MeHrheft gehört auch die Deutsche Zen- trumspartei. Deshalb erwartet auch die Zen- trumsfraktioir des Preußischen Landtages von der Ltaatsregierung, das) sie zur Sicherstellung der Verfassung und damit zur Verteidigung der republikanischen Stoatsform unablässig auf dein Posten ist, gestützt letzten Endes auf die für die Staatsgewalt unerläßlichen Machtmittel. Wir haben zur gegenwärtigen preußischen Staatsregie- rnng das volle Vertrauen, daß sie alles tut, was in ihren Kräften steht, um frühzeitig alle Gefahren abzuwenven, die einer ruhigen Aufwärtsentwicklung unseres Wirtschaftslebens durch unruhige Elemente drohen. <Lebhafter Beifall in der Mitte.»
21bg. Eichhoff (D. B.):
Ramons meiner Fraktion habe ich zu erklären, daß wir iede gewaltsame Aendcrung der Verfassung nach wie vor ablehnen. Wir stehen aus dem Boden der Verfassung und arbeiten in: Rahmen unserer Grundsätze mit. Darum begrüßen wir es durchaus, wenn die Regierung acqen Putschpläne gegen rechts oder links vorFeht. Aber ein solches Vorgehen darf nicht cinfeitig bloß gegen eine Seite gerichtet sein. Das Vertrauen, das der Zentrumsredner der Staatsregierung ausgesprochen hat. teilen wir nicht. Wir haben gegen das Vorgehen, die allerschwersten De denken. Die Amtliche Pressestelle hat gegen übertriebene Darstellungen nicht nur nicht Stellung genommen, sondern sich selbst in größten ü cbcrtrcibungcn gefallen. Wir werden deshalb die Mittel, die im Rotetat für die Pressestelle gefordert werden, nicht befürworten. Die Uebertreibungen haben im Ausland, namentlich in Frankreich, sehr geschadet. Geschädigt worden ist durch die Haussuchungen unsere Kreditfähigkeit. Wir halten uns nach den uns zugegangenen Rachrichten für berechtigt, auf das nachdrücklichste Einspruch zu erheben gegen die Behandlung unserer Parteifreunde Vogler, Witthöst ufto. rieberall hat sich der Verdacht als unzureichend erwiesen. Wir erheben schließlich auch Einspruch dagegen, daß b'ei den Haussuchungen Material beschlagnahmt worden ist. das nicht im Zusammenhang mit der Angelegenheit stand. Cs darf nicht dahin kommen,' daß bei solchen Beschlagnahmungen nach parteipolitischen Gesichtspunkten verfahren wird. Wenn sich herausstellt, daß gegen angesehene Männer ohne ausreichenden Grund vorgegangen worden ist, so verlangen wir, daß diesen Per- sönlichlciten die Genügt» u n g zuteil wird, die sie erwarten können.
Dec preußische Ministerpräsident Braun erwähnt zunächst, daß in der Presse geschrieben worden sei, daß man Gespenster sehe, und daß es sich um Ammenmärchen handele. Bei dem, von dem ich spreche, handelt es sich um Aruße- rungen des „Berliner Lokalanzeigers" und der „Deutschen Tageszeitung" vom 13. März 1920. (Stürmisches Gelächter links.) Als diese Artikel in die Hände des Publikums kamen, schwenkten die Kappleute bereits in die Linden ein und trafen Herrn Ludendorff. der damals zufällig dort spazieren ging. (Heiterkeit linksI) 3n der Reichskanzlei war man bereits zusammengetreten. Was wir heute in derselben Presse lesen, ist auf den gleichen Ton gestimmt. Ich kann beweisen, daß es sich um ähnliche Dinge handelt wie 1920. (Zurufe rechts: „Beweisen Sie esl") Es wird erklärt, daß wir vor einer zweiten revolutionären Periode stünden, vor einer Linksdiktatur. Das ist doch nur zu dem Zwecke, um das Streben nach • einer Rechtsdiktatur zu verbergen. (Lachen rechts.) 3ch verweise auf die tatkräftige Tätigkeit des Herrn Ehrhardt, der auf eine Einigung aller .rechtsstehenden Verbände hinarbeitet. (Zuruf rechts: „Ist das der Boden?") 3a, es wird l immer so dargestellt, als ob diese Verhände
ganz harmlos seien. Es ist aber festgestellt
