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Der bedeutsame Dortrag des gründlichen For­schers bildete einen Auszug aus einem Buche des Herrn Prälaten zur Jubelfeier, das in den nächsten Tagen erscheinen wird.

So waren es gehaltvolle Stunden, mit denen sich die Dorfkirche ein Verdienst erworben hat.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

* Göbelnrod. 15. Sept. Um gegen ein Versagen unserer Wasserleitung geschuht zu sein, bat unsere Gemeinde das Wasser wer t neu eingerichtet. 3m Winter wurde schon eine neue Pumpe eingebaut, als die alte durch den Frost vernichtet war. 3eht wurde eine voll- lommene Reserveeinrichtung eingebaut, eine zweite Pumpe mit besonderem Elektromotor. Da- mit ist unsere Wasserversorgung sichergestellt Die stiefmütterliche Behandlung der Strecke Gießen Fulda zeigt sich am deutlichsten an unserem Halte p un!t. Vor mehr als 25 Jahren wurde er unter groben finanziellen Opfern der Gemeinde gegen hatte Widerstände der Bahn geschaffen. 3n der Ab­bauzeit wurde er vorübergehend ganz geschloßen, trotz unserer Proteste. Vach langwierigen Kämp­fen gegen die Dahnverwaltung halten hier nun drei Zugpaare: aber das genügt nicht für unsere Bedürfnisse, denn vier Gemeinden benutzen unsere Station. Augenblicklich sind wieder Bestrebungen im Gange, noch einige Züge hier halten zu lassen, vor allem fehlt das Halten des Abendzuges nach

Grünberg, 16. Sept, Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung: Dem Turnverein soll in Anbetracht seiner gemeinnützigen Tätigkeit auf Antrag die städtische Geländeerwerbs. steuer erlassen werden, wenn das Land und Reich in gleicher Weise entscheiden. Der hiesige Fuß- ballverein beantragte eineVergroherung des Sportplatzes und bemerkte in seiner Eingabe, er wolle die Arbeiten evtl« selbst aussuhren. Der Gemeinderat zollte dem letzteren Vottchlag seine Anerkennung, konnte sich jedoch nocy nicht zur Sache selbst entschliehen, vielmehr soll erst noch eineBefichu- flung des Platzes stattfinden. Aach einer Mit­teilung des Kreisbauamtes find für die Kanali- salion in der Londorfer Strahe noch umfang­reiche Vorarbeiten zu erledigen; u. a. muhten vom Marktplatz bis zum neuen Hochbehälter andere Wasserrohre mit gröberen Dimensionen gelegt und die Höhenlage dementsprechend im Plan hergestellt werden. Diese Arbeiten beanspruchen viel Zeit und verursachen etwa 15 bis 20000 Mark Kosten. Die Angelegenheit dürfte voraussichtlich bis 1927 ver­schoben werden.

ri. Li ch, 16. Sept. Gestern wurde der allen Ausflüglern bekannte St (bad) er Seid) ausge­fischt, der eine Viertelstunde von hier entfernt reizend im Wald unmittelbar an der Gießener Landstraße liegt und von hiesigen Schwimmern im Sommer gerne als Badeplatz benutzt wird. Der Be­sitzer des Teiches ist ter Fürst von Solms-Hohen- folms-Lich.

bs. Aus der mittleren Wette rau, 15. Sept. Die diesjährige Grummet ernte m unserer Gegend ist nach Menge und Gute zu einer ausgezeichneten Dürrfuttere r n t e, wie seit Jahren nicht mehr, geworten. Eine über­aus reiche Birnenernte wartet jetzt m allen Dörfern hiesiger Gegend auf die Verarbei­tung. Die Kartoffelernte hat in diesen Tagen mit dem Ausmachen der zu Saatgutzwecken vorge­sehenen Kartoffeln begonnen. Den besten Ertrag liefern BöhmsOdenwälder Blaue",Allerfruheste Gelbe" undAllerfrüheste Juni". Die A p f e l - ernte ist nur geringfügig; man beginnt jetzt nut dem Ernten dieser Früchte. In diesem Jahre ist hauptsächlich der Apfelwickler an der Arbeit, in geringerem Maße auch der F r o st s p a n n e r. Es ist zu begrüßen, daß die Kreisstraßenverwal- langen jetzt an ihren Kernobstbäumeii Jnsekten- fanggü'rtel angebracht haben und damit bahn­

brechend in der Schädlingsbekämpfung vorange­gangen sind.

