Ausgabe 
18.10.1926
 
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Turnen, Sport und Spiel

aktiv turnerisch oder sportlich betätigt, gewiß eine I imponierende Zahl. Dr. Fr.

zu belassen, K'.eser nach schloß bei

tourt: abgelehnt. Gestern wurde dem Landeszuchthaus Marien- Duhbach übergeführt.

Preußen.

Kreis Marburg.

Das Statistische Reichsamt in Berlin hat vor kurzem die Ergebnisse der letzten Erhebungen über den Stand des deutschen Turnens und Sports be- bekanntgegeben. Diese Statistik eröffnet interessante Einblicke in die Entwicklung einer der größten Kul-

Turn-undSportbewegung in Zahlen.

Kreis Alsfeld.

Burg-Gemünden, 16. Oft. Die G e - m e i n d e Burg-Gemünden hat das Anwesen des Metzgermeisters Karl Stein II. dahier käuflich erworben, um es als Gemeindehaus herzu­richten. Metzgermeister Stein hat ein an der Straße nach Bernsfeld gelegenes Gebäude, das den Stein Erben, zur Zeit wohnhaft in Essen, gehört, angekauft, um es als Schlachthaus mit Laden um­zubauen.

L Rieder-Ohmen, 16. Oft. Ms em Hebelsiand muh es angesehen werden, daß unsere Gemeinde die über 1300 Einwohner zählt, noch keine Wasserleitung besitzt. Während die Dörfer des oberen Ohmtales. Ober- und Unter- Seibertenrod und Ober-Ohmen, schon seit Jahren diese vorteilhafte Einrichtung haben, scheint man hier noch nicht daran zu denken. Aber auch die Orte der Umgebung, wie Ruppertenrod. Wett- saasen Flensungen. Merlau und Mücke sind noch ohne Wasserleitung. Sollte es nicht möglich sein.

Futzball im Mainbezirk,

Die Spiele im Mainbezirk am gestrigen Sonn­tag brachten zwar die Begegnungen in der Spitzen­gruppe, aber noch keine endgültige Klärung. Offenbacher Kickers konnten sich durch ein Unentschieden (1:1) gegen Rot-Weiß Frank­furt o. M. mit einem Punkt Vorsprung an die Spitze setzen. Der Fußballsportverein Frankfurt a. M. konnte nach hartem Kampf seinen Rivalen, die Eintracht Frankfurt ain Main, mit 3:2, besiegen und Anschluß an die füh­renden Vereine gewinnen. Rot-Weiß blieb dadurch zum erstenmal um einen Punkt gegen seine drei übrigen Mitkonkurrenten zurück. In der Schwanz­gruppe ist als Ueberraschung der Sieg der Ger­mania 9 4 Frankfurt gegen 23. f. B. Reu-Isen­burg, 1:0, zu werten, den man nicht erwartet hatte, der aber für das Können der Germania gut­spricht. Union Niederrad konnte Hanau 9 4 glatt mit 6:0 abfertigen. Hanau spielte diesmal an­ständig und zeigte deshalb überhaupt nichts. H a - n a u 9 3 gewann gegen Viktoria Aschaffen­burg 3:0, ohne sich überanstrengen zu müssen.

1. F. C. Nürnberg Spiel- vereinigung Fürth 0:0.

Am gestrigen Sonntag fand das traditionelle Treffen des 1. F. C. N ü r n b e r g und der Spiel- vereinigung Fürth statt. Keine der beiden Parteien konnte ein Tor erzielen, so daß sich die beiden Gegner in die Punkte teilen.

Neuer deutscher Rekord Dr. Putzers.

Peltzer 1000 Meter in 2:27,4.

