früherer Sahre haben gelehrt, baß Mefc spüle Nachsaat unter Umständen besser durch den Winter tommt al« die schon kräftig entwickelte Frucht, bah dies« späte AuSsaat auch noch zufriedenstel' ler^e Ernten lieferte.
Kreis Büdingen.
" Büdingen, 16.Ion. Zu der am 81.3an. stattftndenden Bürgermei st erwähl erfahren mir noch folgendes: Die Zahl der um den Bürger- inetsterposten sich bewerbenden Personen hat sich vergrößert. Neben den bereits genannten Kan- dtdaten Müller -T Häring. Bildner und K o ch beabsichtigen, wie verlautet, noch zu kandidieren: 1. Techniker und Landwirt Wilhelm Schwarz, 2. Kaufmann Grün, 3. prakt. Arzt Dr. med. K a ft und 4. Hofjäger Schmück. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich noch mehr Bewerber aufftcUcn lassen werden. Der jetzige Bürgermeister Fendt beabsichtigt nicht mehr zu kandidieren.
!! Stockheim. 16. Ian. Hier schlachtete ein Landwirt einen Eber, der vier Pfund weniger al» sieben Zentner wog. Die flauer des Tiers hatten eine Länge von 15 Zentimeter.
△ Echzell. 16. San. Da die Reklamation sogen die erste Gemeinde ratswabl von Erfolg war. hatte eine zweit« Wahl stattzufinden. die ein« kleine Verschiebung brachte Während .zwei der Listen je einen Titz gewärmten, gingen zwei ander« leer auf.
Kreis Schotten.
lg. Gedern. 16. San. Gestern verunglückte durch Den Absturz von Gestein und gefrorenen Erdmassen in einem Stein- bruche bei Merienfritz der dort beschäftigte Arbeiter Richard Wiesner, so daß er mit schweren Verletzungen innerer und äußerer Art «Bruch beider Beinel dem hiesigen Kran kenhaus« zugeführt werden mußte.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
3 Wetzlar, 17. San. Di« wirtschaftliche Depression hat sich auch im neuen Sapr in tmfenn stark industriellen Bezirk weiter verschärft. Große Werke, wie Holl- inanm, Sung u. Co.. Röchling-Buderus usw. find tatst ganz zum Erliegen gekommen, oder arbeiten stark verkürzt und mit wenig Belegschaft. Bei den Buderr.»sworten stehen immer noch zwei Hochöfen im Feuer, dagegen ift mit dem Ruhen der Bau- tätigfeit die Arbeit bei deut Zementwerk und der Radiatorenfabrik sehr stark eingeschränkt. Auch der Bergbau ist bis auf wenige Gruben zum Gr» liegen gekommen und feiert. Bei den kleineren Betrieben ist genau dasselbe Bild. Die optisch- mechanische Snouftrie, die bekanntlich in unserer Stadt neben der Eistumdustrie eine der wichtigsten Erwerbszweige darstellt, hat zwar den größten Teil ihres früheren Auslandmarktes wieder gewonnen, doch sind die Breis« durch die im Kriege neu erstandene ausländische Konkurrenz und durch die hohen Zollmauern vieler Länder stark umstritten und nicht immer lohnend. Dazu kommt her 'Mangel am mobilem Kapital und der hohe Bankzins. der ein gesundes Hochkommen und «ine Der- besferung der Löhne verhindert. Die vorsichtige und gesunde Geschäftsführung der großen Werke in den letzten 3obren Hal glücklicherweise den hiesigen Bezirk wenigstens vor größeren Katastrophen bewahrt. Verhältnismäßig gut geht es noch der Haar- und Perücksnindustrie, die durch die vielen Reuerungen in her Mode und durch dqn Beginn der Fastnachtzeit ihre Betriebe auf- r«ht erhalten kann.
i Kreis Vicdcnkops.
