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Aus der Provinzialhauptftadt.

Dietzen, den 18. Mai 1926.

Der Hessische Landes-Lehrerinnenverein

veranstaltete am SamÄagabend aus Anlab seiner S)aut>toeriammlung im Droben Hörsaal der Universität einen auberordentlich gut be­suchten Vortragsabend. Aach einer kurzen Einleitung durch die Vorsitzende des Landcs- Lehrerinnenvcreins hielten Beigeordneter D r. Leib (als Vertreter der Stadt) und Stadtschul­rat Prof. Dr. Alles (als Vertreter des Stadt- »chulamtes und des Landesamtes für da« Dil- dungstvcien) kurze VcgrübungSanfprachen. 2In- 'chliebend hieran referierte Frau Margarete ? reuge, Leiterin der sozialen Frauenschule in Hamburg. überDie loziatpädagogi- » 1 t c n Aufgaben unserer Z e i t". Die Rednerin sprach zunächst über die Bedeutung der sozialen Frage, welche durch die wirtschaft­liche Entwicklung und die hierdurch bedingte Schaffung eines neuen Stande- seit den 70er wahren in immer steigendem Mabe in Erschei­nung getreten fei. Die soziale Fro^e, d. h. die loyale Verpflichtung zur Hilfe und Tat sei heute so lief in unser Volksleben eingewurzelt, dob wir sie in unserer Gedankenwelt nicht 'mehr beseitigen könnten. Auch die Pädagogen seien zur Mitarbeit auf sozialem Gebiet berufen. Wir stünden in einer neuen Strömung der Päd­agogik. die eine engere Verbindung mit sozialen Fragen und deren Lösung suche. Gin wesentlicher I Erfolg in dieser Hinsicht sei die Errichtung von Lehrstühlen für Sozialpädagogik. Die Rednerin erwähnte sodann die einzelnen Organisationen, die durch die Entwicklung des sogenannten vierten Stande- zur Lösung der sozialen Frage in höhe­rem Mabe in Erscheinung getreten sind, und zwar mnächst die Sozialdemokratie, der als Gcgcnbe- roegung die Innere Mission folgte, auherdem die Frauenbewegung, die von Ansana an die Menschheitsforderung mit der sozialen Forde­rung verbunden habe. Hierzu komme als be­sondere Erscheinung das Verantwortungsbewußt- sein des Staates. UmtoanMung vom RechSstaat zum sozialen Staat (Sozialgesetzgebung). sowie die Jugendbewegung. die in besonderem Mähe an der Lösung der sozialen Frage beteiligt sei. Auch die Mitarbeit der Pädagogen sei dringend notwendig, denn die Wohlfahrts- arbeit könne erfolgreich nur unter erzieherischen Gesichtspunkten geleistet werden. Man könne heute bei der WoblsahrtSarbeit nicht mehr die Symp­tome bekämpfen, sondern müsse den Ursachen nach­gehen und versuchen, das Zentrum der Seele zu erreichen. Vor allem aber müsse man dem Zög- ing die Kraft zur Selbsthilfe geben und ihn so rtarf machen, dab er des Erziehers nicht mehr bedürfe. Kein Mitleid, sondern Kraft zur Selbst­hilfe. Rednerin besprach dann weiter das Gebiet der Jugendtoohlfahripslege (Kleinkinder' und Schulkinderfürsorge, sowie die Fürsorge für die schulentlassene Jugend), schilderte die Gesahren der Grotzstadt. die Folgen der Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot usw. Die Lösung dieser Aufgaben müsse durch soziale Derufsarbeiter und Berufs- arbeitenimen in Gemeinschaft mit der Lehrerschaft erfolgen. Reben der Unterstützung des Schularztes lei die Aufklärung der Eltern durch die Lehrer- Ichast von grofter Bedeutung (Kanftrf gegen die Rachitis. Gefahren des AlkoholiSmus). Deson- t-eres Augenmerk sei auch darauf zu richten, datz eine wirtschaftliche Ausbeutung der Schulkinder, besonders auf_ dem Lande, vermieden werde. Der littlichen Gefährdung der Kinder sei besondere Beachtung zu schenken. Bei Fürsorgeerziehung-- Maßnahmen sei eine Zuziehung des Lehrers ober der Lehrerin als Berater dringend notwendig. Eine engere Verbindung zwischen Eltern und Lehrer sei zu erstreben und evtl, durch reget- nähtge Hausbesuche zu erreichen. Auch die Mit­arbeit der Lehrerschaft bei der Berufsberatung und in der Zugendbewegung sei außerordentlich richtig. Zur Erfüllung der hier an die Lehrer­schaft gestellten Ausgaben sei eine Ergänzung und Vertiefung der Ausbildung nach der svzialpäda- goaischen Seite hin notwendig. Hierzu gehöre u. a. obligatorische Arbeit in einem Jugendamt, einem Iugendverein usw. Die Rednerin wünschte, daß der soziale Beruf pädagogischer, der pädagogische öaaegen sozialer gestaltet werde. Reicher Beifall belohnte die äuherst interessanten Ausführungen.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wvchenmarir das Pfund: Butter 2.00 bis 2.10, Watte 35 bis (0, Käse 10 Stück 60 bis 80, Wirsing 35, Weih­kraut 35, Rotkraut 40, gelbe Rüben das Päckchen 35 bis 40, Doterüben 20. Spinat 40 bis 45, ALmischkohl CO. Spargel 70 bis 1.30. Tomaten 1.50, Zwi^eln 25. Meerrettich 30 bis 80, Schwarz­wurzeln 50 bis 60. Rhabarber 20 bis 25. Kar- rffeln 0,04, Aepfel 20 bis 40, Kirschen 80 bis 1.00, Erdbeeren 2.00 bis 3.20, Honig 40, junge Hahnen 1.00 bis 1.20, Suppenhühner 1.20 bis | C40; das Stück: Eier 11 bis 12. Blumenkohl .20 bis 1.50. Salat 20 bis 30. Salatgurken 80 |

