v,e Kriegsschuld Amerilas.
Eine Unterredung mit dem ,amerikanischen Professor Barnes. München, 16. August. (WTB.) In einer Unterredung, die der Vertreter der „Münchener Reuest. Nachrichten" mit Professor Barnes vom Smith College in Northampton auf seiner Rückreise hatte, äußerte sich Barnes auch über verschiedene, die deutsche Oeffentlichkeit interessierende politische Fragen. U. a. erklärte er über die Frage, wie die amerikanische Meinung heute über die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege denke, in politischen wissenden Kreisen Amerikas argumentiere man ganz allgemein dahin, daß Amerika durch eine Jrre- suhrung in diesen Krieg gehetzt wurde, •mb daß es viele Menschen und viel Geld opferte, um die englischen und französischen Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wäre Amerika mit seiner großen Material- und Menschenüberlegenheit nicht beigesprungen, wäre vermutlich der Krieg ohne Sieger und Besiegte zu Ende gegangen. Er wäre viel früher einfach aus Erschöpfung beendet worden und hätte nicht die furchtbaren Folgen für Europa gehabt, wie sie sich heute zeigen. Amerika sei es gewesen, das erst das Zünglein an der Wage so energisch zugunsten der Alliierten wendete. Daß ein so ungerechter D i k t a t f r i e d e n überhaupt zustandekommen konnte, sei die Mit- schuld der herein, ©tonten an den heutigen beklagenswerten Zuständen in Europa. Darin liege auch deren Pflicht begründet, die Besserung dieser >nstände tatkräftig in die -and zu nehmen. Es sei nur eine Frage der Zeit und des Erfassens des günstioen Augenblicks, daß die Regierung und die noch taube Presse nach diesen Argumenten handeln werden.
Amerikas Außenpolitik.
Konferenzen in Washington.
Reutzork, 16. Aug. (SU.) Die Konferenzen i-.es Präsidenten E o o l i d g e mit Staatssekretär Kellogg über die Schuldenregelung, die Frage der Abrüstung und die Lage in Mexiko haben begonnen. Die amerikanischen Botschafter in London, Houghton, und in Paris, Herrick, werden demnächst zur Berichterstattung erwartet. Die amerikanischen Delegierten in Genf haben Kellogg nach ihrer Rückkehr über die Genfer Konferenz referiert. Danach hat die amerikanische Regierung den Eindruck gewonnen, daß die Genfer Abrüstungsverhandlungen ein F e hl- sch l a g gewesen sind und daß eine Vollkonferenz über die Abrüstuirgsfrage in Genf unwahrscheinlich ist. Die amerikanische Regierung wird aber, nachdem sie nun einmal die Genfer Verhandlungen mitgemacht hat, nichts unversucht lassen, um von sich aus eine Abrüstungskonferenz durchzudrücken. Bei den Besprechungen wurde ferner betont, daß die amerikanische Schulden- politik unverändert fortgesetzt werden solle, Frankreich müsse zunächst das Schuldenabkommen ohne Veränderungen ratifizieren, bevor es in Amerika Anleihen erhalten könne. Don Clemenceaüs Brief werde amtlich wahrscheinlich keine Kenntnis genommen werden.
Aus dem Dölkerbunds- sekretariat.
Aus dem Iahresbericht über die Arbeiten des Dölkerbundsrates und des Sekretariats geht hervor, daß die Zahl der beim Völkerbund nach Artikel 18 des Völkerbundspaktes registrierten internationalen Der- . träge ständig zunimmt. Sie betrug im Laufe des letzten Jahres 305 und insgesamt seit Dell stehen des Völkerbundes 1169. 3m letzten 3ahre, d. h. bis zum 19. 5. 1926, haben England mit 45 Verträgen, Ungarn mit 40, Deutschland mit 36 und Frankreich mit 32 die meisten intet» ' nationalen Verträge registrieren lassen. 3m übrigen sind beteiligt: Lettland mit 24. Schweden, Dänemark und Finnland mit je 20, 3talien und Holland mit je 15, Polen mit 14, Norwegen und die Tschecho-Slowakei mit je 11 Verträgen. 25 Verträge des letzten 3ahres betreffen politische Abmachungen, 8 sind -Schiedsverträge, 36 betreffen rechtliche und Auslieferungsfragen und der größte Teil der Verträge sind naturgemäß Handels». Wirtschafts-, postalische und sonstige Verkehrsabmachungen. 3apan, China, Finnland, Lettland, Dänemark und Polen haben auch Verträge mit der sowjetrussischen Republik eintragen lassen.
