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günstigung auf dem Gebiete des Auswertungs- rechts vereinbart. Die französische Regierung gibt den deutschen Staatoangehöri q ,n die bisher auf Grund des Versailler Vertrags unter Zwangsver­waltung gestellten deutschen Markanleihen frei, fie empfängt dafür von dem Einlösungs- betrage, den die deutschen Gläubiger dieser An­leihen nach dem deutschen Ablösungsgesetz auf die freigegebenen Anleihen erhalten, soweit die frei­gegebenen Anleihen Reichsanleihen sind, ein Viertel, soweit sie Länder- oder Gemeindeanleihen sind, die Hälfte. Des weiteren bringt das Ab­kommen eine Aufwertung der deutschen Reichsange­hörigen Markanleihen, die elsaß-lothringische Ge­meinden vor dem Waffenstillstand ausgegeben hatten, lieber die Durchführung des Abkommens wird das weitere später bekanntgegeben werden.

Sin demokratischer Aufruf gegen die Mrstenenteignung.

Hamburg. 16. Juni. (Sil.) DasHam­burger Fremdenblatt" veröffentlicht in seiner heu­tigen Abendausgabe nachstehende Erklärung:

Am 20. Juni soll eine allgemeine Volksabstimmung stattfinden über den An­trag. das gesamte Vermögen der ehe­maligen Fürsten ohne Entschädigung zu enteignen. Für die Frage der F ü r st e n e n t e i g- nung ist die einzig richtige Lösung die Ein­setzung eines Sondergerichtes, wie sie im Reichstag beantragt ist und verhandelt wird. Sollte dagegen der sozialistisch-kvmmu- nistische Antrag angenommen werden, so wäre das eine

krasse Vergewaltigung der Begriffe des Rechts und des Eigentums.

Der Vor st and der Deutschen demokra­tischen Partei hat leider aus taktischen Gründen keine fe st e Parole für die Ab- stimm un g aus gegeben, sondern es dem einzelnen überlassen, wie er sich verhallen will. Die ilnterzeichneten. die der Demokratischen Par­tei angehören oder ihr nahestehen, halten das für unheilvoll und fordern deshalb ihre Ge­sinnungsgenossen öffentlich auf. den

Antrag der Sozialisten und Kommunisten abzulehnen,

und zwar in der entschiedensten Form durch Aichtbeteiligung an der Abstim- m u n g.

Die Erklärung ist unterzeichnet von Hans Delbrück. Georg Goth ein. Johannes I u n ck, Friedrich M e i n e ck e. Graf Mar M o n t g e l a s. Paul Rohrbach und Hermann Schliepmann.

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DerLokalonzeiger" meldet aus Dresden: Der demokratische sächsische Finanz­mini st e r Dr. Dehne hat am Mittwoch Stellung zum Volksentscheid genommen. Er bedauerte, daß der Vorstand der Demokratischen Partei keine klare und feste Stellung zum Volksentscheid eingenommen hätte, die nur auf Ablehnung des zum Volksentscheid stehenden Gesetzes hätte lauten können, denn die entschädigungslose Enteignung des Privatvermögens der Fürsten stehe in offenbarem Widerspruch zur Verfassung von Weimar, die zu achten und zu stützen der Demokratischen Partei immer als vornehmste Aufgabe erschienen sei.

Die Lokomotivführer gegen den Volksentscheid.

