Einzelbild herunterladen

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, f8. Zebrnar 1926

Nr. Zweites Blatt

Prager Brief.

Don unserem K.-Korrespondenten.

Prag, Mitte Februar.

In Prag hat sich dieser Tage in aller Stille dar. nicht häufige Ereignis der Degradierung e i n e s K r i e g s m i n i st e r s vollzogen. Es han­delt sich zwar nur um einen gewesenen Kriegs­minister und geht dem Betroffenen nicht nahe es ist aber bezeichnend für den Geist, der hier herrscht. Man muß wissen, daß Degradationen m Prag seit Jahren in Massen oorgenommen werden. Im .Kriegsministerium Amtiert eine eigene Kommission, deren Aufgabe es ist, Offizieren den Rang abzuer­kennen und sic als gemeine Soldaten in die Armee einzureihen. Allerdings wird nicht mit aktiven Offi­zieren so verfahren. Die Moral des tschechoslowa­kischen Offizierskorps ist nicht besser und nicht schlechter als anderswo und die Notwendigkeit, un° paßende Elemente zu entfernen, stellt sich nicht häu­figer und nicht seltener als anderswo ein. Wohl aber wird das Reserveoffizierskorps mit Sorgfalt gesiebt. Denn man hat gefunden, daß es unter denReserveoffizierenzuvielDeutfche gibt und das bereitet der französischen Militärmis­sion, die in Prag ihr Wesen tpeibt, Unbehagen.

Ueberhaupt ist das nationale Problem in der Armee stachlig. Als dem neuen Staat durch die Gunst der Entente weite deutsche Gebiete zugewie­sen wurden, war die Freude groß. Mehr Land be­reitet allen Staatslenkern Vergnügen, Überdies er­warb der Staat mit dem deutschen Gebiet eine wohlhabende steuerkräftige Bevölkerung. Das find schöne Sachen Bei der Adoptierung des Staats­wesens tauchten allerdings verschiedene Unannehm­lichkeiten auf, die nun schon seit Jahren Verdau­ungsstörungen bereiten. Besonders die Militärs haben schwierige Probleme zu lösen. Es ergab sich nämlich, daß das stehende Heer, mit dem die (Entente die junge Republik beglückt hat und das Schuß und Schirm des nationalen Staates der Tsche­chen sein soll, zu mehr als einem Viertel Deutsche umfaßt, ganz zu schweigen davon, daß ein Fünftel der Mannschaft Slowaken und ein weiteres Zehntel Magyaren sind. Die nationale Armee ist also nichts weniger als homogen und guter Rat ist teuer. Soll man die Sudetendeutschen und die anderen Nationalitäten von der Rekruten­stellung befreien? Damit geschähe ihnen ein Ge­fallen, den ihnen die tschechischen Machthaber wahr­haftig nicht erweisen wollen und überdies ist die tschechische Bevölkerung durchaus nicht gewillt, die Militärlasten allein zu tragen.

Der Generalstab hat sich also mit dem Vorhan­densein deutscher Rekruten abfinden müssen und tröltet sich damit, daß sie schließlich für Kanonen­futter gut genug sind. Aber an höheren Stellen dür­fen natürlich keine Deutschen sein und so mußte das Offizierskorps gesäubert werden. Bei den aktiven Offizieren ging die Sache leicht. Die Deut­schen wurden entlassen ober pensioniert. Schwerer war es schon beim Reserveoffizierskorps, das aus österreichischen Zeiten stammend, zur guten Hälfte deutsch war. Auch hier wieder fand man es nicht geraten, die Deutschen einfach der Dienstpflicht zu entbinden. Es wurde vielmehr eine Kommission zur Überprüfung der Reserveoffiziere eingesetzt, die sehr komplizierte "Instruktionen hat. Wir leben ja in einem gerechten Staat und der deutsche Reserve­offizier wird beileibe nicht deshalb degradiert, weil er ein Deutscher ist, sondern es wird ihm schwarz auf weih nachgewiesen, daß er aus Dien st rück­fichten nicht die Fähigkeit hat, Reserveoffizier zu fein, auch wenn er vier Jahre Kriegsdienst auf dem Buckel hat. Der Nachweis der Unfähigkeit erfordert Schreibereien und so werden alljährlich nur etliche hundert Reserveoffiziere degradiert daß es samt und sonders Deutsche find, beweist ja nur die be­kannte Minderwertigkeit dieser Rasse.