Frontkämpferverbände und Reichsehrenmal.
Berlin, 16. Aug. (Wolff.) Die großen Frontkämpferverbände haben heute dem Reichspräsidenten, der Reichsregierung und dem Reichstagspräsidenten davon Mitteilung gemacht. daß sie nach wie vor an dem Gedanken des Chrenhains, der in Berka bei Weimar errichtet werden soll, festhalten. Gleichzeitig betonen die Verbände, daß jede äußere Ehrung ihrer gefallenen Kameraden nur bann einen Sinn hat und verständlich wird, wenn auch das Los der durch den Krieg schwer betroffenen Kriegsbeschädigten und Krieger hinterblieben en sowie der Kriegerwitwen und Kriegerwaisen fühlbar gebessert werde. Diese Erklärung haben abgegeben: das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold, Stahlhelm, Reichskriegerbund Kyff- häuser, Reichsbund jüdischer _ Frontsoldaten, Reichsverband der Kriegsbeschädigten, Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Zentralverband der Kriegsbeschädigten.
Kunst und Wissenschaft.
Die „Studienstiftung des Deutschen Tolks".
Am 1. und 2. September d. 3. findet in Dresden die Herbst-Auswahlsihung der von der Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft ins Leben gerufenen ,Studienstiftung des Deutschen Volkes" statt. Dem Zentralen Arbeitsausschuß, der sich aus Studenten, Dozenten und Persönlichkeiten aus Staat und Wirtschaft zusammensetzt, liegen bisher 75 Gesuche vor. Bei der Hauptauswahlsitzung im Frühjahr konnten von 1085 Bewerbern 255 in die Studienstiftung aufgenommen werden. Der große Unterschied in der Zahl der Bewerber erklärt sich aus der Tatsache, daß als Bewerber nahezu ausschließlich 2tbiturienten der höheren Lehranstalten in Frage kommen, für die nach den geltenden Lehrplänen die Abschlußprüfung
ins zeitige Frühjahr fallt. — Am 2. wepreutc^ findet ferner gleichfalls in Dresden die zweite Auswahlsitzung des „Amerika - W e r k st u » denten-Dienstes" statt. Diese gleichfalls von der Wirtschaftshilfe geschaffene Einrichtung hat zum Ziele die Entsendung von jungen deutschen 3ngenieucen nach den Vereinigten Staaten, wo sie zwei 3ahre als Handarbeiter in den verschiedensten Betrieben tätig sind, um nachher ihre Erfahrungen vor allem in betriebsorganisatorischer und sozialpädagogischec Hinsicht in den Dienst der deutschen Wirtschaft zu stellen. Dem Prüfungsausschuß liegen 147 Gesuche vor. Bei der ersten Sitzung im März d. 3. konnten von rund 150 Antragstellern 56 ausgewählt werden, die zurzeit in Amerika als Werkarbeiter tätig sind.
Wettbewerb für die Ausgestaltung der Reichssilbermünzen.
Zur Gewinnung geeigneter Entwürfe für Die Ausgestaltung der Reichssilbermünzen hat der Reichs mini st er der Finanzen einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich alle Künstler deutscher Staatsangehörigkeit beteiligen können. Die Entwürfe sind bis 15. Oktober 1 926 beim Reichsfinanzministerium einzureichen. Es sind sechs Preise von 2000 bis 6000 Mark ausgesetzt. Außerdem können geeignete Entwürfe angekauft werden. Dem unter dem Vorsitz des Reichsministers der Finanzen stehenden Preisgericht gehören folgende an: Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Mini- terialdirektor Kempff, Aeichskunstwart Dr. Reds- lob und Professoren Dr. Bestelmeyer, Dr. Graf Leopold von Kalckreuth, Habich, Klimsch, Kraus, Paul, Dr. Paul und Dr. Regling.
