Nr. 192 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger ISencral-Anzeiger für Gderheffen)
Mittwoch, 18. August 1926
Aus dem Reiche der Frau.
Lebenskunst.
Don H. Pleimes-Eulemeher.
,3m 5. Akt soll applaudiert, und nicht gepfiffen inerten!" Frau Aja schreibt diese Worte ihrem Sohn, als sie im Begriff ist, das stattliche Haus am Hirschgraben au Frankfurt am Main verlassen und ihr Altersheim am Roßmarkt im .HauS -um goldenen Brunnen" zu beziehen. Wie ein Symbol klingt unS heute dieser Dame. Der goldene Humor und die goldene Weisheit in den Briefen, die in den kleineren und engeren Stübchen dieses HauseS geschrieben sind, lind unS heute noch ein Quickbrunnen Wir stehen ehrfürchtig vor dem Bilde dieser seltenen Frau, die im besten Sinne daS Leben meisterte in einem Alter, da andere anfangen, müde zu werden, verdrossen und vergrämt inS Leben zu schauen. Sie schöpfte auS goldenem Brunnen.
Man sage aber nicht, das; sie & leicht halte. Lebenskünstlerin zu sein, ihr Leben in flctig aufwärts gerichteter Linie zu leben bis zur letzten Stunde. Gewiß, sie war schon als junge Frau die Mutter eines berühmten SohneS. Der Le- benSkreis dieses Sohnes war die Sonne, die ihr Leben durchleuchtete. Bon Weimar aus kam ihr Glück und Freude. Lind sie, die Mutter von GotteS Gnaden, hat dieses Mutterfein auszukosten verstanden, wie wenige Mütter vor ihr und nach ihr.
Sie war mehr als die Mutter des größten Deutschen. Sie hat nicht nur als solche die Groszen der Erde angezogen und für den weiten KreiS der Menschen, die mit ihr in Berührung kamen, Bedeutung gehabt! Don ihr selbst, ihrer einzigartigen, im edelsten Sinne lebendigen Persönlichkeit. gingen Lebensströme aus, denen sich niemand entziehen konnte, aus denen wir heute noch schöpfen wie aus frischem Quell. Sie war Lebenskünstler, das, was wir Heutigen unter dem Druck des Lebens uns meist vergebens bemühen zu fein. Aber gerade den Druck ber Verhältnisse hat sie auch empfunden mehr alS wir. Das Jahrzehnt nach ihrem Umzug in den .Goldenen Brunnen" war eine einzige Kette von „Kontributionen. Requisitionen, von Einquartierungen und Durchmärschen". Von ihrem Fenster aus. das ihr die „herrlichste Aussicht von ganz Frankfurt bietet", sieht sie flüchtende Bürger, plündernde Soldaten, Straßenkämpfe und brennende Häuser. Sie muh mit ihrer Habe vor dem Bombardement der Frcmzosen in den Keller flüchten. Die Siebtzig- jährige muh von Frankfurt nach Offenbach fliehen, um Brand und Plünderung zu entgehen. Sie muh sich aufs peinlichste einschränken, um ihren Anteil an den Kontributionen aufzubringen, Hnd doch — - der strahlenden Fröhlichkeit ihres Wesens können diese Dinge nichts anhaben.
„ilnferc Lage ist fatal und bedenklich — doch vor der Zeit sich grämen oder gar verzagen, war nie meine Sache — auf Gott vertrauen — den Augenblick nützen den Kops nicht verlieren.
Worin lag das Geheimiris ihrer Lebenskunst? Sie besah die seltene Fähigkeit des Erlebens. Richt, was der moderne Mensch heute Erleben nennt, die Hausung der Reizmittel, die sich möglichst zu Sensationen steigern müssen, die schale Ernüchterung und Blasiertheit zurücklassen. Ihr wurde alles zum Erlebnis: Die ausgehende Sonne und die ausziehende Wache, jeder Brief und jeder Besuch, der leuchtende Frühlingstag und die bunte Fülle des auf gekannten Para- PluieS auf dem Plahe vor der Katharinenkirche. Der Besuch des Königs von Preuhen, die Zauber- flöte, Konfektbacken und das Durchsuchen alter Papiere — wie ftc es in ihren Briefen in einem Atem nennt, — so hat es auch fast gleichen Erleb- niSwert für sie.