An diese Massendegradationen ist man also ge­wöhnt und horcht nur auf, wenn ein besonderer Fall vorkommt, wie es dieser Tage geschah. Da wurde der deutsche Adg. Josef Meyer feiner Charge als Rittmeister der Reserve verlustig erklärt und als ein­facher Infanterist seinem heimatlichen Regiment zu- geteilt. Meyer hat seinen Offiziersgrad in der öster­reichischen Armee an der Front erworben. Er war schon im Krieg Mitglied des österreichischen Parla­

Gießener Stadttheater.

Kalidasa:Sakuntala".

Man könnte fragen: was gilt uns die halb mhchenhafte Gestalt des altindischen Klassikers aus dem 6. nachchristlichen Jahrhundert, was bedeutet dem modernen 'Abendländer dieses Schauspiel, das seinen Stofs aus dem Sanskrit-- eposMahabharata" schöpft, Werk eines uns fremden Volkes und fern abliegenden, alten Kul­turkreises? Cs ist aber mit diesem Spiel um Sa° funtala, das Pflegekind des frommen Einsiedlers Kanva im Düherwalde, ähnlich bestellt wie mit demKreidekreis", der Wohl ebenso alt und in seinen schönsten Motiven noch älter ist, und dessen Dichter wir kaum mit Flamen kennen Kali- d a sa aber war schon Goethe nicht mehr fremd: auf der primitivsten und menschlichsten Stufe der Dichtung reichen auch die weitest getrennten Kul­turen einander die Hände. Lyrik und Märchen sprechen in der unmittelbarsten und eindringlich­sten Sprache zum Herzen, und es klingt in allen Sprachen aUer Völker der Erde gleich, oder doch verwandt. Gerade hier liegt das Weltliterarische in diesem Werk. Märchen und Lyrik (wer einmal chinesische Liebeslieder hörte, oder afrikanische Legenden, wird es wissen) tragen völkerverbin­dende Kraft in sich, bauen Brücken über das fernste Meer, sind tiefste und allgemeinste Poesie und offenbaren sich, übernational, jedem Gefühl.

Rolf Caudnet, der Dramatiker unserer eigenen Zeit, hat das Spiel überseht, die schwer­fällige, überkommene Aktgliederung des Sanskrit in neun Bildern verwandelt und für die moderne Bühne hergerichtet als eine liebliche und zart­gesponnene Dichtung, die unser Empfinden herz­licher und unmittelbarer anspricht, als das zeit­genössische indische Schrifttum etwa des Rabin- dranath Tagore, dessen meiste Dichtungen, ab­gesehen vielleicht vomPostamt", für uns ferner liegen und nur auf Hinwegen und mit be­wußter Einfühlung zugänglich sind, sicherlich schwerer, als dieses Schauspiel aus einer fast nebelhaften Zeit, wo in Deutschland die Mero­winger zur Herrschaft kamen.

Rcvch dem priesterlich-weihevollen Dorspruch der Brahmanen beglicht, mit ..Spielleiter", Schauspielerin" und Flötenbläsern, das Vorspiel auf dem Theater. Leider war in unserer Auf­führung diese Szene gefallen, die (ein sehr altes Wvtiv, das auch Goethe für den Faust" aus

ments und bei Kriegsende wurde er in die erste Regierung der Republik Deutschösterreich als Staatssekretär für Heerwesen berufen. Nach dem Frieden von Saint Germain, der feine Heimat, das Egerland, der Tschechoflowakei zuwies, demissionierte Meyer als deutschösterreichischer .Kriegsminister und ging in sein neues Vaterland. Hier wurde er Abgeordneter und figurierte natürlich in den Standeslisten der Reserveoffiziere, die die Tschechoslowakei von Österreich übernommen hatte, als Rittmeister. Sechs Jahre hat es gedauert, ehe man darauf kam, was für einen gefährlichen Re- feröerittmeifter die tschechische Armee beherbergt. Jetzt ist aber der Schandfleck beseitigt. Die Heben Prüfungskommission hat den Rittmeister der Re­serve und gewesenen Kriegsminister wegen Unfähig­keit seiner Charge entkleidet und zum Gemeinen degradiert. Jetzt ist der tschechischen Armee ge­holfen.

