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lasse saurer Sahne, in die man 1 Eßlöffel Mehl verquirlte, gebunden, mit dem nötigen Sal^ abgeschmectt und dann über die Fleisch- stückchen gegeben.

Seefische im eigenen Saft gedämpft.

Der gereinigte Fisch wird im ganzen oder in Stücken mit Salz eingerieben, mit Essig oder Zitronensaft beträufelt, in einen Topf gelegt und mit zerschnittenem Suppengemüse, fein- gehackten Zwiebeln, Pfeffer und Gewürz be­streut. Der Topf wird fest zugedeckt und in einen größeren Topf gestellt, der zur Hälfte mit kochendem Wasser gefüllt ist und ebenfalls zugedeckt wird. Der Fisch muß 20 bis 40 Mi­nuten in diesem Wasserbade bleiben; so behält er alle Kraft und schmeckt vorzüglich. Der sich bildende Saft wird zur Sauce verwandt.

Epada (ein spanisches Gericht).

Aus schwarzem Brotteig formt man einen inwendig hohlen Laib, bestreicht das Innere mit einem zerquirlten Ei und füllt cs mit ge- gebratenem falten Fleisch (sehr grob zerschnit­ten). Man kann dazu Fleisch von Hühnern, Tauben, vom Kalb, vom Schwein, eventuell auch von Fischen nehmen; über die Höhlung klebt man einen Brotteigdeckel und läßt dos Ganze bei einem Bäcker gar backen. In Scheiben ge­schnitten, ergibt sich ein ausgezeichnetes Ge­richt, das sich auch gut als Proviant für Aus­flüge eignet.

Heidelbeerlikör.

Ein Pfund gereinigte Heidelbeeren werden zerdrückt in ein Einmachglas getan, ein Liter OOgradiger Spiritus aufgegossen und die Mi­schung drei bis vier Wochen an der Sonne unter häufigem Schütteln destilliert. Dann kocht man 1 Liter Wasser mit 1 Pfund Zucker, ver­mengt dies, ausgekühlt. mit dem abgegossenen Blaubeersaft, seiht ihn nochmals durch, füllt ihn in Flaschen und verkorkt sie gut. Statt Spiritus tonn man auch 1 Liter Kornbrannt­wein und V< Pfund Kandiszucker nehmen.

Bilder aus Litauen.

Don unserem H. 8.-Berichterstatter.

<Dachdruck, auch mit Quellenagabe, verboten.) Wyschtynez (Litauen), August 1926.

Dicht weit von der Dreiländerecke, wo Li­tauen, Polen und Ostpreußen zusammenstoßen, liegt das litauische Grenzstädtchen Wyschtynez, die einzige Grenzübergangsstelle nach Litauen, südlich Eydtkuhnen. Wyschtynez war vor dem Kriege unter russischer Herrschaft ebenfalls Grenz­übergang, Garnisonstadt und Verwaltungsmittel- punkt. Wie anders sah jedoch damals das Städt­chen aus, wie wesentlich besser war die nach un­sere Begriffen schlechte russische Verwaltung ge­genüber der hetttigen litauischen. Wir nähern uns dem Grenzübcrgang. Zum deutschen Zoll­haus. gut und fest gebaut und aus der Vor­kriegszeit, ist ein neues stattliche- Gebäude hin­zugekommen, da auch in Litauen der Beamten­apparat stark vergrößert worden ist. Dach Er­ledigung der Formalitäten verläßt man den deunchen Boden nicht ohne den Eindruck deutscher Ordnung, Sauberkeit und Gründlichkeit, aber auch mit dem Gefühl, einer stark übertriebenen Bureaukratie mit umständlichem Formalismus den Rücken zu kehren.

Wir sind in Litauen? Links am Wege neben dem stattlichen deutschen Dienstgebäude eine kleine Bretterbude, ein Mann in Zivilkleidung mit der litauischen Dienstmütze stempelt die Papiere, da­mit ist alles erledigt. Wie anders zur russischen Zeit! Lieber den Weg war damals eine große etfemc Kette gespannt, dahinter russische Sol­daten mit aufgepflanztem Gewehr, in guter Hal- . tung und Kleidung. Die russischen Dienstaebäude, e aus Holz gebaut, machten einen guten Eindruck. x-Liniformierte Beamte prüften in bureaukratischer Umständlichkeit die Papiere. Heute sieht man von den ehemaligen russischen Dienstgebäuden nur noch die Fundamente sie sind, ebenso wie das Städtchen selber, ein Opfer des Krieges ge­worden. Im August 1914 fanden hier die ersten Grenzgefechte statt, trafen asiatische Reiterscharen mit preußischen Ulanen zusammen. Riesige Russenheere wälzten sich damals in den heißen August tagen durch den Ort zumMarsch nach Berlin". Das Kriegsglück wechselte, bald hatten

Die Krummhölzer.

