet, bertn Arbeitsgebiet sich auf ganz Hessen erstreckt. Mitglieder sind nur je drei Vertreter des Ständigen Rats und des Künstlerkartells und ein Schriftführer. Es wurden beauftragt die Herren Oberregierungsrat Emmerling (Vorsitzender), Ge- heimerat-' Professor Dr. Back (stellvertretender Vor­sitzender), Professor Hoelscher, August Soeder und Oberst von Hohn. Die Geschäftsstelle befindet sich im Darmstädter Stadthaus, Zimnler Nr. 70.

Aus aller Welt.

Tagung des christlichen Landarbeiterverbandes.

Am Sonntag trat der Zentralverband der Landarbeiter zu seinem dritten Verbandstag zu­sammen. Neben den etwa 100 Delegierten aus allen Gauen Deutschlands waren auch Abgeord­nete des Oesterreichischen Landarbeiterverbandes erschienen. Ebenso hatten das Ministerium für Landwirtschaft, das Internationale Arbeitsamt sowie etwa 30 Verbände der christlich-nationalen Organisationen und andere Verbände Vertreter entsandt. Der Führer des Z. D. L., Landtags- abgeordnetec Fran-; Behrens, begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und hob hervor, daß die Tagung in eine Zeit falle, die durch Lieber- schwemmungen und Wetterkatastrophen d i e Ernte auf weite Strecken verdorben habe. Um so mehr sei es jetzt Pflicht aller, die Hände zu gemeinsamer Zusammenarbeit einander zu reichen.

Parlamentarische Umgangsformen.

Im thüringischen Lanötagsgebäude tarn es nach der letzten Landtagssihung in dem sogenann­ten Klubsesselzimmer zwischen dem Abg. Dr. Dinier (Völk.) und dem sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Kies zu einem Zusammen­stoß, in dessen Verlauf Dr. Dinier dem Dr. Kies mehrere Schläge in den Nacken versetzte. Die Drille des Aba. Dr. Kies fiel zu Boden und zerbrach. Als ku rze Zeit darauf der ehe­

malige Ches der thüringischen Landespolizei und jetzige Werwolfführer Müller-Dranden- b u r g das Landtagsgebäude betrat, um Dr. Dinter aufzusuchen, wurde ihm im Wartezimmer von zwei kommunistischen Abgeordneten vorge­hallen, daßeiner von seinem Gesindel" den Abgeordneten Dr. Kies verprügelt hätte. Dar­aufhin machte Müller-Brandenburg eine Bewe­gung nach der Tasche, um, wie die Abgeordneten glaubten, sich mit der Schutzwasie zu verteidigen. Die kommunistischen Abgeordneten drängten ihn in eine Ecke und nahmen ihm einen Totschläger eine schwere Bleikugel an einem Lederriemen ab. Der im Gebäude weilende Dezernent der thüringischen Landespolizei, Regierungsrat Dr. Lönig, nahm den Totschläger an sich und ließ sofort ein Protokoll über den Vorgang auf­nehmen.

Line TNillionen-Unterschlagung.

Nach Unterschlagung von drei Millio­nen Mark ist der 40jährige Bankier Bernd Schröder aus Frankfurt an der Oder flüchtig geworden. Schröder Hai sich allem Anschein nach nach Hamburg gewandt. Vermutlich will er nach Amerika zu entkommen versuchen. Die Unter­schlagung des Frankfurter Bankiers erregte in der ganzen Ostmark ungeheueres Aufsehen. Viele Hunderte von Landwirten aus den Kreisen Schwiebus, Königsberg usw. haben durch Schröder ihr Geld verloren. Schröder hatte vor einiger Zeit das Frankfurter Bankgeschäft von Hagedorn käuflich erworben. r führte es aber unter eige­ner Firma weiter Und eröffnete ein Konio-Kor- renlgeschäft. Vor allem vermiitrlte er An- und Verkäufe von Hypothekenbriefen. Die Nach­forschungen der Polizei ergaben, daß mehrere Millionen Mark fehlen. Schröder hatte, wie sich jetzt heraussiellte, in den letzten Tagen seine Villa in Frankfurt an der Oder verpfändet und war seitdem nicht mehr in seinem Bankgeschäft erschienen. Der flüchtige Dankinhaber war früher Geschäftsführer einer bekannten Dank in der Ost­mark und Sparrassendirektor in Schwiebus.