Dr. Peltzer war für den gestrigen Sonntag einer Einladung des Sp.-Cl. Viktoria Hamburg gefolgt und startete auf dem H. S. V.-Plah in einem 1000-Meter-Einladungs-Vorgabe-Rennen. Witterung und Bodenverhältnisse waren nicht gerade die besten, so daß man Dr. Peltzers Dor- hoben, einen Angriff auf den 1 000- Meter-Weltrekord Lundgreens und auf den noch nicht amtlich anerkannten Welt­

rekord des Franzosen Martin- Paris zu unter­nehmen, skeptisch gegenüberstehen muhte. Dr. I Peltzer strafte aber alle Zweifler Lügen. Er

holte nicht nur alle V^rgabeläufe, darunter

sch. Marburg. 17. Olt. Ein Unglücks» s a l l ereignete sich hier in der Sybelstrahe. Ein Wagen des Mehgermeisters Lang, der mit fünf Personen beseht war, fuhr Die steile Straße hinunter. Bei dem nassen Pflaster versagte die Bremse, der Wagen kam ins RoUen und die noch jungen Pferde gingen in Galopp über. Schließlich rannte der Wagen gegen ein eisernes Schutzgeländer und blieb schwer beschädigt liegen. Der 12 Jahre alte Sohn des Mehgermeisters Lang erlitt dabei schwere innere Ver­letzungen und wurde von Sanitätern in sein

Elternhaus gebracht. Zin Dienstmädchen, das auf dem Wagen sah. trug schwcre Hau t- abschürfungen davon, die übrigen Personen blieben unverletzt.

Kreis Wetzlar.

q Erda, 16. Okt. Die Frage der Erbauung einer W a s s e r l e i t u n g in unterem Orte scheint nunmehr ihre Lösung zu finden. Die Gemeinde hat einen auswärtigen Unternehmer mit der Aufnahme der Schürfarbeiten nach Wasser beauf­tragt. Vorläufig soll in einem nahegelegenen Wie- fengrunb geschürft werden. Schon in den Vorkriegs- lahren wurden derartige Forschungen in kleinerem Umfange vorgenommen, jedoch führten sie zu keinem nennenswerten Erfolg.

Lbcrlal-nkreis.

WSR. Runkel. 17. Oft. 3m benachbarten Ennerich geriet gestern ein schwerer Last - krastwagen mit einem etwa 100 Zentner Getreide beladenen Anhängerwagen infolge des schlüpfrigen Bodens an der ab­schüssigen Landstraße ins Schleudern, wo­durch der A n h ä n g e r w a g e n u m st ü r z t e und die G et ueid Zücke auf die Straße ftcg.n. Viele davon platzten dabei auf und dr,s Getreide lag haufenweise auf der L a n d st r c» ß e. Die Aufräumungsarbe'.ten dauerten fast eins Stunde. Personen sind nicht zuschaden gekommen.

Tbcrwest"rwaldkrcis.

A Höhn, 16. Olt. Dieser Tage wurde der neu angelegte Steinbrud)Gewerkschaft A l - b e r t" bei Großseifen in Betrieb genommen. Der Sitz der Firma ist in Freudenberg. Kreis Siegen. Zur Zeit werden ungefähr 60 Arbeiter aus der Umgegend beschäftigt. Da noch großzügige Ver­größerungen in dem Betriebe vorgenommen wer­den sollen, ist die Eröffnung des Steinbruct-es im Interesse der Arbeiterschaft nur zu begrüßen.

ii Altenstadt, 16. Ott. Die Arbeiten an der N i d d e r r e g u l i e r u n g in dem Teilstück Ge­markungsgrenze AltenstadtHöchst bis zur Ge- markungsgrenze AltenstadtLindheim nähern sich ihrem Ende. Nachdem im vorigen Jahr die Strecke von der Landesgrenze bei Eichen durch die Gemar­kung Höchst bis zur Gemartungsgrenze Altenstadt durchgeführt worden war, sollen im kommenden Jahr noch die Gemarkungen Lindheim und Glau- berg, soweit die letztere nicht bereits reguliert ist, bearbeitet werden. Durch diese Arbeiten wurde em in erster Linie der Landwirtschaft zugute kommendes Werk geschaffen. Während in früheren Iayren mehr­mals im Jahre die Nidder über ihre Ufer trat und weite Strecken Landes unter Wasser setzte, wird dies jetzt vermieden werden. Der ^lußlous wurde geebnet, die Ufer neu abgeschrägt und brei.er ge­macht, an vielen Stellen sogar ganz neue rAußiauf- ftreden gegraben. Hierdurch wurden die vielen Win­dungen und Krümmungen der Nidder beseitigt. In zweiter Linie gewährten diese Arbeiten einer mehr als hundert Köpfe zählenden Arbeiterschaft Brot und Verdienst. Finanziert wird die Nidderregulle- 1 runfl durch die beteiligten Gemeinden und Not- stands-Zuschüsse des Reichs und des Landes.