Wie die Sinne der alten Frau, so sättigen sich Seele und Herz an allem, was ter Tag bringt Run hat sie, wie alle innerlich reichen Leute. Menschen nötig, die sie an all ihrem goldenen Reichtum teifnebmen lassen tarnt. Sie muhte frohe, lachende Menschen um sich haben — sie mochte lachen und sah lachen, wo andere nur Grame!n sahen. Hnö das ist's, was wir von ihr lernen sollen — lachen — lachen trotz Rot und Sorge, das Lachen, das „ansteckt wie die Furcht und der Schnupfen." Lachende Menschen sind Kraftquellen für alle, die mit ihnen in Berührung kommen. Menschen mit ter Gabe, die Sonne zu sehen und Sonne auszustrahlen, tun unserer armen, kranken Zeit not.
Die Greisin im Allersstübchen, die jeden Alexander bitten wollte, ihr aus der Sonne zu gehen, die sich rühmt, für ihr Hrenkelkind viele Ellen Brabanter Spitzen ohne Brille geklöppelt zu haben, „was sicher seit Anbeginn der Welt nicht geschehen sei", mochte nicht im Schatten leben. Sie wünschte, dah man applaudierte, sie hatte das Selbstbewuhlfein aller starken, origi- nellen Menschen. Sie bcsah aber daneben die fast kindliche Demut, die auS echter Frömmigkeit erwachst und die sie fugen Iaht: „So soll in Lob und Dank und Freude ein Tag nach dem andern hingehen, bis ter Vorhang fällt."
Hochzeitsgeschenke.
Von A Juliane Richert.
Mit den Hochzeitsgeschenken geht es leider oft genau so. wie man es einstmals dem heih- erfebnten eigenen Häuschen nachsagte. die Besitzer haben zwei glückliche Tage. Einen, wenn sie die Eigentümer geworden sind, und den zweiten, wenn sie daS Haus wieder los find. Die Hoch- zeitsgeschenke wurden reine Wandervögel, bis sie auf irgendeinem Wohltätigkeitsfest als Staats- stück prunkten und jedem Losinhaber Angst ein» flöhten, dah er die Punschbowle, oder die Eh- bestecke gewinnen könnte, mit denen er doch nichts anzufangen vermochte. Diese Art meine ich nicht, wenn ich von Hochzeitsgeschenken sprechen möchte. Sondern ich wlll Vorschläge machen, wie man Freude mit ihnen bereiten kann, und doch nicht in schwere Auseinandersetzungen mit seinem Geldbeutel gerät.
Erstens soll man sich nie in das Hniernehmen stürzen, ohne von den nächsten Angehörigen ter Braut darüber unterrichtet zu sein, wo es noch in dem Hausstand an praktischen Dingen fehlt. Sine Teppichkehrmaschine wird tatenlos chr Dasein fristen müssen, wenn keine Teppiche vov- ßanten sind, wahrend eine hübsche Küchenwage feiten unwillkommen ist. Rähere Verwandte wer
den vielleicht den Hauswaschebestand auf eine reichere Grundlage stellen, oder die fehlende Diwandecke stiften. Scheinen diese Anschaffungen für einen einzelnen Schenkenden zu kostspielig, so hilft man fich. indem man eine Aktiengesell- schast gründet Wenn sich z. B. die Freunde deS Bräutigams zusammentun. oder die Kränzchenschwestern der Braut, so wird daS Geschenk die Mittel des einzelnen nicht so stark angreifen und sich trotzdem als sreudebringend ermeifen. Wer als Einspänner zur Familie gehört, vielleicht eine Tante, der es nicht moqhd) ist. Überhaupt Aufwendungen zu machen, kann vielleicht seine Kocherfahrungen in einem selbstgeschriebenen Büchlein niederlegen und der jungen Frau damit eine große Hilfe leisten
Hübsch ist auch eine italienische Sitte der Hochzeitsgabe. Die Verwandten beider Familien bringen alte Familienbriefe Zeugnisse von Vorfahren oder auch nur Gehörtes zusammen und vereinigen eS in einem hübsch gebundenen Büchlein, das dann späterhin zu weiteren Eintragungen über wichtige Familienangelegenheiten benutzt werten kann. Aus diese Weise wird das Andenken der beiderseitigen Stammeltern und sonstigen Angehörigen wachgehalten und eine Art Familiengeschichte begründet. Wenn iwch alte Zeichnungen oder Bilder das Buch schmücken, so gewinnt es an Wert.