Kreis Friedberg.

i). Wolfersheim, 16. Sept. Gestern fand hier die V e r ft e i g e r u n g des diesjährigen G e meindeobstes statt. Die Apfelernte war recht spärlich, die Birnenernte fast reichlich. Die Nachfrage war gering. Der Zentner Koch- und Weinäpfel war am Baurn für 5 Mark, das gleiche Quantum Tafel­obst für 8 Mark zu haben. Birnen wurden je nach Güte mit 2 bis 4 Mark ter Zentner bezahlt.

Kreis Büdingen.

le. Büdingen, 16. Sept. Hier fand ein gut besuchter Sprechtag für Rechner und Vorstands­mitglieder der etwa 2 0 N a i f f e i s e n v e r e i n e der Umgegend von Büdingen statt. Generalsekretär Grisa'r vom Frankfurter Raisfeisenoerband be­richtete über die fast durchweg günstigen Bilanz­ergebnisse ter jungen Vereine, gab den Rechnern Richtlinien für selbständige Bilanzstellungen, damit die Vereine die Kosten der Inanspruchnahme von Revisionsbeamten des Verbandes sparen und diese selbst für ihre eigentlichen Aufgaben freier werden, als das bisher der Fall war, und teilte mit, daß zu diesem Zwecke in einem der nächsten Monate ein sechstägiger kostenloser Ausbildungslehr- g a n g in Frankfurt a. M. eingerichtet werden wird. Außerdem soll ein Bilanz st ellungsbureau beim Verband eingerichtet werden. Bei der Bespre­chung zeigte sich, daß der letztgenannte Plan bei den hiesigen Vereinen keine Gegenliebe findet, da die Rechner dabei persönlich ausgeschaltet sind. Die Rechts- und Steuerauskunft st eile in Wetzlar.wird sehr stark in Anspruch genommen, so daß für deren Benutzung einige neue Maßnahmen getroffen werden muhten. Nachdem Generalsekretär Grisar noch mancherlei Ratschläge für die Ver­einsverwaltung, die Führung der Kleinverkaufs­stellen und der Lager gegeben hatte, berichtete Haupt- geschäftsführer kleinert über den sehr günstigen Abschluß des ersten Geschäftsjahres der im Novem­ber v. I. gegründeten Raiffeisen-Haupt' genossen sch ast Frankfurt sowie über das abgelaufene und kommende Warengeschäft. 2)ie meisten Vereine sind der Hauptaenossenschaft bei­getreten. Ueber das Raiffeisen-Versiche­rungswesen, die zahlreichen neugegründeten Dorfsterbekassen in unserer Gegend berich­tete der Versicherungsbeamte, Th. Höhn, Bleichen­bach, sehr eingehend und klar.

Id. Aus d e m N i d d a t a l, 16. Sept. Jelddieb- stähle fürchtend, beginnen viele Obstzüchtec bereits mit der Aepfelernte, ohne zu bedenken, daß das verfrühte Abmachen die Güte des Obstes bedeu­tend herabmindert. Die zu erwartenden Mengen können nicht einmal den örtlichen Bedarf decken und kommen rasch unter. Ein fester Preis hat sich noch nicht herausgebildet; man spricht von etwa 20 Mk. für den Zentner.

