Das große Würfelspiel.
(IRatfina wilemar.)
Roman von Franz Lover Kappus.
44 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Für einen Moment blickte Hutchinson zweifelnd auf Julie. Doch gleich darauf ging sein Gesicht wieder in die Breite.
„Sehr gut, meine Damen."
„Nun, Mister Hutchinson?" fragte Lilh. Zärtlich hielt sie ihren glatten Kopf zwischen beiden Händen. „Was gibt es Neues bei Ihnen? Was macht der Sun-Film?" Sie überlegte, die Wimpern auf den Wangen. „Oder war es nicht der Sun-Film?" Klingend lachte sie. „Mein Gedächtnis beginnt, mich im Stich zu lassen. Kein Wunder übrigens, bei dem Truoel." Lässig deutete sie auf den Tisch mit den Depeschen und Briefen.
„Der Sun-Film bekümmert mich nicht", sprach Hutchinson endlich. „Längst habe ich mit dem Sun- Film nichts mehr zu schaffen."
„So, so", machten Lily und Julie.
Eine Weile saß Hutchinson schweigend. Ganz sicher fühlte er sich seiner Sache. Dann sagte er nur ein Wort: „Hollywood".
Frau Julie zuckte zusammen.
Lily tändelte mit ihren Fingern.
„Ich habe Teile der Kleopatra bei der Apollo gesehen. Sie sind gut als Kleopatra, Fräulein Lily." Hutchinson schob eine Pause ein. „Morgen kommt Mister Thomas Clayton in Hamburg an. Sie wissen doch, wer Mister Thomas Clayton ist?" .
„Natürlich weiß ich dos", lachte Lily überlaut.
„Und wann haben Sie Zeit für Mister Clayton?" Hutchinson blätterte in einem Stoß Papiere, den er aus der Rocktasche gezogen hatte. „Sagen wir Dienstag, um diese Stunde." Rasch kritzelte er etwas. „Mister Clayton wird sich freuen, Sie kennenzulernen." Dann stand er auf und ging.
Drei Tage später war der berühmte amerikanische Regisseur zur Stelle. Er zeigte sich vollkommen im Bilde. Längst war die „Rache der Berge" über den Ozean gedrungen. Auch die Bruchstücke der Kleopatra befriedigten ihn. Keine zehn Minuten dauerte es, bis er seinen Vorschlag in
allen Punkten formuliert hatte. Am 15. August sollte Lily in Los Angeles eintreffen. Ein einfacher Schlüssel setzte ihr Einkommen fest; auch der untere Grenzwert übertraf die Gage, die Findeisen für den günstigsten Fall in Aussicht gestellt hatte. Dazu tarnen natürlich freie Ueverfahrt und Tagesdiäten bis zur Ankunft in Hollywood. Alles weitere würde Mister Rosenbloom morgen regeln. Ob sie damit einverstanden sei?
Zweimal schöpfte Lily Lust. „Vollkommen einverstanden, Mister Clayton", sagte sie dann laut und bestimmt.
Thomas Clayton nickte, versorgte sein Notizbuch und fuhr davon.
„Mama!" schrie Lily am Halse der Mutter.
Ganz erschlafft stand Frau Julie. Ihr Herz würgte in der Kehle. Auf und nieder wogten die Bilder an den Wänden. Zu stark waren die letzten Minuten mit Spannung geladen gewesen. Kraftlos fiel Julie auf den nächsten Stuhl. Und saß still und lächelte fern.
Lily war zum Telephon geeilt.
„Guten Tag, Baron Rheinfeld! Sind Sie denn gar nicht neugierig? Und Ähr Archiv? Mir scheint, Sie vernachlässigen Ihr Archiv. Wollen wir nicht heute zusammenkommen? Tausend Dinge hätte ich Ihnen zu erzählen." Die Stimme Lilys fiel hinab. „Wie — keine Zeit?" Wieder horchte sie mit versammelten Mienen. „Unsinn, Baron Rheinfeld! Ich weiß mir die Bande vom Halse zu halten." Lebhaft nickte sie. „Natürlich: mir beide allein. Keinem Menschen geht das etwas an."