Aus aller Welt-
Bergstürze deutscher Touristen.
Der weit über seinen Amtsbezirk hinaus bekannte und beliebte Pfarrer Dr. Neundörfer der Sankt ntin-Kirche in Mainz ist auf einer Erholungsr«.^. in der Schweiz beim Sturz vom Floragletscher bei Sils im Engadin tödlich verunglückt. Pfarrer Neundörfer ist namentlich auf den Verbandstagen der katholischen Akademiker und zuletzt anfangs dieses Monats in Aachen des öfteren hervorgetreten. U. a. war er auch zweiter Vorsitzender des Charitas-Verbandes der Diözese Mainz. — Am Titlis bei Engelsberg stürzte der 21jährige Student Willi Leiter mann aus Lahr i.B. ab. Er hatte sich mit einem sechzehnjährigen Kameraden von einer ISköpfigen Wandergesellschast im Jochpaß getrennt, um den 3200 Meter hohen Titlis zu beteigen. Als sie in dem vereisten Schnee nicht mehr weiter kamen, wollten sie abfahren. Dabei stieß Leitermann gegen einen Fels, wurde kopfüber eine 400 Meter hohe Schneewand hinabgeschleu- dert und blieb mit zerschmettertem Schädel liegen. Sein Begleiter, der mit der Abfahrt gezögert hatte, konnte gerettet werden. — Der seit Mittwoch in Celerina vermißte sechzehnjährige Gerhart Stein aus Kreuznach konnte bisher trotz aller eifrigen Nachforschungen nicht ausgefunden werden. — Am Brünn st ein auf Oberaudorf ist ein Jngenieur- praktikant aus Rosenheim tödlich verunglückt.
Reichskanzler Luther in Venezuela.
Der vormalige Reichskanzler Dr. Luther ist nach dreitägigem Aufenthalt in Caracas nach Columbien abgefahren. Er seht seinen Besuch der hauptsächlichsten Riederlassungen in ganz Südamerika fort. Er legte einen Kranz auf dem Grabe Bolivars, des Befreiers Südamerikas von der spanischen Herrschaft, nieder und besuchte den Präsidenten Gomez im Mira- florcs-Palast. Dr. Luther nahm an zahlreichen gesellschaftlichen Festlichkeiten der deutschen Kolonie teil sowie an einem Bankett, das von dem deutschen Gesandten veranstaltet wurde und bei dem zahlreiche Diplomaten anwesend waren.
Dom Kreuzer „Hamburg".
Der Kreuzer „Hamburg" ist am 15. August in Ragasaki eingetroffen. Weiterfahrt nach Manila am 19. August 1926.
Schweres Autounglück in Köln.
Auf der Riehlerstrahe in Köln wollte gestern abend ein in voller Fahrt befindliches Personenautomobil einem aus einer Rebenstrahe kommenden Auw ausweichen, wobei der Chauffeur des ersten Wagens die Gewalt über die Steuerung verlor. Das Auto fuhr mit voller Wucht gegen einen Daum und wurde vollständig zertrümmert. Der Besitzer des Wagens war sofort tot, während Frau und Tochter in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht wurden. Der Chauffeur kam mit leichten Verletzungen davon.
Autounglück in Sachsen.
Ein schweres Unglück ereignete sich heute nacht in der Nähe von Döbeln. Infolge des plötzlichen Erlöschens der Lichter fuhr der Wagen eines Rittergutsbesitzers gegen einen Baum und stürzte um. Die Frau Schwerdter wurde tot unter dem Wagen heroorgezogen. Schwerdter, seine Tochter, sein Sohn und der Chauffeur mußten in schwer verletztem Zustande in das Kreiskrankenhaus zu Leipzig verbracht werden.
