m. 14 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Gberhesfen)
Montag, 18. Zanuar 1926
unserer
ver
war
kam in unserem schonen Gotteshaus der zweite
Vorführung.
die beliebten Armeemärsche
türlich fehlten auch
des Komponisten nicht, der
ist nicht
solchen Veranstaltungen bezeugt.
16. Jan. Im Saale
AN-endvrf a. d. Lda.
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fall ausgenommen.
B. RodhSim
Zuerst für die Schulkinder, dann für Erwachsene. Sie war von den Kindern gut besucht. Für Erwachsene bot die Kirche noch manchen freien Platz, und man dürfte wünschen, daß mar seine Anerkennung für die Liebesarbeit, die Bethel und seine Tochteranstalten für unsere unglücklichen Mitmenschen leisten, durch die Teilnahme an
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Schäfer- hündin eingeit. ^tominb.,DTei§njen 4U verkauien M __ Mauöbinli 12.
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bereit, als die große soziale Frage austauchte, hier das erlösende Wort zu sprechen und so den Marxismus unnötig zu machen. Das erkannte Söder- blom wie so mancher, aber er hielt nicht bloß Dorträge über „Sie Religion und die soziale Ent- wickluna", „Das Problem der Religion in Katholizismus und Protestantismus", u. o., sondern er handelte. Sein Werk über „Jesu Bergpredigt und unsere Zeit" schrieb er in einer Holzhutte vor einet
SS»
Parlamentarisches aus Hessen.
Der Abg. Dr. Riepoth (Deutsche Volks-- Partei) beantragt mit Unterstützung der Abgg. Jost, Blaick und Dr. Werner, die Regierung zu ersuchen, alle Maßnahmen zu treffen, damit die Landeshtzpothekenbank in aller Kürze, möglichst vor dem 1. Februar, ihr Hypotheken- geichäft wieder aufnehmen kann. Der Mangel an l a n g f r i st i g e m Kredit, der besonders für die Landwirtschaft eine Lebensfrage bedeutet, ist bekannt. Während die anderen Hypothekenbanken ihre Tätigkeit mit gutem Erfolg längst aufgenommen haben, hat die Hess. Hypothekenbank keinerlei neuen Geschäfte gemacht, anscheinend veranlaßt durch die Verhandlungen wegen eines 3uf ammenschlus - ses der öffentlichen Kreditinstitute in Hessen. Da bei dem jetzigen Stand der Verhandlungen gar nicht abzusehen ist, ob und wann eine Einigung in dieser Frage erzielt wird, muß eine längere Untätigkeit der Hypothekenbank schwere Rachteile im Gefolge haben. Um die in Gang befindlichen Verschmelzungsverhandlungen nicht zu stören, haben wir davon abgesehen, zu verlangen, daß die Hypo- thekenbaitt sofort auch Kommunalobligationen ausgeben soll.
von Karl Rullmann sand ein Gemeindeabend statt, an dem der bekannte Burenkommandant Koos 9 o o ft e vor einem großen Kreise von Zuhörern sprechen sollte. Rach Begrüßungsworten des Ortsgeistlichen, der zu deni Vortrag eingeladen hatte, eröffnete der Gesangverein „Ein tracht" den Abend mit einem Lied vorn deutschen Rhein. Sodann berichtete Koos Iooste, der hier noch ein Fremder war, in der ihm eigenen kernigen, humorvollen Art über seine Erlebnisse in seiner alten und neuen Heimat. Der Gesangverein, der in Vertretung seines Dirigenten von dem Vereins- Mitglied und Kirchenvorftaiid Richard Hofmann leitet wurde, erfreute noch mit mehreren Liedern dis Erschienenen. Deren Dank an den Redner sprach Bürgermeister Richard Vorbach aus und schloß mit dein Wunsche, daß der Abend mit beitragen möge zur Pflege deutscher und christlicher Art.
