arbeiten der Unterkommission bei den künftigen Ab- rüstungsverhandlungen die einzelnen militärischen Waffenkategorien der Länder miteinander ver t ichen werden und nicht die gesamten m i l i -- tälkischen Kräfte eines Landes.
Der englische Streik.
Eine Negierunflsvorlage über die Achtftundenarbeitszeit.
London, 19. Juni. (WTB. Funkspruch.) Am Montag wird im Unterhause eine Vorlage eingebracht werden, die eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit in den Bergwerken auf acht Stunden fcstsetzt. Die Regierung beabsichtigt, diese Bestimmung für fünf Jahre in Kraft zu setzen. Eine endgültige Entscheidung über diesen Punkt wird aber erst am Montag in einer Sondersitzung des Kabinetts erfolgen.
Zur gleichen Zeit hofft man auch, den Text des zweiten Gesetzentwurfes für d i e Reorganisation des Bergbaues fertigge- stellt zu haben, da die Regierung bemüht ist, im Unterhaus die beiden Gesetze als Teil eines vollständigen Planes vorzulegen. Die Achtstundenbill wird nur kurz fein und vielleicht nur zwei bis drei Sätze enthalten. Obwohl die Arbeiterpartei energischen Widerstand leisten wird, holst die Regierung doch, das Arbeitszeitgesetz in wenigen Tagen durchzubringen. Die Annahme des zweiten Gesetzes über die Reorganisation des Bergbaues wird wahrscheinlich schwierig sein, da mit einer Reihe von Abänderungsanträgen zu rechnen ist.
Die Lage der Bergarbeiter.
London, 19. Sunt. (WTD. Funkspruch.) Der ßekretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, brachte gestern abend in einer Rede zum Ausdruck daß die Arbeiter vielleicht durch den Hunger zur Annahme niedrigerer Lohnsätze gezwungen werden könnten, daß sie sich aber selbst durch den Hunger nicht zur Annahme einer längeren Arbeitszeit oder zu bezirksweisen Lohnvereinbarungen zwingen lassen würden.
Wie die Mvrgonblätter aus London melden, konnte zum erstenmal seit dem Begum des Streiks der Dergarbeiterverband von Lancashire die Streikunterstützung an seine 80000 Mitglieder nicht mehr zahlen.
Neuer Amstutz m Portugal.
Paris. 18. Juni. (Sil.) Nach Meldungen aus Lissabon hat General Costa gestern morgen den Ministerpräsidenten Cabecadas in einem Schreiben zur Demission aufgefordert und angekündigt, daß er selb st die Ministerpräsidentschaft und das Innenmini st erium übernehmen werde. Cabecadas ist z u rü ckg et reten. General Costa besetzte verschiedene strategische Punkte der Hauptstadt und lieh die T r u p P e n e i n - marschieren, vorläufig ist es In Lissabon ruhig. Die Bevölkerung befürchtet aber neue Schwierigkeiten. Nach einem Funkspruch aus Lissabon sind die Zivilpersonen, die bisher das Kolonial- bzw. Unterrichtsministerium innehatten, durch Militärs ersetzt worden.
General Gomez Costa betonte in einer Erklärung. daß die gegenwärtige Bewegung einen . republikanischen Charakter trage. Der Finanzminister ist zurückgetreten und durch l einen General ersetzt worden. Major Philomen Tamara hat das Ministerium des F Innern übernommen. Der Finanzminister, der Minister des Innern und der Minister des Aeuheren haben ein Triumvirat gebildet.
Neue Operationen in Marokko.
Paris, 18.Juni. (TU.) Rach einer Meldung der „La V o z de G u i p u z c o a" aus Tetuan baden die französischen Truppen Sche- schauen besetzt. Die spanischen Truppen bereiten mit Unterstützung der französischen Kolonnen eine Operation vor, die zum 3ie(e hat, die Verbindung zwischen der östlichen und westlichen spanischen Zone herzustellen. Rach einer Meldung des „Journal s" aus Rabat gehen die Kämpfe zwischen den einzelnen marokkanischen Stämmen weiter. Bei Taza machte sich eine Gegenbewegung der Stämme geltend, die französische Flieger durch Bombenabwürfe niederzuschlagen versuchen. Der frühere französische Fremdenlegionär Siems, der deutscher Staatsangehöriger ist, befindet sich als Gefangener der Franzosen in Meknes und soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Reichsinnenminister Dr. Külz zum Volksentscheid.
