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Nr. U5 Zweites Matt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Montag,7. Mai 1926

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historischer Bedeutung.

Stellen sich die Ansicht festgesetzt Hal, daß vom Reichsmarineamt aus stark gegen den Reichskanzler gearbeitet wird. Man ist entschieden auf der Suche nach Beweisen hierfür."

verein gegründet. Da der Derein als Orts­gruppe Große n-Duseck dem Beit - und

links der

Der Nestbau unserer Vögel.

Die Baukunst der Bögel bildet ein sehr in­teressantes Kapitel für den Raturfreund Obwohl bestimmte Regeln beim Restbau der einzelnen Bogel- arten festzustellen find hat doch auch die veränderte Umgebung hierin besondere Eigenarten geweckt,

\\tt Korsett« z. DerKaus Mittwoch

:: Bersrod, 15. Mai.

Pasten, damit man ihn nicht übersteht. Und der Zug brauste herein. Wo ist er wo? Dort sttzt er, dort am Fenster, in die Ecke gedrückt. Ganz nahe standen wir mit entblößten Häuptern. Und dort saß er und blickte regungslos mit feinen ernsten Augen heraus auf die Menge. Mit verhaltenem Atem stand der Knabe. Dann rief einer: Hoch! Und nun brauste es zum stillen Abendhimmel empor: Hoch! Hoch! Der Knabe verschlang mit seinen Blicken die ehrwürdigen Züge und prägte sie feinem Gedächtnis auf Lebenszeit ein. Die Maschine zog mit Schnaufen an, die Räder rollten in die Rächt hinaus. Und mit geschwellter Brust trottete der Knabe neben dem Bater zurück in die Stadt. Reich, tiefbeglückt. Denn er hatte einen der Großen seines Dolles gesehen. Und mit besonderem Hochgefühl schnallte er denschweren" Kindersäbel um, stülpte die Pickelhaube über die Locken und jagte aus dem Blasrohr den Bolzen auf den lebensgroßen Zuaven aus Pappendeckel, der als Scheibe in der Wohn­stube stand.

3a, das waren die zwei. Der Bismarck und der Moltke.

Ueber ihnen aber, in weiter Ferne, stand der dritte. Roch viel vornehmer, viel erhabener. Das war der Kaiser. Ein sehr alter Mann im Schmuck der Silberhaare, mit gütigem Antlitz, mit freund­lichen Augen und mit der strahlenden Krone auf dem Haupte, dem und hoch, der Inbegriff der Majestät, wie fich's für einen Kaiser geziemt.

Und auch der Knabe wußte es: Diese drei sor­gen für uns bei Tag und bei Rächt, daß wir sicher wohnen, ganz ungefährdet, in Frieden.

Das war die alte Zeit, die gute Zeit, die un­wiederbringlich versunkene Zeit.

Freilich, einen König hatten wir Bayern auch. Das wußten wir wohl. Und wir kannten ihn auch von Angesicht. Denn damals zeigte er sich noch von Zeit zu Zeit seinem Volke, das mit treuer Liebe an ihm hing.

Ich halte ihn zum ersten Male gesehen an einem Tage, der mir jedenfalls angenehmer war als ihm. An dem herrlichen, sonnigen Tage, da

ihm der deutsche Kronprinz am Siegestor in München sein ruhmbedecktes Heer zurückgab.

Welch ein Trubel unter den wehenden Fahnen welch ein Geschiebe! Und plötzlich hieß es: Der König, der König! Wit offenem Munde stand der Knabe. Die Hüte flogen von den Köpfen, die Lust erdiöhnte von brausenden Hochrufen. Die Roste des vierspännigen Wagens trabten, vor den Augen des Kindes flimmerte überwältigende Pracht und Herr- lichkeit. Welcher ist der König? Borne ritten die Kutscher. Bon denen war's keiner. Dann tarnen zwei, die hatten schwarze Röcke an und trugen Zylinderhüte. Einen Zylinder und einen schwarzen Rock nannte auch der Bater fein eigen. Könige tragen- keine Zylinder. Aber jetzt ja jetzt eine von den zwei prächtig geschmückten Gestalten da hinten, hoch oben - ! Und im Hui war alles vor­über.

Hast'n g'seh'n, den König?" fragte der Onkel in feinem echt münchnerischen Dialekt.

.O freilich!"

