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Samstag von Antibes nach Paris. Der Präsident der Föderal Reserve Bank of New-York, S t r o n g, wird am Dienstag ebenfalls nach Paris abreisen. Die Tatsache, daß die beiden führenden Finanzsach­verständigen von Großbritannien und Amerika sich gleichzeitig nach Paris begeben, wird mit der fran­zösischen Finanzkrise und mit der Lage des Franken in Verbindung gebracht.

Der ständige Ratssitz für Deutschland«

London. 17. Juli. (W. T. *3. Funkspruch.) Aach dem diplomatischen Korrespondenten des Daily Telegraph" haben britische, italienische und französische Juristen die vorbereitende und gesonderte Prüfung der rechtlichen Frage beendet, ob die Wahl Deutschlands für einen ständigen Sih im Dölkerbundsrat durch die Abwesenheit des spanischen und des brasilianischen Vertreters von der Ratssitzung ungültig gemacht werden würde. Die Juristen der drei Rationen kamen zu der Schlußfolgerung, daß die Bedin­gung der Einstimmigkeit, die in § 1 Act. 5 der Völ.erbundssahung niedergelegt ist, erfüllt Jem werden, vorausgesetzt, daß alle Mitglieder des Rates, die bei der Sitzung anwesend seien, dem deutschen Antrags zustimmten. Spa­niens Ansprüche auf einen ständigen Sih würden ebenso wie der Wunsch nach Einschluß der Tan­gerzone in Spanisch-Marokko für unerfüll­bar erachtet.

Poiens Spiel mit dem Heuer.

Die Dinge in Polen haben knapp zwei Monate nach der Mai-Revolution eine über­raschende Wendung genommen: alle dieje- nigen, die den Marschall Pilsudski bis aufs Messer bekämpfen wollten, die sich mit dem Ge anken trugen, in Krakau oder Posen Reben« regierungen zu errichtsn und Armeen zum Marsch auf Warschau zusammenzustellen, sind in Heller Begeisterung für Pilsudski zu ihm binüber- ge'schwenkt, so daß der Marschall heute mit denjenigen zusammenarbsitet. die er eigentlich im Mai bekämpfte, während die Sozi a l i sie n, die ihn unterstützten und die glaubten, ihr Wei­zen sei im Begriff zu blühen, sich jetzt völlig von ihm zurückgezogen und ihm Todfeindschaft ge­schworen haben. Die veränderte Lage findet vor allem im Parlament ihren Ausdruck, dessen Ar- beiten zwar nicht recht vom Fleck kommen, das aber doch eine den Mairevolutionär stützende Rechte ausweist.

Gegenwärtig wird nun heftig um die Re­gierungsvollmachten gekämpft, die sich in der Hauptsache auf wirtschaftliche und finan­ziell? Angelegenheiten erstrecken, wobei aller-- Dings nicht übersehen werden darf, dah Pilsudski auch anEventualitäten" "denkt. Welcher Ratur die Eventualitäten sein könnten, wird durch die fieberhaft betriebene Aufrüstung Polens einigermaßen klar. Pilsudski scheint nach dem gelungenen Putsch in ein gefährliches Fahrwasser geraten zu sein, das gefährlich ist für den Frieden im Osten Europas, vielleicht auch für Polen selbst. Ihm schwebt so etwas wie ein polnischer Staat vor, der nicht nur den Osten beherrscht, sondern auch auf Mitteleuropa noch maßgebenden Einfluß ausübt. Pilsudski läßt sich jedenfalls schon in der ihm nahe stehenden Presse als zweiten Napoleon oder zweiten Mussolini feiern.

