Treove.
Nr. 2?5 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berljeffen)
Sreitag, (7. Dezember 1926
Notstandsbeschlüsse des Gietzener btadtparlaments
Ausbau von Straßen
Erweiterung des Flughafens
Verbesserung der Straßenbeleuchtung
so sparsam
18. Fortsetzung.
Nachdruck verboten
von ausgebeutetem Stein- des Triebs und Humusierung und Reueinsäen der Rasen-
401
501
751
500
750
Stadtv. Dr. zur Sprache,
2 .
3 .
4 .
5 .
6 .
1001 „ 1500 mehr als 1501
zelnen Arbeiten und Lieferungen wie möglich gewirtschaftet wird.
Dei dieser Gelegenheit bringt KrauSmüller (D.Vp.) Klagen
1. Planierung bruchgelände;
2. Planierung der Sportplätze:
3. Mmgraben
die ihm als Vorsitzenden des Ortsgewerbevereins zugegangen sind. Hiesige Schreinermeisber, die an der Submission von Arbeiten für diesen Dau beteiligt waren, haben ihm mitqetrUt. Daß einheimische Meister bei einer Auftragserteilung übergangen wurden und die Arbeit'einem Unternehmer von Friedberg zugesprochen worden sei.
2. Für Abnehmer, die ausschließlich für Raumheizung GaS verwenden, ist der monatliche Verbrauch bis zu 30 Kubikmeter mit je 20 Pf. und der sestgestellte Mehrverbrauch mit 12 Pf. je Kubikmeter zu berechnen.
3. Der Grundpreis für Industrie- und Ge- wcrbegas wird auf 18 Ps. pro Kubikmeter festgesetzt. Diese Vergünstigung tritt ein für industrielle und gewerbliche Betriebe, welche durchschnittlich einen monatlichen Verbrauch von mebr alS 250 Kubikmeter Das haben. Für den Mehrverbrauch werden folgende Rachlässe gewährt:
Bei einem monatlichen Verbrauch von:
301 bis 400 Kubikmeter 1 Pf. Nachsatz
Oer Frosch mit -erMaske
Roman von Edgar Wallace.
„Viel ist ja nicht zu vermelden", meine Broad. „Seit einer Woche bin ich mit den Fröschen näher bekannt. Ich hielt es für höchst unwahrscheinlich, datz sie sich untereinander nicht kennen sollen und blieb gleich an den ersten hängen, den ich fand. Ich traf ihn in einem Logierhans in Dcptford. Ich Hörle heute, daß ein höchst eiliger Aufruf für ein grobes Unternehmen ergangen fei und schloß mich an. Auf dem Wege nach Scotland Pard hat man mir erzählt, daß eine Gruppe beordert worden sei, flitnoro, der nach Wandsworth fuhr, abzupassen."
,J)aben Sie einen von den Großen gesehen?" Broad schüttelte den Kopf.
„Sie haben alle gleich ausgesehen. Aber es waren unzweifelhaft zwei oder drei von den Haupt- anführern mit im Dienst. Ich habe nie daran geglaubt, daß man Litnow retten würde. Die Frösche wußten, daß er alles gestanden hatte und er mußte büßen. Das heißt, — sie haben ihn ja wohl umgebracht?"
„Ja", nickte Dick. „Aber sagen Sie mir, — warum nehmen Sie selber solch ein Interesse an den Fröschen?"
„Bloß aus reiner Abenteurerlust", antwortete Broad. „Ich bin ein reicher Mann, habe nichts zu tun, und interessiere mich unendlich für Kriminal- fälle. Dor ein paar Jahren hörte ich zum ersten Male von den Fröschen, sie reizten meine Phantasie und damals nahm ich mir vor, ihnen auf die Spur zu kommen. Sein Blick hielt Dicks forschenden Blicken stand.