Dieser Tage hat in Prag eine eigenartige Par­lamentssitzung stattgefunden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses hat die gesamte Beamten­schaft des Hauses, die Tippmamsellen nicht ausge­nommen, in den Sitzungssaal beordert, um mit ihrer Hilfe eine Generalprobe mit einem neuen Mittel zur Bekämpfung der Opposition vorzunehmen. Die tschechischen Herren empfinden es sehr unangenehm, daß ihr Parlament überaus häufig der Schau­platz heftigster Lärmszenen ist. Mau könnte darin etwas wie eine ausgleichende Gerech­tigkeit spüren, denn die Tschechen waren es, die vor dreißig Jahren die sogenanntelärmende Ob­struktion" erfunden haben, nämlich das Erzeugen von Lärm zur Verhinderung der Parlamentssitzung. Diese Erfindung, die im Prager Landtag auspro­biert worden war, ist von den Tschechen später mit Erfolg im Wiener Reichsrat angewendel und in den Parlamenten aller Herren Länder mit mehr oder weniger Geschick nachgeahmt worden.

Allerdings hat sich Prag stets einen gewissen Vorrang gewahrt und das Lärmrnachen zur Spren­gung der Parlamentssitzung virtuos ausgebildet. Heute freilich, wo die Tschechen das 5)eft in der Hand haben, sind ihnen die Methoden parlamen­tarischer Opposition, die sie selbst in die Welt ge­setzt haben, höchst unbequem. Es ist ihnen peinlich, daß jetzt die Deutschen in Prag lärmende Ob­struktion betreiben und soviel Geräusch erzeugen, daß die Worte der Redner ungehört verhallen. Man hat sich bisher, so gut es ging, mit Geschäftsord­nungsmitteln beholfen. Lärmende Abgeordnete wur­den von der Sitzung ausgeschlossen und, wenn sie nicht freiwillig gingen, von der Parlamentspolizei aus dem Saale getrieben. Die Mehrheit hat aber feine Freude daran gehabt, denn Gewaltanwendung macht keinen günstigen Eindruck und die Tschechen wurmt es, daß die Opposition überhaupt die Mög­lichkeit hat, Sitzungen zu stören. Man kann ihr zwar nicht Maulkörbe umhängen, aber es sollte doch, so meinten die Parlamentstechniker, ein Mittel geben, um ungeachtet des Lärms die Sitzungen fortzusetzen und sich verständlich machen zu können.

Tatsächlich hat nun die Technik dieses Mittel ge­liefert: Den Lautsprecher. Im Prager Paria- mentssaal sind auf dem Tisch des Präsidenten und auf der Rednertribüne Mikrophone angebracht wor­den und an allen viex Ecken des Saales gähnen Schalltrichter. Die Probesitzung, die eben abgehalten wurde, hatte den Zweck festzuftellen, ob die Laut­sprecher den Obstruktionslärm übertönen. Aus Be­fehl des Präsidenten mußte die im Saal versammelte Beamtenschaft einen Höllenlärm vollführen. Dazu standen ihr nicht bloß die Lungen, sondern auch Kindertrompeten, Signalpfeifen, Ratschen und Holz­scheite für das beliebte Pultdeckelkonzert zur Ver­fügung. Ein Beamter mimte den Redner und sprach ins Mikrophon.

Die Generalprobe ist unbefriedigend aus­gefallen. Denn die Beamtenschaft hat sich der ihr zu­geteilten Aufgabe mit solchem Feuereifer unter­zogen, daß der Saal nur so dröhnte, und es er­wies sich, daß vier Lautsprecher diesen Lärm nicht übrtönen können. Dennoch ist das Parlamentsprä­sidium guter Laune und glaubt, auf dem richtigen Wege zu fein. Der Präsident hat angeordnet, daß noch weitere vier Lautsprecher aufzu­stellen find und er ist entschlossen, nötigenfalls die Decke des Sitzungssaales mit Lautsprechern pflastern iwin i im iirnri ' ----_ "~"'CTT

der Kunstdichtung des Sanskrit übernommen hat) überleitend sogleich die stilisierende Strenge des Priesterchors ins Scherzhafte wendet und das Märchendrama in naiver, alter Weise spielerisch an Zuschauer und Hörer heranträgt und in der vermittelnden Form des Prologs zum Herzstück des Ganzen hinführt, zum Spiel von Liebe und Leid und endlichem Glück der jungen Sakuntala, die im Priesterwalde, unfern der Einsiedelei Kanvas. das Herz des nordindischen Königs Duschjanta gewinnt, verliert und zum guten Ende wiederfindet und für immer behalten darf bis das große Richts Leben und Zeit und Raum in seinen dunkeln Schoß aufnimmt.