r T Königsberg. 17. San. Sm kommen- Den Frühjahr wird die Gewerkschaft Mannesman n von ihrer Eisen sleingrube dahier eine etwa drei Kilometer lange Drahtseilbahn bis zum Bahnhof Bieber anlegen, um den Transport der Eisenerze zu verbilligen. -- Wie sich die Zeilen doch ändern! Vom Mittel' alter bis Anfang der 70er Sabre deö vorigen Sahrhunderts, als die ersten Hochöfen bei Wetzlar «ttslanden, wurde der Eisenstein per Achse auf unwirtlichen Wegen, vielfach sogar von Kühen gezogen, von hier nach der etwa acht Stunden entfernten LudwigShütte im oberen Lahntal gefahren. Der hiesige Dergbetrieb bildete nämlich mit dieser Hütte eine Sntcrcffen- gcmcinkbaft. Unsere Gemarkung ist, auf Eisen verliehen, ein einziges Grubenfeld, eine sogenannte Distriktverleihung, was sie mit den Ge-
Franziska.
Roman von Lies bet Dill.
46. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
GS ist mir nichts geschenkt worden, kein ,<u tun Hütt', ich ginge denselben Weg, ich hab' Sabre gehabt, die nur ein Kampf mit dem Ertrinken waren, aber wenn ich's noch einmal zu tun Hütt', ich ginge denselben Weg, ich hab doch ein Leben gelebt und hab der Welt et» tvas Ganzes geben dürfen. Denk nicht, daß mir das Auslöschen Kummer macht, es ist nur so plötzlich gekommen. Sch kann nicht mehr erleben und crleiöcn, und mein Ruhm wird niemals größer werden. Sch steh' oben, wo die großen Künstler- einmal stehen, aber nur für kurze Zeit. Dann kommen andere, und man muß ihnen Platz machen, die größer sind als wir."
Sie sprach leise, wie wenn man mit sich selber rodet. .Da« Abwürtssteigen ift viel schwerer. davor hab' ich Fuvcht, denn das ist ein Weg, von dem man weiß, wohin er führt. Uno vie cst heurcuse, quand eile commen^e par l’amour et qu’elle finit par l’ambition. Sch war glücklich und mein Ehrgeiz ist er« füllt."
Sie schloß die Augen, sie öffnete sie nicht mehr. Hasse erhob sich, et drückte ihr leicht die heiß« Hand. AIS er auf dem dicken, weichen Teppich au« dem Zimmer ging, war ihm sein .Kops wie benommen, e« war ihm. al« sei er noch einmal untergetaucht in eine ihm wohlbekannte parfümierte Welt.
Sobald er fort war. schellt« Franziska der Französin, die nebenan fast und nähte.
.^Saintc vierge! Void unc nouvellc!" sagte diese, und in dem verfteinten, aschgrauen Zofengesicht prägte sich etwas wie Erschütterung au«, als sie von der Operation vernahm. Die gehörte zu denen, für die operiert werden das Ende bedeutet. Das Fräulein gebot. Schreib' , cug zu bringen, und begann ihr zu diktieren, Geschäftsbriefe an den Sntenbanten, den Regisseur, an ein« Garderobiere, der ein Fünf- inarckschein eingelegt wurde.
marfungen Leifa, Afffeld und Römer-Hausen im Kreise Biedenkopf gleich hat. Alle gehörten mit bei- LudwigShütte früher her Krone von Hessen, später dem Staat. Dieser verpachtete 1825 seinen Besitz an den Ober-hessischen Hüttepverein, her im Sabre 1828 feine Rechte an den Hessen-Ras säuischen Hüttenverein abtrat. Letzterer erwarb 1835 den ganzen Grubenbesitz mit der Ludwigs- Hütte käuflich. 1920 ging die Giseuerzgewinnung in unserer Gemarkung durch Kauf an die Firma Mannesmann über.
bl. Bischoffen, 16. Ian. Dieser Tage weilte eine B a u k o m m i s si o n unter Führung des Kreisbalimeister» von Biedenkopf hier, um die Vorarbeiten zum Bau einer Provinzial st raße zwischen unferm Dorf und der Nachbarge- meinbe Uebernthal in die Wege zu leiten. Man hat die neue Straste besichtigt und abgestochen. Zur Zeit stellt ein Feldweg die Verbindung zwischen bei den Orten dar. Der gesteigerte Verkehr brachte es mit sich, daß dem längst gehegten Plan näherge treten wurde. Man hofft, dast baldmöglichst nut den Arbeiten angefangen werden Fann, umsomehr, da ein Teil der Arbeitslosen dabei Beschäftigung fin den wird. Der Bau erfolat durch den Unternehmer Schmidt von Eifenroty. Zwischen unserer Gemeinde und dem Nachbarort Offenbach wird im Laufe
des Jahres ebenfalls die Straße mit neuem Klein- schIa g instandgesetzt. Die Steine lagern schon seit längerer Zeit an Ort und Stelle. Wie notwendig die Mqßnahmen sind, beweisen die vielen a u s gefahrenen M ii 1 d e n in der Straßendecke, die den Verkehr empfindlich stören.