„Ich möchte nur noch wissen, wieso es geschah, daß Sie ein reicher Mann wurden? fragte Dlck. „In den letzten Kriegslagen sind Sie mit einem Viehtransport nach England gekommen und hatten ungefähr zwanzig Dollar in der Tasche. Sie selbst haben es Elk erzählt, daß Sie auf diese Weise an« kamen und haben damit die Wahrheit gesprochen. Ich interessiere mich säst ebenso für Sie. wie Sie sich für die Frösche interessieren. Und ich habe einige Erkundigungen eingezogen. Sie kamen 1917 nach England und verliehen ihr Schiff. Im Mai 1917 ver- hnadellen Sie wegen des Kaufes einer alten bau
fälligen Bude in der Nähe von Hampshire. Dort wohnten Sie, indem sie die elende Hütte zusammen- slickten und lebten, soviel ich entdecken konnte, von den paar Dollars, die Sie mitgebracht hatten. Plötzlich waren Sie verschwunden und sind erst in Pans am Weihnachtsabend desselben Jahres wieder aufgetaucht. Sie waren es anscheinend, der eine Familie gerettet hat, die anläßlich eines Luftangriffes in ihrem Haufe verschüttet wurde, und Ihr Name wurde von der Polizei notiert, damit Ihnen eine Belohnung verliehen werden könne. Der französische Polizeibericht besagt, daß Sie ziemlich ärmlich gekleidet waren. Man hielt Sie für einen Deserteur der amerikanischen Armee. Aber im Februar wohnten Sie in Monte Carlo, einen Haufen Geldes in der Tafch? und mit erquifiter Garderobe wohl versorgt." Joshua Broad blieb während dieses Vortrages unbeweglich. Nur der Schein eines Lächelns zeigte sich in seinen unrasierten Mundwinkeln.
„Aber, Herr Hauptmann, in Monte Carlo muß man Geld besitzen!"
„Wenn man es hingebracht hat", sagte Dick und fuhr fort: „Ich meine ja nicht, daß Sie das Geld anders als ehrlich erworben hätten. Ich stelle bloß fest, daß Ihr plötzlicher Aufstieg von Armut zum Reichtum, gelinde gesagt, sehr merkwürdig roar/'
„Das war er auch", pflichtete der Amerikaner bei. „Und dem Anscheine nach ist meine Veränderung vom Reichtum zur Armut ebenso plötzlich und merkwürdig."
Dick sah den schmutzigen Stromer an, der ihm gegenüber saß. „Sie meinen, daß, wenn es für Sie möglich ist, sich jetzt zu maskieren, es auch damals für Sie möglich war und Sie im Jahre 1917, ob- gleich anscheinend mittellos, ebensowohl ein reicher Mann gewesen sein mochten?"
„Das stimmt", sagte Joshua Broad.
„Ich würde vorzichen, daß Sie das respektablere Selbst blieben. Ich liebe es nicht, einem Amerikaner sagen zu müsien, daß ich ihn des Landes verweise, denn das klingt, als ob es eine Strafe wäre, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren."
Joshua Broad erhob sich. „Das, Herr Hauptmann Gordon, ist ein Wink mit einem zu dicken Zaun- pfahl und eine zu liebenswürdige Drohung. Don nun an wird Joshua Broad wieder ein ehrbares Mitglied der Gesellschaft werden. Das einzige, worum ich Sie bitte, ist, dah Sie die Polizei nicht
der sich an der Submission überhaupt nicht beteiligt habe, dessen Firma bei der Oessnung der Angebote auch nicht genannt worDm fcL Der Redner ersucht um Aaftlärunz des Sachverhalts, und fordert, datz künftig in dieser Beziehung anders verfahren w?rde. B.si KorOneter Dr. Selb hat nach feiner Attwvrterklärung Erfahrungen in der an den Vorredner berichteten A i nicht gemacht, er hält den Fall auch für undenkbar, datz nachträglich ein 21:acbot eing:sch>ben worden fei- Selbstverständlich sei, daß bei her Auftragserteilung in erster Linie Gießener Geschäftsleute in Betracht kämen, falls sie im Preis nicht alt- zuhoch über einer billigeren auswärtigen Offerte ständen Rach telephonisch eingeholtrr Erkundigung bei der in Betracht kommenden Dienststelle teilt der Bei geordnete am Schlüsse der Sitzung noch mit, dah in dieser Angelegenheit ein Mißverständnis der bei Dr. Krausmüller beschwerdeführenden Handwerker vorliege. Die Friedberger Firma sei mit ihrem Angebot innerhalb der vorgeschriebenen Zeit zur Stell: gewesen, der Brief sei nur zunächst an eine falsche Dienststelle geleitet worden, aber doch noch rechtzeitig zur Oessnung der Angebote bei der Submission an der entscheidenden Stelle eingetroffen, und habe dort borcefegeu.
