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Auslegung des Begriffes Mängel hinauslaufen. Ministerialrat Bornemann widerspricht teil­weise und verteidigt sein Verfahren zur Abstellung der Mängel. Dr. Kleinkurt zieht seinen An­trag vom Freitag zurück und unterstützt den An­trag Kollbach, der als gemeinsamer Antrag Koll- bach-Kleinkurt eingebracht wird. Abg. Wid­mann beantragt, alle Strichelungen für ungültig zu erklären. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Abg. Widmann und Hardt (603.) abgelehnt. Ein Antrag Widmann, die nicht eigenhändig vollzogenen Strichelungen für ungültig zu erklären, wird einstimmig angenom m e n. Der Antrag Äollbach-Kleinkurt wird darauf­hin von den Antragstellern, weil die eigenhändigen Strichelungen gelten sollen, zurückgezogen.

Zur Fra^ der Kontrolle der Dop­pel e i n t r a Hr n g in die Listen liegen zwei Anträge vor. Ein Antrag Widmann-Hardt will, daß sämtliche Listen, auf denen Doppeleintragun­gen festgestellt sind und der Ausschuf) Zweifel erhebt, den Dürgemeistereien zur Kontrolle z u - rückgegeben Werdern Ein Antrag Reiber ver­langt, das) nur die Darmstädter Listen soweit sie noch nicht auf Doppelunterschriften geprüft sind, zur näheren Kontrolle zurückgegeben werden.

Während der Verhandlungen hierüber fragt Abg. Reiber, an, ob die Personen, die doppelte Unterschriften geleistet haben, gerichtlich belangt werden könnten Ministerialdirektor Dr. Schwartz bemerkt dazu, das) zurzeit eine Bestrafung nicht möglich sei, aber die Reuordnng des Strafrechts stelle Doppeleintragungen unter Strafe. An sich wären die Gemeindebehörden verpflichtet, auf Verlangen die Listen auf Dop­peleintragungen hin durchzusehen,' in der Praxis solle man aber ohne Rot das Verlangen wegen der Umständlichkeit des Verfahrens nicht stellen. Im Verlaus der Aussprache macht General­sekretär K 0 l l b a ch darauf aufmerksam, das) es nur wenige Doppeleintragungen sind und das) es sich keineswegs um Fälschungen, sondern nur um irrtümliche Unterschriften handelt. Dr. K l e i n k u r t weist nochmals auf das gleich­zeitige Volksbegehren für den Sparcrbund hin. Der Antrag Widmann, der weitestgehende, wird angenommen. Ein Antrag Reiber, die Personen, die Doppelunterschristen leisteten, straf­recht ich zu berfolgen, wird abgelehnt.

Generalsekretär Kollbach richtet an den Vorsi.tzcndt.-n des Ausschusses die Anfrage, w i c viele gültige Unterschriften nach Ar- tuci 10 des hessischen Gesetzes übet das Volks­begehren geleistet worden seien. Ministerialrat Vomemann erwidert 72 000. Generalsekretär Kollbach macht darauf aufmerksam, das) nur 42 6 00 Unterschriften notwendig sind: es gebe doch Konsequenzen, die sich automatisch voll­ziehen. u. a. die, das) die Abstimmung ein­er .'leitet werden muh. Ministerialdirektor 'S):- Schwartz meint dazu, Voraussetzung sei, daß der Ausschuß die vom Leiter des Landes- al s ir.^nunaSausschusses genannte Zahl aner­kannt habe. Ministerialrat Dornemann vertagt hierauf die Beratungen auf Mittwoch 10 il. r. - Generalsekretär Kollbach beschwert sich noch nael-träglich, das) die Sitzung so kurzer­hand geschlossen wurde, bevor er einen Antrag auf Anerkennung der genannten Zahl ein­gebracht habe.

Amerikas Turopapolitik.