Schweres Schadenfeuer in einem badischen Dorfe.
Die Ortschaft Landshausen ist gestern zum dritten Male in diesem 3ahre von einem Grohfeuer heimgesucht worden. 3n einer Scheuer brach Feuer aus, das rasch auf die Rachbargebäude übersprang. Die Feuerwehr war dem rasenden Element nicht gewachsen, da die Gemeinde keine Wasserleitung besitzt. Drei Wohnhäuser und elf Scheuern wurden zerstört. Bei den Löscharbeiten haben zwei Feuerwehrleute lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Der Sohn eines Brandgeschädigten wurde unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet.
Wolkenbruchkatastrophe in Barcelona.
Am Samstag haben sich in Spanien schwere Wolkenbrüche ereignet. Der größte Teil der Stadt Barcelona und ihre Umgebung ist überschwemmt. Zahlreiche Familien, die in Baracken wohnen, wurden mit ihren Behausungen von den F l t u t e n f o r t g e r i s s e n, wobei viele Personen ertranken. Mehrere Leiche nwurden bereits geborgen. Sin Haus wurde durch einen Blitzschlag in Brand gesteckt. Ein Arbeiter wurde durch einen Blitzschlag in einen Brunnen geschlendert, wobei er ertrank.
Sumpffieber bei Regensburg.
Durch das langanhaltende Hochwasser der Donau, das die Wiesen und Felder in Moräste und Sümpfe verwandelt, ist im ober- pfälzischen Donaugebiet von Regensburg abwärts eine neue Krankheit, das sog. Sumpffieber, entstanden. Die Krantheit tritt dort epidemieartig auf und greift in starker Weife um sich.
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heitsfälle bekanntgeworden, dagegen herrscht das Sumpffieber in Den Landgebieten der Donau tark, so daß nicht selten bis zu 50 Prozent Der Bevölkerung der verschiedenen Gemeinden davon befallen sind. Teilweise hat die Epidemie sehr gefährliche Formen angenommen.
Kinderlähmung in der Grenzmark.
Rach Meldungen aus Landsberg a. D. W. tritt die in der Grenzmark berrschende Kinderlähmung nunmehr auch in den nahen polnischen Ortschaften auf und hat dort auch chon einige Todesfälle zur Folge gehabt.
Zwei Förster von Wilderern gelötet.
Touristen fanden im Schneeberggebiet die Leichen zweier Männer. Bei dem einen war Der Schädel eingeschlagen, der andere lag er- cf;offen in seinem Blute. Die Gendarmerie stellte eft, daß es Die Leichen zweier 3äger waren. Sie dürften in einem Kampfe mit Wilderern ums Leben gekommen fein.
Eine fünfköpfige Familie ermordet.
In der rumänischen Gemeinde Tichirisu ist ein urchtbares Verbrechen aufgedeckt worden. Der Gastwirt Rubin, seine Gattin, seine Schwiegermutter und zwei Töchter im Alter von zehn und acht Jahren wurden in ihrer Wohnung mit durchschnittenen Kehlen tot a u f g e f u n d e n. Die Polizei stellte als Täter mehrere Dorfbewohner fest, die bei Rubin gezecht hatten.
Der angebliche Sarg Lord kitcheners.
London, 16. Aug. (DU.) Wie amtlich mit» geteilt wird, ist heute morgen der von Dem Londoner Journalisten Frank Power an der norwegischen Küste ausgegrabene Sarg des Feld- rnarschalls Lord Kitcheners von den Behörden geöffnet worden. Der anscheinend ziemlich neue Sarg enthielt keine menfchlichen Gebeine.
Verluste amerikanischer Danken durch verbrechen.