F worden, daß sie nicht nur das treiben, was sie
nach ihren Statuten vorgeben. Sie sind zum Teil ' bewaffnet, sie halten Schießübungen ab, sie haben Pläne ausgestellt, nicht nur solche, die geeignet sind, Deutschland zu verteidigen, sie haben vielmehr auch Pläne gemacht, die auf den Am - sturz eingestellt sind. Der Ministerpräsident zitiert dann aus einem beschlagnahmten Brief die Stelle von einem ganz detailliert gehaltenen Aufmarschplan für — wie es dort heißt — die große Auseinandersetzung mit den „Rovemberverbrechern von 1918". (Großer Lärm rechts und Zurufe: Beweise!) 3n den letzten Wochen ist wiederholt ausgesprochen worden, daß man vor der großen Auseinandersetzung steht, und daß die Verbände bereit sein müßten, einzugreifen. Man sollte aber einen Putsch nicht vom Zaune brechen, sondern man müßte
einen Linkspuksch abwarten im Rotfalle müsse man diesen Links-Auf- ständ provozieren. (Stürmische ä.lnt«rbre- chnngen rechts und Rufe: Lügen. Redensarten, aber keine Beweise.) Es sollte aber bei der Rie- derschlagung des Kommunistkarcrufstandes nicht verbleiben, sondern man mühte mit politischen! Forderungen der Verbände, vor allem auf Beseitigung der parlamentarischen Verfassung und der gegenwärtigen Staatsmänner hervortreten. Das finb die politischen Bestrebungen dieser angeblichen Sportverbände. (Wiederholte stürmische Unterbrechungen bei den Deutschnationalen und Zurufe: Spiyelberichte!) 3n den Sitzungen des Rationalverbandes der Deutschen Offiziere und bei den Alldeutschen wurde darauf hingewiesen, daß eine völkische Diktatur anzustreben sei. Der Weg. der den Herren vorschwebe, geht aus dem Vorgefundenen Material mit aller Deutlichkeit -hervor. Es wird von dieser Seite nicht ein Putsch angestrebt, sondern man will die Öffentlichkeit beunruhigen und so den Herrn Reichspräsidenten veranlassen, auf Grund des Artikel 48 der Verfassung die vollziehende Gewalt in die Hande der Militärs zu legen. «Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.) Der Ministerpräsident teilte noch folgendes aus einem beschlagnahmten Briefe mit, wo es heißt: Der Weg der Diktatur gehl heute nur über den Artikel 48 der Reichsverfassung. Es muß alles geschehen, um den Herrn Reichspräsidenten für die Anwendung dieses Artikels zu gewinnen. Der Präsident muß davon unterrichtet werden, daß nur eine brauchbare Diktatur charaktervoller Persönlichkeiten (Lebhaftes Sehr richtig! rechts), eine deutsche Regierung mit dem Parlamentarismus Schluß machen kann.
Der Herr Reichspäsidenl hat mir auf meine Anfrage erklärt, es sei selbstverständlich, daß er diesen Plänen fernstehe.
(Gelächter bet den Kommunisten.) Sie können sagen, daß der aufgefundene Entwurf einer Rot-
। Verordnung das Produkt irregeleiteter Pban- tastcn ist. Aber man muß bei der 'Beurteilung I dieser Machenschaften vorsichtig sein, wie uns die Vergangenheit gelehrt hat. Wir haben bei upferen Haussuchungen leider nicht alles Material bekommen können, weil wir vor den Herren Halt machen muhten, die in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete oder wegen sonstiger hoher Aemtcr gewisse Rechte haben. Auch bei den Haussuchungen. d:e vorgenommen wurden, ist uns nicht alles Material in die Hände gefallen, weil d'.e betreffenden Herren leider bereits unterrichtet waren. Die Dinge sind durchaus nicht harmlos. Das preußische Volk, das in ferner überwiegenden Mehrheit republikanisch ist, (Widerspruch rechts) wird sich das nicht bieten lassen. Die Regierung wird alles tun. um diese hochverräterischen .Unternehmungen niederzurin- gcn. lStürmische Protestkundgebungen rechts — anhaltender starker Beifall und Händeklatschen in der Mitte.)