R e u h 0 r k, 17. Aua. Man nimmt hier an, das) die heute beginnenden Besprechungen zwischen Cvolidge und Kellogg fünf Lage dauern werden, und das) Kellogg am Sonn­tag wichtige Erklärungen über die Außen» politil Amerikas abgeben wird. Kellogg hat dem Präsidenten die von den amerikanischen Dele- . gierten bei den Vorbesprechungen zur Ab­rüstungsfrage in Genf eingegangenen Be- y richte zur Information vorgelegt. Die Berichte bringen zum Ausdruck, daß die Genfer Despre- chungen auf einem toten Punkt ange­langt sind. Sollte eine Völkerbundskonferenz über die Abrüstungsfrage nicht zustandekommen, so wird, wie hier verlautet, Cvolidge in ange­messener Zeit eine Konferenz nach den Vereinigten Staaten einberufen. Ein weiterer Gegenstand der Besprechungen zwischen Cvolidge und Kellogg soll die Erörte­rung der bisher nur von drei Rationen angenommenen amerikanischen Vorbehalte zum Eintritt in den internationalen Gerichtshof sein.

Man ist der Ansicht, das) Kellogg Cvolidge gegenüber die Ansicht vertreten wird, die Mit­glieder des Weltgerichtshofes werden den fünften amerikanischen Vorbehalt (Gutachten sind öffent­lich zu erstatten und Gutachten über eine Frage, an Der Amerika beteiligt ist, Dürfen nur mit amerikanischer Zustimmung abgegeben werden), nicht annehmsn. Cvolidge wird sich also vor der Alternative befinden, entweder einen Teil der Vorbehalte abzuändern, oder außerhalb des Internationalen Gerichtshofes zu bleiben. Am kommenden Donnerstag wird Kellogg in Platts- burgh eine Rede halten, deren Text er mit Cvolidge genau festlegen wird. Wie man an­nimmt, wird sich Kellogg in dieser Rede mit der religiösen Krise in Mexiko befassen.

Cvolidge wird noch, vor Abreise aus seiner Sornmerresidenz die amerikanischen Botschafter in London, Paris und Mexiko empfangen.

Neues Wettrüsten zur See. Englisch-amerikanische Verhandlungen über Rüstungsbeschränkungen gescheitert.

London, 17. Aug. (WTB.) Rach einem Artikel des Marineberichterstatters derDaily Rews", wird in Washington der englischen Ad­miralität der Vorwurf gemacht, daß sie den aus­sichtsreiche Plan für eine weitere Be­schränkung der Seerüstungen torpediert habe. Dieser Plan sei vor zwei Monaten von Cvolidge und Kellogg ausgearbeitet worden. Frankreich und Italien sollten, wenn nölig, völlig unberücksichtigt gelassen wer­den mit der Begründung, daß ihre Interessen hauptsächlich auf das Mittelmeer beschränkt sind. Dieser Plan sei in langen Erörterungen zwischen dem amerikanischen Dotschaster in London, dem amerikanischen Admiral Jones, Chamberlain, Lord Cecil und Beamten der britischen Admirali­tät beraten worden. Die Verhandlungen seien bereits so weit fortgeschritten gctoeicn, das) Washington Ende Juli offizielle Einla­dungen zu der dritten Flvttenkonse­ren z ergehen lassen wollte. Der Plan sei jedoch infolge der angeblichen plötzlichen Front- veränderung der britischen Ad - m i r a l i t ä t fallen gelassen worden. Cs heißt, daß der Hauptgrund für diese

Haltung Großbritanniens die Besorgnis vor der kommenden R e i chsk2 n f e r enz sei. Es ziehe aber auch das französische und ita­lienische U-Bootsprogramm im Mit­telmeer unD den neuen sPani sch ein Schiffsbauplan in Höhe von 40 Millionen Pfund in Betracht. In Washington werde ziem­lich deutlich zum Ausdruck gebracht, daß die Weigerung Großbritanniens, an der Seeabrü­stung mitzuwirken, die Vereinigten Staaten zwin­gen könnte, zahlreiche weitere Schiffe zu bauen, um ihre Flotte auf den 5: 5 Standard zu bringen. Der Korrespondent schließt den Ar­tikel mit der Feststellung, daß alle Anzeichen auf eine baldige Beschleunigung des Flottenbaues in Amerika und Ja­pan bindeutetrn, was natürlich auf die Lage in Europa zurückwirke und wahrscheinlich eine all­gemeine Wiederaufnahme der Flot­tenrüstungen herbeiführen werde. DieDaily Rews" beendet dieses Thema, indem sie ihre Besorgnisse um die sich entwickelnde Lage aus­drückt mit den bezeichnenden Worten: Es scheinen glückliche Zeiten für wenigstens eine britische Industrie bevorzustehen.