Verlin. 16.Juni. (Sil.) Der Vorstand des Bundes Deutscher Lokomotiv- l führer veröffentlicht in der Rr.23 derDeut­schen Eisenbahn-Zeitung" einen Aufruf g e - r gen den Volksentscheid. Darin heißt es u. a. wie folgt:Der Volksentscheid am 20. Juni ' ist der erste Schritt, auf dem Wege des kalten Staatsstreiches, bewußt die V e r d r o l e t a r i - sierung aller deutschen Volksschich­ten. mit Ausnahme der roten Parteiführer', herbeizuführen, durch die Zerschlagung je­des Eigentumsbegriffes und jedes Freiheitsrechtes des deutschen Staats- - bürgers. Gelingt den radikalen Elementen ihr erster Ansturm, dann werden sie ebenso gegen das Pensionsrecht der Dcamten, wie gegen jeden Besitz im Wege des Volksent­scheides Front machen. Völlige Verproletari- sierung der breiten Volksschichten wäre die Folge. Wir aber wollen nicht Verproletarisierung. son­dern Erhaltung des deutschen Mittel- st a n d e s . seinen Aufbau und ilnterstühung des Aufwärtsstrebens jedes einzelnen Kollegen. Des­halb lautet unsere Parole am 2 0. Juni: Bleibt dem Volksentscheid f er n. Dar Volksbegehren in Kessen.

Darmstadt, 16. Juni. (WB.) Bei dem Volksbegehren in Hessen, das einen Volksentscheid über hie Auflösung des Hessischen Landtages herbeiführen will, sind bisher 1 6 40 00 Stimmen für den Volksent­scheid gezählt worden. Erforderlich sind 42000 Stimmen. Das Volksbegehren richtet sich gegen die seit der Revolution bestehende Koali­tionsmehrheit (Weimarer Koalition), die sich während den letzten Landtagsoerhandlungen den Anträgen auf Auflösung des Landtags widersetzte.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 16. Juni.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10V9 ilhr.

Dor Eintritt in die Tagesordnung richtet Abg. G a l m eine Kleine Anfrage an die Regie­rung wegen der Genehmigung der Einfuhr aus­ländischen Geflügels, wodurch über hundert Ge­höfte in Hessen verseucht worden seien. Weiter wird angefragt, ob die Regierung bereit sei, die Cinfuhrerlaubnis zurückzuziehen. Ministerial­direktor S p a m e r erwidert darauf, daß Hessen nur erlaubt habe. Geflügel aus Ungarn ein­zuführen. daß aber diese Tiere einer fünftägigen Quarantäne unterworfen und dann noch tierärzt­lich untersucht werden. Von einer Ansteckung hessischen Geflügels sei nichts bekannt geworden: die Cinfuhrerlaubnis werde deshalb nicht zurück­gezogen.

Eine Kleine Anfrage des Abg. Dr. Wer­ner wegen Aufhebung des Verbotes der Ju° aendverbändeAdler" undFalke" wird von Ministerialdirektor U r st a d t in abschlägigem Sinne beantwortet.

Hierauf wird in die Tagesordnung einge- treten und der Entwurf eines Gesetzes zur Aufnahme von Darlehen aus den vom

Reiche bcreitgeftellteir Kreditmitteln in Höhe von 200 Millionen Reichsmark zur Förderung des Kleinwohnungsbaues wird ohne Debatte in bei­den Lesungen angenommen.

Ueber den Entwurf eines Gesetzes wegen Kleber nähme ein er Bürg schäft des Landes Hessen für Darlehen an die hessischen Wirtschaftsvertretungeu berichtet Abg. Haury. Die Bürgschaft (Rückbürgschaft) kann bis zum Betrage von 10 Millionen Mark gehen. Der Ausschuß hat einstimmig die Annahme des Ent­wurfs empfohlen.

Abg. Galm (Komm.) fragt an, ob in Ver­bindung mit der Bürgschaftserteilung nicht Ga­rantien gegen Arbeiterentlassungen verlangt wer­den könnten.

Minister Raab erwidert darauf, daß diese beiden Dinge nicht miteinander verquickt werden könnten. Die Handwerkskammer und die Land- wirtschastsiammer könnten auf solche Bedingungen nicht eingehen.

Abg. Haurtz (D. Vp.) macht darauf auf­merksam, daß in anderen Ländern derartige Bürgschaften, bei denen es sich überdies um einen rein formalen Akt handelt, anstandslos übernommen worden sind.

Das Haus stimmt mit Ausnahme der Kom­munisten in beiden Lesungen dem Ausschuhcm- trag zu.