t Ausder Wetterau, 16. 3an. Als vor acht Tagen die unnatürlich warme Witterung, die der ersten Kälteperiode dieses Winters gefolgt, wieder von plötzlich auftretenden Frösten abgelöst wurde, war der Landwirt von Besorgnis um feine Wintersaaten erfüllt. Die S a a t e n, die heuer einen selten schönen Stand zeigen, haben in der Tat zum Teil unter dem Frostwetter der letzten Rächte bereits gelitten, besonders in &en Tagen, die tagsüber von der Wintersonne stark beschienen waren. Der Boden taute auf. und die Rachfröste hoben die junge Saat mit ihrem Wurzelwerk aus der Erde. Der Landmann ist deshalb hoch erfreut über den heutigen Schneefall, der der Saat wieder ein schützendes Winterkleid gegeben hat und ein weiteres Aus- tointern verhüten wird. Von einem beträchtlichen Schaden kann man da sprechen, wo das Hochwasser auch auf die Ackerfluren übergegriffen hat. die mit Eintritt des neuerlichen Frostwetters noch unter Wasser standen oder sich zunächst nsdt in einem morastigen Zustand befanden. Auf diesen Feldern dürst? das gesamte Wintergetreide vernichtet sein. — Die „Zwischen- eiszeit" mit ihrem milden Wetter hat der Land- martn übrigens fleißig dazu ausgenuht, um rückständige Arbeiten zu erledigen. 3n den höheren Lagen der Gemartungen wurden allenthalben gepflügt, und „zwischen den 3ahren" und in dm ersten Tagen des neuen 3ahres mußte his und da auch noch ein Weizenacker bestellt werden, der vor dem ersten Feste nicht mehr an die Reihe kommen konnte. Die Erfahrungen
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Kirche kam der 2. Teil des Bethelfilmes zur Vorführung. Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, was bieic lebenden Bilder erzählen. Wer noch ein Herz für arme verstoßene Menschen hat, muß diesen Film sehen. Entsprechend dem Wert dieses Werkes hätte der Be'uch von weiten unserer Gemeinde besser
3an. Gestern abend
Herrn»
Neue^ An^*Z
der nordfranzösischen Hafenstädte, in dec er mitten unter den Arbeitern wohnte, um sein Nebenamt als Seemannspastor richtig ausüben zu können. Dann aber, als der große Zusammenbruch 1914 bis 1918 gekommen war, erhob er laut seine Stimme und beschwor das Ideal der christlichen Einheit mit einer solchen Macht herauf, daß es seit dem „Frieden" (toic_ er ihn meist schrieb), wie ein verheißungsvoller Stern aufging und immer mehr verzweifelnden Trost und Hoffnung brachte, bis sich die Entschlossensten schließlich zusammen- scharten und das „Weltkonzil für praktisches Christentum" nach Stockholm beriefen, das dann auch tatsächlich im August 1925 statt- gefunden hat. Wer das miterlebt hat, der weiß fo recht, welche ungeheueren Schwierigkeiten noch zu überwinden sind, bis die Menschen wieder einig und bereit sind, sich der Herrschaft Christi zu beugen der hat aber auch erfahren, welche Kraft entfaltet werden kann, wenn alle die, welche guten Willens sind, fest zusammenstehen, um die Welt aus dem Verderben zu retten. Mit „Stockholm 1925 ist die Welt tatsächlich um eine große Hoffnung reicher geworden^ die uns wieder Mut gibt, den Kamps des Lebens weiterzukämpfen. Söderblom aber, der geniale Erzbischof der Schweden ist nicht nur der Vater dieses Gedankens gewesen, sondern er hat ihn auch der Verwirklichung um ein so bedeutender Stück entgegengeführt. So ist es wirklich geziemend daß wir an seinem 60. Geburtstag ferner m Dankbarkeit und Verehrung gedenken.
genug, daß man Opfer bringt für das große Wcr^ der inneren Mission, die ja auch in unserer Gemeinde schon im Herbst reichlich flössen, man soll sich auch über die Verwendung vergewissern und die hingebende, aufopfernde Arbeit der Schwestern und Brüder für dies camen Epileptischen kennen lernen. Wie Pastor Dodelschw'.ngh auch für die 3etztzeit schon väterlich sorgte, zeigte uns der Film „Hoffnungstal, eine Zuflucht für Hoffnungslose". Erschütternde, unvergeßliche Bilder führte uns dieser Film vor die Augen, und wenn von dielen Tlnglücklichen nur ein Prozentsatz sich, wieder findet, so müssen wir dem segensreichen Wirken dieser Anstalt unsere höchste Anerkennung zollen. Die ganze Veranstaltung war eine echte Feierstunde, umrahmt von Ansprachen, durchflochten von schonen Gesängen, und wird aller Herzen zu freudigem Geben für Bethel und auch unsere hessische Anstalt Rieder-Ram- stadt erträumt haben.