Der internationale Eisenpakt.

Die zögernde Haltung der Belgier.

Berlin, 18. Aug. Zu dem Fortgang der Ver­handlungen über den Eisenpakt wird von französi­schen Blättern mitgeteilt, daß an dem Gerücht, wo­nach das Eisenkartell infolge der Haltung Belgiens gescheitert sei, nur soviel wahr sei, daß Frankreich lind Belgien sich einen Aufschub für ihre Zu­stimmung vorbehalten hätten, der am 17. September ablaufe. DasJournal" teilt mit, daß die Belgier und Franzosen diese Haltung von vornherein ein­genommen hätten. Die vorgeschlagene ßö|ung werde als völlig befriedigend nur von Deutsch­land und Luxemburg betrachtet. In Frank­reich habe das Kompromiß im ganzen die Zustim­mung des größten Teils der Metallindustrie gefun­den; der Widerstand komme lediglich von einigen Firmen, die der Ansicht seien, daß man ihnen u n - genügende Kontingente zugewiesen habe, die durch neue Verhandlungen leicht besser geregelt werden könnten.

Aus der belgischen Seite stehe man vor einer allgemeinen Opposition. Die ge­samte belgische Metall-Industrie halte sich für übervorteilt und sei der Ansicht, daß man der luxemburgischen Konkurrenz zu weit ent­gegengekommen sei. Ob dies der einzige Grund des belgischen Widerstandes sei, bleibe jedoch fraglich. Man dürfe nicht vergessen, daß Belgien zwischen England und Deutschland stehe. England habe aber bisher es nicht für wünschenswert gehalten, in das Kartell einzu­treten, obwohl man ihm ganz bestimmte Vor­schläge gemacht habe. Belgien zögere, Partei zu ergreifen und suche, gewisse Vorteile zu er­reichen, indem es die versteckte Opposition Eng­lands nach außen hin vertrete. Die Beunruhigung, die das Eisenkartell in England und Amerika hervvrgerufen habe, hänge im letzten Grunde mit der Haltung Der Belgier zusammen, da die beiden Länder über die Kredite für die belgische Sta­bilisierung zu entscheiden hätten.

Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages.

Berlin, 17. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, Abgeordneter Hergt, hat nach Besprechung mit dem Reichsminister des Aus­wärtigen für Ende des Monats, voraussichtlich Donnerstag, 26. August, vormittags 10 Uhr, eine Sitzung des Auswärtigen Ausschusses zur Entgegennahme von Erklärungen der Reichs­regierung über die außenpolitische Lage, ins­besondere auch über die dringlichen Fragen der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes in Aus­sicht genommen.

Griechenlands Bündnispolitik. Die Unterzeichnung eines griechisch- jugoslawischen Frenndschaftsvertrages

Berlin, 18. Aug. Wie die Morgenblätter aus Athen melden, sind am Dienstagvormittag im Mini­sterium des Auswärtigen von Minister Ruff 0 s und dem Generaldirektor der Staatseisenbahnen, P a n t a z i s , einerseits und von dem jugoslawischen Gesandten in Athen, Gawrilowitsch, und dem Unterstaatssekretär im Verkehrsministerium in Bel­grad, Abramowitsch, die Abkommen unter­zeichnet worden, die auf den von Ruffos und Rin- tschitsch im vorigen März in Genf festgelegten Grundlagen abgeschlossen worden waren. Diese Ab­kommen regeln endgültig die Frage derEisen- bahnen in der freien Salonikizone und bringen zugleich eine Lösung aller zwischen den beiden Ländern schwebenden Fragen. Zu gleicher Zeit wurde ein Verständigungs- und Freundschaftsvertrag zwischen Jugoslawien und Griechenland unterzeichnet, dessen Wortlaut bei dem Sekretariat des Völkerbundes niedergelegt wer­ben soll.