DillkreiS.
bl. Dillenburg, 16. Jan. Die Erwerbs- losen Ziffer des Dillkreises erfuhr jüngst eine Steigerung um etwa 2 00 Personen, so daß heute Über 13 00 Mann erwerbslos sind. Ein Teil von ihnen verrichtet Notstands- arbeiten.
bl. Herborn, 16. Jan. Der 7. Staffan» i i d) e Sauern tag findet nach einem Beschluß der Kreisbauernschast des Dillkreifcs vom 17. bis 2 0. Juli in unseren Manern statt.
bl. Herbornseelbach, 16. Ja». Die Gemeinde beabsichtigt, das Schulgebäude zu erweitern. Mit der Erweiterung sollen and) neue Lehrerdten st Wohnungen geschaffen werden. Wann der Plan zur Ausführung gelangt, steht noch nicht fest. Der Turnverein erbaut eine neue Tu r n b a U e. Das Gebäude steht jetzt im Fundament da. Man hofft, in diesem Jahre den Ban zu vollenden.
Turnen, Sport und Spiel.
Deutsche Kampsspiele, das Volksfest aller Deutschen.
CÖDit sind. phil. Elisabeth Poll" Köln/)
-Sch habe was verloren - und weiß nicht wa«! ."fingen die Kinder auf her Straße und tanzen dazu den Ringelreihen. Das ist ein alte« deutsches Kinderlieb, also zutiefst aus der deutschen Volksseele geboren, und heute klingt e« mehr denn je im deutschen Volke: „Wir haben wa« verloren. . . .** — uns selbst, unser alte« starke« VolkStum. die deutsche Seele. Snr innerit Drange, dunkel unbewußt unb doch sicher geht nun die neue Sugend ihren geraden Weg. das Verlorene zu suchen. Der ganze Mensch, froh und stark im Spiel feiner Körper- und Geisteskräfte. mitten in der freien Natur, ein bewußte« Glied ihrer selbst, ist wieder das Sbeal geworden. Gin Heimweg ist also der Weg der Sugend. wieder zurück zu altgermanischem Volksgut, zurück zu todenbaftem Menschentum
So ft eben die Kampfspiele am Rhein als große leuchtende Erwartung vor uns. Da muh sich zeigen, ob Deutschlands Sugend stark und gesund genug ist. die schwere Vergangenheit zu tragen, ob sie hart und edel genug ist. toeiler- zuschreiten in eine neue Zeit. Ein frohes Ringen und Messen der Kräfte wird eS sein, und doch steht hinter allem das ernste Bewußtsein her Verantwortung. Kein Schau Piel, sondern innere» Erleben wird es sein, auch für die Zuschauer. Es ift ja nicht wie bei den Römern, da fremde Gladiatoren zur Unterhaltung einer sensationslüsternen Menge auf treten; deutsche Sagend ist es, die um den Eichenkranz ringt. Vielleicht wird sogar der ringefleischte. behäbige Philister viel zu staunen und zu lernen haben; denn der segensreiche Einfluß der Leibesübungen auf Körper und Geist drängt sich so stark auf, daß man sich ihm einfach nicht verschließen kann. Man braucht nicht einmal Künstler zu fein und hat doch seine belle Freude an den schönen, harmonisch gebildeten Menschen mit den starken freien Bewegungen, denen Gesundheit, Frohsinn und Tatkraft aus den Augen leuchten. Doch ist Schönheit gar nicht Selbstzweck, sondern nur ein köstliches Rebengeschenk. Leibesübungen in her rechten Weise betrieben, machen den Leib zu einem willfährigen Werkzeug der Seele, zu einer feinen Harfe, die alle «Stimmungen und Klänge der Seele, auch die ganj leisen, feinen getreulich mitklingt; denn sie machen die Sinne wach und hellhörig unb den Willen straff und zäh. Diese Erkenntnis in immer weitere Volks- freife zu bringen, ist eine der schönsten Aufgaben der Kampf spiele! Und wahrlich, „sie ist des Schweißes der Edlen wert". Das Vaterland braucht heule mehr denn je gefunbe. starke Männer, die das Höchste leisten und froh-starke,
*) Dieser Aussatz wurde bei dem literarischen Kampsspielwettbewerb mit dem 1. Preis ausgezeichnet. D. Red.