Ein Konsul als Defraudant.

Der jugoslawische Generalkonsul in Triest, Du- schan Stepnowitsch, ist, nachdem er aus der Amts­kasse 1,2 Millionen Lire entwendet hatte, spurlos verschwunden. Es wurde gegen ihn ein Steckbrief wegen Unterschlagung erlassen.

Eine rätselhafte Epidemie in Schlesien.

Aus dem Kreise Obrau werden Massen- erfraniungen gemeldet, die als Folge des Oder- Hochwassers immer größeren Umfang anzunehmen drohen. Die Krankheit äußert sich stark in Fie­ber und großer Erschövsung. Es handelt sich vermutlich um eine durch Mückenstiche übertragene Sumpfkrankheit. Die Sumpfgebiete sind von unheimlich wilden Mückenschwärmen bevölkert, die die Men­schen allerorts Überfällen. Disher wurden etwa hundert Krankheitsfälle feftgefteHt Bres­lauer Aerzte sind zur Hilfe geeilt, um den Krankheitserreger zu ermitteln, und der um sich greifenden Epidemie zu steuern. Auch aus den Kreisen Trachenberg, Guhrau und Schweidnitz werden gleiche Krankhütserscheinungen gemeldet. Eine Kommission, bestehend aus den beiden Me­dizinalräten der Breslauer Regierung, den Di­rektoren der Medizinischen Klinik und des Hy­gienischen Instituts der Universität und einem Vertreter des Wvhlfahrtsministers, hat sich in den betr. Kreisen mit den behandelnden Aerzten in Verbindung gesetzt. Die Krankheit scheint nur durch Insektenstiche übertragbar zu sein. Todes­fälle sind bisher nicht vorgekommen.

Hitzewelle in England.

England steht wieder im Zeichen einer Hitze­welle. Sonntag abend entlud sich über London ein schweres Gewitter. Auch Teile von Wales wurden am Sonntag und in der vorauf- gegangenen Nacht von schweren Gewitterstürmen heimgesucht. In einigen Dörfern wurde durch Ueberschwemmungen schwerer Schaden ange­richtet.

Touristenunglück in den Dolomiten.

Am Dienstag früh ist der englische Iour- nalist T o d m i d e r von der Rosettaspihe, als das Seil riß, über die steile Felswand in die Tiefe abgestürzt. Er erlitt einen Schädelbruch.

Absturz am Dachstein.

Am niederen D a ch st e i n verunglückte am Donnerstag vormittag der 20jährige kaufmän­nische Angestellte Helmut Kuhn ans Leipzig. Kuhn, der mit zwei Begleitern eine Hoch tour unternommen hatte, aber schlecht ausge­rüstet war, verirrte sich als der Nebel siel und stürzte 100 Meter ab. Er trug einen Bruch bet Schädeldecke davon und war sofort tot. Die Leiche wird in Hallstatt beigesetzt.

Kampfflieger Wüslhoff abgestürzt.

Der aus dein Kriege bekannte Kampfflieger W ü st h o f f, Ritter des Ordens pour le m^rite, ist bei einem Schaufliegen am Samstagnachmittag auf dem Flugplatz Reudnitz bei einem Sturzflug abgestürzt. Er wurde schwer verletzt ins Kranken­haus gebracht.

Lin Taschendieb.

Einem Amerikaner, der anfangs vori­ger Woche auf dem DanrpserColumkms" in Be­gleitung seiner Familie in Bremen eingetroffen war, wurde in einem Kaffee «des Berliner Westens die Brieftasche mit 30 000 Mk. in deutschen Banknoten gestohlen. Der Ta­schendieb hatte sich vor einigen Tagen dem Amerikaner als Landsmann angeschlvssen und wohnte mit der amerikanischen Familie seit meh­reren Tagen in einem der ersten Berliner Hotels. Der bestohlene Amerikaner hatte den Betrag am Vormittag in Begleitung des Taschendiebes auf der Deutschen Dank abgehoben. Der Taschendieb verübte die Tat bei einigen Flaschen Sekt, die er mit dem Amerikaner unter Zu­ziehung eines, zweiten Schwindlers tranf. Die beiden Täter entfernten sich plötzlich nacheinander aus dem Cafe und sind spurlos verschwunden. Das im Hotel befindliche Gepäck des einen Taschendiebes war in der Zwischenzeit aus dem Hotel fortgeschafft worden.