Die ..Agenee de'Athenes" teilt mit, daß diese Unterzeichnung die Spannung in glücklicher Weife beseitigt habe, die schon zu lange den balkanischen Horizont ver­dunkelte. Die Unterzeichnung des griechisch­jugoslawischen Freundschaftsvertrages sei vom griechischere Volk freudig begrüßt worden, das der Meinung sei, der Abschluß dieses Abkom­mens sei der erste Schritt auf dem Wege der Befriedung, wie sie General Pangalos plane. Die Regierung Pangalos, die von den früheren Regierungen eine sehr schlechte, durch Mißverständnisse und Reibungen unsicher gemachte, äußere Lage übernommen habe, habe in toeiligen Monaten durch aufrichtige An­näherungsversuche aus Athen den Mittel­punkt freundschaftlicher Bespre­chungen zwischen den Dalkanländern machen können. Andere Abkommen mit der Türkei, mit Albanien und Bulgarien seien in Vorbereitung.

Kunst und Wissenschaft.

Professor v. Iagemann f.

In Heidelberg starb der 77 Jahre alte ordentliche Honorarprofessor der juristischen Fakultät der Uniberfität Heidelberg und frü­here badische G esandte in Berlin, Exzellenz Eugen v Iagemann. Als Sohn des bekannten Kriminalisten in Karlsruhe geboren, studierte er zunächst in Berlin. Rach seiner Teil­nahme am Krieg 1870/71 trat er in den badischen

Staatsdienst über und nahm im Justiz- und Kultusministerium an den Gesehgebungsarbeiten und der Verwaltung Badens bedeutenden An­teil, ganz besonders auf dem Gebiet Der ©e- fängnisreform. Rachdem er bereits wiederholl im Auftrag des badischen Großherzogs an Den Vatikan entsandt worden war, kam er 1893 als badischer Gesandter nach Berlin, wo er zugleich Stimmführer Badens im BundeSrat wurde. Rach seinem Rücktritt aus Dem politischen Leben im Jahre 1903 widmete er sich Dann Der akademi­schen Laufbahn an der Uniberfität Heidelberg.

Tagung des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Altcrtmns- vcrerne.

Im Anschluß an Den 18. Deutschen Archivtag begann in der Aula der Universität Kiel die Hauptversammlung des Gesamtvereins der Deut­schen Geschichts- und Altertumsvereine. Der Vor­sitzende, Geheimrat Prof. Dr. Wolfram, Frank­furt a. M., wies Darauf hin, daß der Gesamtverein nunmehr auf eine nahezu 75jährige stolze Geschichte zurückblicken könne. Die Tatsache, daß zum diesjäh­rigen Tagungsort wiederum eine Universität in den Grenzlanden gewählt wurde, künde besser als alle Worte, daß der Verein seiner Ueberlieferung gemäß sich nicht nur seiner wissenschaftlichen, sondern auch seiner nationalen Aufgabe in gleicher Weise bewußt sei. Ministerialrat Donneoert (Berlin) überbrachte die Grüße der R e i ch s r e g i e r u n g und würdigte die Verdienste, die sich der Gesamt­verein bisher durch seine Mitwirkung am Aufbau des Deutschen Reiches und seiner Kultur erworben habe. Regierungspräsident Dr. Johannsen sprach als Vertreter des Preußischen Ministerpräsi­denten und des Ministers des Innern. Weitere Grüße überbrachte der Landeshauptmann der Pro­vinz Schleswig-Holstein. Für die Oesterreicher sprach Ministerialrat Bittner (Wien). Weitere Ansprachen hielten der Oberbürgermeister von Kiel und der Rektor der Universität. Sodann hielt Uni­versitätsprofessor Dr. Scheel (Kiel) einen mit gro­ßem Interesse entgegengenommenen Vortrag über Rordschleswig und das Problem im schleswig-hol- fteinfdjen Gedanken. Im Anschluß an die Haupt­versammlung des Gesamtvereins folgten gruppen­weise Besichtigungen der Kieler Museen.

