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Zreitag, (7. September 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 2(8 Zweites Blatt

Gartenbau und Elektrizität.

Elektro-Fahrzeuge.

p Von Stadtverordnetem 21. Kurz.

In wenigen Jahren feiert die Elektrizität ihr goldenes Dienstjubiläum als 2lntriebskraft für Fahr­zeuge. Es war im Jahre 1879, als Altmeister von Siemens in der Berliner Gewerbeausstellung die erste elektrische Bahn vorführte. Dieses Bähnlein, das uns heute wie ein Puppenspiclzeua anmutet, erbrachte den Beweis seiner Leistungsfähigkeit und beförderte während der Dauer der Ausstellung über 100 000 Menschen. Einige Jahrzehnte später durch­rasen gewaltige elektrische Lokomotiven die Alpen, Bergbahnen erklimmen die vereisten Gletscher, Hoch- und Untergrundbahnen, Straßenbahnen er­obern Großstädte und flaches Land. Durch die Stol­len der Bergwerke, durch Höfe und Hallen der Fabriken rollen die von kleinen Lokomotiven ge­schleppten Schmalspurbahnen. Elektromobile, Trieb­wagen, Seil- und Kettenbahnen, Krane, Aufzüge

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und Hebezeuge aller Art befördern, vom elektrischen Strom getrieben, Menschen und Lasten, Der elek­trischen Zugbeförderung gehört die Zukunft und unsere Enkel, vielleicht schon unsere Kinder, werden lächelnd der Zeiten gedenken, da man jahraus, jahr­ein Millionen Tonnen Kohle mit zischenden und pustenden Dampflokomotiven spazieren fuhr, um wiederum diese Lokomotiven zu füttern. Der Tag erscheint nicht mehr fern, da die Großkraftwerke auf den Kohlenzechen, die Wasserkraftwerke der Gebirge

ohne Schwierigkeit. Es können sogar Steigungen bis zu 14,5 Prozent unter voller Last, genommen werden, jedoch sinkt dann die Leistungsfähigkeit der Batterie rasch. Die Gießener Straßensteigungen würden beispielsweise dem normalen Karrenbetrieb keine nennenswerten Beschwerden bieten.

Die Bedienung der Karren ist einfach. Ein Führerschein ist bei den Typen mit geringer Ge­schwindigkeit nicht erforderlich. Wenn der Führer nicht auf der Plattform steht, kann der Karren nicht anfahren. Springt der Führer ab oder wird er abgerufen, dann wird der Antriebsmotor selbst­tätig abgeschaltet, der Karren steht still. Steue­rung und Lenkung erfolgt durch 2 bequem bedienbare Hebel vom Führerstande aus. Dabei kann der Führer vor- und rückwärts fahren, fein Gesicht der Ladefläche zu- oder abwenden. Signal­vorrichtung und Beleuchtung kann er von seinem Stande aus beherrschen. Zur Bremsung dienen 2, voneinander unabhängige, sicher wirkende Backen­bremsen. Die Wendigkeit der Karren ist sehr groß. Es können, je nach Bauart und Anzahl der lenkbaren Räder, kleinste innere Krümmungshalb­messer bis zu 500 Millimeter befahren werden. Eine gute Federung und die Vollgummibereifung der Laufräder'schonen den Führer, die (federnd aufge­hängte) Batterie und den Karren.

