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i’H.’nttiliidjen Jndifferentismus verdrängen." Und \!i ö r i a n e r b u r g (um 184-5) hsskkNNt sich ZUM Grundsatz, daß „Oesterreich ebenso wenig otzne Deutschland bestehen könne, als Deutschland ohne Oesterreich'. Ex betont, daß Deutschland, Oester lkich und die Donaurnündungen auseinander angewiesen sind. „An Deutschland sind lpjx durch die Mm auslössichsten aller Bande, durch Abstammung. Sprache, eitle, Bildung, zweilausendjührige Geschichte gefesselt: an die Donaurnündungen knüpfen uns unsere ernsthaftesten Handelsinterefjen und die wachsende Grütze Ungarns, eerbien, die Moldau und Walachei, können nur in ihrer bleibenden Vereinigung mit uns ihre Fortdauer, ihre Entwicklung erlangen, wie wir nur durch eine innige Verbindung mit ihnen nach allen Seiten gesichert und unabhängig werden."
Bei dieser Gesinnung der Deutsch-Oesterreicher kann es uns nicht wundern, daß sie in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 mit Nachdruck für die großdeutsch-mitteleuropäische Gestaltung emtraten. Einige von ihnen verfochten den Fördera- lismus, weil nur dieser diese Gestaltung ermöglichen konnte. Wenn es einem Schmerling, Mühlfeld, Giskra und ihren Mitkämpfern nicht gelang, dem großdeutschen Gedanken zum Siege zu ver- belfen, so war das sicher nicht Schuld der Deutschösterreicher.
Und dieselbe Gesinnung finden wir in Oesterreich in den folgenden Jahren. Einer ihrer überzeugtesten Verfechter mar der Finanzminister Frhr. Bruck. Im Jahre 18ßD schrieb er: „Von deutscher Gesittung getragen, ist das Donaureich seiner Geschichte, Lage und Stellung nach wesentlich ein deutscher Staat. In Deutschland liegt sein Schwerpunkt. Die klare Einsicht in die Grundbedingungen seiner Existenz muß Oesterreich unter allen Umständen die innigste Vereinigung mit Deutschland juchen und festhalten. dagegen seine größte Lebensgefahr in jeder Ablösung davon erkennen lassen, die seine Lebensquelle abgraben würde .... Die Pflege und Fortbildung des deutschen Zusammenhanges ist der Kern der neuösterreichischen Politik."
Und 1859 meldet sich nochmals Anastasius Grün und singt zur Zeit der hundertjährigen Schillerfeier:
Lodert ihr deutschen Herzen in Flammen, Schlaget zu einem Brande zusammen ... Aber statt Großdeutschland kam der Bruderkrieg von 1866. Anastasius Grün rief in erschütterter Stimme: „Finis Austriae!" Grillparzer gab der kommenden Entdeutschung in seiner Klage . „Als Deutscher bin ich geboren, bin ich noch einer?" Ausdruck. Ueberall dachte man an den kommenden Zerfall Oesterreichs als Folge der Trennung von Dentichland.
Als das neue Deutsche Reich entstand, dichtete Robert Hamerling seinen Gruß an das deutsche Vaterland:
Der wackere Stamm, der deutsches Eisen hämmkrt, Bei ©ott, der Stamm ist kein Thumelikus!
Schon als es nicht getagt, mir erst gedämmert. Flog nordwärts frei so mancher deutsche Gruß. Glicht ist's der erste, welcher heut' der Grenzen In Trepe spottet — und, so wahr im Schein Der deutschen Sonne auch die Alpen glänzen, Es wird nicht unserer Grüße letzter sein.
In allen folgenden Jahrzehnten blieben die Deutsch-Oesterreicher dem deutschen Gedanken trey. In meinem Buche „Oesterreich, Preußen, Deutschland" habe ich dargelegt, wie sie sich stets nach inniger Verbindung mit Deutschland sehnten; wie die einen Deutsch-Oesterreich mit Deutschland zu verbinden suchten, die anderen im Sinne Bismarcks stets Stützen seines Bündnisses waren.
Der Anschlutzgedanke ist in Oesterreich nicht erst 1918 entstanden. Er reicht Jahrzehnte zurück und wich auch durch Hemmungen nicht erdrosselt werden-
; §in- die Planeten bewohnt?
