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Parlament dis Verpflichtung erwachsen würde, erst recht zusammenzubleiben. bis eine Lösung der Krise erreicht sei.

Die deutschnationaleKreuz z e i t u n g" sagt, es sei bei derjenigen Mittelpartei, die den S chl ü f f e l zu einer Lösung der Krise in der Hand hielt, nicht der gering st e Wille zum Ausd-uck gcfommen, die einzig gegebenen Äca;c-» q uenzen aus der vorliegenden Situation zu zieh en. Die Minderheitsregierung sei infolge dieses Ver­sagens der Entschlußkraft des Zentrums nicht mehr zu halten gewesen. Alle Parteien, die in der Reichswehr das Rückgrat des Staates sehen, mühten sich klar darüber fein, dah sie nur im Kampf gegen die Sozialdemokratie zu retten sei. DieDeutsche Tages­zeitung" meint, die durch die Deutschnationalen her^eführte Klärung habe zur Folge, dah die durch die Zentrumshaltung heraufgeführte Er­starrung der Situation gelöst und praktisch die Dinge in Fluh gebracht wordcn seien, dah an die Stelle der Ratlosigkeit des Reichskanz- lerS 5>r Marx nunmehr die Willens- und Ak­tionsfreiheit des Reichspräsidenten von Hindenburg träte. DerT ag glaubt, Sie Regierungsbildung werde im ganzen, wenn sie nach Weihnachten offiziell beginne, ein außer- ordentlich schweres Geschäft werden, bei dem die letzte Lösung nämlich die Auf­lösung des Reichstages nicht ganz ausgeschlossen sei, obwohl ihr der Reichspräsident vorläufig widerspreche.

TerVorwärts" meint, aus dem Schick­sal der Regierung Marx dürfe man nicht schlic­hen, daß Minderheitsregierungen schlechthin un­möglich feien. Liese Minderheitsregierung habe immerhin Neben Monate regiert und sie hätte Jahre regieren können, wenn ein gemein­samer Wille und eine fefte Führung da gewesen wären. Daran habe es gefehlt. Lae sozialdemolratifche Partei habe durch ihr Der- halten in den letzten Tagen gezeigt, dah sie Opposition machen könne und dah ihre Oppo­sition wirksam sei. Datz sei eine nützliche Lehre für die Zukunft. Die Große Koalition werde merkwürdigerweise auch von der^ demokratischen Presse zur Zeit für unmöglich erklärt. Die Sozial- demolratie sei auch heute noch genau dieselbe, die sie gestern und vorgestern war, an ihrer politischen Richtung habe sich nichts geän­dert. Sie fei nach wie vor bereit, an einen* Regierung mitzuwirtcn, in der sie für den Schuh der Republik und für öle arbeitenden Massen deS Volkes etwas erreichen könne.

Die Bayerische Dolkspartei^KorresPondenz schreibt zum Sturz ter Regierung Marx, die Deutschnationalen hätten es in der Hand gehabt, Las Kabinett Marx zu retten und das Reich vor einer Regierungskrise zu bewahren, zu deren Lösung der gegenwärtige Reichstag nicht fähig sein werke. Es sei zu befurchten, dah dieser Klärungsversuch ein Durcheinander heraufbeschwören werde, wie es größer noch nie im Reichstage geherrscht habe. So sehe Las Weihnachtsgeschenk aus, das die beiden größten Parteien des Reichstages dem deutschen Volke böten. Die Große Koali­tion sei durch die unglaubliche Rede Scheide­ntanns für diesen Reichstag endgültig un­möglich geworden. Richt nur für die bayerische und die deutsche Volkspartei, sondern auch für das Zentrum muffe nach dem Verhalten der Sozialdemckcalen der Gedanke der Großen Koa­lition erledigt fein.

Der Prozeß Rouzier.

Die Germersheimer Bluttaten vor Gericht.