Mit Mühe brachte sie Rheinfeld so weit, daß er zustimmte.
In dem stillen Dahlemer Garten, den Lily vorgeschlagen hatten, saßen die beiden einander abends gegenüber. Alles rundum war wie herausgehoben aus der Zeit. Vergessen brauste das Leben irgendwo. Leise fang das breite Laub der Kastanien über dem rotgedeckten Tisch. Wenige Lichter schaukelten sanft auf gespannten Drähten. Einfache Menschen unterhielten sich abseits. Geschäftig lief der Wirt auf und nieder. Hoch schäumte das Bier in den Krügen.
„Sie wollten mir doch erzählen, liebes Kind", sprach Rheinfeld, nachdem man schweigend gegessen hatte.
„Ja, erzählen." Lily bewegte die Schultern, um die fremde Stimmung abzuschütteln. Am liebsten hätte sie weiter so dagesessen: so still und losgelöst von allem, was ihr Dasein füllte.
„Na, na", machte Rheinfeld und lächelte. „Ame- rika perfekt?"
„Auch das wissen Sie schon?"
„Es mußte ja kommen. Seit vielen Wochen liegt Hutchinson auf der Lauer."
Im Nu war Lily im richtigen Gleise. Mit glänzenden Augen berichtete sie, was sie während der letzten Monate erlebt hatte. Stoßweise ging ihr Atem. Bald überstürzten sich ihre Worte, bald sickerten sie nur. Um so deutlicher sprachen ihre Mienen. Lebendig stand ja jede Einzelheit geschrieben. „Es war nicht leicht, Baron Rheinfeld: aber schön, schön, schön! Und es soll auch nicht leicht sein: nie, niemals."
Langsam drehte Rheinfeld den Ring an seinem kleinen Finger. „Sie werden sich auch in der Zukunft nicht zu beklagen haben, liebes Kind." Irgendwo schob sich sein Antlitz zusammen. „Also Hollywood?"
„Hollywood."
Mit dem Blick verfolgte Rheinfeld das Adernspiel seiner edlen Hand.
Auss neue schwelgte Liln in Bildern und Farben. Zu den fernsten Sternen flogen ihre Träume. Der stille, dunkle Garten war längst versunken. Eine einzige flammend rote Plakatsäule war die Welt. Bis in den Aether hinaus leuchtete der Name: Lily Wilemar.
XXXIII.
Benno von Kreuth saß hinter dem Lenkrad seines Autos und überflog die Zeitung. Nach jedem Absatz warf er einen Blick nach dem Portal des Kaiserhof- Hotels. Ständig mußte man in Bereitschaft sein, wenn man keine Gelegenheit verpassen wollte. Abermals waren viele Fremde eingetroffen. Und solche Fuhren lohnten sich.
Kreuth stöhnte auf. Wie lange sollte das so weitergehen? Die bedruckten Zeilen tanzten vor feinen Augen. Nicht ein WStt hatte er von alldem begriffen.
Auf einmal riß Kreuth den Leib herum. Die Zeitung entfiel seinen Händen.
Maria Feodorowna Sabukowa stand am Wagenschlag.
„Nach Potsdam, Chauffeur."
Wie eine Erscheinung starrte Kreuth die Frau an.
„Verstehen Sie nicht, Chauffeur? Nach Potsdam."
Schon saß die Sabukowa im Fond. Ihr Gesicht war weiß. Der Kopf mit dem kleinen, taupefarbenen Lederhut wandte sich zur Seite. Scharen von Menschen entquollen der Untergrundbahnstatton. Ein schwerer Möbelwagen samt Anhänger keuchte über den Wilhelmplatz. Mit Heller Kindersttmme rief ein Hotelpage nach einem Auto. Irgendwo trabte ein schläfriger Gaul über den Asphalt.
Geduckt kroch Kreuth von seinem Sitz. Unerhört war, daß man den alten Kasten ankurbeln mußte. Alle, die da in der Reihe standen, hatten den Anlasser. Nur der eine Gedanke lebte sekundenlang. Unbegreifliche Scham brannte.
