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Das Finanzamt.

In einer kleinen Kreisstadt Oberhessens ist ein Finanzamt. Das ist an und für sich nichts Merkwürdiges. Finanzämter müssen fein; sie gehören zu denjenigen menschlichen Einrich­tungen, mit denen man nur notgedrungen in nähere Beziehungen tritt, und denen man wohl oder übel nicht gut aus dem Wege gehen kann. Vielleicht ist es für manchen ein kleiner Lrost was der hessische Geschichtsschreiber Wigand Lauze schon vor 400 Jahren gesagt hat.Die .Untertanen müssen sich damit trösten, daß solch^ der bösen, argen Welt Brauch und Lauf ift, nnd wie sie sonst viel andere Plagen, als Hom- fein. Fliegen und was dergleichen mehr ift. dulden müssen, also sich in dies Leiden auch nut Geduld schicken." .

WaS dem hier in Bebe stehenden Finanz­amt einen besonderen Reiz verleiht, ist seine Umgebung. Ist es Zufall oder Irome des Schicksals, daß unmittelbar vor seinen Toren eine Aeihe von Berufen sich niedergelassen hat. deren Anwesenheit in Verbindung mit der Stätte der Steu-'rgewalt zum Rachdenken anreizt?

Da wohnt z. B. nebenan eine wichtige Per­sönlichkeit, ohne die man sich ein Finanzamt gar nicht denken kann: der Gerichtsvoll­zieher! Gar mancher, dem sein Steuerzettef zu denken gibt oder der bei Ueb^rreichung de- Psändungsbescheidesein langes Gesicht macht", kann sich gleich bei dem gegenübe rwvhnenden Photographen im Bilde verewigen lassen. W.rd'sähm aber schlecht dabei, so kann er Rat und Hilfe beim benachbarten Arzt finden. Viel- leicht tut's auch ein Schnaps; den kann er gegen­über int Hotel bekommen. Dort kann er auch in anderer Weise seine Sorgen hinunterspülen. Glaubt aber gar einer, der hohe Steuerdruck set für ihn die reinsteGäulskur". so steht ihm der in der Rähe wohnende Tierarzt vielleicht zu Diensten. Hilft dies alles nichts. und es meint einer, die Zeit fei gekommen, wo er sich be­graben lassen könnte, so hat er ni<f)t wett zum Friedhof, und der T o t e n g r a b e r wohnt gleich dabei. So ist also allen Geschmacksrich­tungen Rechnung getragen.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Freiw. Gailfche Feuerwehr, 8/* Upr: Haupa- Übung. Gießener Freiw. Feuerwehr. 8 Uhr: Hauptübung. Lichtspielhaus. Bahnhofstrave: Pat und Patachon als Schwiegersöhne". Astoria-Lichtspiele:Gauklerblut".

WSR WarumHunds tage"? Die Hundstage, jene Zeit, in welcher die Sonne 120 bis 150 Grad der Ekliptik, d. h. das Zeichen des Löwen, durchläuft, beginnen am 24. Juli und endigen am 24. August. Sie erhielten ihren Ramen deshalb, weil diese Periode, bei den alten Grie­chen Opera genannt, dadurch bestimmt wird, daß der Hundsstern oder Sirius während derselben gleichzeitig mit der Sonne auf- und untergeht. Da in Griechenland während der Hundstage meist große Hiße herrscht, empfahlen die 2lerzte dort schon in ältersten Zeiten den Menschen eine recht vorsichtige Lebensweise, damit sie vor Krankheit bewahrt blieben Hippokrates (460 bis 377 v Ehr) der berühmteste Amt des Altertums, der erste, der eine wissenschaftliche Begründung ter Heillmrde versuchte, behauptete, daß die Men- fvi)en in den Hundstagen häufig von schweren Gallenkrankhenen befallen würden und deshalb größte Vorsicht walten lassen mühten. - Man glaubte auch Sie Pest entstände aus der Hunds- tagsbihe, und es wurde deshalb bei den Athenern der Sonnengott Apollo, der die Hihe sandte, auch derHündische" genannt.