Roman aus den bayerischen Bergen.

Don M i ch a'e l W a g n e r. 'v (Schluß.) V\

Es wird alles wieder recht werden!"

Wiederhallte es da nicht in seiner Brust von schrillem Hohngelächter? Unwillkürlich duckte sich Zeno zusammen in innerlicher Qual und Scham.

Da geschah etwas Eigenartiges: der Kranke drehte sich mit einem jähem Rucke auf die Seite, Zeno das abgezehrte Gesicht zuwendend. In seinen Augen war ein seltsam heißes und fiebriges Flackern. Eine hauchzarte Röte lag auf den ein­gefallenen fahlen Wangen. Er streckte die Rechte aus und legte sie auf Zenos Schulter.

Alles recht werden, lagst du? Han? Alles wieder guat?!" stieß der Alte hastig hervor.Glaubst du denn, daß dös noch gibt, han, Zeno?!"

Wahrhaftig erschrocken starrte Zeno den Vater on. War das niqjt eine Gewissensfrage an ihn?! 2a bäumte es sich trotzig in seinem Innersten auf: Ja! schrie es, Ja! Ich glaube ja, ja!

Das hieß: nimm dein schmuckes Hans, nimm dein mit Fleiß und Streben hochgeführtes Ge­schäft, deine Kunst, deine Zukunft, nimm alles, was dir außer deiner Heimat noch lieb und teuer ist und wirf es zum Schwindelplunder des Bankrot­teurs! Dann wird sich die andere Schale senken wird die Heimat gerettet sein!

Aber das Opfer muhte gebracht werden! Konnte er das? Ueberftieg das nicht seine Kräfte? Er der sein Leben und Schaffen seiner geliebten herben Kunst geweiht? Alles aufgeben wenn cs glückte! und dann selber zum Krummholzerhof wieder hinausziehen, von wo er ausgeaangen den Berg, bauern machen, wie Batcr und Ahnen? Ein echter Uracher werden?

Kraft! schrie cs in dem Ringenden, wer gibt mir die Kraft zu solcher Entscheidung!

Wildes Ausheulen des Wintersturmes als Ant- wort. Ja Sturm! Da draußen und in ihm'

Wie ein Gebrochener wankte Zeno wieder zum Lager des Vaters und sank aus den Stuhl. Der Vater! Grausames Geschick, das diesen Starken nie- derschmetterte wie der Blitz eine hohe Bergtanne! Siechtum und Gebrechlichkeit das war der Rest...

Da war es Zeno, als brächen ihm aus Herz und

die Deutschen, bald die Russen die Stadt beseht. In der Winterschlacht werden die Russen end­gültig aus Ostpreußen herausgeworfcn. Wieder Grcnzkämpse. Die Stadt wird deutscher Etappen­ort. Sofort beginnt die Aufbauarbeit der deut­schen Verwaltung. Die Straßen werden aufge­räumt, der große gepflasterte Marlt von der deutschen Ortslommandantur mit Baumalleen be­pflanzt und in der Mitte ein Denkmal für die bei den Kämpfen um die Stadt gefallenen Deut­schen errichtet und mit gärtnerischen Anlagen versehen. Die Bevölkerung wird angehalten, die Straßen zu kehren, was sie recht unangenehm empfindet. Aber auch unter der fast vierjährigen deutschen Verwaltung erholt sich das Städtchen nicht.