3n der Fassung Lauckners heben sich aus dem behaglichen, märchenhaft ausspinnenden, oft genug lyrisch unterbrochenen, erzählend gehemm­ten Fluß der Ereignisse, aus dem so ganz un- aktiven, indischen Geiste der Kontemplation und der Rirwanasehnsucht, bewegte und dramatische Szenen heraus, ohne ermüdende Längen und Breiten, in geschictter Konservierung des über­kommenen, zwanglosen Wechsels zwischen freier und gebundener Rede dem Inneren Stil der Dichtung glücklich sich anschmiegend. Diese Szenen­bilder fügen sich leicht zusammen zur lieblich­naturverschwisterten, weltlichen Legende, die erst in den letzten, ausklingenden Worten wieder zum Priestervorspiel und an die Ufer des heiligen Ganges zurückführt.

Will ich den Himmel, die Erde mit einem Ramen begreifen,

nenn ich, Sakontala, dich und so ist alles gesagt."

Das ist, in den Versen Goethes, Sakuntala, die als einfc andre Rausikaa mit ihren Gespie­linnen vom König Duschjanta überrascht wird, der sich auf der Jagd in den Einsiedelwald ver­lor. Sie sehn sich an und haben sich lieb, der junge König will sie als Gemahlin an seinen Hof nehmen und gibt ihr einen Ring mit fun­kelndem Stein, als ein Erkennungszeichen. Sa­kuntala aber, in Liebesseligkeit verloren, erzürnt einen bösen Waldgeist, Durvasas, den zornigen Heiligen, und verliert den Ring. Durvasas schleu­dert einen schlimmen Fluch gegen die Liebenden: über den König kommt, wie eine Vorahnung des Rirwanas, tiefe Vergessenheit: er weiß nichts mehr von der Geliebten, die man bräutlich ge­schmückt an seinen Hof führt. Er will nichts wissen von ihr und verstößt sie, die sich ohne

zu lassen. Seine Kalkulationen dürften wohl ftim- men. Die Technik hat noch immer die menschliche Straft überwunden und die Lungen der Opposition werden die Konkurrenz mit den Lautsprechern der

Regierung kaum aushalten. Der Lärm als parla­mentarisches Kampfmittel wird vom Lärm als Ab­wehrmittel niedergerungen werden.

Die Kraftpostlinie Giehen Kleebachtal

Dr. Th.

fall.

Ungestüms über die starre Kühle unter dem Fluch der Vergessenheit bis zur Läuterung und reuigen Rückkehr: beherrschte Gestaltung aus einem Guß. (Hiermit ist eigentlich schon alles zum Besten dieser Aufführung gesagt, die stets mit der Besetzung dieser beiden Rollen stehen und fallen wird.) Baste spielte den Hofnarren Mathavia, mit viel Bewegung, ohne doch den vom Dichter Wohl tiefer gelegten Gehalt dieser Figur auszuschöpfen. Schubert umgab den frommen Eremiten Kanva mit milder, priester­licher Würde: Auguste Marcks sehr warm und mütterlich als die Einsiedlerin Gantami. Von den Gespielinnen Sakuntalas kam Alix K rahm er dem Stil des Ganzen am nächsten. Teleky als berserkerhaster, in Wut entfesselter Wald­geist und W e h r l s Götterbvte Matali seien noch erwähnt. Das Haus war erfreulich besucht: man dankte mit sehr verdientem, herzlichen Bei­

den Ring nicht zu erkennen geben kann und zu Tode betrübt fortwandert, eine freudlose Witwe, das Königskind unter ihrem Herzen tragend. Aber da greifen, ganz im Stile des Märchens, die Himmlischen helfend ins irdische Geschehen: Matali, Indras Wagenlenker, führt den König über die Wolken in den heiligen Wald des Kaschjapa, wo er Sakuntala wiederfindet mit seinem kleinen Sohn, um sie nicht wieder von sich zu lassen. Mitten hinein in diese einfachen Dinge ist ein lärmendes, shakespearisierendes Rü­pelspiel gestellt, das, das Polykrates-Motiv vom wiedergefundenen Ring im Fischmagen behaglich ausspinnend, ein glückhaftes Ende des Schau­spiels vorbereitet.