bis 1.00. Lauch 5 bis 15. Rettich 30. Sellerie 30 di» 40. Tauben 90. Radieschen Bund 15 bis 20.

Vornotizcn.

Tagestalender für Dienstag: Derlchrsvercin: 8 Uhr, Hotel Prinz Carl, Mitglie- öeroerjammlung:Kommunale Gegenwerts- und Zukiinftkaufgaben". S'ingbeutidwr Orden: 9 Uhr, Bayr.icher Hof. Gedenkfeier für Schlageter. Na- turheilverein: 8 Uhr. Gewerbehaus, (Bcneraloer- lammlung. Lichtipielhaus, Bahnhofstraße:Die Wacht am Rhein". Asloria Lichtspiele:Der weihe Reiter von dolornbo ".

Gießener Gesangvereine. Die letzte ©cfamtprobe findet nächsten Donnerstag abend im Katholischen Verein: Haufe statt. (Siche 'Anzeige.)

* Anonyme Einsendungen gehen uns nach roic vor zu, obwohl wir schon wiederholt dar­auf hingewicicn haben, daß derartige Zuschriften keine Berücksichtigung sinden. Wir möchten unsere Leier heule erneut auf diese selbstverständliche Behandlung anonymer Briese aufmerksam machen und ihnen empfehlen, in ihren Einsendungen an uns vertrauensvolle Offenheit walten zu lassen, wenn sie wünschen, daß wir uns mit ihren Mittcillingen be­fassen sollen.