Die große Völkerumschichtung im Osten hat Wyschtynez unter litauische Souveränität ge- gcbracht wie auch die übrigen litauischen Grenz­städte. Die Kriegssolgen jedoch schassten eine zu schwere Belastung für den jungen Staat. Bis heute ist die litauische Regierung nicht in der Lage gewesen, irgendeine Beihilfe für den Wiederaufbau zu zahlen. Bei her Armut des Landes und seiner Bewohner ist daher auch kaum etwas wieder aufgebaut. In den zer­störten Grenzstädten find oft noch nicht einmal die Trümmerreste beseitigt. In halb zerstörten Wohnungen Hausen die Menschen. Vor die fehlenden Fenster sind Bretter genagelt, die fehlende Tür wird durch einen vorgehängten Sack ersetzt. Auch auf den Dörfern sind die Kriegs- zerstörunaen noch keineswegs beseitigt, wenn auch hier durch Selbsthilfe wesentlich mehr als in den Städten geleistet worden ist.

Die Lage der Landwirtschaft ist sehr schlecht, denn es fehlt in dem rein agrarischen Lande ohne nennenswerte Stadtbevölkerung an Absatz. Der Ankauf und der Export der Erzeugnisse wird von Händlern besorgt, die die Notlage der Bauern ausnutzen und Preise zahlen, die keinen Anreiz zur Produktion bieten. Der Landwirt baut daher nur so viel an, wie er zum Unterhalt seiner Familie braucht. 'Außerordentlich schwierig ist es für die Steuerbehörde, die im Verhältnis zur Armut des Landes sehr hohen Steuern einzutreiben, weil die Landbevölkerung über kein Bargeld ver­fügt. Da zudem alle größeren Güter durch die radi faie Landreform aufgeteilt sind, gibt es nur den Kleinbauern st and, der für den Export nicht in Frage kommt. Auch in Litauen scheint man daher allmählich einzusehen, daß die große Agrar­reform, von der man sich in allen Randstaaten so viel verspricht, die wirtschaftliche und soziale Lage des Landes nicht gebessert hat. Jeder darf nur etwa 80 bis 100 Morgen Land haben, die der Neuansied- ler aber in den meisten Fällen gar nicht bestellen kann, da alle Betriebsmittel, vor allem das not­wendige Geld zur Einrichtung der Wirtschast fehlen. Der Staat ist nicht in der Lage, Beihilfen oder Kre­dit zu geben. Mit äußerst primitiven Mitteln, ohne feste Gebäude und ohne Werkzeuge und Geräte muß der Siedler sich durchhelfen, kommt aber in­folge der schlechten Preise für alle landwirtschaft­lichen Erzeugnisse doch nicht vorwärts, so daß er es allmählich aufgibt, zumal er selbst aus dem Lande seine Familie nur kümmerlich ernähren kann. Dazu kommt, daß die Bevölkerung im allgemeinen faul und gleichgültig ist.

Die radikale Enteignung des Großgrundbesitzers ist zum Teil auch auf dem Haß gegen bic Polen zurückzuführen, die fast alle großen Güter Litauens im Besitz hatten. Man geht nicht zu weit, wenn man sagt, daß der litauische Staat im Zeichen eines unbegrenzten Polenhasses steht. Seine Außen-, Innen-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik ist auf die erbitterte Feindschaft mit Polen eingestellt. Mit un­geheurer Rücksichtslosigkeit hat die litauische Regie­rung die polnische Oberschicht ausgewiesen, enteignet oder als spionsverdächtig in die Gefängnisse ge­worfen, was Polen im Wilnagebiet sofort mit den gleichen Maßnahmen erwiderte. Zwischen Polen und Litauen herrscht tatsächlich ein latenter Kriegs­zustand, was sich besonders in den ständigen Grenz- zwischensällen bemerkbar macht. Polen hat bis heute die Wilnagrenze nicht anerkannt. Ständige Plän­keleien zwischen den Posten an der militärisch stark bewachten Grenze sind nicht zu vermeiden.

Die Staatsverwaltung und vor allem die San desverteidigung, sind unter dem Gesichts­punkt eines Abwehrkampfes gegen Polen organi­siert. Litauen unterhält ein verhältnismäßig sehr starkes Heer, das bei einer Bevölkerung von

Seele reißende Wildbäche des Schmerzes. Tränen stürzten aus feinen Augen und laut aufschluchzend warf er sich über das Lager des Vaters ...

Diese Stunde ward geheiligt: aus dem letzten Ausbruch wilden Schmerzes erwuchs Zeno Uracher die Kraft zum Entschluß zur Entscheidung!