Sie Ablösung der Markanlei« hen öffentlich-rechtlicher Körper­schaften. Die hessische Regierung hat jetzt zur Wahrnehmung der Rechte der Anleihe- gläubiger der in Frage kommenden öffentlich- reocklichen Körperschaften, wie bei den An­leihen der Gemeinden und Gemeindeverbände Regierungsrat Dr. Ahl in Darmstadt als Treu­händer, sowie die RegierungSräte Dr. Braun in Gießen. Falk in Mainz und Dr. Wolf in Darmstadt als seine Vertreter bestellt. Der Treuhänder und seine Vertreter bilden auch die Treuhänderstelle mit dem Sih in Darmstadt. Luisenp'.ah 2. Die Tätigkeit der Treuhänderstelle erstreckt sich nicht auf bie Aufwertung von Spar­einlagen, da hierfür die Bestimmungen des Auf­wertungsgesetzes vom 16. Juls 1925 maß­gebend sind.

<l* Für den mittleren staatlichen Eichdienst sind von dein hessischen Minister für Arbeit und Wirtschaft neue Bestimmungen erlassen worden. Hiernach wird die Befähigung zur Anstel­lung im mittleren staatlichen Eichdienst durch einen Vorbereitungsdienst und das Bestehen einer daran anschließenden Prüfung (Eichmeisterprüfung) nach Maßgabe der Vorschriften der jetzt erlassenen Verordnung erlangt. Voraussetzungen für die Zu­lassung zum Vorbereitungsdienst sind: 1. die Eigen­schaft als Deutscher, 2. die Vollendung des 22. Le­bensjahres, 3. eine gute, durch amtsärztliches Zeugnis nachzuweisende Gesundheit, 4. vorwurfs­freie Lebensführung, 5. sitze vollständige Lehre im Schlosserhandwerk, im Maschinenfach ober einem verwandten Fach und das Bestehen der Gesellen­prüfung ober einer ihr gleichgestellten Prüfung, so« wie eine praktische Tätigkeit von mindestens zwei Jahren in einem dieser Berufe, 6. das Bestehen der Abschlußprüfung einer höheren Maschlnenbau- schule oder einer gleichwertigen Anstalt. Bewerber, die nach der praktischen Ausbilduna noch minde­stens ein weiteres Jahr in einem Dem Eichdienst förderlichen Beruf praktisch tätig gewesen sind, können schon nach dem erfolgreichen Besuch von wenigstens drei Klassen einer höheren Maschinen- bauschulc oder gleichwertigen Anstalt zum Vorbe­reitungsdienst zugelassen werden, wenn sie ihre Be- fähigung in einer mindestens 6 Monate dauern­den, im bürgerlich-rechtlichen Vertragsverhältnis abzuleistenden probeweifen Beschäftigung im Eich- dienst und durch Ablegung eine Prüfung vor dem Landes-Eichungsamt dargetan haben. Die Ge­suche um Zulassung zum Vorbereitungsdienste sind bei der Eichungsaufsichtsbehörde (Hessisches Landes- Eichungsamt in Darmstadt) schriftlich einzureichen. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft entscheidet nach Anhören der Eichungsaufsichtsbehörde über die Zulassung zum Vorbereitungsdienst. Die zuge­lassenen Bewerber führen während des Borberei« tunasdienstes bie dienstliche Bezeichnung ,,Elch- meisteranwärter". Sie werden vom Vorstand der Aufsichtsbehörde auf den Verfaffungs- und Dienst­eid verpflichtet. Der Vorbereitungsdienst dauert 2- 3ahre. c _ .

* Wiedereinführung der Ret- LüngSmedaille? Die Abg. Dr. Werner ynb Gen. (Dn.) haben im Hess. Landtag einen

Antrag eingebracht, in dem nach einem Hinweis auf das Beispiel Preußen- die heffische Regie­rung ersucht wird, die baldige Wiedereinführung der Rettungsmedaille am Bande ins Auge zu affen.