Ro wie hat er denn ausg'schaut?"

O fein! Der mit dem grünen Rock und dem Federhut."

Berduht stand der Knabe. So hatte er den Onkel noch nie lachen sehen. Gar nicht beruhigen konnte sich der gute Mann. Und allen erzählte ers, und alle lachten mit ihm. Und nach Jahren muhte es der Knabe wieder und wieder hören: .Weißt es noch, August wie d'n Drettelhupser fütn König ang'schaut hast?"

Ja, das war eine schenierliche oder wie sich mein Schwesterchen seltsamerweise in Verwechslung des Begriffes mit der Berufstätigkeit eines väter­lichen Freundes auszudrücken pfleate das war eine .inschenierliche" Erinnerung an einen Tag hon

gefördert und herausgebildet. Ursprünglich z. B. hat der Bogel nie sein Rest in Gebäude ober Ställe gebaut. Auch die Baustoffe für die Rester sind heute vielfach andere wie früher. Rur ök Form der Rester scheint unverändert geblieben zu sein. Als Stand­ort wird ein Platz ausgewählt, der der Eigenart des Bogels einigermaßen entspricht. Lausvögel be­vorzugen den Boden, Raubvögel die Spitze eines Baumes, Sumpfvögel suchen zwischen dem Schilf einen Platz. Sie Restflüchter, alle Dogeiarten, deren Junge das Rest bald verlasten, verwenden sehr wenig Sorgfalt beim Bau. Eine Vertiefung ira Boden wird mit Hälmchen und Federchen ausgelegt, und damit ist das Rest fertig. Diese Rester sind oft nur daran zu kennen, daß Eier darin liegen. Mehr Kunstsinn verwenden die Resthocker. Hier entfaltet vor allen Dingen das Weibchen rührige Tätigkeit. Auf der niedrigsten Stufe der Baukunst stehen die .Flechtenden", Störche, Kraniche, Wild­enten, Wafferhühner, Raben, Krähen u. a Die Rester besitzen eine große Festigkeit, sind aber nicht gegen Regen geschützt. Eine höhere Stufe der Baukunst nehmen die .Weber ein. Ihr Rest stellt ein Gewebe von Hälmchen, Wolle und dergleichen dar und ist innen mit Moos und Federn ausge­polstert. Als .Minierer" tritt die Uferschwalbe auf, die mitihren schwachen Werkzeugen eine Riesen­arbeit leistet. Roch größer ist die Arbeitsleistung des Spechts. Er meißelt mit seinem kräftigen Schnabel eine Höhle in einen Baum Männchen und Weibchen arbeiten abwechselnd, in etwa 14 Tagen ist ba8 Rest fertig Häufig benutzt der Specht Baumhöhlen, die er selber auspoliert. Die höchste Stufe der Bau­kunst haben sich die .Kittenden" angeeignet, zu denen unsere Schwalbe gehört. In ©offen und Pfützen sammeln die Tierchen feuchte Erde, mischen sie mit ihrem Speichel und fetzen ein Erdklümpchen an das andere. Ununterbrochen wird gearbeitet, bis das Rest nach 8-10 Tagen fertig ist. Wer beobachtet, mit welcher Hingebung, Sorgfalt und Liebe unsere Vögel ihre Rester bauen, sich dem Brutgeschäft widmen und ihre Jungen pflegen, sollte der ihnen ein Leid antun, die ganze Arbeit, das herrliche Kunstwerk zerstören können?

Bcuemer Straße am Wasserwerk liegendenÄei­le r s ro i e f c n" sind in den letzten Jahren voll­ständig versumpft. Das Gras ist sauer und als Viehsulter fast wertlos. Einzelne Landwirte haben deshalb den Versuch gemacht, ihre Wiesen mit Korbweiden anzupflanzen. Sic versprechen sich von dem Wcidcnanbau einen größeren Nutzen, Die weiter unterhalb des Tales liegenden Michel­bachwiesen sind ebenfalls vollständig versauert. Hier muß dringend Abhilfe geschaffen werden, sonst gehen auch diese Wiesen zugrunde. In den Beuerner Michelbachwiesen ist vor einiger Zeit ein großer Teil durch Gräben entwässert worden. An einer unserer Dorfschmieden, an der Straße nach Winnerod gelegen, hat der Besitzer vor Jahren beim Uebekwerfen des Hauses den recht trefflichen Hausspruch anjchreiben lassen:Wieviel Haven auf Erden den Krieg sich erklärt und machen erst Frieden tief unter der Erd!" Möge jeder der Vor­übergehenden etwas von der Wahrheit dieses Sprüchleins mitnehmen in sein Leben! Ein Nachbar der Schmiede, ein Schreiner, hat für fein Haus, das vor einiger Zeit überworfen wurde, den schönen Hausspruch gewählt:Gott segne das Hand­werk und redlich Bemüh'n und lasse es allzeit ge­deihen und blüh'n."