Landau, 17. Drz. (Wolff.) Pünktlich um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende Oberstleutnant . G i l l i e r mit dem bei den französischen Kriegs­gerichten üblichen theatralischen Zeremoniell den Prozeß Rouzier. Ein Vlick in den Saal zeigt 'die über einer Flügeltür aus einem Sockel ste­hende Vüste der Vavaria mit einer 1 Schärpe in französischen Farben. y Rach Verlesung des Cröffnungsdeschlusses werden der Hauptangeklagte Leutnant Rouzier in Uniform und die noch in Haft befindlichen deut­schen Angeklagten Fechter und Kegel vor- gesührt und ihre Personakien ausgenommen. Die Ange-kagten Arbogast und K ö b l e r. die vor den inqinfitorifchen Ur.tersuchungsmethoden der franzoiifchen Voruntersuchung in das rechts- rheinische Gebiet geflüchtet waren, sind nicht zur Derhand.'ung erschienen. H o l z m a n n ist aus freiem Fuß. Mathes befindet sich immer noch in der Heidelberger Klin.k. Gegen ihn wird im Abwefenhcitsversahren verhandelt. Die An­klage legt Unterleutnant Rouzier vorsätzliche Tötung und vorsätzliche Körperver­letzung zur Last. Bei dem ersten Zusammen­stoß in dec Rächt zum 27. September am Lud- wigstor in Germersheim mit Holzmann habe sich Rouzier nicht in Rotwehr befunden. Auch bei der Verwundung des Mathes könne er sich nicht Qiif, Rotwehr berufen. DaS, was Rouzier ver­ursacht habe, stehe in offenkundigem Mißverhält­nis zu dem, was ihm öurd) Holzmann, Mathes und Müller zugefügt worden sei.

Dia Rachmitlagss'.tznng wurde durch den Son- dernheimer Zwischenfall a:sgesüllt, der mit öcr Person des Ha. ptai.a tagten Rouzier gar nichts zu tun hat, dagegen die Person des micangcklag- ten Joses Mathes als streitsüchtigen Barschen und Frarzosenhasser charakterisieren sollte. Wie bekannt, kam es bei der Sondembeimer Kirchwe h in einer Wirtschaft zu einem Zwischenfall zwi­schen einigen Franzosen und mehreren Deut­schen, da die Franzosen sich weigerten, das Tanz- arld zu bezahlen. Rach der Anklage soll nun der Deutsche Kegel an dieser Schlägerei be­teiligt gewesen fein. Kegel bestreitet Vies. Kegel hat eine außerordentliche Ähnlichkeit mit W.lh.lm Albert, so daß allem Anschein nach eine Verwechselung fror liegt. Dies kam im Laufe der Verhandlung deutlich zum Ausdruck, als den französischen Zeugen, die in Kegel den Angreifer nicht bestimmt erkennen konnten, ein Lichtbild deS W.lhelm Albert die beglaubigte Reichsbannerkarte vorgehalten wurde. Dir französischen Zeugen erkannten in dem Dargestelltrn zum Teil den unschuldigen Kegel. Vai der Vernehmung mußte man den Eindruck gewinnen, daß es dem Anklagevmckreter darum zu tun war, fär die begi.tuenden Verhandlungen gegen Rouzier eine gttv.ssa Stimmung zu schäften, indem er zngen will, daß dierauflustigen Bur­schen" von Germersheim und dieBande Mathes" selbst die Saat zu der Bluttat des Rouziers gelegt hätten.

Die Weihnachtsbeihilfe für die Erwerbslosen.