>e Eine wertvolle Neuerwerbung der Universitätsbibliothek. Die be­rühmte Manessesche Liederhandschrift in Heidelberg, die zur Zelt vom Inselverlag in einem kostbaren Neudruck reproduziert wird, liegt in einer ersten Lieferung (das Gefamlwert ist auf sechs Lieferungen berechnet) auf der hiesigen Universitätsbibliothek vor. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die eingehende Würdigung des Werkes durch den namhaften Heidelberger Germanisten Geh. Rat Panzer im Familienblatt Nr. 36 vom 4. Mai.

** Unsere Garnison kehrt nach vierwöchi­ger Truppenübungsplatzzeit am 20. Mai in zwei Transporten vom Truppenübungsplatz Grasenwöhr hierher zurück. Die Ankunft erfolat um 6.15 Uhr und 6.45 Uhr abends.

** Straßensperre. Wegen Vornahme von Walzarbeiten hat das Polizeiamt die Frankfurter Straße von der StraßeAm Steg" bis zur Eifen- bahnüberführling Klein-Linden von heute ab bis auf weiteres für jeglichen Fuhrwerksverkehr gesperrt.

** Zur Vermeidung von Staubent­wicklung bei Bauten. Das Polizeiamt weift erneut darauf hin, daß nach den bestehenden ge­setzlichen Bestimmungen diejenigen Bestrafung zu gewärtigen haben, welche es unterlassen, bei Bau­ten, namentlich bei Abbruch von Gebäuden und bei der Erneuerung des Verputzes, alle Vorkehrungen zu treffen, welche geeignet find. Gefahren für Vor­übergehende und eine belästigende Staubentwick­lung zu verhindern. Insbesondere ist dafür Sorge zu tragen, daß: 1. der Verputz und das Mauerwerk vor dem Abschlagen und während dieser Arbeiten ausreichend benäßt wird, 2. Bauschutt nicht auf die Erde abgeworfen, sondern abgetragen ober in Ge­fäßen abgelassen und hierbei ebenso wie beim Aufladen auf Wagen und Abfahren ausreichend benäßt wird, 3. derartige Bauarbeiten, bei wel­chen eine Staubentwicklung nicht ganz zu vermeiden ist, nur in den frühen Morgenstunden vorgenom­men werden dürfen. Die Polizeibeamten sind mit der Ueberroachung beauftragt.

".Die Gießener Geldinstitute geben m unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß sie am Pfingstsamstag für jeglichen Verkehr geschlossen sind.

* Der Saarbrücker Gesangver­einLieberkranz", der zu Pftngsten un­serer Stadt einen Besuch abstatten und in der Volkshalle ein Konzert geben wird, fand bei seiner vorjährigen Konzertreise u. a. in Offen­bach a. M. eine sehr warnte Ausnahme. In großen Scharen war die Bevölkerung Offenbachs und dessen Umgebung zu dem Gastkonzerte ge­kommen, und sie ward nicht enttäuscht. Von den Saarsängern wurde Vorzügliches geleistet. So darf wohl erwartet werden, daß das Konzert am 1. P fing st feier tage in Gießen sich ebenfalls eines zahlreichen Besuches erfreut und bte Oberhessen dadurch zeigen, daß auch bei ihnen das Wort:Treue um Treue" noch Geltung hat.

** E i n Achtzigjähriger. Der in weiten Burgerkreisen, besonders aber bei der hiesigen Metz- gerschaft durch seine langjährige Tätigkeit im städti­schen «chlachthof bekannte Maschinenmeister i. R. Jean B r n ck m a n n, Seltersweg 67, begeht am morgigen Mittwoch, 19. Mai, in voller Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag.

