Das lachende Hsus.
Roman von Sophie K l o e r ß.
20. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Rose war mit Brockdors in einem Stück von Bernarb Shaw gewesen, und dann sahen sie bei Pforte, und er lehrte sie Hummer essen, und sie war so ungeschickt dabei und mußte so viel lachen, und dazu tranken sie weißen Bordeaux, bis Rose heiße Wangen bekam und heiße Augen und so durstig auf die Worte horchte, die er flüsterte, und so selig war, so unbeschreiblich selig.
~cnn das kleine, törichte Ding hatte es sich so zurechtgelegt: Diese Monate, die gehören mir. Und baß ich so ganz im stillen ein bißchen glücklich bin, — wem schadet das? Mir schenkt es unendlichen Reichtum, ihm wenigstens ein bißchen Freude, und später, wenn ich wieder zu Hause bin, dann werd' ich es c'nmül der Mutter beichten. Was ist denn für Unrecht dabei? Wir gehen zusammen in ein Theater oder Konzert. Wir sitzen zusammen in seinem Zimmer oder im Restaurant und erzählen uns harmlose Dinge. Er sagt mir, daß er mich lieb hat, und fragt nie, ob ich ihn auch liebe. Er kann nicht daran denken, ein Mädchen an sich zu binden, so unglücklich, wie seine Ehe ausgegangen ist. Er sagt, das wäre Sünde — soll er doch sehen, daß man treu sein und warten kann auch ohne bindendes Wort. Und wenn sie so gedacht, sprachen ihre Augen alles, was der Mann wissen wollte. Laute Fragen konnte er sich schenken.
Wenn sie jetzt in seinem Zimmer saß, duldete sie es willig, daß er den Arm um sie legte, sie auf Stirn und Wange küßte und von der Ziel sprach, wo sie nicht mehr von ihm gehen würde, wo er noch einmal glauben könnte, daß es wirklich Glück gäbe, großes Glück, und daß ih mein Mädchen sein ganzes Herz schenken würde, ohne zu handeln.
Was konnte das heißen, als daß sie warten sollte? Warten auf den Tag, wo er ganz frei sein würde, wo er ihr den Ring an den Finaer schieben und zur Mutter gehen durfte, sie sich zu eigen zu begehren?
Wie lange es auch währen würde — sie fragte nicht, sie hatte so felsenfestes Vertrauen.
Einmal sagte er ihr, daß er viel älter sei, als sie glaube. Bereits sechsunddreißig. Sein hellblondes Haar und das schmale, bartlose Gesicht täuschten die Menschen. Run, und wenn? Sechzehn Jahre Unterschied — war das eine große Sache? Um sv sicherer wußte er, was er tat, um so ruhiger konnte sie sich führen lassen. Sie hatte nun schon gar leine corge mehr, zu ihm zu gehen, und die blonde Frau, die sie anfangs gestört, ließ sich auch nicht mehr sehen. 'Rar der Diener ging geräuschlos aus und ein. und nicht einmal feine Blicke ftreitten sie, wenn er nicht gerade ihr etwas zu reichen hatte. Er war die vollendete Diskretion.
Anfangs Februar wollten sie zusammen in ein Geigerkonzert. Da kam im letzten Augenblick Klassen und brachte ein Briefchen. „Befinde mich sehr schlecht: entschuldige mich! Immer dein getreuer Freund!"
Rose stand und zitterte. Krank? Klassen war gleich nach Abgeben des Brieses wieder gegangen. Sie konnte nicht fragen. Run versuchte sie Telephonanschluß — sie bekam keinen. Da faßte sie einen kurzen Entschluß und fuhr hinaus.
In seinem Zimmer war Licht. So tonnte er also doch nicht allzu schwer krank sein , denn dann würde er das Bett hüten. Auf ihr Klingeln öffnete die blonde Frau. Etwas erstaunt sah sie aus, tagte aber höflich, Herr von Brockdorf sei selbstverständlich zu sprechen, zu melden brauche sie wohl nicht, und öffnete die Tür.
So hatte er sie noch nie in die Arme gerissen. Zum erstenmal ließ er die Leidenschaft durchbrechen. Und Rose stemmte erschrocken die Arme gegen seine Brust, bestürzt von dem Sturm, den ihr unerwartetes Kommen entfesselte.
„Ich will gleich wieder fort. Ich sorgte mich so um dich. Ich wollte nur wissen, was dir sei."
„So sorgtest du dich um mich, daß du abends noch hergekommen bist' Ganz allein zu mir! — Mein süßes Mädchen! Meine geliebte kleine Rose? So lieb" hast du mich?"
„Was ist es denn? Influenza? Du hast so heiße Augen, du hast gewiß Fieber."
