Nanik a> rreihe 5 ?Q<6
Ott too*08 Ae- chle^,Nng^ üa*g ^lo:8. sy?»* I ist -0.03. der'g^
■nöe frt "Ul^en. SWiM*3
'M schland.
NvDeu'sch. ^öenden h.-, ^Men aber, N» mit
"Preis hftn “«-es
"p/remien btr 9 ln Berlin, ann Lawali ? und Lewa. c^n Laus gr. m, Wne Dei. Achter lQ1Ur, "nnen muß. 'lebten Detter-
t
t 1926.
is des Deutschen diesem Jahre
>ge Wandersahrt, er Lahn bei zahl-. Beifall sand. In oiohrt aus der 'erg—Klingenbcrg ' ZU bewähigenbe
terschaften. m Hochschulamies ■ftenmal atabemi- Wen. Sie Huste $)od)id)u!(imt Whrung dieler im Jahre 1.121 c des Druden eisletschasttn sind mden einer deui-
snholt der vorlie- n wir mit einp- ussätze namhaft: d Sogelmorb aus e monographische ;on Adalbert Ba> mg), eine 6# igbgrünbcn" von Abhandlung von die von Hund tragen werden", auf eine Gegen- einst und jetzt"
der tolle Früh- teilt, spult auch * äugen auf dem Darmseer Soli- :e durcheinander,
*&T- üb-°>--b. D°i tenberget. JW- A*Ä sonders bunten gestaltet. (6.
.i-dn «ne ”* »*taj K* «*
Diesen di° Pl°u>
grants cnders- schaut
«5 -S bis M
to &>•
gpeiele »
Nr. M Erster Blatt
176. Jahrgang
Dienstag, 18. Mai 1926
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts-Vllch- Ulli» äteindruckerei R. Lange in Sietzen. 5christleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7.
Bon Luther zu Marx
müsse
«ine Unter ft ütjung eines Kabinettes
kam, war der
fei durch feine Angehörigkeit zum Reichsbanner sehr stark nach links fest gelegt. Die Oppofitionssteltung der Deutschnationolen könne sich in nichts ändern.
noch schwebt, eine Regicrungsgemeinschast zwi schrn ihnen und der Deutschen Dolkspartei aus-
zcschlossen ist. Das Einzige, was in Frage uni) was auch angestrebl werden muhte,
Erfchernt täglich,außer Sonntags und Feiertag».
Beilagen:
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
Rsuots'vezvgrpreir:
2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüffe: Schrislleitung 112, Ver« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Mnjeiqer Siehe«.
Postscheckkonto:
franffurt am Main 11686.
Der Volksentscheid über die Fürstenenteignung.
(Berlin, 17. Mai. ($11.) Da der Reichs- t a g den Gesetzentwurf über die enlfchädigungs- lose Enteignung der Fürstenhäuser abgelehnt hat, hat des Reichskabinett in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, dem Wunsche des Volksbc- gehrens stattzugeben und Den Volksentscheid über die entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser am 20. 3uni ds. 3s. stattfinden zu lassen. Der Reichsminister des 3imem hat durch Verordnung vom 17. Mai 1926 die näheren Anordnungen für die Durchführung des Volksentscheids getroffen. Gegen stand des Volksentscheids ist die Frage, ob der im Volksbegehren im Reichstag verlangte Entwurf eines Gesetzes über Enteignung der Fürstsnvermögen Gesetz werden soll. Der Stimmzettel enthält eine dementsprechende Frage dorgedruckt. Die Stimmabgabe erfolgt in der Weise, daß der Stimmberechtigte, der die zur Abstimmung gestellte Frage bejahen will, das mit ,3a", der Stimmberechtigte, der sie verneinen will, das mit „Nein" bezeichnete Viereck durchkreuzt. Die Stimmlisten und Stimm karten sind vom 6. 3uni bis einschließlich 13. 3uni aufgelegt. Die Gemeindebehörden find ermächtigt worden, die Auslegung schon früher beginnen zu lassen.
auf die Notwendigkeit einet gesicherten Mehrheitsregierung hin.