Eine Regierungsvorlage über den Landes­anteil Hessens für öffentliche Rotstandsarbeiten im Rechnungsjahre 1926 verlangt, wie Abgeord­neter Delp mitteilt, die Bereitstellung von 1 600 000 Mk.

Abg. Galm (Komm.) beschwert sich, daß die Städte so wenig Rotstandsarbeiten verrichten lassen: es müsse eine größere als die verlangte Summe bereitgestellt werden.

Der Antrag des Ausschusses auf Bewilligung dieser Summe wird angenommen.

Der Verband hessischer Kaninchenzüchter hat um Bewilligung von 1000 Rlk. zur Förderung der Kaninchenzucht gebeten. Der Finanzausschuß hat beschlossen, die Vorstellung abzulehnen. Die Abgeordneten Dr. Werner und Galm wenden sich gegen den Antrag des Ausschusses, der aber angenommen wird.

Die Beratungen wenden sich nun einer Vor­lage auf Abänderung der Geschäftsordnung für den Hess. Landtag vom 20. Rovember 1920 zu. Die Kommunisten haben dazu Anträge einge­bracht. Die Vorlage sieht u. a. vor, daß zur Bildung einer Fraktion 5 Abgeordnete notwen­dig sind. Hiergegen wendet sich Abg. Galm (Kom.), weil die Kommunisten dadurch nicht als Fraktion anerkannt werden, denn sie sind nur mit 4 Abgeordneten im Landtag vertreten. Wei­ter bekämpft der Redner u. a. die vorgeschlagenen Abänderungen beim Einbringen von Kleinen Anfragen und dringlichen Anträgen.

Es folgen zahlreiche Abstimmungen über einzelne Artikel der neuen Geschäftsordnung. Be­merkenswert ist, daß ein Antrag der Kommu­nisten, die Vorbedingung zur Fraktionsstärke von 5 auf 4 Mitglieder herabzusetzen mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt und damit der Ausschuh- antrag angenommen wird. In der Schlußabstim­mung wird die ganze Vorlage über die Geschäfts­ordnung angenommen. Ebenso wird einem An­trag der LBgeordneten Kindt und Genossen über die Reukonstituierung der drei ständigen Ausschüsse des Landtags zugestimmt.

Ein Antrag des Finanzausschusses zum Ent­wurf eines Gesetzes über die Aufwands­entschädigung der Mitglieder des Land­tags wird in beiden Lesungen angenommen. Rach der Reuregelung wird statt der bisherigen Tage­gelder (Anwesenheitsgelder) ein Pauschalbetrag bezahlt, wie dies in anderen Parlamenten üb­lich ist.

Rach Erledigung einer Reihe von Anträgen und Vorstellungen, die sich auf lokale Wünsche beziehen, u. a. auf Erlaß von Grundsteuern und den Eisenbahnverkehr, fragt Abg. Dr. Riepoth (Dtsch. Vd.) bei der Regierung an, ob über­haupt durch Behandlung solcher Anträge im Landtag bei der Eisenbahnverwaltung etwas er­reicht werde oder ob ein anderer Weg mit mehr Erfolg eingeschlagen werden könne.

Ministerialdirektor Schäfer legt dar, daß die Regierung das vorgelegte Material prüfe und es der Eisenbahnverwaltung unterbreite und alles zur Erfüllung der Wünsche tue.

Einer Regierungsvorlage zur Sicherung und Erhaltung von Baudenkmälern stimmt das Haus zu. Es werden insgesamt 26 000 Mk. verlangt, und zwar für den Wormser Dom, die Rikolaikirche in Alzey, die Katharinenkirche in Oppenheim und die evangelische Kirche in Weiterstadt.

Der Präsident teilt sodann mit, daß von den Fraktionen der Rechtsparteien ein Antrag ein­gebracht worden ist, dec Landtag möge beschlie­ßen, daß die Hessische Verfassung von 19 1 9 abgeändert wird, so daß außer durch eine Volksabstimmung der Landtag auch durch einen Beschluß des Plenums aufgelöst werden kann.