KreisMchotten.

s ® f D e r 1t; 16. Oft. Schon seit längerer Zeit machte sich die Unzulänglichkeit der hiesigen Dahnhossan lagen bemerkbar. Besonders der gesteigerte Güterverkehr, bedingt vor allem durch die ausgedehnte Basaltindustrie in hiesiger Gemarkung, machte eine Erweite­rung der Verladerampen notwendig. Bei der Bahnverwaltung bestand schon von friityer her das Projekt, die Bahnhofsanlagen zu vergrößern. Zur Besprechung dieses Planes tagte jetzt hier eine Kommission, die sich zugleich an Ort und Stelle von der Möglichkeit der Ausführung über­zeugen wollte. An der Besprechung nahmen Ver­treter^ des hessischen Finanzministeriums. der Reichsbahndirektion Frankfurt, des Kreisamts Schotten und der Gemeinderat von Gedern teil. Man kam zu dem Ergebnis, daß der seitherige Plan, den Bahnhof nach der städtischen Seite hrn zu efctocitern, der hohen Kosten wegen fallen­gelassen wurde. Es wird mm ein neues Pro­jekt von der Reichsb.ihndirektwn ausgearbeitet werden. Dieses sieht den Dau eines wetteren Anschlußgeleises mit Derladerampen jensetts des Bahnhofes, der Stadt abgewandt, vor. Während das neu zu errichtende Gleis lediglich dem DTr­iaden von Gütern dienen soll, würde die jetzig? Verladerampe nur zum Ausladen benutzt werden. Als Anfahrtwege zu dem neuen Gleis find Ab­zweigungen von der Wrninaser und Merken- sriher Straße vorgesehen. Von hiesigen int^r- essicrten Kreisen w'rd dieser Plan begrüßt, da man einerseits den Bau der neuen Straße nach Ober see men gefördert sieht und zum andern mit der Möglichkeit rechnet, hier neu Baugelände zu erhalten. OIH der Verwirk­lichung des neuen Projektes ist aber erst in einiger! Jahren zu rechnen, da, wie von allen Seiten betont wurde, man mit finanziellen Schwie­rigkeiten sehr zu kämpfen habe.

_L Glashütten. 16. Okt. 3m nahen, zu unserer Gemeinde zählenden S t r e i t h a i n DarbdasältestemännlicheGemein de­al i e d, der Landwirt Konrad Schultheiß, im 8 5. Lebensjahr. Er wurde unter großer Be­teiligung von nah und fern zu Grabe getragen. Der Verstorbene hatte noch zwei Lage vor feinem Tode auf dem Felde gearbeitet.

daß sich eine große Gemeinde wie Rieder-Ohmen | endlich entschließt, im 3nteressc einer Wirtschafts­erleichterung für ihre Einwohner und zu besserem Feuerschutz eine Wasserleitung zu bauen? Wenn Las nicht gelingt, wäre vielleicht ein Zusam­menschluß mit benachbarten Gemeinden zu I einem Gruppen Wasserwerk möglich.

= Ober-Ohmen, 1k. Okt. Heute fing ein hiesiger Öagdpächler in seinem Revier einen Fuchs uni) einen Dachs, Die friedlich zusammen in einem Bau, einer kanalisierten Drainage in der Rahe des Dorfes, hausten. Eine vielköpfige Zuschauermenge hatte fich eingefunden, das Schau- | spiel zu bestaunen. Auch im vorigen 3ahr wurde in dieser sonderbaren Höhle ein Juchs lebendig gefangen und an eine Kette gelegt. Doch hielt er seine unfreiwillige Gesangenschaft nur jtoci Tage aus. da er sich durch Toben zugrunde rich­tete. Einige 3ahre vorher wurden an dieser Stelle zwei Dachse gefangen.