bf. Langsdorf, 15. Mai. Die hiesigen W a s s e r l e i t u n gs - und Kanalisa­tionsarbeiten machen weiter gute Fort­schritte. Zurzeit ist bie Hauptstraße in einer Länge von 500 Meter aufgerissen und somit für allen Fuhrwerks- und Autoverkehr gesperrt. Die Anwohner sind also für einige Wochen von dem furchtbaren Staub verschont, den besonders die Autos aufwirbeln. Die Kanalisationsrohre müssen sehr tief gelegt werden, bis zu 5 Meter tief, um alle tiefen Keller, die schon längere Zeit unter Wasser stehen, erfassen zu können. Bei der Aus­schachtung ist man auf die Fundamente der

der Pferdezucht zu interessieren, insbesondere an der Heranzuchtung erstklassigen Pferdematerials, ilebrigen» gilt der Reitsport in vernünftigen Grenzen betrieben, als eine Erholung für Mensch und Pferd. So ist es denn auch zu erklären, daß eine ganze Anzahl junget Landwirte dem neuen Verein beigetreten ist Unter Leitung de- Reitlehrers Echömbs von Gießen werden die Hebungen vorgenommen. Das Reitgelände ist Weide- und Oedland, das der hiesige GutShof zur Verfügung gestellt har. Die Pserde werden gestellt vom Gießener Institut und von hiesigen Landwirten. Der Vorstand setzt sich aus folgen­den Personen zusammen: 1. Vorsitzender: W i l- helm Schmidt, 2. Vorsitzender: Otto Ste­phan. 1. Reitwart: Fritz (Stau. 2. Reitwarl: Wilhelm Pfeiffer.

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5 a b r 11 u b Gießen und Umgebung an* auch noch die Aufgabe der Hebung

Tirpitz' Sturz.

Jlad) unveröffentlichten Dokumenten.

Bon Dr. FritzKern, o Professor der Geschichte an der Universität Bonn.

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Der deutsch-spanische Handelsvertrag.

Am 7. Mai ist in Madrid nach längeren Verhandlungen der deutsch-spanische Handels­vertrag unterzeichnet worden, der nach Rati­fikation durch den Reichstag in Kraft treten soll. Damit soll der durch das Provisorium müh­sam ausgefüllte halbvertragslose Zustand end­lich überwunden werden. Der Vertrag kann mit dreimonatiger Frist, jedoch nicht vor Ablauf von neun Monaten nach Inkrafttreten gekündigt werden.

Der endgültigen Regelung unserer Handels­beziehungen zu Spanien standen bisher die Schwierigkeiten des deutschen Wein­baus entgegen. Ihnen ist in dem nunmehr unterzeichneten Vertrag weitgehend Rechnung ge­tragen. Zugleich ist der industriellen Aus­fuhr Spielraum gelassen, um den ihr ange­messenen Anteil am spanischen Markt zu sichern. Die Weinzölle sind in der Hauptsache dem mit Italien abgeschlossenen Handelsvertrag an- gepaht. der vorn Weinbau selbst als erträglich bezeichnet ist. Die Sätze betragen 45 Mark für weihe und 32 Mark für rote Tischweine. Rur für roten Derschnittwein, der bekanntlich zur Aufbesserung unserer eigenen Gewächse nicht völlig entbehrt werden kann, ist ein Satz von 20 Mark vereinbart, der übrigens in dem bis jetzt gültigen Provisorium bereits festge­legt war. Dieses Provisorium aber war als für den deutschen Weinbau günstig allgemein anerkannt. Zugeständnisse waren auf dem Ge­biete der Südfrüchte nicht zu vermeiden. Do unterliegen Apfelsinen beispielsweise einem Zoll von 2,50 Mark, gegenüber dem Italien .auferlegten von 3,25 Mark. Für die deutsche Ausfuhr nach Spanien sind allgemein die Zoll­sätze der 2. Kolonne des spanischen Tarifs, d. h. des spanischen Minimaltarifs, Deutschland zu- gestanden. Darüber hinaus haben wir für eine große Anzahl von Positionen, für die andere Länder Zollzugeständnisse seitens Spaniens er­halten haben, die Meistbegünstigung erlangt; allerdings mit der durch die spanische Gesetz­gebung bedingten Einschränkung, daß die Unter» schreitung der 2. Kolonne nicht mehr als 20 Prozent betragen darf. Gs ist für die Industrie also nicht restlos alles Wünschenswerte er­reicht. Immerhin ist für etwa die Hälfte unseres Ausfuhrinteresses die Meistbegünstigung erlangt. Die gesamte industrielle Ausfuhr nach Spanien hatte im vorigen Jahre einen Wert von etwa 161 Millionen Mark. Die Meistbegünsti-

