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Preußen.

Kreis Wetzlar.

WHN. Wetzlar, 16.Dez. Die Buderus- ,'chen Eisenwerke errichten in ihrem Werk Sophien Hütte zu Weylar einen Neubau oon bedeutenden Ausmaßen, welcher der Lergröße- eung der al» Spezialität betriebenen Rohren­gi e ß e r e i dienen soll. In dem Neubau sollen^ Röh­ren nach einem ganz neuen, produktiveren Schleu- derverfahren hergestellt werden. Die ausgedehnte Loge der Stadl machte seil langem die Schaffung eines geregelten Autoverkehr» oon dem Lahnhpf nach den entfernt lieaenden Stadtteilen erforderlich. Nunmehr hat der Berkehrsver- ein die Initiative ergriffen und zunächst versuch», weise einen regelmäßig verkehrenden ca. 20 Personen fassenden Kraftomnibus eingestellt, der ryd) geregeltem, mit dem Zugver­kehr in Ueberemstimmung gebrachten Plan den Ber- kehr vom und zum Bahnhof aufnimmt. Man hofft, daß sich die Einrichtung so bewahrt, daß sie in Kürze zu einer ständigen und umfangreichen wird.

3 Groh-Rechtenbach. 16. Dez. Lin Auto­unglück ereignete sich auf der Provinzialstraße oon hier nach Wetzlar an dem sog. Schirnberg, der wegen seiner gefährlichen Kurve allgemein bekannt ist. Lin mit zwei Insassen besetzte» Per- jonenouto geriet ins Schleudern und fuhr gegen einen Baum, wobei der Kühler des Autos vollkommen zertrümmert wurde. Die Auto- lnfasscn, ein Kaufmann aus Barmen und sein Chauffeur. kamen mit dem Schrecken davon. Das Auto wurde nach Wetzlar abgeschleppt.

ö- Klein-Rechtenbach, 16. Dez. Der von unserer Gemeinde noch im Spätherbst be­gonnene Dau einer neuen Schule ist noch vor 6intr.it des Winters glücklich unter Dach ge­bracht. DaS Gebäude stehl direkt an der Prov.n» zialstrahe WetzlarButzbach. Entsprechrnd der hiesigen geringen Schülerzahl sind die AuSrnahe verhältnismäßig klein.- bri einem Grundriß von 9,5 mal 11 Meter entspricht der Dau dem eines größeren PrivathauseS. Das erste Stockwerk ent­hält Flur und Schulsaal, während im zweiten Stock die Dienstwohnung des Lehrers unter- aebracht ist. Die Fertigstellung des Daues soll baldmöglichst im Frühjahr erfolgen, so daß er noch im nächsten Jahre bezugsfertig wird.

KrciS Ufingen.

Ufingen, 16. Dezember. QIm Sonntag wur­den dem hiesigen Schäfer am Hellen Tage wäh­rend seiner Abwesenheit zwei Schafe aus dem Pferch gezogen. Die Diebe schlach­teten die Tiere im Walde ab und ließen Fell und Eingeweide liegen. D e Spur der Diebe führte nach Ufingen und Wehrheim, wo der größte Teil des Fleisches wieder entdeckt und dem Eigentümer zugestellt werden konnte. Ein Teil des Fleisches mußte sogar aus einem Bette herausgeholt werden, in dein ein Mädchen schlief. Die fünf.er. die aus Usingen unD Wehryeim stammen, sind zur Anzeige ge­brach: worden.

KreiS Westerburg.

f. 2t , rod. 16. Dez. Gestern abend gegen 8 Uhr brach hier in der S ch e u n e des Wilhelm

Stickel ein 2 ranb aus. DaS Feuer griff so schnell um sich, daß in kurzer Zeit auch das dicht daran stehende Wohnhaus in Flammen stand. Die Feuerwehr konnte nur noch das ^tä­tigste retten und ein Hebet greifen des DrandeS aus die Rachbargebäude verhüten.

CbcrtocftettvalDftTi:?.

& Höhn-Urdorf, 16. Dez Am Montag, 20. Dezember, feiern die Eheleute Ferd Eisen- m e n g e r und Juliane geb. Kram das seltene Fest der diamantenen Hochzeit im Alter von 85 bzw. 82 Jahren. Die beiden yubilare, die noch sehr rüstig sind und sich einer ausgezeichneten Gesund­heit erfreuen, können an ihrem Festtage 6 Kinder, 26 Enkel und 14 Urenkel in ihrem Kreis vereinen. Ferdinand Eisenmenger hat als nassauischer Soldat den Feldzug 1866 und ipäter als Preuße 1870,71 milgemacht. Die evangelische Gemeinde von hier hat beschloßen, sobald wie möglich eine K a- pelle zu bauen, und richtete diesbezüglich ein Ge- |u(h an den Gu st ao-Adolf-Verein um Un­terstützung.