Das zeigt immerhin, daß der Beherrscher Polens ein sehr gefährliches Spiel treibt. Er ist heute militärischer als Frankreich und machtlüsterner als der Duce. Diese Eigen­schaften waren es auch, die ihm plötzlich eine günstige Stimmung im Volke schufen, die bereits so weit geht, dah man annehmen möchte, Polen befinde sich auf dem geraden Wege zum Faszis- muS. Namentlich das Offizierkorps benimmt sich, als sei ihm alles auf Leben und Tod aus- geliefert. Blutige Ausschreitungen der Offiziere in den Städten gehören heute zur Tagesordnung. Pilsudski sieht darüber hinweg und bemüht sich, erst einmal sämtliche Verwaltungen mit ihm er­gebenen Personen zu besetzen. So wird zur Zeil die Polizei nach faszistischem Vorbild umorgani­siert und mit neuen Führern bedacht. Das ist die Rückendeckung gegenüber den sich un­zweifelhaft mit Revolutionsplänen tragenden So­zialisten. Was er nach außen hin bezweckt, dürfte aus seinen Rüstungen und wenig fried­lichen Aeuherungen hervorgehen. Ob aber Polens geographische Lage ebenso wie seine finanzielle und wirtschaftliche dem Marschall eine Kriegs­politik erlaubt, ist eine Frage, auf die sich un­schwer die richtige Antwort finden läßt.

Rußland und die Randstaalen.

Königsberg, 17. Juli. ($11.) DieI s - v e st i j a" beschäftigt sich anläßlich der bal -- lischen Auhenministerkonserenz in Reval in einem langen Artikel mit der Frage des Garantie- und Reutralikätsver- t r a g s der baltischen Staaten. Sie zeigt sich sehr unzufrieden darüber, daß die baltischen Staaten aus den Abschluß eines Kollektivvertra­ges abzielen. Dieser Kollektivvertrag, an dem sich Finnland. Estland, Lettland, Litauen und womöglich auch Polen beteiligen sotten, ist nach Auffassung derJswestija" eine Art Mühlstein, der der Sowjetunion um den Hals gehängt werden soll. Besonders betroffen zeigt sie sich dadurch, daß Finnland, das bisher den. baltischen Staaten recht kühl gegenüberstand, jetzt reges Interesse an den Tag legt und dis treibende Kraft in der ganzen Dertragsange- legenhert zu werden scheint. Das Blatt meint, dah dieser Frontwechsel Finnlands aus englischen Druck zurückzuführen sei und warnt Finnland, der Sowjetunion Anlaß zum Mißtrauen zu geben.

Der Bergarbeiterstreik in England.

London, 16. Juli. Der Führer der Bergarbei­ter, Cook, erklärte, die Lage sei unverändert. Der Vollzugsausschuß habe nicht beschlossen, gegen­wärtig eine Delegiertenversammlung einzuberufen. Nach Ansicht eines Mitgliedes des Vollzugsaus­schusses durften in der nächsten Woche neue Ver­handlungen stattfinden, da der Vollzugsausschuß die Friedensvorschläge der anglikani- chen Bischöfe mit einigen Aenderungen an« genommen habe. Die Bischöfe würden die Vor- schlage an die Regierung weiter leiten. Die Vor­schläge sehen ein Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten Bedingungen für die Dauer von vier Monaten mit Hilfe der Regierung vor und außerdem einen Schiedsspruch für den Fall, daß

Lähden

ist

Haus Börner

beim Da­stark an- Siegmann

schied er aus dem Kabinett aus. Seit 1924 Belt Vizepräsident des Reichstags.

Beim Baden ertrunken.

In Wildeshausen (Wcsff.) wurde den in der durch das Hochwasser geschwollenen Hunte der Lehrling

Deutschen vom Seglerverein Kaager in empfangen werden.

Opfer der Zugspitze.

Beim Abstieg vom Münchener zur Knorrhütte stürzte der Tourist

Der Reichsbahnkonflikt.