Berlin, 17. Dy. (WTD.) Amtlich. Der Reichstag hat 25 Millionen Reichsmark zur Ge­währung einer einmaligen Brchilfe an Erwerbs­lose, die bereits über 26 Wochen unter­stützt worden sind, sowie an Invaliden und Kleinrentner bewilligt. D.e genannt:» Erwerbs­losen erhalten einen Betrag in Hohe einer halben Wocheaurrterstüßung. 3n der Invalidenversicherung wird aus jede Inva­liden-, Witwer - und Witwenrente eine Beihilfe' von je 6 Mk.. auf jede Waisen­rente eine solche von je 3 Mk. gewährt. Klein­rentner erhalten einen Betrag von einem I Drittel der Monatsunttrstützung. jedoch erhalten Atleinstehende mindestens 10 Mk.. Ehepaare er­halten mindestens 15 Mk. und Bezieher von Waisenrenten mindestens 7,50 Mr. Es sind alle Vorbereitungen getroffen, um di B:ih lfen m ö g » lich st schnell arszuzählen. ch.ir di: Kriegs­beschädigten und -Hinterbliebenen wird die Rot- maßnghme in ähnlicher Weise wie im Vorjahre durchgesührt Werdern

Um die Wirtschaftshilfe für die hessischen Beamten.

Darmsladk, 17. Dq. (Eigene Meldung.) Der Finanzausschuß des hessischen Landtags trat Freitag vormittag zusammen, um über die Gewäh­rung einer einmaligen Winterbeihilse für die hessi­schen Beamten und Staatsarbeiter }u beraten. Bon sozialdemokratischer Seite lag ein_ Antrag vor, eine Dinterbeihilfe, entsprechend den Sahen des Reichs, nur für die (67 Haltsgruppen 1 bis 6 zu gewähren. Dies . Antrag wurde a bg e - lehnt. Sodann wurde ein Antrag D i n g e l 0 e y beraten, der dahin geht, daß die Dinlerbeihilfe, ent­sprechend den Sahen des Reiches, den Gehalts­gruppen 1 bis 12 gewährt wird. Auch dieser Antrag wurde abgelehvt. Ls stimmten für ihn die bürgerlichen Parteien von bett Deutschnationalen bis zu den Demokraten. Rach Artikel 46 der Ber- faffung ist zu eine n gültigen Beschlüsse des Finanz­ausschusses eine Dreiviertelmehrheit der Stimmen der anwesenden Mitglieder notwendig: da beide Anträge sie nicht erreicht haben, so liegt jetzt die Entscheidung beim Landtag. Der Präsident hat das Plenum des Landtags auf Dienstag, den 21. Dezember, 10 Uhr, einberufen.

Der Umsturz in Litauen.

Reaktion gegen den Vertrag mit Rußland.

Wie wir schon in einem Teil der gestrigen Ausgabe melden tonnten, ist nach Berichten aus Memel die litauische Regierung gestürzt und in Kowno die Militärdiktatur errichtet worden.

Rach privaten Informationen ist der Um­sturz in Litauen feit langem vorbereitet woc- ten, insbesondere in Geheimberatungen, die zwi­schen Offizieren, die mit den gegenwärtigen Zu­ständen unzufrieden waren, und Vertretern des Schühenkorps sowie des Verbandes der Kriegs­freiwilligen stattgefunden haben. Freitagmorgen um 3 Uhr erschienen vor dem Parla.inen.ts- gebäude, in dem der Litauische Canbtag gerade eine Rachtsitzung abhielt, Truppenverbände; ein Offizier betrat in Begleitung mehrerer Soldaten den Sitzungssaal und verkündete von der Red­nertribüne, die Armee habe die Beseiti­gung des bestehenden Regimes be- schlos^n, das Litauen an die Bolschewisten aus­liefern wolle. Die Armee nehme Besitz von der Staatsgewalt, erlläre den Landtag für aufgelöst und das Landtagspräsidium für verhaftet. Leiter des Umsturzes war Major Plechavicius. der erst kürzlich von der Prager Militärakademie nach Litauen zurückgekehrt ist und faszistischen Kreisen angehört. Plechav.cius, der mit Sme- tona verwandt ist, hat offiziell die Leitung des Generalstabes übernommen und sofort die Freilassung des jüngst verhafteten Faszisten- sührers Grigoliunas Glovackis angeordnet. Der bishe.ige S.art^präsident G r i n i u s wurde im Schloß interniert