Abg. Steinhofs (Dn.) lehnt für seine Partei den 'Jiotetat ab. Cs habe sich herausgestellt. daß die Maßnahmen des sog. Wehr- kartells in den vaterländischen Verbänden eine Abwehrmaßnahme gegen den roten Terror gewesen seien, wofür man ihm letzten Endes dankbar fein sollte. Der Kampf, der von der preußischen Regierung vom Zaun gebrochen ist, ist tatsächlich der Kampf gegen d i e Reichswehr. Es handelt sich nicht um einen Putsch der vaterländischen Verbände, sondern um einen Putsch der preußischen Regierung (stürmisches Gelächter links), um einen Putsch der Polizeigewalt gegen die Reichswehr.
Abg. Heilmann (So;.):
Die Briefe, die der Ministerpräsident verlesen hat, waren selbstverständlich von 3ustiz- rat C l a ß. Diese Briefe sind ganz eindeutig. Die aufgefundene Rotverordnung ist gewiß irrsinnig. Wer von einem drohenden kommunistischen Putsch spricht, lügt bewußt. Sollte der Kommunistenputsch doch kommen, so bedeutet er keine Gefahr für den heutigen Staat. Der Redner meint, daß zwar an sich die Verlängerung des Ausnahmezustandes auf Grund des Artikels 48 noch durchaus verfassungsmäßig geschehen kann. Wird der Artikel 48 aber benutzt zur Ermöglichung einer völkischen Diktatur, so sei das ein hochverräterisches Vorgehen. Weiter wird von den Alldeutschen — insbesondere von ihrem Führer, dem 3ustizrat Clah, — angestrebt, daß unter dem Ausnahmezustand bann der Reichstag aufgelöst und so der Parlamentarismus beseitigt werde. Claß nennt als einzigen, der diese völkische Diktatur durchführen könnte. Herrn Hugenberg. Den Ausnahmezustand zu verhängen, um unter seinem Schuh die Verfassung zu beseitigen, das wäre bereits Hochverrat. Sollte sich ein Reichspräsident finden, der aus diesem Grunde den Ausnahmezustand verhängt, dann sei schon heute erklärt, jeder Republikaner hätte die Pflicht, einem solchen Ausnahmezustand sich mit allen Mitteln zu widersehen. «Lebhafte Zustimmung links.)
Sein Mensch hat aber irgendeinen begründeten Anlaß, an der verfassungstreue des Herrn Reichspräsidenten za zweifeln.
3n den Führerbesprechungen der Rechtsver- bände sei deutlich hervorgehoben worden, daß, wenn es mit Hindenburg nicht gehe, es eben ohne den Alten gehen müsse, und daß bann nach feinem Rücktritt der neuzuwählende Reichskanzler an seine Stelle zu treten hätte, also entweder Dr. Reumann oder sonst wer. Wenn so eindeutig der Verdacht des Hochverrats vorliegt. ist es für die Polizei eine Pflicht, auch Haussuchungen bei jenen Kreisen vorzunehmen, die eben eventuell als Geldgeber in Frage kommen.
Reichswehrminister Gehler mißbilligt unter allen Umständen die Verbindung der Reichswehr mit politischen Verbänden, und man darf an- nehmen, daß Herr v. S e e ck t auf dem gleichen Standpunkt steht. Das ändert nichts daran, daß zwischen einer großen Anzahl von Kommandostellen der Reichswehr und Teilen der Wehrver- bände fortwährend planmäßige Zusammenarbeit geleistet wird, um für den Fall eines Putsches eine genügende Armee zu haben. Run ist das Schlimmste das, daß wir nicht wissen, wie im Falle eines Hochverrats die Reichswehr selber steht. Abgesehen von der obersten Spitze, kann man nicht wissen, was im Ernstfälle unsere Befehlshaber machen werden. Cs werden ja bei der Reichswehr nur noch Leute eingestellt, die ein ausführliches Führungszeugnis der Wehrverbände besitzen. (Hört! Hört!) 3ch habe in meinem Besitz einen ganzen Stapel von Schreiben, in denen die Reichswehr bei den Wehr- verbänden zurückfragt, so z. B. bei dem Sportverein Olympia.