Berlin, 16. Juli. (TU.) Der preußische Ministerpräsident Braun hat nunmehr an den Reichskanzler Marx ein Antwortschrei­ben auf das letzte Schreiben der Reichsregie­rung gerichtet, in dem er nochmals eingehend den preußischen Anspruch auf einen Sih im Verwaltungsrat der Reichsbahngesell­schaft vom Rechtsstandpunkt aus darlegt. In dem Schreiben werden die historische Entwick­lung sowie auch die Voraussetzungen geschildert, unter denen die Ansprüche Preußens auf einen Verwaltungsratssih im Jahre 1924 entstanden sind. Reue Vorschläge für die Lösung des Kon­flikts werden in dem Schreiben nicht gemacht. Der Ministerpräsident weist vielmehr darauf hin, daß die Entscheidung über die Streitfragen nun­mehr beim Staatsgerichtshof liege. Vor dessen Entscheid werden also voraussichtlich keine weiteren Verhandlungen stattfinden. Die Ein­berufung des Staatsgerichtshofes erfolgt durch den Präsidenten des Reichsverwaltungsgerichtes.

Dr. Bell Reichsjustizrmnister.

Berlin, 16. Juli. (WTD.) Reichs­präsident v. Hindenburg hat auf Vor­schlag des Herrn Reichskanzlers den Reichs­minister a. D. und Zentrumsabg. Dr. B e l i zum Reichsminister der Justtz ernannt und ihn gleichzeitig mit der Wahrung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Ge­biete beauftragt. Der neue Reichsjustlz- minister (bislang verwaltete der Reichskanzler Dr. Marx beide Ministerien) ist 1868 in Essen geboren, wurde 1894 dort Rechtsanwalt, 1912 Reichstaasabgeordneter der Zentrums Partei, 1919 Reichskolonialminister im Kabinett Scheidemann, am 28. Juni 1919 unterzeichnete er mit Hermann Müller den Friedensvertrag von Versailles, 1920

Der Verstorbene entstammt einer alten schwä­bischen Gelehrtensamilie, deren berühmtester Ver­treter der im 16. Jahrhundert lebende Astronom Kepler war. Der Vater des Bischofs war Ge­richtsnotar in Gmünd und gehörte der evange­lischen Konfession art, gestand aber bei seiner Verheiratung mit einer Katholikin katholische Kindererziehung zu. Der Sohn Paul Wilhelm erhielt 1875 die Priesterweihe, wurde 1880 Stadt­pfarrer in Cannstadt. 1883 Professor für neu» testamentliche Exegese in Tübingen. 1894 wurde Keppler als Professor nach Freiburg i. Br. be­rufen. 1898 wurde er zum Bischof von Rot­te n b u r g (Württemberg) gewählt.

Bischof von Keppler galt als einer der besten Kanzelredner im Deutschen Reiche. Auf den Eucharistischen Kongressen in Metz, Köln, Wien und Rom ist er als Festprediger auf­getreten. Als Schriftsteller hat er sich durch ethische und kunstwissenschaftliche Werke einen Ramen geschaffen. Außerdem hat Bischof von Keppler noch zahlreiche geistliche Schriften, die ergreifende SchriftDeutschlands Tvtenklage" und als reifste Frucht seineWanderfahrten und Wallfahrten im Orient" erscheinen lassen.

Jrn August 1925 feierte der Bischof unter großer Anteilnahme, insbesondere des zu dieser Zeit in Stuttgart versammelten 64. Katholiken­tages, sein goldenes Priesterjubiläum.

aus Limbach in Sachsen und verunglückte' tödlich. Die Leiche konnte geborgen werden.

(Ein neuer Flugrekord.

Die französischen Offiziere Hauptmann Girier und Leutnant D o r d i l l y haben in 29 Stunden die 4700 Kilometer lange Strecke Paris Omsk ohne Zwischenlandung im Flugzeug zurück­gelegt und damit den vor kurzem von den Brüdern Arraphart aufgestellten Rekord von 4300 Kilo­meter (ParisBassorah) geschlagen.

Chinesisches pitalenunroefen.

Ein chinesischer Dampfer wurde 5 Meilen von Hongkong' durch chinesische Piraten überfallen. Die Räuber entkamen mit einer Beute von 20 000 Pfund Sterling und mit 6 wohlhabenden chinesi­schen Passagieren als Geiseln. Zwei Mann der Be­satzung und ein Passagier wurden verwundet.

Analphabeten in Deutschland.