7. März 1916.

Nach meinen Beobachtungen aus den letzten Tagen hat der Reichskanzler einen Schlag gegen das Reichsmarineamt vor. Ich bin heute abend durch das Berhalten der Herren aus der Begleitung des Reichs­kanzlers in dieierAnsicht bestärkt werden.

Der frühere Hosmarschall Dizeadmiral v. Platen- Hallermund schreibt über die kritischen Tage nach seiner Erinnerung:Bei der Beurteilung der Lage kam es daraus an zu wissen, ob der Reichskanzler Herr v. Bethmann Hollweg den Großadmiral unter allen Umständen und mit allen Mitteln beseitigen wollte. Diese Frage habe ich auf Grund eigener Beobachtungen im Großen Hauptquartier bejaht. Im März 1916 hatte der Großadmiral im Haupt­quartier unter den maßgebenden Persönlichkeiten keinen Fürsprecher ober Freund. Der Ches des Ma­rinekabinetts hatte ihn oöllla fallen lassen und stand ganz unter dem Einfluß des Admirals von Holtzendorff, des erbittertsten und geschworenen Feindes des Großadmirals. Treutler als größter Hetzer gegen Tirpitz spritzte täglich sein Gift und be­arbeitete die übrigen Kabinettschefs im Bethmann- schen Sinne, von denen sich Lyncker passiv verhielt, Balentini dagegen aufs heftigste Partei gegen Tirpitz nahm. Es war mir also ganz klar, daß die Tage der Dienstzeit des Großadmirals gezählt waren und das man vor keinem Mittel zurückschrecken würde, ihn zu beseitigen."

Alle Treibereien hätten indes nicht zum Rück­tritt des Großadmirals geführt, wenn er nicht am 8. März die Meldung empfangen hätte, daß über den U-Bootkriea negativ beschlossen worden fei.

(Schluß folgt.)

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Oberhesfen.

Landkreis Gießen

ß. L e i h g e st e r n , 17. Mai. Im 91. Lebensjahre verstarb hier in der vergangenen Woche die Witwe Marie Kan geb. Seipp, die ä 11 e ft e Frau unserer Gemeinde. Ein Unfall, Schenkel­bruch, und eine hin^ugekommene Lungenentzündung machte ihrem arbeitsreichen Leben ein Ende. Frau Kan war bis in ihre letzten Tage körperlich und geistig frisch.

:: Grohen-Duseck, 15. Mai. In un­serem Dorf wurde in letzter Zeit ein Reiter-

gung genießen u. a. nicht Möbel, einige che­mische und Textilerzeugnisse, sowie weißes und farbiges Porzellan und Wesserwaren. Für diese gilt aber, wie gesagt, die 2. Kolonne des spani­schen Tarifs, also der Minimaltaris. Offen ist auch noch die Farbenfrage, die durch ein erst vor kurzem erlassenes spanisches Einfuhrverbot sich besonders schwierig gestalte: hatte. Auf Grund der spanischen Versicherung jedoch, daß das Ein­fuhrverbot nur eine vorübergehende Maßnahme und mit seiner teilweisen Aufhebung bereits in kürzester Zeit zu rechnen sei. wurde die Frage zunächst zurückgestellt.