* Justiz-Personalien. Ernannt tour- ben der Amtsgerichtsrat bet dem Amtsgericht Homberg (Oberhessen) Walter Leun, zur Zeit in Butzbach, zum Amtsgerichtsrat bei dem Amts­gericht Wöllstein mit Wirkung vom 1. QKai; bet Gerichtsassessor Dr. Karl Sack in Schlitz zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht in Schlitz mit Wirkung vom 2. April: der Ge- richtsassessor Richard Schaeg in Homberg zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Hom- berg (Oberhessen) mit Wirkung vom l.Mai: bet Gerichtsassessor Artur Herber in Fried­berg zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Ottenbach a. M. mit Wirkung vom 2. Mai;

der Iustizsekretär bei dem Amtsgericht Mainz EonreliuS Franz Psau zum Gerichtsvollzieher bc: dem Amtsgericht Vilbel: der Amtsgerichts- rat bei dem Amtsgericht in Offenbach a. M. Ferdinand Klose, zur Zeit in Ridda, zum Amtsgerlchisrat bei dem Amtsgericht in Rtdda mit Wirkung vom 2. Mai.

Aushebung des Sichtvermerk- zwangeS zwischen Deutschland und Dänemark. Don der Pressestelle beim Hess. Staatsministerium wird mitgeteilt: Zwischen der deutschen und der bänischen Regierung ist die gegenseitige Aufhebung deS Sichtvennerizwan- ges mit Wirkung vom 20. Mai 1926 vereinbart worden. Von diesem Zeitpunkt an können Reichs­angehörige bas dänische Staatsgebiet und däni­sche Staatsangehörige das Reichsgebiet über die arntlich z igelassenen Grenzübergar.^sstellen jeder­zeit lediglich auf Grund eines gültigen Heimat- pattes ohne Sichtvermerk betreten und verlas- fen. Für Kinder unter 15 Jahre genügt an Stecke eines Passes ein amtlicher Ausweis über Ramen, Sliter. Staatsangehörigkeit und Wohnsitz ober bauernben Aufenthalt: ber Kinberauswcis muß bei Kinbern über 10 Jahre mit e'nem Lichtbild versehen sein. Mit Rücklicht auf die gegen­wärtig stark gespannte Lage des Arbeitsmarties der beiden Länder ist vorgesehen, daß Angehörige des einen Staates, die im Gebiete des anderen Staa­tes eine Stellung antreten wollen, mit einer vor der Einreise bei der zuständigen Auslandvertretung des Ziellandes zu beschaffenden Bewilligung zum Stel­lenantritt ausgestattet fein mässen^ Die für Sammel­pässe nach wie vor erforderlichen Sichtvermerke wer­den gebührenfrei erteilt.

Sprechstunden der Redaktion.

Besuche können nur in der Zeit von 1 2 b i 8 1 Uhr mittags und 5 bis 7 Uhr nach­mittags auf Annahme rechnen. Für un­verlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügteS Rückporto wird keine Ge­währ übernommen.

B. I u g e n d g e r i ch t s h i l fe in Hessen. In einigen Greifen, z. B. Friedberg und Gießen, hat der evangelische Jugend- und'Wohlfahrtsdienst eine Jugendgerichtshilfe organisiert. Sie setzt sich zur Aufgabe, die Jugendgerichte bei Prüfung des Tat­bestandes, der Beweggründe zur Straftat und der Veranlagung der Straffälligen wirtfam zu unter« S. Vor allem tritt sie nach der Aburteilung der blichen in Tätigkeit. Als Tatbeweis christlicher Nächstenliebe will sie den auf Abwege geratenen jungen Leuten nach Verbüßung ihrer Strafe weiter- helsen, sie beraten, die Schutzaufsicht übernehmen und sie vor Rückfällen bewahren. Um diese wertvolle Einrichtung noch weiter auszubauen und für das ganze Land wirksam werden zu lassen, ist das evan­gelische Landesjugendpfarramt in Vorträgen und Kursen eifrig am Werk. Die Kreisbehörden dürften diesen freiwilligen Helferdienst christlicher Männer und Frauen dankbar bearüßen, da bei den Jugend­gerichten eine immer steigende Zahl jugendlicher Personen zur Aburteilung kommt.