gesunde Mädchen, die Mutter eines neuen, besseren Geschlechtes.
Frohe Erwartung bedeuten die Kampfspiele, aber auch eine schöne, große Ausgabe. Sie sollen dem deutschen Volke herbe, gesunde Kost fein, so daß jedem der Sinn ausgeht für echtes Volkstum. Frohe Wettspiele im Kamps mit Wind und Wellen, bcizu unsere schönen, alten Volks" tanze, das sind Freudenquellen, wie sie das arme und doch zutiefst noch reiche deutsche Volk braucht. Der natürliche Sinn fühlt sich angeekelt voll dem gewöhnlichen „Tingel-Tangel", der Leib und Seele langsam zerrüttet in dumpfen Tanz- lokalen. wo Rauch und Alkoholdunst den freien Atem Io seltsam bedrücken Ein Fest im echten Sinne des Worte« sollen die Kampfspiele sein, ein Fest, das frei macht vom Druck der Arbeit, von neroenaufrelbcnber Hast, das Ruhen und Atemholen für neue« Schassen zugleich ist
Ein Fest fetzt Gemeinschaft voraus und erzieht dazu. Schon die Griechen kaimten die große einigende Kraft, die in den Festspielen liegt. Der Turn- und Spielplatz ist ja leider für und Deutsche säst das einzige „neutrale" Gebiet geworden. Ob einer reich oder arm. jung oder alt, rechts- oder linksstehend ist. spielt doch keine Rolle, memt er nur Herz und Hand auf dem rechten Fleck und gesunde Sinne hat. ein „echter Teut- -lcher" ist. um mit Vater Sahn zu reden. Gin Volksfest aller Deutschen am Rhein, am freien Rhein soll es werden. Das ist der tiefste Sinn der Kampfspiele. Ein starkes, innige« Band sollen sie sein, das deutsche Sugend. deutsche« Volk zusammenschweißt zu gemeinsamer Arbeit in Zucht und Freude am Wiederaufbau einer neuen Well. — unb Bader Rhein rauscht ein tiefe«, frohe« »Urnen!'' dazu.
Der Reichspräsident für die Kampfspiele.
vo. Der Reichspräsident von Hmdenburg hat dem Ausschuß für die Deutschen Kampfspiel« 1926 in Köln folgende« Schreiben gesandt:
..Den Deutschen Kampfspielen wünsche ich vollen Erfolg! Mögen sie die tum- unb sport- tüchtige Sugenb des deutschen Volke« au« allen Dellen der Welt in friedlichem Wettkampfe Vereinen und zur Stärkung de« sportlichen Geiste« sowie deS deutschen Dolksbewuchtseins beitragen.
Veranstalter der Kampfspiele 1926 ist die altehrwürdige Stadt Köln. Shvem Ruf zur ersten großen deutschen Tagung nach Befreiung von fremder Besatzung folgt srohgesinnt die deutsche Sugend. Der herrlichen Stadt am Rhein und allen Mittvirkenden Glückauf zu wackerer Tat! b. Hindenburg."
Deutsche Kampsspiele 1926.
Auch dec Süddeutsch« t. A v. lehnt die Beteiligung ab?
uo. Vor kurzem batte der Norddeutsche Fußball- Vcrband gegen die hohen Meldegebühren bei den Ausschreibungen der Deutschen Kampfspiele 1926
„Sn einem Brief?" fragte die Zofe.