„Ich habe kein Fieber. Was mich verstimmte, war etwas ganz anderes. Nachrichten von meinem Rechtsanwalt. — Schlechte Nachrichten." — Er küßte sie wieder leidenschaftlich. „Es sind nicht alle Frauen so
hold und selbstlos wie du, mein Liebling. Und Liebe ohne Berechnung gibt es überhaupt nicht mehr."
„Glaubst du, daß ich berechnend bin. Glaubst du daß ich nicht weiß, ich schlage allem in das Gesicht, was bei uns im Hause für Recht und Sitte gilt, wenn ich hier so zu dir komme? Ader ich kann doch nickt anders. An einen Menschen sollst du wenigstens glauben können. Glaubst du an mich, Geliebter?"
Er sah sie lange an. „Vielleicht, du ganz kleines, du ganz törichtes kleines Mädchen. Aber wenn du da immer auf der Schwelle stehenbleiben willst in Hut und Mantel, dann glaube ich doch, daß die Ansichten aus dem lachenden Haus dir noch viel mehr bedeuten als mein Glück. — Sieh, da steht ein Stuhl vvr dem Kamin — niemand sieht und hort uns mehr, nur der Wind singt uns das Abend- lied — setz' dich und laß dich liebhaben, süße Rose."
Sie setzte sich. Er soll doch spüren, daß es noch Liebe gibt, die glaubt und gibt und nicht fragt, dachte das Kind.
*
Der ganze Strom stand in Eis. Wenn der Schnee drüber hinfegte, lagen die weißen User und die weißen Felder Seite an «eile und glichen einander zum Verwechseln. Wenn aber Taüwind einsetzte, die Flut preßte und der Strom drängte, brach es unter der schimmernden Hülle, Schollen hoben sich, knirschten und krachten, stießen gegen den Deich, warfen sich empor, eine ober die andere, brachen wieder zusammen, trieben hinaus in die breite Fahrrinne und segelten in die Weite, in ferne schäumende See. Dann brüllte es Tag und Nacht um den Deich, und oben im Giebelzimmer des lachenden Hauses lagen zwei Mädchen abends wach und lauschten auf das wilde Konzert. Sie kannten es feit ihrer ersten Jugend, aber satt wurden sie nie daran. Soviel Kraft war darin, soviel Ringen und Sterben und Wiederauferstchen.
Die Elbe wehrte sich gegen den ehernen Zwang des Eises. Dröhnend sprengte sie die Fesseln, ihr stolzer Leib bäumte sich, grollend schleuderte sie die zersprungenen Eisgsteder gegen die Ufer. Und die Wogen rauschten geschwellt von den Schmelzwasfern ferner Berge in langen, schäumenden Hügelketten daher, und die stolzen Dampfer hoben und senkten fid) in ruhigem Gang hinweg über die atmende Wasferfran, die Segler folgten den kleinen flinken
Schleppern, hatten die Leinwand zusammen gefaltet bis auf wenige Fetzen, ließen sich ftromabroärfs Ziehen und glitten bei Cuxhaven an den Molen Darüber in das Meer.
Die Fischerboote aber lagen noch immer oben am Deich; denn ihre Zeit war noch nicht gekommen.
Doch ehe man nur daran dachte, in einer Nacht, kam schon wieder der Frost mit klirrenden Waffen herangeschlichen, legte sich zwingend über Land und Sand, kittete die treibenden, klingenden Schollen zusammen zu wilden Eisbergen, zu rissigen, unüber-- steiglichen Mauern, rief den Schnee und deckte alles aufs neue zu. Im lachenden Hause brannte die neue Heizung, und wenn Frau Margrit auch mit Schrecken die Kohlenvorräte schwinden sah, hübsch wann und behaglich war es. In ihrer Webestube saß es sich gut: sie webte oft bis tief in die Nacht hinein.
Roie hatte neue Muster gebracht und gesandt. Nun waren Kissenplatten entstanden, Herbstlaub auf stahlblauem Grunde, ein weißer Falle über grauer See, Chrysanthemen, weiß und vollblütig in licht- grünem Felde, — immer neue Muster kamen und wurden ausprobiert, und die Hamburger Gescharte nahmen alles mit Eifer an. Der Webskuhl klapperte den ganzen Tag.
Bisweilen, wenn Thora an . Heider Steffens Worte dachte, trat sie dazwischen. „Du sollst nicht so viel arbeiten. Wie blaß du roieber bist! Laß doch einmal deine Kinder für dich sorgen!"
„Mir ist ganz wohl, und ich brauche Arbeit, um die Unruhe zu überwinden. — Es ist wieder mal etwas unterwegs. Ich spüre es und weiß nicht, woher es kommt. Aber ich habe solch unsicheres Emp. finden, als wenn es um Rose wäre."