„Nach Potsdam also?" Von unten herauf fragte Kreuch nach rückwärts. Wild verknotet waren seine Züge.
Die Sakubowa nickte.
Kreuch fuhr los. Die Finger klebten am Volant. Glühendes Eisen war das abgescheuerte Holz. Kulissen wehten rechts und links vorüber. Wie auf Watte lief der Wagen.
Irgendwo schrie jemand auf. Flatternde Gestalten wichen zurück. Ein Verkehrspolizist wirbelte drn Arm durch die Luft. Mit ganzer Kraft trat Kreuch den Bremshebel. Das Auto stand, murrte, zog wieder an. Heiß ging die Fahrt, schnurgerade, in reißenden Winkeln, haarscharf an Straßenbahnen und Fuhrwerken vorbei. Steglitz, Dahlem und Zehlendorf wischten vorüber. Endlich lag der Königsweg frei.
Kreuth nahm die vierte. In allen Fugen knirschte und wimmerte der Wagen. Was betümmert’s mich? surrte der Wind an den Schläfen. (Ein'TXrrbt mußte einmal sein. Man verreckte ohnedies allmählich, von einem Tag auf den andern. Die Sabukowa in derselben Stadt, ohne daß man sie zu Gesicht bekam, das gequälte Dulderantlitz Martinas, die fressende Pein in der Brust: nein — lieber hier kaputtgehen, kaputtgehen mit der Sabukowa zusammen, daß kein Knochen beim andern blieb.
Neu-Babelsberg tauchte auf.
Kreuch schaltete um.
(Fortsetzung folgt.)
iiT^BrenmkffveTfhl
'orkammer
DyteneimaU
der
Arbeffsrovm
0r.
in der Zuoerfossigfeeit sind die
nlcfif zzinerrassLa arbeitet ?
MOTORENWERKE MANNHEIM Aß. vorm- BENZ Abhstahonarer Motorenbau MANNHEIM
RTt2cirk. v monatliche jßrennstojf-ErspQrnis, trenn der
7889V
Verkaufsbureau:
Mannheim L.15I Telephon 30429
Berichtigung
In der Empfohlung-sanzelge vom 16. November ist ein Druckfehler unterlaufen der hiermit richtig gestellt wird:
Eolienne Ä^^'.98.cm.b^ 5.20
Crepe de Chine ä“,,.b8mk. 5.90
Gebrüder Imheuser 945m
jiiimiiiihinr iiiidiiiiniirm.'n'iiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiihiiiiirnTfnTTTTTTTn'rTn'nniiTTrmnnra
\ A Hauptsortei Mischung I 4 Mark A i
E 9261a E
niiinm^nniiuiiiiniiniiiniiiii! uh hihi i!iiiiiitmniiiiiiiLiiiiiiiiiiiiiHHiniiiniiiiitiiiiira
Feines Aroma
sind die hervortretenden Eigenschaften von
Driesch-Kaffee I
Ausgiebigkeit
Köstlicher Geschmack
MMMIMBHMKBaKBMaSMHMaRi
Verlangen Sie den hochwertigen
Ruhr-Brechkoks heizkräftigster,sparsamster Brennstoff
für
Zentralheizungen
Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. B0A
Pelz waren
Größeres Pelzgeschäft mit eigener Kürschnerei liefert vom einfachsten bis zum feinsten Pelzwerk an Beamte, Lehrer, Aerzte, Direktoren und Festangestellte jegliche Petzgegenstände fowiePelzmäntel, Jacken,echte Skunkse, Wölfe, Füchse und andere Pelzarten gegen mehrmonatltcheZahlungen ohne jeden Auiichlag. Das Pelzstück wird sofort auSgehändigt.
Wir bitten um Angabe, für welches Stück Interesse vorliegt. worauf unverbindlicher Bertreterbesuch erfolgt. Strengste Diskretion wird zugesichert. BernfSanaabe erbeten.
Schriftliche Angebote unter 9394c an den Gießener Anzeiger.