?" Aus dem Niddatal, 16. Sept. Die Kartoffelernte ist bereits In vollem Gange. Die Gewitterregen am vergangenen Sonntag haben die verkrustete Erde durchweicht, so daß die Arbeit flott von statten geht. Im Durchschnitt muß mit geringeren Erträgen als im Vorjahre ge­rechnet werden. Nasse Sieder liefrn nur geringe Mengen. Die gelbfleifdjigen SpeisekartoffelnJti- dustrie" und dieBlaue" haben auch in diesem Jahre wieder versagt. Sie gingen schlecht auf, ver­kümmerten während der Nässe, so daß das Kraut jetzt völlig abgestorben ist. Nur auf durchlässigen, trockenen Siedern ist ihr Ertrag befriedigend. Gegen Nässe weniger empfindliche Sorten wie dieHassia" haben das Jahr gut üoerftanben und füllen die Säcke.

Kreis Schotten.

* Ober--Schmitten, 16. Sept. Ein von hier gebürtiger, kürzlich verstorbener Deutsch-Ame­rikaner, namens Braun, bedachte in feinem Testament die Kirche Eichelsdorf mit 300 Dollar. Da die gesprungene Vaterunserglocke zu ersetzen ist und allerlei Wiederherstelludgsarbeiten an der Kirche auszusühren sind, kommt die Dollar­spende sehr gelegen.

---Aus dem Vogelsberg, 15. Sept. 3n den letzten 3abxen hat es sich ganz besonders gezeigt, daß die Viehzucht der lohnendste Zweig der Landwirtschaft in unserer Gebirgs­gegend ist. Die Grundlage der Viehzucht sind gute Wiesen und Weiden, Tummelplätze und Iungviehweiden. Seit 30 Jahren ist die Re­gierung erfolgreich mit der Melioration der Oedländereien beschäftigt, die Landwirtschafts- fammer hat mustergültige 3ungviehweiden ange­legt. Einzelzüchter und Gemeinden wetteifern, die besten Tiere zu züchten oder zu kaufen, um ihre Viehhaltung milch- und fleischergiebiger zu gestalten. Die Landwirtschaftstammer legt bei den Körungen den größten Wert auf Reinzucht, Abstammung und Milchergiebigkeit. Die Hauptkörungen 1926 haben im Vogelsberg jetzt ihren Abschlub gefunden. Don den 53 Gemeinden des Kreises Schotten werden in 32 Gemeinden Simmentaler Rinder, in 7 Gemeinden Rotvieh gezüchtet, 14 Gemeinden treiben beide Zuchtrichtungen, 42 Gemeinden haben Schafherden, 21 Gemeinden treiben Ziegen- und Schweinezucht, 8 Gemeinden befihen einen Gemeindefaselstall. Der Kreistag des KreiseL Schotten hat einstimmig 300 Mark als Prämie für gute Faseltierhaltung bewilligt. Den besten Vogelsberger Bullen besitzt die Gemeinde W o h n f e l d, den besten Simmentaler Dullen die Gemeinde Gedern. Bei den Hauptlörungen 1926 wurden neu angekört: 29 Dogelsberger Dullen, 88 Fleckviehbuklen, 40 Schafböcke, 21 Ziegenböcke und 21 Eber. Die Statistik zeigt eine starke Abnahme der Schafzucht; 1900 betrug die Zahl der Schafe 10 262, 1925 nur noch 7c42. Dagegen erfreut sich die Ziegen­haltung einer starken Zunahme; 1900 waren es rtznd 2000 Ziegen, heute sind es 2620 Tiere. Gewaltig zurückgegangen ist die Schweinehaltung; 1914 zählte man 16 020 Tiere, 1925 nur noch 12 022. Eine Ver­mehrung der Schweinezucht ist aus wirtschaftlichen Gründen dringend notwendig, da unser verarmtes Land sich eine starke Fleischeinfuhr nicht leisten kann.

Kreis Alsfeld.

-er. Alsfeld, 16. Sept. Am Mittwoch fand in der Turnhalle dahier das Abturnen der in einem besonderen Kursus im neuzeit­lichen Turnen ausgebildeten Lehrer unseres Kreises statt. Das neuzeitliche Turnen er­strebt eine intensivere, allseitige Ausbildung sämtlicher Muskeln des menschlichen Körpers, und stellt dadurch an seine Zöglinge hohe Anforde­rungen, die aber der Entwicklung des jugend­lichen Organismus in hohem Grade förderlich sind. Auch in Homberg dürfte in der dortigen Stadthalle ein solcher Kursus bald folgen.