Die Ladung der Karren kann in Betrieben, die Gleichstrom von 110 Volt verwenden, unmittel­bar, in Betrieben mit Gleichstrom von 220, 440 oder 500 Volt unter Zwischenschaltung eines kleinen Lade-Umformers, in solchen, die an Wechsel- oder Drehstromnetze angeschlossen sind, unter Zwischen­schaltung eines Kleingleichrichters erfolgen. Wird ein automatischer Ladeschalter verwendet, dann vollzieht sich die Ladung selbsttätig, ohne daß irgendeine Ueberwachung notwendig ist. Zur Ladung wird am zweckmäßigsten die Nachtzeit benutzt, da die meisten Elektrizitätswerke, so auch das der Stadt Gießen, Nachtstrom zu sehr günstigen Bedingungen abgeben. Die Kosten werden dadurch sehr gering, wie ein Bei­spiel erläutern mag: Zur vollen Aufladung der Bat­terie eines Karrens von 1500 Kilogramm Tragkraft find 14 Kilowattstunden erforderlich. Angenommen, der Ladeumformer sei an 440 Volt angeschlossen. Er hat einen Wirkungsgrad von ca. 70 Prozent. Es werden daher benötigt 14 Kilowattstunden geteilt durch 0,70 20 Kilowattstunden ä 8 Pf. Die La­dung kostet demnach 1,60 Mk. Damit können 60 Nutzlast-Tonnenkilometer gefahren werhen. Die reinen Stromkosten für den Nutzlast-Tonnenkilo­meter betragen also 2,65 Pf., d. h. man kann für 2,65 Pf. 1000 Kilogramm 1 Tonne einen Kilo­meter weit fahren. Selbstverständlich kommen zu diesen reinen Stromkosten die Kosten für Verzinsung des Anlagekapitals, Tilgung, Instandhaltung und Bedienung.

Die Anschafsungskosten eines Karrens von 750 Kilogramm Tragfähigkeit find mit etwa 2500 Mk.,

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und Ströme das Eisenbahnnetz mit elektrischer Energie speisen und die letzte Dampflokomotive ins Deutsche Museum nach München wandert.

Auch im Nahverkehr, im Kleinförder- wesen, ist die Elektrizität in den letzten Jahren zumAuto", dem von Wärmekraftmotoren ge­triebenen Fahrzeug, in lebhaften Wettbewerb ge­treten. Das Auto ist im geschlossenen Betriebe, in den großen Montagehallen und Höfen der In­dustrie, auf den Bahnsteigen der Bahnhöfe, im Hafen- und Postbetrieb vielfach unbrauchbar und unangenehm. Auch die Schmalspurbahn, sei sie durch tierische, menschliche oder maschinelle Kraft be­trieben, ist oft unhandlich und zu kostspielig.

Diesem Uebelstand abzuhelfen, begann die Elek­trizitätsindustrie schon vor dem Kriege, zunächst nur für den eigenen Bedarf, Kleinfahrzeuge auszu­bilden, die man Elektrokarren nannte und die sich, dank ihrer großen Verwendbarkeit, ein großes Betätigungsfeld erobert haben. Wem find diese flin­ken, niedrig gebauten Wägelchen, die ganze Berge Dön Koffern und Gütern durch das Gewühl der Bahnsteige schaffen, nicht schon ausgefallen? Mit gellendem Hupenton schlängeln sie sich durch die Mässen der Reisenden, stehen augenblicklich still, sausen geräusch- und geruchlos wieder fort und neh­men dem Menschen gewaltige Arbeitsleistungen ab.

Der Elektrokarrey wird von der in einer ntttgeführten Akkumulatoren-Batterie aufgespei­cherten elektrischen Energie durch einen oder zwei Elektromotoren angetrieben. Das Gewicht der Bat­terie ist dabei keinesfalls nurtote Last". Es ist notwendig, um dem Karren das nötigeAdhäfions- aewicht" zu geben, dessen er beim Schleppen und Ziehen bedarf. Die Ladefähigkeit beträgt 750, 1500 und 2500 Kilogramm, die Ladefläche etwa 1 bis 3 Quadratmeter. Man kann sie bei Bedarf vergrößern. Die Fahrgeschwindigkeit be­trägt 7 bis 15 Kilometer stündlich, je nach Größe der zu befördernden Nutzlast. Die Leistungs- f 3 h i g k e i t der Karren ist, je nach Größe, mit etwa 30 bis 90 Nutzlast-Tonnenkilometer zu ver­anschlagen, wenn die Fahrstraße gut ist, d. h. ein Karren von 750 Kilogramm Ladefähigkeit kann m i t einer Batterieladung unter voller Be­lastung 40 Kilometer fahren, bei nur halber Be­lastung aber etwa 80 Kilometer. Das gleiche leistet der Karren von 1500 Kilogramm Tragfähigkeit bei voller Belastung, während er 60 Kilometer, mit 1000 Kilogramm beladen, leisten kann. Bei sehr schlechter, schlüpfriger oder holpriger Fahrbahn und bei gro­ßen Steigungen geht- die Leistung zurück. Stei­gungen bis zu 80 pro Mille (8 Proz.) nehmen die Elektrokarren infolge der charakteristischen Eigen­schaften der Hauptstrommotoren, die sie antreiben,