* Zur 80jährigen Jubelfeier deS Tv. 1846 Gießen am 7. und 8. August find die Vorbereitungen im vollen Gange, so daß man, wie uns geschrieben wird, schon jetzt für einen würdigen Verlauf dieser Veranstaltung bürgen kann. 3n dem Verein findet man die Turner biS zum hohen Alter in zielbewußtem Streben unter fachkundiger Leitung an der Ar­beit, um am 7. und 8. August zu zeigen, daß die Kunst Jahns auch hier treue Pflege ge­sunden hat. Das Turnen der Besten des 9. Kreises Mittelrhein wird einen Höhepunkt bilden. 11. o. haben bereits Höflich, der 1. Sieger bei den Kampsfpielen in Köln, sowie Pfeiffer, Frankfurt a. M. (Mitglied der Amerikariege), ihre Mitwirkung zugesagt.

Eine Kindesleiche im Berg» werkswald aufgefunden. Der Poleizei- bericht meldet: Am Samstag vormittag wurde von beerensuchenden Kindern die Leiche eines neugeborenen Kindes in einem Teich des Berg- werlswalbeS gefunden. Die an Ort und Stelle gemachten Feststellungen ergaben folgendes: Es handelt sich um ein Kind weiblichen Geschlechts. Es war zunächst mit einem Rebenblatt des Gießener Anzeiger", Ausgabe Anfang März 1926, umhüllt, dann in ein weißes, an der Seite zerr.fsenes Kinberhemd eingewickelt und schließlich in braunes Pavier eingeschlagen und mit einem Stück weißem Häckelgarn pakctähnlich verschnürt. Rach ärztlichem Gutachten hat das Kind, das sich im 7. Enttoickelungsmonat befand, etwa zwei Tage an der Fundstelle gelegen. Don bet Kindesmutter fehlt biS jetzt jede Spur. Personen, die zweckdienliche Angaben machen können, wer­ben gebeten, sich mit bet hiesigen Kriminal­polizei ins Benehmen zu sehen. Verschwiegenheit wird zugesichert.

WSN. Billiger Sonntagssonderzug von Kassel nach Heidelberg. Die Reichs- bahndirektion Kassel beabsichtigt, vielfachen An­regungen entsprechend, in Kürze einen billigen Sonntagssonderzug von Kassel über Kirchhain, Marburg, Gießen unb Frankfurt nach Heibel- berg fahren zu lafsen. Der Zeitpunkt steht noch nicht endgültig fest.

* Zur Bekämpfung von Vieh­seuchen hat der hessische Minister des Innern folgende Anordnung erlassen: Alle von Vieh­händlern und Transportunternehmern zum Vieh- transport benutzten Fahrzeuge aller Art und alle sonstigen zu oder bei einer solchen Viehbeforbe- rung benutzten Behältnisse und Gerätschaften (Kisten, Käfige. Korbe. Krippen. Tränkvorrich­tungen. Latierbäume, Hürden, Ketten. Anbinbe- stricke usw. find alsbald nach jedem Gebrauch zu reinigen und zu desinfizieren.

D i e Maul- und Klauenseuche ist in Grünberg in einem weiteren Gehöft ausge­brochen, ferner wurde sie noch im Chausseehaus Dortelweil und in Holzhausen v. d.H. sestgestellt. In Queckborn unb Lauter (Kreis Gießen) und in Harheim unb Heldenbergen (Kreis Friedberg ist die Seuche erloschen.

Die Rundfunkteilnehmer in Deutschland. Rach dem Stande vom 1. Iuli betrug im Deutschen Reiche die Zahl der Rund­funkteilnehmer 1 224 057. Gegen den Stand vom 1. Juni ist ein Rückgang um 37677 Teilnehmer etngeteetert.

75 Zahre Gießener BurschenschaftGermania".

Bei regster Beteiligung ihrer Alten Herren und in Anwesenheit von Dozenten und Gästen aus der Bürgerschaft feierte die Gießener BurschenschaftGermania" vom Frei­tagabend bis einschließlich heute ihr 75jähri- g e s D e st e h e n. Die Feier gestaltete sich zu einem neuen eindrucksvollen Bekenntnis zu dem burschenschaftlichen Gedanken im allgemeinen und für die GießenerGermania" im besonderen.