Die Aufführung, vom Intendanten Hermann Stein goetter selbst geleitet, war eine schöne, in sich geschlossene Gabe, abgerundet und durch­gearbeitet, ganz auf die sanfte Heiterkeit und orientalische Märchenferne des Spiels eingestellt. Phantasie und einfühlendes Stilempfinden hatte die Bilder geschaffen, die (ebenso wie die Ko­stüme), nach den Intentionen Steingoetters von Löffler, Keim und Boeck entworfen, durch einen gemeinsamen, ornamentalen Rahmen zu- sammengefaht, bem Drama seine fremdländisch leuchtende, farbige, oft in bizarres Linienspiel aufgelöste Form gaben. Als besonders glücklich bewältigt seien der wechselnd von Sonne und Mond erhellte, phantastische Einsiedelwald und das prunkvolle Hofbild vor ttefviolettem Grunde genannt. Der den geschwungenen Rahmen füllende Vorhang war geschickt benutzt, um vom großen Spielfeld eine schmale Rekiefbühne für die unter­brechenden Intermezzi abzutrennen. Hier hätte übrigens auch die gefallene, zweite Vorsptelszene Raum gefunden. Aus dem vielgliedrigen Per­sonal der Dichtung sollen an dieser Stelle nur die wichtigsten Figuren herausgegriffen werden. Sa­kuntala war Susanne H e Y m. Sie gab diesem rührenden G.schöpf zwischen Mädchen und Weib die geschmeidige, ein wenig morbide Anmut und Zartheit der Stimme und der Bewegung, die scheue Sprödheit der ersten keuschen Begegnung, die schmerzliche Ergebenheit in Verstoßung und Abschied, und auch das Aufblühen im Glück des endlichen Wiederfindens. Reben ihr Hanke als König Duschjanta. Eine der reifsten Leistungen, die wir bisher von ihm gesehen haben. Stark und männlich im Ton, in Maske und Haltung, gesteigert aus der jugendlichen Glut Derliebten

Leihgaben

im Frankfurter Liebighaus.

In der Städtischen Galerie im Lie- -bighaus (Schaumainkai 71) sind für kurze Zeit drei Altartafeln aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus Privatbesih ausgestellt. Ihre Farben sind so schön erhalten, daß man glauben könnte, sie kämen eben erst aus der Werkstatt. Zwei Tafeln, die zusammen in ihrem oberen Kontur einen Spitzbogen bilden, sind beider­seitig bemalt. Aus der Vorderseite ist das Ma- rienleben, auf der Rückseite die Legende des hl. Severus, Bischofs von Ravenna, des Schutz­patrons der Weber und Tuchmacher dargestellt. Es find Flügel eines wohl nicht mehr erhaltenen Schnihaltars, der in den zwanziger Jahren des 15. Jahrhunderts entstanden ist. Die dritte Tafel, ein Altar-Mittelbild, hat die Anbetung der HI. drei Könige mit dem Stifter und seinen drei Frauen zum Thema. Sie ist wenig später, etwa gegen 1440 gemalt worden. Die bisher ganz unbekannten Bilder füllen eine erhebliche Lücke in der mittelrheinischen Kunstgeschichte, und wir­ken darüber hinaus durch die lebendignaive Form ihrer Erzählungsweise und ihre köstlichen Farben erquickend. Kein Kunstfreund sollte versäumen, diese seltene Gelegenheit zur Besichtigung sonst schwer zugänglicher Malereien dieser frühen Zeit wahrzunehmen.

aussichtslos ab; denn einmal werde diese Linie nicht rentabel fein, da sie auf der Strecke Groh.RechtenbachWetzlar starken Leerlauf infolge ungenügender Besetzung bringen werde, weiter würden durch diese Streckenführung andere Orle (Dornholzhausen, Niederkleen) unberücksichtigt blei­ben, schließlich aber fei auch ein Einspruch der Reichsbahn zu geroärtigen, die in dieser Linienfüh­rung eine Konkurrenz für die Eifenbahnstrecke Gie­ßenWetzlar sehen werde. Die Linie Nieder­kleenHochelheimGießen sei dagegen eine gute 3 u b r i n g e r l i n i c für d i e Reichsbahn.