15 000 Kegler in Berlin.

Das 16. Deutsche Bundes kegeln nahm am Sonntag nachmittag in der Neuen Autohalle am Kalserdamm seinen Anfang. Rund 15 000 Kegler aus allen Teilen Deutschlands weilen zu den großen Wettkämpfen in Berlin.

Wettervoraussage.

, Aach gewitterhaften Regenfällen stärkere Ab- kühlung, nur vorübergehend schwach aufheiternd.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 28,8 Grad Celsius, Minimum 14,8 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur 21,4 Grad Celsius.

2lu$ der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Iuli 1926.

Sternschnuppen.

Von Professor Dr. st ermann

Die zweite Hälfte des Iuli und die ersten zwei Drittel des August sind die günstigste Zeit zur Beobachtung von Sternschimppen. Ist auch der im November niedergehende Schwarm der Leoniden noch etwas mächtiger als der Sommer- schwarm der Perseiden, so ist andererseits die Beobachtung im Sommer in der Regel günstiger als der meist trübe Novemberhimmel.

Lieber wenige Erscheinungen ist die Mensch­heit so lange im Dunkeln getappt wie über die Sternschnuppen und die ihnen verwandten Feuer­kugeln. Bald wurden sie für Ausdünstungen der Atmosphäre gehalten, bald mit den Mondkratern in Verbindung gebracht. Daß Steinfall von ihnen verursacht sein könne, wurde schlankweg geleugnet. Als im Iahre 1790 der Bürgermeister einer kleinen französischen Gemeinde verständig genug war, über ein außergewöhnliches Vorkommnis dieser Art ein Protokoll aufzunehmen und es mit 300 Unterschriften bedeckt derfiMMischen Akademie einzusenden, glaubte diese hochgelehrte Körperschaft den ganzen Bericht nicht nur ab­lehnen zu müssen, sondern hielt sich sogar für be­rechtigt, mitleidig auf die abergläubischen Klein­städter herabzusehen, die ganz offenbaren Lln- sinn und lächerliche alte Volkssagen für wahr hielten.

Nur wenige Iahre später kamen zwei junge Göttinger Studenten namens Brandes und Benzenberg auf den naheliegenden Gedanken, von zwei getrennten Orten aus Sternschnuppen zu beobachten und dabei möglichst genau ihre Lage am Fixsternhimmel festzustellen. Aus der Verschiebung, die sich aus der veränderten Lage des Beobachtungsortes ergab, berechneten sie die Höhe der Sternschnuppen, die im Durchschnitt ungefähr 100 Kilometer beträgt; auch ihre Ge­schwindigkeit, die für den Sommerschwarm der Perfeiden etwa 60, für die Leoniden fast 80 Kilo­meter in der Stunde ausmacht, läßt sich so errech­nen. Hierdurch war der Grund zu einer wissen­schaftlichen Erforschung der Sternschnuppen gelegt Bahnbrechend wurden späterhin die Arbeiten des berühmten italienischen Astronomen Schia- parelli, der unzweifelhaft nachwies, daß zmn mindesten manche der sich stets um dieselbe Iahreszeit wiederholenden Sternschnuppen- schwärme nichts anderes sind als Reste von Ko­meten, die wie die Planeten die Sonne um­kreisen und mit denen die Erde auf ihrer jähr­lichen Bahn zusammentrifft. So erklärt es sich auch, daß die Rückwärtsverlängerungen der Sternschnuppenbahnen in einen Punkt führt, den sog.Dadiationspunkt", nach dem die Stern­schnuppenschwarme ihren Namen führen. (Perse­iden" von Perseus,Leoniden" von Leo, Löwe usw.) Die Lichterscheinung der Sternschnuppen rührt von der Erhitzung durch den Luftwider­stand her, der natürlich bei der so außerordent­lich schnellen Bewegung eine ganz bedeutende Größe annimmt.