Berlin, 18. Juni. (SU.) Der demokratische Reichsinnenminister Dr. Külz gewährte einem Pressevertreter eine Unterredung über seine Stellungnahme zum Volksentscheid überdie entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser.
U. a. führte Dr. Külz als Bedenken gegen die entschädigungslose Enteignung an: „Nachdem wir seit acht Jahren die Revolution hinter uns haben und nachdem inzwischen in den meisten Staaten dieAuseinandersehungmitden Fürsten durch die Volksvertretung geregelt ist, geht es nicht an, sich zu einer Maßnahme zu entschließen, die ihrem Charakter nach revo- l u t i o n ä r ist. Gerade weil ich fest auf dem Boden der demokrattschen Republik stehe, bedauere ich diesen Volksentscheid aufrichtig. Denn ich wünsche, daß der heutige Staat nicht nur machtpolitisch befestigt dasteht, sondern daß er moralische Eroberungen bei allen denen macht, die ihm innerlich noch fernstehen. Ich halte die entschädigungslose Enteignung aber auch für eine große Ungerechtigkeit. Manche Fürsten haben für Kunst und Wissenschaft, für Kultur- und Wohlfahrtszwecke mehr Mittel aufgewandt, als ihnen aus der Zidilliste zuslossen und selbst zur Bestreitung der normalen Staatsaufgaben gan^ erhebliche Zuschüsse gegeben. Wenn man dies würdigt, so ist es mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit unvereinbar, alle Fürsten gleichmäßig ohne Entschädigung zu enteignen.
Der Fall Lessing.
Berlin, 18. Juni. (WB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt eine Erklärung bekannt, in der es u. a. heißt: „Die unterzeichneten Professoren von den preußischen technischen Hochschulen und Universitäten sind aus freier Entschließung zusammcngetreten. um den Versuch zu machen, die an der technischen Hochschule zu Hannover entstandenen Unruhen wenn möglich sofort zu beseitigen. Zu diesem Zweck haben sie sowohl mit Professor Lessing, wie mit der Vertretung der Hannoverschen Studenten Fühlung genommen. Die Studenten haben zugegeben, daß die an der Hochschule vorgekommenen Störungen und Unregelmäßigkeiten dem Recht und der akademischen Ordnung widersprechen, und daß darum zur Wahrung der akademischen und staatlichen Autorität die Durchführung der Disziplinarverfahren unvermeidlich ist. Andererseits hat sich Professor Lessing bereit erklärt, kollegial an der Befriedung der Hochschule mitzuarbeiten. Das unentziehbare Recht der venia legendi muß ihm gewahrt bleiben. Er beabsichtigt, die von ihm für diesen Sommer angekündigten Vorlesungen bis zum Schluß des Sommerhalbjahres zu Ende zu führen und erwartet, darin keine Störungen durch Studenten zu erfahren. Seine Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Hannover würde er mit Ablauf des Semesters ein stellen, in der Erwartung, daß er vom Ministerium ein dauerndes Arbeitsgebiet zur Durchführung seiner wissenschaftlichen Forschungspläne erhält. Die Unterzeichneten haben dem Herrn Minister empfohlen, auf dieser Grundlage das Weitere zu veranlassen." Gez. Dr. Orlich, derzeittger Rektor der technischen Hochschule Berlin, gez. Dr. Fleischmann, derzeittger Rektor der Universität Halle, gez. Dr. Scheel, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Hochschulen, gez. Dr. Nernst (Berlin), gez. Dr. Kahl (Berlin) M. d. R., gez. L ü - ders (Berlin). Hierzu schreibt der Amtliche Preußische Pressedienst: Nachdem die genannten Professoren dem Kultusminister die in der obigen Bekanntmachung enthaltene Lösung des Hoch- schulkonflikts empfohlen haben, hat der Minister diesen Anregungen im Einverständnis mit Professor Lessing entsprochen. Demgemäß ist dem Professor Lessing vom Wintersemester ab anstelle seines bisherigen Lehrauftrages ein dauernder Forfchungsauf- trag erteilt worden. Professor Lessing wird seine Vorlessungen bis zum Ende des Sommersemesters fortsetzen. Er wird der technischen Hochschule zu Hannover vermöge seiner venia legendi weiterhin als außerordentlicher Professor angeboren. Die Disziplinarverfahren gegen die Studenten werden von Rektor und Senat der technischen Hochschule ordnungsgemäß weiter geführt.
Hessischer Landtag.
D a r m st a d t, 18. Juni.
Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.45 Uhr.