Ein Begrühungsabend für die Bun­desbrüder und deren Angehörige am Freitag­abend im Cafe Astoria leitete die Jubiläums­feier ein.

Der Samstag brachte am Vormittag die Alte Herren - und Bundesversamm­lung auf dem Germanenhaufe, am Rachmittag einen Vortrag unb bie

Gedächtnisfeier für bie gefallenen Dunbesbrüber in der Reuen Aula der Universität. Zu dieser Totenehrung hatten sich die BundeSbrüder unb geladenen Gaste so zahlreich eingefunben, bah die Auk» nahezu vollständig beseht war.

Zunächst sprach Staatsanwalt S t e l z n e r (Bbenruthia-Erlangen), Geschäftsleiter der bur- schcnschastlichen Blätter. Er sprach in seinem Vortrag über die ' burschenschastlichen Auf­gaben gegenüber Voll und Staat in der Gegen­wart und der Zukunst. Er betonte besonders, baß der Einzelmensch rncht allein in der richtigen Weise wirken könne, sondern daß er seine Tätig­keit innerhalb einet bestimmten Gemeinschaft eines bestimmten Wirkungskreises entfalten müsse, durch den dann seine Tätigkeit aufs Volls- ganze übertragen werden müsse. Dazu gehöre neben der Ausbildung deS Geistes und des KörperS vor allem die Selbsterziehung des Ein­zelnen.

Dem .tiefschürfenden Dorttag folgte bie schlichte, eindrucksvolle Gedächtnisfeier. Unter Orgelspiel wurden die Dundesfahnen im Trauerflor von den Chargierten in bie Aula ge- empsangen. Hierauf hielt A. H. Pfarrer B e r - tragen und stehend von der Trauerversammlung ger die Gesallenen-Gedächtnisrede. Die Gestalten der Toten verblassen, und zwar immer mehr, je- weiter die Zeit sortschreitet. Ihr Geist jedoch lebt weiter unb dieser Geist soll unS ein Symbol der Pflicht fein, die wir zu er­füllen haben gegenüber Voll unb Vaterland. Anschließend verlas der Redner bie Ramen der 31 im Weltkrieg gefallenen Dunbesbrüder. So­dann verharrte die Versammlung zum Geden­ken an die Ges allen en eine Minute stehend in Schweigen. Orgelspiel unb feierlicher Ausmarfch der Fcchnen schloffen bie würdige Gedenkstunde.

Am Abend gegen 8 Uhr bewegte sich vom Germanenhaufe auS der

Festzug

durch bie Stabt nach dem Haufe des Gefell- schaftsverems. Der stattliche Zug wurde überall von der Bevölkerung mit interessierter Auf­

merksamkeit empsangcn. In dem Saale des De- fellschaftSvereinS schloß sich bann bet

Festkommers

an. zu dem Vertreter dos Lehrkörpers der ilni- versitäl mit dem Rektor an der Spitze, Ab­gesandte der Eladtverwallung und bet Militär- 'chörde unb zahlreiche geladene Gäste aus der Dürgersthast sich eingefunben hatten. Auf der Galerie hatten bie Damen in sehr stattlicher Zahl Platz genommen.

Der erste Chargierte, stuck. Kuba, leitete den Kommers mit einer Begrüßungsansprache ein, in deren Rahmen er den Gründern der Bur- schenschast ..Germania" und den Alten Herren ür ihre Arbeit und Förderung Dank sagte.