Abg. Riedel (Dem.) erklärt, die Ablehnung des Rotetats int Sinne dec Deutschnationalen bedeute eine Schädigung breiter Schichten. So treibe man Parteidemagogie. Die Linlsrevolution werde immer wieder an die Wand gemalt. Damit wolle man die Putschgescchr von rechts nur verschleiern. Die Republik müsse ihren Feinden zeigen, daß sie nötigenfalls auch Hörner und Zähne habe. (Lebhafter Beifall links.)
Abg. Schwenk (Wirtsch, Vergg.) vertritt den gleichen Standpunkt wie der Vorredner, verurteilt aber die Maßnahmen der Polizei als beunruhigend und überflüssig.
Abg. Wulle (Völk.) polemisiert scharf gegen die Ausführungen des MinisterpräsidentenBraun. Das Ganze fei nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver der Politik der Bankrottwirtschaft, um die finkende Konjunktur zu heben.
Weiterberatung Dienstag.
C. 8- von Siemens gegen die preußische Politik.
Die Untergrabung der Kreditfähigkeit der Deutschen Wirtschaft.
Berlin, 17. Mai. (TU.) 3n der demokratischen Berliner Volkszeitung veröffentlicht heute abend Dr. ing. h. c. Carl Friedrich von Siemens unter der äleberschrist „ Zwei Millionen Arbeitslose" einen Artikel, in dem er auf den engen Zusammenhang zwischen Politischen Beunruhigungen, die im Auslande von einer sensationslüsternen Presse sofort aufgebauscht werden und dem unbedingt notwendigen Vertrauen auf die ruhige Entwicklung der deutschen Wirtschaft hinweist. Er fährt dann fort: Aber um die Kluft im deutschen Volk zu vertiefen, wurden Vermutungen, die, wie eingestanden, gar nicht neu waren, gerade in diesem Augenblick
in einer Form und unter Begleitumständen der Oeftentsichkeit bekanntgegeben, d>e das größte Aufsehen in der Well, von der wir abhängen, erregen müssen, und zwar von hoher Regierungsstelle und nicht etwa irgendeinem sensationslüsternen Blatt. Zerstört man das Vertrauen auf die Führer der Wirtschaft, dann zerstört man i) i c Wirtschaft selbst. Einigen dieser Führer — darunter der. dessen Rame mit am bedeutendsten in der Welt ist und außerordentliches Vertrauen genießt, der jetzt an die Spitze der größten deutschen wirtschafls- technischen äl n t e r n e h m e n tritt, dessen« Macht und Bedeutung weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausreicht, der durch das Vertrauen seiner Berufsgenos- f e n zur Führung des Gebildes berufen ist. das England feit langer Zeit vergeblich sich zu schaffen bemüht, um eine internationale Verständigung auf dem Gebiete der Kohle zu schaffen — diesen Männern wird von der Staatsregierung vorgeworfen. in Pläne verwickelt zu sein, die den ge- to n f t f a m e n äl m ft u r 5 zum Ziele haben. Einer Wirtschaft, die unter solchen Führern steht, muß man in höchstem Grade mißtrauen, deren Händen kamt man nichts anvertrauen, das wird das Echo fein. Wer i st denn in erster Linie die deutsche Wirtschaft? Die Millionen von Menschen, die in ihr das tägliche Brot finden muffen und heute schon nicht finden können und zum größten Teil sind es ihre früheren Vertreter, die so völlig übersehen, welche Schäden, sie durch ihr übereiltes Vorgehen gerade denen bereiten, wie sie die Zahl der Brotlosen gerade unter denen vermehren, durch deren Vertrauen sie zu den Stellungen gekommen sind, die ihnen die Macht geben, di e seK eul e n f chl ä g e auf öie Wirtschaft niederfausen zu lassen. Politik wird zum Verbrechen, wenn sie die Lebensmöglichkeiten des Volkes zerstört.