Bei dem großen Interesse, das unsere Han­delsbeziehungen zu Spanien in der deutschen Oeffentlichkeit gefunden haben, dürfte es sich verlohnen, auf die Vorgeschichte des jetzt ab­geschlossenen Abkommens einzugehen. Dor dem Kriege gründeten sich die Handelsbeziehungen Deutschlands zu Spanien auf den Handelsvertrag vom Jahre 1899. Obwohl Spanien im Welt­kriege die Reutralität wahrte, wurde auch seine Wirtschaft von den Kriegsereigniffen schwer be­troffen. Die spanische Regierung sah sich daher genötigt, zu Schutzmaßnahmen zu greifen. Gleich­zeitig mit scharfen Zollerhöhungen, die sie im Zollgeseh vom. 12. Februar 1922 vornahm, ging sie dazu über, die bestehenden Handelsverträge zu kündigen. Auch der deutsch-spanische Ver­trag wurde zum 20. Dezember 1922 außer Kraft gesetzt. Die deutsche Regierung bemühte sich, als­bald eine neue Regelung der Handelsbeziehun­gen zu Spanien zu treffen.

Trotzdem im Frühjahr 1922 die Verhand­lungen begannen, führte dennoch Spanien am 29. Mai 1922 den sogenanntenKoeffizienten" ein, d. h. einen Valuta zu schlag in Hohe von 80 Prozent auf seinen Minimaltarif, der für die deutsche Einfuhr prohibitiv wirken muhte.

Den Valutakoeffizienten gab Spanien uns gegenüber erst mit dem am 25. Juli 1924 unter­zeichneten Handelsabkommen auf. Zugleich ge­währte es Zollnachlässe für deutsche industrielle Produkte, machte aber besondere Schwierigkeiten gegenüber unseren Weinzo11en. Die Rück­sicht auf den deutschen Weinbau veranlahte den Reichstag, gegen dieses Handelsabkommen Ein­spruch zu erheben. Dies führte dazu, daß der Vertrag sofort wieder gekündigt wurde und neue Verhandlungen begannen. Während­dem entschloß sich die spanische Regierung unter dem Druck ihrer Ausfuhrhandelskreise zu Kampfmaßnahmen gegen Deutschland. Durch ein königliches Dekret vom 5. Rovember 1925 wurde wieder ein Zuschlag von 80 Prozent auf den spanischen Maximal tarif für alle Waren deutschen Ursprungs gelegt und außerdem ihre Einfuhr in die Freihäfen der Kanarischen Inseln und der spanischen Häfen Ceuta und Melilla ver­boten. Aber bereits am 18. Rovember 1925 wurde, ehe deutsche Gegenmaßnahmen in An­wendung kommen konnten, ein neues provi­sorisches Handelsabkommen auf die Dauer vost 6 Monaten geschlossen. Die spa­nischen Kampfmaßnahmen wurden aufgehoben und der Minimaltarif in Anwendung ge­bracht, während Deutschland bei der Einfrchr spanischer Waren grundsätzlich die autonomen Zölle erhob und lediglich für Tomaten, Wein­trauben, Bananen. Apfelsinen, roten Verschnitt» wem und Sardinen in Oel günstige Zollsätze ge­währte.

Rach Abschluß dieses Provisoriums find dann die Verhandlungen weitergegangen, die zu der jetzigen Einigung geführt haben. Konnten auch nicht alle Wünsche befriedigt werden, so läßt sich doch erwarten, daß der deutsche Export nach Spanien die Enttoicklungsmvglichkeiten haben wird, die bei den spanischen Bedürfnissen an sich gegeben sind, und zugleich der deutsche Wein­bau auf seine Rechnung kommt.

-»), (Klavier). Collins

Melssohn ?ner. ' irÖicr u"d lr bösil Haue. __ 4262c

Pforte, gestoßen und hat dicke Mauersteine zu Tag gefördert. Am Dorfausgang nach Hungen zu wurden in einer Tiefe von etwa 2 Meter zwei Urnen gefunden, die mit Asche und Knochenresten gefüllt waren. Sie sind leider zerschlagen worden. Auch findet man öfters alte, ganz flache stvllenlose Hufei ssn von kleinen Pferden. Arbeiter, welche die Aushubarbeiten für die Zuleitung zum Hochbehälter ausführen, machten ebenfalls einige Funde. Ihre Arbeits­strecke schneidet den Pfahlgraben, der zwi­schen hier und Bettenhausen verlief. So stteß man denn auch dieser Tage auf Hebert efte der Römerzeit, Urnenbrutyftürfe, Menschen- und Tierzähne wurden links der Straße nach Bettenhausen ausgegraben. Vollständige Urnen konnten auch hier nicht geborgen werden, sie gingen bei dem Versuch, sie zu erhallen, in Stücke. Jetzt will man auf eine Grabstätte gestoßen sein, was nähere Untersuchungen noch beweisen müssen.