Die amerikanischen Banken haben im 3ahre 1924 nach Angaben des Leiters des Bankierverbandes von Illinois 3 Milliarden 620 Millionen Dollar infolge verbrecherischer und betrügerischer Handlungen verloren. Die Verbrechen haben in den Vereinigten Staaten in den letzten 35 Jahren um mehr als das Z w ö l f s a ch e zugenommen.
Wir man in Amerika Millionäre macht.
In Reuhork schätzt man, daß durch die Ankündigung eines 5 0 p r o z. Bonus auf die Aktien Der General-Motors-Corpo- ration über Rächt etwa 100 neue Millionäre entstanden sind. Der Bonus repräsentiert ein Geschenk an Die Aktienbesitzer in Höhe von 2 400 000 000 Mark. 3n London sagt man, das sei Die größte Melone, Die jemals in Der Geschichte Der amerikanischen Börse geschnitten worden fei.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 17. August 1926.
Gietzener Wochenmarktpreise.
Es kostete auf Dem heutigen Wochenmarkt Das PsunD: Butter 180 bis 190 Pfennig. Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 60, Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 10, Rotkraut 25, gelbe Rüben 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 30. Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 15 bis 30, Bohnen (gelbe) 30, Änterkohlrabi 6, Erbsen 20 bis 30, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 80, Rhabarber 20, Pilze 20, Kartoffeln 5, Falläpfel 7 bis 10, Frühäpfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 25, Johannisbeeren 30, Preißelbeeren 60, Zwetfchen 30 bis 35, Mirabellen 20 bis 50, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120; Das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 50 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 40, Cinmachgurken 2 bis 4, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20; Das Bund: Radieschen 10 Pfennig. •
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 8 ülhr: Gastspiel des Dad-Rauhei- mer Kurt Heaters: „Die Schmetterlingsschlacht". — Bauerscher Gesangverein, „Stadt Kassel": Zusammenkunft. — Obst- und Gartenbauverein, 3l/3 ilbr, „Pfälzer Hof": Mitgliederversammlung. — V. s. B, 81/. Ahr, „Frankfurter Hof": außerordentliche Generalvebammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon auf hoher See". — Palastlichtspiele (Kirchenplatz): „Lodernde Glut".
Wettervo:. .Zs.
Wenig Aenderung des vielfach heiteren, warmen Wetters, vorübergehend Gewitterneigung.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 24,5 Grad Celsius; Minimum: 12,9 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 14,1 Grad Celsius.
** Professor Gustav Traut mann, Der seit längeren Jahren Den Lehrauftrag für Musik an der Landesuniversität innehatte, unD auch als Dirigent des Akademischen Gesangvereins, sowie des Gießener Konzertvereins im Musikleben unserer Stadt eine führende Rolle spielte und sich als Musikpädagoge weit über die Grenzen unseres Hessenlandes hinaus einen hochgeachteten Ramen gemacht hat, ist im Alter von 60 Jahren plötzlich und unerwartet entschlafen. Eine eingehende Würdigung Der Persönlichkeit des Verstorbenen behalten wir uns vor.
" Julius Siesel t- Hier verstarb gestern früh der Inhaber der Firma 3. Schmücker Rachf., Kaufmann 3ulius Siesel, nach langjährigem, schweren Herz- und Rierenleiden. Der Verstorbene, ein tüchtiger und allgemein geschätzter Kaufmann, hat es in nahezu vier Jahrzehnten verstanden, das von ihm übernommene Geschäft durch vorbildlichen Fleiß und geschäftliche Regsamkeit zu fördern und auszubauen. 3n der Öffentlichkeit ist Der Entschlafene, seinem bescheidenen und selbstlosen Wesen entsprechend, wenig hervorgetreten. Sein volles Interesse und seine ganze Arbeitskraft waren, auch noch in den Jahren der Krankheit, Der Firma gewidmet, Der er Vorstand. Besonderer Anhänglichkeit erfreute sich das von Siesel geleitete Geschäft bei der Landbevölkerung, deren eigentümlichen Bedürfnissen er sich in hervorragendem Maße anzupassen verstanden hatte, und aus Deren Kreisen Der Firma ein selten treuer Kun- Denftamm erwachsen ist. Auch unter seinen Mitbürgern genoß Siesel allenthalben ausgesprochene Achtung unD Wertschätzung.