Ausbau des Flughafens.
Für den Bau einer Ro.lva^n im Flughafen und das Derschen der Werkstätte wird ein Kredit von 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. Der Dau eines Flughafengebäudes nach den vor- geiegten Plänen des Stadtbauamtes wird genehmigt. Zur Deckung der Kosten in Hohe von 60 0C0 Mark wird der noch verfügbare bewilligte Kredit in Höhe von rund 37 400 Mark heran- ge'ogen. Für die noch fehienden Baukosten in Höhe von 22 600 Mark wird ein weiterer Kredit be nilfigt, der von der Luftverkehr 21.-0. Oberhefsen-Lahngau verzinst wird zu einem Zinssatz in Höhe von einem Prozent über dem je«* welligen Reichsbanld skrnll^tz.
Ausbau von Straßen.
Der Ausbau der Straße zwischen der Straße Am Kugelberg und der Oberhesfischen Bahn wird genehmigt und dafür ein Kredit von 52 000 Mark zur Verfügung gestellt. Ferner stimmt das Haus dem Ausbau drr Dcrb.ndungsstraße zwischen Bruch- rmd Goethestraße zu und eröffnet für Straßen- und Kanalbau einen Kredit von 12 000 Mark
Bessere Straßenbeleuchtung.
Für die (Srtreiierung der Straßenbeleuchtung, sowie für die Beleuchtung neu auSaebauter Straßen wird ein Kredit von 90 000 Mark bewilligt und die jetzt im Voranschlag vorgesehenen Betriebskosten um 30 000 Mark auf 90 000 Mark erhöht.
Ruch zu dieser Vorlage werden allerlei Ginzel- Wünsche geltend gemacht, die den BauauSschuh noch beschäftigen werden, der über die Anbringung von Straßenlampen zu entscheiden hat. Beachtenswert ist eine Anregung seitens des Stadtv. Horn (Dt. Dp.). der zur Sprache bringt, daß zahlreiche jetzt schon vorhandene Lampen überhaupt nicht brennen, die man doch nachsehen und in Betrieb feh-n solle.
Festsetzung des Gaspreises.
Auf Antrag des F.nanzau/sch'. sses wird folgender Gaspreis-Festschung zugestimmt:
1. Für Haushaltungen, in denen Gasheiz- öfen.oder mit Gas betriebene Zentralheizkessel neu ausgestellt werden, wird der Mehrverbrauch an Gas gegenüber dem mittleren Verbrauch der drei Vorjahre auf 12 Pf. je Kubikmeter festgesetzt. Das Gaswerk wird ermächtigt, den Gasmehrverbrauch bei Haushaltungen, die seither schon Gas für Raum Heizzwecke benutzt haben und bei denen sich der Heizgasbedarf der Vorjahre nicht vom übrigen Bedarf trennen läßt, nach der Zahl und Gröhe der eingebauten Heizkörper festzustellen baw. nach billigem Ermessen zu entscheiden. Streitfälle sind der Betriebs Deputation vorzulegen.
flächen Der Anlagen, sowie Herrichten und Rigolen von Gräberieldern auf Dem alten FrieDhvf:
4. Ausbau von Straßen. Deren Bestimmung her Baudeputation übc'rlafien wird.
Die Kosten in Höhe von rund 140 000 Mk. werden bewilligt. Mehrere Stadtverordnete tragen bei Der Beratung Einzelwünsche über Den Ausbau von Straßen usw. vor.
winterbeihilfe für Fürsorgeempfänger, Erwerbslose und Kurzarbeiter.
Der FinanzauLschuß beantragt, für Zwecke her Winterversorgunz der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen. Kapitalrentner. Sozialrentner, Erwerbslosen und Kurzarbeiter einen Kredit von 24 000 Mk. zur Verfügung des Wohlfahrtsamtes zu eröffnen.