— Dau bringen, 16. Jan. Ein hiesiger Einwohner hatte in den letzten kalten Tagen ein merkwürdiges Naturerlebnis, das wohl mehr als seltsam zu bezeichnen ist. In der Nähe der Eisenbahnhaltestelle fand er in dein iumpfigen Wiesengelände ein Wasserhuhn im Eise angefroren, das fast erstark, aber doch noch Leben zeigte. Nachdem er es vorsichtig aus der eisigen Falle entfernt und einige Tage in seinem Wohnzimmer „aufgetaut" hatte, gab er dem seltenen Gast die Freiheit wieder.
aber doch, wie wir sahen, auch tiefes Verständnis für fremdes Volkstum. „Was deutscher Idealismus, deutsche evangelische Glaubenskraft und deutsche Forschung für unsere Kultur und besonders das Christentum bedeuten, ist nicht leicht zu sagen", schreibt er einmal. Ebenso weiß er fran- zösi'ches und englisches Wesen in seiner Arr zu schätzen, wie er auch ihre Sprachen wie seine eigene spricht. Kein Wunder, denn er bat in Orford zum Studium geweilt, war in Paris Gesandtschaftsprediger und in Leipzig Professor der -heologie. Sein umfassender Geist steht auf die Zuiannnen- hänge, erkennt mehr das Einigende, als das .r.rennende. Darauf beruht denn auch feine größte Be- beU£>ennn wie der Weltkrieg die europäischen Kulturvölker aufs furchtbarste entzweit hat, so haben sich die vielen christlichen Kirchen durch die Jahrhunderte bekämpft und darum feine eimgenbe, versöhnende Kraft unter die Völker gebracht. Christus aber batte non seinem Vater erbeten, daß ferne Jiinaer alle eins feien, lind wie die Christen diese
slossenen Woche tagte an mehreren Tagen die F e ! d b e r e i n i g u n g s k o m m i s s i o n zwecks Regelung einer großen Anzahl von Reklamationen wegen nachträglicher enormer Erhöhung des zu zahlenden Betrages für überwiesenes Gelände. Die Versteigerung der M a j s e n g r u n d ft ü ck e im verflossenen Jahre hatten einen Durchschnittserlös von ungefähr 180 Prozent gegenüber des bei der Bonitierung festgesetzten Preises für Land gleicher Güte ergeben. Dieser Prozentsatz war den Beteiligten, die Zahlungen für überwiesenes Gelände zu leisten hatten, auf die erstmalig festgesetzte Summe aufgewertet. Fast alle an der Feldbereinigung Beteiligten baten gegen dieses Verfahren reklamiert, weil die Massengrundstücksversteigerungen Preise erzielt hatetn, die bei Barzahlung nie erreicht werden konnten. Mit der Regelung dieser Angelegenheit ist nun das zuständige Schiedsgericht betraut worden.
dem bieSmaligen Hochwasser der Üumba wurde allgemein die R egulierung des Bettes sehr angenehm empfunden. Während in früheren Jahren bei Hochwasser, das noch längst nicht die Höhe des jetzigen erreicht hatte, ganze Teile der unteren Stadt unter Wasser standen, hat sich dieser ilebelftanb nirgends mehr bemerkbar gemacht. — Eine Gans berührte heute bei einem Flugversuch die elektrische Hochspannungsleitung mit dem Erfolg, daß ein Teil unserer Stadt heute abend in Dunkel gehüllt ist. Froh schnatternd verließ die kühne Fliegerin ohne Schaden den Schauplatz ihrer üblen Tätigkeit.