* Eine Unterredung mit dem Direktor der Berlin- v Treptower Sternwarte Dr. F. S. Archenhold.
Amerikas hervorragendster Astronom, Professor Multon, hat kürzlich vor einer internationalen Hörerschaft in Neuyork einen Vortrag gehalten, in dem er erklärte, daß seiner Ansicht nach Hunderte Millionen Planeten im All vorhanden wären, die reges Leben besähen. Sm Zusammenhänge damit hat der Gelehrte auch über den Untergang der Erde gesprochen- Um die Abfassung eines hervorragenden deutschen Wissenschaftlers zu diesem Problemen kennen zu lernen, bat unser Berliner Vertreter den Direktor der Sternwarte in Berlin-Treptow, Dr. F. S. Archenhold, um eine Unterredung. Dabei erklärte Dr. Archenhold:
„Erst vor kurzer Zeit habe ich in ernsthaften Tageszeitungen und auch in einigen Fachblättern wieder einmal Erörterungen und Prophezeiungen über einen Weltuntergang gelesen. Es muh einen Mann von Wissenschaft wirk-
Pocci im Abendlicht.
Von Earl Ferdinands.
Die Abendsonne, selbst mattgelb. sank in den mattgelben Sommerdunst hinter dem scharf- schwarzabgezeichnetM breiten Rücken des Peißen- berges, ihre letzten Grüße galten dem Kirchlein vom Dorf Ammerland und den beiden Kuppeltürmen des Ammerlander Schlosses, während der breite Starnberger See sich schon in ein weiches Dämmerlicht einhüllte.
Aus dem Altan des Schlosses stand der Graf Frgnz Pocci, schlank noch trotz seiner Satire, mit einer gewissen höfischen Vornehmheit gekleidet; sein hohes Amt, das ihm Ludwig II. kurz nach seiner Thronbesteigung verliehen hatte, er war Oberstkämmerer, hinderte ihn nicht, hier in der Einsamkeit des Seeufers und der Alpennähe seine Sommeptage auf seine Weise zu genießen.
Ex hatte heute wieher mit einem jener seltsamen Anfälle von Verstimmung zu ringen, wie sie alternde Menschen von geistiger Regsamkeit so leicht befallen; es war itzm, als ob er selbst ganz wie ein Fremder, Unbekannter, tpie ein etwas boshafter Beobachter durch Schloß Ammerland schreite, die Gärten, die Gemächer, den Grafen Pocct und fein Tun und Treiben begutachte und ein Urteil zu fällen habe; und das fiel erheblich härter aus als damals die Urteile ausfielen, als der junge Gras nach beendigten juristischen Studien zu Landshut im bescheidenen Landstädtchen Starnberg ein juristisches Wesen bar- stellte, das man jetzt als Reserendarius bezeichnen würde, und in dieser Eigenschaft durch milde Urteile gegen die Bäuerlein von sich reden machte.
