Einzelbild herunterladen

Nr. 210 Dritter Blatt Giehener Anzeiger sSeneral-Anzeiger für Gberhejjen) Donnerstag, 18. November MO

Die Finanzlage Hessens.

Bon RechtSonvalt Eduard

(Schlich.) VI.

Der Finanzminister liefert in seiner Lchrift sehr wertvolles Material über die Steuer- kraft der hessischen Bevölkerung auf der einen Seite und ihre steuerliche Belattung an­dererseits. Der Flnanzminister führt nämlich sein Rtttzgeschick im wesentlichen neben der Sntwick- lung der Erwerbslosigkeit darauf zurück, datz die Ueberweis ungen der Erträge au5 her BeichS- cinfommcnftcuer und der KörperfchaftSsteuer an den hessischen Staat stark zurückgegangen seien.

Dingeldey, M d L's

Woraus beruht nun dieser Rückgang? Die Neber- Weisungen an den hessischen Staat gründen sich neuerdings auf da- tatsächliche Ergebnis der Sinkommensteuervcranlagung des Jahres 1926. Je weniger Einkommen also in Hessen bei der Veranlagung festgestkllt wurde, desto geringer wird auch der Anteil Hessens an der Reichs- ein kommen steuer bewertet. Der Fmanzministcr veröffentlicht nun folgende Statistik, auS der zu ersehen ist. wieviel an Reichssteuern aus den Kops der Bevölkerung Im Jahre 1 926 entfällt:

Preust

Bayern

Lachsen

Würt­tem­berg

Baben

Thü­ringen

Redl.

Zchwer.

Olden, bttrn

Hessen

Reichs- butth- schnitt

Einkommensteuer . 25,605

Umsatzsteuer ..... 14,784

20,760 11,«68

32,08.5

18,831

23,772

19,883

22,812

13,884

23,1

13,737

17,856

12 252

21,948

10,476

22,687

13,707

25,857

14,778

Zusammen: 40,389

32,637

50,916

43,455

36,696

30,838

30,108

32,424

36,391

40,635

Diese amtliche Uebersicht ist austerordentlich wertvoll, denn sie stellt ganz klar heraus, hast Hessen auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet an Einkommen und Warenumsatz weniger auszu- weisen hat, alS der Durchschnitt der übrigen Länder. Während nach dem ReichSdurchschnitt auf den Kops der Bevölkerung etwa 40 Mark entfällt, erreicht in Hessen daS Einkommen und der Umsatz auf den Kopf der Bevölkerung nur rund 36 Mark. Daraus geht also nicht nur, waS der Finanzminister nachweisen möchte, hervor, hast Hessen geringere Steuerüberweisungen er­hält, "sondern diese Statistik ergibt viel wichti­geres: die wirtschaftliche Leistunas- sähigkeit, Einkommen und Umsatz sind in Hessen unter Öen Reichs- durchschnitt g es unken Diele Feststellung beweist aufs neue die Folgen der allgemeinen

Wirtschaftskrise in Hessen, der besonderen Ver­hältnisse des besetzten Gebiete-, vvr allem aber auch die Rückwirkungen der rücksichtslosen und unwirtschaftlichen kapitalver­nichtenden Steuergesetzgebung deS hessischen Staates w?hrend der abgelaufe­nen Jahre.

ES forderte die selbstverständliche Rücklicht aus jene geringe Leistungsfähigkeit der hessischen Wirtschaft, datz luinmehr auch der hessische Staat mit feinen ihm überlassenen Steuersätzen dieser Entwicklung folgte. Das genaue Gegen­teil ergibt sich auS dem amtlichen Material des FinanzministerS. Dort findet sich nämlich auch eine Zusammenslellung dessen, was auf den Kopf der Bevölkerung in den einzelnen Ländern im Jahre 1926 an LanbeSsteuern gezahlt worden ist:

Prellst.

Bayern

Sachsen

53üil- temb.

Baden

Hessen

Grundsteuer (einschl. Gebäudesteuer) ..

Gewerbesteuer.....................

Sondergebaudesteuer (Mietstericr) ....