: Beuern, 16. 3cm. Am Freitag abend sprach im hiesigen Volksbildungsverein im Saale des Karl Dietrich Dr. Stier von Gießen im Auftrag der Liga zum Schutz der deutschen Kultur über das Thema: „Unsere Kolonien ein ft und jeh t". 3n klarer und für unsere Landbevölkerung leicht verständlicher Weise wurden folgende Punkte von dem Redner eingehend behandelt: 1. Liga der Kolonien. 2. Reisemöglichkeiten in den Kolonien. 3. Landschaften. 4. Bewohner. 5. Wohnungen der Eingeborenen und der Europäer. 6. Die Arbeiten in den Kolonien und die Erziehung der Eingeborenen zu diesen Arbeiten. 7. Wirtschaftliche Bedeutung der Kolonien. 8. Städteanlagen. 9. Der Krieg in den Kolonien, insbesondere in Deutich-Ostafrika, und das Verhalten der Eingeborenen. Etwa 80 schöne Lichtbilder ergänzten die trefflichen Ausführungen des Redners. Der Vorsitzende sprach dem Vortragenden den Dank des Vereins aus.
t. Reiskirchen, 15. 3an. Gestern verlieh die 17jährige Anna Eisenacher unser Dorf, um nach Amerika auszuwandern. Sie fuhr mit der Bahn nach Bremen, um sich von dort mit dem Dampfer über das große Wasser zu begeben. 3hr Reiseziel ist Reuyork. 3m März vorigen 3ahres wanderte ihr Bruder ebenfalls nach Amerika aus. Run folgt die Schwester nach. Rach dem Krieg ist dies schon die dritte
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schaftler wie praktischer Kirchenmann, daneben Komponist und Dichter — wie seinem sprühenden Temperament, seinem eisernen Fleiß und vor allem dem Zauber feiner genialen Persönlichkeit. Wer ihn gesehen hat, wird das Bild eines solchen Erzbischofs nicht vergessen. Denn es ist kein würdiger Herr, sondern ein sprühend lebendiger Geist, der plötzlich überall auftaucht, hier etwas anordnet, dort sich an einer Unterhaltung beteiligt, jetzt einen einfachen Menschen anredet, dann wieder mit dem König von Schweden freimütig fast wie mit seinesgleichen spricht und stets zu kräftigem Humor, aber auch zu tiefem Ernst bereit ist, je nachdem die Situation es erfordert. Seinen schwarzen Schlapphut trägt er auf der Straße lieber in der Hand als auf dem Kopf — vielleicht, weil er ihn doch jeden Augenblick zum Gruß abnehmen müßte und das kleine Goldkreuz, das ihm an einer goldenen Kette um den Hals hängt, tanzt luftig hin und her, wenn er mit fliegenden Rockfchößen durch die Straßen eilt Wenn er die Pfarrer der schwedischen Landeskirche visitiert, entgeht seinem Luchsauge nichts. Er kennt die Kirchen und ihren Kunstwert bester als die Ortspfarrer, er klettert auf den Glockenstuhl und ist als erster oben, wenn es gilt, ein seltenes Prachtstück zu bewundern. Unermüdlich wirkt er Tag und Nacht für seine Ideen und für feine Mitmenschen. Und dabei ist er feiner großen Familie — von seinen 13 Kindern leben noch elf — ein rechter Hausvater.
Er, der sein Volk über alles liebt und die Werte des nationalen Lebens hoch zu schätzen weih, hat
Aus -cm Amtsverkündigrrngsblatt.
* Das Aintsverkündigungsblatt Rr. 5 vom 15. 3anuar enthält: Der Verkehr mit Schweinepestserum. — Merkmale der falschen Rentenbankscheine. — Maul» und Klauenseuche in Rödgen. — Ernennung der Schätzer und Stellvertreter. — 3ahresarbeitsverdienft land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter. — Bildung der Kreiskommission bei deni Kreisjugendamt Gießen. — Einschränkung von ßuftbarteiten. — Wahl der Vertreter der Krankenkassen. — Dienstnachrichten
Oberheffen.
ILandkreis Gictzen.
Klein-Linden, 18. Jan. In der
noch mächtigen Terroristengesellschaften sehr bald beseitigt hätte.