„Sa, im Brief. Heben Sie nut die Marke drauf. Sn Deutschland kommt jeder Brief an. Die Rechnungen dort, sie wies auf ein Bündel Papiere, das in einem Umschlag steckte, bezahlen Sie morgen. Dann", sie besann sich einen Augenblick und bi tuet le ein paar französische Worte an den Generalmusikdirektor Mariot in Dresden. Alles Absagen, dachte die Zofe mit Bedauern. „Sagen Sie dem Wirt, daß die Zimmer frei würden, er wird froh fein, mich lo« zu werden. So, und nun legen Sie mir den Pelzmantel über, e« ist falt.“
Die Zofe deckte den Zobel über Franziskas Körper, der leicht fröstelte, unb nachdem Franziska ihr versichert hatte, sie brauche nicht« mehr, entfernte sie sich mit der Depesche.
Franziska lag und sah zur Decke auf. Der Plafond war mit Amoretten bemalt, die sich an den Händen hielten, blaue Bänder mit großen Schleifen schlangen sich durch dicke rosa Gir- lanben, und es glitt ihr traumhaft durch die Erinnerung jener Tag, da sie auch an so eine Decke starrte unb dachte, es ist aus... festgehalten von zwei eisernen Händen, niedergeworsen auf den Teppich, vor ihren Augen blintte her kleine Waffenlauf. Dieser Tag hatte sich in ihrem Gri>ächtni« eingegraben, und heut stand er wieder deutlich vor ihr. Mit ihrem Eintritt in die große rauchige Bahnhofshalle, als sie daS Theater auf dem freien Platz erblickte, lebten jene verklungenen Töne in ihr wieder auf und fingen an zu klingen. Es war ihr, als hätte sie sich verwandelt, sei zehn Sahre jünger geworben und säße an dem Weiher unb füttere die Schwäne, unb er trat zu ihr. Sie sah ihn in seinem hechtgrauen, knappen Anzug, die Nelke im Knopfloch. Er lüftete artig den Hut Diese ritterliche Bewegmig hatte sie für ihn gewonnen, sie hatte einen flarfen Sinn für Ritterlichkeit, man fand sie so selten... eigentlich ritterlich waren nur die Deutschen. Als er sie zum letztenmal gegrüßt, am Bahnhof, hatte er den Hut gezogen, tief und ohne Achtung. Das ging ihr lange nach. — Run hatte der Zufall sie in diese alte Stadt zurückgebracht, Wenns einen Zufall gab. wenn s nicht daS Schicksal bestimmt batte vor langer Zeit
Die Worte der Zigeunerin sielen ihr ein. Sie war nie mehr gekommen, sie war tot. Merkwürdig. Sie erhob sich im Bett unb starrte in« Dunkel mit starren Augen. Shre Worte, ihre Prophezeiung: der. den sie liebte, dessen Haitd. . Aber nein, sie liebte ihn ia nicht mehr. .
Die Zofe hat ein unb meldete den Wagen.
„Madame hat wohl wieder Schmerzen?'' fragte sie mitleidig, und, von grausamer Nen- gteibe erfüllt, betrachtete sie ihre in Spitzen und Pelz gehüllte Dame... Franziska reckte beide Hände au« und sagte, indem sie die Hände deS Mädchens verzweifelt ergriff: „Großer Golt, waS Sie für kalte Hände haben, mein Kopf glüht wie Feuer. Sch Ijabe Schmerzen." — „Sie werden vergehen," tröstete die Sungfer, „er wird Shnen helfen, er ist ein großer Arzt."
Sn diesem Augenblick klopfte eL an die Tür, und Erinnerungen unb alle« verklangen unb verstummten.
Die vier Henkersknechte traten ein, sie wurde in den Sobel gehüllt unb über eine enge Hintertreppe hinausgetragen. Sm Garten hielt das Krankenauto^ der Pikkolo unb bet Koch standen daneben. Man hatte ihr ein Taschentuch über das Gesicht gelegt, ober sie warf es fort, sie wollte sehen, wohin sie gebracht wurde. Die Fahrt war lang, cs war ihr, als ob sie auf lauter Stacheln gebettet läge. Die Sungfer hielt sie mit jenem Ausdruck der Grausamkeit, die Menschen haben, wenn sie eine llnglückSnach- richt überbringen, die aber wohl menschlich sein muß. beim alle tragen denselben Ausdruck im Gesicht. Eine Stunde später wurde Franziska in Öen hellen Operationssaal gefahren.