Der Grundgedanke bei einem Hocdzeits- geschenk sollte auf Dauerndes. Bleibendes gerichtet fein und darauf etwas zu geben, was nicht im Winkel steht oder nur alle Jubeljahr einmal gebraucht werten kann, also etwas, das täglich freundlich an den schönen Tag ter Hochzeit und an den feinfühlenden Geber, ter das Richtige traf, erinnert. Dann mag es ein stabiler Kochtopf öder eine kostbare Lampe sein — je nad) Vermögen und Verhältnissen — ter erste glückliche Tag des Besitzes ist dann nur ter Anfang einer Reihe tesitzesfroher Tage und Jahre.
Fürsorgeerziehung und Schutzaufsicht.
Von Elsa von Liszt, Berlin').
Heber die Fürsorgeerziehung (F. E.) wird sehr viel geschrieben. Man kann kaum eine Zeitung aufmachen, ohne etwas von chr zu erfahren: da liest man im Bericht über eine Gerichtsverhandlung, daß natürlich wieder ein Fürsorgezögling das schlimme Berbrechen begangen hat: ba finden fich Klagen über schlechte Behandlung, über Mißhanteung von Zöglingen, die Zeitschrift „Evangelische Jugendfürsorge" hat fich der Mühe unterzogen, in ihrem Augusthest v. Js. eine ganze Dlütelese solcher Zeitungsnotizen zusammenzustellen. Ist denn nun das Bild, wie es sich so bietet, richtig? Ist die F. E. so schlimm wie ihr Ruf? Wenn es wirklich so wäre, dann sollte die F. E. ihren Bankrott erflären und ihre Tätigkeit aufgeben. Es ist dem aber nicht so: immer wieder, wenn man einer besonders gehässigen Rotiz nachgeht, erweist es sich, daß ter Verfasser selbst niemals eine Anstalt gesehen hat, daß er nur gutgläubig nachgeschrieben hat, was er von einem andern und dieser wieder von einem andern gehört hat: oder daß es sich um einen Einzelsall handelt, an dem ein Körnchen Wahrheit ist, der aber unglaublich übertrieben und dann verallgemeinert worden ist. Die Menschen, die in ter Arbeit stehen, die kennen am besten die Schäden und Mängel, die der F. E., wie jeder menschlichen Einrichtung, anhaften, und sind dankbar für jede sachgemäße Kritik und jeden Vorschlag zu einem gesunden Fortschritt: aber durch eine kritiklose Kritik wird der Sache, d. h. hier ter Jugend, nicht gedient, f entern geschadet. Die meisten Menschen geben ja von ganz falschen Voraussetzungen aus, wenn sie von F. E. sprechen: sie denken nur an geschlossene Anstalten, in denen ganz verdorbene Kinder untergebracht sind: sie wissen nicht, daß F. C. angeordnet werden kann, um eine drohende Verwahrlosung zu verhüten: daß sie nicht nur in einer Anstalt, sondern auch in einer geeigneten Familie: unter öffentlicher Aufsicht und auf öffentliche Kosten, in Dienst, Pflege, Arbeit oder Lehre durchgeführt werden kann. Mehr und mehr führen die F. E.-Dehorten ihre Zöglinge Be- rufen zu, für die sie besonders geeignet sind, für die sie Reigung oder Begabung haben: nicht nur die volle hauswirtschaftliche Ausbildung können Mädchen erhalten, auch Putzmachen, Schneidern. Kinderpflege, einen kaufmcstrnischon Beruf können sie erlernen; ebenso können die Knaben eine Fachschule besuchen, erhalten kaufmännische Ausbildung, werden einer höheren Schule zugeführt. Von all denen, die etwas gelernt haben, die in einem tüchtigen 'Derus tätig sind, die sich die Achtung ihrer Mitmenschen erworben ßaben, lesen wir in den Zeitungen nichts, unb das ist gut so: manch einem aber ist sein Weg unendlich erschwert worden durch die unvernünftige Einstellung ter öffentlichen Meinung zur F. E., und manch einer mag gescheitert fein nur aus dem Grunde, weil ihm immer wieder das Wort ., Fürsorgezogling, also natürlich ein Taugenichts" entgegengerufen worden ist. Die F. E. rechnet mit 70 Prozent Erfolg in ihrer Arbeit, und von den 20 Prozent zweifelhafter Fälle mögen noch manche hier mitgezählt werden: wir dürfen wirklich nicht an den übrigbleibenden 10 Prozent Mißerfolgen den Wert ter ganzen Arbeit bemessen!