WSR. Dem Herbst entgegen. Der August pflegt in normalen Zeiten das beständigste Wetter zu bringen. Zwei Drittel des Monats stehen im Zeichen der durch ihre Hitze
verütvHbiui vis zum 22.
August dauern. Die Augustsonne soll Die Aehren auf den Feldern zur Reise bringen, der Landmann mit der Einbringung des Erntefegens beginnen. Beständigkeit Der Witterung wäre also ür das Augustprogramm des Bauern wie des Städters, Der sich im Urlaub befindet, mehr als je eine dringliche Voraussetzung. Hitze, Hitze ist der allgemeine Schrei. Daß der August besser wird als feine Vorgänger, angefangen vom Mai bis zu dem in reinster Herbststimmung zu Ende gegangenen Juli, hat er bis jetzt nicht bewiesen. Es ist zwar noch Sommer. Aber Der August ist ein Mann, dem schon Die Silberfäden an Der Stirn stehen. Schon lugt das erste Gelb aus Dem grünen Blätterdach. Schon senken sich Die Abendnebel. Die ersten Schleier herbstlicher Melancholie, auf Die Erde. Schon sind die Tage kürzer geworden. Schon flammen an trüben Tagen Die Lichter in Den Häusern zeitiger auf. Eine Bauernregel lagt: Was Juli und August nicht gekocht und nicht geraten, das läßt Der September ungebraten. Darum verstehen wir das Sehnen des Bauern unD des Winzers nach Hitze: Hundstage müssen braten, was im Herbst soll geraten.
" Sonderzüge zur Leipziger Messe. Anläßlich Der Leipziger Herbstmesse werden auch diesmal wieder Gesellschckfks-Sonder- züge mit 3 3 Vs Prozent Fahrpreisermäßigung von Frankfurt a. M. nach Leipzig verkehren und zwar am 27. und 28. August vormittags ab 10.57 Uhr. Es empfiehlt sich, die Fahrkarten rechtzeitig, also mindestens 3 bis 4 Tage vor Abfahrt der Sonderzüge, bei E. B r a ch, Frankfurt a. M., Reue Mainzer Str. 60, zu entnehmen. Auskunft über Die Messe erteilen: H. Fuhr, Gießen, Sonnenstrahe 25, Tel. 632; die Handelskammer Gießen, Tel. 1647.
WSR. Der kommende Winterfahr- p l a n. Der Entwurf für Den am 3. Oktober 1926 beginnenden Winterabschnitt des Fahrplanes 1926/27 wird ab 16. August D. 3. auf den Stationsbureaus zur allgemeinen Einsichtnahme aufgelegt. 3n Den Dahnhofsvorräumen weisen rote Aushänge Darauf hin, wo der Entwurf im Bahnhof eingesehen werden kann. Durch Den anhaltenden Verlehrsrückgang infolge der allgemeinen Wirtschaftsnöte ist ine Reichsbahn gezwungen, den Zugverkehr, insbesondere den Schnellzugverkehr, in Den Wintermonaten wesentlich einzuschränken. Auf Den Schüler-, Arbeiter- und Berufsverkehr ist jedoch hierbei die größtmöglichste Rücksicht genommen worden. Die Züge, Die ab 3. Oktober Wegfällen, sind im Fahrplanentwurf nicht mehr enthalten.
WSR. Benutzung Der Schnellzüge mit Sonntagskarten. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft ist in letzter Zeit in einigen Fällen wieder dazu übergegangen, O-Züge für den Verkehr mit Sonntagsfahrkarten freizugeben. Angesichts mehrerer, in Der letzten Zeit vorgekommener Fälle, in Denen Reisende sich weigerten, den Zuschlag zu zahlen, sei darauf aufmerksam gemacht, daß bei Benutzung von Schnellzügen (O-Zügen) stets der Schnellzugszuschlag bezahlt werden muß.