Von den Rechtsblättern wird vielfach auf die außerordentliche Schnelligkeit der Lösung der Kabinettskrise bingetoiefen. Die „TäglichcRund- fchau" erklärt jedoch, die gegenwärtige Lösung sei nur eine Notlösung, geboren aus dem unmöglichen Zustand der Dinge, daß in dieser Zett außen- und innerpolitifcher Spannungen schärfster Art das Land ohne Regierung war. Auch die ,Deutsche Allgemeine Zeitung" betont, daß die Regierung Marx eine ausgesprochene Niedergangs- und Zwischenlösung sei, ein 3nterregnum mit befristeter Laufzeit. Die Möglichkeit für eine in Aussicht genommene Umbilbung werde sich vielleicht schon in kurzer Zeit ergeben. Die ^Deutsche Tageszeitung" weist darauf hin, daß das ^lebergangskabinett Marx auf der gleichen sachlichen und personellen Grundlage ruhe, wie das gestürzte Kabinett Luther. Diele ausgleichende Krise fei jedoch mehr als unbefriedigend. Einer Einbeziehung der Deutschnationalen in das Kabinett stehen nicht nur die bekannten Meinungs- fchwierigkeiten in der Außenpolitik, sondern ebenfalls die Stimmung im Zentrum entgegen. Die „Kreuzzeitung" und die „Deutsche Zeitung" erklären ausdrücklich, daß die Deutsch- nationalen diesem Kabinett noch mißtrauischer gegenüberständen als dem Kabinett Luther. Marx
Annahme von Injelatn für die Tagesnummer vir zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig: für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20" , mehr.
Chefredakteur
Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Hans Füftel, sämtlich in Gießen.
stück fertiggebracht hat, eine Krisis auf wenige Tage zu beschränken. Er hat ossiziell die Parteiführer nicht zu sich bemüht, er hat sich auch nicht darauf eingelassen, wie das bisher der Landes so der Brauch war. sich von den Parteien ihren Willen vorfchreiben zu lassen, sondern nur durch Herrn Geßler als Treuhänder mit ihnen verkehrt und die Aspirationen des Parlamentarismus in 2>ie gebührenden Schranken zurückzuweisen verstanden. Gewiß hätte auch Herr v. Hindenburg es I lieber gesehen, wenn sich eine andere Kombination ergab, die mehr Dauerhaftigkeit verspricht. Aber er hat einsehen müssen, daß dazu der Augenblick noch nicht gekommen ist. Wobei ' es nach der ganzen selbständigen und überpartei- lichen Art des Herrn v. Hindenburg selbstverständlich ist. daß auch er nicht daran denkt, die Sozialdemokraten von der ^Beteiligung an einer Regierung, entsprechend der Stärke, die sie nun einmal haben, auszuschliehen. soweit die sachlichen und politischen Voraussetzungen dafür ge- I neben sind.
Daß sie in diesem Augenblick nicht gegeben ' ren. darüber kann eigentlich ein Zweiefl nicht glich sein. Haben doch sogar die Demokraten. ■ i;c bei der Vorbereitung der Krise weiter nichts I cls eine Stohstruppe der Sozialdemokraten waren, »ugefteben müssen, daß gegenwärtig die große Koalition nicht in Frage kommt, weil c5 eben ein Ding der Unmöglich leit ist. daß die Sozialdeipo- tratie als Regierungspartei den ©igentumzibegriff verteidigt und gleichzeitig mit den .Kommunisten zusammen die Fürsten enteignen will. Deshalb ist es auch so unverständlich, weshalb das Zen- ‘ttum urplötzlich eine starke Verärgerung gegen die Deutsche D olkspartei markierte, nur weil Herr Scholz dem Zentrumskandidaten Adenauer gegenüber rund heraus ausgesprochen hatte, wie die Dinge liegen. Dabei hat auch er grundsätzlich die Meinung vertreten, daß ein Zusammenarbeiten zwischen Deutscher Voltspartei und Sozialdemokratie keineswegs ein Ding der Tlnmöglichkeit sei. er hat nur hingefügt, daß ein gemeinsames Programm dafür nicht gesunden werden könne, bis zum mindesten die dringenden! Fragen der Gegenwart, in erster Linie also die Fürstenenteignung, die Auswertung und der Finanzausgleich, bereinigt wären.