Und letzt, da der hohe Sechziger auf seinem Qfitan stand, in baB sommerliche Gewühl von
lich wundern, daß dieses Thema fid) noch immer erhält und noch nicht längst zu den Akten getan worden ist. Aber Spekulation und Aberglaube spielen hierbei eine allzu große Rolle, und so wird wohl niemajs der Zeitpunkt e.n- treten, wo man sagen kann, kein Mensch glaubt mehr daran, daß die Erde auf eine der prophezeiten Arten vernichte^ werden ipnnte. Die Dinge liegen ganz anders und viel r.’aler. Die ständigen Fortschritte der Astronomie haben schon seit langer .Zeit zu dem Ergebnis geführt, daß die Stabilität des Planetensystems eine derartig gesicherte ist, daß nach gewissenhafter Prüfung eine Vernichtung der Erde nicht in Frage kommen tann. Wenn man an die vielen Durchgänge denft. die in b?n vergangenen Jahrhunderten die Erde durch Kometenschweife und durch Reste ehemaliger Planeten gemacht hat, so ist auf diese Weise schon der Beweis klar geführt, daß derartige Berührungen keine Gefahren in sich bergen Wenn auch untere Erde mit einer Geschwindigkeit von 19 Kilometern in der Sekunde durch das Weltall rast, so ist hiermit keineswegs eine Erhöhung der Gefahr durch etwaige Zusammenstöße gegeben. 3m Gegenteil: Wiese hohe Geschwindigkeit könnte nur bewirken, daß alle etwa gefährlichen Fremdkörper glatt überrannt oder beiseite gedrückt werden. Eine ganz andere Frage tritt für die Beurteilung einer Weltvernichtung in den Vordergrund: Von wissenschaftlicher Sette wird vielfach auf eine langsame Erkaltung der Sonne hingewiesen, und zwar feilen als Beweis dafür die jedem Menschen befannten ßsnnenslecke dienen. Wie weit und wie viel von dieser Theorie zu halten ist, läßt sich im Augenblick nicht abschließend beurteilen. Die Meinungen gehen hierbei noch stärkstens auseinander, denn die Beobachtungen neueren Datums haben ergeben, daß aus irgendwelchen inneren Quellen der Sonnenkörper immer wieder neue Wärme schöpft. Sollte aber die Theorie der Sonnenerkaltung aufrecht zu erhalten bleiben, so würde eine Erkaltung des Erdkörpers in so überaus weiter Zeitferne liegen, daß heutigen Tages noch keine Berechnungen hierfür möglich find. Käme also dermaleinst der Tod von der Sonne. so könnte lediglich also für die Erde von einem Kältetod gesprochen werden. 3m Irrtum befinden sich aber sicherlich die Wissenschaftler ober Theoretiker, die da annehmen, wir Erdsnbewohner könnten irgendwann den Wärmetod erleiden. Die zweite Frage der Bewohnbarkeit fremder Himmelskörper ist ziemlich leicht zu beantworten. Wenn in amerikanischen Zeitungen der bekannte Astronom Multon die Behauptung aufgeftelit hat, daß Hunderte und Aberhunderte vpn Himmelskörpern irgendwie geartete Lebewesen aufweifen, so ist das eine absolute Theorie. Durch ntchts, aber auch rein gar nichts läßt sich erweisen, daß andere Planeten eine Bewohnerschaft haben. Zieht man hierbei selbst in Betracht, daß auf fernen Gestirnen die gleichen Lebebedingungen wie auf der Erde nachweislich vorhanden sind, so bedingt diese Tatsache noch lange nicht, daß auch wirklich Lebewesen existieren. Mit wieviel Berechnung und mit wieviel Klugheit ist man daran gegangen, den Nachweis zu führen, daß es Marsbewohner gäbe. Hat sie jemand schon gesehen? Hat man eine zuverlässige Erklärung für die Marskanäle? Alle Beobachtungen sind in Vermutungen stecken geblieben und soweit die zeitige astronomische Wissenschaft es zuläßt, wird vorläufig keine Beantwortung aller dieser Fragen möglich sein. Man kann also den ganzen Komplex kurz dahin zusammenfassen, daß das Vorhandensein von Lebewesen auf anderen Planeten in keinem einzigen Falle nachzuweisen ist." Soweit die interessanten Ausführungen Dr. Archenholds. Alles von ihm Gesagte konnte er namentlich mit Bezug auf die Frage des Weltunterganges durch einen Berg von Schriftenmaterial aus aller Herren Länder belegen. And man mußte sich wundern, wie tief im Erdenvolke die Idee einer Vernichtung unseres Planeten verwurzelt ist und wie stark der Aberglaube dazu beiträgt, immer wieher neuen Nahr- boden für solche Phantastereien zu fchaffsn. Heber alle diese Vermutungen kann man aber beruhigt zur Tagesordnung übergehen und es getrost in die Hände der Wissenschaft verlegen, wann vielleicht her Tag kommen könnte, an dem die Erde aufhört zu bestehen.
Preußen.
Kreis Marburg.