Ministerialdirektor Spamer beantwortet die von dem Abg. Dr. Werner etngebrachte Anfrage über den „Fröhlichen Weinberg" und den Potemkin-Film im Auftrage des Ministers des Innern. Der Antwort ist zu entnehmen, daß der Minister mit dem Fragesteller über den Unwert des „Fröhlichen Weinbergs" einer Meinung ist, aber, da die Ruhe nicht gestört werde, würden Aufführungen nicht verboten. Der Po- temkin-Film werde zur Zeit in Hessen nicht vorgeführt, röenn dies aber geschehen sollte, werde er verboten . (Lebhafte Bravo-Rufe rechts: erregte Zwischenrufe links.)
Der Präsident stellt mit Zustimmung des Hauses fest, daß die beiden Gesetze über das Straßenwesen in Hessen und über das Bauwesen der Provinzen und Kreise am 1. April 1927 in Kraft treten.
Hierauf stellt der Präsident den Antrag der Abg. Dr. v. Helmolt und Gen., Dingel- deh und Gen. und Dr. Werner und Gen.: „Abänderung der Hess. Verfassung vom 12. Dez. 1919" zur Beratung (Auflösung des Landtags durch einen Beschluß).
Präsident Adelung macht daraus aufmerksam. daß die neue Geschäftsordnung hier in Kraft tritt, und zwar Art. 35 Abs. 2, der ausspricht, ein abgelehnter Antrag könne in derselben Landtagsperiode nur dann noch einmal beraten werden, wenn der Landtag das für zulässig erklärt. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte, in der
Abg. Dingeldeh (D.Vp.) den Standpunkt vertritt, daß es sich hier nicht um eine Wiederholung desselben Antrags handelt, sondern seinerzeit wäre es ein Inittattvaittrag gewesen, jetzt ein Ersuchen auf Verfassungsänderung. Unter welchen Motiven (zur Linken gewendet) Sie den Antrag ablehnen, ist uns gleichgültig, uns kommt es nur auf die Feststellung an, daß Sie ihn ablehnen.
Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) vertritt den Standpunkt, daß ein neuer Antrag vorliegt.
Abg. Bornemann (Soz.) vertritt die Anschauung, daß derselbe Antrag vorliege, weil der Sinn derselbe sei.
Abg. D i n g e l d e y (D. Vp.) entgegnet: Der Sinn der Sozialdemokraten in der Abwehr ist derselbe, sie wollen ihre Mandate behaupten. (Unruhe links.)
Der Antrag auf Zulassung des Antrages der Oppositionsparteien wird mit einer Mehrheit, die sich aus Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum zusammensetzt, abgelehnt.
Das Volksbegehren für Auslösung des Landtags.
Präsident Adelung verliest den Inhalt eines Schreibens des Wirtschafts- und Ord- nunasblocks, in dem nur die Sammlung der Unterschriften hingewiesen wird, durch die eine Auflösung des Landtags verlangt wird. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen wird die Einleitung eines Verfahrens zur Volksabstimmung gefordert. Der Präsident teilt dazu mit, daß er das Ersuchen an das Ministerium weiterleiten werde, das dann die vom Gesetz vorgeschriebenen Maßnahmen anordnen und zunächst einen Landeswahlleiter bestimmen werde.
Nach Mitteilung des Präsidenten liegt ein Antrag der soz. Abgeordneten Kaul, Wi d -- m a n n und Gen. vor, in dem auf Anregel- mähigkeiten und Gesetzwidrigkeiten bei der Än- terschriftenfammlung hingewiesen wird. Darum sei eine eingehende Prüfung zu verlangen, ob die Unterschriften echt und eigenhändig vollzogen wären.
Nach wetterer Debatte, an der sich die Abgeordneten Kindt (Dn.), Nutz (Ztr.) und Dr. von H e l m o l t (Dbd.) beteiligen, wird der Lieberweisungsantrag einst-immig angenommen.
Es werden nunmehr Anträge zur Son- dergebäudesteuer beraten. Dem Hause ist ein Antrag der Abgeordneten Glaser und Fraktion, Dingeldeh und Fraktion, und Kindt und Fraktion über die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz zugegangen, der lautet: Wir beantragen: Die Veranlagung und Erhebung der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz auf Grund der reichsgesetzlichen Besttmmungen erfolgt in Hesien im Rechnungsjahr 1926 unter Aushebung der Verordnung vom 10. März 1926 durch ein Gesetz.
Dieser Antrag wird nach kurzer erregter Aussprache abgelehnt.