Und als auch nach dieser sturmdurchveitschten Nacht ein Morgen graute da hatte er sich zu dem Großen durchgerungen:

Um der Heimat willen alles zu opfern! *

Bleich und übernächtig, doch mit leuchtenden Augen, trat Zeno des Morgens vor Marianne. Mit ruhiger, gefestigter Stimme teilte er ihr den Ent­schluß mit, der eine Umwälzung in seinem ganzen Leben bedeutete: der großen Exportfirma wollte er seine Schnitzerei zum Kaufe anbieten, das Haus veräußern, um so mit der Bank, der Hauptgläubige­rin, zu einem gütlichen Einvernehmen zu gelangen.

Und dann, Mariann" tief senkte Zeno den Blick in ihre Augen,dann geht's hinaus zum Hof! Für meine Kunst werd sich a da droven a Winker! finden lassen"

Zeno du weißt ja, wie ich dir vertraue!" erwiderte Marianne, die Getreue.Alles ist recht und gut wenn du mir nur bleibst!"

Da zog er sie in tiefer Bewegung an seine Brust. Wenn i dich nct halt'!" flüsterte er,du machst mir 's Aergste leicht!"

Zenoö nächster Weg war zu Freund Anno- domini auch er mußte sogleich erfahren, was Zeno beschlossen, und seinen Rat geben. Und als er ihm alles flargelegt und auf des knorrigen Alten Antwort wartete, da streckte ihm der nur feine Rechte hin:

Zeno; Freund! Bua! Herrgott, jetzt bist erst a ganzer Uracher! A echter! Denn ver­stehst a die andern waren's aber der Beri roa a Falott und der Toni hat's Papiergeld not vertragen können! Mit dem aber wirst oaner wie dein Baker! Alles Guate, gel! Alles Quote!"

Das brachte der Alte mit einer so ungewohnten Beweglichkeit und Lebhaftigkeit vor, die schier ko­misch wirkte. Zeno mußte unwillkürlich lächeln, als er dem ungleichen Freund ins grundehrliche Ange­sicht schaute; wie die listigen Aeuglein glänzten und ja, und die Nase natürlich! Die försterliche Nase karsunkelte und bebte vor Erregung!

Zeno!" rief der Förster dann ans, indem er seine Pranke anerkennend auf dessen Schulter nie-

2 165 121 Menschen rund 30 000 Mann zählt, dar­unter ein jährliches Rekrutenkontingent von 12- bis 15 000 Mann. Die Dienstzeit beträgt bei der In- fantcric 11 Jahre, bei den anderen Waffen 2 Jahre. Im Kriegssalle kann Litauen bereits jetzt 250 000 Mann ouffteUen. Das Heer verschlingt fast den größten Teil des Budgets, so daß zu allen an­deren Dingen kein Geld vorhanden ist. Dies erscheint um so schwerwiegender, da das litauische Niilitär feinen guten Eindruck macht. Die Mann­schaften sind zwar gut gekleidet, zeigen aber eine schlechte Haltung und stehen bereits am Vormittag ohne Waffen in Gruppen auf den Straßen oder in den Gasthäusern herum.