für 1500 Kilogramm mit etwa 3600 Mk. (bei nor­maler Ausrüstung) anzusetzen. Die Ladestation wird etwa 500 bis 1000 Mk., je nach Ausstattung, kosten. Abschreibungen sind mit ca. 10 Prozent einzusetzen.

Aus den vorstehenden Zahlen ersieht man, daß jeder Industrielle, Kaufmann und Ge­werbetreibende, der häufig Warentrans­porte irgendwelcher Art auszuführen hat, die Be­schaffung eines Elektrokarrens zu mindesten einmal erwägen und die Kosten kalkulieren sollte. Ersah-

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rungsaemäß machen sich die Anschaffungskosten bald bezahtt und es liegen eine große Zahl von Fällen vor, wo sie bereits in i bis z Jahren durch er­zielte Ersparnisse voll getilgt wurden. Der Gießener Nachtstromtarif mit nur 8 Pf. pro Kilo­wattstunde und Rabatten bis zu 25 Prozent würde die Betriebskosten außerordenllich vorteilhaft beein­flussen.

Von den heute in zahlreichen Bauarten herge­stellten Elektrokarren seien nur einige besonders er­wähnt. Da hat sich beispielsweise der Elektro-Hub- tarren mit Ladebänken in der Massenfabrikation sehr bewährt. Karren mit aufgebautem Schwenkkran fin­den beim Transport schwerer Stücke vorteilhaft Ver­wendung. In Kliniken und Krankenhäusern verwen­det man sie mit besonderen Aufbauten zum Trans­port von Wäsche, Lebensmitteln und von Speisen

aus den Küchen nach den Verwendungsstellen. In Ziegeleien und Tonwerken haben sich besondere Roll­tische gut bewährt, die beladen und von dem Karren abgeholt werden. In den Schlachthöfen, in Metzge­reien dienen sie zum Fleischtransport: der Lebens- mittelhandel bedient sich ihrer zum Transport von Gemüse, Milch, Mineralwasser, Flaschenbier und Wein. Eisfabriken, Wäschereien, Mühlen, Bäcke­reien haben besondere Aufbauten zum Transport ihrer Erzeugnisse geschaffen. Es gibt kaum ein Ge­biet des Handels, der Industrie, des Gewerbes, in roelchen Elektrokarren nicht vorteilhafte Verwendung finden würden. Erwähnt fei noch, daß die Karren auch mit Führersitz nach Art der Automobile, ferner als Schlepper zum Schleppen von Eifenbahnwagen und anderen Fuhrwerken, lieferbar sind. Die städ­tische Straßenreinigung und Müllabfuhr vieler Städte benutzt Elektrokarren in den verschiedensten Bauarten, mit Kippmulde, Sprengfaß, Asphalt- Schrubber und Schwenkkran zum Hochheben der Sinkkästen.