Ein Antrag Kindt (Dntl.) wünscht Rücksichtnahmen bei der Sondersteuer, ähnlich den Besttmmungen in Preußen für Bedürftige (Kleinrentner ufa>.). Der Ausschuß empfiehlt diesen Antrag ver Regierung als Material zu überweisen.
Abg. Glaser (Bbd.) wünscht, daß die Sondersteuer nicht ihre Grundlage in einer Verordnung hat, sondern in einem Gesetz.
Abg. Kindt (Dntl.) begründet seinen Antrag mit dem Hinweis auf zahlreiche Beispiele, die ihn rechtfertigten und bittet um Annahme, die Aeberweisung des Antrages der Regierung als Material, sei nur ein Begräbnis.
Abg. H a urh (D. Vp.) schließt sich der Auffassung des Vorredners an.
Abg. Lu? (Soz.) legt dar, wie die Verordnung zustande kam.
Abg. Angermaier (Kom.) stimmt teilweise dem Anträge Kindt zu, will aber eine Erhöhung des darin verlangten Existenzminimums.
Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) erklärt, der Abg. Lux habe behauptet, die Hess. Regierung sei verpflichtet, die Sondergebäudesteuer zu erheben, das sei nicht wahr. Die Desttmmung des Reiches verlange nur, daß Mittel zum Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden müßten; es sei einerlei, woher sie genommen werden. Die Reichsregierung hat den Ländern nur das Recht zur Erhebung gegeben, von einer Pflicht fönne nicht die Rede sein. Auch die Höhe der Steuer sei vom Reich nicht festgesetzt worden; gerade gegen die Höhe müsse man sich wenden.
Abg. Dr. Niepoth (D. Vp.) erklärt dazu, weiter, daß das Reich die Länder nur a^uf die Sondersteuer verwiesen habe. Wenn die Linke sich auf die Reichsgesetzgebung berufe, so müsse man auch die Destimmung, datz 15 Prozent des Ertrages zum Wohnungsbau verwendet werden müssen, auch durchführen. Hat das die Hess. Regierung getan? Hat sie von den Erleichterungen nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen Gebrauch gemacht? Die Verantwortung für dre Höhe der Steuer bleibt an den Linksparteien, haften, wenn sie es auch vor der Oeffentlichkeit so hinzustellen suchen, als ob nur die Regierung für die Steuererhebung verantwortlich sei.
Abg. Heinstadt (Ztr.) meint, für die Ausgestaltung der Steuer könnten die Länder nichts, sondern es handle sich um reichsgesetzliche Verpflichtungen.
Abg. Ritzel (Soz.) macht darauf aufmerffam, daß die Sondersteuer durch eine Perordnung des Reichsfinanzministers Schlieben in Kraft getreten sei, die Rechte sollte erst einmal dafür soraen, daß diese Verordnung in ein Gesetz umgewandelt werde. (Zuruf: Die Verordnung ist durch das Ausgleichsgesetz gedeckt)
Abg. Dr. Leuchlgens (Dbd.) erwidert darauf, datz die Steuernotverordnung auf dem Ermächtigungsgesetz des Reichskanzlers Marx beruhe; man dürfe also nicht die Verantwortung allein dem Finanzminister Schlieben zuschieben. Die H ö h e der Sondergebäudesteuer fei es, gegen die sich in erster Linie die Rechtsparteien wendeten. In der Höhe und in dem Umfang hätte dje Steuer nicht erhöht zu werden brauchen.
Qfag. Haurh (D. V.) bezeichnet die Sonder- steuer als ungerecht und unsozial; kein Land erhebe so hohe Sondersteuern wie Hessen.
Abg. Lux (Soz.) weist die Verantwortung für die Sondergebäudesteuer ebenfalls demReichs- minister Schlieben zu. Preußen und Württemberg erhöben höhere Sondergebäudesteuern als Hessen.
Abg. Dr. Müller (Dbd.) bertritt die Auffassung, daß das Ermächtigungsgesetz das Entscheidende in dieser Frage sei.
Abg. Dr. Werner (Dntl.) verteidigt Schlieben; die Sozialdemokraten trügen die Verantwortung für das Ermächtigungsgesetz, ganz allein wegen ihrer damaligen Stärke im Reichstag.
Abg. Kindt (DM.) empfichlt nochmals seinen Antrag zur Annahme.