Der 1. Dorfitzende des Alten Herren-Der- bandes. Oberlandesgerichtsrat Dr. Schneider- Darmstadt, sprach in seiner Festrede über den burschenschastlichen Gedanken im allgemeinen unb die Bestrebungen der GießenerGermania" im besonderen. Durch einen kurzen RÜckbllck auf die wechfelvolle Geschichte de« DundeS. über die wir am Freitag berichtet haben, gab der Redner ein fesselndes Bild von dem Wirken und Streben derGermania", die stets ein treueS Glied der Burschenschaft und ein geachtetes Glied der Uni­versität Gießen gewesen fei. Den sehr verdienten Bundesbrüdcrn Dornseif. Fuhr. Strack Metzer. Schäfer und Haupt entbot der Redner besonderen Dank und Gruß. Der but- schenschaftliche Geist sei in derGermania" unter dem WahlspruchGott, Ehre. Freiheit, Dater- lanb" allezeit lebendig gewesen, und wenn die Burschenschaft auch fernerhin diesem Wahlspruch treu bleibe, dann brauche man um ihre gute Zulunst nicht zu bangen.

Die Damen der Bundesbrüder ließeit hierauf durch eine junge Dame derGermania" zwei neue Fahnen überreichen, eine Gabe, die mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde.

Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. B ü r k e r dankte derGermania" zunächst für die Einladung zum Kommers, ihr bie berzlichsten Glückwünsche ber Lanbesuniversität zu übermitteln, sei er erschienen. Ein Sttftungsfesttag wie ber heutige sei nicht nur ein Tag der Freude über das so lange Bestehen der Korporation, er müsse auch ein Tag der Einkehr, der Besinnung sein. Die Germania könne im ganzen mit hoher Befriedigung auf die vergangenen 75 Jahre zurückblicken, sie habe mit erreichen helfen, was die Deutsche Burschenschaft so leidenschaftlich erstrebt habe. Den nationalen Staat in Freiheit. Zwar gelte auch für sie

Richt in einem glatten Zuge Wird ein großes Ziel erreicht. Aut unb nieber schwingt bie Wage, Eg sie Gleichgewicht anzeigt. Auf unb nieber tanzt dein Schifflein In den Wogen dieser Welt, Sorg nur, daß sein Kiel trotz Schwanken Fest die Richtung beibehält.

In unbeirrbarem Idealismus habe die Germania sich hohe Ziele gesetzt und auch nach Erreichung des Hauptzieles im Iahre 1871 und nach dem Zusammenbruch im Iahre 1918 nicht die Hände in den Schoß gelegt. Wie vielseitig die Ziele seien, gehe aus dem Handbuch für den Deutschen Burschenschafter hervor, das Geheimrat Prof. Dr. Haupt, alter Herr der Burschenschaft und hochverehrter Ehrensenator der Landesunlversttät, herausgegeben und der Hessischen Landesuniversl- tat Gießen gewidmet habe. Eine stattliche An­zahl von alten Herrn habe sich zum Feste ein­gefunben, sie bringen im Goethefchen Sinne mit sich:

Die Bilder froher Tage, Und manche lieben Schatten steigen auf: Gleich einer allen, halbverklungenen Sage Kommt erste Lieb' unb Freundschaft mit herauf: Der Schmerz wirb neu, es wiederholt bie Klage Des Lebens labyrinthisch irren Lauf, Unb nennt bie Guten, die, um schöne Stunden Vom Gluck getäuscht, vor mir hinweggeschwunden. Den alten Herren könne der Rektor versichern, daß die jungen Germanen in wissenschaftlicher Beziehung ihre Pflicht tun, daß sie zur Eini­gung der Gießener Studentenschaft viel bei­getragen haben, und bei den Leibesübungen her­vorragend beteiligt sind, es seien also alle Be­dingungen für eine glückliche Zukunft der Ger­mania erfüllt. Der Rektor und die anwesenden Dozenten der Landesuniversität »vereinigten sich zu einem Salamander aus ein ferneres Blüheir, Wachsen und Gedeihen der BurschenschaftGer­mania".