Rach einer Meldung desD. T." aus Königsberg ist die Grenze bei Eydttuhnen ge­sperrt worden. Während ganz Kowno sich in der Hani) des Militärs der neuen Regierung befindet, ist der Grüneöerg von einem der Re­gierung treugeblieöenen Regiment beseht. Rach einer Meldung derD.A.Z." soll ein Teil der Truppen, der zur alten Regierung stehe, nicht nur Grünenberg, nicht Grandberg sondern auch die st ä r k st e n Forts, die die Stadt umgeben, besetzt halten. Die aus acht Regimen­tern bestehenden regierungstreuen Truppen sol­len den Aufständischen ein Ultimatum ge­sandt haben, in dem sie die Hefoergabc der Stadtbis 6 Uhr abends gefordert hätten. Rach Informationen, die die litauische Gesandtschaft in Berlin in später Abendstunde aus Kowno erhalten hat, bewahrheiten sich die Gerüchte von Straßenkämpfen nicht. Die Regierung Smetona sas e festen Fuß. Der Direktor der politischen Abteilung im litauischen Ministerium des Äeußern D a l u t i s hat interimistisch die Leitung der auswärtigen Angel, genheilen über- nommen. Zugleich wird kategorisch erXirt, daß die neue Regierung alles vermeiden werde, was zu einem Konflikt mit Polen Anlaß geben würde.

Smetona gilt als Deutschenfreund, der eine Anlehnung an Deutschland wünscht, dagegen den Vertrag mit Rußland scharf bekämpfte un) hierin auch die Unterstützung der meisten Parteien fand. Rur so ist es zu erklären, daß die Regierung ihre Aemter zur Verfügung stellen mußte. Dar Umsturz in Litauen dürfte nicht ohne außenpoli­tische Folgen bleiben, einmal im Hinblick auf Rußland, dann aber auch in bezug auf Polen. Besonders Warschau wird den Augenblick für ge­kommen halten, um feine litauischen Pläne durch­zuführen, wobei aber in Rechnung gesetzt werden muh, daß auch Moskau noch ein gewichtiges Wort mitzureden hat.

Der Eindruck bei den Nachbarn.

Riga, 17. Dez. (2-11.) Der Umsturz in Li­tauen hat hier wie auch in Reval und Moskau großes Ansehen erregt. In Riga und Reval rechnet man jetzt mit einer Verdes erung der Beziehungen zwischen Li auen und den bal­tischen Staaten, die in der letz.en Zeit stark getrübt waren. Rach Me.dungen aus Moskau nimmt man dort an, daß sich die litauische Um- sturzberegung in erster Linie gegen Ruß­land richtet. Die Verhnnd.üngen zwischen bei­den Staaten sind unterbrochen worden. Der

Führer der litauischen Delegation wird demnächst nach Kowno zurückreifen.

Die Rach richt von dem Staatsstreich ist im Memelgebiet ohne besondere Erregung auf­genommen worden. Wie verlautet, steht auch das Militär im Memelgebiet auf feiten der neuen Regierung. Der Gouverneur des Mrmelgebietes, der Präsident des Direktoriums und der Präsi­dent des Landtages weilen in Kowno, wo sie an der Feier des 60. Geburtstages des Staats­präsidenten Grinius terlnehmen wollten.

Mussolmis Außenpolitik

Friedlich, aber nicht pazifistisch".

Rom, 17. Drz. (WB.) OHuifoLini erklärte dem römischen Vertreter der As.ociated Preß in em em In.erview u. a.: Eine französisch- italienische Vereinbarung sei eine der grundlegenden Rotwendigkeite.i der europäischen Entwicklung. Sein Leitmotiv fei die Rotwendig- keic, Italiens dringendstes Bedürfnis nach mo­ralischer, ge.stiger und physischer Expansion durch eine friedliche, wenn auch nicht pazifistische Po­litik zu besriedigen, die durchaus nicht unverein­bar mit Freundschaft und Zusammenarbeit mit anderen Rationen sei. Tatsächlich wünsche Italien eine Zusammenarbeit, besonders mit Frankreich und Großbritannien.Mus­solini erklärte weiter noch, Italiens kolo­niale Wünsche bedeuteten nicht, daß Ita­lien bereit sei, der ersten besten Ration an die Kehle zu fahren, um ihr eine Kolonie wegzunehmen.