Aber das Zentrum hat Wohl auch diese Unterhaltung Adenauer-Scholz nur benutzt, um lie innenpolitisch auszunuhen. ilnb dadurch ist es ihm in der Tat gelungen, die Deutsche Volks» Partei in die Enge zu treiben. Die Erklärung, Die am Sonnlagnachmittag zwischen Zentrum und Deutscher Volkspartei vereinbart wurde, besagt zwar in ihrem 3nhalt so gut wie gar nichts. Aber daß sie gerade jetzt veröffentlicht wurde, ist ein' politischer Erfolg auf Kosten der Deutschen Volkspartei. Natürlich, die Parteien, >ie bisher in der Regierung fallen und die Locarno-Politik gemacht haben, müssen an den 2ocarno-Verträgen festhalten; sie können also mit Parteien, sie von den Ergebnissen Locarnos nichts wissen wollten, nicht zusammenar- beiten, solange diese Parteien ihre Stellung dazu nicht revidiert haben. Das zielt nur auf die Deutschnationalen, die ja auch sehr gut wissen, daß, solange der Streit um Locarno
Allmählich gelingt es jetzt, einen Heber&lid über die Ziele und den Umfang der großen Aktion des Berliner Polizeipräsidenten zur Enthüllung „rechtsradikaler Hochverratspläne" zu gewinnen. Wir erfahren ja auch zu unserer De- ruhigung, daß düs Material endlich an den Oberreichsanwalt weitergeleitet worden ist. Damit kommt die älntersuchung zum Glück in unparteiische Hände. Das wird von allen Seiten begrüßt werden, denn man muh doch einmal offen ausfprechen, daß das ohnehin nicht allzu große Vertrauen zu der Objektivität der Berliner Potttischen Polizei durch diesen neuesten Schwabenstreich einen schweren Stoß erlitten hat. Gewiß, wir wissen alle, daß es in Deutschland immer noch Leute gibt, die an einem Putsch- Spleen leiden, in ihrer Art gewiß sehr ehrenwerte Männer, die von starkem 3dealismus erfüllt sind und das deutsche Volk gerne nach ihrer Fasson selig machen würden. Solange sie in Kaffeekränzchen ihre Pläne ausbrüten, sind sie harmlos, sobald sie aber dazu übergehen, ihre Theorie in die Praxis umzuwerlen. sind sie staatsgefährlich. Es ist also das Recht und die Pflicht der Polizei, sie zu überwachen und zuzupacken in dem Augenblick, wo greifbare Handhaben dafür Dorliegen, daß von irgendeiner Seite akttve Vorbereitungen zum Hochverrat getroffen werden. Ob davon in diesem Falle überhaupt gesprochen werden kann, ist vorläufig noch mehr als zweifelhaft. Die Politische Polizei Berlins verzapft ihr ..Material" tropfenweise. Was sie indessen bisher belanntgegeben hat, ist mehr als dürftig, und bei den schar» Angrisfen. die gegen sie erhoben sind, darf man ohne weiteres annehmen, daß sie nicht gezögert hätte. Schuldbeweise an den Tag zu bringen, wenn sie nämlich welche gefunden hätte.
3ndessen, diese Frage kann man einstweilen offen lassen. Darüber wird ja d'.e Llntersuchung des Oberreichsanwalts Klacheit schaffen. Eins jedoch steht heute schon fest, daß die Haus- suchungen bei Führern der deutschen Wirtschaft aufs Blaue hinein ohne jede gesetzliche oder materielle Handhabe in Szene gesetzt worden sind. Vielleicht in der Hoffnung, das Material, was noch fehlte, dort zu finden, sicher aber in der Absicht, die davo.i betroffenen Persönlichkeiten politisch und to.r.schafttich zu diskreditieren. Denn welche Wirkungen soll das anders haben, wenn ein Mann. Vie Dögler. der sich von der aktiven Politik zurückgezogen hat, um freie Hand für den größten Gedanken unseres Wiederaufbaus, die Gründung des Stahltrusts, zu haben, mitten in der Nacht aus dem Bett geholt wird, zusehen muß, wie seine Wohnung durchsucht wird und sich nicht davor schützen kann, daß er in polizeilicher Bewachung in fein Bureau begleitet wird, um auch dort die Prozedur der .Untersuchung über sich ergehen zu lassen. Herr Dögler ist mit feinem