-er. Homberg a. d. Ohm, 16. Sept. Da der Vogelsberg größtenteils aus Basalt aufgebaut ist, trifft man auch in unserer Gegend, an der Rordwestseite desselben, vielfach Basalt an. Dieser gehört zu den jungoulkanischen Ge­steinen und kommt bisweilen in sechsseitigen Säulen vor. Diese findet man hier in dem außer Betrieb gesetzten Bruche in der Rahe des Frankfurter Hofes. Einen vorzüglichen Basalt liefert der an der Straße Düßfeld-Hom- berg, in dem DistriktRothe Kuh", gelegene B a s a l t b r u ch, der von der FirmaMittel­deutsche Hartsteinindustrie" gepachtet ist. Die durch Steinrichter behauenen Steine werden mit­tels einer Kleinbahn entlang der Straße nach Station R e u h a u s zum Verladen gebracht. Sie werden meistens zu Pflastersteinen verwandt. 3m DistriktH e r rn a n n s b e r g" liegt gleichfalls ein Dasaltsteinbruch, der von einem Gießener Herrn gepachtet ist; diese Ausbeute wird per Achse zur Station Reuhaus befördert und gelangt dort zum Einladen. Auch^vieser Bruch liefert meistens Pflastersteine. An der Südseite desHermannsberges" wird haupt­sächlich Sand gefördert, in dem schichtenweise Quarzit st eine eingebettet sind. Er wird ebenfalls in Station Reuhaus eingeladen, der

Transport erfolgt selbsttätig durch etne veionvere Förderanlage. 3m Distrikte Born st rauch wurde der etwa ein 3ahr in Betrieb befindliche Basaltbruch wieder ft i 11 g e I eg t. Der größte Betrieb herrscht in dem Basaltsteinbruche der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie zwischen Homberg und Rieder-Ofleiden, wo Tag und Rächt gearbeitet wird. Die gebrochenen Steine werden hier durch Förderkörbe zu einer Klopfmaschine gebracht, die sie in Grus ver­wandelt, das dort teiLS feinkörnig, teils grob­körnig in einer besonderen Haltestelle unserer Rebenbahn eingeladen wird. Dieser Grus kommt zum Versand und dient zur Bedeckung von Spazierwegen (Gartenwegen), auch verwendet man es zur Herstellung von Beton. Das Vor­kommen von Basalt und Quarzit (Rordseite) bietet unseren Arbeitern mannigfache Gelegen­heit zu lohnendem Verdienste.

-er. Ober-Ofleiden, 16. Sept. Seit einigen Tagen ist auch in unserem Dorse die Dreschmaschine in Tätigkeit. Sie bedient gleichzeitig den Strohbinder, wodurch die Leute dieser staubigen Arbeit enthoben sind. Auch hier helfen sich die Bauersleute bei diesen Arbeiten gegenseitig. Die großen Getreidevorräte liefern reichen Ertrag an Körnern und Stroh.

00 Kirto rf, 16. Sept. Die vor kurzer Zeit in dem nahen Erbenhausen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche hat sich leider nicht auf das Ausbruchsgehöft beschränkt, sondern greift weiter um sich. Es wird schon der Verlust von einigem Klauenvieh, namentlich junger Stiere, beklagt. Der Fährverkehr mit dem Rindvieh ist daher innerhalb des Ortes und der Gemarkung gänzlich eingestellt worden, was die Ein­bringung der Kartoffel- ufw. Ernte, sowie die Be­stellung'der Sieder sehr behindert. Es ist zu be­fürchten, daß diese Seuche trotz aller Vorsichtsmaß­regeln noch in die Nachbargemeinden einbringt.

Kreis Lauterbach.