Maingau.

WSR Frankfurt a. 2K., 16. Dez. Die Erwerbslosen der Stadt Frankfurt erhallen nach der heutigen Entscheidung der Stadt­verordnetenversammlung eine Win - terbeihilfe in Höhe der für Frankfurt gel­tenden wöchentlichen ErwerbSlosenunlerstützunqs- sähe, jedoch mindestens m Höhe von 12 Rm. Für den Fall der Auszahlung einer Reichs- beihilfe soll denjenigen HUfsbedürftigen, die keine Reichsbeihilfe erhalten trotzdem eine Unter­stützung zugeteilt werden Für die städtischen Deamten, Angestellten und Arbeiter gelten dieselben Sätze, wie sie vom Reich und Staat bewilligt worden sind. Die von v:r Stadt unterstützten stellenlosen Schulamtsbewerber er­halten eine WrihnachtSbeihilfe von 3D Mark. Festgenommc n wurden wegen Einbruchs in ein Ledergeschäft in der Reum Mainzerflraße der vor drei Wochen unter Bewährungsfrist aus dem Zuchthaus enllässene Arbeiter Lorenz Lotter, der 23jährige 2Hed>aniter Johann Lotter und der 28jährige Monteur Georg Häusler. Die Dieb: hatten die Ansicht. daS Diebesgut mit einem Rollwagen aubzutrcrnspor­tieren. Der Fuhrmann erschien aber ohne den Rollwagen, so daß sie die Deute vorerst in den Anlagen verstauen mußten. Drim Wegholen der Deute am andern Tag wurden sie festgenommen.

WSR. D a d H o m b u r g v d. H., 16. Dez. Dem Zuge ihres Herzens folgend, bewirtete gestern die Gattin eines jungen Geistlichen in einem Rachbardorfe einen vorsprechenden Hand­werksburschen mit einem warmen Mittagessen. Rach dem Abgang des Bruders Straubinger mußte sie allerdings die unangenehme Ent­deckung machen, daß gleichzeitig mit ihm fünf­zehn Mark, die in greifbarer Rähe ge­legen haben dürften, Deine bekommen hatten.

Buntes Allerlei.

Das geheimnisvollste Schiff der englischen Marine.

Es gibt ein überaus seltsam aussehendes Fahrzeug in der englischen Mar ne, um das ein dichter Schleier deS Geheimnisses gebreitet ifL

Das ist der .Hermes", das einzige Sch.st der britischen Flotte, das als Jlagzrugträger gebaut ist. Niemand. der dieses Schift betritt, darf eine photographische Kamera mit sich führen, und nur ganz vertrauenswürdige PersönliHke ten dürfen an Do cd kommen, baut man sucht ötc Ge­heimnisse dieses Schiffes sorgfältig zu schützen. Ein besonderer Berichterstatter eines Londoner Dlaltes macht einige M.tteilungen über dieses .Rätselschiff". .Der Hermes", so schreibt er. läßt sich ganz allgemein als ein schwimmender Flug­platz beschreiben. Alle Erfahrungen d.^S Krieges sind dazu verwe idct worden, um diesen Sch'.fss- typuS auf das wirksamste auszubllben. Doä Schiss trägt 20 Flugmaschinen, die von den Hangars nach dem Flugdeck durch elektrische Lifts herauf und wieder herunterzebrächt werden: Werk­stätten zur Ausbesserung der Flugzeug: sind vor­handen. Was für eine Umwälzung in der Kriegs­führung durch diese Flugzeugträger in Schiffs- form hervvrgerr.fen werden kann, läßt sich an dem Beispiel zeigen, wie man ben in Hankau ein- geschlossenen Ausiändrrn Hilfe bringen kann. Große Kriegsschiffe können den Zangtsekiang nicht bis zu der Stells hinnauffahren, an der Hankau liegt, die Reichweite Ihrer Kanonen ist «auch Immer beschränkt. Ein Schiff wie der .Hermes" fennt solche Begrenzungen seines Wir» kungskrerfes nicht. Er braucht nur in b;r Räh« von Hankau oder eines anderen Hafens zu erscheinen und dann feine Flugzeuge auszusenden, um den betreffenden Ort vollkommen zu beherrschen. Die Flugzeuge werfen ihre Bomben ab, während das Mutterschiff sicher in weiter Entfernung liegt und auch von den weitreichendsten Küstenbatterien nicht getroffen werden kann. Auf diese Weise können Städte an der Küste, aber auch weiter im Inland leicht und schnell mit Flugbornben belegt werden. ES ist ein etwa- unheimliche Gedanke, daß einige wenige solcher Flugzeugschiffe, die sich an verschiedenen Punkten In der Räh: unserer Küste befinden, dis ganze vereinigte Königreich von der Lust aus a beschießen vermögen."