Ein ausgesprochenes tiilauertum gab es vor dem Kriege saft gar nicht mehr. Die Sprache wurde nur noch in einem stark polonisierten Akzent von der untersten Landbevölkerung gesprochen. Das Land wurde meist durch aus dem Inneren Rußlands hier­her strafversetzte russische Beamte wahrgenommen. In den kleinen Stählen fand man starke Grenz- garnifonen und eine kleine meist polnisch sprechende ober rein jüdische Oberschicht. Handel und Wandel lag schon vor dem Kriege fast nur in den Händen der jüdischen Bevölkerung, die auch heute in Litauen noch 7,6 Proz. der Gesamtbevölkerung aiismachk. Dem Lande fehlt daher heute ein bürgerlicher M i t- t e I ft a n b und ein zuverlässiges Beamten- t u m. Litauen ist ein ausgesprochenes Bauern­land, das aber so arm ist, daß es aus sich heraus keinen eigenen Mittelstand herausbilden kann. Auch heute noch liegt jede Art von Geschäft fast aus- namslos in jüdischen Händen, sogar das Handwerk. Einen starken kulturellen und wirtschaftlichen Zu­wachs hat Litauen durch das M e m e l g e b i e t er­halten, das trotz feiner nur auf dem Papier stehen­den Autonomie immer mehr in Litauen aufgehen wird, denn es ist nun einmal auf das litauische Hinterland angewiesen. Die Stadt Memel ist heute neben Kowno das Haupikulturzentrum des Landes. Die Memeler Betriebe versorgen das Land mit den notwendigen Waren, und üoerall trifft man auf Erzeugnisse Memeler Ursprungs. Memeler Kauf­leute und Unternehmer sind die Hauptträger des litauischen Wirtschaftslebens. Sowohl durch das Me­meler Deutschtum, es handelt sich um 142 504 Deut­sche, wie durch den starken. Handelsverkehr mit Deutschland macht sich im Lande ein gewisser deut­scher Einfluß bemerkbar, der auch in der starken Verbreitung her deutschen Sprache zum Ausdruck kommt. Im litauischen Außenhandel steht Deutsch­land bei weitem an erster Stelle. Die deutsche Be­völkerung in Litauen beträgt nur 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung und geht über 23 973 nicht hin­aus, wozu noch die 142 594 Deutsche des Memel- gebiets kommen. Die deutschen Minderheiten können sich im allgemeinen über bic Regierung nicht be­klagen, da der litauische Staat sehr wohl weiß, daß sie die Hauptkulturträger des Landes sind. Die deut­sche Ware ist in Litauen beliebt, und die Königs­berger Ostermessc hat verhältnismäßig gute Ge­schäfte mit Litauen gemacht, jedoch sind die Um­sätze wegen der großen Armut des Landes nur sehr gering.

Der litauische Staat muß also außen- und be­sonders auch wirtschaftspolitisch schwer um seine Existenz kämpfen, da ihm viele Vorbedingungen für einen selbständigen Nationalstaat noch immer fehlen.

Das Elsaß und Poincare.

Don unserem Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten i) Straßburg, August 1926.

Die Elsässer sind doch, trotz aller Assimilation, noch keine ganzen Franzosen. Denn sie sehen erstens nicht ein, wozu eine Kabinettskrisis nach der anderen gut fein soll, wenn einem die Not so sehr auf den Nägeln brennt, und sie begreifen nicht, inwiefern die Abhilfe für diese Not ge­währleistet sein soll durch ein Kabinett, das zwar vielleicht die nationale Einheit (mit Vorbehalten und Ausnahmen), aber nichts Reales repräsen­tiert, und sie können sich an der nationalen Ein­heit nicht so berauschen, daß sie die Franken­kurse nicht mehr lesen können, oder daß sie ihre eigenen Wünsche darüber vergessen.

Ein Kabinett H c r r i o t hätte im Elsaß den Kampf bedeutet, wie es im Jahre 1924 den Kampf bedeutet hat. 'Aber auch dem Kabinett P o i n c a r e ist vom Elsaß aus durchaus nicht zugejubelt worden. Soviel Pferde vor einem

dersallen ließ.Für dich mag's hart fein aber mich freut's! Unbedingt! Unbändig freuets mich, wenn nach all dem Saustall übereinanb endlich wieder atnal a echter Uracher aufm Krummholzer- hof regieret! Nur d' Schneid.net abkaufen und all- weil sich denken: grat) extra jetzt! Wirst sehen es geht!"

Wie wohl Zeno der derb-aufrichtige Zuspruch des grauhaarigen Freundes tat! Und gar, als dieser hierauf so ganz nebenbei hinzufügte, Laß er jetzt schon wieder etlichesgutes (Seltr auf der Seite habe, das er nur gleich mitnehmen solle. Gerührt wehrte Zeno ab.

Vielen Dank, Annodomini! Ader i denk net, daß i 's jetzt schon brauch vergelt's Gott für den guten Willen!"

So?!" schmunzelte da der Alte augenzwinkernd. So?! Schon wieder protzig Han? Oder kommst dir ebba gar schon als reicher Krumm­hölzer für, Han Spezi?"

Da lachten sie beide.

Es werd schon noch a Zeit! dauern, bis 's so weit is!" meinte Zeno.

Werd grab guat (ein!" gab der Annodomini in gewohnter Schlagfertigkeit zurück.Sonst setzet sich schließlich der Uracherprotz z' früh an!"