]( Marburg, 17. Juni. Auf dem heutigen Schweine markt verblieb bei hohen Preisen großer Heber st and. Vier bis sechs Wochen alte Ferkel kosteten 40 Mark, sechs bis zehn Wochen alte bis 60 Mark, zehn bis zwölf Wochen alte bis 100 Marr und Läufer je nach Größe und Qualität bis zu 130 Mark das Stück. Zugefshren waren rund 500 Tiere. Wegen eines
Gelb und Blaßblau schaute und sich am letzten Glühen der Alpenkette erfreute, das am Wetter- steingebirge, am Krottentodf, dein Hsirngarten und Herzogsland haftete, fühlte er wieder, wie der unsichtbare Mahner und Spielverderber neben ihm stand und ihm das alles verleiden wpllte.
»Seltsam", dachte der Graf, „mein Großvater stand ebenso vielleicht, im römischen Viterbo, wo wir Poccis seit Jahrhunderten hausten, auf einer hohen Warte und schaute auf den Bvlsenasee und schaute auf den Monte Eimino, wie hier sein Enkel auf den Würmfee und den guten, breiten Peißenberg. So gehen Generationen und Jahrhunderte hin!"
Der dunkele Beobachter aber flüsterte: „Ja, ja, ganz schön, fragt sich nur, ob jeder einzelne etwas Rechtschaffenes hervoxbrinat!"
^3a, ja.“ bemerkte Pocci zu sich selbst, „du hast nicht Unrecht, Versucher, äußerlich ist ja alles recht gut, was will man mehr, die Leut' sagen, ich sei ein Kind des Glücks, mit allem gesegnet, was man sich so wünschen tonnte: eine liebe Familie, ehrenvolle Aemter, die Freundschaft von drei- Königen („dreier Kunege Kame- räre“), von denen der erste mir ein Schloß schenkte, Freiheit zur Arbeit, ganz wie es mir gefällt!"
„Aber innerlich, mein lieber Graf." murmelte der Hnsichtbare dunkel, „innerlich, wie ist es damit?'
„Du meinst, ob ich baä geleistet hätte, was ich vielleicht hätte schaffen können, wenn ich wirklich fleißig gewesen märe? 3a, ich muß bekennen, ich habe eigentlich nie ernsthaft gearbeitet. mit aufeinander gebissenen Zähnen, um das widerspenstige Werk zu zwingen, nein, das habe ich nie getan! Darin bin ich schuldig! 3ch war harmlos und liebte angenehme Stunden,
Gewitterregens mutzte der Martt abgebrochen werden.
Tilttrers.
bl. Dillenburg, 17. Juni. Der Kreistag ses Dillkreises trat gestern im hiesigen Kreishaus zu einer Sitzung zusammen. Es wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Der Aufnahme eines D a r l e h n s von 480 000 Mckrk zur Unterstützung des Bahnbaues H a i g e r — G u ft e r n h a i n wurde zugeftimmt. Hierbei fanden vier Anträge Annahme, die fordern, daß die Arbeiter nach dem Tarif besoldet und nur Arbeiter aus dem Disikreis beschäftig' werden sollen. Ferner wurde der Kreis- ausschuß beauftragt die Grundstücke bald zu bezahle.! und mit der Reichsbahnoerwaltuna wegen Wetterführung des Dahnbaues bis nach Breit- j ch e i d zu verhandeln. Zur Lelstung einer Sicherheitsrücklage bei der Kreis- und Stadtspar- kasfc soll ein D a r l e l) n von 25000 Mark bei der Nassauischen Landesbank aufgenommssn werden. — Die Anstellung eines nebenamtlichen Kreiskommunalarztes wurde bewilligt. Sie entstehenden Kosten von jährlich 3000 Mark wurden bewilligt. — Der Anschaffung eines Sanitäts- k rast wagens wurde zugeftimmt. Gleichzeitig wurden die Mittel hereitgeftelst und der Umbau des Schuppens bewilligt. — Ein Appell um Eingemeindung verschiedener 6 rt - jchaften der Umgebung zum Dillkreis wurde zur Kenntnis genommen. — Um die npch nicht fertig- gestellten Wohnungen im Kreise zu vollenden, fall der Kreisapsschutz eine Vorlage machen, wieviel Mittel zu dem Zweck bereitgestellt werden können. — Auf der Landstraße zwischen hier und Nieder-Schcld rannte das Auto eines Holländers gegen einen Baum. Dabei wurde dessen Ehefrau derart schwer verletzt, daß sie im hiesigen Krankenhaus verstarb. Der Fahrer kgm mit dem Schrecken davon. Der Wagen wurde stark deurolisrt.