** Deutsche Heimatfilme. In den Pa­last-Lichtspielen wurden am Freitag sehr interessante und lehrreiche Filme aus dem Riefengebirge, der Nordsee und dem Oberharz gezeigt. Zur Einleitung erschien zunächst ein schlesischer Heimatfilm, der abgesehen von Sitten und Gebräuchen der dortigen Gegend (Bauernhochzeit, Spinnstube, Volkstänze usw.) herrliche Landschaftsbilder (Sommertage, Win- terzauber) bot. Sehr viel Interessantes zeigte sodann der FilmDie Nordsee", Ctirhafen mit allen Rei­zen eines Seebadeortes, Wanderung durch das Wattenmeer nach Neuwert, Bilder von Helgoland, Sylt, Föhr, Halligen, Büsum (Wattenläuse und mo­derne Wattentänze). Husum (Hafen bei Ebbe und Flut, Sturm und Durchbruch). Außerordentlich lehr­reich waren ferner die Bilder über die Tiere des Wattenmeeres. Der letzte Film zeigte das Leden und Treiben im Oberharz. Lauthenthal, Hahnenklee, Wildemann, Bad Grund, Clausthal - Zellerfeld, Altenau. Herrliche Landschaftsbilder, deren Reiz noch durch vielseitiges Sportleben (Bobrennen und Ro­deln, Skilaufen usw.) wesentlich erhöht wird. Sehr interessant waren die Bilder über die Ausnutzung der reichen Wasserkräfte des Oberharzes für den Bergbau, Gewinnung des Erzes usw. Den Schluß der Filmvorführungen bildete eine luftige Fuchsjagd im Brocken- und Bruchberggebiet, die viel Heiter­keit erregte. Man kann den Vorführungen nur vollen Beifall spenden.

' Sie Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Röthges, Ruttershausen, ältphe (Kreis Gießen), Büdesheim (Kreis Fried­berg), Orleshausen, Ranstadt (Kreis Büdingen), Hartmannshain (Kreis Schotten). Dorlar und Münchholzhausen (Kreis Wetzlar) amtlich fest- gestellt worden. 3n Lumda und Obbornhofen (Kreis Gießen), Aßlar und Erda (Kreis Wetz­lar) ist die Seuche erloschen.

** Der Paketoerkehr nach Großbri­tannien. Der Paketverkehr nach und über Groß­britannien, der wegen des Generalstreiks gesperrt war, ist jetzt wieder zugelassen.

Buntes Allerlei.

Mitten im Urwaldbrand.