Immerhin bleibt die F. E. ein schwerer Eingriff in das Leben eines jungen Menschen, sie betoirft zunächst wenigstens einAuseinanterreißen der Familie. Die F. E. darf daher nur eintreten, wenn sie notwendig ist, wenn nicht durch eine andere Ergänzung und Hnterftüßimg der elter- lüßen Erziehung geholfen werden kann. Sin Mittel dazu ist die Schutzaufsicht (SchA). die, nachdem sie schon jahrelang vor allem dann, wenn Jugendlichen Strafaussetzung und Dewäh- rungäfrift zugebilligt worden war. ausgeübt wurde^ nun durch das Jugendwohlfahrtsgesetz chre breite gesetzliche Grundlage gewonnen hat.
') Der „vorzüglichen Zettschrift »Mutter u n d K in d. Beiträge des Kaiserin Auguste Victoria-Hauses. Reichsanstalt zur Bekämpfung ter Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit, für tee Pflege Ernährung und Erziehung des Kindes lBerlin-Eharl. 5, Fraickstraße 3) entnommen.
Trotzdem ist diese Maßnahme noch sehr unbekannt in unserem Doll, und doch wäre es nötig, daß sie in weitesten Kreisen bekannt wäre, tenn nur dann kann sie ihre volle Wirksamkeit entfalten. Die Sch. A soll cintrctcn „bei körper- ti<t)er. geistiger und sittlicher Gefährdung eine- Minderjährigen (bis zum 20. Lebensjahr«, um das Hinabgleiten in Verwahrlosung zu verhüten. Sw ist geboten, wenn die elterliche Erziehung allein nicht ausreicht, wemi aber durch beratende, unterstützende und überwachente Tätigkeit eines Helfers die Verwahrlosung verhütet werten kann". Die Sch. 21. kann von den Eltern oder vom Jugendamt beantragt werten: sie wird angeordnet vom Vormundschafts-lJugend-,gericht. Sie wird dem Jugendamt, einer Vereinigung für Jugendhilfe oter einer einzelnen Persönlichkeit übertragen.
»Der Helfer muß zunächst versuchen, die Hr- fachen der drohenden Verwahrlosung zu ergründen, die häuslichen Verhältnisse, die Mmtpclt und ten Entwicklungsgang des Schützlings, seine Eigenart und Besonderheit zu erforschen und sodann Mittel und Wege zu suchen, um Erziehungsfehler ju beseitigen, schädigende Einflüsse abzuwehren. Kräfte zu wecken und Ziele zu geben. Er muß Hand in Hand mit den Eltern arbeiten, muß sich vor allen Dingen eine Vertrauensstellung bei ihnen und feinem Schützling erringen, die die Grundlage für eine erfolgreiche Tätigkeit ist. Er darf die Schutzaufsicht niemals als Kontrolle oder Zwang und als polizeiliche Aufsicht angilben, sondern als freundschaftliche Beratung. alS Dienst und Hilfe: taktvolle und unaufdringliche erzieherische Beeinflussung ist seine Aufgabe."