Dann aber, als sich Zeno wieder verabschiedete, gehobenen Mutes und neugestärkt, sagte er nur schlicht und warm:

Mach' dein Sach guat, gel Zeno!"

Drei ganze Tage blieb Zeno fort von daheim, als er die bedeutungsvolle Reise antrat, um die Dinge nach seinem Entschluß zu regeln. Bei sei­nem Wiederkommen aber konnte er aufatmenb den Seinen niitteilen, daß ihm in der Stunde tiefster Not das Schicksal freundlich gewesen. Sein Ret­tungsplan, den er sich so unsäglich schwer von der Seele gerungen, fand günstige Aufnahme. Bei der Bank sowohl wie bei seiner Vertragsfirma brachte man seinen Vorschlägen wohlwollendes Interesse entgegen.

Aus die Erklärung der letzteren, Zenos Haus und Werkstätte käuflich übernehmen zu wollen, wo­bei Zeno das Rückkaufs- und Pachtrecht zugebilligt wurde, ließ sich auch die Bank zu einem Entgegen­kommen herbei: Tonis Landhaus allerdings mußte fallen, der Krummholzerhof aber blieb unan­getastet . . .

Wagen, Pferde, von denen jedes seine eigene- Gangart hat und keines sie wird aufgeben wollen oder können, bas erweckte wenig Freude daran, auf diesem Wagen mitfahren zu müssen. Denn die Nationalisten haben das große Eini- gungskabinett mit dem Vorbehalt begrüßt, daß es im Elsaß feine nationale Pflicht tue, d. h. daß es fortsahre mit den Versuchen, die Heimatrechtsbewegung mit Ge­walt niederzuschlagen. Wenn Poincare diese Politik der starken Hand gegen die Heimat­bewegung fortseht, dann tut er also damit sein Bestes, um die Llnruhe aufrecht zu erhalten und den Heimatgedanken wirksam bleiben zu lassen als Gärungsstoff in den Körpern der elsässischen Parteien. Auch wenn er sich entschließt, in den konfessionellen Fragen 'ich der Herriotfchen Aggressivität zu enthalten.

Dies letztere scheint ja nun tatsächlich die Absicht zu sein. Denn Poincare hat sogleich nach seinem Amtsantritt mit den elsaß-lothringischen Abgeordneten der Rechten, d. h. mit 18 von 21 üch besprochen und aus ihre Anregung hin den Entschluß gefaßt, die elsaß-lothringischen Ange­legenheiten dem Iustlzminister Barthou abzu­nehmen und sich selbst damit zu befassen. Barthou hatte vor wenigen Tagen in seinem südfranzösischen Wahlkreis eine Rrde aehalten, die ein rückhaltloses Betenntnis zu der Llnant.aft- batfeit der Lalengesehe war, und hatte damit schon im Elsaß ein für ihn nicht gerade sehr günstiges Echo hervorgerufen. Er hatte zwar nicht damit gerechnet, daß die Elsäfser ihn dieser Rede wegen direkt ablehnen würden, und hatte die Abgeordneten zu einer Besprechung zu sich gebeten, anscheinend, um sich mit ihnen über Einzelheiten der elsaß-lothringifchen Fragen zu verständigen. Man scheint ihm aber rund heraus gesagt zu haben, daß er der geeignete Mann nicht fei, und er hat begriffen und sich gefügt.

Aber auch damit ist Poincare noch nicht aller Schwierigkeiten Herr geworden, die ihm vom Elsaß aus bereitet werden. Herriot fitzt hr feinem Kabinett, und gar a l s Unterrichts- Minister, als der verantwortliche Mann für die Dinge desjenigen Gebietes, auf dem der meiste Explofionsstoff aufgehäuft ist. Auch als ^Interrichtsminister kommt Herriot von feiner Vergangenheit nicht los, die ihm die Sympathien der klerikalen und überhauvt der rechts ge­richteten Kreite in Elsaß-Lotyringen gekostet hat. Gerade auf dem Gebiet der Schule hatte er ja als Ministerpräsident seinerzeit denKultur­kampf" eröffnet, und gerade auf dem Gebiet der Schule muffen bald neue Entscheidungen getroffen werden. Saturn wird dem von früher belasteten Minister kühle Reserve zuteil, die sich auf das ganze Kabinett Poincare überträgt.