............. 5,26

............. 12,80

9,75

3,25

6,10

2,00

3,00

10,00

5,09

3,03

13,80

12,97

9,81

5,31

5,30

17,37

Zusammen: 18,06

19,10

16,00

21,92

22,78

27,98

Aus diesem amtlichen Material, daS der hessische Finanzminister selbst unterbreiten must, ergibt sich nun unumstößlich, dast wir tatsäch­lich in Hessen unsere Steuerzahler mit Landes- steuern mehr belasten, als alle rnatz- geblichen Länder Deutschlands. Wir zahlen in Hessen an Landessteuern jährlich 28 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung, gegenüber Preu­ßen mit 18 Mk., Bayern mit 19 Mk.. Sachsen mit 15 Mk., Württemberg mit 22 Mk. und Baden mit 23 Mk.

So vollendet sich bas Bild der hessischen Finanzpolitik: Während durch die Reichssteuer-

) Bgl. Teil I-V dieses Aufsatzes in Olt. 268

und 269 desGieß. Anz." vom 15. und 16. Rov.

statistil erwiesen ist. dast die hessische Wirt­schaftskraft und Steuerlrast des hessischen Volkes unter dem ReichSdurchschnitt steht, beweist die gleiche Statistik, dast der hessische Staat mit seinen LanbeSsteuern und ihrem Druck auf ö i e hes sischenSteuerzahler an derSpitze aller anderen Länder Deutschlands marschiert. Rehme man dazu noch unsere obige Feststellung von dem Defizit in Höhe von 31 Mil­lionen Mark für 1927, so ist das Urteil über die bisherige Finanzpolitik Hessens gesprochen.

VII.

Was soll nun geschehen? Der Fi- nanzminister glaubt, eine billige Polemik gegen die Opposition wegen ihrer bisherigen angeb­

lich unfruchtbaren Anträge führen zu können. Demgegenüber sei zunächst einmal grundsätzlich ausgesprochen, dah diejenigen Parteien des hes­sischen Landtags, die man aus engem partei­politischen Fanatismus bisher ängstlich und mit allen Mitteln von der Macht im Staate aus- zuschlictzen versucht hat, gewist gar keinen An­satz hätten, in dieser durch die Linksparteien ver­schuldeten Lage deS hessischen Staates unerbetene Ratschläge zu et teilen, die nachher doch nicht durchgeführt werden. Llber schon auS dem. waS bisher von den Parteien deS Ordnungs- und WirtschaftSblvckes in Hessen positiv adocöcrt worden ist. vermag sich die Oessenllichkeil sehr wohl ein Bild der grotzen Linien, in denen eine Reorganisation der staatlichen Verwaltung durchgeführt werden mützte. zu machen. Wir haben gefordert, datz zunächst Mastnahmen von moralischer Durchschlagskraft ergriffen werden, die der Oeffentlichkcit und der Beamtenschaft im Lande den Beweis geben, datz man nicht mir in den Kreisen bet Beamtenschaft brausten, son­dern dast man mit mindestens ebensolcher Ent­schlossenheit bei der Leitung der Regierung von oben mit den VereinfachungSmastnahmen beginnt. Wir haben die Verminderung der 21 b - geordneten zahl deS hessischen Landtags ge­fordert. damit auch dieser ein Beispiel frei­willigen Verzichtes gebe. Wir haben die Ver­minderung der Ministerien, die Her­absetzung der Ministerpensionen und die Vereinsachung desApparateS der Ministerien in sich gefordert. Wir sind wei­ter der Auffassung, dast die im Vorjahre bc- flonnetic Vereinfachung des über die Schülerzahl hinaus aufgeblähten V o l k s s ch u l- wesenS in Hessen durchgeführt werden muh, und dah wir versuchen müssen, das gesamte Fachschulwesen in die Hand der sachlich und sachlich befähigten Berufskörperschaften zu übertragen und alS staatliche Lasten auszugebcn. Wir haben Dezentralisation als oberstes Prinzip und damit die Hebertragung von Auf­gaben von den oberen Behörden an die unteren gefordert. Die Lastenverteilung zwi» leben Staat und Gemeinden hinsichtlich Polizei und Schule unter gleichzeitiger freier Überlassung der Realsteuern an die Gemeinden muh in einet Form durchgeführt werden, durch welche die Gemeinden an den : izelnen Er- spärnismatznahmen aus diesen ©c .'toten inter­essiert werden. Alles das kann tev wird sich von heute aus morgen nicht auetoirlen, aber es wird, mit Energie und Zielbewußtsein durch- gesührt, zu einer weiteren Entlastung des hessi­schen Staate- und daher in Verbindung mit den Verhandlungen mit dem Reich zu einer Er­leichterung des hessischen Steuer­zahlers führen. WaS nicht wir gefordert haben, sondern was aus den Kreisen der Links- Parteien bei interfraktionellen Besprechungen der Reg .'.ngskoalition angeschnitten worden ist. das ist die Forderung der Reduktion bet Beamten- gebälter. Es geht schon über das Matz objektiver Unrichtigkeiten hinaus, wenn in der Wahl­broschüre deS Finanzministers eine bewutzte Un­klarheit darüber hervovgerufen wird, ob der Ordnungs- und WirrfchaftSblock derartige Pläne habe. Ich stelle fest: diese Gedanken find von dem OrdnungS- und Wirtschaftsblock nicht, wohl aber von Kreisen der Aogierungskoalition an­geschnitten worden. Wenn die von uns geforder­ten und vorstehend nur flüchtig skizzierten Pläne