V Grebenau, 16. Sept. Der Dienst bei unserer Landjägerstelle wurde seit deiti int Jahre 1923 erfolgten Tode des Oberwachtmeisters Becker von Wachtmeister Mertens allein ver­sehen, da eine Neubesetzung der Stationsführerstelle am Wohnungsmangel scheiterte. Da es auch im vorigen Jahre noch unmöglich war, eine Wohnung zu beschaffen, entschloß sich die Behörde zum N e u - bau eines Doppelwohnhauses. Das Ge­bäude wurde am Bahnübergang westlich des Bahn­hofs errichtet und in diesem Sommer fertiggestellt. Infolgedessen konnte Oberwachtmeister Sczer- b o w s k i aus Homberg a. d. Ohm jetzt mit der Führung der hiesigen Station beauftragt werden. Während unsere friedliche Bevölkerung wohl kaum Anlaß aur Verschärfung des Polizeidienstes geben dürfte, ist das Vorhandensein eines zweiten Be­amten aus einem anderen Grunde sehr zu begrüßen. Unser abseits gelegener Grenzwinkel wird so sehr vonfahrenden Leuten", die nach Bc- lieben über die nahe Grenze wechseln können, heim- gesucht, daß sie zu manchen Zeiten eine rechte Landplage sind. Nunmehr werden diese unan­genehmen Gäste wohl leichter auf den Schub zu bringen Jein.

l Willofs, 16. Sept. Sim Sonntag hielt unfer Schützenverein fein zweites Preis- schießen ab. Das Ergebnis des edlen Wettstreites war folgendes: 1. Preis Johannes Habermehl, Willofs, 35 Ringe; 2. Lippert, Wernges, 35 R.; 3. V. Dahmer , Willofs, 35 R.; 4. H e i l, Nieder­jossa, 34 R.; 5. K. Lindner, Willofs, 34 R.; 6. V. Habermehl II., Willofs, 34 R.; 7. V. Ha - bermehl III., Willofs, 34 N.; 8. Fritz Möller, Angersbach, 34 R.; 9. Ortwein, Angersbach, 33 R.; 10. Johannes Hildenbrand, Willofs, 33 R.; 11. Valentin Becker, Willofs, 31 N.; 12. Förster Adolf, Wernges, 31 R.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

XX Wetzlar, 16. Sept. Der hiesige S^ar- u n d B a u v e r e i n, der seit 1904 auf dem Gebiete

Sturm in Schmaiebeck

Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 bq Slug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Wenn ich nur wüßte, wie Mutter das ange­fangen hat", sagte Riekchen zu Ilse.Es ist mir fo peinlich. Und die Leute werden wieder reden. Was soll fo etwas? Er mag doch einmal nur dich, und ein Mann, der Augen im Kopf hat, der kann auch nicht anders." .

Tu mir die Liebe und laß mich mit ihm in Frie­den. Ich hab wirklich allein meine Sorgen." Sie wollte aber nicht sagen, was das für Sorgen seien.

Doch als um die Zeit nach dem Mittagessen jeder­mann im Hause feinen eigenen -Gedanken Audienz gab, nahm Ilse den wattierten blauen Seidenman­tel und die blaue Sammetkapuze, mit Iltisfell um­randet, zog sich Ueberschuhe über die leichten Stic- selchen, band einen Schleier vor das Gesicht und ging leise aus der Hintertür in den Garten. Durch die verschneiten Steige schritt sie hinunter zum Flusse. Der lag unter einer Eisdecke und knisterte ein bißchen, als sie über ihn hinging. Sie lieh sich davon nicht stören, trat jenseits auf den schmalen Feldsteig und ging in die stille Winterwelt hinein.

Mußte sie das nicht tun? Gestern war mit dem Milchmann von Eichtal ein Briefchen in ihre Hände gekommen, bas war ein Schrei um Erhörung.