Es folgen die Abstimmungen. Der Antrag der soz. Fraktion zur Sondergebäudesteuer wird gegen die Stimmen der Rechtsparteien angenommen. Zu dem Antrag Kindt wird der Ausschußantrag angenommen, diesen Antrag der Regierung als Material zu überweisen. Die Rechtsparteien stimmen dagegen.
Ein Ersuchen sozialdemokratischer Abgeordneter für eine Neuordnungg der Desoldungs- ordnung, das nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt war, wird, weil Widerspruch erhoben wird, vom Präsidenten wieder abgesetzt.
Schluß gegen 1 Uhr.
Parlamentarisches aus Hessen.
Gegen eine neue Schulgelderhöhung.
WSN. Darmstadt, 18. Juni. In Anbetracht der Tatsache, daß Anzeichen dafür vorliegen, daß eine neue Hinaufschraubung des Schulgeldes, und zwar wiederum durch Berorbnung, also ohne Befragen her Volkskammer, erfolgen soll, brachte die Deutsche V o l k s p a r t e i im Landtag eine Kleine Anfrage ein, in der gefragt wird, ob die Negierung in der Tat eine neue Schulgelderhöhung beabsichtigt, und wie sie gegebenenfalls eine derart unsoziale Maßreael rechtfertigen wolle, die nicht nur für die Mehrzahl der betreffenden Eltern untragbar fei, sondern geradezu eine Minderungihres Bürgerrechts bedeute, da der Staat sich ihnen gegenüber Verpflichtungen entziehe, die er den Eltern der Volksfchüler gegenüber erfülle.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt.
Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt hält vorn 16. bis 20. Juni in Düsseldorf ihre 15. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Die Beteiligung an der Tagung ist
außerordentlich groß. Zahlreiche führende Persönlichkeiten der Wissenschaft und der Luftfahrtindustrie, Vertreter des Reichs, verschiedener Ministerien sind anwesend. Rach einem Begrüßungsabend wurde die Hauptversammlung eröffnet. Den Ehrenvorsitz bei den Verhandlungen hat Prinz Heinrich von Preußen übernommen. Den Hauptvortrag über „das Transozean" hielt Dr.-Jng. Rumpler. Rumpler zeigte zunächst, daß der Flug nach Nordamerika erheblich größere Schwierigkeiten biete als der Flug nach Südamerika, da 'mangels geeigneter Zwischenlandungsmöglichkeiten die größte frei zu überfliegende Strecke 3900 Kilometer betrage, gegenüber 2850 Kilometer nach Südamerika. Rumpler behandelte sodann die Schwierigkeiten, die sich der Konstruktion größerer Flugzeuge bei der bisher üblichen Bau- weise in den Weg stellen und in der Hauptsache darin zu fudjen sind, daß der Nutzlastenanteil mit steigender Vergrößerung immer geringer wird. Er vertrat den Standpunkt, daß für den Bau des Transozeanslugzeugs neue Wege beschritten werden müssen. Auf Grund des neuen, von Rumpler entwickelten Prinzips ist jedoch in Zukunft die Möglichkeit geschaffen, auch große Flugzeuge mit bisher für unmöglich gehaltenen Dirnen- sionen für mehrere hundert Personen zu bauen.
Dr. Rumpler bezeichnet seine nkü^-Bauart mit dem Namen „Flugzeuge mit unbegrenzten Spannweiten". Dieser Leitgedanke wird noch weiter aus- gebaut, indem die Dezentralisation nicht nur für die Nutzlasten allein, sondern auch für andere Flugzeugorgane durchgesüyrt wird. So werden im ganzen zehn Motore vorgesehen, die über das Flugzeug hin verteilt sind. Ferner werden sechs anstatt der bisher angewendeten einen oder zwei Schwimmer ufa). vorgesehen. Auf Grund seines neuen Prinzips hat Dr. Rumpler die Konstruktion für ein großes Transozean-Flugzeug über eine Flugstrecke von mehr als 4000 Kilometer zur Beförderung von 130 Passagieren nebst Gepäck und 25 Mann Besatzung geschaffen. An Hand eines Modells sowie zahlreicher Bilder gab Rumpler eine ausführliche Be- arünbung der von ihm angewandten Leitsätze, sowie eine genaue Beschreibng des konstruktiven Aufbaus. Das neue Flugzeug wird eine Maximak- gefchwindigkeit von etwa 270 Kilometer besitzen und in Der Lage sein, die Strecke Hamburg—Neuyork mit Zwischenlandungen in Plymouth und auf bett Azoren in etwa 36 Stunden zurücklegen.
Aus aller Wett.
Rückkehr der deutschen hochseesloktt.