Stahltrust im wesentlichen fertig. Was er jetzt braucht, ist eine internationale Anleihe. Die Voraussetzung für diese Anleihe aber ist das Vertrauen des Auslandes in ihn als den Führer des Trusts, ilnö ausgerechnet in diesem Augenblick wird Herr Vögler ohne irgendeinen Beweis vor der ganzen Welt als des Hochverrats dringend verdächtig denunziert. Wir wollen nicht hoffen, daß dadurch die Anleihe- Verhandlungen in Amerika gestört werden, aber möglich ist es immerhin; und diese Möglichkeit mußte zum mindesten in Rechnung gestellt werden, ehe Polizeiorgane auf Herrn Vögler los- gelassen werden. Wahrhaftig, das bekannte vierbeinige Tier im Porzellanladen ist ein Tanzkünstler zu nennen rn Vergleich zu der Polizei, die nicht imstande ist, zu verhindern, daß vor den Toren Berlins am hellichten Tage wehr-
und dadurch diesen Streitpunkt zu beseitigen. Niemand kann sagen, was bis zum Herbst geschieht. 3edenfalls muß die Deutsche Volkspartei darauf bestehen, daß der Kurs des Kabinetts Marx innerpolitisch genau der gleiche bleibt, wie der des Kabinetts Luther. Und die Tatsache, daß die Flaggenverordnung auftechterhalten bleibt, spricht ja auch deutlich dafür, daß fachlich sich durch den Kanzler- Wechsel nichts geändert hat. Herr Marx gehört äu den Ministern, die den Flaggenerlah gebilligt haben. Damit ist feine Stellung dazu gegeben. Auch die Demokraten werden sich damit abfinden müssen, daß sie in Wirklichkeit sogutwienichts mit ihrer Ministerstürzerei erreicht haben. Die Ausgabe der neuen Regierung aber kann nur fein, über den Sommer bis in den Herbst hinein die Geschäfte in der Linie einer ruhigen Entwicklung weiter zu führen. Dann werden hoffentlich auch innenpolitisch die Möglichkeiten gegeben fein, um den Fehler wieder gutzumachen, den die Deutschnationalen durch ihr vorzeittges Ausspringen aus dem Kabinett Luther machten.
Bie6rnennungöesReid)$fanjlers
Berlin, 17. Mai. (IM.) Amtlich. Der Herr Reichspräfident hat den bisherigen Reichsjustizminister Dr. Marx zum Reichskanzler ernannt und ihn gleichzeitig mit der einstweiligen Wahrnehmung der Geschäfte des R e i ch s m i n i - ftersderJufti; und des Reichsministers für die besetzten Gebiete beauftragt. Ferner hat der Reichspräsident auf den Vorschlag des Reichskanzlers die Mitglieder der bisherigen Regierung in ihren Aemlern bestätigt. Das Reichskabinett trat heute vormittag gegen 11 Ahr unter dem Vorsitz des neuernannten Reichskanzlers zur ersten fonffifuierenben Sitzung zusammen.
3m Lause des Nachmittags empfing Reichskanzler Marx die Parteiführer sämtlicher Reichstagspartelen mit Ausnahme der Kommunisten und der völkischen. Gegenstand der Besprechung war die Vorbereitung der Regierungserklärung, die voraussichtlich am Mittwoch in der Reichstags- sihung abgegeben wird. Die Regierungserktärung dürfte zum Ausdruck bringen, daß die Regierung bemüht fein werde, der Aufforderung des Reichspräsidenten, eine L i n h e i t s f l a g g e für das Deutsche Reich zu schassen, schnellstens Folge zu kiffen. Die Reichsregierung werde nach Pfingsten dem Reichstag einen besonderen Antrag auf Bildung eines Ausschusses oorlegen. Ls ist beabsichtigt, daß an diesem Ausschuß nicht nur Parlamentarier, sondern auch Historiker und Heraldiker teilnehmen sollen. Die vorbereitenden Arbeiten würden mit größter Beschleunigung betrieben werden, so daß die verfassungsmäßige Erledigung der Flaggenfrage noch vor dem Sommer möglich sein werde. Die Regierungerflürung wird ferner betonen, daß die bisherige Politik des Kabinetts unverändert forlgeführt werde, besonders gelte dies von der Außenpolitik, deren gleichmäßige Fortsetzung einen feststehenden Programmpunkt bilden wird.