durchgeführt werden, bedarf es der Matznahmcn nicht, die jetzt von dem Finanzminister ganz zu Unrecht dem OrdnungSblock zugedacht Werder

VIII.

DaS Bild der hessischen Sraatsfinanzen ist trübe, erschreckend trübe. Aussichtslos scheint die Aufgabe, allmählich eine langsame Gesundung herbeizuführen, nicht. Eie kann nur gelöst werden von einer Regierung, die diele Aufgabe al» oberstes Gesetz ihres Handelns er­kannt hat und die mit Energie und Entschlossen­heit und überdies frei von parteipolitischen Be­engungen die tzesiischen Finanzen vor dem Zv- sammcnbruch. die hessischen Steuerzablcc vor dem Verfall ihrer Wirtschaft und die hessische Be- anttenlchast vor der Bedrohung ihrer Eristenz zu schützen bereit ist Die jetzige Regierung der Linksmehrheit hat sich für diese Aufgabe als unfähig erwiesen. Der jetzige Landtag mit seiner Linksmehrheit ist daS schwerste Hindernis für die Gesundung deS hessischen Staates ' Darum fordert der Ordnung-- und WirtfchattSblock im Einklang mit allen staatsbürgerlich denkenden Wählern vom hessischen Volke cm 5. Dezember: Hinweg mit diesem Landtag?

Das Volk im Käfig.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Im Durchschnitt des letzten Jahrfünfts vor dem Kriege betrug die italienische 2! u s - Wanderung über 600 000 Seelen jährlich. Ein Drittel davon uniröc wieder ausgeglichen durch Rückwanderer, die nicht dauernd, fonbern nur vorübergehend, um brausten Ersparnisse zu sam­meln, die Heimat verliehen.

23on der Gesamtzahl der Auswanderer gingen rum) 400 000 nach überseeischen, über 200 000 nach europäischen, hauptsächlich Mittelmeergebie­ten. Typisch sind z. B. bis Jahre 1909 unb 1910. Im Durchschnitt auS beiden betrug die Auswandererzahl nach europäischen Ländern zirta 235 000 unb nach überseeischen zirka 400 000, zusammen 635 000. Unter den ilcberfecflebietcn standen an der Spitze die Vereinigten Staaten mit 270000, danach Argentinien mit 90 000, und Brasilien mit beinahe 20 000 italienischen (Bin- ' anderem. Mithin nahmen die Vereinigten Staaten von her Gesamtauswanderung Ita­liens volle bre Siebentel auf; von der über­seeischen beinahe sieben Zehntel.