Die italienische Derfafsungsreform.

Em korporatives Parlament.

Rom, 17. Dez. (WB.) DieT.ibuna" glaubt, daß die Kammer, die morgen in die Ferien gehen wird, bereits im Januar oder Februar wieder gufammentreten wird, um die Etats zu beraten. Das Blatt deutel an, daß die Sitzung des Faszistischen Großen Dates, die in den ersten Tagen des Januar stattsinden wird, sich mit der Frage der Umwandlung der Abgeordnetenkammer in eine Kor­porative Kammer beschäftigen werde. Die Tribuna" erinnert in diesem Zusammenhang an Worte Mussolinis, die dieser jüngst einem Ver­treter eines südamerilanischen Blattes gegenüber gesprochen hat: Unser Ziel ist ein Korporativ- Staat. Cs ist absurd, daß ein Mann, bloß, well er 21 Jahre alt ist, das Recht zur Abstimmung über Staatsgeschäfte haben soll. An der Lei­tung und Verwaltung des Staates sollten nur diejenigen teilnehmen, die Arbeiten pro­duzieren und irgendwie den Staat durch ihre Arbeit fördern. Wir wollen, so fügte Mussolini hinzu, eine korporative Sammet ohne Opposition haben.

Mißhandlungen Deutscher in Ostoberschlesien.

Deu the n, 17. Dez. (WB.) Rach einet Mel­dung aus Kattowitz kam es am späten Abend des Mittwochs in Siemianvwitz auf dem Platz vor dem Bahnhofe zu Ausschreitungen einer Bande von etwa 20 Mann, die teilweise Insurgentenuniform trugen. g:gen meh­rere aus Deuthen kommende Reisende, u. a. dem Hütteninspektor Schweig«! und feinen Familien­angehörigen. Als fein löjährigrr Sohn, ber eine deutsche Schülermütze trug, die Sperre über­schritten hatte, wurde ihm von der Bande fein Stock, auf den er sich einer Fußverletzung wegen beim Gehen stützte, fortgerissen, und er wurde verprügelt. Als Schweigel seinem Sohne zu Hilfe kommen wollte, fielen die Angreifer auch über ihn her und mißhandelten ihn ebenso, wie seine beiden Töchter, als diese ihren Vater gegen Schläge schützm wollten. Schweigel wurde ins Krankenhaus gebracht, wo der Arzt Rippen­brüche und Verletzungen der Lunge feststellte.

Aus aller Welt.

Der keiner Sprilschieberprozeh.

In dem Prozeß gegen die Kölner Sprit» schieber, die beschuldigt waren, 186 Fässer mit je 400 Litern holländischen Sprit im Kölner Zollschuppen gegen gleichartige Fässer mit ge­wöhnlichem zollfreien Spiritus vertauscht zu haben, wurden die vier Speditionsangestellten und der Zollassiftent freigesprochen. Die übrigen Angeklagten, Kaufleute aus Düsseldorf und Köln, wurden zu Geldstrafen von insgesamt 3 300 000 Mark verurteilt. Die beiden Haupt- artgeflagten außerdem zu mehrmonatigen Ge­fängnis strafen.

Ein dreifacher Mörder zum Tode oeruddlt

Das Schweriner Schwurgericht verurteilte heute den Schnitter Anton R a r l 0 ch wegen dreifachen Mordes zum Tode. Der Angeklagte hatte im Frühjahr feine Geliebte, deren drei­jährige Tochter unb feine eigene uneheliche Tochter in einem Wasserloch bei Doitzenburg ertran ft.