In Verbindung Damit toirD ein Antrag der fozialdemokrali'chen Fraktion beraten, her für Die Erwerbslosen, Kur.arbeiter, Invaliden- und Kleinrentner eine Weihnachlsbeihilse fordert. Das Verlangen der sozialdemokratischen Fraltion enthält einen Haupt- und einen Eventualantrag: Der Hauptantrag sieht ein weitergefaßtes Ausmaß Der Beihilfe vor, das insgesamt rund 24 000 Mk. Kosten verursachen würde: falls man diesem Ersuchen nicht ftattgeben wolle, soll der Eventualantrag gelten, dessen Gesamttvsten rund 11000 Mk. ausmachen würden.
Die Anaeiegenbeit fuhrt zu einer langen Aussprache, in deren Verlauf die Sitzung auf etwa eine Viertelstunde zwecks Fraktionsbejprechungen unterbrochen wird.
Beig. Dr. Frey spricht zuerst namens der Stadtverwaltung. Er macht zunächst Ausführungen grundsätzlicher Art über Fürsorgewesen und Sonderzuwendungen, betont dabei, daß die Beihilfe vom Reich hier nicht zur Debatte stehe, daß es sich nur um eine Zuwendung aus städtischen Mitteln handle und daß bei der Annahme des sozialdemokratischen Antrags das Wocheneinkommen des Erwerbslosen den Wochenlohn eines ungelernten Arbeiters wesentlich überschreiten werde. Vor kurzem erst seien die Unterstützungssätze erhöht worden. Weiter erklärt der Redner, grundsätzlich könne ein Fürsorge- dezerncnt sich mit solchen einmaligen Beihilfen nicht befreunden, denn sie verschleierten das Wesen der Unterstützung. Wenn solche Beihilfen bewilligt würden, so müsse das — vom grundsätzlichen Stand
punkt der Fürsorge aus gesehen — in den meisten Fällen als politisck-er Akt angesehen werden. (Pfui- rufe aus dem Zuhörerraum. Der Vorsitzende droht für den Wiederholungsfall die »Räumung des Zu- härerraums an.) Er halte es für seine Pflicht, offen auf die Bedenken hinzuweisen die vom Standpunkt des Fürsorgewesens gegen solche Beihilfen geltend zu machen seien. Es wäre nach seiner Ansicht eine Pflichtverletzung, wenn er auf diese Bed en nicht Hinweise. Schließlich berichtet der Redner der Fi- nanzausschuß habe mit Stimmenmehrheit den io- zialdemokratischen Antrag abgelehnt. Er betone jedoch, daß dieser Beschluß nicht die Reichsbeihilfe betreffe.
Hierauf treten die Stadtv. Mann und M o v s - do r f (So5.) mit Wärme für ihren Antrag ein, wo. bei sie auf die große wirtschaftliche und seelische Not der Erwerbslosen, Kurzarbeiter und Rentner hin- weisen. Wenn auch infolge der erstrebten Beihilfe das Wocheneinkommen eines Erwerbslosen hoher sei als der Lohn eines ungelernten Arbeiters, so müße man doch bedenken, daß dieser Fall nur ein mal eintrete, jetzt zu Weihnachten, wo man auch Diesen Bedrängten eine Freude und die Möglichkeit zu dringenden Anschaffungen bereiten solle. Stadtv. ff 3 ft n er (Komm.) spricht gleichfalls für den Antrag. Stadtv. Fischer (Dem.) erklärt die Bereitwilligkeit seiner Fraktion, in Anbetracht der Notlage der Erwerbslosen usw. dem Eventual antrug der Sozialdemokraten zuzustimmen. Stadtverordn. Schultz (Dntl.), Geschäftsführer des Deutfchnatio- nalen Handlungsgehilfen-Derbandes, tritt gleich- falls für den Antrag ein, wobei er auch an die Notlage der stellungslosen Handlungsgehilfen erinnert. Stadtv. Nikolaus (Mittelst. Vgg.) erklärt, er sei nicht in den Besitz des Antrages gekommen, und beantragt eine Unterbrechung der Sitzung, damit feine Fraktion sich beraten könne. Das Haus unterbricht die Sitzung.