-er. Homberg a. L. Ohm, 16. Okt. Am nächsten Mittwoch. 20. Oktober. findet hier der weit und breit bekannte Kalte Markt m großem Stile statt. Wie alljährlich ist an diesem Tage Vieh- und Krämermarkt. Ruch werden hier Konzert sowie Tanzbelustigungen statt sinden. Ferner ist für Volksbelustigung qcn aller Art reichlich Sorge getragen. Sogar Der Reiterverein au5 der Umgegend mit dem Sitze in Vüßseld. wird interessante Vorführungen bieten. Gestern abend prach hier im Hotel ..Hesfischer Host' der Ge- lchäftsführcr der Deutschen Volkspartei. Herr Weiser. Gießen, in unserer Ortsgruppe über 'eine Eindrücke und Erlebnisse auf dem Partei­lag der Deutschen Volkspartei in Köln. Die Ausführungen des Redners wurden mit großem Interesse verfslgt und fanden bei allen Mit­gliedern lebhaften Anklang. Zum Schlüsse seiner längeren Ausführungen beleuchtete er auch die hessischen politischen Verhältnisse.

Kreis Lauterbach.

* Darmstadt. 17. Oki. Eine hier wop- nende Homöopathin wurde auf Ersuchen ter Staatsanwaltschaft Kaiferslautern wegen Verdachts der Lo h n a bt r ei bu n g in Unter» suchungshaft gebracht. Eine hiesige Fabrik wurde Lurch einen 2 1jährigen kauf­männischen Angestellten seit zwei 3ahren sortgesetzt betrogen. Die Höhe Les unterschlagenen Geldes beläuft sich auf rund 1 5000 Mark, die er durchgebracht hat.

Rheinhessen.

WER. Mainz. 16. Olt. Der vom hiesigen Schwurgericht Wegen Totschlags zu fünf Zäh­ren Zuchthaus verurteilte ehemalige Separa- tlstenführer Kiefer und fein Verteidiger haben gegen Las Urteil Revision eingelegt. Der Antrag, den Verurteilten bis zu Erledigung der Revisionsverhand.ungen vor dem Reichsge­richt in Untersuchungshaft tm Mainzer Gefängnis

P. Schlitz. 16. Okt. Unter ganz auherge- gewöhnlich großer Beteiligung, wie sie unsere Stadt seit langen 3ahren nicht gesehen, wurde dec nach langem, schweren Leiden verstorbene Fabrikant Wilhelm Z ö l l e r zur letzten Ruhe gebracht. Rachdem Oberpfarrer Do eck n er dem Heimgegangenen Freund die Grabrede gehalten, wurden nach dem Grabgesang unseres Männer- gesangvereins ,.H armonischcs Kränzchen^ . Heber den Sternen wohnet Gottes Frieden" zahlreiche prachtvolle Kränze unter ehrenden An­sprachen mebergefegt; so von Buchhalter Heinrich Hoffmann für die Beamten und Arbe.ter i turbewegungen in Deutschland, der Firma Riepoth & C.e.. bereit Zunrorcyes Der yon Den dem Deutschen Reichsausschuß für Lei- Derstorbene gewesen, von Mehrer So mm er rur hesübungen angeschlossenen Verbänden steht der die hiesige Ortsgruppe der .Deutschen Volks- Deutsche'Fußballbund mit 875 000 Mitgliedern weit- Partei", die ihren langiahmgen verdienstvollen au5 on Der Spitze. Es folgen die Deutsche Sport« und erprobten Führer und Vorsitzenden verloren b^rbe für Leichtathletik mit 440 000 Mitgliedern, hat. von Fabrikant Haber mehl für den Bete- I ber Deutsche Schwimmverband mit 140 000, der ranen- und Militärverein. Der dem Krtegskame- sßunb Deutscher Radfahrer mit 132 000, der Deutsche roden die letzten Ehren erwies, von Studienrat I Ruderverband mit 107 000 Angehörigen. Diese Dr. Roloff für J)a£ Kuratorium unserer Real- I (grotziierbände werden jedoch weit überrragt von der schule, von Generalsekretär K o l l b ach- Darm- dem DRA. wieder angehörigen Deutschen ftabt für den Landesverband und Landrsaus- Turnerschaft mit 1,6 Millionen. Zwischen 20 000 und schuß und von Parteisekretär W e i s er» Gießen I 100000 Mitgliedern umfassen folgende Verbände: für den Provinzialverband der Deutschen Volks- ber Deutsche Skiverband 90 000, der Deutsche Keg« Partei. Aus alten Ansprachen klang die Wert- Ierbunb 60 qoo, ber Deutsche Tennisbunb 53 000, Schätzung und die allgemeine Trauer um den so ber Athletik-Sportverband von 1891 unb ber Reichs­früh aus dem Leben gerissenen freund und verband für Amateurboxen jc 50 000, ber Allge- wackeren deutschen Mann. Wie stets tn Den meine Deutsche Turnerbund, ber Allgemeine Deutsche letzten 3ahren, so sandten auch diesmal wieder Automobilclub unb ber Rab- unb Molorradfahrer- tne Pfarrgem ei nden des Sch l i her- verbandConcorbia" je 42 000, ber Deutsche landes zwei Waggons, schwer beladen Hvckeybund mit 30000, bie Turnergilbe im Deutsch- vor allem mit Kartoffeln, frifchem Geirmse ufw. nationalen Hanblungsgehilfen-Verbanb 25 000, der als Crntedankfestgabe an das Diako - Deutsche Seglerverband 20000 Angehörige.