Eine Feststellung, die man glücklicherweise in Deutschland selten machen kann, muhte dieser Tage die Pottzei in Kirchrath bei Aachen machen. Wegen Ferlhaltens von Waren ohne Handelserlaubnis wurden zwei Brüder angehal­ten. Das Verhör ergab, daß beide weder lesen noch schreiben konnten und auch nicht wußten, wann und wo sie geboren waren. Eine Schule hatten beide nicht besucht. Die Burschen find in Speckholzerheide beheimatet und 13 bzw. 17 Jahre alt.

Bischof von Keppler f.

Stuttgart. 16. Juli. (TU.) Der würt- tembergische Landesbischof und Bischof von Rot­tenburg, Exzellenz Dr. Paul Wilhelm v. Kepp - l e r ist heute früh in Rottenburg an Herz- chwäche gestorben. Der Herr Reichs­präsident bat anläßlich des Ablebens des Bischofs an das Domiapitel von Rot­tenburg folgendes Telegramm gerichtet:Dem Domkapitel Rottenburg und der Diözese spreche ich zu dem schweren Verluste, den Sie durch den Hingang des Bischofs v. Kepper erlitten ha­ben. meine herzliche Teilnahme aus.

gez. v. Hindenburg."

Aus der ProvWalhauptsta-t.

Gießen, den 17. Juli 1926.

Die Fahrt ins Blaue.

Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt! Herrliche Sorglosigkeit, ziellose Pilgerfahrt zum Herzen der Ratur! So denkt der Idealist und gondelt los. Die anderen aber, die Lebens- und Geschäftstüchtigen, tragen die F:s e.'n bestimmter Abmachungen und die Last verhaßten Zwangs! So denkt der Idealist und freut sich seiner Frei­heit. Die ratternde Eisenbahn wird zur Begleit­musik seiner goldenen, leicht romantischen Ferien­träume: er baut Luftschlösser und empfindet stolze ^lngebundenheitsgesühle. Ach was, die andern! Sie kommen nicht los von der geraden Rüchtern- heit des Alltags, lächerlich, sich ein ungesehenes Zimmer im voraus bestimmen und reservieren zu lassen, einfachchersich! So denkt der Idealist und verachtet tief die Mitwelt.

Aber das Leben ist nicht aus Seiten des Idealisten, o ganz im Gegenteil: die andern, die große Masse der Realisten bekommt immer recht.

Roch sitzt der Idealist glücklich und ahnungs­los in der Eisenbahn, belächelt Jjie an sein Ohr tönenden Reden über VerpflegunHHverhältnisse, Pensionspreise und dergleichen. Er wird alles anders machen, wird suchen und sichten: wenn ihm der ganze Ort nicht zusagt, wird er weiter reifen, kurzum, er wird sich seinen Ferienaufent­halt individuell ganz nach der Art seiner stillen, aber blühenden Frühjahrs-, Herbst- und Winter­träume zurechtzimmern. Er wird!