Die australischen .Buschfeuer", die jetzt wieder so gewaltige Vertzeerlmgen angerichtel und zahl- rcickc Meittckenopser gefordert haben, gehören zu den furchtbarsten Gefahren, die dem Ansiedler un Llrwald drohen. Die Kraft des Menschen ist richt ,mstände, diesem Wüten der Elemente Ein«' halt zu tun, und meistens kann nur das Um-' schlagen des Windes, das Eintteten deS Regen, Rettung bringen. Trotzdem nehmen die Former' mit der Kraft der Verzweiflung den Kampf mit' ben Feuermassen auf. und auch diesmal wieder sind Heldentaten vollbracht worden. Eine an­schauliche Sch.lderung gibt ein Teilnehmer an een RettungSarbeilen bei einem solchen Busch- brant) in e r.cnt Londoner Blatt:Die Schreckens-^ nachricht kommt in den ersten Stunden des frühen Morgens. Husgellapper. eine heisere Stimmt schreit:Ter Busch brennt! Der Feuerkarren,< von zwei frischen Pferden gezogen, jagt nach der ang.gcbcnen Richtung, wir folgen auf den Pser- den. lieber all im Rorden ist der Himmel glührot," Ein Streifen brennender Baumrinde, vom Wind« fortgetrieben, segelt über uns hoch durch die Luft: essängt sich in den Zweigen eines Gummi-)' baunts. uni) in ein paar Sekunden ist der3aum' eine riesige flammende Fackel. Wir machen uns daran, die umstehenden Bäume und das Busch­werk niederzuhauen. Plötzlich fühle ich, wie meint Stiefelsohlen glühen. Das Feuer züngelt um uns wie schnellende Schlangen und springt aus den, dichten Rauch empor Da hat man keine Zett,* sich an diesem grandiosen Schauspiel zu weiden. da heißt es arbeiten, arbeiten, arbeiten. Alle drei Minuten kommt ein Mädchen mit einer nassen Akt und einer Flasche kalten Tees. Man wechsett das Werkzeug, dan-n ein Schluck, und weiter> immer weiter. Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, aber ich kann die Gesichter derer, die um mich sind, nicht sehen, so dicht ist der Rauch. Rur wenn man gcmz nahe an den anderen heran- tritt, s eht man die kohlschwarzen Züge mit den hvchgeröketcn Augen und den offenen Mündern, die nach Luft schnappen. Immerfort werden wir von dem vorwärtsstiirmenden Feuer zurückge- * trieben. Der glühend heiße Wind treibt die feurige Lohe über unsere Köpfe, so daß die Haare abgesengt werden. Ein großer Streifen Baum- ! rinde wirbelt über uns und steckt hinter un8 benv Dusch in Brand. Wir sind von den Flammen' umringt und brechen uns mühsrnn die Bahn durch die Flammenmauer. Da ist nichts mehr zu retten, wir müssen flüchten. Zu Mittag kämpfen wir schon für eine Ansiedlung, die fünf Kilo­meter dahinterliegt. und wir werden wieder ver- trieben. Am Rachmittag kämpfen wir für unsere eigene Farm, und wissen doch ganz genau, daß auch sie dem Untergang geweiht ist. Aber der Buschmann sicht gegen das Feuer bis zum letzten Atemzuge und hoftt, hofft.. . 3)a endlich die Rettung durch ein Wunder! Der Wind hat sich gedreht: cs wird empfindlich falt: wir zittern vor Kälte, wo wir eben noch glühten, langsam bricht das Feuer in sich zusammen. Run heihfs: wieder aufbauen."

Was ein allrömischerFuhabdrnck erzählt.

Bei den Ausgrabungen des altrömischen Soldatenlagers zu Eaerleon in England hat man; einen merkwürdigen Fund gemacht. Es ist ein Ziegel, in dem sich mit größter Deutlichkeit bet, Fuhabdruck eines Knaben erteimen läßt, und darunter sieht man das FabriZeichen .Leg. II. 2lug." der zweiten Legion, die zur Römerzeit in diesem Lager stationiert war Die Sandale, die der Knabe vor mehr als 1600 Zähren trug, ist auf dem Ziegel ganz deutlich abgedrückt, und aus den Maßen läßt sich mit Sicherheit darauf schließen, daß es sich um einen halbwüchsigen Knaben handelt. Ja, bei genauerem Zusehen er- blickt man sogar die Spuren einer Hundepsote, die sich auf dem Ziegel abzeichnen. Die Archäologen ' erklären sich diesen merkwürdigen Fund auf fo(- V genbe Weise: Ein Pferdejunge der Legion oder ein anderer von den Halbwüchsigen, die mit dem Heere in das fremde Land gekommen waren, hatte den Auftrag erhalten, die im Lager ve» ' fertigten Ziegel mit dem Fabrikzeichen zu fteni- peln, und als rechter Junge formte er der Versuchung nicht widerstehen, auf die weiche Mafte zu treten und seinen Fußabdruck so für die Ewigkeit zu erhalten. Wahrscheinlich lun­gerte bei ihm ein Regimentshund herum, und auch dieser tappte mit seiner Pfote au) den Ziegel. So erschließt sich nach so vielen Hun- - beeten von Jahren aus diesem Funde uns ein amüsantes Bild aus dem altrömischen Lagerleben.

Feme.

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