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Franziska brauchte viel Ehlorosorrn, immer sprach sie iroch unter- der MaSke. „ Fangen Die nur noch nicht an, ich bin noch ganz wach", sagt« sie mit halberstickter Stimme. „Wenn ich etwas Dummes sag', halten Sie mir bitte den Mund zu", bat sie die Schwester, die hinter ihr stand. Endlich hörte sie auf zu sprechen.
Hasse hatte seine Hoffnung auf ihr gesundes Blut, ihre Straft, ihre Verven, ihre robuste Ratnr gesetzt, aber da«. Gift war langsam in
protestiert, indem er erklärte, bei derartig hohe» Gebühren evtl, auf eine Teilnahme an den Kampf spielen überhaupt verzichten zu müssen. Jetzt folgt aud) der Süddeutjche Verband für Leichtathletik, der in seiner Verbandstagung in Stuttgart beschlossen hat, eine Beteiligung an den Kampfspielen unter den jetzigen Ausschreibungsbedingungen abzulehnen- da die finanziellen Lasten für Meldegebühren für die Verbände untragbar seien. Gleich dem Nord' deutsd)cn Fußball-Verband wird nicht allein Ge--- bührensreiheit verlangt, sondern auch der Forderung zugestimmt, Üostenzufchüsse ans den Ileberfchussen der Kampsspiele zu erhalten.
Kampsspiel-Werbelag.
Der in diesem Sahr an Stelle des Spiel* platz-Werbetages abzuhallende „Kampfspiel- Werbetag" ist nunmehr auf den 16. M a i feft« gelegt wordeir. ein Termin, den Verbände unb Vereine auch bei der Festlegung ihres Veranstaltungs-Kalenders zu beachten haben.
4. Iahnschwimmen der Deutschen Turnerschaft.
Die Deutsche Tuknerfchast eröffnet ihre Weti- lainpse im Schwimmen alljährlich mit dem Iahn- schwimmen in Halle a. d. S. Zum vierten Male treffen sich am 13. und 14. Februar die Turner- schlvirnmer in Halle. So wie das Schwimmen in der D. T. mit jedem Sahre mehr Freunde gewinnt, so wird aud) das Iahnschwimmen in Halle jedes Jahr stärker besucht. Aus allen Kreisen kommen die Tur-- nerschwimmer dort zusammen, um im Wettkampf ihre Kräfte zu messen. Schwimmer aus Hamburg, Kiel, Bremen, Leipzig, Dresden, Offenbach und viele andere sind ständige Teilnehmer. In diesem Jahre wird sid) auch der Turnverein von 18 46 Gießen mit seiner Turnerinnenstaffel zum ersten Male an dem Iahnschwimmen beteiligen.
Fußball in Gießen.
D. f. B. Gießen—Sportverein 98 Darmstadt \ 3:4 (1:1).
ö. Der Qlame »Sportverein Darmstadt" iyatte fein« Anziehungskraft nicht verfehlt, denn «6 hatte sich eine für Gießen ganz ansehnliche Zuschauerzahl auf dem Walbsportplatz eingefunben. Den Darmstädtern ging ein guter Ruf voran«, hatten sie doch in ihren Gesellschaftsspielen beachtenswerte Resultate erzielt, wenn sie auch in den VerbanbSspielen sich noch auf den drittletzten Platz in der Tabelle retten konnten unb so trorm Abstieg bewahrt sind. Sn unserem Bezirk würden sie sicherlich mit an führender Stelle stehen, aber in der Mannheimer Gegend ist bie Spielstarke eine ganz andere; dort sind gegen Vereine wie V. f. R Neckarau. Waldhof unb Phönix Ludwigshafen schlecht Lorbeeren zu holen. Aachdem die beiden Spielführer, hier ein Türke, da ein Ungar, gelost hatten, stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter Z u tt vom S. C. v. 1900 Gießen.
V. f. D. trat komplett an, bei den Darmstädtern fehlten Sacobi auf halblinks unb Stephan I. in der Verteidigung. Der gefürchtete Halbrechte M ü l l m e r st a d t ist nicht mehr Mitglied de« Verein«.