Der Zug durchsaust die Gegend, der er­wählte Ort ist bald erreicht. Merkwürdig, wie viele das gleiche Ziel haben, alle Reisegefährten cheinen sich ja auf sein Dorado zu faßri-eren; eigentlich schade! So denkt der Idealist mit leisem, fast unbewußtem Bedauern. Gr wird diesen unangenehmen Spießer, dessen Bekannt- - chaft er wider Willen durch seinen berab- kürzenden Koffer gemacht, öfters sehen. Diesen Kerl, der von 26. bis an den Bestimmungsort unaufhörlich quatschte, entsetzlich! Aber auch die Dame mit den schlechterzogenen Gören, die dau­ernd sämtliche Fenster mit Beschlag belegten und das langweilige Ehepaar mit den beiden reifen-Töchtern, welche ihn schon die ganze Zeit mit großem Interesse musterten, auch die sind gleichzeitig mit ihm am Ziel ihrer Wünsche. Ra, man kann ja schließlich andern nicht den gleichen Geschmack verbieten. So denkt der Idea­list und Menschenfeind, das ist er nebenbei gesagt, trotz seines Idealismus, also er ist fest ent» chlossen, alle Hotels, in welchen seine Reise­gefährten gemietet haben, zu meiden. Station Dingskirchen, der Zug entleert sich ziemlich. Ein wenig Erregung treibt den Idealisten im beschleunigten Tempo in den Ort. Da liegt ein sehr sauberes, äußerst freundlich wirkendes Hotel, schöne freie Aussicht, überhaupt sehr verlockend. Auf und hinein, denkt der Idealist, wieder von Herzen froh, daß er nicht in Ülnkenntnis des Ortes bei einem anderen Hotel bestellt hat. Er kommt sich sehr klug vor!Bedauere un­endlich, alles beseht, wir erwarten noch Gäste mit diesem Zug. Wenn Sie uns geschrieben hätten, ja dann..." Aergerlich, es hatte so sein geduftet, als die Küchentür aufging, außerdem war auch der Pensionspreis billig. Was tuts, es gibt noch mehr Gasthäuser am Ort.Tut uns leid, hätten Sie geschrieben..." Ueberall das gleiche Lied, dabei ist der Ort wirklich wunder­voll, Wälder umrauschen ihn, weite Wiesen mit Blumen erfreuen das Auge, daß Panorama ist einfach fabelhaft. Hier ists gut fein, wenn man ein Dach über dem Kops hat, so denkt der Idealist recht kleinlaut. Rach einer Stunde, die Füße brechen fast,Ich wand're still, bin wenig froh, und immer fragt der Seufzer wo? Wie Geisterhauch schallt es zurück alle- besetzt!"

Auf zum Bahnhof, dem ungastlichen Ort dn Rücken zu kehren, irgendwo wirb's doch Platz geben! Der letzte Zug hat die Station vor zehn Minuten verlassen! Jetzt wird dem Idealisten mit seinen tausend Ansprüchen, Hoffnungen und Wünschen die Fahrt ins Blaue zu bunt,älnd ruhlos sollst Du wandern!" Wieder zurück, viel­leicht findet sich ein Stübchen, und wäre es noch so Nein. Änd der Himmel hat ein etwas ironu sches Einsehen, in einem Privatlogis ist noch unterm Dach ein winziger Raum frei. Da steht ein schmales Bett. Zwischending von Kinderbett und Pritsche, auf einem Stuhl wird ein Wasch­tisch improvisiert, denn die gute Kommode mit der Häkeldecke und dem entzückenden Porzellan­pendantsErste Liebe", der etwas lädierten Vase mit der aus Draht gezogenen Flora und aufgestellten Familienbildern ist zu schade für wässerige Unternehmungen der Reinlichkeit. Kin­der mit abstehenden Ohren grinsen von den Wänden, Männer im Bratenrock und zarte Frauen im Sonntagsstaat blicken alpdrücken- erregend auf den Eintretenden. Ein Stuhl und ein bunter Druck:Rapvleon nach der Schlacht bei Leipzig" vervollständigen die gediegen-künst­lerische Einrichtung der Kammer, das Fenster ist so klein, daß es zur vollkommenen Rebensach­lichkeit wird. Dem Idealisten wird plötzlich sehr realistisch zumute, er nennt die Schlafstelle «in Loch, hingegen bezeichnete die Vermieterin die Kammer alsmöbeliertes Zimmer" und nennt einen Ohnmachtsanfälle auslösenden Preis für die Herrlichkeit. Aber die Hauptsache ist ein Dach über dem Haupt, so denkt der ernüchterte Idealist und sieht schmerzlich zu dem, seinem Haupte unheimlich nahen Dach. Gleichzeitig ftyu er sich zu dem gebrochenen Rapvleon des Farben­drucks kameradschaftlich hingezogen und spürt em menschliches Rühren in der Magengegend. Drum sieht er zu, wo er überhaupt noch etwas zu <cn bekommt, denn mittlerweilen ist es spät ge­worden, läßt sich von der Wirtin eine Stearin­kerze aushändigen und die etwas verwickelt gende Oertlichkeit erklären und gibt sein heilige« Ehrenwort, gleich wiederzukommen, da das Han» Punkt halb zehn abgeschlossen wird. Mit Dem niederdrückenden Gefühl, einIdyll" gesunde zu haben, zieht der Idealist ab. Die Rächt ver­bringt er teils schlaflos fluchend, teils von vene­zianischen Bleilammern träumend, und leim ersten Morgengrauen entsagt er aller Romantik niu dem Schwur, nie mehr in der Hochsommer-Ferien- Urlaubs-Reisezeit eine Fahrt insBlaue unternehmen. L. w.