Cs kommt also darauf an, die Gefährdung eines KindeS zu erkennen, sei es im Haus, ini der Schule, im Kindergarten oder im Hort, damit rechtzeitig die notwendigen Schritte zur Verhütung der Verwahrlosung eingeleitet werden können. Cs ist zu hoffen, daß sich das Jugendamt (I. 21.) mehr und mehr das Vertrauen ter Bevölkerung erwirbt, damit auch diese selbst sich verantwortlich fühlt für die Tätigkeit des I. 21. und sie nach Kräften unterstützt: so auch vor allem bei der Sch. 21. Cs ist ganz klar, daß daS 1.21. mit feinen amtlichen Kräften allein eine solche umfangreiche, persönliche Crziehungstätig- keit nicht ausführen kann, daß es in weitestem Maße auf die Mitarbeit von freiwilligen Kräften angewiesen ist.
Wenn der § 1 des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt. der besagt, daß jedes deutsche Kind ein Recht hat „auf 'Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit" Wirklichkeit werten soll, bann müssen wir uns sehr viel mehr, als das bis jetzt der Fall war. mit den Fragen beschäftigen, wie es zu Gefährdung und Verwahrlosung eines KindeS kommt, und damit, mit welchen praktischen Mitteln man diese Erscheinungen verhüten und bekämpfen kann, ilnb nicht nur erkennen müssen wir diese Dinge, wir müssen vor allem selbst praktisch mit Hand anlegen und uns da zur Verfügung stellen, wo man unserer Hilfe bedarf, wie das bei ter Sch. 21. ter Fall ist.
Warum Körperschulung und Körperpflege?
Die immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen und sozialen Ükrßältniffe haben die Frauen aus dem Hause in den Berus gedrängt, haben sie gezwungen, Stunden um Stunden gebückt im Kontor in einseitig daS Gehirn belastender Tätig- kett zu verbringen. Andererseits verlangen die Qkrbältniffe auch von ter Hausfrau und Mutter eine gesteigerte Leistung und letzten Endes haben wir heute zu ten Fragen der Gesundheit, ja auch zu denen der Aesthetik eine ganz andere Einstellung als unsere Rüttler. Ein neues Körper- bettmßtfein ist erwacht.
Das Ringen um die Existenz, um die materiellen und geistigen Güter, zehrt die Lebenskraft in unheimlicher Weise auf. und das um so rascher, je einseitiger und rücksichtsloser dieses Erwerbs- leben die gesamte Konstitution vernachlässigt. Körperübungen bilden den besten Ausgleich gegen die drohenden Gefahren des Berufes, gegen jeg- iichcs Hebermaß geistiger oder hauswirtschast- licher Tätigkeit. Die Frau, die Körperübungen treibt, wird sich damit Gesundheit und Lebenskraft verschaffen und sich ihrem Manne und ihren Kindern jung und froh erhalten. Wann und wie sollen nun diese Körperübungen vor- geiwmmen werden? Die Morgenübungsstunde kann man auch durch eine andere Zeit des Tages ersehen. Doch niemals soll mit voller Blase und Mastdarm geübt werden Für schwerere Hebungen wählt man am besten die Zeit, die zwei bis drei Stunden nach der Hauptmahlzeit liegt. Doch i wird im allgemeinen die Tagesarbeit keine Unterbrechung gestatten und die Gedanken schon zu ehr abgelenlt haben. Andererseits sind gerade füraerc Unterbrechungen — Atemübungen, Strecken und Dehnen —, um während ter Arbeit die Dlutzirkulation wieder anzuregen, unendlich wohltuend und erhöhen die Arbeitskraft um 40 Prozent. Aber für die eigentliche Körperpflege wird immer der Morgen die günstigste Zett sein. Auch schließt sich dann am einfachsten die Ganzwaschung an. die nach jedem ausgiebigen Heben folgen soll. Zu Anfang ist Vorsicht am Platze. Man darf zuerst nicht zu viel erreichen wollen. 2Itan bedenke, daß manch einer ost jahrelang keine regelmäßige Körperkultur getrieben hat Da müssen die Muskeln und Gelenke langsam erst wieder gelockert und gekräftigt werden. Allzu heftiges Heben zu Beginn kann zu Zerrungen und Zerreißungen führen und die Freute an der wieder zu erobernden Gelenkigkeit schnell beenden. Man turne stets von vornherein bei offenem Fenster Der Körper wird beim Heben schnell völlig warm. Sich zu ?"älten, ist völlig ausgeschlossen. Riemals darf in Kleidern geübt werden oder in Unterzeug, das fest um die Hüften anschließt.