n iss enhaus .El isa b et h en st i f t in Darm- $jc Zentralkommission für 2irbeiterfport und stadt. Sämtliche Pfarreien unserer engeren Heimat I Körperpflege gab folgende Zahlen an: Arbeiter- bis auf eine beteiligten sich freudig an diesem Turn- und Sportbund 750 000 Mitglieder, Arbeiter- Werk christlicher Liede und Barmherzigkeit. Radfahrer-Bund ..Solidarität" 190 000, Arbeiter» MÜjktcnbunb 63 000, Freie Ruderer und Kanufahrer WSR Darmstadt 17. Okt. Die Ge- Von den freien Verbänden hat der Deutsche trän test euer Ler Stadt Darmstadt ist be- Turnerbund 120 000, der Oberschlesische Spiel» und kanntlich durch Urteil des Hrovin-ialausschusses Eislaufverband 33 000, die Radfahrer-Union 12 000 der Proviirz Starkenburg für rechtsungül- Mitglieder.

tig erklärt worden. Gegen dieses Urteil hat die Faßt mau diese Zahlen zusammen, ,o kommt Stadt Darmstadt Berufung eingelegt. Wie man, selbst unter Außerachtlassung der unvermeid- das Darmstädter Tageblatt" erfährt, hat die lichen Doppelzählungen, für den Mitgliederstand Stadt" Darmstadt den interessierten Verbänden der deutschen Turn- und Sportvereine zu einer gegenüber sich jetzt bereit erklärt, auf die Er- Ziffer von mehreren Millionen, also, obwohl natur« Hebung der Getränkesteuer zu verzichten und gemäß nur em Teil dieser gewaltigen Masse sich ihre Berufung gegen das Urteil des Pro- I < vinzialausschusses zurü d ,a u ä i e b c n. _________

Das große Würfelspiel.

(IHadina Bilemar.)

Roman von Franz Taver Kappus.

18. Fottfetzung. Nachdruck verboten.

XIV.

Rasch schritt der Bau in der Canovastraße fort. Bis in die Höhe des zweiten Stockwerkes ragten die Gerüste schon. Eisenbeton und Backsteine taten ihre Schuldigkeit. An vier Stellen arbeiteten die Ziegelwinden. Immer neue Fuhren Sand, Kalk und Zement kamen herbei. Gewal.zte Träger, Unter« lagsplatten und gegossene Säulen schichteten sich da und dort. Feiner roter Staub deckte den Fahrdamm bis auf die andere Seite. Schwer legte sich die heiße, beißende Luft auf die Lungen. Schweiß rann den dürftig bekleideten Männern und den barfüßi­gen Frauen über die Gesichter. Hier und dort und überall trieben die Poliere zur Arbeit an. Späte­stens im September mußte die Dachgleichs erreicht werden.

In einer Autodroschke fuhr Bernhard Carsten cor. Ernst Wilemar erstattete Bericht. Alles sei im aeften Zuge. Wenn es einen schönen Herbst gab, konnten die Wohnungen noch dieses Jahr bezogen werden. Längst war alles vom Keller bis zum Giebel vermietet. Nur ein winziger Bruchteil von den Unzähligen, die sich seinerzeit beworben hatten, war wirklich angekammen. Persönlich hatte Carsten die entscheidende letzte Auswahl getroffen. Nur die buchstäblich Obdachlosen waren hier wie bei den zwei anderen Mietyäusern berücksichtigt worden: herabgekommener Mittelstand, kinderreiche Familien ohne Oberhaupt, armes Volk voll Leiden und Ge­bresten.