WSN. Secäshelden b. Dillenburg, 17. 3uni. Beim Abladsn eines Wagens Eisen- schrott verunglückte der Ersenhändlsr Adolf S ch n a u tz dadurch, daß eine Sprengkapsel, die in einem alten Ofenrohr verborgen war, beim Aufschlagen auf den Baden explodierte. Schnavtz erlitt schwere Verletzungen beider Oberschenkel, die seine Hebersühxung in das Krankenhaus notwendig machten.
Kreis Limburg.
WSN. Limburg. 17. Juni Der seit ettsa acht Sqgen vermißte 25jährige Sohn Otto des Lokomotivführers Oskar Wenk wurde gestern bei Bad Ems als Leiche aus der Lahn gelandet. Die Leiche wies eine starke Kopfverletzung auf. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob ein Unfall oder ein Verbrechen vorliegt. Anzeichen zp einem freiwilligen Tpd Iggen quf keinen Fall vor. Der Lote wurde nach der Friedhofskapelle verbracht, wo die Sektion vorgcnommen wird. Die ein- geloitete Hntersuchung dürfte näheres ergeben.
Maingari.
WSN. Frankfurt a. M„ 17. Juni. Rektor Schmidt, der Hauptschuldige bei den großen Unterschlagungen i m Jugendherbergsverein, hat sich am Dienstag der Staatsanwaltschaft gestellt. Er wurde fest genommen und dem Untersuchungsgefäntz- nis zugeführt.
Rheinhessen.
WSR. Mainz, 17. 3uni. Die Nachricht des „Mainzer Journals" von einem Flieger- unglück bei Gonsenheim, bei dem zwei Franzosen den Tod gesunden hätten, ist, wje die Havasagentur mitteilt, unbegründet. Es hat sich keinerlei Unfall ereignet.
Der VernkasLeler Winzerprozetz.
WSR. Trier. 17. Juni. Die heutige Bor- mittagsverhandlung erbrachte nichts wesentlich neues. Landrat Gorius aus Bcrnkastel betonte nochmals als Zeuge, daß er bei den Winzern stets treu deutsche Gesinnung gesunden habe. Die heute vernommenen Zeugen fagten u. a. aus, bestimmte Personen, die an der Erstürmung beteiligt waren, konnten nur in Aus- nahmefällen namhaft gemacht werden. Wiederholt wurde bekundet, daß Winzer andere von Unbesonnenheiten zurückgehalten hätten. Polizeiassistent Zimmer aus Grach sagte aus, daß schon einige Sage vor dem Zug nach Bernkaftsl in Grach Aeuherungen gefallen seien, wie „Paß mal auf, seht euch da oben vor!" Der Zeuge, Obersteuersekretär Stessen, gegen den bei der Erstürmung des Finanzamtes Drohrufe laut geworden waren, weil die Winzer ihn als besonderen Steuerdrücker in Verdacht hatten, bekundet, man habe ihm im Finanzamt „Steuererpresser" zugerufen und mit einem Stock vor dem Kopf
ich flüchtete von einem Künstcheu ins andere, hatte ich das Gedichtefchreiben satt, nahm ich das Schnitzmesser und fabrizierte einen Hanswurst aus einem Stück Holz und, wenn er nicht ganz so gelang, wie ich wollte, zeichnete ich schnell ein paar Burgen in einem Bexgland (das kann ich nämlich besonders gut, und unser junger König Ludwig liebt meine Blättlein so sehr, daß ich bei schuldigem Respekt sagen must. er setzt eines meiner Phantafiefchlösser nach dem anderen leibhaftig an den Alpenrand hin). Und wenn das zu Ende ist, konrponiere ich ein Liedchen oder verfasse einen Artikel für die Augsburger Allgemeine Zeitung, bin ich aber daS müde, so nehme ich den Stift und zeichne eine Karikatur für die „ Fliegenden Plätter" oder mache ein Bilderbuch für die liebe Jugend..."
„Siehst du, höhnte der schwarze Geist der Nachdenklichkeit, „siehst du, mülta non multum, sagt der Lateiner, du hast dich lediglich beschäftigt und hast das große Werk, das auf dich wartete, kläglich sitzen lassen! Bei deiner Begabung!"