Nach Wiederaufnahme der 5Bed)anblungcn teilt Beig. Dr. Frey mit, daß er feine grundsätzliche Stellungnahme zur Frage der Sonderbeihilsen beibehalte, in Würdigung der gegenwärtigen Notlage jedoch bereit fei, eine Erhöhung der vom Finanzausschuß beantragten Winterbeihilfe um 1 8000 Mark (d. h. also von 24 000 Mk. auf 42 000 Mk.) vorzuschlagen. Diese Erhöhung gehe erheblich über das hinaus, was die sozialdemokratischen Antrag- fteller im 2. Teil ihres Antrages wünschten. Er werde au chdafür sorgen, daß die entsprechenden Betröge noch vor dem Fest ausgezahlt würden. Stadtv. Mann (Soz.) bezeichnet diesen Vorschlag als einen Mittelweg zwischen den beiden Teilen seines Antrages, erklärt sich mit dieser Regelung einoerftan- den und zieht zu deren Gunsten den sozialdemokratischen Antrag zurück. Die Stadtv. Dr. ffrausmül- l e r (Dt. Dp.), Goerz (Freie Vgg.), Nikolaus (Mittelst. Vgg.) und Fischer (Dem.) erklären die Zustimmung ihrer Fraktionen, woraus der Verwaltungsantrag (Erhöhung der Winterbeihilfe von 24 000 Mk. auf 42 000 Mk.) einstimmig angenommen wird.
Innere Ausstattung der Lezirksfchule Westanlage.
Die Derfammlung erklärt sich mit her Beschaffung Der Inneren Einrichtung D:r Bezirks- schule Westanlage nach Den Vorschlägen Des StaDtbauamtes einverstanden. Die Kosten sinh auf 49 000 Mk. veranschlagt. Durch Diesen Beschluß wird Das Stadtbauamt ermächtigt, Gegenstände, Die sich nicht für eine öffentliche Ausschreibung eignen, in Gemeinschaft mit Der Schulleitung freihändig zu beschaffen. Man spricht Die Erwartung aus, Dah bei Ausführung Der ein-
Gießen, 16. Dezember 1926.
Das Dtadtpaclament hatte heute einen großen Tag. Richt nur im äußeren Verlauf, sondern auch in Den Beschlüssen kam dieser Eha- ralter Der Sitzung zum Ausdruck. Es wurden Entscheidungen getroffen. Die zum Teil für die Gegenwart von großer 05Deutung sind, aber auch Zukmstsausgahen in weitem Ausmaß berührten. Der Jahresschluh 1928 steht jedenfalls kommunalpolitisch an ganz hervorragender Stelle in dem Arbeitsergebnis d:s Stadf>arlaments von 1926. Eine eingehendere Würdigung Der gestrigen Verhandlungen werden wir in unserer morgigen Ausgabe folgen lassen. Rachstehend geben wir Den
Sitzungsbericht.
Anwesend Oberbürgermeister Keller, die Beigeordneten Dr. Seid, Dr. Frey. Dr. Hamm. Justizrat Dr. Rosenberg. Kommerzienrat K l i n g s p o r und 37 Stadtverortnele. Der Zuhörerraum ist überfüllt von Erwerbslosen, Kurzarbeitern usw., die sich für einen Antrag über eine Weihnachtsbeihilfe besonders interessieren. Da Der Finanzausschuß über diesen Antrag erst noch berät, beginnt hie Plenarsitzung mit etwa halbstündiger Verspätung.
Jlotflanbsarbeiten Im Winter 1926/27.
Aus Antrag deS Finanzau.schu ses wird Die Ausführung folgender RotstanDsarbeiten im Winter 1926,27 beschlossen:
4. Der Gasmindestverbrauch von 2 Kubikmeter monatlich bleibt bestehen.
5. Eine Miete für den ersten Gasmesser wird nicht erhoben.
6. Preisermäßigung tritt grundsätzlich nur dann ein, wem Der Gasverbrauch aus einem Grundstück durch ein und denselben Abnehmer erfolgt. Sind mehrere Zuleitungen vorhanden, so ist Der von jeDem Messer angezeigte Verbrauch gelremit zu berechnen.