Totschlag eines Arbeitskollegen.

Auf der August-Thnssen-Hütte in Hamborn schlug der Schmied Wilhelm H e i e r einen Arbeits- follegen mit einem Hammer so wuchtig aegenden Unterleib, daß dieser bewußtlos zusammenbrach und in der vergangenen Nacht seinen schweren Ver­letzungen erlag/Der Tater ist flüchtig.

Springflut auf Madeira.

Rach Meldungen aus Funchal wurde die Insel Madeira von einer Springflut hrimge'ucht, die großen Schaden anrichtete. Die Flut zerstörte die Kaimauern und überschwemmte weite Ge­biete. Die Funkstation ist vernichtet worden. Mehrere Personen wurden getötet.

6reu;sahrerbefestigungen bei Ascalon zerstört.

Rach Meldungen aus Jerusalem haben hef­tige Stürme die berühmten Wälle der Kreuz­fahrer an der Küste bei Ascalon stark beschädigt. Die von König Richard Löwenherz er­richtete und heldenhaft verteidigte Mauer ist gänzlich zerstört worden.

Wettervoraussage.

Bedeckt bis wollig, Temperaturen wieder fallend, noch vereinzelt Niederschlage (Schnee).

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 5,4 Gr. Celsius, Minimum: 1 9 Grad Celsius. Niederschläge: 8,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 1,5 Gr. Celsius.

Aus der Provinzlalhauptstadt.

Gießen, den 18. Dezember 1926, ]

Vorrveihnachtsfreude.

Vor Weihnachten möchte ich nicht auf dem Lande wohnen. Da isl's in der -stabt am allerschönsten. Wer da mit offenen Augen durch die Straßen geht, dem sind sie ein wundervolles Bilderbuch, voller künstle­rischer, rührender und drolliger Bilder. Die Schau­fenster sind «in Genuß! In den großen Modegeschäf« ten sind die schönsten, ja erlesensten Stücke ausge­stellt: Toiletten wie aus einem Feenmärchen. hauch­zart, silber- und goldglänzend. In den Kunstläden Bilder, Prachtwerke, die neuesten Romane und Er- Zeugnisse der Wisienschaft: in den Juwelierläden funkelt's und glitzert's, in anderen Schaufenstern stehen geschnitzte Möbel auf echten Teppichen, und vor den großen Delikatesiengeschäften darf man sich vor Tische nicht an das Schaufenster stellen, da überfallen einen neiderfüllte, sybaritische Gelüste.

All diese Herrlichkeiten bewundert man mit Freude. Sonst ärgert man sich, wenn man bei einem Schaufensterbummel von den lieben Mitmenschen angestoßen wird, jetzt lächle ich vergnügt, wenn ein Schaukelpferdkopf mir in den Rücken gebohrt wird, oder ein mit Paketen, Rodelschlitten und Messinggardinenstangen beladener Vater mir mit letzteren mein Paket vom Arme stößt (es waren zum Glück nur Stutzen für meinen Jungen drin). Elegante Herren mit auf Taille gearbeiteten Män­teln tragen ohne Erröten die größten Pakete, ein biederer Landinann in Stulpenstiefeln nimmt ritter- lich Muttern den Puppenwagen ab. der in herrlicher Pracht durch das halbabgerissene Papier-^uckt. Kin­derstühlchen und Oeldruckbilder, Schneeschuhe und Hutkartons werden neben nicht zu erforschenden Paketen geschleppt, daneben Hafen an den Läufen und Gänse an den Köpfen in schöner Offenheit.

Die Kinder stehen noch mehr im Wege als sonst, und auf den Fahrdämmen wogt es auf und ab, Autos, Wagen mit Kisten und Stückgütern, Motor- und Fahrräder, kleine Handwagen und uroäterische Planwagen mit halbrunden Verdecken. E» riecht in den meisten Häusern nach Tannenbäumen uni) Kuchenbacken, und die Menschen machen wichtige und frohe Gesichter. Und aus allen Straßen und Ecken kommen frohgestimmte Menschen, denen man den größten Wunsch dieser Tage vom Gesicht ab­lesen kann: Fröhliche Weihnachten!