Giefzencr Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte.! Butter 180 bis 190, Matte 35, Wirsing 15 brsA, Weißkraut 15 dis 20, gelbe Rüben 15 bis 20, «p- nat 20 bis 25, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen bis 40, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüse 10, Tomaten

Die Unsicherheit in China.

Schanghai, 16. Juli. (WTD.) In Mis° ionarkreisen herrscht große Besorgnis we­gen der Lage der Missionare und der ^anderen Fremden in S i a n f u , das von den Truppen Wupeifus seit zwei Wochen belagert und ständig von Feuers- und Lebensmittelnot» bedroht wird. Man glaubt, dah in Sianfu 15 Engländer und 20 bis 30 Skandinavier sich befinden. Ein hervor agender Missionar, den man in Schanghai über die Lage befragte, erklärte, daß zahlreiche Städte und Dörfer der älmgegend geplündert und völlig vernichtet seien. Die Rie- »erlassungen der Missionare seien zerstört worden und die ganze Gegend biete den Anblick einen Wildnis.

Aus aller Welt.

Die Magdeburger Mordaffäre.

In der rätselhaften Mordangelegenheit in Magdeburg, über die wir Freitag berichteten, gelang es dem Berliner Kriminalkommissar Bus­dorf, den angeblichen Chauffeur festzuneh­men, der seinerzeit den Ermordeten Helling zu einer Autofahrt abholte. Der Verhaftete na­mens Große wurde in Kalbe a. d. Milde er­mittelt. Große gehörte derselben Vereinigung wie der Mörder Schröder an. Er behauptet, den ihm bekannten Schröder in der letzten Zeit wenig gesehen zu haben. Gestern nachmittag wurden während der Sezierung der Leiche Heb-

Wettervoraussage.

Meist heiter, sehr warm, tröcken, strichweise Gewitterneigung.

Durch das Zuströmen von kühlerer Luft au der Rückseite der ostwärts abgezogenen Gewitter­gebiete, ist der Druck über Deutschland erneut stark angestiegen, so daß die Schönwetterlage gesichert ist.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 24,8 Grad Celsius, Minimum: 10,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 15,5 Grad Celsius.

von der Strömung fortgerissen. Die Bureau- angestellte Adele Metzer, die ihn retten wollte, wurde von dem Strudel fortgerissen. Auch der Maurergeselle Burger, der sich den beiden Sr- trimkenen nachstürzte, sand den Tod in den Fluten. Die drei Leichen konnten bisher noch nicht geborgen werden.

3m Segelboot allein von Norwegen nach England.

In bemitleidenswertem Zustande kam in Lowestoft ein Norweger an, der allein in einem 24-Fuß-Segelboot eine Reise von Norwegen nach England unternommen hatte, zu der er 14 Tage benötigte. Er hatte auf seiner Reise besonders unter den sengenden Sonnenstrahlen zu leiden.

Eine kühne Segelfahrt.