Der Präsident macht den Vorschlag, daß der Antrag heute nachmittag im Gesehgebungs- ausschuß beraten und auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung gesetzt wird. Im Anschluß hieran entspinnt sich eine längere sehr erregte, lärmende und oft durch Lachen auf der Linken des Haufes unterbrochene Geschäftsordnungs­debatte, in deren Verlauf Abg. Kaul (Soz.) er­klärt, die Angelegenheit sei keineswegs so eilig.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) entgegnet: Wenn sie die Zahlen der plnterzeichner des Volksbegehrens erfahren, wird es Ihnen schwum­merig vor den Augen werden. Der Antrag kann ganz gut heute im Ausschuß und morgen tm Plenum beraten werden. Wir wollen durch den Antrag dem Lande die Kosten einer Volks­abstimmung ersparen.

2lbg. Kaul (Soz.): Ein solcher Antrag ist bereits früher einmal abgelehnt worden. Die Rechte benutzt schon gleich die neue Geschäfts­ordnung, um diesen Antrag einzubringen.

Rbg. Galm (Komm.) ist für baldige Be­ratung des Antrages.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) spricht sich dahin aus, daß der Antrag heute nachmittag im Gesetzgebungsausschuh behandelt werden muh. (Lebhafter Widerspruch, Lachen und Unruhe links.)

Äbg. Dr. Werner (Dntl.) weift besonders darauf hin, dah die neue Geschäftsordnung in Kraft getreten ist. Die Linke solle doch wenigstens den Versuch machen, in Schönheit zu sterben.

Abg. Kaul (Soz.) erhebt Einspruch dagegen, daß das Plenum dem Ausschuß die Arbeit vor- schreibt.

Der Präsident läßt über einen Antrag ab- fftmmen, dah der Antrag der Rechtsparteien aus

die Tagesordnung der morgigen Sitzung g:.- wird. Der Antrag wird mit Mehrheit ange­nommen. In der weiteren Aussprache stellt der Präsident noch einmal ausdrücklich fest, daß der Antrag angenommen ist; er beraumt die nächste Sitzung auf Donnerstag 9 Uhr an mit dem Rest der Tagesordnung der heutigen Sitzung und hem Antrag der Rechtsparteien.

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Auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dr. Werner über den Stand der R i d d a » u n d der Ridder'Regulierung hat jetzt der Minister für Arbeit und Wirtschaft nach­stehende Auskunft erteilt: Die Entwürfe zur Re­gulierung der Ridda und Ridder sind in den Hauptzügen fertiggestellt. Die Ausführungs- arbeiten finb für beide Bäche in Angriff genom­men. Auf Grund der produktiven Erwerbslosen­fürsorge wird zur Zeit die Regulierung einer Teilstrecke der Riddä in der Gemarkung Vilbel und der Ridder von her Landesgrenze bis zum Engelthaler Steg durchgeführt. Die Regulierung der Ridder vom Engelthaler Steg bis zur Ge­markungsgrenze Altenstadt-Lindheim soll dem­nächst zur Ausführung gelangen. Für die Regu­lierung der Wetter ist für die Strecke von der Gemarkung Laubacher Wald bis zur Mündung ebenfalls ein Entwurf zur Aufstellung gelangt. Sie Durchführung dieser Arbeiten erscheint jedoch nicht so dringlich, wie die zur Ausführung zunächst geplanten Regulierungen der Ridda und her Ridder und wird, im Hinblick aut die zur Zeit schwierige Finanzierung der Bachregulierungen, vorerst zurückgestellt werden müssen.

Aus aller Welt.

Sechsfacher Mord und Selbstmord.

In Dortmund tötete her Schlächter Bla- schewski seine Frau und seine drei Kinder in seiner Wohnung in der Leopoldstraße. Dann erschlug er mit einem Beil im Schlafzimmer der Kostgänger einen von ihnen, mit dem eine Rächt vorher durchzecht hatte. Die anderen Kostgänger verhielten sich aus Angst ruhig. Schließlich tötete er eine ihm im Hausflur be­gegnende Frau, eine Mutter von sieben Kindern, und verübte zuletzt S e l b ft m o r d.