Aus aller Wett.

63. Geuvsseuschaststag des Deutschen Geuvsseuschafts-Verbandes.

Königsberg, 17. Aug. (Wolff.) Der 63. Genossenschaftstag Des Deutschen Genossen- schasts-Verbandes hat gestern abend mit einem Begrüßungsabend seinen Anfang genommen. Heute vormittag sand im großen Saal der Stadt­halle Die Eröffnungsfeier statt. ES waren zahlreiche Ehrengäste erschienen, u. a. Ministe­rialrat Hoppe vom Reichswirtschaftsministerium, Ministerialrat v. Hoffmann vom preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe, Geh. Oberregierungsrat Pauly vom Ministerium für Volkswohlfahrt, Vertreter der bayrischen und sächsischen Ministerien, des Deutschen Industrie- und Handelstages, des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, des Zentralverbandes des deutschen Bank- und Bankiergewerbes. Die Preu­ßische Zentralgenossenschaftskasse war durch Geh. Finanzrat Semper vertreten. Ferner waren neben den Deutschen Raiffeisen-Genossenschaften verschiedene andere namhafte kreditwirtschaftliche und landwirtschaftliche Verbände vertreten, auch solche aus Wien und Prag. Geh. Iustizrat Alberti, der den Vorsitz führte, überbrachte der deutschen Ostmark und ihren wackeren Be­wohnern einen von Herzen kommenden Gruß. Er richtete Worte herzlichen Willkommens an die Ehrengäste und gedachte besonders auch des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Chrenanwalts Dr. C rüg er, in dessen Vater­stadt man sich diesmal versammelt habe. Sein Hoch galt einem einigen deutschen Vaterlande.

Ministerialrat Hoppe übermittelte Die Grüße unD Wünsche Der Reichsbehörden, na­mentlich des Reichswirtschaftsministeriums, und sprach Die Hoffnung aus, daß Die Tagung zum Wohle Des Deutschen Genossenschaftswesens und zum Heile des deutschen Volkes Dienen möge. Auch Ministerialrat v. Hoffmann, Der für Das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe und für Die ßänberregierungen sprach, wünschte Der werbenden Kraft Des genossenschaftlichen Ge° Dankens einen weiten Widerhall. Es folgten Begrüßungsansprachen Durch Den Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Dr. Dran Des, Durch Den Ehrenmeister Des deutschen Handwerks Plate- Hannover und durch Vertreter der Raisfeisenorganisationen, Der landwirtschaftlichen Genofsenschaften Ostpreußens, Der Handelshoch­schule und der Kreditanstalt der Deutschen in Prag. Rachdem Alberti seinen herzlichen Dank für alle Wünsche ausgesprochen hatte, begannen die geschäftlichen Verhandlungen.

Zu einer Dondertagung fanden sich Die Ver­treter der Baugenossenschaften zusam- men. Assessor Dr. Lang- Berlin sprach über die Aufwertung und Entschuldung bei Den Bau­genossenschaften. Er gab eine Darstellung von der durch das Aufwertungsgesetz geschaffenen Lage und von Den Maßnahmen, Die Der Zentral­verband Deutscher Hausbesitzervereine wegen der Rückzahlung Der aufgewerteten Hypotheken er­griffen hat. Darauf sprach Geheimrat Dr. A l = berti - Wiesbaden über das Thema:Spar­pflicht und Baugenossenschaften". Er besprach den schon vor Dem Kriege aufgetauchten Plan eines Sparzwanges für Minder­jährige, wonach ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens jugenDlicher Personen einbe­halten und von einer staatlichen Kasse bis zur Volljährigkeit des Sparers verwaltet werden soll. Das bis dahin zur 'Verfügung stehende Kapital soll in erster Linie für denWohnungsbau Verwendung finden. Der Grundzug des Planes, den Sparzwang für Minderjährige einzuführen, fand allseitige Zustimmung. Der Rest des Rach- mittagö war mit internen Verhandlungen des Genossenschaftsverbandes angefüllt.

Friedrich Decker f.