Franz Poccis Blick trübte sich; wie die fernen Berge im gelbgrauen Dunst versanken, so versank er selbst in eine unzufriedene, wehmütige Stimmung und sah gar nicht, daß ein zartes, geisterfeines Mägdlein, mis schillernden Libellen- flügeln, gleich einem leuchtenden Dämmerungsfalter ums Schloß geflogen war und sich nun, mit einem geschmeidigen Schwung ihrer schönen Glieder plötzlich neben den schwarzen Geist der Unzufriedenheit auf dem Altan niederließ, den mürrischen Gesellen an feiner Nase packte und ein paarmal tüchtig hin und her zerrte, ohne daß der üble Gast gegen die festen rosigen Fäustchen des hübschen Kindes etwas anfangen konnte. Und schon begann sie mit einer lieblichen, glocken-
herumgesuchtett. Er bestreitet, besonders scharf bergeganggn zu sein. Die Vermögenssteuer wurde erst von 5000 Mark an festgesetzt. Die Wein- besiände wurden je nach per Lage mit 80 Pf. bis 4,20 Mc. bewertet. Nach längerer Auseinandersetzung über die Art her Steuererhebung des Finanzamtes Pernlaftel erhält Oberstaatsanwalt R u st aus Köln, es solle die weite ft* gehende Rücksicht auf b i e Angeklagten genommen werden. Man könne von vorne- berein unterstellen, daß die Angeklagten sich bedrückt fühlten und durch die Maßnahmen des Finanzamtes in Erregung versetzt wprden feien. Oberregierungsrat Haag vom Landesfinanzamt erklärt, es liege auch ihm fern, zu behaupten, daß kein Steuerdruck vorgelegen habe. Jeder spüre dies ja am eigenen Leibe Weiter wurde auch die Frag- erörtert, ob die Winzer steuer- scheu gewesen feien Demgegenüber erklärten Weingutsbefitzer V e 11 i n und Dr. Meyer aus Zettingen, wenn die Leute nicht bezahlt hätten, so fei nur ihre Äot daran schuld gewesen. Es habe z. B in Zettingen nur sehr wenig Leute gegeben, die noch eine Mark im Hause gehabt hätten. Die Leute hätten sich npch Nicht einmal einen Hering kaufen können. Ihre Schulden bei Handwerkern—Utzd Lebens- mittclhänblern seien ständig gewachseckT-Die meisten Kredite seien zum Ab trag en p pn Steuern benutzt worden. In der Nachmittags- sitzung erklärte der Lcmoxat ppn Bepnkastsl, Go - rius, die Winzer hätten sich tatsächlich in einer wirtschaftlichen Notlage befunden, es seien auch eine Hnmenqe Beschlüsse nach Berlin gesandt wprdcn. Der deutjch-spanische Handelspextrag habe große Schuld an dem Elend der Moselbeppskerung. Der Brrnkastelex Bürgermeister Hammel rat erklärte, der Angriff auf das Finanzamt sei mit Steinwürfen eröffnet woxden. Auf keinen Fall aber Hape die Sache etwas mit kommunistischen oder separatistischen Motiven zu tun. Die vernommenen Landjäger bekundeten, sie hätten die Menge vor hem Eindringen in das Finanzamt zurücktialten wollen, doch seien sie machtlos gewesen und einfach zur Seite gedrängt worden. Einer von ihnen habe einen Schlag über den Kopf bekommen.
Wirtschaft.
Dsr dsutsche Kapitalmarkt und seine Entwicklung.