7. Die neuen Preise sind mit Beginn Der nächsten Mcsserablesung zu berechnen.
Bei Der Beratung Dieser Vorlage werden Klagen über mang sind: Versorgung her B vol- kerung mit G a s k o k s vorgebracht. Rach Rückfrage. an zuftändiger Stelle wird seitens D?r Verwaltung erwidert, Daß Gaskoks nach wie vor abgegeben toirD, jeDoch Der starken Rachfrag « wegen eine Rationalisierung vorne wmmen werden miß.
Maschinenbetrieb bei der Stadlkasse.
Die A sichas, rng einer Reg ,tri ec- . nd Buchungsmaschine „Rational", sowie ejirc Rechenmaschine wird genehmigt und Der hier'ür erforderliche Kredit in Hohe von 17—18 000 Mk. bewilligt.
Umbenennung der Gießener volksschulhäuscr.
Aus zwingenden fach.ich n Grü:iden und um auch einem Wunsche der Lehrerschaft zu entsprechen. sollen die Gießener Volkrschulhäuser wie folgt umbenannt werden: S.ad.k labenschule Rordanlage als P e sta l o z z i s ch u l e, Stadr- mädchenschule Schillerstraße als Schiller- schule und Begirksschule Westanlage als Goetheschule.
Automobiler Sprengwagen.
Die Ciercrung e.iies automobilen Sprengwagens wird der ‘BogtTänDifdhen Masch nensabr k in Plauen zu ihrem Angebotspreis von 20 '04 Mark übertragen. Das ©taDtbouamt wird ermächtigt, Die Bereifung von der F rma Poppe & Co. in Gießen freihändig zu beschaffen.
Beitritt zur hafraba.
Die Stadt Gießen tritt Der Hafraba e. D. (Verein zur Vorbereitung Der Autostraße Hamburg — Gießen — Frankfurt a. M. — Da seh als Mitglied bei. Der M.tgliehsb.ttrag wird auf jährlich 500 Mk. festgesetzt, mit welchem 05? trag gleichzeitig her Erwerb eines Sitzes im Verwaltungsrat verbunden ist.
Umbau der Zehntscheuer ;um PoNzelamtsgebäude.
Rachdem jetzt ein Vertrag mit Dem h.fj.schon Staat bezüglich des Umbaues her Zehnt scheu er zum Polizeiamtsgebäude zustande gekommen ist. wird der oorgelegte Fluchtlinienplan A für de Drcmdgasse vom 25. März 1925 genehmigt. Danach verpflichtet sich der Staat, beim etwa gen Zurückverlegen Der Fluchtlinie Das erforderliche GelänDe zur Verfügung zu stellen.
Jleue Strahenbenermutigen.
Vach Aussprache erklärt sich Das HauS mit einer Reubenennung von Sraßen einDerftin.’en, übet Die wir im lokalen Teil Näheres berichten.
tcm ffupee und livrierter Dienerschaft, der alte Mann trug auch einen vorbildlichen Frack, gebaut noch den Gesetzen der allerletzten Mode. Sein Bart war um ein paar Zoll gekürzt und über seine fleckenlose weiße Weste spannte sich eine schwere goldene Kette. Im Revers seines Abendmantels steckte eine Kamelie und es war der glänzendste aller Ztilinder der Welt, den er trug, der eleganteste Stock aus Ebenholz und Elfenbein, auf den er sich beim Gehen stützte.
„Seibenftrümpfe! — Lackschuhe! — Mein (Bott, sehen Sie sich ihn doch an", stammelte Elk.
Die Vision des Glanzes zog an ihnen vorbei und durchmaß die Halle.
„Er ist verrückt geworden!" flüsterte Elk hohl. Don feinem Platz aus konnte Dick den Millionär beobachten. Er saß während des zweiten Teiles des Programmes mit geschlossenen Auaen da. Nach jedem Stück applaudierte er mit seinen riesigen, weißbehandjchuhten Händen. Dick war dessen sicher, daß er schlief und erst das Klatschen ihn erweckte. Einmal entdeckte er, wie der alte Mann ein Gähnen unterdrückte. Es war im zweiten Satz von Elgars Violinkonzert, das durch feine wundervolle Wieder- gäbe alle Zuhörer im Banne hielt.