Der moderne Knigge auf hoher See.

Die Passagiere der Luxusbampser scheinen nicht immer allen Anforderöngen zu genügen, die man billigerweise an gutes und rücksichts- volles Betragen stellen darf. Auch die strenge Unterscheidung von Mein uni) Dein ist bei ihnen nicht immer in wünschenswertem Maße ausge­bildet, und ein moderner Knigge, der Gesetze über den Umgang mit Menschen und Dingen vorschreibt, wäre auf hoher See sehr angebracht. Das ist wenigstens die Ansicht des größten eng­lischen Reederei-Besitzers, des Lord Inchoap:, der auf der Jahresversammlung seiner Gesell­schaft recht wehmütige Betrachtungen über die durch die Unachtsamkeit der Passagiere hervor- gerufenen Schäden anstellte. So teilte er u. a. mit, daß in dieseick Jahre 92 9<7 Weingläser und 276 787 Teller und Schüsseln erseht werden muß­ten. Auch die Ergänzung des Wäschebestandes erforderte eine ganz fabelhafte Summe. .Man berichtet mir, obwohl ich es kaum glauben kann," fuhr er fort, .daß beim Ende einer Reise die Kissenbezüge von den Damen sehr häufig be­nutzt werden, um sie in ihre Schuhe zu verpacken. Ich erwähnte dies kürzlich einer Dame gegenüber, die vielfach auf unseren Dampfern reist, und ihre Antwort ließ tief blicken. .Das ist ja ein groß­

artiger Gevanlel" iabie he. .Daran habe ich noch gar nicht gedacht." Ich ärgerte mich natür­lich daß ich mil ihr davon gesprochen hatte. A:S Tatsache wird nun mitgeteilt, daß ein Herr iürzlich zwei DetUaken zerschnitt, um sich daraus ein Phantafiekostüm für einen Ball zu machen. Aeuherungen. die ich im Gespräche mit Reisen­den nicht feiten höre, erregen in mir schwere Bedenken Auch Briefe bekomme ich die mir Sorge machen. Darnach lassen Sitte und Anstarrd bisweilen alles zu wünsch en übrig Lord Inchoape stellt bann leibst einen kleinen .Knigge" für die Passagiere feiner Dampfer auf; es finden sich darin die folgenden, gewiß sehr beherzigenswerten Ermahnungen .Es wird gebeten, nicht den Wallerhahnen offen und den Stöpsel in der Wanne zuzulallen, wenn man am Abend den Laderaum verläßt. Man versichere sein Gepäck gegen alle Gefahren und liefere Wertsachen im Bureau ab. Die A chenbech r sind zur Benutzung da. und weder Sofas md) Tisch noch der Boden sind die geeignete Stätte für Zigarren- und Zigarettenftummel. Das Füllen b:s Federhalters erfolgt am besten nicht über der Tischdecke oder den Teppichen des Salons."

Ler heilende Lolomotidpsist.

Eine nicht alltägliche Heilung erlebte eine Frau, als sie auf einer Fahrt nach Bordeaux in dem Keinen Ort Dergerac umsteigen wollte. Währe ird sie aus den Zug wartete und aus dem Perron aus- und abging, hörte sie plötzlich den schrillen Pfiff einer vorn verfahrenden Lokomotive. Dieses gellende Geräusch verursachte ihr heftigen Schmerz in den Ohren, aber als dieser vorbei war, fand sie, daß sie vorzüglich hören konnte. Sie war seit langer Zeit bei einem Ohrenspezialisten in Behandlung, ohne daß dieser ihr Hellen konnte, und sie hatte sich bereits mit dem Gedanken vertraut gemacht. Ihr ganzes Leben lang taub zu bleiben, als ber heilende Lokomotivpstff ihr das Gehör wiederverschaffte.

Grüne, silberne und goldene Hochzeit an einem Tage.

Ein seltenes Familienfest wurde vor fumem in Turin gefeiert. Drei Hochzeiten aus drei verfchiedenen Generationen sanden in einem Hause statt, und zwar heiratete der Sohn des Hauses, während am selben Tage der Dater die silberne, und der Großvater die goldene» Hochzeit begingen. Als die drei Paare in feier­lichem Zuge zur Kirche gingen, hatte sich eins große Menge versammelt, die sie mit Jubel be­grüßte. Die italienischen Blätter, die dieses Fest ausführlich schildern, fürchten, daß durch dieses schöne Beispiel die Steuereinnahmen stark Der- mindert werden dürsten, die man aus der neuen Besteuerung der Iungg seilen zu gewinnen hofst.

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