Beigeordneter Dr. Hamm überbrachte die Grütze uitb Glückwünsche des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung. Er wies auf bie innige Verbunbenheit der Gießener Bürger mit der Studentenschaft hin, und hob das gute Einver­nehmen hervor, das zwischen Bürgern und Stu­denten bis zum heutigen Tage geherrscht habe. Weiter erinnerte der Redner an die stet« Be­kundung höchsten vaterländischen Pflichtgefühls durch di: Stu' entenschast Getreu ihren Gr»mdsätzev. werd? dieGermania" und die gesamte deutsche Burschenschaft auch in ber Zukunft Baustein um Baustein zum Aufbau eines neuen, schönrren Deutschlarck) beitragen. Deutsch fein, fei alles! Daß derGermania" unb der deutschen Burschen­schaft die hohe vaterläi^ifche Ausgabe gelingen und daß schon in naher Zeit baä deutsche Vater­land keinen Feind mehr auf seinem Boden haben möge, damit wir bann als freie beutsche ^Härtner an einem neuen Deutschland arbeiten können, das sei der Wunsch, de.» er in dieser FeiersttnÄ)e ausspreche unb mit den» er auf das Wohl der Germania" trinke.

Leutnant Merz gab den Grüßen und Glück­wünschen des Kvmmandeurs und bes Offizier- klTrps unserer Garnison Ausdruck.

Ein Alter Herr, Angehöriger ber älte­sten Semester, dankte in deren Ramen für die Ehrungen und gab seiner Freude über bas gute Gedeihen berGermania" Ausdruck.

Weitere Worte deS Glückwunsches sprachen noch für dieRote Richtung" der Deutschen Burschenschaft stud. Kohler- Arminia-Mün­chen, für den Gießener D. S. stud. Richter- Alemannia, für bie übrigen studentischen Gäste stud. W o i t t - Teutonia-Berlin, für bie Ver­einigung alter Burschenschafter (V. a. B.) Privat­dozent Prof. Dr. V a r g e s, und schließlich für den Verein deutscher Studenten stud. S ch ü le r.

Im weiteren Verlaufe des Abend« sprach noch Prof. Dr. Hornesfer in sehr inter­essanten Ausführungen über die Bedeutung und Rotwenöigkeit der Korporationen im Leben der Unwersitat und des Volles. Er betonte die Wichtigkeit ter Selbsterziehung, die aber nicht in ber Einsamkeit erreicht werde, sondern nur durch Wechselwirkung, durch Gemeinschaft, durch das Buntesroesen. Er mahnte zum Festhalten an die­sem Bundesgedaicken. aber auch zum Festhalten an den Formen be« Dundeswesens. Die Form

ist das Debrauchtum. ein gewisser Ritus, ber die Menschen immer wieder zusammenschließt Diese Formen müssen ober lebendig unb frisch erhalten werden, und sie sind unserem nationalen Leben anzupaNen. Rur ein gewaltiger nationaler Geist kann un« eine neue und schöne Zukunft zurück- gewinnen. Die Korporationen müssen ausgestal­tet unb au «gebaut werben, damit sie die guten Kräfte unserer Studentenschaft immer wieder an sich heranziehen können. Eine Gemeinschaft von Gehalt und Form muh allezeit bestehen, bann, wird es nicht nur um bi« Studentenschaft gut stehen, sondern auch um unser Vaterland. Die deutsche Ei»»heit war die Losung 1870/71, bie deutsche Einheit »nutz die Losung auch für die Zukunft unseres deutschen Volles sein. Dann besteht auch da« alte große deutsche Vaterland. Deutschla7?d über alle«! Anschließend an diese begeiflernben Worte sang die Versammlung ste­hend bie Rationalhymnc.

Hierauf folgte der feierliche Landesvater. dem sich noch einige Stunden weiterer echt studentischer, deutscher Geselligkeit anschlossen.

Der Sonntag

vereinigte die Dundcsbruder vormittags zu einem Frühschoppen im GasthausHindenourg". sodann zu einem gemeinsamen Essen im Gesellschastsver- ein. Den Abschluß des Tages bildete ein Ball.