Aus Kiel wird gemeldet: Die deutsche Hochseeflotte ist am Freitag in ihre Heimathäfen Furückgekehrt und zwar die Linienschiffe „Hefen" und „Elsaß" und der Kreuzer „Nymphe" nach Kiel, die übrigen Schiffe nach Wilhelmshaven.
Rloforschlsf „Rheinland" verunglückt.
Das 6500 Tonnen große Motorschiff „Rheinland" ist auf der Fahrt von Vokohama nach Hamburg mit einem japanischen Dampfer z u - sammengestohen und vierzig Meilen unterhalb Hankau auf Strand gesetzt worden. ' Das Schiff wurde schwer beschädigt.
Unfall eines Flugzeuges Paris—Berlin.
Ein framösilches Farman-Flugzeua ist auf dem Wege nach Berlin in der Nähe von Lüttich bei einer Notlandung völlig zertrümmert worden. Passagiere sind nicht verletzt worden. Das deutsche Flugzeug auf der Strecke Berlin—Paris ist trotz des schlechten Wetters fahrplanmäßig in Paris gelandet.
Schreckenstat eines Wahnsinnigen.
Ein seit langer Zeit als unheilbar wahnsinnig aeltenber Hüttenbeamter in Luxemburg brachte seiner schlafenden Frau eine schwere Schnittwunde am Halse bei. Die Frau besgß genügend Geistesgegenwart, den Wahnsinnigen im Zimmer einzu- faerren. Als Nachbarn zu Hilfe eilten, und die Tür öffneten, fanden sie den Mann in einer großen Blutlache liegen. Er hatte sich ebenfalls am Halse eine Schnittwunde beigebracht. Er ebenso wie seine Frau sind lebensgefährlich verletzt.
Mutter und Kind vom Blitz erschlagen.
Nach einer Dlättermeldung aus Augsburg schlug in Hoheneck bei Scharding der Blitz in das Haus eines Hofbesitzers ein. Die 46 Jahre alte Frau Therese Schütz und ihr vierjähriges Kind, die sich in dem Hause zu Besuch ^fanden,, wurden vom Blitz getroffen. Sie konnten nur noch sterbend aus dem in Flammen ausgehenden Hause geborgen werden.
Zwei Fischer vom Blitz erschlagen.
Als am Donnerstag bei Hamburg ein heftiges Gewitter niederging, befanden sich die beiden Honnstorfer Fischer Christian Ott und Franz Hölting auf der Elbe in einem Kahn, um zu fischen. Dabei traf ein Blitz den Kahn und tötete die beiden Fischer .Die Leichen wurden über Bord gespült und konnten noch nicht geborgen werden.
Durch Hochwasser vernichtete Ernte.
plötzlich einsehende, starke Regenfälle und Wolkenbrüche, die zum Teil von Hagel begleitet waren, überfluteten im Landkreis Ratibor weite Flächen, so daß bis gestern schon 7 000 Morgen unter Wasser standen. Der größte Teil'Der Getreide- und Hackfruchternte ist v e r- nr'chtet. Der Sutterm äuget ist allgemein. Die Landwirtschaft steht vor dem Ruin. Der Höhe- puntt des Hochwassers ist jetzt zwar überschritten, das Abfließen des Wassers wird aber durch die täglich einfetzenden starken RegenfäÜe verzögert.
Der Spreewald unter Wasser.
Dec Spreewald steht vollständig unter Wasser. Der Schaden ist unübersehbar. Das Wasser dringt in die Keller und Häuser ein.
Das Hochwasser des Bodensees.
Wie aus Konstaiiz gemeldet wird, hat das Wasser am Bodenseepegel bei Konstanz schon gestern die Höhe von fünf Metern erheblich überschritten. Eine ganze Reihe von Uferstraßen steht unter Wasser. Die Anlagen sind völlig unter Wasser. Der Schiffsverkehr vom Voden- see aus in die Nebengebvet« erleidet schwere Störungen.
Der Relssedamm gebrochen.
Wie aus Guben gemeldet wird, ist der Neissedamm bei Straga durch das Hochwasser auf 30 bis 40 Meter gerissen. Die Fluten deü Neisse ergossen sich auf die beiden vor dem Dors Pohsen liegenden Vordämme, die infolge des großen Andrangs der Fluten gleichfalls aufbrachen. Das Dorf Pohsen ist vollständig vom Wasser umgeben. Durch die Häuser fließt das Wasser der Neisse. Die Dorfstraße ist