Es ist ganz schnell gekommen, geliebte Ilse. Ich soll schon morgen früh fahren. Und werde Sie nicht mehr sehen. Unmöglich, ganz unmöglid) zu den­ken. Alle guten Geister, die sehnende Herzen be­schirmen, mögen mir beistehen, daß Sie meinen flehenden Worten Gehör geben und morgen nach­mittag die Landstraße zwischen Schmalebcck und Eichtal hingehem Sie ist um diese Zeit verlassen wie ein Kirchhof. Aber sie soll kein Kirchhof meiner Liebe werden, sondern ein Rosenhain mitten im Winter, wenn es mir gelingt, in Ihnen das gleiche Feuer zu entzünden, das in meinem Herzen lodert.

Werden Sie kommen? Werden Sie einem ver- zweifelten Manne Mut geben zum Harren auf eine bessere Zukunft?

Immer Ihr in den Tod getreuer

Olaf Hainmersmid."

Mußte man nicht gehen? Wem davon sagen? Hanse? Nein, Hanse war gut, aber Hanse war doch immer Vaters Frau und sagte stets, zwischen Eheleuten dürfe es kein Geheimnis geben. Daß Vater aber mit diesem Gang nicht einverstanden war, bas konnte sie sich sagen.

Sie sah schon von fern eine schlanke Gestalt her- anfommen, grau gekleidet, den eleganten Handstock im Kreise wirbelnd, wie es ein gewisser Jemand zu tun pflegte. Für einen Augenblick kam es ihr er­schreckend zum Bewußtsein, daß sie etwas tat, wad ganz und gar ungehörig war, daß sie einem Herrn ein Stelldichein gewährte. Aber nun war es nicht mehr zu ändern.

Sehr ruhig, keinen Schritt beeilend, ging sie vor­wärts, und als der blonde Baron mit hastigen Tritten näher kam und schon bei zehn Schritt Ent­fernung begeistert ausriefrSüße Ilse, o meine süße Ilse!" sagte sie ganz gemessen:Bitte, wenn Sie sich nicht durchaus als Kavalier benehmen, Herr von Hammersmid, gehe ich sofort zurück."

Wo mein Herz in hellen Flammen steht! Es ist unmöglich."

Dann tut es mir leid, daß ich kam."

Aber Sie tarnen."

Jetzt muß ich wohl sagen: leider. Ich dachte bei mir mir sind so gute Freunde gewesen, ganz ohne einen Abschiedsgruß soll er doch nicht gehen. Ob­gleich ich nicht weiß, warum Sie nicht in unser Haus kamen, um Adieu zu sagen."

Oh, Sie wissen es. Wem hätte ich Adieu sagen müssen? All den alten Herrschaften. Und sie hätten sich so verneigt, fo aus der Ferne jawohl so und ich hätte nicht ein Wort sagen dürfen von meinem Herzen und von allem, was da drinnen brennt."

Sie hätten ja--" Ilse brach ab. Das konnte

sie doch nicht sagen:Sie hätten ja meinen Vater um Erlaubnis bitten dürfen,mir alles zu sagen. Dann wäre es wohl gegangen."

Er hatte ihre Gedanken erraten.Wenn ich wie- derkomme, dann darf ich anders kommen, darf ich? Wissen Sie, warum ich schweigen muß, jetzt noch? Es steht so viel zwilchen uns, die Menschen und die Politik und meine Eltern--"

Ihre Eltern?" Sie horchte auf. _______

Oh, meine Eltern kennen Sie nicht. Und man hat ihnen geschrieben von hier und hat Untraut ge- säet--'

Wer hat geschrieben?" .

Der all die schlimmen Briefe schreibt. Ohne Namen. Daß ich--nein, davon wollen wir nicht

reden."

Doch, gerade das möchte ich wissen."

Aber Olaf legte den Arm um sie, zog sie trotz der dicken Wattierung fest an die Brust und flehte: Wir haben nur diese eine Stunde, da wollen wir an nichts Häßliches denken. Wenn ich dort bin, und ich habe mit meinen Eltern gesprochen, und ich habe ihnen gesagt, was für ein liebes, süßes Mädchen meine Ilse ist"

Ich bin noch gar nicht Ihre Ilse."

Du bist meine Ilse. Meine ganz allein. Oder ist da ein anderer? Ist der dicke Grützrnann mit seinen harten Talern besser? Oder der korrekte Hamburger? Oder sonst einer, den ich nicht weiß? Sag', ist da einer?"