Von Interesse war übrigens die Mitteilung des Bürgermeisters Schneider (Groß-Rechtenbach) über die wirtschaftliche Orientierung der hierbei in Betracht kommenden Gemeinden seiner Bürger­meisterei. Lützellinden, Hörnsheim und Hochelheim tendieren wirtschaftlich nach Gießen, lediglich für den Verkehr mit Behörden sind sie nach Wetzlar eingestellt, weil sie eben staatlich nach dorthin or­ganisiert sind. Dornholzhausen schwanke wirtschaft­lich zwischen Gießen, sodann Wetzlar und Butzbach, Niederkleen zwischen Butzbach, dann Gießen und schließlich Wetzlar. Groß-Rechtenbach tendiere wirt­schaftlich nach Wetzlar. (Diese Feststellungen des Herrn Bürgermeisters Schneider decken sich mit unseren Beobachtungen. D. Red.) Behördlich sei für alle diese Orte allerdings Wetzlar zuständig.

Die Fahrt-Gruppen

wurden wie folgt in Aussicht genommen: Vor­erst drei Fahrten täglich in beiden Rich­tungen; und zwar dergestalt: im Sommer etwa um 7 Uhr, im Winter gegen *8 Uhr früh in Gießen, damit die Reisenden hier die Anschlüsse an alle Morgenzüge erreichen, mithin gegen 6 bzw. 17 Uhr in Niederkleen ab; nach ungefähr einstündigem Aufenthalt in Gießen zurück nach Niederkleen, damit früh heimkehrende Landleute und Gießener Ein­wohner, außerdem aber die Post zeitig vormittags an ihren Zielpunkten im Kleebachtal eintreffen; mit­tags gegen j 12 Uhr in Niederkleen ab, gegen ZI Uhr in Gießen, von hier zurück gegen 1 Uhr mit den Schulkindern und sonstigen Personen; abends gegen 6 Uhr in Niederkleen ab, an Gießen etwa 7 Uhr, von hier zurück nach 10 Uhr, damit die Land­bewohner Gelegenheit erhalten, in Gießen das Theater, Konzerte ufw. zu besuchen. An den Markttagen in Gießen soll möglichst ver­stärkter Fahrdienst eingerichtet werden, außerdem will man darauf bedacht fei, die Marktwagen mög­lichst bis auf den Platz des Marktes zu fahren. Na­türlich ist das noch keine endgültige Festlegung des Fahrplanes.

Im weiteren Verlauf der Beratungen wurde noch eine vorläufige Abmachung hinsichtlich der Verteilung der Garantiesumme gegen­über der Reichspost erzielt. Hierüber haben nun die Gemeindekörperschaften zu bestimmen. Hervorzu­heben ist, daß nach den Erklärungen des Oberpost­rats Deutler die Reichspost noch nirgends die Garantiesumme in Anspruch genommen hat, daß diese Angelegenheit von der Postverwaltung stets mit weitestgehendem Entgegenkommen und Ver­ständnis für die Lage der Gemeinden behandelt wird, daß sie in der Hauptsache eigentlich nur for­meller Art ist. Von der Errichtung einer festen K r a s t w a g e n h a l l e soll einstweilen noch Abstand genommen werden, bis man die wirt­schaftlichen Bedingungen der Linie voll überblicken kann. Der vorläufige Ausgangspunkt Nieder­kleen soll jedoch für eine entsprechende Unterstell­möglichkeit für den Kraftwagen sorgen. Erst nach etwa Jahresfrist fei der Frage der Errichtung einer festen Halle näherzutreten.