Grundbedingung für die Wirksamkeit jeder Hebung ist die richtige Atemdisziplin. Unsere gesamte Existenz hängt ebensosehr von ter 25er- orgung durch Luftnahrung wie durch feste Rührung ab. Der Sauerstoff muß reichlich ausgenommen, die Kohlensäure — ein Gift — eben darum, kräftig ausgestoßen werden. Gründliche Atmung hebt die Dlutzirckulation und ernährt die |
I Muskeln. Für jede Hebung soll zuerst genügen!» und nur durch den Mund cingcotmct werden, sodaß die Zwischenrippcnmuske.n ten Brustkorb wetten, der Leib etwas nach vorn steigt, em- sprechend dem Tiefertrcien des Zwerchfelles. Die meisten Menschen denken bei „kräftiger Atmung" -war an das tiefe Einatmen, aber lassen die Ausatmung unbeachtet. Gerade dabei wird die Bauchwand durch Zusammenziehen der vorderen Bauchmuskeln einwärts gezogen und das Vordrängen des Bauches verhindert Bei träftig itl i in i sich fein Fett auf ihnen entwickeln. Der Leib bleibt schlank und elastisch und bewahrt feine jugendliche Form. Richtiges Atmen ist von günstiger Wirkung auf die Verdauung. Alle Leiden Beschwerden, schlechtes Aussehen . die auf mangelhafte Verdauung zurückzuführen sind, werden so beseitigt.
Vor allem aber sucht die Frau immer mietet die Hebungen in den Stundenplan auszunehmen, die Gelenkigkeit und Schlankheit zu versprechen scheinen. Das sind vor allem die Hebungen, die die Rumpfmuskulatur kräftigen. In der ganzen deutschen Turnordnung gab es keine einzige Hebung, die baxu diente, die Hnterlelbsmuskeln zu entwickeln Und bodi eine kräftige ’^nd}- muskulalur, die ihrerseits direkt abhängig ist von derjenigen der betreffenden Rückenpartie. daS wichtigste für eine Frau Die Rückenwirbelsäule muß als eigentliche Achse des Körpers kräftig genug sein, um einem anatomisch bedingten Zug nach vorn, der bei der Frau stärker ist als beim Mann, Widerstand entgegensetzen zu können. Hier ist der wahre Ditz aller Hcbeiflänbe, wie schlechter Haltung. Rückenschmerzen. Senkung ter Hnlev- Icibßorgane und Fettleibigkeit. Deshalb sind di« Streck- und Liegeübungen so recht das eigentliche Gebiet der Frau, vorzüglich zur Streckung dec Rückenrnuskiilatur. Diese Hebungen, teils in Rücken-, teils in Bauchlage ausgefuhrt, leisten unschätzbare Dienste, intern ftc dem weiblichen Körper feine natürlichen Funktionen erleichtern. Wer unter den Frauen dieses Turnen im'ßiegcn erst einmal fennengelcmt bat, mag es nicht mehr missen, em Beweis, wie sehr es für ihren Organismus geeignet ist, im Gegensatz zum Geräteturnen, das die wenigsten Frauen toirflicb mögen und bei dem viele versagen. Daneben f,;bt es noch eine Fülle von Gelenkigkeits- und Gewandt- beitdÜbungen, solche zur eigentlichen MuSkelbil- dung und sblche zur Stärkung der inneren Organe, wie wir das am besten durch Sport, besonders Leichtathletik, erreichen. Hier kann nicht auf die einzelnen Möglichkeiten hingewiesen werden, nur auf ihre Bedeutung zur Erhaltung von Schönheit und Gesundheit, Herzerfrischenter Freude und Willensstärkung, geringerer Ermüdbarkeit im Beruf als Folge der Hebung deS allgemeinen Kräftezustandes. In ter richtigen Körperschulung und Körperpflege liegt bet Schlüssel zu Gesundheit. Jugend Schlankheit und Schönten!