Mit dem Angriff beS Schiedsrichters beginnt ein flotte« Spiel, bei dem sich V. f. D. eher zurecht findet unb verschiedene gefährliche Angriffe ein« leitet, die aber an der Verteidigung de« Gegners scheitern, oder von dem sich noch nicht richtig verstehenden D. f. B.-Sturm verschossen werben. E« hat den Anschein, al« wenn Darmstadt mit einer Niederlage nach Hause mühte, beim D. f. E. ist sehr eifrig und drängt beängstigend. Darmstadt kann aber diese bangen Minuten glücklich überstehen, denn nun finden auch sie sich unb kommen vor da« Gießener Tvr. Nach 20 Minuten kann auch Darmstadt, infolge schlechter Abwehr, durch seinen ungarischen Mittelstürmer ba« erste Tor erzielen. Weiter geht ber Kampf, in dem nun die Residenzler besonders durch ihre gute Körperbeherrschung und ihr wirklich vorzügliche« Kopsspiel auffallen. Während ber V. f. D. mehr ba« Snnenspiel pflegt, gibt ber Ungar weite Vorlagen an seine Flügel, die denn auch immer vor dem V. f. D.-Tor gefährlich werden.
Bald bekommt Darmstabt einen Handelfmeter ?ugesprochen, der aber nicht verwandelt werden oimte. denn Stephan, ber Elfmeterschütze, war ja nicht mit von ber Partei. Gießen, bas sich öfters gut durchspielt, erzielt in ber 42. Minute das längst verdiente Ausgleichstor. Der Schuft bleibt hinter der Torlinie im Schnee stecken unb
ihren weihen, festen, gesunden Körper gedrungen» es war zu spät...
Das Messer des Chirurgen konnte nicht alle« ausräumen, was davon angegriffen war. Trotzdem hoffte er noch unb bemühte sich, bas Herz zu erhalten. "Dann wurde sie heraufgefobren. Hasse stand im Flur mit dem Assistenten, al« Franziskas Wagen in den List geschoben wurde. Qioxf) im Chlorosormschlas, flach arrsgestreckt die Glieder-, von dem grünlichen Licht beschattet lag sie da. Sfji dichtes, schönes Haar fiel halb- gelöst von ihren Schultern herab, bi« Arme lagen schlaff ausgestreckt neben ihr. Sie sah nicht mehr blühend unb verführerisch aus, aber größer, ruhig und edel. Er sah ihr nach, wie sie in dem schwebenden Fahrstuhl in die Höhe glitt. Wie oft, dachte er, ist sie so auf der Bühne in die Unterwelt gefahren, bleich ge- schminkt zu ihrer letzten^ Fahrt...
Er fuhr nach Hause und kam gerade zurecht, als der Gärtner die großen Lorbeerbäume auö dem Flur tragen wollte. „Setzt können Sie sie stehen lassen", sagte der Chirurg und schritt an dem alten Mann vorbei.
Er tarn als sein letzter Gast. Die Ein- geladenen waren längst oerfanundt und ertoar- tclcn den Hausherrn schon im Salon.
„Die Herren Chirurgen brauchen sich nicht xu entschuldigen," sagte der innere Worth, ber die Honneurs machte, als Hasse im Frack «in- trat, „es ist ja zum Nutzen der Menschheit, wenn sie nicht einmal Zeit haben, ihre eigenen Mahlzeiten einzunehmen."
Der solgende Tag war für eine Konsul* tation in Mannheim angesetzt. Hasse fuhr schon bei Tagesgrauen fori. Aber er reiste mit Unruhe ab. Cs war ihm unangenehm, daß er gestern Sekt getrunken unb zu den Späßen der Klubmitglieder gelacht hatte. — ' Wie der 'Beruf abftumpfte, in dem das Sterben kaum noch etwas anderes bedeutete, als einen Fall, ber einem zu spät präsentiert worden war, oder von vornherein unheilbar gemefen. Als ev des Nachmittags zurückkehrte, meldete ihm bie. bloiibc Pförtuerschwester, daß bei der gestern Operierten, Zimmer Nr 24, vor einer Stunde ba« Ende eingetreten sei. s Fortsetzung folgt)