In den vier Jahren seit dem Königsputsch bat sich nun manches geändert. 91 a d) außen bin ist die Regierung Horthy in ein gemäßigteres Fahrwasser gelenkt worden, das beinahe demokratisch-liberal anmuten soll. Außenpolitisch ist diese Aenderung nicht ohne Nutzen gewesen. 3n Wirklichkeit aber haben auch heute noch die Ne- benregierungen nicht an Einfluß verloren und spielen nur zu häufig mit dem ihnen gegenüber machtlosen Horthy. Daß Machteinflüste an verantwortlicher Stelle oft recht unerfreuliche Erscheinungen zeitigen, ist überall bekannt. Für Ungarn ist nur aus dieser Erscheinung der nicht in der Hand der Regierung konzentrierten, sondern auf unkontrollierbare Elemente gestützten Macht die riesenhafte Ausdehnung des Fälscherskandals zu erklären. Wenn staatliche Stellen gewohnt sind, nicht nur von den amtlichen Vorgesetzten, sondern auch von privaten Stellen Weisungen anzunehmen, dann ist ,ber Boden bereitet für eine solche Aktion, die dem deutschen Verständnis wohl nur schwer begreifbar ist. Bestimmt haben gewisse prominente Persönlichkeiten sich durch den Prinzen Windisch-Graetz blenden lassen und lediglich im Interesse der „heiligen Sache" mitgemachtt Ebenso bestimmt aber gibt es da Elemente, die nichts erstrebten als ihren eigenen Vorteil. Diese Egoisten wären als landläufige Hochstapler politisch völlig unwichtig. Die Bedeutung der Affäre liegt bei denen, die mit reinem Wollen mitmachen.
Die zweite Wurzel des ungarischen Fälscherskandals, der ja jetzt zur großen politischen Aktion auswächst, und der eine' wahre Falschmünzerepidemie in der ganzen Welt nach sich gezogen hat, liegt in dem unvernünftigen und widernatürlichen Frie - densdiktat. 'Unter solch außergewöhnlichem Druck von außen greift ein Volk natürlich zu ganz außergewöhnlichen Abwehr Mitteln. Ohne das Friedensdiktat wäre die patriotische Begeisterung der ganzen Falschmünzeraffäre nicht aufgekommen und ohne patriotische Begeisterung wäre die Angelegenheit auf ein bescheidenes Ausmaß beschränkt geblieben. Die außenpolitische Lehre, die aus dem Budapester Skandal gezogen werden muß, ist die Erkenntnis, daß ein Volk allzu starke Bela ft un.g spröde eben einfach nicht aushält. Die innerpolitische Konsequenz ist die, daß ein Zwischenregime nicht allzulange ausgedehnt werden darf, besonders dann nicht, wenn es auf dem Weg zu seinem Ziel nachweislich nur störenden und hemenden Nebeneinflüssen ausgesetzt ist.
Demokratische Parteien des Auslandes ziehen aus der Fälscheraffäre die Hoffnung, daß d e r Wille zum Königtum in Ungarn angesichts dieses Skandals erdrückt werden könne. Man glaubt die Royalistenbewegung diskreditier«. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der Skandal reicht nicht heran bis an die in Frage kommenden Kronprätendenten und man folgert in Ungarn aus der Affäre, die so viele für Ungarn schädliche Aus Wirkungen zeitigte, daß es nachgerade an der Zeit wäre, die Zwischenlösung der Frage der Regierungsform durch die endgültige Klärung zu beenden.
Nathan Söberb om.
Von Sie. Iustns Ferdinand Lann, Gießen.
In diesen Tagen feierte einer der führenden Geister im Kulturleben der Gegenwart, der lutherische Erzbischof von Schweden, D. Nathan S o - berblom, feinen 60. Geburtstag. Wir Deutschen haben allen Grund, uns der Schar der Gratulanten aus aller Welt anzuschließen und dem Manne noch ein langes, segensreiches Leben zu wünschen, der m Deutschlands Notzeit wie wenig andere Ausländer helfend eingegriffen hat. Seiner Initiative ist das selbstlose schwedische Hilfswerk für notleidende deutsche Kinder zu danken, er hat eine mutige Kundgebung gegen den Ruhreinbruch erlassen, ja, was das Höchste ist, er hat den Glauben an das deutsche Volk auch in besten tiefster Demütigung nicht verloren: „Wenn Gott seiner Christenheit neue Erweckung und Geisteskraft gewähren wird, sagte er auf einem Vortrag in Stuttgart, „so wird sie aus den Leiden der deutschen Christenheit emporblühen." .