Schiffsunglück an der südamerikanischen Küste.

Der holländische DampferDelft, von Ham­burg nach Valparaiso bestimmt, ist in der Bucht von Guhaquil auf ein Riff der Insel Santa Clara aufgelaufen. Schiff und Mannschaft dürften verloren fein.

Abfahrt derEmden" von Hamburg.

Der KreuzerEmden", der einige Tage im Hamburger Hafen lag, hat diesen wieder ver­lassen, um seine äleoungsfahrt nach der westlichen Ostsee anzutreten.

Ein Lustschiff verbrannt.

Auf dem Flugfelde Eiampino bei Rom ver­brannte das für Japan bestimmte lenkbare Luft­schiff Rr. 3 durch das Ausströmen der Gase und deren Entzündung, und wurde völlig zer­stört. Das Luftschiff ist ein Schwefterballon der durch ihre Polarfahrt bekanntenRorge". Men­schenverluste sind bei dem Brande nicht zu be­klagen.

Flugzeuge durch Stiere zerstört.

Bei Sevilla drangen ausgebrochene K a m p f ft i e r e in den Flugzeugpark der Luftlinie SevillaLissabon ein. Die Flugzeugwachen flohen und die Stiere zerstörten alle vorhandenen Flug­zeuge.

Mit dem Balkon auf die Straße gestürzt.

Die Morgenblätter melden aus Reapel: Ein Balkon in der vierten Etage, auf dem sich Ka­pitän Padovani, ein bekannter fasziftischer Or­ganisator, und mehrere seiner Freunde aufhiel­ten, stürzte plötzlich auf die Straße. Padovani und zwei seiner Freunde starben auf dem Transport ins Krankenhaus. Die übrigen sind schwer verletzt.

Hochwasser in ganz Deulschiand.

Die große:'. Regengüsse der letzten Tage haben ganz Deutschland riesige Wassermengen zu- gesührt. Aus allen Teilen kommen Rachrichten über Hochwasser. Die großen Ströme führen un- geHeuere Wassermengen mit sich, so daß in ein­zelnen Teilen Deutschlands schon Hochwasserge­fahr droht. Die Oder ist in ihrem Oberlauf in den letzten 24 Stunden um drei Meter gestiegen. 3m Kreise Ratrbor sind mehrere Tausend Mor­gen Feldbestände überflutet. In her Gegend von Reisse sind mehrere Ortschaften vom Wasser umgeben und Menschen und Vieh befinden sich in Gefahr. Die Elbe führt gleichfalls steigendes Hochwasser. Die Schiffahrtsgesellschaften haben heute morgen den gesamten Personen und Fracht­verkehr bis auf weiteres eingestellt. In Bretnig ist ein Damm gebrochen. Die gefährdeten Be­wohner arbeiten seit gestern abend an der Wie­derherstellung. Der Spiegel des Bodensees ist gestiegen, so daß die schweizerischen Dampf- boote nicht mehr unter der Rheinbrücke bei Kon­stanz verkehren können. Die Anschlüsse für die Eisenbahn werden durch Motorboote auftecht er­halten. Der Rhein steigt ständig werter.

(Ein Dorf eingeäschert.

Wie die Morgenblätter aus Passau melden, brach in Diendorf bei Rohrbach an der öster­reichischen Grenze in einem Anwesen durch einen schadhaften Kamin ein Grohfeuer aus, während die meisten Dorfbewohner beim Gottesdienst weilten. Bis auf zwei Anwesen ist das ganze Dorf niedergebrannt. Wassermangel verhinderte die Löscharbeiten.

(Ein blutiger Zusammenstoß.