Nein, nein da ist keiner ---" in diesem

Augenblick, wo er so bat und seine Augen noch viel mehr bettelten als seine Worte, war sie ihm wirk­lich von ganzem Herzen gut. Nur daß sie einen klaren Kopf behalten wollte, wenn es auch schwer wurde.

Wenn ich dich mitnehmen könnte. Gleich, meine Ilse. Und für immer und alle Tage. Da würdest du mit mir wohnen ganz tief in unserem Wyld. Da hab' ich ein kleines Jagdhaus, mitten in der Heide, da sind rings lauter hohe Tannen die Hirsche schreien, und nachts die Eulen, da ist es so einsam, nur der Jäger wohnt da. Der heizt uns den Ofen und brät uns Wildfleisch, und abends, wenn der Schnee fällt, sitzen wir vor dem Feuer und vergessen Schmalebeck und das ganze Schleswig-Holstein, und du wirst meine kleine Danske-Frau, und niemand weiß, wo wir sind--"

Langsam gingen sie vorwärts, während er redete, Ilse atmete tief auf.Müßte das sein? Daß ich deine D a ns k e -Frau würde? Geht es nicht anders?"

Willst du denn das nicht? Wenn du meine Frau wirst, da ist mein Land dein Land--"

,3a, und dein Gott ist mein Gott--" sie blieb

stehen.Das kann doch nicht fein."

Warum kann es nicht fein?"

Ich muß bleiben, was ich bin."

Meine Mutter ist auch ganz eine Dänin ge­worden. Sie liebte meinen Vater, so liebte sie auch fein Land."

Ich kann dein Land lieben, aber ich kann mein Land nicht vergessen. Wenn du das verlangst"

O nein, nein, ich will nichts verlangen, ich will warten. Ich will geduldia fein, fo sehr geduldig. Bis du es nicht anders mehr weißt, als daß Ii5.land deine Heimat ist." Er stand wieder still, sie waren nahe an Eichtal herangekommen, hob ihr Gefixt ein wenig mit der Hand und bat:Soll ich gehen ohne einen Kuß von meiner lieben, schönen Braut?"

Da litt sie es, daß er den Schleier von ihrem Ge­sicht schob und sie küßte.

Die kleinen Flocken, die immer einmal trotz des blauen Himmels durch die Luft gestäubt waren, wurden dichter. Droben zog es sich zusammen, die Dämmerung kam früh.

Laß uns umkehren", bat Ilse.Wenn mich jemand hier mit dir gehen sieht, ist das Geklatsch fertig. Das darf ich den Eltern nicht antun."

Arm in Arm schritten sie zurück nach Schmale- deck, immer einmal stehen bleibend, wenn Olas durchaus noch einen einzigen Kuß halfen mußte, und als die Stadt dämmrig gegen den Himmel stand, als die ersten erleuchteten Fenster über die Felder schienen, war es schon fast dunkel geworden. Plötzlich fuhr von hinten her ein Wagen ay ihnen vorüber. Jemand hockte neben dem Kutscher, ver­mummt bis an die Nasenspitze, wandte den Kops zurück und lachte laut auf. So voll Hohn war das Lachen, es ging dem Mädchen durch und durch.

Wer war das?" fragte Olaf.

Ich weiß nicht. Es kam mir vor, als müßte ich den Ton kennen, aber nein--Wenn es

Schmalebecker sind, haben sie uns erkannt."

Der'Mann o, er war der Knecht von unse­rem Müller von Eichtal. Aber die Frau--Mach

dir keine Sorgen, mein liebes Mädchen, es war zu dunkel, sie kannten dich nicht."

Geh jetzt zurück, Olaf. Ich geh' quer über das Feld und über die Schmale, da bin ich am schnell­sten zu Hause. Und vergiß mich nicht, da in deinem Jütland. Ich glaube, es werden schlimme Zeiten kommen für uns beide."

(Fortsetzung folgt.)

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