Gewiß könnten noch eine Menge Verwendungs­gebiete für Elektrokarren genannt werden, doch ge­nug davon. Es fei noch darauf hingewiesen, daß auch Gleisfahrzeuge, in ähnlicher Bauart wie die Elektrokarren, für Schmal- und Normalfpurgleife gebaut werden und vielseitig verwendbar sind. Auch sie werden durch Akkumulatoren angetrieben und dort benutzt, wo auf bereits vorhandenen Gleis- bahnen Lokomotivbetrieb nicht wirtschaftlich er­scheint. Wer näheres darüber zu erfahren wünscht, möge sich an die betreffenden Firmen wenden, die über alle Fragen erschöpfende Auskunft zu geben in der Lage sind.

Der Slekiro -Zutter-impfer.

Von Dipl.-Jng. Mangold.

Nachdruck verboten.

Eine sorgfältige Futterbereitung ist für das Gedeihen des Zucht-, insbesondere des Mastviehes, von weitgehender Bedeutung. Für die Ernährung wichtig sind die in den verfütterten Vegetabilien enthaltenen Nährsalze, die außerdem die Verdau­ung fördern. Gerade diese Nährstoffe vermindern sich aber bekanntlich bei dem üblichen Kochprozeß durch Auslaugung des Futters. 2lnders ist eine

Verfütterung in rohem Zustand wegen der Gefahr von Erkrankungen durch Krankheitserreger, die mit in die Verdauungsorgane gelangen, nicht an­gängig. Leichte Verdaulichkeit und gute Ausnutzung des Futters werden erreicht, wenn die Zubereitung nicht durch Kochen, sondern durch Dämpfen er­folgt. Selbst nicht mehr ganz vollwertige Futter­mittel werden bei dieser Zubereitungsart wieder verwendbar. Die Nährsalze bleiben erhalten, der Geschmack der vom Vieh bevorzugten Nahrung wird bei gemischtem Futter durch die ganze Masse verbreitet und hierdurch die Freßlust gesteigert. Gleichzeitig wirkt der bei der Dämpfung erzeugte Dampf sterilisierend, indem er Krankheitserreger und Parasiten abtötet. Auch die Keimfähigkeit oqn Unkrautsamen wird vernichtet, so daß der Dung weniger Unkrautkeime enthält.

Das Dämpfen des Futters kann nun sehr vor­teilhaft durch Verwendung elektrisches Fut­terdämpfer vor sich gehen. Hierbei ist außer­dem noch der auch nicht zu unterschätzende Vorteil vorhanden, daß durch die Verwendung elektrischer Heizung jede Feuersgefahr ausgeschlossen ist. Der im Bild gezeigte Elektro-Futterdämpfer der Elektro­beheizung G. m. b.H., Nürnberg, ist als Spei­cherapparat ausgebildet, arbeitet also mit lan­ger Anheizung und geringem Anschlußwert. Dies hat betriebstechnisch den großen Vorteil, daß die Anheizzeit auf die Stunden geringen Stromver­brauchs bei den Elektrizitätswerken gelegt werden kann. Dadurch ist einerseits die Anschlußmöglichkeit an das vorhandene Netz ohne Neuinstallation ge­geben und anderseits kann der Strom von den Werken ganz billig zur Verfügung gestellt werden.

Der Elektro-Futterdärnpfer besteht aus dem kippbaren Kessel, dem Einsatz nebst dicht abschließen­dem Deckel und der elektrischen Heizvorrichlung. Kefsel und Deckel sind aus Eisenblech gefertigt und doppelwandig. Die Zwischenwände sind mit Wärmeschutzmaterial ausgefüllt. Der wird durch einen abnehmbaren Bügel mit Handrad dampfdicht auf den Kessel gepreßt: ein auf dem Deckel ange­brachtes Ventil macht durch den austretenden Dampf die Beendigung des Dampfvorganges er­kenntlich und verhindert die Entstehung von Dampfspannung: gleichzeitig dient es zum Abgießen des Dampfwassers. Der herausnehmbare Einsatz nimmt das zu dämpfende Futter auf und ermög­licht, da er durchlöchert ist, den Dampfzutritt. Der Kessel ist durch einen starr angeordneten Hebel zur leichteren Futterentnahme und zur Reinigung kippbar.