Ein blutiger Zusammenstoß zwischen Stahl­helmleuten und roten Frontkämpfern hat sich in Hamborn zugetragen. Ein Trupp Stahlhelm­leute wollte dort Plakate gegen den Volksent­scheid anfteben, als eine Anzahl Kommunisten aus der dort gelegenen Arbeiterkolonie erschien und gegen die Stahlhelmleute vorging. Ein Stahlhelmmann und ein Kommunist wurden durch Schüsse schwer verletzt und mußten sofort ins Krankenhaus überführt werden. Eine wei­tere Anzahl Personen wurde leichter verwundet. Es entwickelte sich ein regelrechtes Gefecht, in dessen Verlauf mehrere Dutzend Schüsse fielen. Die inzwischen benachrichtigte Polizei trieb die Kämpfenden auseinander, deren Zahl allmählich auf über 500 angewachsen war. Fünf der Strei­tenden wurden festgenommen.

Typhus im Spessart.

In Rothenbuch im Hochspessart sind inner­halb ganz kurzer Zeit drei Todesfälle'an Typhus zu verzeichnen gewesen.

Typhusepidemie in einer Irrenanstalt.

In der Schweizer Irrenanstalt K ö n i g s f e l d ist Typhus ausgebrochen. 40 Wärter und 18 Patienten sind erkrankt.

Beim Revoloerreinigen erschossen.

Auf traurige Weise ums Leben gekommen ist in Göttingen ein aus Wilhelmshaven gebürtiger 22jübriger Student, der an seinem Schreibtisch damit beschäftigt war, seinen Revolver zu reini­gen. ilnertoarteter Weise ging ein Schuß los. Die Kugel traf den jungen Mann so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Der Fall Lessing.

In einer von dem Magistrat der Stadt Hannover gefaßten Entschließung, die dem preußischen Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, Dr. Becker, übermittelt wurde, heißt es il <t.: Der Magistrat hat bereits am 11. d. Mts. dahin Stellung genommen, Lessing solle in persönlicher Verhandlung durch den Oberbürgermeister ersucht werden, von seinem Lehramt freiwillig zurückzutreten. Professor Les­sing hat aber die Abgabe einer R Ü ck thitts- erklärung,abgelehnt, jedoch in anderer Beziehung Erklärungen abgegeben, die unseres Erachtens die sofortige Lösung des Streits herbeiführen müssen. Professor Lessiyg .hat er­klärt, dah er innerlich schon- lan gst auf die Dozentur verzichtet balfe und sich völlig frei fühle. Für ein weiteres gedeihliches Wirken als akademischer Lehrer fehlt ihm also die Hauptvoraussetzung, nämlich die innere Berufung. Damit muh der Streit nach den Erllärungen Professor Lessings selbst als gegenstandslos bezeichnet werden Wenn die Staatsautorität in diesem Falle weiter ein­gesetzt würde, so würde sie pro nihilo angewandt werden. Der Magistrat bittet weiter, in dchn zu erwartenden Bescheid zu bestätigen, daß die dem Oberbürgermeister von Herrn Professor Les­sing übergegebene angebllche Aeußerung des preußischen Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, die Stellung deS Ma­gistrats in dem Streitfall sei ihm gleichgültig. Der Wahrheit zuwiderläuft, denn unmöglich werde der Herr Minister der Stellungnahme der Be­hörde einer Großstadt wie Hannover bei einer ihrer wissenschaftliche und kullurelle Belange be­drohenden Frage fein Gewicht beilegen.

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Zum Fall Lessing geht uns von der r epuv i k a n i s ch e n Studentenschaft der L a n > 'tiesunioerfität Gießen eine Erklärung zu, in der mitgeteilt wird, daß siedie einseitige Stel­lungnahme der Deutschen Studentenschaft im Falle Lessing" bedauert und den Kampf der hannoverschen Studenten sowie dessen Unterstützung durch die Deutsche Studentenschaft verurteilt, weil dadurch die akademische Lehr- und Lernfreiheit untergraben werde. Der Deutsche Republikanische Lehrerbund, Vorort Gießen, läßt uns gleichfalls eine Erklärung zugehen, in der gesagt wird, daß diese Organisation Lessings Artikel über Hindenburg auch nicht billigen kann, daß sie aber das Vorgehen der Gegner Lessings in der hannover­schen Studentenschaft als unvereinbar mit staat­licher Ordnung und akademischer Lehrfteiheit- ver­urteilt.