Der Vorsitzende des Reichsver­bandes Deutscher Kriegsbeschädig­ter und Kriegshinterbliebener e. V., Friedrich Decker, ist im Alter von 40 Jahren nach längerer Krankheit gestorben.

Unter Spionageverdackt verhaftet.

Wie dasKasseler Tageblatt" meldet, wurde der Redakteur Der kommunistischenArbeiter­zeitung für Hessen und Waldeck", Gabel, unter dem Verdacht Der Spionage verhaftet. Außerdem fand eine Durchsuchung des Ortsoureaus Der Kommunistischen Partei, das auch gleichzeitig die Redaktion und Geschäftsstelle derArbeiter­

zeitung für Hessen und Waldeck" darstellt, durch Geheimpolizisten statt.

Ein vierzehnjähriger Brandstifter.

Ein vierzehnjähriger Hirtenknabe zündete den Vogtshof in Hinterzarten (Schwarzwald) an. Der Ho: brannte vollständig nieder. Der Schaden ist beträchtlich

Schweres Bauunglück in den Leuna-Werken.

Mittwoch früh ereignete sich im Ammoniakwerk Leuna bei Merseburg ein schweres Bauunglück. Einige Arbeiter waren mit Dem Abbau eines eiser­nen Trägers beschäftigt, als dieser sich plötzlich lockerte und aus einer Höhe von 25 Meter herab- st ü r z t e. Fünf Arbeiter stürzten mit ab, von denen zwei getötet und zwei schwer verletzt wurden. Der fünfte kam mit geringen Verletzungen davon.

.WettervorerrrSsLgs.

Veränderliche Winde aus südlicher vis west­licher Richtung, nach Aufheiterung und stärkerer Erwärmung trüber und stellenweise gewitterhafte Regen mit nachfolgender Abkühlung.

Der hohe Druck, der das sommerliche Wetter der letzten Tage bedingt hat und der nur vor­übergehend von schwachen Gewitterströmungen abgeschwächt wurde, hat sich kllsher gehalten: er wird jedoch jetzt durch einen neuen atlanti­schen Wirbel stärker gefährdet, dessen Hauptteil in Rordeuropa ostwärts ziehen Dürfte. Seine Ausläufer bedingen für unser Gebiet schnell- wechselnde Luftströmung.

Uns der strsvinzialhallMM.

Gießen, Den 18. August 1926.

Gustav Trautmann

Kr. ilnfere Stadt und unsere Uniberfität sind von einem harten Schlag betroffen worden. Freitag, Den 13. August, hat ein fünfter Tod den akademischen Musckdirektor Professor Gustav Otto Trautmann von längerem Leiden erlöst. Am 7. Oktober 1866 als Sohn des Lehrers Fried­rich Trautmann zu Brieg i. Schl, geboren, wid­mete er sich dem Studium Der Musck am Dr. Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. Seit Herbst 1892 wirkte er an diesem Konsey», vatorium als Lehrer für Theorie, Klavier utti> Chorgesang. Im Spätherbst 1896 wurde er in Rachfolge des verdienstvollen Adolf Felchner als Musikdirektor an die Landesuniversität berufen, mit welcher Stellung Die Leitung desAlademifchen Gesangvereins verbunden ist. Gleichzeitig über­trug ihm Der Gießener Konzertvere n Die Lei­tung seiner Orchesteraufführungen. Die Q3erbin» Dung mit Frankfurt gab er nicht auf. Er hatte kurz vorher Die Stelle des Chormeisters am Schulerschen Männergesangvercin übernommen, undseinen Schulern" hat er durch 30 Jahre Die Treue gehalten. Aber auch in Gießen wuchsen ihm im Laufe der Jahre noch andere Aufgaben! zu: so Die Leitung des Evangelischen Kirchen- gesangvereins und des Kronbauerschen Quartett- Vereins, nicht zuletzt Die schiedsrichterliche Tätig­keit bei Den Wettgesängen Der zahlreichen' Ver­eine in Stadt und Land, Die Trautmarms Sorg­falt und Unparteilichkeit neiDlos zu rühmen wußten. Die Lust am eigenen musikalischen Schaf­fen, Die ihm in früheren Jahren manche schönes Lied entlockt hatte, trat vor Der Fülle Der Devufs- aufgaben allmählich zurück. Diesen Aufgabenaber hat er sich mit unermüdlichem Eifer in rastloser, zielbewutzter Tätigkeit gewidmet, und reicher Er­folg ist ihm beschieden gewesen. Im Kreis seiner Kollegeir an der Universität erwarb er sich bald besonderes Ansehen. Um so mehr, als er es ver­stand, auch der musikwissenschaftlichen Seite feiner Ausgabe, für Die er von Haus aus kaum vor­bereitet war, in steigendem Maße gerecht zu werden. Die Musik hatte bisher im Lehrplan Der Uniberfität nur eine bescheidene, fast eine Aschenbrödelrolle gespielt. Es war Trautmann, Der sie durch seine Vorlesungen aus dieser un­würdigen Stellung befreite.