Dreimal stapften Carsten und Wilemar rund um das rohe Gemäuer.

Sehr luftig", sagte Carsten mit zusammen- geschobenen Brauen.Kaum glaublich, daß das die ursprünglichen Ausmaße sind."

Wilemar griff in die Brusttasche feines Segel­tuchrackes. Ein Bündel Papiere kam zum Vorschein. Vielleicht überzeugen Sie sich selbst, Herr Carsten."

Doch Carsten winkte ab.Es wird schon stim­men. Der Rohbau täuscht immer." Abermals blickte er in die Höhe.Vorläufig befriedigt mich das

L^rankenhaus am meisten. Auch dort wurde an allen Ecken unb Enben gespart: unb doch das Kran­kenhaus sieht nach etwas aus. Während da" Er verstummte und drehte die Hand in dec Luft.

Eine Minute darauf ratterte Carsten davon.

Kurz schaute Wilemar ihm nach. Dann begann er wieder auf» und niederzugehen: dieselben hundett Schritte hin und her, das Kinn an der Brust, die Hände auf dem Rücken.

Niemand kannte erwarten, daß er besondere Freude an dieser Arbeit hatte.Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", murmelte Wilemar vor fich hin. In ganz anderem Stile hatte man früher verdient. Es war ein Unterschied, ab man auf eigenen Füßen stand ober nicht. Nur wenn man sein eigener Herr war, regten sich Schaffenslust unb Unternehmungsgeist. Oft kannte bo bie Aus­führung ben vielen guten Jbeen gar nicht folgen. Freilich, nicht jeber Schlag gelang: bach wenn einer gelang, bann strömte Gelb in bas Haus. Jetzt aber? Alles baheim ronr mühfam bewahrter Schein: bie Wohnung, der Betrieb, das sogenannte Familien­leben. Julies gutgespielte Zufriedenheit konnte nicht täuschen. Ganz in sich verkrochen lebte Martina, ein anderer Mensch. Irgendwo in der Welt reifte Lily umher; Gott wußte, was aus ihr wurde. Ernst Wile» mar zog es das Herz zusammen, wenn er an die Seinen' dachte. Er mußte schweigen und jedem seinen Willen lassen. Er kannte ja nicht helfen.

Oder kannte er es?

Nach einer Woche sprach er bei Oriewicz vor.

Zehn Minuten lang war Wilemar für den Ban­kier Lust. Dann endlich erhob sich Oriewicz. Die Arme auf den Tisch gestemmt, blinzelte er Wilemar an. Nach verrunzelter mar sein kleines Gesicht ge­worden.

Sehe ich recht?"

Ja, Sie sehen red)t" jagte Wilemar geärgert. Sechs Monate sind keine Ewigkeit."

Und wer hat die bessere Nase gehabt, he. Oriewicz krümmte sich vor Lachlust.Sind Lerag und Baugesellschaft wieder hochaekommen? Und wer hat verkauft, ohne den März abAumarten? Wer hat glatte achttausend verloren, weil er auf mich nicht hären wollte?" .

Lassen wir das", sprach Wilemar unwirjch.

Oriewicz richtete sich auf und kehrte die Hand­flächen nach auswärts.

Bitte. Ich meine nur."

Eine Weile standen die beiden einander ohne ein Wort gegenüber.

Dann fragte Wilemar:Hätten Sie etwas für mich?"

Ob ich habe."

Etwas Sicheres?" »

Ich habe noch niemanden hineingelegl. Man legt sich höchstens selber hinein." Oriewicz beugte sich über seine Papiere.

Und das wäre?" fragte Wilemar.

Tja, mancherlei. Es kommt darauf an." Worauf?"

Oriewicz kratzte sich mit dem Bleistift Hinterm Ohr.

Man sieht, Sie sind dem Geschäft entfremdet. Sechs Monate sind also doch eine Ewigkeit. Auf das kommt cs an, selbstverständlich." Zwijchen Daumen und Zeigefinger rieb er unsichtbare Bank­noten.