Fisch-Zentrale Marktlaube.
Freitag vormittag findet Bei kaut statt von frischem
Cabliau, Schellst iche, ScclachS, Notbar>ch,ScholIe, Rotzungen, Brat-
stfche iiiw. 0KWa Verkauf nur in der Markthalle. Tel. N F.LA.Derhey. ^pflihekenge (W ff^ünit. Beding W ■ durch 9067c H g F. Heidemann I B Frankfurt a. HL ■ ■ Kaiservl. 18-2" ■ Byanfa 9557 58 B
Schellfische
Cabliau, Seelachs, Gold
barsch Schollen
Fluhhechte Karpfen,Salm empfiehlt, nur feinste Nordseeware zu billigsten Preisen w.Äööig. II. Som iWoiger
Schulstraße 10.
Tel Ml2 94,1 c
" Med. £ebenrans Cebertrait>8mulf1ort beste Qualitäten
, Drogerie Winterhofl Kreuzplatz /
V. 9 U. 10 yW
Frische
MM
Cabliau
Seelachs
Goldbarsch Slkler Bütfinge Sielet Sprotten empfiehlt
044
Von stelstiacn Bienen gesammelter la Schleuder- HONIG
aller! Qual..l0Psd- Büchie Mk. 10.80,
halbe Mk.6.30 franko Nach»., ganz heller SUeebottio Mk. i.— mehr, Probeväck- cheu L l'.,Pfd. netto Mk. 1.80frk.geg Vor- eins. Gar. Zurückn. Obstplant, u. Hontg- verfand „Werder", Werder 25 an der Havel.™ss
Gegen Darleihung einer Huvothek von
15000 Mark auf gut. Objekt wird eine beschlagnahme- ireieb-Kimm.-Woim. in gut. Lage zur Vers, gelt. Sckr. Ang. um. 08043 n. b. Gteß.Anz
4 Eimer waschfyaftige JCcmge
von einem Paket SUMA!
So ergiebig ift SUMA, weil es nur wertvolle, mild, aber vollkommen reinigende Bestandteile enthält.
Es ift frei von bloßen Füllmitteln, die
keine Wafdikraft befitzen, und frei von
Schädlichen Chemikalien, die die Wäfdie langSam aber ficher zerftören.
Sie brauchen keinerlei Zutaten!
SUMA WäSdlt allein / — Preis so Pfg.
5a 11
Nicht der Preis allein,
1 e ..y bestimmt den Wert einer Ware,
Cf IC \JUSll ItHZ — Darum lasse sich niemand blenden von scheinbar billigen Preisen, er wird enttäuscht!
Edeka-Waren sind preiswert u. gut!
9443a
3MMOMW empfehle Kränze, Buketts, Sträuße und Rosentöpfe, sowie frische Chrysanthemumblumen. Alles in reicher Auswahl und in allen
Preislagen. 08045
kartenimbltrieb Mhchr Stil
Zorn Totensonntag
empfehle
frifche, präparierte JslandmooS- und Waldkränze, fom. Nreuzc, Sträuße ufro. in schöner Auswahl. Ferner Erikattöcke und frische Cbrvfantbemumblumen.
Gärtnerei C.Volk
Llchcr Straße 7. 08004
Ium Totenfest
empfehle ich 08042
Kränze, Buketts und Kreuze
in geschmackvoller Ausführung.
Große Auswahl! Billigste Preise!
Hch. Zungermann
Gartenbau und Frtedhofsgärtnerei am Neaon Friedhof, Haltestelle der Straßen« bahn. Wohnaag Waaeratr. 10.
Empfehle: 00680
lr» Ochien- u. Rindfleisch kPsd. -*1.10 I« junges Mattsteifch ä „ -*0.80 I» Hackfleisch ä. , .x >.10
I» Rindswürstchen ä , Jt 1.10
WkNttWWKt.WMotßk.U
Drucksachen aller Art
Udert <n Jeder gewünschten Ausstattung stilrein und orthwert die BrCbriehe Ünhr.-Druekerel. v Lange.