Für heute, Montag, ist ein Ausflug nach Bad-Rauheirn vorgesehen.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 16. Iull. Ein Bergmann L. von Leihgestern hat seinen Schwager, den Bergmann K. von da. wegen wörtlicher und tätlicher Beleidigung verklagt, weil dieser ihn am Hals gepackt unb zu ihm gesagt habe, er fei der schlechteste Kerl von Leihgestern und habe seinen Sohn in Zwangserziehung gebracht Bei der heutigen Beweisaufnahme stellte fich heraus, daß K. den L. allerdings an» Hal« gepackt und ihn, wie angegeben beleidigt hat. datz aber L. dem K. vorher einige Liebenswürdig­keiten gesagt, die ebenfalls beleidigender Ratur waren. Er hatte ihm nämlich vorgeworfen, seine Buben seien Spitzbuben, er habe dem Bürger­meister erklärt, er wolle den K. nicht als Vor­mund für seine Kinder haben, da er selbst einen Vormund nötig habe. Unter diesen Umständen kam e« zwischen den Parteien zu einem Ver­gleich, nach dem die Parteien ihre beider- fettigen Aeußerungen mit Bedauern zurück­nahmen und je die Hälfte ber gesetzlichen Ge­bühren und Auslagen zahlten. Der Privatkläger L. muß außerdein das Sonberhonorar feine« Anwalts leibst tragen.

Aus vem AmL^verkündignttgSblatt.

Das AmtsverkündigungSblatl Rr. 5 7 vorn 16. Iull enthält: Kurzarbeiterftrr- forge. Kreisstratzeriperre. Statistik ber Weinmost- und Obst er Reichsviehseuchen- gesey. Maul- Und Klauenseuche In (Grim­berg, Queckborn unb Lauter. BerbanbStag bet Freiwilligen Feuerwehren. Lehrgänge für Schul tWmen unb Bewegungsspiele. Dienst- nachrichten. Straßensperre. Verunreinigung ber Straßen.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schriftleitung.)

Der Älingelbach.

Bei einer Versammlung der durch das Hoch- wasser des Klingelbachs Geschädigten hielt ein Sachverständiger, ein Ingenieur, einen aus- gezeichneten Vortrag, in dem er die ganze Klingel­bachfrage nach allen Seiten beleuchtete. Er wies ins­besondere eingehend nach, daß eine endgültige Re« gulierung des Klingelbachs, ohne Aenderung seines jetzigen Laufes, möglich sei, die jede Ueberschwernmungsgefahr künf. tighin ausschließe. Bei dem Interesse, daß die Allge­meinheit und vor allem die Steuerzahler, der Frage entgegenbringen, wäre es dankbar zu begrüßen, wenn der Herr sich entschließen wollte, die Grund­züge seiner Ausführungen imGießener Anzeiger" zu veröffentlichen. -x.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Senders.

(Aus der ^Radio-Umschau".)

Dienstag, 20. Iull.

4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hau«- Orchesters: Rossini. 5.45 bi« 6.05 Uhr: Die Lese­stunde. 6.15 bis 6.45 Uhr:Der Vogel in Sage und Geschichte". Vortrag von W. Limberger. 6.45 bis 7.15 Uhr:Schillers Weltanschauungs­gedichte im neuen Jahrhundert (Der Antritt des neuen Jahrhundert«: Fragment: deutsche Gröhe: Sehnsucht: An die Freunde: Der Pil­grim)", Vortrag von Pfarrer TaeSler. 7.15 bis 7.45 Uhr: Funkhvchschule Frankfurt:Ueber das Baben", Bortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Fifcher-Defoy. 7.45 bis 8.15 Uhr: Funkhoch­schule Frankfurt:Veite Wege ber gegenwärti­gen Philosophie: Auferstehung der Meta­physik II, Vortrag von Prlvotdozent Dr. F. Heinemann. 8.15 bis 9.15 Uhr: Liliencron- Abend. 9.15 bi« 10.15 Uhr: Konzert be« Klavier- Humoristen Woldemar Sack«. Anschliehenb: Reue Schallplatten.

/«HOKOhADS vom Guten cfai Bastel

Vertretung: Wilh. Erb, Gießen, Goethestr. 44