Die Beheizung erfolgt durch einen Patro­nenheizkörper, der leicht auswechselbar ist. Die Nennaufnahme beträgt 800 Watt, sie ist so be­messen, daß das Futter in etwa acht Stunden fertig gedämpft wird. Der elektrische Anschluß er­folgt mittels einer besonders für landwirtschaftliche Betriebe gebauten eisengekapselten Kragensteckoor- richtung für Zweileiteranschluß, an welche die bieg­bare Leitung angeschlossen wird. Zur Erdung des Apparats ist der Stecker mit einer besonderen Er­

dungsklemme versehen, an welche die Erdungs- beslechtung der Zuleitung oder die besondere Er­dungsader anzuschließen ist. Die Normalgröße hat einen Nutzinhalt von 65 Liter, entsprechend einem Zentner Kartoffeln. Sie ist ausreichend zur Futter- bereituna für etwa sechs Tiere.

Infolge guten Wärmeschutzes kann der Kefsel auch tagsüber zur Warmhaltung des Futters be­nutzt werden. Eine weitere Verwendungsmöglich- feit besteht in der Bereitung von warmem Wasser für Ställe, für Waschzwecke, zum Sterilisieren von Früchten u. dgl. Weitere Vorteile des Elektro-Fut- terdämpfers sind starke Entlastung des Hausküchen­betriebs, Ersparnis an Zeit und Arbeit durch Auf- stellung in unmittelbarer Nähe der Stallung, ein­fache Bedienung und Fortfall der Beschaffung von Brennmaterial und eines Kamins.

Die Ausstellung.

Backofen und Elektrizität.

Im Anschluß an eine Däckerversammlung tourbe am Mittwochvormittag au fdcr Bühne der Dolkshalle ein sehr lehrreicher Vortraz über elektrische Backofen und Konditoröfen gehalten. Redner war Regierungsbaumeister Oelkrug- Stuttgart. Seinen interessanten Ausführungen sei das Folgende entnommen:

Endlich beginnt man nun die Elektrizität auch als Heizquelle für Backöfen einzuführen, nachdem ihre Bedeutung für die Maschinenarbeit im Däckereibetrieb und ihre Benutzung als bequeme und billige Antriebskraft schon lange allgemein bekannt und anerkannt ist. Schon seit etwa 16 Jahren ist das Problem des elektrischen Back­ofens hinsichtlich Konstruktion und guter Back' fähigkeit gelöst. Llnd seit dieser Zeit stehen viele derartige Oefen in den Alpenländern, in Ham­burg, auf mehreren Ozeandampfern usw. in dauerndem Betrieb und haben lebhaften Anklang gesunden. Der springende Punkt bei der Ein- sührung ist die Detriebskostenfrage, doch ist bei immer steigender Stromerzeugung zu erwarten, daß die Elektrizität billiger abgegeben werden kann: eine Reihe bedeutender Elektrizitätswerke sind in bezug auf Strompreis für Backöfen schon fehr entgegengekommen. Wer die leidige Rauch» und Rußplage in den Städten kennt, wird zu- geben, wie wichtig auch für -die öffentliche Ge­sundheitspflege die Einrichtung elektrischer Back­öfen ist. Reben vielen kleinen Erleichterungen und Annehmlichkeiten bietet die elektrische Dack- osenheizung viele Vorteile, z. D. vollendete Rein­lichkeit, große Ersparnis an Raum und Arbeits­zeit, Ausnützung der ganzen Raumhöhe a*I) bei Holzgebälk der Decke, Wegfall eines Kamins und der Reinigungskosten, Wegfall eines Holz- und Kohlenlagers, spätere Bezahlung des Heizstroms, Ersparnis von Unterhaltungskosten, einfache Be­dienung, höchste Ausnützung der Wärmeenergien, Verwendbarkeit für alle Gebäcke und Brote, ge­naue Üleberwachung des Stromverbrauches, es gibt keinen Rauch, keinen Kohlenstaub, keine Asche, keinen Ruß mehr: die Dackofenheizung ist daS höchste Ideal an Sauberkeit. Die Ausnützung der dem Ofen zugesührten Wärmeenergie ist bei elektrischer Heizung eine fast restlose, also ist die elektrischeL Heizung die denkbar wirtschaftlichste. Man hat eine genaue LleberwcLchung des Wärme- Verbrauchs, eine bequeme Llebersicht über den Dackbetrieb. Die Beheizung des Ofens und die Arbeit an ihm ist gefahrlos.