Zufammenfassend ist zu sagen: Dank der guten Aufklärung und Beratung durch die Vertreter der Postbehörde und dem ernsten Willen aller Aus­schußmitglieder zu einer gedeihlichen Lösung der be-

Die Frage der Verkehrserschlietzung des Kleebachtales durch eine Postkraftwagen­linie ist gestern einen guten Schritt der Lösung nähergekommen. Der Fortschritt wurde in einer Sitzung des Derkehrsausschusses der beteiligten Gemeinden erzielt. Diesem Ausschuß, der unter dem Vorsitz bes Beia. Dr. Hamm- Gie­ßen arbeitet, gehören der Vorsitzende als Vertreter der Stadt Gießen, außerdem die Bürgermeister und Gemeindevorsteher der .Kleebachtalgemeinden und die Bürgermeister von Klein-Linden und Mendorf (Lahn) an.

Zu der gestrigen Sitzung, die nachmittags im Gießener Stadthaus stattsand, waren die Ausschuß- Mitglieder vollzählig erschienen, ferner waren zu­gegen Oberpoftrat Deutler (Darmstadt) als Ver­treter der Oberpostdirektion Darmstadt, Postdirektor Körber als Vertreter des Gießener Postamts, ein Vertreter des Landratsamts in Usingen, mehrere Gießener Stadtverordnete und ein Vertreter des Gießener Verkehrsvereins.

Zunächst wurde sehr eingehend die Frage ge­prüft, ob die geplante Postkraftwagenlinie von Gie­ßen bis nach Brandoberndorf geführt wer­den solle. Aus der vielseitigen Betrachtung des Für und Wider ergab sich schließlich, daß wirtschaft­liche Gründe, aber auch der als sicher in Aus- sicht stehende und wohl kaum abzuweisende Ein­spruch der Butzbach-Licher Eisenbahn es ratsam erscheinen lassen, die Linie nicht bis Brand- o6ernborf z u führen; in wirtschaftlicher Hinsicht ist mit der erforderlichen Frequenz des Kraftwagens in jener Gegend nicht zu rechnen; der Bahn-Einspruch würde eine sehr starke Position ijab^n, weil die Linie von Niederkleen bis Brand­oberndorf tatsächlich parallel zur Butzbach-Licher Eisenbahn laufe. Nach Lage der Dinge würde das Projekt allein schon daran scheitern, außerdem komme aber noch die mangelnde Rentabilität hinzu. Von diesen Erwägungen ausgehend, beschloß der Ausschuß einstimmig, die Linie von Gießen nur bis nach Niederkleen zu führen. Nachdem durch diesen Beschluß die Strecke Niederkleen Brand­oberndorf abgelehnt war, zogen sich die Vertreter der dortigen Orte aus dem Ausschuß zurück.

Die nächste Aufgabe des Ausschusses war, nun­mehr die Strecke für das neue Verkehrs­mittel festzulegen. Man sprach sich nach längerer Erörterung für' die nachstehende Streckenführung aus:

Niederkleen Dornholzhausen Hochelheim Hörnsheim westlich abbiegend nach Groh- Rechtenbach zu LützellindenMendorf, für diesen Ort ein Haltepunkt an der Strahen- gabelung zwischen Lühelinden und Mendorf

Klein-LindenGiehen.

Zum unmittelbaren Befahren Allendorss konnte man sich gestern noch nicht entschließen, da nach den Erklärungen mehrerer Herren die Der - bindungsstraße zwischen Allen darf und der Wetzlarer Chaussee wohl fest genug, aber nicht genügend breit i st; das Postauto könne zwar fahren, aber entgegenkommende Fuhr­werke hätten keine Möglichkeit des Ausweichens. Es wurde die Anregung gegeben, die Gemeinde Allen- darf solle auf die Schaffung genügender Aus­weichmöglichkeiten bedacht fein, dann könne die Frage des direkten Befahrens des Ortes erneut ge­prüft werden.

In diesem Zusammenhang beschäftigte man sich auch kurz mit der von Wetzlarer Inter- essentenseite ausgegangenen Anregung, eine Ring-Auto-Linie Wetzlar Höckel- heimGießen und umgekehrt zu schaf­fen. Diese Linie solle von zwei in Gießen und Wetzlar gleichzeitig abfahrenden Wagen befahren werden. Der Ausschuß lehnte die Weiter­verfolgung dieses Bors ch l a g e s als