Der deutsche Kapitalmarkt hat sich schon seit längerer Zeit als außerordentlich aufnahmefähig erwiesen- Man kann rechnen, daß seit Anfang dieses Jahres über 1 Milliarde Mark an Anleihen, Obligationen. Pfandbriefen usw. aufge- r.omnien worden siuh. Am stärksten ist die Beanspruchung gewesen, die von staatlicher Seile an den Kapitalmarkt gestellt worden ist; man fqnn sie auf-über l/4 Milliarde Mark beziffern. Von Körperschaften der öffentlichen Hand (Girozentralen, Provinzialverwaltungen usw.) fino ungefähr 140 Millionen Mart an Anleihen heraus- gegeben worden; die Kommunalverwaltungen sind mit über 160 Millionen Mark beteiligt. Gegenüber diesen (Beträgen für öffentliche Zwecke (insgesamt über 550 Millionen Mark) nimmt sich die Beanspruchung des Kapitalmarktes durch die Industrie mit rund 160 Millionen Mark relatib bescheiden aus. Zu diesen Beträgen kommen noch die Psandbriefemifsionen, die für Preußen allein auf 250 Millionen Mark veranschlagt werden können und für Pas ganze Reich auf über 300 Millionen Mark. Trotz dieser Inanspruchnahme von insgesamt 1 Milliarde Mark ist der Kapitalmartt immer noch recht flüssig.
Wenn man fragt, woher diese Erscheinung kommt, so ergeben sich verschiedene Antwortern Verhältnismäßig gering ist der Anteil, der als Dauereiniage bei Sparkassen, Danken usw. auf den Kapitalmarkt gelangt. Etwas höher zu schätzen ist der Anteil der Eteuereingänge bei der öffentlichen Hand, die vielfach bis zu ihrem endgültigen Verbrauch auf dem Kapitalmarkt angelegt werden. Der größte Anteil ist aber darin zu suchen, daß infolge der nun schon seit langem andauernden Wirtschaftskrise hohe Beträge, die sonst in der Wirtschaft produktiv angelegt zu werden Pflegen, jetzt Dem Geld- und Kapitalmarkt Angeführt werden. Eine gewisse Rolle spielt auch der Hmstand, daß viele Beträge im In- uns Auslande als Anleihen ausgenommen worden sind, die erst allmählich zu einer unmittelbaren Verwendung gelangen und die bis dahin aus dem Geld- und Kapitalmartt zinstragend tätig sind.
Aus diesen Gründen für die Flüssigkeit des Kapitalmarktes ergeben sich auch gewisse Anzeichen für ihre Dauer. Wirklich langfristig und ohne Rücksicht auf die Schwankungen der Konjunktur werden im allgemeinen nur die Sauer« fpareinlagen fein; diese sind aber relaftv niedrig;
Hellen Stimme: „Nun hast du genug geunkt, du Schwarzseher, du lliiredjttuer, du Obersthof- Philister! Jetzt spreche ich und sage vom Franzel folgendes, und merk es dir, wenn du willst und kannst: Wer sagt dir, daß auf den Pocci ein großes Werk wartete? He? Niemand weiß es, und es wartete auch keines guf ihn! Was er konnte, war dies Wesen, wie ep es trieb und wie ich, die Phantasie, es ihm verliehen habe. Hnd hat er nicht Hundexttauserche mit seiner reizenden Kunstspielerei, die ihr Finsterlinge Dilettantismus nennt, erfreut und beglückt, hat nicht ganz Deutschland über seinep unvergeßlichen „Staatshämorrhoidarius'' gelacht, aste deutschen Kinder mit seinem flagenben Hasßn geweint, der sich mit dem Taschentuch die Tränen trpefnet pper mit feinem Hanswursten der steifleinenen Welt fröhliche, harmlose Pritschenschläge verseht? Hnd erfreuen sich nicht noch heute kfuge Männer und Frauen an seinen kleinen, phantastischen Berg- und Burglandschaften? Hnd wenn nun dieser liebe Pocci-Franzi jetzt auch wirklich, sagen wir anno 1856 oder 58 ein „Werk" verlaßt hätte, einen sechsbändigen Roman? Was bann? Ist es nicht viel luftiger, in Bilderbüchern zu leben als wie in verstaubten, hochmütigen Romanen begraben zu fein? Also!"
Damit nahm die schimmernde Phantasielibelle den Geist der Hnzufriedenheit wieder beim Nasenbein und Hupps schleuhexte sie ihn im, großen Bogen in den Starnberger See, es glupfte' ordentlich, als wenn ejn Bleistück hineipsiele. Md huscy. war sie fort, die Libelle.
In dem Augenblick fing das Glöcklern im d?x Kirche gn zu läuten zum Engel des Herrn. Da beugte Franz Graf Pocci kindlich den Kopf und betete sein Ave Maria.
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