„Kleine Mutter, laß die alten dummen Ahnungen doch sein! Es kommt nichts anderes als Iven Lorn- sen. Der wird Ostern erscheinen, und dann wird Rose auch nach Hause kommen, und dann wird alles herrlich werden."
Aber zu Ille sagte sie: „Stimmen tut das nicht mit Jens Apoelbom. Du hast da falsch gelesen in den Seelen, Schwarzdrossel."
„So? Hab' ich? Ich bin keine Pythia. Und Liebesdinge liegen mir nicht. Ich werde mich nie mit ihnen abgeben."
_______________(Fortsetzung folgt)
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Die diesjährige öffentliche Imp. f u n g in der Stadt Gießen findet wie folgt statt:
Mittwoch, 19. Mai, nachm. 3 bis 4 Uhr: Impfung.
Dienstag, 25. Mai, nachm. 3 bis 4 Ahr: Nachschau, 4 bis 5 Ahr: Impfung,
Mittwoch, 2. Juni, nachm. 3 bis 4 Ahr: Nachschau, 4 bis 5 Ahr: Impfung,
Mittwoch, 9. Juni, nachm. 3 bis 4 Uhr: Nachschau
im Jmpflokal, Turnhalle der Stadtmädchenschule, Schillerstraße 8.
Zu diesen Terminen können vorgestellt werden alle in 1925 oder früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher noch nicht er. bracht wurde.
Die Kinder muffen zum Impftermin mit reingewaschenem Körper und reinen Kleidern gebracht werden.
Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zum öffentlichen Impftermin zu bringen.
Gießen, 15. Mai 1926.
Der Oberbürgermeister.
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Am 7. Mai 1926 a) bei der Firma Wilhelm Frey in Lang-Göns: der seitherige Inhaber, Kaufmann Wilhelm Frey von Lang-Göns, ist verstorben. Die Firma geht nunmehr mit dem Geschäft auf 1. die Wilhelm Frey Witwe, Anna Marie, geb. Dietz, 2. Bertha Marie Frey, 3. Karl Gaß und 4. dessen Ehefrau Luise Katharine, geb. Frey, alle in Lang-Göns, derart über, daß jeder derselben voll und zeichnungsberechtigter persönlich haftender Gesellschafter ist. Die offene Handelsgesellschaft hat am 22. Januar 1926 begonnen. Die Prokura des Karl Gaß zu Lang- Göns ist erloschen, b) die Firma Ernst Muth in Gießen. Inhaber der Firma ist der Kaufmann Ernst Muth in Gießen. Dem Kaufmann Robert Muth in Gießen ist Prokura erteilt, c) bei der Firma Eli sabeth Schott in Gießen: Die Firma ist erloschen.
Am 11. Mai 1926 bei der Firma Carl Oettershagen in Gießen: Die Firma ist erloschen.
Gießen, 12. Mai 1926.
Hessisches Amtsgericht.
Aug. Kilbinger
Seltersweg 79 3865D Telephon 222
Bekanntmachung.
Der auf den 20. Mai verlegte Butzbacher Faselmarkt kann infolge erneuten Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in einigen Nachbarorten zum vorgesehenen Termin nicht gehalten werden. Er wird deshalb auf 4361V
unbestimmte Zett verlegt.
Die Ziehung der Faselmarktslotterie findet dagegen
bestimmt am 10. Juni d. I. statt. Die Beträge für verkaufte Lose, sowie etwa nichtoerkoufte Lose find bis zum 5. Juni einzusenden.
Butzbach, 14. Mai 1926.
Faselmarkt.Gesellschaft
AMslkMmfenM
U.WÄgkMMlW,MkMWHO
hat ihre
Generalvertretung f. d. Provinz Oberhessen u. den Kreis Wetzlar zu vergeben.
Verlangt wird: Wirklich großes Verkaufstalent und
t Bekanntmachung.
In unser Handelsregister Abt. A wurde F eingetragen: Am 24. April 1926 bei der Firma August Wehn in Gießen: Die Pro- • fura des Heinrich Schraner in Gießen ist erloschen. Am 28. April 1926 a) bei der Firma P. I. Möbs in Gießen: Kaufmann Karl Möbs in Gießen ist mit Wirkung vom 1. Januar 1924 als weiterer persönlich haftender Gesellschafter in die offene Handelsgesellschaft eingetreten, b) bei der Firma Valentin Frey & Co. in Gießen. Kaufmann Gustav Frey zu Gießen ist mit Wirkung vom 1. Januar 1926 als persönlich haftender Gesellschafter in die Firma eingetreten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1926 be<
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