Eva von Massow.

Ein Nachklang zur Robert-Blum-Linde.

Im Nachlaß meiner Mutter, Emilie 91 0 a cf aus Bessungen bei Darmstadt, fand sich folgendes Gedicht. Die Derfasierin hat es als lbjähriges Mädchen bet Gelegenheit eines Besuchsaufenthaltes in der Familie des be­kannten Professors der Forstwissenschaft Carl H e n e r zu Gießen, dessen Denkmal in dec Nordanlage steht, im Juli des Jahres 1851 niedergeschrieben. Ich gebe es hier wörtlich mit der Rechtschreibung und Zeichensetzung der Urschrift wieder. L Hüter.

Auf einem Spaziergang nach der vor einigen Tagen oerslümmellen K Blum'slinde.

Wohl haben sie gepflanzet

Auf jener Höhe dort Die Linde, schön und kräftig Wie Blum's gewaltig Wort.

Sie ist so fest beschirmet Mit Psohlen rings umbaut. Weil ganz man nicht aus Mensche Und Duldsamkeit vertraut.

Da wächst sie kühn und muthtg (Empor des Lebens voll Wohl wissend, daß sie immer UnsFreiheit" künden soll.

Sie haben schön gefdjmüdet Mit frischen Blumen sie Am Tag da er gestorben: Den Tag vergißt man nie! Doch nun liegt sie gebrochen Das kühne Haupt gesenkt, Die Kränze dran verwelken Don Menschenhaß gekränkt Da liegt sie, matt geknicket Der gold'nen Freiheit Bild Und manchem Äug' darüber So heiße Thron' entquillt.

Am andern Tag.

Doch steht der Stamm noch fefte, Wird, wenn der Gram vorbei Frisch regen seine Kräfte, Wird grünen dann aufs neu?

Wird streben frisch und muthig Zum blauen Himmelszelt, Wird Gott um Freiheit bitten Für die bedrängte Welt.

Gictzcner Wochcnmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarktt Das Pfund Butter 130 his 190 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Ilrrterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 20, Rosen­kohl 45 bis 50, Feldsalat 80 brS 150, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 35 bis 53, Kartof em 6, Aepsel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30. Russe 60 bis 90, Honig 50, junge Hahnen 103, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 103 bis 140; das Stuck Tauben 50 biS 70, Eier 17 bis 20, Blumenkohl 80 bis 150, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 15, Rettich 5 bis 10. Sellerie 20 bis 40 Ps.

Bornotizen.

Lageskalender für SamStog: DeichsverbanL bet Berufskraft ahrcr: 8/a Uhr. Gewerkschaftshaus, Vortrag von Dipl.-Ingenieur Fifcher-Terlin. Weihnachtsfeiern: Reichsbund der Zivildienstberecht'.gtrn: 5 Uhr nachmittagsLiebigshöhe". Ruderklub ,.Haf- fia*': 8 Uhr, Turnhalle (Oswaldsgarten). Büraergesellfchaft: 8'/r Uhr. Katholisches Der- einsyauS. Gabelsbe.gec Stenographen-Verein von 1851: 8 Uhr, Kau männ.sches De einshaus. Geflügel- und Dogtt'uchtoerein: 8 Uhr. Saal des frühe.en HotelsGroßberzvg". Lichtspiel­haus. Dahnhoist.aste:Sibrrien". Palastlicht­spiele (Ki.chenplatz):Lady HamUton". Astocia-Lichtspiele;Der Kamps um das rote Gold".

Tageskalender für Sonntag: Stadttheater: 3'/r Uhr nachmittags Märchen- spielFrau Holle" (Ende 58/( Uhr). Abends 7 Uhr:Alt Heidelberg" (Ende 93/4 Uhr). -