Söderblom ist einer der interessantesten Menschen. Schon seine Laufbahn ist erstaunlich: 1866 als Sohn eines schwedischen Landpfarrers geboren, studierte er in derselben Stadt, die ihn später als Spitalgeistlichen, Unioersitätsprofestor und schließ- lich 1914 als Erzbischof in ihren Mauern wirken sah- Upsäla. Diese bewundernswerte Entwicklung verdankt er ebenso sehr seiner umfassenden Begabung — er ist ein ebenso tiefgründiger Wisien-
dürien. Die Beteiligung der Gemeinde Albach lobenswert.
.Slri’iv Friedberg.
Bad-Nauheim, 15. Jan. Eine denkwür- Veranstaitung bot gestern abend das Kur-
von der ersten Revolution bis zur ZranWfchung.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Von besonderer Seite erhalten wir folgenden interessanten Beitrag zur Vorgeschichte der Budapester Fälschungsaffäre. D. Red.
B u d a p e ft, 14. Jan. 1926.
Um verstehen zu können, wieso es überhaupt möglich war, daß ip einem europäischen Staat hohe Würdenträger, Beamte und Offiziere in leitenden Stellungen eine großzügige Falschmünzerei sozusagen staatlich konzessioniert ins Werk setzen können, muß man die innen- und außenpolitische Lage Ungarns, dieses Königreichs ohne König, einmal genauer betrachten. Das Ausland hat über die Vorgänge in dem feit 1918 selbständigen Ungarn nur zu oft eine gänzlich fasche Vorstellung: eine lurzgefaßte Schilderung der Ereignisse der vergangenen sieben Jahre möge dazu dienen, den unpar» feilschen Leser über so manches aufzuklären, was die Sensationsnachrichten ans Budapest nicht zu melden wußten.
Wohl in keinem anderen Lande war die Revolution im Herbst 1918 eine so unnatürliche Erscheinung, wie gerade in Ungarn. Hat doch der letzte Kaiser noch geraume Zeit vor dem Zusammenbruch das bestimmte Versprechen abgegeben, die nationalen Wünsche und Forderungen der Magna- ren auf selbständige auswärtige Vertretung usw. nach Liquidierung des Krieges auf breitester Basis zu erfüllen und den Grafen Michael Karolyi auf Wunsch der Parteien zum Ministerpräsidenten ernannt. Kaum 48 Stunden später bat dann der Graf um Entbindung von seinem Eide und ließ kurz daraus in Budapest d i e Volksrepublik proklamieren, ohne daß das gesamte Volk an der Veranstaltung eigentlich teilgenommen hätte, und ohne daß die Provinz von den Vorgängen überhaupt etwas wußte.
Es ist charakteristisch für d i e traditionelle K ö n i g 5 t r e u e des ungarischen Volkes, daß zu jener Zeit selbst die L i n k s r a b i f a l c n es für nötig hielten, ihren Staatsstreich durch den Träger eines historischen Namens ausführen zu lassen dzw. den Grasen als willenloses Spielzeug in ihren Händen zur Irreführung des Volkes nominell an die Spitze zu stellen.
Nach etwa viermonatiger Lebensdauer wurde die Volksrepublik durch die R ä t e r e g i e r u n g abgelost. Die Raubmördergesellschaft Bela Kun und Genossen spazierte direkt aus der Untersuchungshaft in die Miitisterstühle: die Proklamationen zur Uebernahme der Herrschaft wurden noch in der Zelle entworfen — und wiederum war es der willenlose Gras Karolyi, der ihnen die Macht in die Hände spielte.
. Noch im November 1918 hat der erste Kriegs- uünister der Revolution, Bela Linder, mit den Worten: „Ich will keine Soldaten mehr sehen!" das gesamte Heer aufgelöst. Seine Nachfolger, die es versuchten, ein einigermaßen ordnungsmäßiges Militär zu organisieren, wurden schon bei dem Versuch durch die Soldatenräte einfach abge - setzt. So stand im Augenblick der Ausrufung der roten Diktatur das ehemalige Offizierkorps, die ehemalige Armee und auch die gesamte. bürgerliche Bevölkerung vollständig ohne Waffen da, zu jedem Widerstand unfähig.