WSR Die Gültigkeit der Bahnsteigkarten. Wiederholt ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß Personen, die nur im Besitz von Bahnsteigkarten waren, in Den Feriensonderzügen angetroffen wurden, wo sie Plätze für ihre Angehörigen freihielten. Dieses Verfahren zur Freihaltung von Plätzen ist unzulässig. 3eDer, der mit einer Bahnsteigkarte im Zuge angetroffen wird, hat eine Geldstrafe zu gewärtigen.
** Straßensperrungen. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Ausbruchs- arbeiten wird die Goethe st raße zwischen 3ohannesstrahe und Südanlage vorübergehend gesperrt. Wegen Vornahme von.Umpflasterungs- arbeiten wird hiermit die „K l i ni ks b r ück e" am Bahnhof Gießen vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. Anläßlich des am 22. August 1926 bei den Bootshäusern an der Lahn stattfindenden Schwimm- und Ruder» sport-Werdetages wird hiermit Der an Dem Bahndamm entlang ziehenDe VerbinDungsweg zwischen Rodheimer und EDerstraße am 22. August von nachmittags 2 bis 7 ülhr für jeglichen Verkehr gesperrt.
•* Der Gewerbeverein veranstaltet nächsten Donnerstag eine Mitgliederversammlung im Gewerbehaus. (Siehe heutige Anzeige.)
** 3m Lichtspielhaus Bahnhofstraße wird gegenwärttg ein neuer Pat und Patachon-Film gezeigt, Der die Erlebnisse Der beiden luftigen Vagabunden auf einer unfreiwilligen Seereise schildert. Die recht humorvolle Handlung bewegt sich auf einheitlicher Linie und fällt auch zum Schlüsse nicht ab, wie daS leider bei einigen anderen Filmen dieser unzertrennlichen Gefährten Der Fall ist. UnD dieser neue Film hält auch insofern gutes Riveau, als sich die Späße auf einer Basis bewegen, die von der (Stenge des reinen Blödsinn erheblich abrückt. Zwei amerikanische Lustspielschlager vervollständigen das sehenswerte Programm. —z.
Preußen.
Meis Wetzlar.
kz. Wetzlar, 16. Aug. Das ehemalige l.Rass. 3nf.°Rgt. 37 mit der Friedensgarnison Mainz plant für das Jahr 1927 die Errichtung und Enthüllung eines Ehrenmals für seine gefallenen Helden verbunden mit einer Wieder- sehensfeier. Da Mainz noch beseht ist, kann das Ehrenmal Dort nicht errichtet werden. Voraussichtlich wird ein Ort im Rassauer Land das Ehrenmal erhalten.
Z Salzböden, 16. August. Ein seltenes Weid man nsglück war Dem Oberforstmeister Reichert von Krofdorf in den letzten Tagen hold. Er erlegte im Staatswald in hiesiger Gegend einen kapitalen Zwölfender. Das Tier wog über zwei Zentner. Leider war der Hirsch, wie man in der Jägersprache sagt, noch im Bast.
kz. L ü tz e l l i n D e n , 16. Aug. Des günstigen Wetters wegen ist Die Fruchternte rasch vorangeschritten, so daß in etwa 10 Tagen die ganze Ernte bei anhaltendem trocknem Wetter beendet sein Dürfte, auch mit dem Einfahren hat man begonnen. Mit dem Körnerertrag ist man recht zufrieden. Bald wird an allen Enden deS Dorfes das Dreschen beginnen- Eine Dreschmaschine ist ständig hier, zu welcher daS Getreide vom Felde direkt zugefahren wird- Außerdem werden noch drei Dreschmaschinen nach hier kommen.
kz. Groh-Rechtenbach, 16. Aug. Von prächtigem Wetter begünstigt fand gestern mittag hier das diesjährige M i s s i o n s f e st statt. Eine große Missionsgenreinde, Darunter zahlreiche aus-