Für Küche und Haus.
Bremer Aepfel.
Große, säuerliche Aepfel schält man. höhlt sie aus, legt sie in einen kleinen Kochtops, überfließt sie mit Himbeer- und Johannisbeersast und kocht sie langsam weich, ohne daß sie zerfallen. Sie werden hierauf zum 2lbtropsen aus ein Sieb und danach in die zum Aufträgen bestimmte Schale gelegt. Den Saft der Aepfel läßt man dick einkochen, fügt noch 1—2 Eßlöffel Himbeergelee, einen Eßlöffel Kirschwafser und etwas aufgelöste Gelatine hinzu, verrührt alles gut und gießt es über die Aepfel, deren Höhlungen man mit Rosinen und grobgehackten Mandeln gefüllt hat. Schließlich werden über das Ganze feingehackte Haselnüsse gestreut.
Apfelbettelmann.
300 Gramm geriebenes Schwarzbrot, 25 Gramm Korinthen, 500 Gramm 2lepsel, 100 Gramm Zucker, 60 Gramm Butter. Das geriebene Brot und 50 Gramm Zucker werden zu- sammengemifcht. Die geschälten, in feine Scheiben geschnittenen Aepfel werden mit etwas ! Wasser, dem Rum und 60 Gramm Zucker zu- gegeben wird, fast weich gekocht. In eine hör- gerichtete Springform gibt man die Hälfte des Brots, füllt die Aepfel und ausaequollcnen Korinthen darüber und zum Schluß die andere Hälfte Brot. Man gibt die Butter in kleine Flöckchen verteilt oben auf und bäckt den Apfel- bettelmann in heißer Röhre zu schöner Farbe, bestreut ihn mit Zucker, nach Belieben auch mit Zimt, und gibt ihn heiß zu Tisch
Dreifruchte-Grühe.
Entsteinte Sauerkirschen. Himbeeren und rote Johannisbeeren zu gleichen Teilen, seht man, knapp mit Wasser bedeckt, zum Kochen au*, rührt den Fruchtbrei durch ein Haarsieb, verdickt den durchgelaufenen Saft mit Sago, Hafergrütze, Reismehl usw, fußt das ganze nach Belieben mit Süßstofflösung und läßt die Masse in kleincn Formen erstarren. Gestürzt reicht man die Grütze mit Mandelmilch, Vanillesauce oder Schlagsahne.
Kaffeegebäck auS Lettland.
200 Gramm Butter werden zu Schaum gerührt, 1 ganzes Ei und 2 Eigelb und 100 Gramm Zucker hinzugefügt und stark verrührt, dann 300 Gramm Weizenmehl so lange damit vermischt. bis der Teig gleichmäßig geworden ist. Man rollt denselben dünn auS und schneidet ihn mit dem Kuchenrädchen in lange, schmale Streifen, die mit etwas geschmolzener Butter bestrichen werden und mit Zucker, ter mit Zimt und abgeriebener Zitronenschale vermischt worden ist, bestreut. Dann werten die Streifen auf einem mit Speck abgeriebenen Blech bei gelinder Hitze schön goldgelb gebacken. Dies ist ein sehr wohlschmeckendes Gebäck, das fich lange frisch erhält.
Verwendung don Sauerkraut.
Eine sättigende, kräftige Sauerkrautsuppe stellt man folgendermaßen her: 1/1 bis 1 Dfunü Rindfleisch wird mit Salz, einer kleingeschnitte- nen Zwiebel und etwa 3 Liter Wasser zum Kochen gebracht. Dann werden zwei gute Hände voll Kartoffelstückchen dazu geschnitten und etwa 1 , Pfund gewaschenes Sauerkraut hineingetan. Dies läßt man alles langsam gut 2 Stunden kochen. Vor dem Anrichten schneidet man daS Fleisch in Stückchen und legt diese in die Suppenschüssel. Die Suppe wird noch mit einer Ober-