:/: Utphe, 15. Mai. Kürzlich wurde berichtet, daß sich im Nachbarort Trais-Horloff ein Stor­chen paar neu eingenistet hat. Nun hat sich auch bei uns ein Paar mit starker Verspätung eingestellt, nachdem etwa 23 Jahre lang unser Dorf kein Storchnest gehabt hat. Da insolgedessen keinerlei Vorrichtung mehr für einen Nestbau vorhanden war, jah man das wohnungslose Paar viele Tage lang über dem Dorfe kreisen. Immer wieder ließen sie sich auf der Scheune des Landwirts Schwarz nieder und versuchten dort auf der Spitze der Brandmauer mit Reisig zu bauen, das aber immer

Am 1. März 1916 meldete dem Staatssekretär des Neichsmarineamtes jein Nachrichtenbureau, daß der Kanzler Bethmann Hollweg nach dem Hauptquartier West abgereift sei, um den Kaiser zum Verzicht auf den U-Bootkrieg zu bewegen. Zugleich erfuhr Tirpitz, daß der Kaiser seine, Tirpitz', Anwesen­heit bei den entscheidenden Beratun­gen nicht gewünscht habe. Als Helfer hatte sich der Kanzler den Admiralstabschef v. Holtzendorff, der ein alter persönlicher Gegner des Großadmirals war, mitgenommen.Obwohl mir," so schreibt Tir- pitz selbst im Manuskript des noch unveröffentlichten 2. Bandes seines großen Werkes,burd? kaiserliche Order versichert war, daß es In der Absicht des Kai­sers liege, meine Ansicht in allen wichtigen marme- politischen Fragen einzuholen, war ich wieder ein­mal völlig ausgeschaltet. Was ich aber damals noch nicht wußte, war die heute noch fbft unbekannte Tatsache, daß neben der tragischen Handlung einer schicksalsschweren Entscheidung das kleine Satyr» ipiel der Intrige lief, die sich das Ziel gesetzt hatte, den Staatssekretär des Reichsmarineamtes um jeden Preis, und sei es den der Verleumdung, aus dem Amte- zu entfernen. Die Leiter der Kriegsfühning zu Land und zur See, Falkenhayn und Holtzendorff begegneten sich in diesem Wunsche mit dem Leiter unserer Politik und der Kaiser war von vornherein entschlossen, keinen Widerstand zu leisten. Man sah verschiedene Wege, zum Ziel zu gelangen.

Die Erregung des Kaisers über den Pressefeld- zug für den U Bootkrieg bot bereits am 2. März Herrn v. Bethmann Hollweg willkommenen Anlaß, dem Kaiser einen vorgeblich reinen Wein über das Nachrichtenbureau des Reichsmarineamtes einzu- schenken. Er handelte dabei nach seinem eigenen Zeugnis im-Einverständnis mit dem Chef des Ad- iniralftabes."

Daß Herr v. Holtzendorff dabei ein doppeltes Spiel trieb, belegen die vom Großadmiral beige­brachten Zeugnifle. Am 3. März meldete der Der- !roter des Reichsmarineamts aus Charleville, daß Holtzendorff und Falkenhayn alles daran setzen, um Tirpitz von den Beratungen beim Kaiser auszu- schließen.

Am 5. März schrieb Bethmann Hollweg an Herrn v. Iagow:Tirpitz hat ein scharfes Kabinetts- ichreiben bekommen, in dem die Beaufsichtigung der Presse auf dem Gebiete der Seekriegsführung dem .lbmiralftab übertragen wird. Die Marine- berren erwarten als Antwort Dir« pitzensAbschiedsgesuch.dasangenom- m e n werden würde. Letzteres trifft zu, ersteres bezweifle ich. Löhleins Mitteilungen im Bundesrat werden das Sprungbrett l i e fe r n müssen.