Die Darmstädter Studentenschaft hat sich gestern gleichfalls mit dem Fall Lessing beschäftigt. Sie dankt den Hannoveraner Kommilitonen für ihr mannhaftes Auftreten und versichert sie für alle sich daraus ergebenden Folgen ihrer tatkräftig­sten Unterstützung.

Aus der ProvWalhauptftM.

Gießen, den 17. Juni 1926.

Gießener Wschenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 35, Wirsing 35. rote Rüben 20, Spinat 30, Römischkohl 20 bis 25, Dohnen 70, Spargel 70 bis 100, Erbsen 60 bis 70, Mischgemüse 20, Tomaten 70 bis 120, Zwiebeln 25, Meerrettich 80, Rhabarber 25, Kartoffeln (neue) 15. Kartoffeln (alte) 5, Aepfel 20 bis 40, Kirschen 35, Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 40, Erdbeeren 80 bis 120, Himbeeren 120, Honig 40, Suppenhühner 100 bis 130 Pf. das Pfund; Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 11 bis 12. Blumenkohl 80 bis 100, Salat 10 bis 12, Salat» gurken 50 bis 70, Ober-Kohlrabi 20 bis 25, Rettich 15 bis 20 Pf. das Stück: gelbe Rüben 20 bis 35 Pf. das Päckchen: Radieschen 10 Pf. das Bund.

Bornotizen.

Lageskalender für Donners- tag: Oberhessische Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde: 8.15 Ahr, Großer Hörsaal des Physi­kalischen Instituts (Stephanstr. 24) Vortrag. Gießener Radfahrer-Verein: 9 ilfjr, ©aal5.au Sauer, Versammlung. Liebigshöhe: 8.15 ^Ihr. 2. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Die Förfter- christl". Astoria-Lichtspiele:Dik Turpin der galante Bandit".

Eine Beamtenoersammlung wird in unserem heutigen Anzeigenteil auf den nächsten Samstagabend in die Turnhalle am Oswaldsgart'en einberufen. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage.

Bei südlichen bis westlichen Winden vorwiegend wolkig und weiters Negenfälle, zeitweise warm, im allgemeinen noch kühl.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 22,4 Grad Celsius, Minimum 11 Grad Celsius. Nieder­schläge 0,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 13,6 Grad Celsius.

* Nächtlicher Krieg gegen die Hindenburg-Plakate. Wie man uns mit­teilt, sind in den beiden letzten Rächten von sämtlichen Anschlagstellen die Hindenburg-Pla­kate gegen den Volksentscheid auf Enteignung der Fürsten systematisch abgerissen worden. Die ..Helden", die herartige Taten vollbringen, glau­ben anscheinend, damit einen geschickten politischen Schachzug zu tun. Sie dürften sich darin aber täuschen, denn jeder politisch anständig empfin­dende Mensch wird solche Kampfesweise berur» teilen und sie nur als Ausfluß der Angst vor! der Aufklärung des Volles ansehen. Im Inter­esse her Vereinigung unseres politischen Lebens wäre zu wünschen, daß diesen nächtlichen Helden im Plakatkampf das Handwerk gelegt wird, denn die Plakate sind, auch wenn sie an den Anschlagtafeln kleben, doch immerhin noch fremdes Eigentum. Hoffentlich gelingt es der Polizei, hier auch im Dunkel her Rächt für Wohlanstän- bigfeit zu sorgen.

"Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit, dah folgende Straßen wegen Vornahme von Reparaturarbeiten für die Dauer dieser Ar-

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* St Seit Mo" eine sich Frau 2i unter den sucht vorn unter der totrant, 2 Dohnuns Mnbet I veranlahi verlassen, die vothl den TticI weitetet forscht, c sitzen. 6 flattm m beim Wl bereit, dc mit abzr händigt s das Wo! gelingt, ' Frau zu große, 3 sie hat sc mit schwa ßto^ut

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