Schon 1901 wurde ihm ein Lehrauftrag für Musikgeschichte erteilt, und seine Verdienste 1906 durch Verleihung des Charatters als Professor auch von höchster Stelle anerkannt. Seine Vor­lesungen am Donnerstagabend vereinigten stets eine große Schar dankbarer Hörer und Höre­rinnen. Den Akademischen Gesangverein hat er auf eine zuvor nicht erreichte Höhe erhoben und Leistungen erzielt, Die weit über Gießens Grenzen hinaus als mustergültig gepriesen wurden. Das gleiche gilt von seiner Tätigkeit als Dirigent des Konzertvereins, Dem er in allen Lagen Der treueste Berater war. Den allen Meistern in höchster Verehrung ergeben, lieh er Dem Reuen und Großen, das ihm Die zeitgenössische Musik bot, stets ein willig aufgeschlossenes Ohr, und unter seinem Taltstock gewann auch spröder Stofs daS Den empfänglichen Hörer in seinen Dann zwin­gende Leben. Er schreckte vor keiner noch so großen und schweren Aufgabe zurück und ver­stand es stets, das leidige Mißverhältnis, in dem die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel oft genug zu Dem angestrebten Ziele stan­den, durch den vollen Einsatz seiner zähen Per­sönlichkeit auszugleichen. Dabei scheute er, Der von Der Pike auf gedient hatte, und Dem nicht nur Die Theorie, fonDem auch die Technik deS Klaviers, Der Orgel und mehrerer Saiteninstru­mente bis zur Meisterschaft vertraut war, auch HandlangerDienste nicht. Er führte nicht nur Den Stab, sondern er wußte auch Die Finger zurecht- zusetzen. Er leitete nicht nur Die Massen zum Siege, sondern er wandte auch Der einzelnen Stimme peinlichste Aufmerksamkeit zu. Er war wirllich ein großer Lehrer und Erzieher. Feind alles und jeden Dilettantismus, stellte er die höchsten Anforderungen an sich und an seine Schüler, für die bon ihm geleitet zu werden eine Erhebung bedeutete. Für seine Person war er Die Bescheidenheit selbst und sein schärfster Kritiker, von lauterster Gesinnung, reinen Herzens, vor­bildlich in der Treue zum Beruf, selbstlos und opferwillig. Der aufreibenden Tätigkeit eines Musikers großen Stiles, Die schon so manchem reichen 2eben ein vorzeitiges Ziel gesetzt hat, ist auch seine von HauS aus gesunde Ralur auf Die Länge iricht gewachsen gewesen. Er hat das Maß der Jahre nicht erfüllen Dürfen, das uns nach göttlichem Willen beftimmt ist. Aber er hinter­läßt ein reiches Erbe im Herzen aller derer. Die ihm als Freunde und Schüler haben nahe­stehen dürfen.

Eine überaus große Trauergemeinde ber­einigte sich am Dienstagnachmittag in der Ka­pelle des Reuen Friedhofes, um von Pro­fessor Gustav Trautmann, dem ver­ehrten Lehrer und großen Künstler, Abschied zu nehmen. Die Trauerseier wurde elngelettet