Die Lage in Warschau.
Warschau, 17. Mai. (WTD.) Die Stadt gewinnt langsam ihr gewöhnliches Aussehen. Der Ausnahmezustand ist aufgehoben worden. Bei Pruschkow — 15 Kilometer westlich von Warschau — und bei Kali sch stehen noch die aus dem Posener Gebiet von der Regierung Witos zu Hilfe herbeigerufenen Regimenter, die mit der Front gegen die Hauptstadt Aufstellung genommen haben. Die von der Warschauer Regierung in die Wege geleiteten Versuche, sie zum Abmarsch in ihre Garnisonen zu bewegen, sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Amtlich wird der noch nicht vollzogene Abmarsch damit motiviert, daß die von Warschau nach dem Westen führenden Eisenbahnlinien noch verstopft sind.
Heute abend trat der Ministerrat zusammen, um über die Einberufung der Ratio n a l v e r s a m m l u n g, die die R e u w a h l taatspräsidenten vornehmen soll, schlüssig zu werden. Eine in Posen zufammen- getretene zahlreiche Gruppe von Senatoren und Abgeordneten der drei Rechtsparteien, der Pia- ften und der Rationalen Arbeiterpartei hat sich ui einer an den Sejm- und vorläufigen Staatspräsidenten R a t a j gerichteten Drahtung gegen Warschau als Einberufungsort der Ola» honalDerfammtung ausgesprochen! da in der Hauptstadt die Dedingimgen für eine freie Aussprache nicht gegeben sind. Der neuernannte Außenminister Za leski empfing heute Vertre- ter der ausländischen Presse und erklärt, daß er von dem Willen getragen fei, die Politik des Grafen Skrzynski fortzusetzen. Auf die von deutscher Seite erhobenen Vorstellungen, daß die bis letzt in Warschau geübte Telegram mzen für oie richtige 3nformation des Auslandes über oie politischen Vorgänge unmöglich mache und der fteien Erfindung und Phantasie Tür und Tor öffne, versprach der Minister, bei den Miki- tarbehorden im Sinne der sofortigen Aufhebung sämtlicher Beschränkungen vorstellig zu werden.
Gegenrevolution in pofen.
General Haüer marschiert qeqen Pilfudfki.
3n pofen soll eine (Segen tegierung ausgerufen worden fein, an deren Spitze General ft aller stehl. Die Einigungsoerhandlungen zwi- fchen der pofen er Opposition sgruppe und der neuen Warschauer Regierung sollen Montag nacht er- Lkbuislos abgebrochen worden fein. Zwi- 'chen Kavallerieabteilungen der Truppen des Gene-
5«U£r’ d-e bei Sallfch und Lod) stehen, und Pilfudftl-Truppen sollen sich bereits größere Gefechte entwickelt haben, bei denen es auf beiden Seifen Tote und verwundete gegeben habe Die #aUlc,'Ic?ppen f°Uen den Befehl erhalten haben, bis Girardow zu marschieren, wo anscheinend General Salier seine Truppen zum vorstohgegen Warschau zusammen zieht. Bis jetzt sollen ihm 27 000 Mann zur Verfügung stehen.
Eine Meldung der „Chicago Tribüne" aus Vosen bestätigt die Nachricht, daß General Haller sich weigere von feinem Posten zurückzutreten und den tl ro,a H nf c ? ® i b e r ff a n b gegen Mar- !? ?«‘LS V,LU oski zu orqanifieren gedenke. Marschall Pilfudfki habe dem Senafspräfibenfen beauftragt, mit General Haller zu verhandeln. Rationalistische Mitglieder des polnischen Canbtages feien in Posen eingetroffen und entfalteten eine rege Tätigkeit. Der Berliner Berichterstatter des „Ccho de Paris" ist noch Posen gereift und berichtet über den widerstand, der in pofen gegen Marschall pil- fubfti organisiert werde. Die Lage fei ernst, der Kampf zwischen den Anhängern pilsudskis und den Regierunqfnippen werde fortgesetzt. Gestern habe bie Kavallerie von Posen Wilamow. ben Stammsitz beo Königs Johann Sobieski, wohin sich mehrere Mitglieder der alten Regierung geflüchtet hätten, beseht.