Sie zu beseitigen wird schwer halten. Denn sie sitzt tiefer als in diesen Bedenken gegen ein­zelne Personen, sie sitzt im ©cfamturtcil über das Kabinett und feine Hauptaufgabe. Wird Poincare den Franken retten können ober nicht? Mehr als sonst in Frankreich neigt man im Elsaß zum Zweifel in dieser Hinsicht. Man weih hier besser, was Inflation ist, weil man aus den deutschen Vorgängen mehr gelernt hat. Deshalb find wir auch hier schon mitten drin In dem Sturm auf die Sparkassen, um die Groschen in Ware umzuwandeln, und in dem Sturm auf die Läden, um sich wertbeständigen Besitz zu sichern. Tlnd das umzustimmen, wird auch für Poincare sehr schwer fein.

Oberhessen.

Landkreis Gießen

t Grünberg. 17. Aug. In der letzten GemeinderatSsihun^ wurde der An­regung des Landtagsabgeordneten Ferrgel zu einem Ziegenmarkt entsprochen und zur Prämiierung ein Betrag bewilligt. Die Ge­meinde Queckborn ist an die hiesige Stadtverwal­tung zwecks Chaussierung eines Grenzweges zwi­schen beiden Gemarkungen, wozu jede Gemeinde die Hälfte der entstehenden Kosten tragen soll, herangetreten. Da die Stoften für diese Aus­führung in dem Voranschlag nicht enthalten sind, konnte auch nach Beschluß des Gemeinderats dem Ansinnen nicht entsprochen werden.

--- L i ch, 17. Aug. In einfacher Weise be­geht der hiesige Turnverein am nächsten Sonn­tag nach altem Brauch sein Stiftungsfest.

Weihnachten 1923 da wurde Zeno die große Last von der Seele genommen: alles wat ins reine gebracht um den Preis seines Opfers!

Als Zeno in stiller, abgeklärter Freude, ein Leuchten in den Augen, dem Vater die amtliche Urkunde über die Einstellung des Konkurses in die zitternden Hände legte, vermochte es der Aermste kaum äu fassen.

Bebend und schluchzend vor Freude hing er an Zenos Halse . . .

Und wie auf jeden Winter, und sei er noch |o grimmig, halt doch wieder ein Lenz folgt, so ging's auch mit diesem harten Schickfalswinter der Uracher.

Als über das Lenzahnen im bergumfangenen Tal der festliche Jubel der Osterglockenklänge hin- wallte, hinaufschwingend über die Gipfel in die Hochlüfte, da sangen Natur und Mensch aus befrei­tem Herzen ein jubelndes Halleluja!

Im Krummholzerhof hot frisches Urachcrblut [einen Einzug gehalten. Allzeit ernste Freundlichkeit im herbgeschnittenen Gesicht so werkt der junge Bauer mit seinem Gesinde.

In köstlichen Feierstunden aber ist er in seiner ehemaligen Kammer zu finden, die er sich zur Schnitzstube emgerichtet, um seiner geliebten Kunst auch fürderhin dienen zu können.

Die alte Wally hat endlich die müden Hände in den Schoß legen dürfen. Marianne, die fraulich- schöne, rotblonde Bäuerin, hat ihr das Hausregi- ment abgenommen, beraten und unterstützt von ihrer Mutter, der verwitweten Frau. Hauptlehrer Rontaler. Denn auch sie, die inzwischen zur wür­digen Matrone geworden, hat sich nicht nehmen lassen, nach ihren Kräften mitzuwirken.

. . . An sonnigen Tagen sitzt nun draußen vorm stattlichen Haus Vater Uracher, silberhaarig und gebückt, in der ruhig-heiteren Abgeklärtheit des Alters, jeden Tag, der ihm, da nun alles wieder gut geworden, in Güte geschenkt wird, mit dank­barem Herzen hinnehmend.

Zu (einen Füßen aber regt sich krabbelnd und plappernd, mit patschigen Händchen nach ihm haschend, jauchzendes junges Leben der jüngste Krummhölzer!

Und der Herr Förster Dominikus Sanktjohan- ser, der alte Annodomini und getreue Hausfreund, kann jetzt strahlend und mit vollem Recht seinen neuesten Spruch loslassen.

Sakkrawolt! So schön war's noch gar nM Jetzt taugts mir erst!"