Tief holte Wilemar Atem.Vierzigtausend sind zur Verfügung", sagte er dann.

Allerhand." Seine Mienen drückten Hoch­achtung aus. Aber gleich darauf grinste er wieder ohne einen Laut.Darf man sehen?"

Wilemar legte das Geld auf den Tisch.

.Kassageschäft?" fragte Oriewicz.

Meinetwegen auch Kassageschäft, wenn es anders nicht geht."

Auf einmal war Oriewicz lebhaft wie ein Wiesel. Er rannte auf uod ab, riß an Schubladen, warf den Briefordner um und wühlte in den auf­gespießten Kurszetteln. Großartig pflanzte er sich vor Wilemar auf.

Haguwa lautet die Parole!" Eindringlich versicherte er:Wer jetzt Haguwa tauft, wird ein reicher Mann." Zuckend blätterte er in den Kurs- zetteln.Seit Monaten rühren sich die Papiere nicht. Beliebig viel Pakete sind um ein Butterbrot zu haben. Aber im Dezember da werden die Herren Augen machen. Nach so einem Geschäfts­jahr, nach so einer Bilanz kann nur die Hausse kommen."

Heute wissen Sie schon, wie die Bilanz aus­fallen wird?"

Oriewicz zeigte sein schadbastes Gebiß.

Ich erlaube mir. Es scheint Ihnen entfallen zu sein, Herr Wilemar: Ich bin ich. Nicht jeder weiß,

was ich weiß. 9lid)t einmal jeder Hundertste. Vor­läufig. Morgen sind es vielleicht schon mehr. Darum greifen Sie zu. Ich kann Ihnen nicht mehr sagen."

" Wilemar hatte den Kneifer abgenommen.

Ich will nicht in Sie dringen, Herr Oriewicz. Ich vertraue Ihnen. Auf das Wie und Warum bin ich nicht neugierig. Ich kaufe."

Für vierzigtausend?"

Für oierzigtaufend."

Oriewicz raste zum Telephon.Unlimitiert na­türlich?" fragte er auf halbem Wege.Ist ja gegen­standslos. Also unlimitiert." Kurz avisierte er seinen Börjenvcnreter. Flink rechnete er auf seinem No­tizblock. Sorgfältig übertrug er die Endziffern in das Auftragsformular. Er sah nach der Uhr an der Wand.So." Laut rief er nach rückwärts:Gün­ther soll ein Auto nehmen.

Es ist doch noch nicht zu spät?" fragte Wilemar besorgt. Auf einmal fürchtete er sich vor feinem Selbe. Um (einen Preis wollte er es wieber in ber Tasche haben

Reichlich Zeit", jagte Oriewicz. Behend zählte er bie Noten. Elastisch hüpfte er bannt zur Eifen­rasse.Noch eine Stunbe bis Börsenschluß."

Mit weggespreiztem Ellbogen reichte er Wilemar bie Bestätigung.Der Schlußschein folgt morgen."

Draußen ging alles seinen Weg. Das Leben ber Mittagstunbe branbete um Wilemar, als er um bie Ecke bog. Automobile sausten bie Kurfürstenftraße hinauf. Rasselnb unb ritschenb fuhren bic Straßen­bahnen, stockten, fuhren wieber. Auf hohem^ Bock böseste ein Droschkenkutscher. Leer glotzten bie blin- ben 21 Ligen seines Gauls. Dicht hintereinanber flitzten brei Rabfahrer vorüber. Unsinnig plärrte ein Grammophon in einem Augenblick ber Stille. Das Bellen einer tiefen Hupe scholl barein. Ein Lastauto dröhnte und vibrierte auf der Stelle. Ernst Wilemar gab sich einene Ruck.

Welchen Sinn hatte es, hier zu stehen und in das Getümmel zu starren? Er mußte nach Sud» enbe. Vielleicht beeyrte heute ber alte Grumbach ben Bau in ber Canovastraße mit seinem Besuch. Vielleicht kam Bernharb Carsten in bas Bureaui nebenan. Man mußte sich beeilen.

Unsicher hob Wilemar bie Hand. Es war, als verscheuchte er Mücken vor seinen Augen.

(Fortsetzung folgt)