Es ist noch bemerkenswert, daß die Kommu- niften, um sich wenigstens für die erste Zeit Sympathien zu sichert', denselben Integritätsgedanken t Großungarn) als ihr Ziel oorgaben, der dann zur selbstverständlichen Devise des Regimes Horthy wurde, und der auch in der augenblicklichen Affäre eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.
Nach dem „roten Fasching", der bekanntlich unter dem Druck der nahenden rumänischen Armee und der innerpolitischen Schwierigkeiten (vor allem der Sabotage der Provinzbevölkerung) in sich zusammenbrach, wurden die weißen Retter von der ganzen Bevölkerung mit Hosiannah begrüßt. Die „Christliche Renaissance" setzte jedoch nicht mit der Parole der „christlichen Nächstenliebe" ein, sie übernahm zu Anfang leider manche Mechoden der voraufgegangenen Zeit des roten Terrors und verscherzte sich so manche Sympathien. Anfänglich gab es unter der Zahl der nunmehr Regierenden eine ganze Reihe dunkler Existenzen, gegen die sich der zum Reichsverweser gewählte Admiral von Horthy nicht recht zu wehren vermochte, und deren Entfernung geraume Zeit dauerte. Vielleicht kann die augenblickliche Fälscheraffäre zur weiteren Bereinigung beitragen. —
Diese Unzufriedenheit mit gewissen Elementen der neuen Regierung des Reichsverwesers (Geheimverbände besaßen eingestandenermaßen einen großen, nicht immer zu kontrollierenden Einfluß) war es vor allem, die den Boden schuf für den sogenannten Königsputsch des Kaisers Karl. Der Reichsverweser selbst betrachtete ja Ungarn noch als Königtum, und so ist es zu verstehen, daß man gewisse Mängel seiner Regierung durch die wirkliche Wiederherstellung des König- tums beheben wollte. Man glaubte, vom verstör- benen Kaiser Karl, daß seine Regierung die immer
„Hohenfriedberger", vom Publikum begeistert ausgenommen, bildeten den Schluß des schönen Programms. Von Telemann brachte das Programm einige für das 18. Jahrhundert recht charakteristische Lieder und ein Bläsertrio. Für das K u r o r d) e ft e r war der einzigartige Abend ein Ehrenabend, handelte es sich bei Friegrich d. Gr. doch um bisher noch niemals gespielte Werke, also um Erstaufführungen der Bad- und Kurverwaltung. Einzelne Mitglieder des Orchesters, das Musikdirektor Schröder trefflich leitete, hatten als Solisten' (Flöte, Oboe, Fagotts besondere Leistungen ,311 vollbringen. Als Solisten waren ferner tätig: Prof. Dr. Schmid (Friedberg), der das Cembalo (Klavier meisterhaft spielte, Frau Willi Kir sanier (Frankste a.M.) war für den vokalen Teil des Abends (Arie und Lieder) gewonnen worden; mit ihrem ansprechenden Sopran entledigte sie sich ihrer Aufgabe ganz vorzüglich, besonders die Arie aus dem Schäferspiel (Friedrich d. Gr.) war entzückend und wirkungsvoll. Alles in allem kann von einer in ihrer Art seltenen Veranstaltung gesprochen werden; die gefällige leichte Musik wurde mit viel Bei-
archester mit einem Sonderkonzert, zu dem Prof. Dr. Karl Schmidt (Friedberg) die Anregung gegeben. Es war sozusagen ein histori sches Konzert, das die zahlreichen Musikfreunde Bad-Natiheims und der Umgebung in^ Geiste einen musikalischen Abend im Schlosse zu Sanssouci erleben ließ. Es kamen nur Werke der fridericiani- schen Zeit zur Ausführung, die bekannt machten mit dem Komponisten Friedrich d. Gr. und feinem Zeitgenossen G. Pb. Telemann, der von 1712—21 Kapellmeister an der Barfüße» und Ka- tharinenkirche in Frankfurt war. Von Friedrich d. Gr. tarnen u. a. mehrere Symphonien zum Vortrag: die Flöte, des Königs Lieblingsinstrument, fpiclr darin eine besondere Rolle, aber auch Oboe, Fagott und Cembalo kacken genügend zur Geltung. Na-
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