Im Asterdamer Hafen sind drei junge Deutsche im Alter von 16 bis 17 Jahren in einem Heinen Segelboot, mit dem sie von Hamburg aus die Elbe hinunterfuhren, bann die Nordsee und die Zuidersee durchquerten,, wohlbehalten eingetroffen. Die jungen Seefahrer haben diese Reise ohne sonstige nauttschen In­strumente zurückgelegt. Sie wurden vom Hafen­meister freundlich aufgenommen, und durch seine Vermittlung erklärte sich eine Schiffsgesellschaft bereit, die jungen Deutschen mitsamt ihrem Doot auf einem Motorboot nach Lehden und Delft zu befördern, um ihnen so die gewünschte Gelegenheit zu geben, Holland kennen zu fernen. Am kommenden Sonntag werden die drei jungen

ttngs oie Veryasiecen Haas und Fischers vorgeführt. Haas blieb beim Anblick der Leiche völlig ruhig. Fischer hingegen erlitt einen Zu­sammenbruch. Die Obduktion ergab, daß Hel­ling von hinten erschossen worden ist. Die Kugeln stammen au4 dem bei Schröder ge­fundenen Revolver.

Haas bestreitet die ihm zur Last gelegte Tat und behauptet, die Verhafteten Schröder und * Fischer überhaupt nicht zu kennen. Schröder gibt nur zu, daß er den Diebstahl der Haas ge­hörenden Uhren und dessen Scheckbuches verübt habe. Auch will er an der Beseitigung der Leiche nicht beteiligt gewesen fein. Helling führte am Tage seines Verschwindens etwa 500 Mark bei sich. Er war zum Finanzamt zu einer Verneh­mung bestellt, hat aber diesen Termin nicht wahrgenommen und wurde seitdem vermißt.

Nach einer Darstellung des Vaters des Haas hat Schröder, der wahrscheinliche Mörder, ur» prünglich Schmied gelernt, dann vier Jahre bei der Reichswehr gedient, sich später als Student ausgegeben, ein Doktor-Diplom gefälscht und sich politisch gleichzeitig als Völkischer und Kommu­nist betätigt.

Bluttai eines Zuchthäuslers.

Jrn Zuchthause zu Ancona in Mittelitalien geriet ein früherer Brigant mit zwei Schicksalsge­nossen in Streit, die er beide e r st a ch. Der Mör­der konnte schließlich durch Gendarmen überwältigt werden.

Vatermord.

In der Nacht auf Freitag wurde in Ostpreußen ein Landwirt von seinem Sohn und dessen Freun­den, als er den Erlös seines am Vortage verkauften Besitztums auf die Darlehnskasse in Jurgaltschen einzählen wollte, überfallen. Man sand am nächsten Morgen seine Leiche in fürchterlichem Zu- tande im Straßengraben. Der ältere der beiden Söhne wurde verhaftet. Don den anderen Tätern ehlt bis jetzt jede Spur.

Tödlicher Autounsall.

Der Ingenieur Eller aus Schweinfurt stürzte mit seinem Auto bei Oberlauringen in eine Straßenunterführung, deren Decke sich durch das Hochwasser gelockert hatte. Eller wurde getötet, sein Vater schwer verletzt.

Schweres Motorradunglück.

Auf der Chaussee zwischen Schweidnitz und Reichenbach fuhr ein Obsthändler auf einem Mo­torrad mit der Tochter eines Korbmachers aus Reichenbach in voller Wucht gegen die Deichsel eines ihm entgegenkommenden unbe­leuchteten Pferdegespanns. Der Obsthändler wurde von der Deichsel aufgespießt und starb bald darauf. Die Mitfahrerin erlitt schwere Kopfver­letzungen.

nach Ablauf dieser Frist keine Verständigung über Arbeitszeit und Löhne erzielt worden ist.

Ein Balkcrnstreil.

Belgrad, 16. Juli. (Havas.) Die Zeitung Politica" glaubt zu wissen, daß die südslawische Regierung die Absicht habe, in Sofia einen diplomatischen Schritt zu unternehmen und die bulgarische Regierung zu ersuchen, der revolutionären Tätigkeit des ma­zedonischen Komitees ein Ende zu be­reiten, da wie die Untersuchung ergeben habe, dasselbe für das kürzlich gegen den serbischen Journalisten Hadji Powtisch verübte Attentat verantwortlich fein sott. Rach der gleichen Zei­tung beabsichtigt die Belgrader Regierung, sich an den Völkerbund zu wenden, um eine internationale Garantie für die Auflösung dieser revolutionären Organisation zu erlangen.