Es gehören übrigens nicht alle Sternschnup­pen solchen regelmäßig wiederkehrenden Schwär­men an. Manche sind vollkommen unregelmäßig. Daß cs sich dabei um eine keineswegs seltene Erscheinung handelt, geht daraus hervor, daß, wie man berechnet hat, wenn ein Beobachter an einem bestimmten Ort sechs Sternschnuppen in der Stunde wahrnimmt, auf die Hanze Erde im Verlauf eines Tages nicht weniger als andert­halb Millionen niedergehen. Am häufigsten sind die Sternschnuppen stets in den frühen Morgen­stunden, und zwar deshalb, weil der Beobachter sich aldann auf der Stirnseite der Erdbewegung befindet, auf der Fremdkörper aus leicht erklär­lichen Gründen häufiger niederfallen werden als auf der Rückseite.

Die oft besonders farbenprächtigen Feuer­kugeln, die an Helligkeit mitunter den Mond er­reichen, und selbst übertreffen, sind ebenso wie die Sternschnuppen durch Fremdkörper veran­laßt, die in die Lufthülle der Erde eindringen, jedoch mit dem älntcrschied, daß sie nicht der Planetenwelt unserer Sonne angehören, sondern Fremdlinge sind, die unser Planetensystem auf seiner Reise durch die unendlichen Tiefen des Weltalls sozusagen auffischt. Ihr? Bewegungs­energie ist daher noch größer als die der Stern­schnuppen. Wird ihnen durch den Luftwider­stand ein plötzliches Halt geboten und ist ihre Masse groß genug, sie vor dem Verdampfen zu schützen, so tritt Steinfall ein.

Die Tomate.

Die moderne Ernährungswissenschaft, welche sich auf baut ailf der heute etwa 15 Iahre alten Vitaminlehre, weist darauf hin, daß cs nicht nur darauf airiommt, den Körper mit der not­wendigen Menge von Fett, Kohlehydraten, Ei­weiß, Salz und Wasser zu versorgen, sondern daß noch andere Stoffe, die sogenannten Ergänzungs­stoffe oder Vitaminen eine wichtige Rolle spielen. Nie kann der Vitaminengehalt einer Nahrung die Brennstoffe und Aufbaustoffe ersehen, und umgekehrt kann eine noch so üppige Nahrung nicht den durch fehlende Vitamine hervorge­rufenen Schaden wieder gutmachen. Es hat je­mand hierfür einen sehr treffen den Vergleich ausgestellt: Der Körper ist ein Verbrennungs­motor, der durch Fette, Kohlehydrate usw. ge­speist wird, die Vitamine sind das Schmieröl, das, im Verhältnis zum Brennstoff in geringen Men­gen zugesetzt, einen reibungslosen Gang ermög­licht. Ein Fehlen von Schmieröl läßt den Motor bekanntlich festlaufen und die Verbrennung kann trotz noch so großer Brennstoffvorräte nicht fortgesetzt werden.

Eine der wichtigsten vitaminhaltigen Früchte unseres Klimas ist die Tomate. In ihr finden sich alle bisher bekannten Ergänzungsstoffe in reichlichem Maße. Am empfehlenswertesten ist es stets, die vitaminhaltigen Früchte möglichst roh zu genießen, da durch längeres Erhitzen die Vitamine zerstört werden. In der Tomate schei­nen aber die Vitamine in einer solchen Form ge­bunden zu sein, daß ein kurzes Aufkochen die - Wirksamkeit dieser Stoffe nicht ganz zu zerstören vermag. Ferner hat man festgestellt, daß To- matenkonserven im Gegensatz zu anderen Ge­müsekonserven nicht ihren ganzen Vitamingehalt durch die Konservierung eingebüßt haben. Zu­sammenfassend kann man also sagen, daß die Tomate trotz ihres verhältnismäßig hohen Wasser­gehalts und ihres geringen Gehalts an Zucker (die reife Tomate hat ungefähr 92 Prozent Wasser und 2,5 Prozent Zucker) ein wichtiges Volks­ernährungsmittel darstellt: Die Tomate ist ein erstklassiger Ergänzungsnährstoff. D. &