Oberschlesien gegen PilfudsKi.
Kattowitz, 17. Mai. (WB.) 3m schlesischen Sejm wurde ein Antrag der Korfantyportei und der nationalen Arbeitspartei auf Mißbilligung des Staatsstreichs Pilsudskis, der die gesamte oberschlesische Wirtschaftslage besonders schwer erschüttert habe, mit einer Mehrheit von fünf Stimmen angenommen. Schon gestern waren die Führer der polnischen politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, mit Ausnahme der sozialdemokratischen, die sich für Pilfudfki ausgesprochen haben, zu einer Besprechung zusammengetreten. Es wurde ein Komitee gebildet mit dem Ziel, eine Einheitsfront zu schaffen, um die erforderlichen Maßnahmen gegen die durch Pilfudfki geschaffenen Verhältnisse zu ergreifen. Der Westmarkenverein hat die Beteiligung an der Bil
dung dieser Einheitsfront abgelehnt mft der Begründung, daß er keine politische Organisation sei. Wie die „Polenia" aus industriellen Kreisen erfährt, ist infolge der politischen Wirren die Kohlen Verladung in Polnisch-Oberschlesien fast um 50 Broz. gesunken. Für heute abend haben die ge- samlen Kohlenzechen nur 2000 Wagons von der Eiscnbahndirektiou gestellt erhalten, während eine der größeren Kohlenzechen allein täglich 700 Waggons benötigt. Die Verladung nach Kleinpolen ist uoUftär.big unterbunden, während die nach Posen eingeschränkt durchgeführt werden kann.
Die Genfer AudienkommWon.
Die Bescklr'ifse zur Ratsfrage.
Genf. 17. Mai. lWB.) Der Prüfungsausschuß hat heute abend nach, einer langwierigeni Diskussion über die Forderungen Uruguays und Chinas auf grundsätzliche Zuteilung von drei nichtständigen Ratsfitzen an Asien und Länder. die nicht zum europäischirn bzw. amerikairischen Kontinent gehören, seine erste Tagung abgeschlossen und den von Motta vorgelegtenl Bericht noch einigen Abänderungen einstimmig angenommen. Der Bericht Mottas betont, daß die Aufgabe des Ausschusses noch nicht abgeschlossen ist. Er beschränkt sich auf die Feststellung des gegenwärtigen Standes der Arbeiteick und besagt im wesentlichen, öafr* »Pas Prinzip der Vermehrung der nichtständigen Ratssitze. abgesehen von dem bekannten Vorbehalt Schwedens, einstimmig angenommen wurde. Der Hauptteil des Berichtes wird gebildet von dem heute vormittag angenommenen Entwurf des Redaktionskomitees, der die Wahl der nichtständigen Ratssitze regelt und verzeichnet die bei einzelnen Punkten von Brasilien. Spanien, Polen und Schweden bekannten Vorbehalte. 3n dem Bericht wird ferner festgestellt, daß der genannte Entwurf bei der Gefamtabstimmung einstimmig angenommen wurde und nur Brasilien und Spanien sich der Stimme enthalten haben. Der Bericht. der zugibt, daß die Frage der ständigen Ratssitze und der Gesamtzahl der Ratsmitglieder noch offen ist, spricht sich schließlich für den Grundsatz der Verteilung der nichtständigen Ratssitze nach geographischen Gesichtspunkten unter Anführung der von -Uruguay und Ehina erhobenen Forderungen aus und verzeichnet den Umstand, daß in, Ausschuß bezüglich der Forderung von drei nichtständigei, Ratssitzen für die südamerikani- schen Staaten Einstimmigkeit herrsche. Die endgültige Stellungnahme des Ausschusses über die Ansprüche auf ständige Ratssitze, die nur noch von Brasilien und Spanien aufrechterhalten werden, sowie die Festsetzung der Gesamtzahl der Ratsmitglieder wird der zweiten Tagung des Prüftlngsausschusses Vorbehalten, die provisorisch auf den 28. 3uni angesetzt wurde, aber vom Präsidenten Motta auf Veranlassung des Völkerbundsrates eventuell verschoben werden kann, falls fich bis dahin Brasilien und Spanien, die beiden einzigen 3nt«ressenten, die ihre Ansprüche auf einen ständigen Sitz noch aufrechterhalten, noch nicht für eine Vereinbarung auf Grund der durch den jetzt angenommenen Entwurfsmöglichkeiten entschieden haben sollten.