3m Anschluß an den Vortrag zeigte der Redner zahlreiche gelungene Lichtbilder über die Entwicklung, Einrichtung, Behandlung und den Gebrauch des elektrischen Backofens. Die Aus­führungen des Redners befriedigten die Zuhörer (Bäcker) in hohem Maße. Rach dem Vortrag begaben sich die Bäcker nochmals zu dem in der Ausstellung in Tätigkeit stehenden elektrischen Backofen, der eingehend besichtigt wurde.

lieber Schädlinge im Obst­und Gartenbau

sprach am Mittwochabend in der Ausstellung Landwirtschaftsrat Dr. Schad, Direktor des Landwirtschastsamtes Butzbach. Der Vortragende führte u. a. aus:

Wachstumsstörungen, welche die Ernte schwer schädigen oder den Ertrag gänzlich in Frage stellen, können außer ungünstigen Witterungs­verhältnissen vielfach durch Tiere oder niedere Pflanzen hervorgerufen werden. Derartige Schä­den lassen sich zahlenmäßig nur schwer ermitteln: sie müssen durch Bekämpfung der Schädlinge ver­mindert werden. Sie lassen sich vermindern, wenn ihre Kenntnis Allgemeingut des Volkes wird, wenn jedermann die Lebensweise der Para­siten kennen lernt und die tauglichen Mittel all­gemein rechtzeitig zur Anwendung bringt.

Einer der schlimmsten Feind« des Obst­baues ist der Apfelblütenstecher. Er frißt als Larve das Innere der Blüten aus, diese ver­trocknen und sehen dann verbrannt aus. Der kleine Rüsselkäfer überwintert zum großen Teil in den Rissen der Rinde. Rindenpflege durch Abkratzen mit der Baumschere und Kalkanstrich mit Karbolineum im Winter ist unerläßlich. Auch Fanggürtel, unter denen die Tiere ihr Winterquartier aufsuchen und dann vernichtet werden können, sind zu empfehlen. Maikäfer fressen am Laub, ihre Larven, die Engerllnge, an den Wurzeln. Sie werden abgeschüttelt und aufgetefen. Ein gefährlicher Obstbaumfeind ist der Splint- oder Borkenkäfer, der das iunge Holz unter der Rinde zerstört. Er tritt häufig in der Rähe von Kahlschlägen auf und geht von hier aus auf Obstbäume über, die er zum Ab­sterben bringt. Er verrät seine Anwesenheit durch Bohrmehl auf der Rinde. Befallene Aeste müssen abgeschnitten und verbrannt werden. Am Stamm kommt Schwefelkohlenstoff gegen ihn zur An­wendung. Weidenbohrer und Blausieb leben drei 3ahre im Holzkörper der Obstbäume, das sie zerstören. Die Raupen dieser beiden Racht- schmetterlinge sind als Holzwurm bekannt.

Unter den laubfressenden Insekten ist der Frostspanner eines der schädlichsten. Man fängt die ungeflügelten Weibchen an Klebegürteln weg, die im Oktober anzulegen sind. Von großen Raupen können Baumweißling, Goldafter, Ringeispinner durch Kahlfressen ganzer Aeste und Bäume viel schaden. Man zerstört die Raupen­nester im Laufe des Winters. Ein schlimmer Feind ist ferner die Apfelbaum-Gespinnstmotte.