Gegen diesen VorkriegSzustand hat sich das heutige Bild radikal verändert. Durch die neuen amerikanischen Einwanderungsgesetze ist die Iah- resquote für Italiener auf etwa ein 11) Pro­zent der Zeit vor dem Kriege herabgesetzt, d. h. die Einwanderung ist für die Italiener, brat-

8

die beste JDlLletut

XJ 1 x L I

*L '

-

i

T)as Geheimnis ihrer Schönheit?

i. ijn~wj~U-irr. ju i* u. * j**i*!,* "** * *.* , fl *".,** **l

Jch will es Siir verraten......

Die Gesundheit»- und ScbSnheitsfrage der Frau ist In erster Linie eine Verdauungsfrage. Die meisten Frauen leiden an

Gtuhlvettwpfunss.

Ein träger Darm ist der Ausgangspunkt unzähliger Laden, denn die den Darm füllenden Abbauprodukte aus der Nahrung vergiften vom Darm aus den ganzen Körper, wenn nickt für tägliche Stuhlentleerung und Reinhaltung des Darmes gesorgt wird.

Das Gesicht Ist der Spiegel des Inneren Menseheir.

Aste gesundheitlichen und sckönheitlickev Belange der Frau sind daher zuerst vom Darm aus zu behandeln. Ob gesund oder krank, ob schön oder unschön, ob jugendlich o Jer alt, ob frisch oder welk, ob lebhaft oder müde, ob froh oder verdrießlich, ob guter oder schlechter Laune, ja, ob glücklich oder unglücklich das ist zumeist eine Darin- frage bei allen Frauen.

Wer das Darmleben verjüngt, verjüngt Leib und Seele. Darmgifte sind Krankbelts- und Schönheitsgifte.

Stuhlträgbeit ist des Allerwelfsleiden der modernen Frau.Der Mensch altert durch die Bakterien seines Darmes; Stubltvägbeit ist die alleinige Ursache der meisten Krank­heiten und des frühzeitigen Alterns, sagt Professor Dr. Metschnikoff. Blutarmut und Abmagerung, Fettleibigkeit, Gicht und Rheumatismus, Nervenleiden aller Art, Kopf­schmerzen, Schlaflosigkeit, Unterleibsstauungen, Leber- und Gallenstein Leiden, Hauterkrankungen aller Art und die vielenSchönheitsfehler der Frau: rissige, spröde Haut,

Die Darm- Antwort heißt:

nad> Professor Dr. Gewedte

Brotella ist die Lösung der Darmfrage. Bro teil a verjüng! den Darm. Brotella arbeitet vom Darm aus über den ganzen Organismus. Brotella reinigt den Darm, reguliert den Stoff­wechsel, besorgt die Verdauung, erneuert das Blut, stärkt Herz- und Nervenkraft und verjüngt den ganzen Organismus.

Fleckte ii, Pusteln, Stippen, Mitesser, Blässe und Graue des Geslcktes, Schlaffheit der Züge, frühzeitige Falten, auch Haar­ausfall u. s. w. sind oft allein auf die Stuhl Verstopfung zurück- zuführen. Alle diese Symptome schwinden ganz von selbst, sobald die Stuhlträgbeit behoben ist und die den Körper belastenden Darm- und Stoffwechselgifte zur AussMeldung kommen. Denn in der Aufnahme solcher Gifte, die im Körper kreisen und nach außen hin Ausgangs­pforten suchen, weil sie der innere Mensch los sein will macht die Haut keineswegs eine Ausnahme.

Brotella ist kein Abführmittel, eswirkt" nichtüber Macht, sondern wirkt allmählich, dauernd, naturgemäß, bestimmt. Brotella ist zugleich ein wohlschmeckendes, billiges Frühstück und Abendessen.

UrttellB-mUi, Pfd. Mk. 1.40, II ru telle-stark, Pfd. Mk. 2.-, 9»eilsl-8retens Mr Korpulente, für 7 udtctltrenke, für Nervöee je Pfd. Mk. LW.

Neu: Brotella-Kochbnch 25 Pfg.

1 Pfand Brotella gibt ca. X) Teller wunde.»oll edtmedteede Suppe.

1 Teilet kostet also K) bla M Pfg.

etMlMld» hi Rpothektn, Drogerie»- und Reformhäusern. Literatur Posten fr«.

- _________________________________1_______'JJ '

WILHELM HILLER, Chemische und Nahrungsmittel-Fabrik. HANNOVER.