Entschuldigen Sie die Flüchtigkeit dieses Briefes und feine schlechte Schrift. Meine Nerven sind etwas unruhig."

Der Kanzler hatte also mit derscharfen Äabi» uettsorder" in Sachen des Nachrichtenbureaus den Bruch zwischen dem Kaiser und dem Kanzler herbei­zufuhren gewünscht, zweifelte aber noch am Erfolg, weil er sich selbst nicht denken konnte, daß Tirpitz wegen einer Frage von so untergeordneter Bedeu­tung, in der zudem Bethmanns Stellung sachlich wenig stark war, feinen Abschied nehmen werde. Er sah also scdärfcr alsdie Marineherren", womit er das mächtige Gegnerpaar des Großadmirals, den Kabinettschef Muller und den Admiralstabschef meinte. Ader der Kanzler hatte dafür ein anderes Sprungbrett" bereit, um den Absprung des Groß­admirals zu bewerkstelligen. Das sind die berühmten ober besser berüchtigtenfalschen Zahlen", die Löhlein, der Vertreter des Reichsmarineamts, im Bundesrat angeblich über den Stand des U-Boots- baues angegeben hatte. In der Tat hat diese gegen das Reichsmarineamt ausgestreute Behauptung in jenen Märztagen ihren Dienst zur Beseittgung von Tirpitz getan.

W a s wird Herr von Tirpitz nun machen?", fragte am Abend des 6. März in Char­leville der Kanzler den Admiralstabschef, bei dem er zum Abendessen geladen war. Wie gespannt die At­mosphäre war, zeigen folgende Sätze aus den Tagesmeldungen des Charleviller Vertreters des Reichsmarineamts nach Berlin:

6. März 1916.

,Ich habe den Eindruck, daß beim Reichskanz­ler, Admiral v. Müller und anderen entscheidenden

Aus August Sperls Kindheitsparadies.

Zu seinem 60. Geburtstag hatte der jüngst ver­storbene August S p^e r l, der Verfasser der bekann­ten Romane .Die Fahrt nach der alten Urkunde". Die Söhne deS Herrn Budiwoj", .Burschen heraus" seinen Freunden in den köstlichen »Ahnenbildern und Jugenderinnerungen" <E. H. Deck, München 1922) die Geschichte der .Sperle" erzählt, deren Schicksalen er bis ins Jahr 1383 nachgehen konnte. Diesem kerndeutschen Buche ist das nachstehende kleine Erlebnis aus der Jugendzeit des Dichters in dem idyllischen Landshut entnommen.

Wie sorglos lebte man doch nach dem ruhmreich beendeten Kriege von 1870/71. Sorglos und sicher. Auch wir Kinder wußten: Eine ungeheure Gelahr war abgewendet. Gewaltiges war geschehen, und ein großer Deutscher hatte sein Voll geeinigt. Und das Bild dieses großen Deuffchen war uns wohl vertraut. Schlohweiß war sein mächtiger Schnurr­bart, unter buschigen Brauen leuchteten durch­dringende Augen, riesig war sein Wuchs. Auf dem Kopf saß ihm ein Helm mit funkelnder Spitz«. Ob er alle Tage den blanken Küraß am Leibe trug, immer den Pallasch an der Seite, das hätten wir nicht zu sagen vermocht: jedenfalls glaubten tmr's gerne Und der hieß Bismarck. Der Inbegriff eines Deutschen. Der und noch einer, die hatten den Krieg gewonnen und die scheußlichen Schwarzen von unseren Grenzen abgehalten. Der aber hieß Helmut von Moltke. Der sah ganz anders aus. Er hatte ein schmales, bartloses Gesicht und stille, ernst­blickende Augen, war schlank und hager und sprach iur selten ein Wort. Und den kannte man ja nicht nur aus Bildern, nein, den hatte man unver­geßliches Ereignis von Angesicht zu Angesicht gesehen. Moltke fährt durch Landshut, so hieß es eines Rachmittags. Wie Der Wind ging die Rach- richt von Ohr zu Ohr. Rasch fertig machen! Du darfst mit hinaus. Und der Knabe lief neben dem Vater zum Bahnhof. Eine kleine Anzahl Menschen war versammelt. Alles in froher Spannung. Rur wenige Minuten wird der Zug halten. Also auf-