Als das Konzert zu Ende war, sah Maitland sich ängstlich um, wie um sich zu vergewissern, ob auch alle aufstünden. Dann erhob er sich und schritt hinaus.
„Das ist der reiche Mailland!" horte Dick einen f^errn jagen. „Er hat jet»t bas Haus des Prinzen von Caux in Berkeley Square gekauft."
Elk kam mit noch andern Neuigkeiten, zum Uebergehen voll, zurück.
„Was halten Sie vom Musikoerständnis des alten Maitland, Hauptmann Gordon? Nun, er hat im voraus Sitze für jedes große Konzert der nächsten Saison bestellt, ^ein Sekretär kam heute nachmittag mit diesem Auftrag her. Der war auch nicht wenig verdutzt darüber und er sollte einen Tisch für heute abend im Herons fftub bestellen.
Elks Gesicht war während seines ganzen Berichtes totenernft geblieben. Er winkte einen seiner Begleiter heran
„Wie viele Leute brauchen Sie, um Herons Klub zu besetzen?" fragte er.
•V - (Fortsetzung folgt.)
anwcisen, meine Erlaubnisscheine zuriickzuziehcn." „Erlaubnisscheine?" fragte Dick.
„Ja, ich führe zwei Revolver mit mir und die Zeit ist nahe, wo auch diese beiden nicht genügen werden", sagte Joshua Broad.
XII.
Herrn Maitlands Verschönerung.
Es fand ein Konzert in Queens Hall statt und die Verlockung, den großen Violinspieler zu hören, war so stark, daß selbst in diesen Sommertagen der riesige Zuschauerraum überfüllt roar. Es fiel Dick Gordon mitten in feiner dringenden Abendarbeit ein, daß auch er längst einen Sitzplatz bestellt habe. Er fühlte sich übermüdet, von den rätselhaften Er eigniffen genarrt und fast hoffnungslos, sic zu losen. Ein Bries von Lord Farmley, der heute an ihn gelangt war, forderte schleunige Anstalten, um den verlorenen Handelsvertrag wieder zu erlangen. Es roar ein Brief, wie ihn ein schwer überarbeiteter Mann schreiben mochte, ohne sich darüber Rechen- schäft abzulegen, daß er damit seine eigene Panik auf den Empfänger übertrug, ixtti er doch keinesfalls zu überstürzten Maßnahmen verleiten durfte. Dick entschloß sich, alle Sorgen zur Seite zu werfen und das Konzert zu besuchen. Er rief seine Garage an, ließ aber statt seines eigenen einen geschlossenen Mietwagen vorfahren und war nach zehn Minuten einer von den zweitausend Bezauverten, die dem Spiel des Meisters lauschten. In der Pause schien- derte er ins Foyer, und die erste Person, die er traf, war ein Zentralpolizeibeamter, der feinen Blick vermied. Ein zweiter Geheimdetektio stand auf der Stiege, die zur Bar führte. Ein dritter rauchte seine Zigarette auf den Stufen vor der Sjalle. Das Glockenzeichen ertönte und Dick wollte eben die halb- gcraudjte Zigarette fortroerfen, als eine prachtvolle Limousine vorfuhr, und ein diskret livrierter Lakai absprang, um die Türe zu öffnen. Ein einzelner Herr stieg aus dem ffupee und Dick erkannte ihn sogleich. Es roar Ezra Maitland.
.Heiliger Moses!" murmelte jemand hinter ihm und als Dick den Kopf wendete, sah er Elk in dem einzigen alten Frack, den dieser je im Leben besessen hatte, hinter sich stehen. Sie waren beide von fassungslosem Erstaunen gelähmt. Denn nicht nur, daß Herr Maitland gleich einem regierenden Monarchen vorfuhr, mit silbernen Beschlägen, mit lackier-
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Herrn. Hauth ;r in seiner Szene Wonneschluck".
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it die Schüler und Schülerinnen d« lutnoetelns oon 1846 Montag, den 20. Dezbr. 1926, adends ?', uhr pünktlich, in btt Turnhalle, Sitinslr. Wir bitten um zahl, httnitglieder haben
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