Der „Tägl. Rundschau" zufolge wird sich das Kabinett Marx dem Reichstag mit einer Regierungserklärung Vorsteven, die nur kur; und formaler Natur sein werde. Auch die Fraktionen würden sich in der Hauptsache auf die Abgabe einer kurzen Erklärung beschränken, so daß man hofft, die Debatte über die Regierungserklärung bereits am Mittwoch zu Ende zu führen und am Donnerstag die Pfingftferien beginnen zu können. Ein Vertrauensvotum werde nach dem genannten Blatt nicht verlangt werden.
lose Frauen ermordet werden, die betfür aber bisher unbeschuldigten Staatsbürgern bei Nacht und Nebel ins Haus fällt.
3st das nicht wirklich ein öffentlicher «Elan» bgl? Die Kommunisten betreiben für die Pfingsttage in aller Oeffentlichkeir eine große Invasion nach Berlin. Die Polizei hat sich bisher nicht gerührt, vermutlich. weil Herr Min'ster Severing an die Gemeingefährlichkeit feiner „politischen Kinder" erst glaubt, wenn es zu spät ist. Dagegen werden auf irgendeine Denunziation hin Hunderte von Polizisten durch die Wälder in der Umgegend von Berlin gejagt, um ein geheimnisvolles Wafsenlager zu finden; mit dem Ergebnis, daß nachher drei verrostete Gewehre gefunden werden, deren Herkunft ganz natürlich zu erklären ist. Liegt nicht in dieser ganzen Methode System, daß Verbände, die vaterlän- dischen Sinn pflegen wollen, auch wenn sie nächst ewiesenerm ah en sich zum großen Teil aus der Deutschen Volkspartei reirutieren, r«htsradikaler Putschabfichten verdächtigt werden, daß dagegen die rote Front mit Unterstützung der amtlichen Stellen die Straße beherrschen darf. Die preu* ßifche Regierung hat eine blutdampfende Notverordnung veröffentlicht, die der Ausgangspunkt ihrer ganzen Untersuchungen fein soll. Sie ist aber trotz aller Nachfragen bisher nicht damit herausgerückt, von wann dieser Plan batiert ist, wenn sie auch hat zugeben müssen, daß sie ihn schon feit längerer Zeit im Besitz hat. Darüber hinaus hat sie einen Aufmarschplan gefunden, der aufgestellt tour als Gegenmahregel für den Fall einer Besetzung Berlins durch die Kommunisten und endlich hat sie einige Briefe des Alldeutschenführers C 1 a h veröffentlicht, ohne Rücksicht auf das Briefgeheimnis, die in keiner Weise die Grenze der freien Meinungsäußerung jedes Staatsbürgers überschreiten. 3m preußischen wie im Reichsparlament sind Anfragen über diese ungeheuerliche Ansammlung von Verstößen gegen Recht und gefunden Menschenverstand bereits angekündigt. Cie werden Gelegenheit zur weiteren Besprechung des ganzen Tyemas geben. Darüber aber kann Herr Se- vering sich nicht im Unklaren gewesen fein, daß fein Vorgehen eine Kampfansage gegen das gesamte Bürgertum bedeutet. Wir nehmen den Fehdehandschuh auf und sind gern bereit, den Kampf auch gegen ihn bis zum Ende zu sichren. Die Debatte im Landtag.
Berlin, 17. Mai. (VDZ) Zu Beginn der zweiten Beratung des Nothaushalts gibt
Abg. Dr. Dorsch (Ztr.-
folgende Erklärung ab: Es dürfe kaum möglich fein, sich jetzt schon ein abschließendes Urteil darüber zu bilden, welche Bedeutung dem von der Staatsregieru.'-g herbeigebrachten Material über d i e beabsichtigte Putsch- unter n e b m u n g e n im einzelnen beizumefsen ist, so daß darüber das Urteil Vorbehalten bleiben muh. Die Zentrumsfraktion gibt aus diesem Anlaß mit allem Nachdruck der Meinung Aus' druck, daß es nicht nur ein selbstverständliches Recht, sondern die absolute Pflicht der Staats- regietung ist. mit größter Aufmerksamkeit darüber zu wachen, daß nichts geschieht, was den be- stehenden Staat irgendwie gefährden könnte, ganz gleichgültig, von welcher Seite Umsturzbewegungen zu erwarten, wären Der neue Staat hat leider- feine Veranlassung, in dieser Hinsicht weniger behutsam zu fein wie der alte. (Sehr richtig! in der Mitte.) Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes steht heute zur Derno» fratie und hat keine Lust, sich die Staatsform, die sie sich nach dem Kriege geschaffen hat. an» tasten zu lassen. Zu dieser überwältigenden
Kitte durch die Deutschnationalen. Davor je- ivch hatte das Zentrum Angst,-weil es sich bei seinem linken Flügel durch eine erneute Ver- iindung mit den Deutschnationalen zu koinpro- nittieren fürchtet, deshalb stellt es seine Taktik k rauf ab. dem neuen Kabinett wenigstens den kchein einer Kursdrehung nach links ?u geben. Und das ist ihm auch gelungen. Die Persönlichkeit des Herrn Marr genießt bei kn Sozialdemokraten größeres Vertrauen als lei den Deutschnationalen, und die Deutschnatio- rnlcn werden die Vereinbarung, die schlteßlich zur Bildung des Kabinetts führte, als eine Ab- hge an ihre Adresse betrachten.