Schwere Verluste der Spanier in Marokko.
Madrid, 18. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Alhucemas haben die Spanier dort bei ihren Operationen schwere Verluste erlitten. Eine Abteilung der Fremdenlegion von 360 Mann soll bis auf den letzten Mann getötet ober gefangen genommen worden sein. Kaufleute in Alhucemas senden ihre Warenvorräte nach Melilla zurück in Erwartung eines baldigen stärkeren Angriffes Abd el Krirns. Beträchtlich mehr als 100 Soldaten der spanischen Fremdenkgion sind in der Nähe von Tetuan gefallen. Die Zahl der Verwundeten ist groß.
Aus aller Wett.
Die Nordpolflieqer.
Reuhork, 17. Mai. (WTB.) Lincoln Ells- worth berichtete einem Vertreter der ,Associated Presse" in Rome, das Meer in der Gegend des Rordpols fei zum großen Teil offen gewesen. Man habe am Pol felsige 3 nselnl gesehen, die aber kaum als Land betrachtet werden konnten. Amundsen, Ellsworth, Kapitän Wistmg und Omdahl warten in Rome auf den Dampfer, der sie nach den Vereinigten Staaten bringen soll. An den italienischen Teilnehmer der Expedition, R o b i l e, hat Mussolini folgendes Telegramm gesandt: „3hre Triumphfahrt erfüllt das ganze italienische Doll mit Begeisterung und Stolz. 3ch umarme Sie und alle 3hre unerschrockenen Gefährten." An Frau Robile sandte Mussolini einen Korb mit Rosen und einen eigenhändigen Brief, in dem er erklärte, „öie Rosen sollen meine tiefe Bewunderung für 3hren heroischen Gatten ausdrücken. Gr hat ein unauslöschliches Blatt in die italienische Geschichte geschrieben. Die Königin hat der Tochter Roblles, die gestern die erste Kommunion nahm, einen kostbaren Ring zur Erinnerung an den Triumph des Vaters gesandt. Robile soll nicht nur die goldene Medaille der Wissenschaft erhalten, sondern auch zum General befördert werden und das Kommando über die italienischen Luftschiffe erhalten. Ferner soll er zum Ehrenbürger der Stadt Rom ernannt werden.
Kreuzer Hamburg in Sau Pedro.
San Pedro (Kalifornien). 18. Mai. (WTB. Funkspruch.) Der Kreuzer „Hamburg" tauschte mit den Forts und der Pacificflotte Begrüßungssalute aus. Vertreter der Flotte und der Regierung Südkaliforniens gingen an Bord zur Begrüßung der Besatzung des Kreuzers, der zwei Wochen hier bleiben wird.
(Ein Riefenbrand in Rumänien.
In Bacau wurden durch eine gewaltige Feuersbrunst 500 Häuser im Arbeiterviertel und zahlreiche Fabriken z e r st ö r t. Tausende von Einwohnern sind obdachlos. Infolge eines heftigen Sturmes war es unmöglich, bas Feuer zu lokalisieren. Erst als sich her Sturm gelegt hatte, konnte bas Feuer eingebämmt unb gelöscht werben. Der Schaben ist sehr groß.
Wettervoraussage.
Etwas wärmer, wolkig mit zeitweisem Auf- klaren, meist trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 10,2 Grab Celsius, Minimum 5,2 Grab Celsius, Nieder- schlüge 4,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 6,8 Grab Celsius.
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