Darin gehen sie jedoch zu weit. Es handelt sch dabei lediglich darum, auszusprechen, was jetzt ist. Dis zum Herbst kann sich die Lage dieder vollkommen verschoben haben, vielleicht titfoideln sich ja auch die Dinge in Genf so, laß der Eintritt in den Völkerbund sich für Deutschland unter ehrenhaften Bedingungen vott» zcht, und der Abschluß des Russenvertrages bnnte dann auch den Deutschnativnalen Veran- bssung geben, unter das Vergangene einen Strich P ziehen, sich mit dem Geschehenen abzufinden
Die Berliner Presse z,uu neuen Kabinett Marx.
Berlin, 17. Mai. «Abendblätter.) 3n eingehenden Besprechungen nimmt heute die Berliner Presse zu dem neuen Kabinett Marx Stellung. Uebcrall wird dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß es sich bei dem gegenwärtigen! Kabinett nur um eine Uebergangsregie- rung handelt. Das ..Berliner Tageblatt" weist darauf hin. daß die Wendung spätestens der Volksenischeid bringen werde. Die Konsequen- Sn aus dieser Volksabstimmung werde nur eine egterung ziehen, die auf festen Füßen steht. Marx möge dann von der verfassungsmäßigen Waffe Gebrauch machen, die er vor zwei Jahren unbenutzt ließ, die Auslösung des Reichstages. Die ..Vossische Zeitung" erklärt, die Re» gienmg Marx sei ein Uebergangskabinett. dessen, wichttgste Aufgabe es sei, die Hindernisse für die Verwirklichung der großen Koalition aus dem Wege zu räumen. Sehr viel weitgehender ist die Stellungnahme des ^Vorwärts", der in der Regierungsumbildung nur die Aufschiebung einer endgültigen Entscheidung zwischen rechts und links sieht. Die Entscheidung stehe zwischen den Deutsch' nationalen und den Sozialdemokraten, sie werde beim Vollsentscheid fallen. Der „Bö rsen- Courier" weist auf das große Vertrauen hin, das Marx bei den Parteien genießt, jedoch auch
Ob Mihtrauensanträge eingebracht werden, abgewartet werden.
Eine Notlösung.
Von Marx zu Sucher, von Luther wieder zurück ZU Marx, das ist also das mehr als unbefriedigende Ergebnis der jüngsten Krise, das in feiner geradezu Protesten Verhöhnung des gefunden Menschenoer- tandes erst recht herausgearbeitet wird, wenn man dagegen hält, daß Herr Marr seinerzeit gehen Atuhte, roeil'er mit feinen Versuchen zur Lösung der innerpolittschen Schwierigkeiten Schiffbruch erlitten hatte. Und doch wird man bei richtiger Einschätzung her parteipolitischen Lagerung zu der betrübsamen Schlußfolgerung kommen müssen, daß dies vielleicht in der Tat der einzige Ausweg war, der sich tot, wenn nicht eine wochenlange regierungslose Zeit eingeschaltet werden sollte, die wir aus inner- oie aus außenpolitischen Gründen im Augenblick nicht vertragen konnten.
Es ist deshalb auch dankbar anzuerkennen, vah der Reichspräsident durch die kluge Zurückhaltung und dabei doch durch die Festigkeit feines Willens zum ersten Male das Kunst-
Die „Putschpläne" im Preußischen Landtag
Ministerpräsident Vraun verteidigt die Aktion des Berliner Polizeipräsidiums.


